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Atem, Stimme und Sprache aus der Sicht eines Sprechlehrers

Fachbuch 2009 31 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Robert Ernst Castellitz

Ausbildung:

Schauspiel (F. Schubert Konservatorium Wien)

Atem- Stimm- Sprechtrainer (Atemzentrum Coblenzer Zürich)

Schauspieltrainer (Strassberg Institut New York)

Berufspraxis:

Engagements in Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechien

Regiearbeiten bei Sommerfestspielen in Wien und Umgebung Lehrtätigkeiten am F. Schubert Konservatorium, Pädagogischen Instituten in Österreich, Seminare für Firmen im In- und Ausland, der Universität Wien und Einzelcoaching Auszeichnung für Lehrtätigkeiten des Landes Niederösterreich

EINLEITUNG

Allen Lebewesen mit Stimme ist es eigen, Seelenzustände durch Laute zu äußern. Wir kennen aus der Tierwelt die Lock- und Balzrufe der Vögel, das Hungergebrüll der Löwen oder das ängstliche Aufkreischen einer Stimme infolge von Gefahr oder Schmerz. Lautäußerungen dieser Art werden bei Tier und Mensch durch Reize ausgelöst und über Nervenbahnen zum Phonationsstrom weitergeleitet.

Die menschliche Stimme ist an bestimmte von der Natur vorgegebene Eigenschaften des Organismus gebunden. Diese sind nicht veränderbar, aber „veredelbar“.

Die Größe der Lunge, die Länge und Stärke der Stimmbänder, die Beschaffenheit der Resonanzräume sind fixe Größen, die auch durch viel Fleiß nicht verändert werden können. Die Muskulatur aber die, die Hauptorgane der Sprach- und Lautgestaltung umgibt und funktionstätig macht, kann durch gezieltes Üben angeregt werden.

Ein Ton ist zunächst stimmlos, erst durch die Schwingungselemente der Resonanzräume erhält er seinen spezifischen Klang.

Die Tonhöhe hängt von der Länge und Spannung der Stimmbänder und somit von der Anzahl der Schwingungen (Frequenz) ab.

Die Lautstärke ist vom Luftvolumen abhängig, das durch die Hilfe der Atmungsmuskulatur gesteuert wird und die entsprechende Schwingungsweite (Amplitude) in den Stimmbändern hervorruft.

Die Klangfarbe (Timbre) entsteht aus der Form der Schwingung und aus der individuellen Nutzung der Resonanzräume, wobei der aus der Stimmbandschwingung entstehende Primärton entsprechend abgewandelt und verstärkt wird.

Die Wort- und Begriffsgestaltung ist mit einem Denkprozess verbunden. Bei diesen Prozess werden die Impulse durch die verbale Äußerung vom Sprechzentrum im Gehirn an das Sprechzentrum im Kehlkopf weitergeleitet. Dort wo die Phonation des Lautes durch die entsprechende Einstellung der Stimmlippen zueinander vor sich geht. Für die Bildung der Sprachlaute (Phoneme),ist vor allem die formgebundene Gestalt der Mundhöhle und des Ansatzrohres, sowie das Zusammenwirken der einzelnen Artikulationsorgane maßgebend.

Der Stimmumfang eines erwachsenen Menschen erstreckt sich etwa über zwei Oktaven. Der Umfang der Sprechstimme in ihrer natürlichen Mittellage umfasst etwa sechs Töne. Die männliche Stimme liegt im allgemeinen zwischen G und E, die weibliche Stimme liegt um ca. eine Oktave höher.

1. KAPITEL DAS ATMUNGSORGAN

Das Atmungsorgan des Menschen ist die aus zwei Flügeln bestehende Lunge. Der rechte Flügel besteht aus drei, der linke aus zwei Lappen. Jeder der beiden Lungenflügel ist von einem luftleeren Sack umgeben, der Brustfell oder Pleura genannt wird. Der den Lungenflügel anliegende Teil wird Lungenfell, der den Rippen anliegende Rippenfell genannt. Die Organe der Bauchhöhle werden gegen den Brustraum durch das Zwerchfell (Diaphragma) abgeschlossen.

Bei der Aufnahme der Atemluft passen sich die durch Vakuum aneinandergehaltenen Pleurablätter der durch Muskeltätigkeit hervorgerufenen Weitung des Brustraumes elastisch an. Innerhalb der Lungen entsteht ein inspiratorischer Sog, der das Brustfell an die Wände des Brustkorbes bzw. an das Zwerchfell heranzieht.

Beim Einatmen (Inspiration) gelangt die Luft durch die Mund- oder Nasenhöhle in die Luftröhre (Trachea – ein ca. 12 cm lange aus einzelnen Knorpelringen bestehendes Verbindungsrohr zwischen Kehlkopf und Lunge, das mit Schleimhaut ausgekleidet ist). Bei ihrer Einmündung in die Lunge teilt sich die Luftröhre in zwei Stränge, die sich wieder in kleine und kleinste Äste (Bronchien, Bronchiolen) verzweigen, um sich am Ende in eine riesige Anzahl von Bläschen (300 – 400 Millionen!) zu erweitern (Bronchialbaum). Die Lungenbläschen (Alveolen) sind von einem feinen Gefäßnetz umgeben, in welchem der Kohlendioxyd – Sauerstoff – Austausch stattfindet.

Ein physikalisches Gesetz besagt, dass bei Arbeit Energie verbraucht wird. Für die Umsetzung von Energie in Arbeit ist Sauerstoff nötig. Die Lungenbläschen entnehmen den Sauerstoff aus der Atemluft und leiten ihn über das Gefäßnetz in die Blutbahn, von wo aus jedes Organ, jeder Muskel, jede Zelle mit dem für die Arbeitsleistung erforderten Treibstoff versorgt wird. Das frei werdende Kohlendioxyd wird über das Blutgefäßnetz zu den Alveolen zurückgeführt und bei der Ausatmung (Expiration) ausgeschieden.

Die gesamte Oberfläche der Lunge beträgt 80 – 100m2. Der Luftaustausch erfolgt ca. 16x in der Minute. Bei normaler, ruhiger Atmung wird etwa ½ Liter Luft gewechselt. Bei stärkster Ein- und Ausatmung wird eine Luftmenge von 3,5 – 5 Liter ausgetauscht. Man bezeichnet diese Leistung als Vitalkapazität der Lunge. Es bleibt jedoch immer eine Rest- oder Residialluft von ca. 2,5 – 3 Liter in der Lunge zurück.

Die Duplizität der Luftaufnahme durch Nase und Mund

Die drei lebenswichtige Substanzen, die der Mensch für seine Aufrechterhaltung des Organismus benötigt, sind Sauerstoff, Flüssigkeit und feste Nahrung.

Der Mensch vermag einige Wochen ohne Nahrung zu leben, einige Tage ohne Flüssigkeit aber nur wenige Minuten ohne Sauerstoff. Wir haben zwei Möglichkeiten um Luft aufzunehmen: Nase oder Mund.

Die Nase ist das vorzügliche Organ für die Aufnahme der Atemluft. Sie verfügt über Schwellkörper, Drüsen und Flimmerzellen, welche die Aufgabe haben, die Luft zu erwärmen, zu befeuchten und zu reinigen, bevor sie den Kehlkopf und die Lunge erreicht.

Die Mundatmung sollte nur als Ersatzatmung bei Erkrankung der Nase, bei übergroßer körperlichen Leistung oder bei raschem Redefluss verwendet werden.

2. KAPITEL DIE ATEMSTÜTZE

Zum Begriff Stützorgan gehören jene Muskeln, die am Atmungsvorgang und damit auch an der Stimmführung unmittelbar beteiligt sind und diese Vorgänge wesentlich beeinflussen. Da die Lunge selbst über keine Muskeln verfügt, ist die sie umgebende Muskulatur von besonderer Wichtigkeit für die Atemführung.

Die Atmungsmuskulatur besteht in erster Linie aus Zwerchfell (Diaphragma) und der Zwischenrippenmuskulatur (Intercostalmuskulatur) sowie aus der mit beiden in Verbindung stehenden Bauch- und Flankenmuskulatur.

Das Zwerchfell ist für die Atmung der stärkste und wichtigste Muskel. Es handelt sich dabei um eine flache, hochelastische quergelagerte Muskel-Sehnenplatte, die den Brustraum gegen die Bauchhöhle abschließt. Seine Randmuskeln reichen tief in die Bauchhöhle hinunter. Sie stehen mit allen anderen am Atmungsvorgang beteiligten Muskeln in nervlicher Verbindung. Im Zustand der Ruhe, im ausgeatmeten Zustand also, ist das Zwerchfell, gemäß der Struktur seiner Muskelfasern und infolge des Eingeweidedruckes (abdominller Druck), nach oben, in den Brustraum hinein gewölbt. Das Zwerchfell wird von der größten Schlagader des Körpers, der Aorta, und der Speiseröhre sowie von Nervensträngen durchstoßen.

Es ist die Stelle, wo der zwischen den Lungenflügeln befindliche Herzbeutel mit dem Gewebe des Zwerchfells verwachsen ist und die den ruhenden Punkt innerhalb seines Bewegungsbereiches darstellt. Infolge der, durch den Befehl aus dem verlängerten Rückenmark ausgelösten Abflachung der Zwerchfellkuppen werden die Baucheingeweide nach unten verdrängt, was ein seitliches Ausweichen der Organe zur Folge hat.

Eine Spannung der Bauchdecke und Weitung des Leibes unterhalb der Rippen bis nach hinten zu beiden Seiten der Wirbelsäule wird fühlbar. Neben dem Zwerchfell sind Bauchdecken- und Flankenmuskeln an dieser Bewegung beteiligt. Das Zwerchfell wird durch seine Kontraktion und die damit verbundene Verschiebung von Organen(Leber, Milz, Lunge) sowie durch den Druck auf Magen und Darm zu einer merklich fühlbaren Kraft gegen den Eingeweidedruck. Außerdem übt es auch eine Massagefunktion für die Baucheingeweide aus, die mit jedem Atemzug angeregt und durchblutet werden.

Infolge dieser Vertikalhebung ermöglicht das Zwerchfell die maximale Ausdehnung der Lungen gegen den Weichteilbereich des Unterbauches und damit die Nutzung der gesamten Lungenkapazität. Es trägt somit den Hauptteil des Atmungsgeschehens.

Die Zwischenrippenmuskeln sind auf die Tätigkeit des Zwerchfells genau abgestimmt. Durch die Inspirationsstellung des Zwerchfells nimmt auch der Brustkorb die Einatmungsstellung ein. Diese Bewegung gewährleistet die maximale Ausdehnung der Lungen im Bereich des Brustraumes. Die von den äußeren Intercostalmuskeln aufgebaute Weitung des Brustkorbes durch die Einatmung wird erst am Ende der Phonation durch die Gegenwirkung der inneren Intercostalmuskeln abgebaut. Ihre Aufgabe ist es den Brustkorb bei der Ausatmung zusammenzuziehen.

Der Brustkorb wird bei der Luftaufnahme in seinem unteren Bereich fassartig geweitet und im Verlauf der Ausatmung lang und schmal. Schultergürtel, Brust- und Schlüsselbein bleiben am Atmungsgeschehen nahezu unbeteiligt!

Der Raum für die maximale Entfaltung der Lunge wird demzufolge bereits vor dem Einfließen der Atemluft geschaffen und bleibt über die Phase der Phonation bestehen. Bei dem Streben nach Kontinuität der Atemführung fällt dem Zwerchfell die Aufgabe zu, einerseits dem Kleinerwerden der Lunge nicht erschlaffend nachzugeben, andererseits dem aus der Bauchhöhle nach oben wirkenden Druck der Eingeweide standzuhalten, ohne dabei die eigene Spannungselastizität einzubüßen. Das Zwerchfell ist als hochelastische Membrane, die sich zwischen Eingeweidedruck und Atemdruck in Schwebebewegung befindet, zu verstehen.

Das Zwerchfell ist für die Dosierung und Zügelung der Expirationsluft bei der Gestaltung des sprachlichen Ausdrucks von großer Bedeutung. Es wird als federnd gespannte Membran zu einem idealen Sprungbrett für die Stimmlaute.

Als Stützorgan fällt dem Zwerchfell die Aufgabe zu, durch Aufrechterhaltung des Spanndruckes gegen die Baucheingeweide die Sogspannung im Pleuralbereich aufrecht zu halten, welche das Zusammenfallen des Lungengewebes verhindert und die Dosierung des Atemstromes ermöglicht.

Die richtige Körperhaltung

Die Grundvoraussetzung für die richtige Atemführung ist die aufrechte Körperhaltung mit gestreckter Wirbelsäule und waagrecht stehendem Becken. Erfüllt dieses seine natürliche Funktion als „Schale für die Eingeweide“, erübrigt sich ein Einziehen der Bauchdecke, welches die Beweglichkeit und Elastizität der Atmungsmuskulatur blockiert. Dies würde zu Verspannungen im Bereich der Bauchdecke führen und die Atemluft am Einfließen in die Tiefe der Lungen behindern. Die Folge davon wäre eine isolierte Brust- /Schlüsselbeinatmung. Das Gewicht des Brustkorbes, des Schultergürtels und der Arme, das auf der Lunge lastet, würde beim Einatmen deren Entfaltung, beim Ausatmen die Dosierung der Ausatmungsluft zu einem gleichmäßig, kontinuierlich, langsamen Strom verhindern.

Das mühsame Heben des Brustkorbes und Schultergürtels beim Einatmen führt nicht nur zu Verspannungen der Halsmuskulatur, sondern könnte auch durch gewaltsames Einsaugen der Luft, zu Überdehnungen der Lungenbläschen führen und mitunter sogar organische Leiden hervorrufen.

Die starke Muskulatur zu beiden Seiten der Wirbelsäule streckt das Rückgrat vom Kreuzbein bis zum Nackenwirbel und hebt den Oberkörper selbsttragend aus dem Becken heraus. Durch bewusste Zwerchfellatmung mit der organischen Verlagerung des Atemschwerpunktes in das Becken erhält der Körper Kraft und Stabilität. Die Durchlüftung des Brustraumes bei der Intercostalatmung fügt dem Körpergefühl der Stabilität noch die Empfindung der Leichtigkeit hinzu, die sich positiv auf den Ansatz der Laute sowie auf sämtliche Bewegungen des Körpers auswirkt.

Die Elastizität der Atmungsmuskulatur

Jeder kennt die hohe Oberflächenspannung eines qualitativ guten Gummiballes. Der Aufprall des Balles am Boden und die Delle, die dabei entsteht, die er aber auf Grund der Qualität seines Materiales sofort auszuspannen im Stande ist, lässt sich auf die Funktion des Zwerchfelles übertragen. Auch hier kommt es auf die rasche Wiedererlangung seiner Spannung an, um die beim Sprechen abgegebene Luft möglichst leicht und geräuschlos zu ergänzen.

Die Bewegung eines Kolbens im Zylinder eines Verbrennungsmotors veranschaulicht die Vertikalbewegung des Zwerchfelles innerhalb der Bauchhöhle. Der Augenblick der abgeschlossenen Intensiv Ausatmung (-t) ist dem Zündungsmoment gleichzusetzen. Durch Explosivkraft wird der Kolben abwärts getrieben, wobei fast gleichzeitig im Zylinder der Sog für die Ansaugung des Kraftstoff-Luftgemisch erfolgt.

Im menschlichen Körper bewirkt der, durch das Hinabschnellen des Zwerchfells entstehende Sog, das Hinabziehen der Lungen und gleichzeitig das Einströmen der Atemluft.

Das dritte Beispiel soll das Augenmerk auf die Horizontalbewegung der Atmungsmuskulatur legen.

Ein Gummiballon mit Ausströmventil wird mit zwei Fingern zusammengedrückt. Es entströmt Luft. Sobald der Druck der Finger aufhört, kehrt der Ballon wieder in seine ursprüngliche Form zurück. Durch das elastische Zurückschnellen des Gummimantels entsteht innerhalb des Ballons ein Sog, der die verbleibende Luft an die Wand heranzieht und Raum für das Einfließen neuer Luftteile von außen schafft. Das Luftvolumen wird so wieder ergänzt.

Beim Mensch erfolgt das Hinauspressen der Luft durch Kontraktion der Lungenbläschen unter Mithilfe der, die Rippen zusammenziehenden, inneren Intercostalmuskulatur. Dies übt Druck auf die Flankenmuskulatur aus, wodurch die ausgespannte Zwerchfellmuskulatur wie eine erschlaffende Feder entspannt und in ihre Ruhelage zurückkehrt. Der Brustkorb wird lang und schmal. Er überlappt die gehobenen Zwerchfellkuppen. Beim Nachlassen des Druckes seitens der Intercostalmuskeln entsteht sogleich im Zwerchfell wieder die Inspirationsspannung.

3. KAPITEL DAS STIMMORGAN

Das stimmgebende Instrument des Menschen setzt sich aus Ton erzeugenden und Ton verstärkenden Organen zusammen.

Das Organ ist der Kehlkopf (Larynx), in dem durch Schwingungen der Stimmbänder ein Ton erzeugt wird.

Das Gerüst des Kehlkopfes besteht aus zwei miteinander korrespondierenden Knorpeln. Das sind: der Ringknorpel, der unmittelbar an die Luftröhre anschließt, und der sich darüber befindliche Schildknorpel, beide sind durch Muskel und Bänder miteinander verbunden. Sie werden mittels zweier Gelenke gegeneinander bewegt. Die ungeheure Elastizität und Dehnbarkeit der Luftröhre ermöglicht die Gegeneinanderbewegung der beiden großen Kehlkopfknorpel zur Spannung der Stimmlippen wie auch das Auf- und Abwärtswandern des Kehlkopfes bei jedem Schlucken.

Die beiden Stimmmuskeln entspringen im vorderen inneren Winkel des Schildknorpels (Adamsapfel) und führen quer über den Ringknorpel nach hinten zu den Ansatzpunkten der beiden Stellknorpel. Diese, auch Aryknorpel genannt, sind dreiseitige, pyramidenförmige Körper. Der stumpfe Winkel derselben stellt jeweils die Gelenkverbindung zum Ringknorpel dar. An einem der beiden Winkel setzt der Stimmmuskel, am anderen, der Stellmuskel an.

Die Bezeichnung des Stimmmuskels als Band ist allgemein üblich, gleicht aber eher einem flachen Prisma, dessen Seitenflächen von elastischen Muskelfasern durchzogen sind und in verschiedene Richtungen laufen, für dessen Kante die Bezeichnung Stimmlippe üblich ist.

Bei der Verschiebung der Stellknorpel entlang des hinteren Ringknorpelrandes entsteht zwischen den Stimmlippen eine Spalte, die Stimmritze oder Glottis genannt wird.

Die Form der Stimmritze hängt von der Stärke des Luftstromes und der Art der phonatorischen Art ab.

Man unterscheidet 5 Grundformen der Stimmritze:

1. Respirationsstellung:

Bei normaler Atmung ist die Stimmritze so weit wie ein spitzwinkeligen Dreieckes geöffnet.

2. Phonationsstellung:

Stimmlippen und Stellknorpel liegen locker aneinander; der den Ton tragende Luftstrom versetzt die Stimmmuskeln leicht in Schwingungen. Der dabei entstehende

Stimmlippenton wird Ur- oder Primärton genannt. Die Schwingung des Stimmmmuskels ist vorwiegend eine gegeneinanderschlagende Horizontalbewegung mit zusätzlichen vertikalen Öffnungen.

3. Flüsterton:

Die Stimmlippen liegen aneinander, zwischen den Schenkeln der Stellknorpel und dem Ringknorpel bleibt ein kleiner dreieckiger Raum offen, in dem beim Durchströmen der Luft das Flüstergeräusch entsteht. Die Stimmmuskeln selbst sind durch den Verschluss an der Schwingung gehemmt und können keinen Klang entfalten.

4. Vollverschluss:

Die Stimmritze ist auch im Bereich der Stellknorpel geschlossen, da die Schenkel derselben aneinander liegen. Der Vollverschluss erfolgt beim Schluckakt oder in Presssituationen (Husten, Räuspern).

5. Vollatmungsstellung:

Die Stellmuskulatur zieht die Muskelfortsätze der Stellknorpel nach hinten, die Stimmfortsätze rücken auseinander und die Glottis öffnet sich in der dem Luftvolumen bzw. dem Laut entsprechenden Weite. Sie nimmt dabei die Form eines Fünfecks an.

Der Kehlkopf

Bei besonders lockerer Stimmmuskeleinstellung durch tiefen Kehlkopfstand werden die oberhalb der Stimmlippen befindlichen Haupttaschen (Morganischen Taschen) auseinandergezogen. Sie tragen zur Erweiterung der Kehlkopfhöhle bei und ermöglichen den lockeren Stimmlippen das Durchschwingen.

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Details

Seiten
31
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640451197
ISBN (Buch)
9783640451173
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135357
Note
Schlagworte
Atem Stimme Sprache Sicht Sprechlehrers

Autor

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