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Südamerikanische Tourismuspolitik – Inwiefern spielt der nachhaltige Tourismus eine Rolle?

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Allgemeiner Zusammenhang zwischen Regierungspolitik und 3 Tourismusformen in einem Land

2. Nachhaltiger Tourismus: Grundlagen
2.1. Wie entstand und konsolidierte sich der Nachhaltigkeitsbegriff?
2.2. Was versteht man unter nachhaltigem Tourismus?
2.3. Wie unterscheidet sich nachhaltiger Tourismus von sanftem 5 Tourismus, Naturtourismus oder Ökotourismus?

3. Nachhaltiger Tourismus in südamerikanischen Tourismusinstituten
3.1. Fragestellung, Methoden und erste Eindrücke bei der Recherche
3.2. Offizielle Begriffsdefinitionen und Stellenwert des nachhaltigen 7 Tourismus
3.3. Inwiefern prägt der nachhaltige Tourismus die 10 Regierungsstrukturen in südamerikanischen Ländern?
3.3.1. Institutionalisierung der Tourismuspolitik in Südamerika
3.3.2. Organisationsstrukturen des nachhaltigen Tourismus in 10 südamerikanischen Tourismusministerien
3.3.3. Beispiele für Regierungsprogramme zur Förderung des 11 nachhaltigen Tourismus

4. Fazit

Bibliografie

1. Allgemeiner Zusammenhang zwischen Regierungspolitik und Tourismusformen in einem Land

Governments hold many of the tools that can be used to make a difference such as the power to legislate, make regulations and ensure compliance, the offer of economic incentives, fiscal measures as well as the resources and institutions to promote and disseminate good practice 1.

Diese Aussage von Herrn Gabo Vereczi macht deutlich, warum wir die Frage, ob und inwiefern der Tourismus in Südamerika nachhaltig ist, nicht klären können, ohne uns mit der Tourismuspolitik der verschiedenen Länder auseinanderzusetzen. Strukturen nachhaltigen Tourismus, wie wir sie im Laufe der Arbeit näher bestimmen werden, erfordern Abstimmungen, Planungen und Ressourcenverteilungen auf höchster Ebene, um allen Konstanten des Nachhaltigkeitsbegriffs gerecht zu werden und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit der touristischen Unternehmungen zu gewährleisten. Deshalb liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit darauf, die Tourismusinstitutionen und -politiken ausgewählter südamerikanischer Länder auf ihre Nachhaltigkeit hin zu prüfen. Zuallererst ist es allerdings vonnöten, den Schlüsselbegriff “Nachhaltiger Tourismus” zu erschließen und einige grundlegende Fragestellungen zu klären.

2. Nachhaltiger Tourismus: Grundlagen

2.1. Wie entstand und konsolidierte sich der Nachhaltigkeitsbegriff?

Ursprünglich lässt sich die Bezeichnung „Nachhaltigkeit“ auf den ökonomischen Sektor der Forstwirtschaft zurückführen. Laut Rolf Gurtner galt schon ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts Waldbau nur dann als nachhaltig, wenn lediglich die Menge an Holz geschlagen wird, welche die Bäume wieder neu produzieren können, ohne dass das Ökosystem Schaden nimmt 2. Wie und wann wurde dieser spezifische Sinngehalt des Ausdrucks „Nachhaltigkeit“ auf globale, entwicklungspolitische Fragestellungen übertragen? Nach Meinung mehrerer Experten begann die „Renaissance der Nachhaltigkeit“ mit der ersten weltweiten Umweltkonferenz der UNO in Stockholm im Jahre 1972. In der im Zuge der Tagung verabschiedeten Deklaration von Stockholm kommt der Begriff „Nachhaltigkeit“ zwar nicht explizit vor, die Grundsätze für Entwicklung und Umwelt entsprechen aber denen, die wir heutzutage unter „nachhaltiger Entwicklung“ zu subsumieren pflegen 3. Von diesem Zeitpunkt an breitete sich die Nachhaltigkeitsdebatte rasant auf der ganzen Welt aus, um im Jahre 1992 mit der Rio-Konferenz einen wahrhaftigen Meilenstein zu erreichen. Erklärtes Bestreben dieses Kongresses war es, “[...] die Weichen für eine weltweite nachhaltige Entwicklung zu stellen” 4. Das wohl bedeutendste der fünf Dokumente, die aus dem Rio-Prozess resultierten, trägt den Namen “Agenda 21” und formuliert Entwicklungs- und Umweltziele für das 21. Jahrhundert. Und damit nicht genug: Zehn Jahre nach der Rio-Konferenz fand in Johannesburg, Südafrika ein weiterer Weltgipfel statt, dessen Leitmotto “Nachhaltige Entwicklung” sich bereits im Titel niederschlug: “World Summit on Sustainable Development” 5. Daraus lässt sich folgern, dass “Nachhaltigkeit” sich im Laufe der Geschichte progressiv zu einem universellen Prinzip entwickelt hat. Die Tatsache, dass die erwähnten Dokumente der Umwelt- und Entwicklungskonferenzen von jeweils weit mehr als 100 Mitgliedsstaaten, darunter selbstverständlich auch von südamerikanischen Ländern, unterzeichnet wurden, illustriert ferner, dass es sic]h hierbei nicht um ein vom Westen oktroyiertes Entwicklungskonzept handelt. Ganz im Gegenteil: Nachhaltige Entwicklung verfolgt einen gänzlich globalen Ansatz. Im Hauptteil dieser Untersuchung werden wir feststellen, dass einige Länder dennoch weniger erfolgreich bei der Implementierung nachhaltiger Entwicklungsstrukturen sind als andere. Zuvor müssen wir allerdings einige Begriffsbestimmungen vornehmen.

2.2. Was versteht man unter nachhaltigem Tourismus?

Zunächst müssen wir uns fragen, was unter nachhaltiger Entwicklung im Allgemeinen zu verstehen ist. Im Wesentlichen lehnen sich alle Begriffsbestimmungen an folgendes berühmte Zitat des Berichts “Our Common Future” aus dem Jahre 1987 an:

Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs (Gurtner 2006, S. 7).

Nach Ansicht Baumgartners und Röhrers ist nachhaltige Entwicklung dann gegeben, wenn drei Kernaspekte nachhaltig gestaltet sind: die ökologische, die ökonomische und die soziale Dimension 6. Demzufolge muss auch jede Definition von nachhaltigem Tourismus diesen drei Kriterien gleichermaßen gerecht werden, wie es beispielsweise die Welttourismusorganisation (UNWTO) in ihrer aktuell gültigen Präzisierung des Begriffs aus dem Jahre 2004 tut:

Sustainability principles refer to the environmental, economic and socio-cultural aspects of tourism development, and a suitable balance must be established between these three dimensions to guarantee its long-term sustainability 7.

Der Schatz an theoretischen Überlegungen zu nachhaltigem Tourismus wird beständig erweitert: Erst im November 2008 verständigten sich die United Nations Foundation, die Rainforest Alliance, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und die UNWTO gemeinsam auf vier Kennzeichen dieser sanften Tourismusform. Diese „Global Sustainable Tourism Criteria“ zielen auf folgende Entwicklungen im Tourismussektor ab:

- Entwicklungsplanung für mehr Nachhaltigkeit im Tourismussektor
- Maximierung der gesellschaftlichen und ökonomischen Vorteile des Tourismus für lokale Gemeinden
- Minderung der negativen Einflüsse des Tourismus auf das Kulturgut der Region
- Reduzierung umweltschädlicher Auswirkungen vor Ort 8.

2.3. Wie unterscheidet sich nachhaltiger Tourismus von sanftem Tourismus, Naturtourismus oder Ökotourismus?

Oft wird nachhaltiger Tourismus mit sanftem Tourismus, Naturtourismus oder Ökotourismus gleichgesetzt. Alle vier Termini haben eine ähnliche Stoßrichtung, jedoch bestehen feine Unterschiede zwischen diesen diversen Möglichkeiten, touristisch aktiv zu sein. Tourismusformen, die als „Naturtourismus“ bezeichnet werden, beziehen sich vorrangig auf „touristische Aktivitäten in attraktiven naturnahen Landschaften [...]“ 9. Im Gegensatz dazu, steht der Ausdruck „Ökotourismus“ ganz im Zeichen des Mottos „Naturschutz durch Naturgenuß“ (Müller 1998, S. 15). Hier steht demnach der schonende Umgang mit ökologischen Ressourcen im Vordergrund. Der Internationalen Alpenschutzkommission (CIPRA) zufolge begünstigt sanfter Tourismus das gegenseitige Verständnis zwischen Besuchern und Besuchten und richtet sich zusätzlich dazu am Prinzip der Umweltverträglichkeit aus 10. Diese Bezeichnung bezieht sich jedoch auch heute noch vorrangig auf Tourismusprojekte im Alpenraum. Warum beschäftigt sich die vorliegende Arbeit explizit mit nachhaltigem Tourismus, statt auf eines der anderen hier vorgestellten Schlagworte zurÜckzugreifen? Nach Meinung mehrerer Tourismusexperten stellt der nachhaltige Tourismus das umfassendste Konzept aller dieser häufig synonym verwendeten Begriffe dar. Es steht ja, wie oben bereits erwähnt, fÜr die Gleichrangigkeit der ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Dimension. Aus diesem Grund stÜtzt sich die vorliegende Arbeit auch im Wesentlichen auf Interpretationen und praktische Umsetzungen von nachhaltigem Tourismus. Aufgrund der herrschenden Begriffsunsicherheiten findet der verwandte Ausdruck „Ökotourismus“ jedoch ebenso Erwähnung.

Wenden wir uns nun der Realität zu. Diese wird uns zeigen, dass die erwähnten diffusen Begrifflichkeiten oft nicht das halten, was Sie versprechen. Denn, so Bernhard MÜller: „Kein Unternehmen in der [Tourismus-] Branche kann es sich heutzutage noch leisten, auf das Umweltthema zu verzichten. ... Öko liegt im Trend.“ (MÜller 1998, S. 13).

3. Nachhaltiger Tourismus in südamerikanischen Tourismusinstituten

3.1. Fragestellung, Methoden und erste Eindrücke bei der Recherche

Wie wir bereits an anderer Stelle festgestellt haben, geht das so genannte „[...] Sustainability-Konzept [...]“ (Baumgartner/Röhrer 1998, S. 25) im Fremdenverkehr von internationalen, z.B. durch die UNWTO konsolidierten, ÜbereinkÜnften aus. Trotzdem ist es eine weitläufig anerkannte Tatsache, dass die Auslegung, welche Praktiken Nachhaltigkeit im Tourismus gewährleisten, von Land zu Land erheblich differieren. Im Kernteil dieser Untersuchung liegt der Fokus auf einem Kulturraum: dem sÜdamerikanischen Teilkontinent. Die Recherche wurde also anhand der folgenden Staaten durchgefÜhrt: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Peru, Uruguay, Venezuela. Da es allerdings den Rahmen der Untersuchung sprengen wÜrde, die Struktur des nachhaltigen Tourismus in allen diesen Ländern erschöpfend darzulegen, beschränken wir uns auf herausragende Beispiele sowie auf grobe Tendenzen, falls diese feststellbar sind.

[...]


1 Vereczi, Gabo: Tourism and Sustainable Development in: Policies, Strategies and Tools for the Sustainable Development of Tourism. Almaty: 2006. (World Tourism Organization Seminar Proceedings), S. 12.

2 Gurtner, Rolf: Nachhaltigkeit im Tourismus. Eine Analyse der touristischen Big Players. Saarbrücken: 2006, S.7

3 vgl. http://fletcher.tufts.edu/multi/texts/STOCKHOLM-DECL.txt, (abgerufen am: 16.08.09)

4 http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/geschichte10/rio48/weltgipfelriodejaneiro1992539.htm , (abgerufen am: 16.08.09)

5 vgl. http://web.archive.org/web/20060322112050/http://www.johannesburgsummit.org, (abgerufen am: 16.08.09)

6 vgl. Baumgartner, Christian / Röhrer, Christine: Nachhaltigkeit im Tourismus: Umsetzungsperspektiven auf regionaler Ebene. Mainz: 1998, S. 19

7 http://www.world-tourism.org/frameset/framesustainable.html, (abgerufen am: 16. 08.09)

8 vgl. http://www.sustainabletourismcriteria.org/index.php?option=comcontent&task=view&id=58&Itemid=188, (abgerufen am: 16.08.09)

9 Müller, Bernhard: Was ist Ökotourismus. In: Rauschelbach, Burghard (Hrsg.): (Öko-) Tourismus: Instrument für eine nachhaltige Entwicklung. Heidelberg: 1998, S. 15

10 Losang, Eric: Tourismus und Nachhaltigkeit. Trier: 2000, S. 72

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640445974
ISBN (Buch)
9783640446100
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136348
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Schlagworte
Südamerikanische Tourismuspolitik Inwiefern Tourismus Rolle

Autor

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Titel: Südamerikanische Tourismuspolitik – Inwiefern spielt der nachhaltige Tourismus eine Rolle?