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Teilnehmende- und nichtteilnehmende Beobachtung mit ihren Vor- und Nachteilen

Hausarbeit 2002 12 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Erklärungs- und Differenzierungsansätze von teilnehmender und nichtteilnehmender Beobachtung

3. Kurze Darstellung der typischen Vor- und Nachteile beider Beobachtungsformen
3.1. Die Nachteile der nichtteilnehmenden Beobachtung bzw. die Vorteile der teilnehmenden Beobachtung
3.2. Die Nachteile der teilnehmenden Beobachtung bzw Vorteile der nichtteilnehmenden Beobachtung

4. Die Anwendungsgebiete der teilnehmenden und der nichtteilnehmenden Beobachtung

Literaturverzeichnis

1. Problemstellung

Häufig ist es eines der schwierigsten Herausforderungen eines Feldforschers, der gerne eine Beobachtung innerhalb eines Forschungsprojektes durchführen möchte, die richtige Beobachtungsform für sein spezielles Problem auszuwählen. Daher versucht diese Hausarbeit einen Überblick über zwei wichtige Beobachtungsformen, die teilnehmende und die nichtteilnehmende Beobachtung zu geben. Dazu wird zuerst im Kapitel 2 der Versuch unternommen werden, die teilnehmende und die nichtteilnehmende Beobachtung möglichst genau zu unterscheiden, da ohne eine Unterscheidung auch keine Aussagen über Vor- bzw. Nachteile getroffen werden können. Ist die Differenzierung abgeschlossen, kann damit begonnen werden, die Vor- und Nachteile der beiden Formen der Beobachtung herauszuarbeiten (Kapiteln 3.1. und 3.2.). Dabei kann es auf den ersten Blick etwas verwirren, dass bei den beiden Kapiteln jeweils die Nachteile der einen Beobachtungsform zusammen mit den Vorteilen der anderen Beobachtungsform in der Überschrift aufgeführt werden. Oft ist es aber der Fall, dass sich ein Problem der ersten Beobachtungsform durch Anwendung der zweiten Beobachtungsform ausschließen lässt, was man dann automatisch als Vorteil für die zweite Form werten kann. Auf Ausnahmen wird dann in den entsprechenden Kapiteln nochmals genauer verwiesen. Sind die Vor- und Nachteile eindeutig hervorgehoben, so kann man daraus die Anwendungsgebiete sowohl von teilnehmender als auch von nichteilnehmender Beobachtung bestimmen (Kapitel 4), da in manchen Situationen bestimmte Vor- bzw. Nachteile größeres Gewicht erhalten als andere.

Aus dem Kapitel 4 erschließt sich dann auch die Wichtigkeit meines Themas für einen Feldforscher, der die Beobachtung als sein Instrument zur Datenerhebung bestimmt hat. Durch eine sorgfältige Auswahl der Beobachtungsform für ein bestimmtes Anwendungsgebiet lassen sich viele Fehler und Probleme, die während der Datenerhebungsphase auftreten, bereits im Voraus ausschließen.

Kurz soll an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, Beobachtung in verschiedene Kategorien aufzuteilen (z.B. verdeckt versus offen). Da dies aber für mein Thema nur am Rande wichtig ist und auch in anderen Hausarbeiten nochmals genauer auf diese Unterscheidungen eingegangen wird, soll in meiner Hausarbeit auf diese Kategorisierungsmöglichkeiten nur dort eingegangen werden, wo dies zum Verständnis meiner Ausführungen unbedingt nötig ist.

2. Erklärungs- und Differenzierungsansätze von teilnehmender und nichtteilnehmender Beobachtung

Beobachtung allgemein ist nach Graumann „die absichtliche selektive Art des Wahrnehmens, die ganz bestimmte Aspekte auf Kosten der Bestimmtheit von anderen beachtet[...]“ (Graumann 1966, S. 87, zit. n. Sumanski 1977, S.45). Die Unterscheidung zwischen teilnehmender und nichtteilnehmender Beobachtung wurde zuerst von Lindenmann 1924 vollzogen, als er einen ,objektiven´ und einen ,teilnehmenden´ Beobachter unterschied (vgl. Grümer 1974; S. 45). In den meisten Quellen werden heute die beiden Beobachtungsformen nach dem Kriterium unterschieden, ob der Beobachter Mitglied in der zu beobachtenden Gruppe ist oder Außenstehender. Beispielsweise machen Friedrichs/Lüdtke 1971 zu einem wichtigen Merkmal der teilnehmenden Beobachtung, dass der Beobachter in der Gemeinschaft der Beobachteten eine weitere Rolle (außer die des reinen Beobachters) wahrnimmt (beispielweise ein Lehrer, der neben seiner Lehrertätigkeit in seiner Klasse eine Beobachtung durchführt). Er nimmt also unmittelbar am alltäglichen Handlungsablauf der zu Beobachtenden teil (vgl. Friedrichs/Lüdtke 1971, S. 17+18). Begnügt sich der Beobachter dagegen mit der Rolle des unbeteiligten Zuschauers, so redet man von nichtteilnehmender Beobachtung(vgl. Martin/Wawrinowski 1991, S. 39) (zum Beispiel ein Außenstehender, der für einige Stunden den Unterricht eines Lehrers in einer bestimmten Klasse beobachtet). Dabei spielt es keine Rolle, ob der Beobachter systematische, unsystematische, offene oder verdeckte Beobachtung betreibt. Vielmehr kann man all diese Beobachtungsformen sowohl in eine teilnehmende als auch in eine nichtteilnehmende Beobachtung eingliedern (vgl. Friedrichs 1980, S. 273). Eine genauere Differenzierungsmöglichkeit prägte Atteslander 1971. Er unterschied nicht in teilnehmende und nichtteilnehmende Beobachtung, sondern in Beobachtung mit hohem Partizipationsgrad, die er aktiv-teilnehmende Beobachtung und Beobachtung mit geringem Partizipationsgrad, die er passiv-teilnehmende Beobachtung nannte. Den Begriff nichtteilnehmende Beobachtung verwendet er nicht, weil nach seiner Meinung jeder Beobachtungsvorgang im strengen Sinne teilnehmend ist, da in jedem Falle der Beobachtung ein Minimum an Eingliederung in die Beobachtungssituation besteht (zum Beispiel dadurch dass der Beobachter die Beobachtungssituation mit seinen Sinnesorganen registriert) (vgl. Atteslander 1971, S.136). Differenzierter ist diese Betrachtungsweiße daher, weil man hier nicht nur die Möglichkeit besitzt zwischen zwei Extrema zu unterscheiden (teilnehmend versus nichtteilnehmend), sondern viele verschiedene Abstufungen für den Partizipationsgrad unterscheiden kann.

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638192118
ISBN (Buch)
9783638781466
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13598
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Teilnehmende- Beobachtung Vor- Nachteilen

Autor

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Titel: Teilnehmende- und nichtteilnehmende Beobachtung mit ihren Vor- und Nachteilen