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Der interdisziplinäre Ansatz von Hans Raffée

Inter- und transdisziplinäre Ansätze im Allgemeinen und im Kontext der Immobilienökonomie

Hausarbeit 2008 20 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

III Abbildungsverzeichnis

1 EINL EITUNG

2 SOZIALWISS ENSCHAFTLICH ES BASISKONZ EPT

3 VIER EX EMPLARISCH E ANSATZE AUS DER SICHTW EIS E DES SOZIALWISS ENSCHAFTLICH EN BASISKONZ EPT ES
3.1 Der fa ktortheoretische Basisansatz (nach Gutenberg )
3.2 Der Entscheidungsansatz
3.3 Der Systemansatz
3.4 Der Mar ketingansatz

4 PROBL EM E UND CHANC EN DES INTERDISZIPLINAREN ANSATZ ES

5 DER INTERDISZIPLINARE ANSATZ AUS SICHT DER IMMOBILIENOKONOMIE

6 AKTU ELL E ENTWICKLUNG EN IN DER INTERDISZIPLINAREN LEHRE UND FORSCHUNG: DAS HOUSE OF FINANCE IN FRANKFURT

7 AUSBLICK

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Interdisziplinarität der Wissenschaften

Abbildung 2: Das Haus der Immobilienökonomie

Abbildung 3: Der interdisziplinäre Ansatz

1 EINLEITUNG

Seit den 70er Jahren entwickeln sich zwei unterschiedliche Wissenschaftsprogramme in der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre: Der aspektorientierte und der interdisziplinäre Ansatz. Der aspektorientierte Ansatz, vertreten von Dieter Schneider, grenzt den Objektbereich der Betriebswirtschaftslehre ein und betrachtet nur einen relevanten Teilaspekt, um exakte wis-senschaftliche Theorien aufzustellen. Hans Raffée, Vertreter des interdisziplinären Ansatzes in der Betriebswirtschaftslehre, ist der Meinung, dass gerade diese eingeschränkte Sichtwei-se zu unpräzisen und realitätsfremden Aussagen führt und möchte Abhilfe schaffen durch die Einbeziehung von Erkenntnissen aus benachbarten Wissenschaften.

Klaus Backhaus hält in Anbetracht dieser auseinanderstrebenden Positionen eine Rückbe-sinnung auf das „Allgemeine" in der Betriebswirtschaftslehre für nötig.1 Es wird zu klären sein, in wie weit diese divergierenden Ansätze in einem zu integrieren sind. Günter Wöhe merkt an, dass die Grenzüberschreitung von Wissenschaftlern gar nicht mehr als solche wahrgenommen würden, weil sie sich und ihren Erkenntnisdrang nicht selbst beschränken wollten.2

Diese Arbeit hat zum Ziel, die Entwicklung des interdisziplinären Ansatzes mit einer knappen Darstellung anderer Ansätze zu erklären. Hierbei sollen Vor- und Nachteile aufgezeigt und anschlieflend Probleme und Chancen des interdisziplinären Ansatzes erörtert werden. Die weiterführenden Erläuterungen aktueller Entwicklungen und der Einblick in Karl-Werner Schultes Immobilienökonomie sollen den interdisziplinären Ansatz von Hans Raffée mit „Le-ben" füllen.

2 SOZIALWISS ENSCHAFTLICH ES BASISKONZ EPT

In der Betriebswirtschaftslehre unterscheidet sich das sozialwissenschaftliche Basiskonzept von dem ökonomischen Basiskonzept. Während ersteres die Betriebswirtschaftslehre als spezielle, interdisziplinär geöffnete Sozialwissenschaft mit der Idee der Bedürfnisbefriedi-gung versteht, so ist letzteres eine eigenständige und autonome Wirtschaftswissenschaft mit der Idee der Einkommensorientierung.3 Durch Impulse aus den Teildisziplinen wie der Orga­nisations-, Marketing oder Produktionswirtschaftslehre hat das sozialwissenschaftliche Ba-siskonzept zunehmend an Einfluss gewonnen, denn in der heutigen Gesellschaft geht man davon aus, dass Bedürfnisse und Bedarfe nicht mehr nur gedeckt sondern auch geweckt werden.4 Dies erfordert natürlich auch eine verhaltenswissenschaftliche Betrachtungsweise, in die gleichermaflen irrationale Handlungen und psychologische Aspekte mit einflieflen. Hinzu kommt, dass die Fiktion des homo oeconomicus Modells, welches die Verselbststän-digung der Wirtschaftswissenschaften neben den Sozialwissenschaften vorangetrieben hat,5 aufgegeben werden muss und die Betriebswirtschaft etwa die fehlende objektive Rationalität der Haushalte mit einbeziehen muss.6

Es bestehen Wirkungsverbünde, die im Rahmen der Betriebswirtschaftslehre nicht vernach-lässigt werden dürfen; so haben z.B. die Zufriedenheit der Arbeitnehmer und ein gesundes innerbetriebliches Klima fast immer positive Auswirkungen auf die Produktionsprozesse. Es besteht also ein Potential zur Weiterentwicklung durch die Offnung zu den Nachbardiszipli-nen. Um dies auszunutzen, erhalten psychologische und soziologische Aspekte Einzug in die Betriebswirtschaft, was aber keine Aufhebung der Arbeitsteilung bedeutet; lediglich die Kooperation der Wissenschaftsgebiete soll verbessert werden.

Das Verhältnis zwischen Mathematik und Betriebswirtschaftslehre ist ein erfolgreiches Bei-spiel dafür, wie fruchtbar eine solche Kooperation zweier Disziplinen sein kann. Raffée ent-wickelt daher die Idee, dass sich auf der Suche nach empirisch gehaltvollen Aussagen zur Entscheidungsfindung die verschiedenen Disziplinen als Hilfswissenschaften beistehen. Am untenstehenden Schaubild wird deutlich, wie die Kooperation in den Grenzbereichen der unterschiedlichen Wissenschaften theoretisch aussehen kann. In der Praxis zeigt sich, dass gerade Mathematiker und Physiker von Hedge-Fonds und Banken stark umworben werden.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Interdisziplinarität der Wissenschaften

Quelle:Raffée, Hans: Grundprobleme der Betriebswirtschaftslehre. Gottingen 1974, S.57

Kritik an dem geöffneten Disziplinenansatz kommt unter anderem von Dieter Schneider. Die-ser sieht hierin die Leistungsfähigkeit der Betriebswirtschaftslehre gefährdet und erkennt ei-ne Tendenz hin zu sehr breitem aber oberflächlichem Wissen und die Behinderung des Er-kenntnisfortschritts. Laut Schneider, einem Verfechter des ökonomischen Basiskonzeptes, wollen und können Handlungen nicht in allen Dimensionen erklärt werden, sondern betrach-ten nur den jeweiligen ökonomischen Teilaspekt.8

3 VIER EXEMPLARISCHE ANS

Es werden im Folgenden vier Ansätze aus der Perspektive des sozialwissenschaftlichen Ba-siskonzepts erläutert. Die vier beispielhaften Ansätze zeigen eine gewisse Steigerung hin zum Interdisziplinären. Sie werden im Folgenden nicht erklärt; vielmehr werden aus interdis-ziplinärer Sichtweise interessante Vor- und Nachteile kurz aufgezeigt.

3.1 Der fa ktortheoretische Basisansatz (nach Gutenberg )

Erich Gutenberg geht bei seinem faktortheoretischen Ansatz von idealtypischen Situationen aus. Dies, gepaart mit dem Verzicht auf Einbeziehung verhaltenswissenschaftlicher Erkenn-tnisse, bedeutet eine gewisse Realitätsferne. Das Unternehmen steht im Mittelpunkt des Interesses, d.h. die Belange der Konsumenten und damit verbundene Marketinggedanken werden nicht erfasst. „In seiner Abwendung von praktisch-normativen Uberlegungen zeigt sich der enge Bezug zur Grundposition von Wilhelm Rieger."9 Wenngleich der Ansatz insbe-sondere fir Produktions- und Kostentheorie wichtige neue Erkenntnisse gebracht hat, verliert er heute zunehmend an Bedeutung.10

3.2 Der Entscheidungsansatz

Im modernen Entscheidungsansatz rückt der Mensch ins Zentrum des Interesses. Im Ge-gensatz zum faktortheoretischen Ansatz stehen hier empirisch gehaltvolle Theorien im Mit-telpunkt, anhand derer eine Ableitung von Entscheidungshilfen durch Orientierung an theore-tischen Erkenntnissen erfolgen kann. Private Haushalte und Arbeitnehmerinteressen werden jedoch vernachlässigt. Der Entscheidungsansatz beschränkt sich weitgehend auf rationales Handeln11 und entzieht sich so einer Steigerung des empirischen Gehalts seiner wissen schaftlichen Aussagen durch Berücksichtigung aller Dimensionen eines Erfahrungsobjek-tes.12 Günter Wöhe bringt das Problem auf den Punkt: Man könne nicht davon ausgehen, dass der Entscheidungsträger über vollkommene Voraussicht verfüge und alle Variablen seiner Zielfunktion [z.B. Gewinnmaximierung, Kostenminimierung] kontrolliere. Vielmehr be-ruhten die Entscheidungen fast immer auf mehr oder weniger unsicheren Aktions-, Reakti-ons-, Trend- und Umwelterwartungen.13

3.3 Der Systemansatz

Mit dem Systemansatz findet ein disziplinenübergreifender Erkenntnistransfer statt, der der Betriebswirtschaftslehre hilft, ihre spezifischen Gestaltungsziele zu realisieren. Durch die interdisziplinäre Auslegung profitiert der Ansatz von den Nachbardisziplinen und kann dem sozialwissenschaftlichen Basismodell zugeordnet werden.14

Der Systemansatz empfiehlt eine Erweiterung der Untersuchung von Zusammenhängen auf die Makroebene. Raffée sieht hier aber durchaus die Möglichkeit umfassender Wirkungsana-lysen, indem er eine Einbettung des Systemansatzes nach Ulrich in den Entscheidungsan-satz vornimmt.15

3.4 Der Mar ketingansatz

Eine Unternehmung muss sich an ihrem Erfolg auf dem Markt messen lassen. Sie muss also die Kundenorientierung als strategische Leitidee erkennen und ist somit auch Führungskon-zeption für die Unternehmung.16 Raffées !dee des Marketingansatzes geht aber noch weiter, indem er ethische Fragen thematisiert: Die Betriebswirtschaft soll folglich auch Fragen zu verantwortlichem unternehmerischen Handeln beantworten.17

[...]


1 Vgl. Backhaus 1989, S.36.

2 Vgl. Wöhe 2002, S.32.

3 Vgl. Raffée 1993.

4 Vgl. Raffée 1993, S.23.

5 Vgl. Wöhe 2002, S.26.

6 Vgl. Raffée 1974, S.51, sowie auch Schanz 1979, S.133f.

7 Vgl. Maisch 2008.

8 Vgl. Schneider 1995, S.140ff.

9 Backhaus 1989, S.41. Die theoretische Orientierung Gutenbergs im Vergleich zur prak-tisch-normativen- zeigt sich z.B. in der Einbeziehung der Mathematik. Backhaus vermu-tet, dass die Mathematisierung der Betriebswirtschaftslehre auf ihn zuruckgeht. Vgl. dazu Backhaus, 1989, S.41.

10 Vgl. Raffée 1993, S.31.

11 Vgl. Raffée 1993, S.32ff.

12 Vgl. Raffée 1974, S.57 (ähnlich auch Popper: Logik der Forschung, 1994).

13 Vgl. Wöhe 2002, S.40.

14 Vgl. Raffée 1974, S.87ff.

15 Vgl. Raffée 1993, S. 34.

16 Vgl. Raffée 1993, S.42.

17 Vgl. Raffée 1993, S.42 ff, 1974, S. 106ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640433483
ISBN (Buch)
9783640433728
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135157
Institution / Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Note
1,3
Schlagworte
Immobilienökonomie Hans Raffée Sotelo interdisziplinär transdisziplinär Sozialwissenschaften Betriebswirtschaftslehre interdisziplinärer Ansatz Karl-Werner Schulte Schulte IREBS Regensburg Mannheim Weimar Bauhaus-Universität EBS IMMOEBS

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