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Die Nähe- und Distanzmodellierung nach Matthilde Hennig

Hausarbeit 2009 9 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Nähe- und Distanzmodellierung nach Hennig

3 Engführung der Orientierung durch Bestätigungssignale

4 Bibliografie

1 Einführung

Mathilde Hennig beschreibt in ihrer Arbeit zur „Grammatik der gesprochenen Sprache in Theorie und Praxis“[1] zwei Theoriebausteine, die Neumodellierung des Nähe- und Distanzmodells von Koch und Oesterreicher[2], sowie das Mehrebenenmodell von Norm und System nach Coseriu[3].

Diese können jedoch nicht den Anspruch erheben per se einer allgemeingültigen Grammatiktheorie gerecht zu werden und müssen daher als einzelne Bestandteile einer universalen Theorie verstanden werden.

In bezug auf die Entwicklung einer universalen Grammatik knüpft Hennig an die Vorstellung A`gels von einer dynamischen Sprachtheorie an, welche sowohl panchronische, als auch panmediale Charakteristika aufweist.

Die panmediale Ebene beleuchtet zum einen das gesamte Medium Sprache, aber auch den Differenzcharakter, welchen Schriftsprache und gesprochene Sprache im unmittelbaren Vergleich besitzen. Zudem verlangt die Anforderung an eine panchronische Sprachtheorie die Betrachtung sowohl historischer als auch gegenwärtiger Sprachquellen, um das Entwicklungsmuster sprachlicher Strukturen zu veranschaulichen.[4]

Innerhalb dieser komplexen Grammatiktheorie versucht Hennig zunächst eine detaillierte Differenzierung von gesprochener Sprache im Vergleich zur Schriftsprache durch die Betrachtung der jeweiligen Kommunikationsbedingungen zu ermöglichen.[5]

Jeder Gesprächskonstellation liegen individuelle Kommunikationsbedingungen zu Grunde. Hierbei weisen jedoch Redebeiträge der Schriftsprache andere Spezifika auf als Gespräche im Bereich der gesprochenen Sprache. So ist ein direktes Gespräch oft dialogisch orientiert, da es die Teilnahme mehrerer Gesprächsteilnehmer erfordert. Der unmittelbare Kontakt der Teilnehmer bedingt zugleich eine Gesprächsführung, die durch gemeinsames Interagieren und eine Gleichzeitigkeit von Planen des Redebeitrages und Reden per se gekennzeichnet ist.

Im Gegensatz dazu ist ein schriftsprachlicher Beitrag vorrangig monologisch orientiert, wobei der Sprecher die Gesprächsituation für den Rezipienten veranschaulichen muss, da jener das Gespräch nicht direkt mitsteuern kann.

Es wird deutlich, dass durch die Visualisierung der jeweiligen Kommunikationsbedingungen beleuchtet werden kann, ob ein beliebiger Redebeitrag schrift- oder gesprochensprachliche Charakteristika aufweist. Durch das Aufzeigen der jeweiligen spezifischen Merkmale, kann eine Differenzierung von Schrift und Sprache ermöglicht werden.

2 Die Nähe- und Distanzmodellierung nach Hennig

Hennigs Entwurf eines komplexen, die Kommunikationsbedingungen und davon abhängenden Versprachlichungsstrategien einbeziehenden, Nähe-/ Distanzmodells greift auf verschiedene Forschungsansätze zurück..

Zunächst verweist sie auf das Freiburger Redekonstellationstypenmodell, das als Instrumentarium zur Erfassung von Textsorten dient, welche als Untersuchungsgegenstand in der Gesprochenen Sprache Forschung verwendet werden können. Das Modell beschreibt konkrete Kommunikationsbedingungen, wie beispielsweise die Anzahl der Sprecher oder die Themafixierung, und hinterfragt deren Bezug zu beliebigen Gesprächskonstellationen.[6]

Des Weiteren erwähnt Hennig die Modellierung von Fiehler, welche sich ausführlich mit der Abhängigkeit der Redebeiträge von den jeweiligen Kommunikationsbedingungen auseinandersetzt, kritisiert jedoch Fiehlers medial- extensional ausgerichtete Sichtweise auf gesprochene Sprache, da Hennig eine eher prototypisierende Auffassung dieses Forschungsgegenstandes vertritt.

Unmittelbar bezieht sie sich auf das Modell von Koch und Oesterreicher, welches prototypisierend auf der Basis von Nähe und Distanz arbeitet und der „Systematisierung des Zusammenhangs zwischen Kommunikationsbedingungen und grammatischen Erscheinungen“[7] dient.

Unterschieden wird zwischen einer medialen und einer konzeptionellen Begriffsbestimmung von Sprache, wobei die konzeptionelle Dimension mit den Metaphern Nähe, eher gesprochensprachliche Merkmale, und Distanz, eher schriftsprachliche Merkmale, umschrieben werden kann.[8]

Der Grund für die Weiterentwicklung besagten Modells durch Hennig besteht in der Tatsache, dass dieses nicht für empirische praktische Arbeit mit Redebeiträgen geeignet ist, da es keine konkrete Rückführbarkeit von Versprachlichungsstrategien auf Kommunikationsbedingungen erkennbar macht und daher nicht ersichtlich wird aus welchen Bedingungen sich jeweils die Nähe- oder Distanzsprachlichkeit eines Redebeitrages ergibt.[9]

Hennig verfolgt das Ziel, mit dem Modell eine konkrete Zuordbarkeit von Gesprächskonstellationen zu den Polen Nähe ( gesprochene Sprache) oder Distanz (Schriftsprache) zu ermöglichen, um so auf einer universalen Ebene über den Weg empirischer Forschung auch historische Quellentexte und Kommunikationsformen im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit verordnen zu können.

[...]


[1] Hennig, M.: Grammatik der gesprochenen Sprache in Theorie und Praxis, 2006.

[2] Koch, Peter u. Wulf Oesterreicher: Srache der Nähe- Sprache der Distanz. Mündlichkeit und

Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte, in: Romanistisches

Jahrbuch (36), hg. Von Olaf Deutschmann u.a., Berlin 1985, S. 15-33.

[3] Hennig, M: Grammatik der gesprochenen Sprache, S.102.

[4] Vgl. ebd., S.53 ff..

[5] Vgl. ebd., S.62.

[6] Vgl. Hennig, M: Grammatik der gesprochenen Sprache, S.64.

[7] ebd., S.62.

[8] Vgl. Koch, P.: Sprache der Nähe, S.20 ff. .

[9] Vgl. Hennig, M: Grammatik der gesprochenen Sprache, S.70.

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640442010
ISBN (Buch)
9783640442072
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135713
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Schlagworte
Nähe- Distanzmodellierung Matthilde Hennig

Autor

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Titel: Die Nähe- und Distanzmodellierung nach Matthilde Hennig