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Das Catena-Konzept und seine Anwendung in der Geomorphologie

Hausarbeit 2005 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Entwicklung des Catena-Begriffes
1.1 Hintergründe und Problematik
1.2 Die Bedeutung des Catena – Begriffes nach MILNE und VAGELER

2. Weiterentwicklung des Catena-Begriffes: Übertragbarkeit und Differenzierung
2.1 Die Voraussetzung „homogenes Gestein“ und „gleiches Luftklima“
2.2 Anwendung auf die gemäßigten Mittelbreiten Europas
2.3 Komplexe Hanggliederung
2.4 Ausgewählte Arten von Catenen: Fluviale-, Mass-Flow- und Geröllcatenen

3. Die Catena als Konzeption – Betrachtung eines dynamischen Prozesssystems
3.1 Laterale und vertikale Prozesse
3.2 Die Gleichgewichtszustände einer Catena

4. Die Catena in der Humangeographie

5. Schlussbemerkung

Bibliographie

1. Die Entwicklung des Catena-Begriffes

Der Catena-Begriff wurde 1935 zu ersten Mal von MILNE erwähnt. Dieser hatte sich mit Böden des Westafrikanischen Kontinents auseinander gesetzt, zu einer Zeit, als große Teile Afrikas Kolonien von „Mutterländern“ wie vor allem Frankreich, England aber auch Deutschland und Belgiens waren.

Diese neuen, geologisch und geographisch unbekannten Gebiete, wurden zum Aufgabenfeld vieler Bodenkundler, Geographen, aber auch Landwirte, die den Versuch unternahmen die Gebiete zu kartieren und geowissenschaftlich zu erforschen, häufig mit dem Hintergrund des „Profitstreben[s] der Mutterländer, die ein großes Interesse and der montan-, land- und forstwirtschaftlichen Ausbeutung ihrer Kolonien hatte“ (OPP 1984a: 204), und die Böden auf landwirtschaftliche Anbaueignung prüfen lassen wollten.

MILNE untersuchte großflächige Gebiete Ostafrikas, und fand eine gesetzmäßige Abfolge von Böden und Vegetation vom Hangscheitel bis zum Hangfuß, die sich auch auf andere Hänge anwenden ließ. Obwohl Milne sich Methoden bediente, die schon andere Geologen vor ihm angewendet hatten, gelang es ihm als erster den Begriff „Catena“ (lat.: Kette), der später für diese Abfolge allgemein bezeichnend wurde, verbindlich einzuführen. VAGELER griff diesen Begriff auf und verwendete ihn 1940 in seiner Arbeit „Die Böden Afrikas unter vom Standpunkt der Catenamethode“. Durch dessen detaillierte Ausführungen wurde der Begriff weiter definiert, so dass VAGELER nun ebenfalls als einer der „Begründer“ der Catena gilt (Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gneis-Granit-Catena im semihumiden Tropenklima Ostafrikas (OPP 1984a: 78 nach VAGELER 1952)

In der Folgezeit blieb der Begriff bestehen, es entstanden Differenzierungen, wie u. a. die Das Catena – Konzept und seine Anwendung in der Geomorphologie ursprüngliche Boden-, oder Soilcatena und die landschaftsökologische Catena, bei der die Abgrenzung zwischen Topen1 nicht nur durch den Vergleich von Böden, sondern auch Faktoren, wie die Vegetation und dem Substrat erfolgte. Jedoch wurde der ursprüngliche Begriff sehr stark abstrahiert und theoretisiert, so dass das Catena- Konzept nicht mehr mit der ursprünglichen Bedeutung übereinstimmte.

1.1 Hintergründe und Problematik der großflächigen Bodenuntersuchungen

Da sich das zu kartierende, bzw. das zu untersuchende Gebiet über große Dimensionen erstreckte, stellte sich für VAGELER das Problem eine Methode zu finden, wie Böden als Ganzes untersucht werden konnten, und sich nicht wie es zu seiner Zeit üblich war, nur der Analyse einzelner Bodeneigenschaften zu widmen (VAGELER 1940: 70) wobei gleichzeitig Kosten und Zeitaufwand möglichst gering gehalten werden sollte (OPP 1984a: 204). Er verurteilte die damaligen Bodenkarten als zu generalisiert und falsch (VAGELER 1940: 71), da sich Böden (vor allem in kleineren Dimensionen) von dem angegebenen Boden der zeitgenössischen Karten durchaus unterscheiden konnten. Die größten Abweichungen beobachtete er in Hängen und Senken – Gefügen, wo die Catenamethode zur Anwendung kommt.

1.2 Die Bedeutung des Catena-Begriffes nach MILNE und VAGELER

VAGELER erkannte, dass „rings um jede örtliche Erhebung vom relativen Erosionsscheitel bis zur relativen Erosionsbasis eine zonare, oft konzentrische, physikalische Sortierung des, von der Höhe stammenden Bodenmaterials [auftrat]“ (VAGELER 1940: 72). Diese Sortierung resultiert vor allem durch die Hanggenese, der Beschaffenheit des Bodenmaterials, der vorherrschenden Vegetation, der niederschlagsbedingten Erosion und der Dauer der Wirkungen. Schon MILNE schrieb der Catena eine Dynamik zu, einen Entwicklungsprozess, der von anthropogenen Eingriffen, wie z. B. dem Raubbau, zusätzlich beeinflusst wird. Außerdem bedeutete die Catenamethode eine „unmittelbare Nutzbarmachung bodenkundlicher Daten für die Praxis in einem Umfange und zu so verminderten Kosten der bodenkundlichen Aufnahme auch größter Territorien, wie es für kein sonstiges System gilt“ (VAGELER 1940: 75). Somit trat an die Stelle der statischen Betrachtung erstmals die „dynamische Betrachtungsweise in der praktischen Bodenkunde“ (OPP 1984a: 76), wobei die Betrachtung lateral ablaufender Prozesse im Vordergrund stand.

Bei der Vielzahl dieser frühen Arbeiten ist der Begriff Catena nicht eindeutig gegen das, was wir heute als Profil bezeichnen abgegrenzt. (HUBRICH 1967: 14) schreibt, dass es sich bei den damaligen „Catenen“ im eigentlichen Sinne um bloße landschaftsökologische Profile handelt. Hier wird wieder deutlich, dass damals eher die Abfolge der Catena-Glieder berücksichtigt wurde, aber der Schwerpunkt nicht auf die Vernetzung und Verkoppelung der Glieder gelegt wurde. Um die Catena-Methode auf Europa übertragen zu können, galt lange Zeit als Voraussetzung die Homogenität des Gesteins innerhalb der Catena.

2 Weiterentwicklung des Begriffs: Übertragbarkeit und Differenzierung

2.1 Die Voraussetzung „homogenes Gestein“ und „gleiches Lufklima“

MILNE und VAGELER behaupteten, die Catenamethode sei nur anwendbar an Hängen mit durchweg homogenem Gestein. Dieser Schluss liegt nahe, da zu Bodenbildung die Verwitterung des Ausgangsgesteins ein wesentlicher Bestandteil ist. Folglich müssten bei gleichem Luftklima und gleichem Ausgangsmaterial die gleichen Böden entstehen.

Trotz, dass VAGELER anführt, dass es sich bei dieser Argumentation um einen Fehlschluss handelt (VAGELER 1940: 71), und bei ähnlichen Bedingungen der Boden nicht zwangsläufig gleich sein muss, fordert er andererseits homogenes Ausgangsmaterial als Voraussetzung für die „Einheit“ der Catena.

Dieser Punkt wurde vor allem in den 1960er Jahren kritisiert, als Bemühungen unternommen wurden, die Catenamethode auf Hänge der europäischen Mittelbreiten anzuwenden. Insbesondere Ökologen wie HAASE und NEEF bewiesen die Anwendbarkeit auf Mitteleuropa ohne die homogene Böden vorauszusetzen, HAASE argumentierte, dass heterogenes Gestein in mitteleuropäischen Gebieten trotzdem „eine mehr, oder weniger gesetzmäßige Abfolge von Standorteinheiten im Hangprofil erkennen lässt. Ihre Gesetzmäßigkeit liegt dabei in der gleichen, oder sehr ähnlichen morphogenetischen Entwicklung bestimmter kleiner Landschaftsräume begründet“ (HAASE 1961: 7).

[...]


1 Ökologische Standorteinheiten mit geographisch homogenen Charakter (LESER 2001: 893) 3

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640431236
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135084
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Geographisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Catena-Konzept Anwendung Geomorphologie

Autor

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