Lade Inhalt...

Stundenentwurf zur Einführungsstunde - Thema: Aktiv und Passiv

Unterrichtsentwurf 2009 36 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Analyse des Lehr- und Lernfeldes
1.1. Thema und Problemstellung des Vorhabens
1.2. Einordnung in die Bildungsstandards/ Kompetenzbereich(e)
und in die Kernlehrpläne

2. Sachanalyse

3. Didaktische Reflexion
3.1. Begründung/ Relevanz des Themas
3.2. Didaktische Reduktion
3.3. Schwerpunktsetzung
3.4. Thema der Stunde
3.5. Stellung der Stunde in der Unterrichtsreihe
3.6. Lernziele/ Kompetenzen
3.7. Motivation
3.8. Organisation des Lernprozesses
3.9. Lernerfolgskontrollen
3.10. Zu erwartende Schwierigkeiten
3.11. Hausaufgaben

4. Methodische Vorbereitung
4.1. Medien
4.2. Arbeits- und Sozialformen

5. Verlaufsplanung

6. Unterrichtsnachbereitung

7. Anhang
7.1. Unterrichtsmaterialien
7.1.1. Arbeitsblatt 1 und Lösungsblatt
7.1.2. Arbeitsblatt 2 und Lösungsblatt
7.1.3. Arbeitsblatt 3 und Lösungsblatt
7.1.4. Arbeitsblatt 4 und Lösungsblätter
7.2. Tafelanschriften
7.2.1. Tafelanschrift 1
7.2.2. Tafelanschrift 2

8. Literatur
8.1. Zur Sachanalyse
8.2. Zur Didaktik
8.3. Zu den Unterrichtsmaterialien

1. Analyse des Lehr- und Lernfeldes

1.1. Thema und Problemstellung des Vorhabens

Thema der Unterrichtsstunde ist die Einführung in die Bildung und Verwendung von Aktiv und Passiv. Die Schüler sollen hierbei – da es sich um die Einstiegsstunde zum Thema handelt – erkennen, dass es im Deutschen zwei Handlungsarten gibt. Die Handlungsarten des Verbs sollen den Schülern durch eine induktive Erarbeitungsform nähergebracht und anhand von Beispielen eingeübt werden. Eventuell auftretende Probleme könnten darin bestehen, dass bei den Schülern Defizite bei der bereits als bekannt vorausgesetzten Verbflexion bestehen, wovon ich jedoch bei Klassenstufe 7 ERS (M-Bildungsgang) nicht ausgehe.

Da es sich bei der Behandlung der Handlungsrichtungen des Verbs abgesehen von absoluten Grundvoraussetzungen des Deutschunterrichts um eine vollkommen neue Thematik handelt, sind zur Einführung der Thematik keine Wiederholungsübungen nötig.

1.2. Einordnung in die Bildungsstandards/ Kompetenzbereich(e) und in die Kernlehrpläne

In den Bildungsstandards im Fach Deutsch[1] ist dargestellt, dass die Schüler bei der Arbeit mit der deutschen Sprache über das Unterrichtsfach hinaus Kompetenzen erwerben, die sie ihr tägliches Leben gestalten lassen, zur Teilnahme am kulturellen Leben befähigen. Durch Kenntnisse und Anwendungskompetenzen der deutschen Sprache sind die Schüler zudem in der Lage, weitere Sprachen zu erlernen und in den unterschiedlichen Fächern fachlich zu arbeiten.[2] Somit kommt dem Unterricht der deutschen Grammatik eine sehr wichtige Funktion zu, was auch die in der geplanten Unterrichtsstunde zu erarbeitenden Inhalte zur Handlungsrichtung des Verbs einschließt. Auch unter den vier Kompetenzbereiche im Fach Deutsch nimmt der Bereich „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ eine Sonderstellung ein, da er in Beziehung zu jedem der drei anderen Bereiche steht.[3] Durch die Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch sowie über die Bedingungen der Sprachbildung wird die Fähigkeit für die eigene Sprachentwicklung der Schüler gefördert.[4] Die Unterrichtsstunde zu den Handlungsrichtungen des Verbs ist somit Teil von „Sprache als System“, wo die Schüler den korrekten Aufbau der grammatischen Strukturen und Terminologie kennen lernen und funktional verwenden. Hier ist neben der Zeitlichkeit des Verbs v.a. dessen Modalität angesprochen.[5]

Im Kernlehrplan Deutsch für die Erweiterte Realschule (M-Bildungsgang)[6] betrifft die geplante Unterrichtsstunde in der Hauptsache den Kompetenzbereich 4 (Sprache und Sprachgebrauch untersuchen); hierbei ist besonders folgende Kompetenzerwartungen betroffen: „[Die Schüler] kennen die verschiedenen Sprachbereiche und deren Systematik und nutzen diese Erkenntnisse bei der Produktion wie der Analyse von Texten in schriftlicher und mündlicher Form.“[7] Erarbeitet werden soll v.a. Unterpunkt 3.2. des Kompetenzbereichs 4 für die Klassenstufen 7/8 „Wortarten in weiteren Funktionen kennen und unterscheiden: Verben (Aktiv/ Passiv)“ mit Rückgriff auf die Kompetenzerwartung für die Klassenstufen 5/6 „häufig vorkommende Wortarten mit ihren Flexionsformen kennen und funktional gebrauchen: Verben (Bildung und Leistung von Zeitstufen und Zeitformen)“.[8]

Tangiert werden weiterhin die Grundkompetenzen der weiteren Kompetenzbereiche wie „Mit anderen sprechen“ (Kompetenzbereich 1: Sprechen und Zuhören), „Richtiges Schreiben“ (Kompetenzbereich 2.2).[9]

Schülern der Klassenstufe 7, in der die geplante Unterrichtsstunde stattfindet, sind bereits die Verbflexion nach Person und Numerus sowie nach Tempus bekannt, so dass die Schüler hier auf ihr Vorwissen zurückgreifen können. Die Verbflexion nach Modus ist ebenso wie die Flexion nach Handlungsart für die Klassenstufen 7/8 vorgesehen. Für die geplante Unterrichtsstunde gehe ich davon aus, dass der Verbmodus in der betreffenden Klasse noch nicht behandelt wurde.[10]

2. Sachanalyse

Zu den flektierbaren Wortarten des Deutschen gehört das Verb. Diese Wortart lässt sich nach vier Gefügen oder auch Teil- bzw. Untersystemen beugen.[11] Am Beispiel des Verbs „singen“ lässt sich dies folgendermaßen darstellen:

a) Die Flexion nach Person und Numerus:

Hier wird eine verbale Kategorisierung vorgenommen. Die erste Person stellt den Sprecher oder Schreiber, die zweite Person den Angesprochenen und die dritte Person den Besprochenen oder die besprochene Sache dar.[12] Der Numerus des Verbs gibt an, ob etwas Einzelnes (Singular) oder eine Mehrzahl (Plural) gesehen wird.[13] Bei der Flexion eines Verbs nach Person und Numerus (hier: „singen“) erhält man somit sechs verschiedene Formen (Indikativ Aktiv Präsens):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b) Die Flexion nach Tempus:

Hier wird ein Geschehen oder Sein als gegenwärtig, vergangen oder zukünftig markiert.[14] Zu dieser Markierung werden die Zeitstufen (Tempora) Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II verwendet. Teilweise sind für die Zeitstufen Perfekt und Plusquamperfekt auch die Bezeichnungen Präsensperfekt und Präteritumperfekt, für die Zeitstufe Futur II die Bezeichnung Futurperfekt gebräuchlich.[15] Bei der Flexion eines Verbs nach Tempus erhält man somit sechs verschiedene Formen (3. Person Singular Indikativ Aktiv):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

c) Die Flexion nach Modus:

Hiermit wird der Geltungsgrad einer Aussage bestimmt.[16] Unterschieden wird zwischen Indikativ, Konjunktiv I und Konjunktiv II. Ebenfalls zur Modusflexion wird die Befehlsform (der Imperativ) gezählt. Somit erhält man vier verschiedene Formen (3.Person Singular Aktiv Präsens):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

d) Die Flexion nach Handlungsart:

Hierbei wird das Verb nach der von ihm beschriebenen Einordnung des Geschehens flektiert. Möglich sind Täterzugewandtheit (Aktiv oder Tatform) oder Täterabgewandtheit (Passiv oder Leideform). Die Handlungsarten werden auch unter den Begriffen Handlungsrichtung, Genus verbi oder Diathese zusammengefasst.[17] Hier erhält man zwei verschiedene Formen (3.Person Singular Indikativ Präsens):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Aktiv und Passiv stehen jeweils die gleichen Tempora zur Verfügung. Besonderheit der Passivbildung ist, dass der passivische Verbalkomplex immer genau eine Verbform mehr als der entspreche aktivische Verbalkomplex enthält.

Die Bildungsweise des Passivs ist je nach Tempus, in dem die Form gebraucht wird, verschieden. In Indikativ wird in Präsens und Präteritum die entsprechende Personalform des Verbs „werden“ mit dem Partizip II des Vollverbs kombiniert, in Perfekt und Plusquamperfekt die entsprechende Personalform von „sein“ mit dem Partizip II des Vollverbs und „worden“. Die Bildung des Passivs im Futur I wird durch die Verbindung der Personalform von „werden“, des Partizip II des Vollverbs und „werden“, die Bildung des Passivs im Futur II durch die Verbindung der Personalform von „werden“, des Partizip II des Vollverbs, „worden“ und dem Infinitiv von „sein“ erreicht.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ebenso verhält es sich mit der Bildung des Passivs in Konjunktiv I und Konjunktiv II.

Konjunktiv I:[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch die Verwendung des Passivs in Abgrenzung zum Aktiv wird der Betroffene bzw. die behandelte Sache hervorgehoben, das Subjekt des Aktivsatzes (Agensangabe) tritt in den Hintergrund und kann – wenn es für die Bedeutung der Aussage unwichtig ist – ganz weggelassen werden. Aus diesem Grund wird das Passiv auch als „täterabgewandte Form“ bezeichnet.[20] Außerdem ist es durch die Verwendung des Passivs möglich, ein Geschehen zu betonen. Somit erhält man folgende Möglichkeiten, Sachverhalte auszudrücken:[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Bildung des Passivs wird das Akkusativobjekt des Aktivsatzes zum Subjekt des Passivsatzes. Hierbei handelt es sich um die Patiensangabe. Das Subjekt des Aktivsatzes (Agensangabe) wird im Passivsatz durch eine Präpositionalphrase, eingeleitet mit „von“ oder „durch“, ausgedrückt und ist fakultativ. Sollte der Aktivsatz über kein Akkusativobjekt verfügen, ist der entsprechende Passivsatz subjektlos.[22] Ebenso verhält es sich für Passivbildungen aus Aktivsätzen mit dem Subjekt „man“, welches nicht durch eine Präpositionalphrase ausgedrückt werden kann.[23] Weitere Satzglieder des Aktivsatzes wie Genitiv- oder Dativobjekte werden durch die Passivbildung nicht verändert.[24]

Diese Passivbildung wird als Vorgangspassiv oder „werden“-Passiv bezeichnet, da sie einen Vorgang beschreibt, bzw. mit dem Hilfsverb „werden“ gebildet wird. Analog dazu existiert eine weitere Form des Passivs, das Zustandspassiv oder „sein“-Passiv. Die Bildung der Formen dieser Passivvariante wird durch die Verwendung des Hilfsverbs „sein“ in Verbindung mit dem Partizip II des Vollverbs erreicht und beschreibt einen Zustand. Besonderheit des Zustandspassivs ist, dass es fast nur als Präsens- und Präteritumformen vorkommt. Bei der Verwendung des Zustandspassivs entsteht jedoch ein Kategorisierungsproblem, da es sich bei der Bildung von „sein“ mit Partizip II eines Vollverbs sowohl um eine mehrteilige Aktivform, ein Zustandspassiv als auch um ein Zustandsreflexiv handeln kann.[25]

Als dritte Möglichkeit der Passivbildung existiert das „bekommen“-Passiv, das meist von ditransitiven Verben gebildet wird und in Wendungen wie „etwas vorenthalten zu bekommen“ oder „etwas angehängt bekommen“ verwendet wird.[26]

[...]


[1] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hg.): Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss. Beschluss vom 4.12.2003, München 2004.

[2] Vgl. ebd., S. 6f.

[3] Vgl. ebd., S. 7f.

[4] Vgl. ebd., S. 9

[5] Vgl. ebd., S. 9 und 16.

[6] Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur (Saarland): Kernlehrplan Deutsch. Erweiterte Realschule: M-Bildungsgang 2008. (http://www.saarland.de/dokumente/thema_bildung/KernlehrplanDeutschERS_M.pdf, Zugriff vom 24.2.09).

[7] Ebd., S. 26.

[8] Ebd., S. 29.

[9] Ebd., S. 11f.

[10] Vgl. ebd., S. 29.

[11] Vgl. Gerhard Schoebe: Elementargrammatik. Rechtschreibung Zeichensetzung, München 2008, S. 11.

[12] Vgl. Dudenredaktion (Hg.): Duden. Die Grammatik, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2006, S. 131 und 1268.

[13] Vgl. ebd., S. 131 und 1267.

[14] Vgl. ebd., S. 131 und. 1271.

[15] So z.B. in Duden. Die Grammatik, vgl. dort, S. 437 u.ö.

[16] Vgl. ebd., S. 131 und 1266.

[17] Vgl. Schoebe: Elementargrammatik, S.15,

vgl. Duden. Die Grammatik, S. 550.

[18] Vgl. Schoebe: Elementargrammatik, S. 16.

[19] Vgl. Peter Gallmann, Horst Sitta: Deutsche Grammatik, Zürich 2004, S. 50f.

[20] Vgl. Duden. Die Grammatik, S. 550,

vgl. Gallmann, Sitta: Deutsche Grammatik, S. 44,

vgl. Rainer Brandt: Die deutschen Verben kompakt, Göppingen 2004, S. 17.

[21] Vgl. Schoebe: Elementargrammatik, S. 15.

[22] Vgl. Duden. Die Grammatik, S. 550f.

[23] Vgl. Gallmann, Sitta: Deutsche Grammatik, 45.

[24] Vgl. Walter Heuer, Max Flückinger, Peter Gallmann: Richtiges Deutsch, Zürich 2008, S. 75.

[25] Vgl. Duden. Die Grammatik, S. 558f.

[26] Vgl. ebd., S. 556f.

Details

Seiten
36
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640486991
ISBN (Buch)
9783640486892
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136152
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Fakultät 4, Fachrichtung 4.1, Germanistik
Note
1
Schlagworte
Stundenentwurf Einführungsstunde Thema Aktiv Passiv

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Stundenentwurf zur Einführungsstunde - Thema: Aktiv und Passiv