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Grundeinkommen und Menschenbild

Empirische Befunde aus dem freiwilligen Engagement

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Freiwilliges Engagement und Ehrenamt
2.1. Begriffsklärung und Bedeutung
2.2. Konzeptionalisierungen von Engagement

3. Empirische Befunde
3.1. Der Freiwilligensurvey 1999 des BMFSFJ
3.2. Gründe für Engagement
3.3. Wer ist der Engagierte/ die Engagierte?

4. Motive und Hemmnisse
4.1. Motive
4.2. Hemmnisse

5. Schluss

Literaturliste:

1. Einleitung

In modernen Arbeitsgesellschaften haben sich Arbeits- und Lebensgemeinschaften ausdifferenziert. Erwerbsarbeit ist öffentlich und marktvermittelt organisiert, während andere Tätigkeiten privat und nicht- marktförmig erbracht werden. Die marktförmige Erwerbsarbeit dominiert alle anderen Formen der Arbeit, sie gilt als „wertschöpfend, wird sozial anerkannt und ist individuell sinnstiftend.“ (Kühnlein und Mutz 1999: 291) Im Zuge dieser Entwicklung haben sich drei grundlegende Sicherungssysteme entwickelt. Zum einen die individuelle Absicherung durch Erwerbsarbeit, dann der Rückhalt durch die Familie und zuletzt die gesellschaftliche Sicherung durch den Wohlfahrtsstaat. „Eine neue Ära der Technisierung der Produktion (Digitalisierung), der Internationalisierung des Wettbewerbs (Globalisierung) und der sozialen Ent-Bindung der Menschen (Individualisierung) hat jedoch die Struktur von Arbeitsgesellschaften verändert und zu einer Erosion der modernen Institutionen sozialer Sicherungen geführt. (Kühnlein und Mutz 1999: 291) Die Produktivität kapitalistischen Wirtschaftens wird immer effizienter wodurch immer mehr Produkte durch immer weniger Arbeitskraft hergestellt werden können. Dies führt zu einer zunehmenden Zahl an freigesetzten Erwerbspersonen. Der Wohlfahrtsstaat kann angesichts der so sinkenden Einnahmen und der gleichzeitig höher werdenden Belastung seinen Aufgaben immer weniger nachkommen. Da auch bestehende Beschäftigungsverhältnisse immer unsicherer werden, sind die Menschen gezwungen flexibel und mobil zu sein, was zu einer weiteren Individualisierung führt. Sie kommen also in die paradoxe Situation sich einerseits von sozialen Bindungen zu lösen um andererseits mit immer prekäreren Beschäftigungsverhältnissen konfrontiert zu werden. (Kühnlein und Mutz 1999: 292 f.)

Angesichts dieser strukturellen Krise der Lohnarbeit und den damit verbundenen sozialen Sicherungssysteme ,isst in den letzten Jahren eine zunehmend größer werdende Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen entstanden. Die Idee des Grundeinkommens ist es jedem Gesellschaftsmitglied ein generelles Mindesteinkommen zu garantieren. „Es soll die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen, ohne Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt werden und keinen Zwang zur Arbeit bedeuten.“ (Netzwerk Grundeinkommen 2009) Somit stellt es einen grundlegend anderen Ansatz zu den herkömmlichen Grundsicherungssystemen dar. Anstatt auf Haushalte und Bedarfsgemeinschaften zielt das Grundeinkommen auf das einzelne Individuum. Dabei wird es auch gezahlt wenn bereits andere Einkommen existieren. Und abschließend stellt es keine Bedingungen, wie etwa Arbeitsleistung oder Arbeitsbereitschaft. (Netzwerk Grundeinkommen 2009) In der öffentlichen Debatte über das Grundeinkommen werden immer wieder Gegenargumente und Ängste gegenüber einer tatsächlichen Einführung geäußert. So wird zum Beispiel die Entkopplung von Lohn und Arbeit und dem damit einhergehenden Aufgeben des Rechts auf Arbeit angeführt. (Daniela Schneckenburger 2009) Auch eine massenhafte Einwanderung von Ausländern und Armutsflüchtlingen, die das neue Sozialsystem ausnutzen wollen, wird befürchtet. (Manfred Julius Müller 2009)

Die für mich interessanteste Debatte innerhalb des Grundeinkommendiskurses dreht sich um die verschiedenen Menschenbilder. Grundlegend kann man sagen, es konkurrieren zwei Menschenbilder miteinander. Das Bild des faulen Menschen gegenüber dem des Sinn und Zweck suchenden Menschen. Das Problem hierbei ist, dass es sich bei der Frage nach der Natur des Menschen die den jeweiligen Menschenbildern zugrunde liegt um Überzeugungen handelt die sich im Individuum zum Beispiel aufgrund einer bestimmten Lehre (christliche, humanistische usw.) herausgebildet haben. Bekannte Leitbilder hierbei sind unter anderen der homo faber oder auch der homo oeconomicus. Die Frage nach dem richtigen oder falschen Menschenbild kann man hier nicht stellen, da es sich immer um eine subjektive Theorie handelt.

In unserem Fall wird in Bezug auf ein bedingungsloses Grundeinkommen der Mensch von Kritikern als grundlegend faul dargestellt. Ohne den Zwang durch Lohnarbeit die Existenz zu sichern würde er auch nicht arbeiten. Der christlich geprägte Leitspruch: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen.“ kommt hierbei zum Tragen. (Mathias Brake 2005) Es bedarf also einer externen Motivation- neben dem Lohn kann das auch Überwachung oder Bestrafung sein. (Douglas McGregor 1960: X) Das Gegenstück zu diesem Menschenbild sieht den Menschen als Sinn und Zweck suchend. Dieser Lebenssinn ist die Arbeit oder besser die Tätigkeit im weiteren Sinne. Hierbei ist er „von Natur aus leistungsbereit und von innen motiviert“ (McGregor 1960: Y) Die Arbeit ist dabei Quelle der Zufriedenheit und Selbstverwirklichung. Dem Menschen werden Verantwortung, Eigeninitiative, Kreativität und ein hohes Vermögen an Verstandeskraft zugestanden. (McGregor 1960:Y)

Die Frage die sich mir nun stellte, war ob sich dieses positive Menschenbild - McGregors Y- These- fundiert belegen lässt. Also ob es Situationen gibt in denen Menschen ohne externe Zwänge Arbeit um ihrer Selbst willen ausüben.

Ein erster Gedanke ging in Richtung Summerhill School- freie Schulen in denen es den Schülern selbst überlassen ist, ob und wie viel sie lernen wollen. Aus Berichten der Betreuer und Lehrer geht hervor, dass die überwiegende Mehrheit der Schüler nach einer kurzen durch Untätigkeit gekennzeichneten Phase des Übergangs vom traditionellen Schulwesen hin zum Summerhill System mit Begeisterung anfingen zu lernen und sich ganz allgemein zu bilden. Dabei waren sie auf einem ähnlichem Leistungsniveau wie die herkömmlichen Schulen. Allerdings erschienen mir die Berichte der Betreuer und Lehrer nur bedingt wissenschaftlich belastbar, vor allem weil ein Großteil der Berichte vom Summerhill Gründer A.S. Neill persönlich festgehalten und veröffentlicht wurden. (siehe A.S. Neill 1969)

Nach weiteren Überlegungen kam ich zu dem Schluss, dass das Ehrenamt und freiwilliges Engagement anscheinend, jedenfalls meinem Alltagsverständnis nach, den Bedingungen der Arbeit um ihrer selbst willen entsprechen. Hierbei wäre also erst einmal zu zeigen was in der Literatur unter Ehrenamt und freiwilligem Engagement verstanden wird. Dann werde ich anhand der größten und bedeutensten Studie zum Thema, dem Freiwilligensurvey des BMFSFJ ( Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) aus dem Jahre 1999, einen Überblick über das Feld der Freiwilligkeit geben. Weitere empirische Untersuchungen fließen zwar in meine Arbeit mit ein, werden aber nicht in diesem Umfang dargestellt um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen. Wobei besonders zu beachten wäre wer freiwillige Tätigkeiten ausübt und warum und in welchen ökonomischen und gesellschaftlichen Bereichen freiwilliges Engagement zu verzeichnen ist. Auf dieser Grundlage wird es auch möglich sein nach Motiven und Hemmnissen zu fragen. Zu Gute kommt mir dabei, dass in den letzten Jahren das freiwillige Engagement immer mehr wissenschaftliche Beachtung fand und es mittlerweile eine Vielzahl von theoretischen und empirischen Untersuchungen gibt. (Priller 1999: 131+132) Abschließend will ich noch darauf hinweisen, dass ich im Rahmen dieser Arbeit nur prüfen möchte ob sich ehrenamtliches Engagement aus dem genannten positiven Menschenbild erklären lässt und ob es andersherum das positive Menschenbild bestätigen kann. Dabei bleibe ich zumeist strikt auf diesem Weg und vermeide es mich auf die zahlreichen gedanklichen Abzweigungen zu begeben.

2. Freiwilliges Engagement und Ehrenamt

2.1. Begriffsklärung und Bedeutung

Selbsthilfe, Ehrenamt, freiwillige Arbeit und andere Formen bürgerschaftlichen Engagements haben in Deutschland eine lange Tradition. Das diese verschiedenen Felder von Handlungen aber ein ganz eigenes gesellschaftliches Feld besetzen, wurde erst in den letzten Jahren deutlich. Einen allgemein gebräuchlichen Oberbegriff für dieses Feld gibt es noch nicht. Eine Bezeichnung die allerdings immer mehr Verwendung findet ist das “freiwillige Engagement“. (BMFSFJ 2000: 16) In wissenschaftlichen Studien, die sich mit dem eher traditionellen Ehrenamt beschäftigen wie zum Beispiel in sozialen Diensten wird auch weiter vom Ehrenamt gesprochen. Hier wird dann meist zwischen politischem (Beteiligung an Planung, Organisation und Entscheidungsaufgaben in Institutionen) und sozialem Ehrenamt (Unterstützung und Betreuung von Hilfsbedürftigen) unterschieden. (Roth und Simoneit 1993: 143) Der Begriff “freiwilliges Engagement“ trägt allerdings dem Wandel, der seid den 80er Jahren zu verzeichnen ist, Rechnung. Politisch und akademisch angeschoben steht dem gesellschaftlichen Wandel von Motiven und Formen von Ehrenamtlichkeit ein Wandel der Leitbilder und Diskurse zur Seite. (Heinze und Olk 1999: 78)

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Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640434350
ISBN (Buch)
9783640434282
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135174
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Philosophie
Note
1,3
Schlagworte
Grundeinkommen Bedingungsloses Gerechtigkeit Freiwillige Arbeit Bürgerschaftliches Engagement

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Titel: Grundeinkommen und Menschenbild