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Kulturtransparenz

Kartierung und Analyse von Kulturlandschaftselementen auf der Insel Rügen

Studienarbeit 2009 79 Seiten

Landschaftsarchitektur, Landespflege, Gartenbau

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Forschungsgeschichte

2. Flächenauswahl

3. Exkurs in die Landschaftsgeschichte der Insel Rügen
3.1.Geologische Entwicklung
3.2. Vegetation und Landschaftscharakter

4. Material und Methoden
4.1. Kartierungsbögen
4.2. Fotografien und Vermessungen
4.3. Kunstzeichnungen
4.4. Literaturrecherche

5. Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen
5.1. Das Hünenbett Nobbin
5.2. Das Ganggrab Nipmerow
5.3. Das Hügelgräberfeld Woorke
5.4. Das Kap Arkona
5.5. Ralswiek
5.6. Altenkirchen
5.7. Putbus
5.8. Sassnitz
5.9. Prora
5.10. Tagebau Klementvitz

6. Kulturtransparenz auf Rügen

Quellen

Einleitung

Die Landschaften der Insel Rügen weisen Spuren aus 5000 Jahren Kulturgeschichte des Menschen auf. Die Dichte an archäologischen und historischen Artefakten und Denkmälern ist auf der Ostseeinsel außergewöhnlich hoch. Damit eignet sich der Raum besonders gut für die Kartierung und Analyse der verschiedenen Kulturlandschaftselemente und ihrer kulturellen, geschichtlichen Bedeutung. Im Rahmen eines Proseminars und einer Kompakt-Exkursion an der Universität Kassel im Fachgebiet Landschaftsplanung/ Landnutzung wurden auf Rügen verschiedene archäologische und landschaftsplanerische Methoden angewandt, um ausgewählte Landschaften Rügens mit ihren Elementen verschiedener zeitlicher Kulturepochen zu beschreiben. Dabei kamen analoge wie auch digitale Methoden zum Einsatz. Mit der gewonnenen Datengrundlage konnte dann die kulturelle Eigenart und Vielfalt der untersuchten Räume herausgearbeitet werden.

1. Forschungsgeschichte

Die Insel Rügen stellt innerhalb des Mecklenburg-vorpommerschen Küstengebietes eine Besonderheit dar. Nach LAMPE (1973) sind die Hälfte aller staatlich geschützten Bodendenkmäler der Küstenregion auf der Insel Rügen zu finden. Die ersten Forschungen, die sich insbesondere mit den Grabanlagen und Burgwällen aus der Steinzeit und Slawenzeit auseinandersetzten fallen in das 17. Jh. Systematisch setzte sich WACKENRODER im 18 Jh. in seiner Publikation Altes und neues Rügen mit den Altertümern auseinander. JOHANN JACOB GRÜMBKE war es, der 1819 an die Forschungen angeknüpfte und seine Neuen und genauen geographisch-statistisch-historischen Darstellungen von der Insel und dem Fürstenthume Rügen verfasste.

Umfassende Kartierungen der steinzeitlichen und bronzezeitlichen Grabanlagen, der slawischen Burgwälle und der topographischen Situation Rügens gingen auf FRIEDRICH VON HAGENOW zurück, die 1829 Eingang in die von ihm erstellte Special Charte der Insel Rügen fanden. In der zweiten Hälfte war es der Gründer des Provinzial Museums für Nordvorpommern und Rügen RUDOLF BAIER, welcher die bisherigen Ergebnisse der archäologischen Forschung zusammentrug. An seine Arbeit knüpfte zu Beginn des 20 Jahrhunderts ALFRED HAAS an, der die Forschungsergebnisse in mehreren Schriften publizierte.

Der erste Weltkrieg brachte die Forschung vorerst zum Erliegen, bis in den zwanziger Jahren CARL SCHUCHARDT in seinen Sitzungsberichten der Preußischen Akademie der Wissenschaften neue Erkenntnisse zum Burgwall Arkona publizierte. Die Hochzeit der landeskundlichen und archäologischen Forschung fällt jedoch in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Die Insel Rügen wurde in verschiedenen Forschungsprojekten durch das Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, dem Museum für Ur- und Frühgeschichte in Potsdam und dem Kulturhistorischen Museum in Stralsund untersucht. 1964 wurde dann ein Ausgrabungsprogramm zur Erforschung der jungsteinzeitlichen Besiedlungsgeschichte etabliert, dessen Teilergebnisse bei EWALD SCHULDT publiziert sind. Insbesondere der zur Slawenzeit bedeutende Seehandelsplatz Ralswiek, als auch die ehemalige Tempelburg Arkona rückten wieder in den Focus der Forscher. Wesentliche Erkenntnis lieferten dabei JOACHIM HERMANN und PETER HERFERT.

Als erstes transdisziplinäres Forschungsprojekt wurde unter Federführung der Akademie der Wissenschaften der DDR die Insel pollenanalytisch, bodenkundlich und archäologisch untersucht. Durch die Verknüpfung archäologischer und naturwissenschaftlicher Forschung konnten neue Erkenntnisse und Fragen gesellschaftswissenschaftlicher Art aufgeworfen werden. Wesentliche Erkenntnisse sind bei LANGE, JESCHKE U. KNAPP (1986) publiziert. Neuere Forschungen haben insbesondere die Siedlungsplätze der Steinzeit im Fokus, so bei THOMAS TERBERGER (2002), untersetzen die bisherige Forschung zum Seehandelsplatz Ralswiek wie bei FRED RUCHHÖFT (2004) oder knüpfen an alte Arbeiten an, um diese zu untermauern, so bei PETER HERFERT (2000). Insbesondere die letzten Forschungen wurden entweder durch das Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern oder die Universität Greifswald unterstützt.

In der aktuellen Beforschung der Insel Rügen ist jedoch ein sektorales Vorgehen zu beobachten. Fachübergreifende Arbeiten wie die Forschungen von LANGE ET AL. (1986) blieben die Ausnahme. Für ein Teilgebiet Südost-Rügens hat THASSLER (2003) die Kulturlandschaftsentwicklung untersucht, hier kamen soziologische und kulturwissen-schaftliche, wie auch naturwissenschaftliche Befunde zum Tragen. Derzeitige Unter-suchungen der Kulturlandschaft stützen sich jedoch fast ausschließlich auf die Arbeit der unteren Denkmalschutzbehörden, die zwar Kulturgüter inventarisieren, sich aber auf bauliche Artefakte beschränken und Gebäude der jüngsten DDR-Geschichte nicht immer einbeziehen.

Die unteren Naturschutzbehörden ihrerseits erheben Biotope und für Rügen existiert eine Biotoptypenkartierung, die aber vorrangig aus Luftbildinterpretationen hervorgegangen ist. Die Typisierung beschränkt sich hier auf eine pflanzensoziologische Einordnung, die Kultureinflüsse nicht offenlegt. Somit fehlt bis heute ein Kulturlandschaftskataster für Rügen und auch für Mecklenburg- Vorpommern.

Allein an der FH-Neubrandenburg wurde durch BEHRENS, STÖCKMANN UND VETTER (2004) ein digital gestütztes Kulturlandschaftselementekataster (KLEKS) entwickelt, dass Kultur-landschaft in Mecklenburg-Vorpommern inventarisiert und mit dem im Rahmen dieses Proseminars auch gearbeitet wurde. Die Arbeit und die Probleme mit KLEKS werden an anderer Stelle dieser Arbeit aufgegriffen. Damit sind auch zwei Ziele des Projekts beschrieben, denn zum Einen sollte die Erfahrung der Kartierungen in Vorschläge für ein Erfassungsbogen münden und zum Anderen sollte die Datenbank von KLEKS mit Informationen angereichert und auf eventuelle Schwachstellen evaluiert werden.

2. Flächenauswahl

Die im Rahmen des Proseminars erfolgte Flächenauswahl der zu untersuchenden Plätze orientierte sich an zwei Zielen. Zum Einen sollte ein kulturgeschichtlicher Querschnitt vertreten sein, weshalb ein ausschließlicher Fokus auf die frühgeschichtlichen Denkmäler ausschied. Vielmehr sollten auch neuzeitliche Landschaftselemente oder landeskulturelle Zeugnisse repräsentiert sein. Zum Anderen sollten Flächen vorhanden sein, die eine gute Forschungsgeschichte aufweisen, um im Vorfeld auf die Quellenlage zurückgreifen zu können und eine Einarbeitung in die Untersuchungsräume zu gewährleisten.

Vor diesem Hintergrund wurde das Großsteingrab Nobbin als bekanntes Zeugnis der Jungsteinzeit (Neolithikum) auf Wittow, sowie das Ganggrab Nipmerow auf Jasmund kartiert. Die Bronzezeit wurde durch das Hügelgräberfeld in Woorke im Kernland der Insel repräsentiert. Ralswiek als ehemalig slawisches Handelszentrum wurde im Rahmen der Kompaktexkursion ebenso aufgesucht, wie auch die landschaftskulturellen Veränderungen des intensiv beforschten Kap Arkonas mit seinem Burgwall im Umfeld neuzeitlicher Entwicklungen Teil der Kartierungen waren. Die Kirche in Altenkirchen und die Kapelle in Vitt wurden aufgrund ihrer Typologien und ihrer Zugehörigkeit in die herzogliche Pommernzeit ausgewählt. Die Residenzstadt Putbus mit klassizistischen Gebäudeensemble und englischem Landschaftsgarten und die Stadt Sassnitz dienten als Zeugnis des 19. Jh. Der landeskulturelle Ausdruck des 20. Jh. fand in der Betrachtung des KdF Bades Prora und dem Kreidetagebau Klementelvitz seinen Niederschlag. Es sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass sich heute an den untersuchten Orten viele Kulturlandschaftselemente vorfinden, die nicht nur einer Epoche, sondern in diversen kulturgeschichtlichen Zeitabschnitten entstanden sind und die vor Ort zusätzlich kartiert worden sind. Die Grundauswahl folgte aber einer chronologischen Repräsentativität. Abbildung 1 zeigt die untersuchten Orte auf der Insel Rügen nebst einer Landschaftsgliederung, Abbildung 2 zeigt einen landschafts- und kulturell-epochalen Überblick zur Inselgeschichte, welcher der Auswahl zugrunde lag. Die Zuordnung der untersuchten Flächen in die Kulturepochen ist in Abbildung 2 rot unterlegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Landschaftsgliederung der Insel Rügen (aus: LANGE ET AL. 1986, ergänzt). Die Zahlen in den roten Kreisen stellen die untersuchten Standorte dar.

1. Hünenbett von Nobbin 6. Altenkirchen
2. Ganggrab Nipmerow 7. Putbus
3. Hügelgräberfeld Woorke 8. Sassnitz
4. Kap Arkona 9. Prora
5. Ralswiek 10. Tagebau Klementvitz

Abbildung 2: Phasen der Landschaftsentwicklung und Frühgeschichte der Insel Rügen (aus: KNAPP 2008, verändert und ergänzt). Die Zahlen in den roten Blöcken kennzeichnen die untersuchten Standorte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 (Fortsetzung) : Phasen der Landschaftsentwicklung und Frühgeschichte der Insel Rügen

3. Exkurs in die Landschaftsgeschichte der Insel Rügen

3.1.Geologische Entwicklung

Rügen liegt auf der Westeuropäischen Platte, die voreiszeitlichen Bildungen gehen auf die Kreide des Mesozoikums zurück. Als vor ca. 13000 Jahren Gletschervorstöße aus Skandinavien in den heutigen Raum Rügens vorstießen, war der Kreidekomplex der Halbinsel Jasmund schon vorhanden und wurde einerseits durch die Gletscher umflossen, andererseits gefaltet. Das Hügelland, welches zusätzlich durch die Gletschervorstöße der Nordrügen-Staffel entstand, war durch etliche Wassersenken gekennzeichnet und kann als Kernland der Insel Rügen bezeichnet werden. Die weitere geologische Entwicklung vollzog sich dann in der Nacheiszeit (Holozän).

Wie BAHLS ET AL. (1990) herausarbeiteten existierte Rügen in seiner heutigen Form damals noch nicht. Mit dem Abtauen der Gletscher bildete sich vor etwa 11 000 Jahren der Baltische Eisstausee aus den Schmelzwassern. Dieser war zuerst nicht an den heutigen Atlantischen Ozean angebunden. Erst der Rückgang der Vergletscherung Mittelschwedens ermöglichte der Nordsee das Einströmen in den Baltischen Eisstausee. Das dadurch entstandene Yoldia-Meer, benannt nach der arktischen Meeresschnecke Yoldia aretica, blieb aber nur ca. 1000 Jahre erhalten, denn aufgrund einer noch bis die heutige Zeit andauernden Landhebung (Das Baltische Schild wurde von den abtauenden Eismassen entlastet) kam es zur Unterbrechung der Yoldia-Meeres zur Nordsee. Die Folge war eine Aussüßung des Yoldia–Meeres, das fortan als Ancylus-See (vor 9000 bis 7500 Jahren), benannt nach der Süßwasserschnecke Ancylus fluviatius.

Erst vor 7500 Jahren brachte ein Salzwassereinbruch aufgrund eines phasenhaften Anstiegs des Weltmeeres die Ausbildung des Litorina-Meeres, benannt nach Strandschnecke Litorina littorea. Die Entwicklung zu Inselarchipelen, Kliffbildungen und starker submariner Sedimentation vollzog sich während der ersten litorinen Transgressionshauptphase vor 7000 – 5700 Jahren als das südbaltische Festland durch den Meeresspiegelanstieg aufgelöst wurde. In der litorinazeitlichen Ostsee gab es 6000 Jahre vor heute die Inselkerne Rügen, Granitz, Wittow, Jasmund, Mönchgut, Groß Zicker und Thissow.

Zwischen 5700 und 5400 Jahren vor heute kam es dann zum Beginn der Nehrungsbildung bei einem weiteren Anstieg des Meeres bis zum vergleichbaren heutigen Niveau (RHEINHEIMER 1995). Es folgten intensive Küstenausgleichsprozesse mit der Bildung von Kliffen, Haken und Nehrungen (DUPHORN ET AL.1995). Die Erosion an den Inselkernen, die marine Strömungsdrift von Sand und eine Sedimentation im Strömungsschatten der Inselkerne waren die wesentlichen Prozesse. Es entstanden Sandhaken über dem Wasserspiegel, die von einem Inselkern zum Anderen über die Jahrhunderte „wuchsen“, bis sie als Nehrungen Teile der Küste abriegelten und so die Boddengewässer entstanden. Die nun durch holozäne Sedimente, Dünensande und Seesande verbundenen Inselkerne wurden zur Insel Rügen.

Folgt man den Untersuchungen von LANGE ET AL. (1986) lassen sich die aus geologischer Entwicklung hervorgegangenen Landschaften und Böden Rügens zu gewissen Grund-Einheiten zusammenfassen. Es herrschen vor allem Geschiebelehm und Mergelablagerungen der End und Grundmoränen vor. Die Endmoränenbögen ziehen sich vom Nordwesten der Insel bis in den Südosten. Vergesellschaftet ist dieser Geschiebelehm mit pleistozänen Sanddecken und Sanden, die sich in der Mitte Rügens und im Südosten konzentrieren, während im Nordosten anstehende Kreideablagerungen zu finden sind. An den Ostküsten finden sich, die einzelnen Moränenkerne verbindend holozäne Seesandnehrungen und Dünen aus Seesand. Moor und anmoorige Standorte sind hauptsächlich im Norden der Insel präsent.

3.2. Vegetation und Landschaftscharakter

Rügen ist nach DIERßEN (1996) dem Baltischen Buchenwaldareal innerhalb der temperaten Vegetationszone Europas zugehörig. Rügens Küsten gliedern sich in boddenseitige Innenküsten (451 km) und Außenküsten (123 km), die von lehmigen und steinigen Steilküsten, über Kreideküsten zu flachen Sandküsten reichen. 15 % der Fläche Rügens ist bewaldet, während 61 % der Flächen durch Landwirtschaft genutzt werden. Insgesamt können nach LANGE ET AL. (1986) und KNAPP (2008) sieben verschiedene Naturraumtypen auf Rügen festgestellt werden:

- Dazu zählen die ebenen-flachwelligen Grundmoränenlandschaften mit grundwasser-bestimmten Lehmstandorten und einer Vegetation von Ackernutzpflanzen, Wirtschaftsgrünland, Hochstaudenfluren, Röhrichten, sowie Großseggenriede und Moorgehölzen. Vertreten durch die Untersuchungsfläche 1, 3 und 6.
- Die kuppigen Grund- und Endmoränenlandschaften mit Tieflehm und Lehmstandorten in Form von Fahlerden und Lehmsandbraunerden mit einer Vegetation von Acker-nutzpflanzen, kleiner Restwälder und Grünland. An den Steilufern finden sich Pionierfluren, Magerrasen und Gebüsche. Vertreten durch die Untersuchungsfläche 7.
- Die kleinformenreichen Sandlandschaften, die in Form grundwasserferner Standorte Sand-Rosterden und Braunerden ausgebildet haben und neben Lehm–und Sandackerfluren auch Feldgehölze, Hutungen und Kiefernwälder aufweisen. Vertreten durch die Untersuchungsfläche 4.
- Die hügeligen Endmoränenlandschaften mit Rendzinen und Lehmfahlerden in Kuppenlagen und Lehm-Parabraunerden in Tallagen. Die Vegetation wird größtenteils von Perlgras-Buchenwäldern, Eichen-Hainbuchenwäldern und Erlen-Eschenwälder eingenommen. In den Senken finden sich neben Wollgrasbulten und Torfmoos-Seggenrieden auch Birken-Moorgehölze. Vertreten durch die Untersuchungsfläche 5.
- Die im Nordosten zu findenden Kreidelandschaften mit Kreide- und Bergrendzinen, sowie Fahlerden in Kuppenlagen. In Kesseln finden sich Moore und in den Tallagen Lehm und Muldengleye, sowie Parabraunerden. Die auf diesen Standorten anzutreffende Vegetation ist stark differenziert wird aber hauptsächlich durch Schattenblumen-Buchenwälder bestimmt. Auch kommen Schwalbenwurz– Eichentrockenwälder, Halbtrockenrasen und Schlehentrockengebüsche vor. In den Kesselmooren kommen Torfmoos-Seggenriede, Torfmoos-Wollgrasbulte und Birken-Moorgehölze vor. Vertreten durch die Untersuchungsflächen 2, 8 und 10.
- Die Seesand- und Küstendünenlandschaften mit Grundwasserstandorten in ihrer Ausprägung als Gleye und grundwasserfernen Sandstandorten mit Braunerden und Podsolen. In Überflutungsgebieten kommt es zur Ausbildung von Mooren. Die Vegetation ist durch Strandhaferdünen, Calluna-Heiden, Kiefernwälder, Kiefern-Moorgehölzen, Sandmagerrasen, Rohrschwingelgrasfluren, Salzröhrichte und Salzwiesen beschrieben. Vertreten durch den Standort 9.
- Als siebter Naturraumtyp gelten die Niederungslandschaften, wo es zu Moorbildungen kommt. Diese Flächen sind größtenteils zu Wirtschaftsgrünland umgewandelt, an Seeufern und Torfstichen gibt es noch Röhrichte, Großseggensümpfe, Weiden – und Moorgebüsche, sowie Erlenwälder.

4. Material und Methoden

Die Erfassung und Kartierung der Kulturlandschaft und ihrer Elemente erfolgte durch Geländebegehung. Zur Vor- und Nachbereitung der erfassten Daten wurde Fachliteratur und historische Literatur benutzt, die Ergebnisse wurden zeitnah im Portal KLEKSeditor veröffentlicht.

4.1.Kartierungsbögen

Für die Kartierung im Gelände standen zwei verschiedenen Erfassungsbögen (siehe Anlage I und II) zur Auswahl. Der erste Erfassungsbogen mit seiner Systematik geht auf STÖCKMANN, BEHRENS U. VETTER (2007) zurück und wird in Mecklenburg-Vorpommern angewandt, dieser ist Grundlage für das digitale Kulturlandschaftselementekataster KLEKS, mit dem in Mecklenburg-Vorpommern auch schon auf behördlicher Ebene gearbeitet wird. Der zweite Kartierungsbogen kommt in Brandenburg zum Einsatz und geht auf die Systematik von PETERS U. KLINKHAMMER (2000) zurück. Da insbesondere der brandenburgische Kartierungsbogen detaillierter ist und auch mehr Raum für Beschreibungen des Objekts, des Umfeldes und benachbarter Kulturlandschaftselemente ermöglicht, wurden die Geländeerfassungen auf Rügen mit diesem durchgeführt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, dass beide analoge Erfassungsbögen mit verschiedenen Systematiken bzw. Codierungen der einzelnen Länder ausgefüllt werden können. In ein digitales Amtskataster werden aber zumeist nicht alle Daten eingespeist, die im Gelände erfasst wurden. Für spätere Vergleiche, zur Dokumentation von Veränderungen, als Datengrundlage für Stellungnahmen, etc. sollte aber ein möglichst hoher Detailgrad erreicht werden. Da aber die Daten später in das digitale Kataster KLEKS eingespeist werden sollen und im Vorfeld der Untersuchung von einem regional spezifischen Ensemble ausgegangen wurde, stützte sich im Sinne der Kompatibilität und der „Erfassungsschärfe“ die Punkt- und Flächenaufnahme auf die mecklenburgische Systematik (Anlage III). Dass mit dieser Kombination nicht unbedingt bessere Ergebnisse erzielt werden, soll noch diskutiert werden. Es erfolgt in dieser Arbeit deshalb auch die Angabe der mecklenburgischen und brandenburgischen Codierung.

4.2. Fotografien und Vermessungen

Neben der Erfassung in den Bögen wurden von allen Objekten Fotos angefertigt, diese können den Zustand, die Umgebung und den Typus des Kulturlandschaftselements verdeutlichen. Die urgeschichtlichen Untersuchungspunkte (Hünenbett von Nobbin, Ganggrab Nipmerow, bronzezeitliches Gräberfeld Woorke) wurden zusätzlich durch Vermessungen und als Übertrag in Profil- und Planzeichnungen im Maßstab 1:50 erfasst. Um ein zeitliches nebeneinander verschiedener Kulturlandschaftselemente (KLE) abzubilden, wurden außerdem Transekte in die Landschaft gelegt. Durch eine vorher festgelegte Strecke A-B, die sich daran orientierte, Umgebung und Begleitelemente möglichst gut abzubilden, war ein räumlicher Überblick besser zu erzielen, als mit einem Erfassungsbogen.

4.3. Kunstzeichnungen

Einige der aufgenommen Objekte haben einen künstlerischen Stellenwert erreicht, weil bekannte Maler (z.B. der Malerfreund von C.D. FRIEDRICH) Skizzen oder Gemälde der betroffenen Objekte hinterließen. Die Sicht eines Zeichners oder Malers ist zweifelsohne ein anderer Blick, als der eines Naturwissenschaftlers. Trotzdem bildet er die Landschaft im Sinne der europäischen Landschaftskonvention als ein wahrgenommenes Gut wieder (vgl. BRUNS 2007, MARSCHALL 2007), dass in der Landschaftspolitik neben naturwissen-schaftlichen Fakten durchaus eine Rolle spielen kann. Deshalb erfolgte die Annäherung und Erfassung der KLE auf Rügen im Gelände auch zeichnerisch, ohne den Anspruch einer dimensions- und maßstabsgerechten Darstellung.

4.4. Literaturrecherche

Für eine konkrete Beschreibung eines Objekts, insbesondere der kulturhistorischen Bedeutung in einem Kataster, reicht eine Geländeerfassung nicht aus. Zur Kennzeichnung der geschichtlichen Bedeutsamkeit wurden die Erfassung mit Beschreibungen aus der Literatur und Informationen aus Archiven untersetzt. Wesentliche Archive sind dabei das Altes Magazin der Universität Greifswald, das Pommersche Landesmuseum in Greifswald, das Landesarchiv in Greifswald, das kulturhistorische Museum in Stralsund, das Ernst- Moritz-Arndt Museum in Garz (Rügen) und das Kulturhistorische Museum in Göhren (Rügen).

5. Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen

5.1. Das Hünenbett Nobbin

Ein Hünenbett ist eine Grabform der Jungsteinzeit (vor 4000 Jahren) auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns. Hünenbetten sind aufgeworfene Hügel, die mit Steinen, sogenannten Bannkreisen, umfriedet sind und eine oder mehrere aus Stein errichtete Grabkammern besitzen (SCHULDT 1971).

5.1.1. Lage

Die Grabanlage befindet sich im Nordosten der Insel Rügen auf der Halbinsel Wittow (Hochwert: 6059.091,929/ Rechtswert: 4590.047,876), gelegen an einem touristisch viel frequentierten Radweg, der zum Kap Arkona führt. Die Anlage ist in östlicher Richtung 15 m von der Steilküste (27 m ü. N.N.) entfernt und liegt innerhalb einer Agrarlandschaft auf einer ebenen-flachwelligen Grundmoränenlandschaften mit grundwasserbestimmten Lehm-standorten. Der Ort Nobbin ist nur wenige Kilometer entfernt und hat der Grabanlage den Namen verliehen. Der Grabhügel hat eine Länge von 38 m und einen trapezförmigen Grundriss (Abbildung 3.1, 3.2 und 3.2).

5.1.2. Eigentums- und Schutzstatus

Das Großsteingrab gehört zum Kreis Rügen, der Gemeinde Putgarden und ist als neolithisches Megalithgrab in die Denkmalliste des Kreises Rügen eingetragen (Liste der unteren Denkmalschutzbehörde 2007)

5.1.3. Kulturlandschaftskataster

Im KLEKS ist das Objekt folgender Kategorie und Chronologie (absteigende Detailliertheit)

zuzuordnen:

7- Kult und Religion

74- Prähistorische Gräber

GSG Großsteingrab

NLmk Trichterbecherkultur (Megalithkultur)

In der KHLE Systematik Brandenburg:

8- Kulturhistorische Landschaftselemente mit religiöser Bedeutung

84- Prähistorische Gräber

841- Hünengräber (Megalithgräber)

Die Verwendung der KLEKS- Systematik erweist sich beim Großsteingrab Nobbin als zielführend. So ist die Bezeichnung Großsteingrab gegenüber Hünengrab wissenschaftlich korrekt. Auch gelingt die zeitliche Einordnung der Grabanlage mit KLEKS besser. Das Neolithikum ist dort mit zwölf Unterkategorien besetzt, die eine jeweilige Einschätzung der Kulturzugehörigkeit von Grabanlagen ermöglicht. Das Großsteingrab von Nobbin fällt in Zeit zwischen 4000-3000 vor unserer Zeit. Damit ist es eine Anlage der Trichterbecherkultur. Die Brandenburger Systematik untersetzt die Entstehungszeit der Grabanlagen nur mit einer Kategorie und erweist sich deshalb als unschärfer. Gleichwohl ist in dieser Systematik der Hinweis gegeben, dass eine weitere Untersetzung Aufgabe der Denkmalbehörden ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.1.4. Kulturhistorische Bedeutung

Die Untersuchungen von EWALD SCHULDT konnten zwei Grabkammern innerhalb des Hünenbettes ausfindig machen. Neben dem Nachweis von Nachbestattungen, die in die Eisenzeit zu datieren waren, konnten außer Feuersteinartefakten und Keramikscherben nicht viel nachgewiesen werden. Die Anlage war wohl im Laufe der jahrhunderte mehrmals von Grabräubern heimgesucht worden. Außergewöhnlich gilt allerdings der Fund einer arabischen Münze, dessen Herkunft nicht geklärt werden konnte (SCHULDT 1971).

Die Grabanlage gehört von ihrer Dimension zu den größten auf der Insel Rügen. Schon im 19 Jh. wurde es als majestätisch bezeichnet: „das imposanteste, und zugleich am Besten erhaltene, welches wir noch auf der Insel gesehen haben...Die Steine, die es umgeben, sind 39 Gewaltige, mächtige Blöcke sind darunter, die beiden gewaltigsten aber bilden den Eingang und würden leicht einen Reiter zu Pferde bedecken“(PEREGRINUS PEDESTRIS, 1833: Der Holsteinische Tourist. Zitiert in: E. SPROCKHOFF, 1967). Auch wenn die Dichte an neolithischen Fundstellen nach Knapp 2008 zu den Höchsten innerhalb frühgeschichtlicher Siedlungsphasen gehört, ist das Hünenbett von Nobbin in seiner Dimension auf Rügen nur noch mit dem Hünenbett bei Dwasiden an den Küsten der Halbinsel Jasmunds zu vergleichen. Darin liegt insbesondere seine kulturhistorisch, hohe Bedeutung. Versuche die Art und Weise der Steinsetzung astronomisch zu interpretieren, führten bisher zu keinen schlüssigen Ergebnissen (vgl. BIELAS 1988).

5.1.5. Kunsthistorische Bedeutung

Die Steinsetzung von Nobbin war zudem Motiv für CASPAR DAVID FRIEDRICH und seinen Malerfreund CARL GUSTAV CARUS. Die Behauptung WEMBERS (2007) das Hünengrab wäre 1806 von C.D. FRIEDRICH mit Bleistift gezeichnet worden (Abbildung 4), ist unter Kunsthistorikern umstritten. Werden Friedrichs Ölgemälde als Kompositionen angesehen, zeugen seine Bleistiftzeichnungen zumeist von einer hohe Detail- und Ortstreue. Dementsprechend hat die Bleistiftzeichnung im Bezug auf die Steinsetzung eine starke Ähnlichkeit mit Nobbin, das hügelige Gelände mit dem Wald widerspricht aber der örtlichen Topographie (vgl. ZSCHOSCHE 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: C.D. F RIEDRICH - Hünengrab bei Nobbin (aus: WEMBER 2007, S. 139)

Als gesichert gilt dagegen, dass C.D. FRIEDRICH die Steinsetzung von Nobbin in zwei Gemälden verarbeitet hat. Um 1806/1807 entstand das Hünengrab am Meer, eine Feder/Pinsel Zeichnung in Sepia (Abbildung 5) und zur gleichen Zeit ein Ölbild, das mit „Abend am Ostseestrand “ (Abbildung 6) betitelt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein wichtiger Vertreter der deutschen Romantik war CARL GUSTAV CARUS (vgl. PRAUSE 1968). Er weilte mehrmals auf der Insel Rügen und hatte 1819 das Großsteingrab von Nobbin mit Öl auf Papier festgehalten. Wie WEMBER (2007) bemerkt, in ungewöhnlich kleinen Abmessungen. Das Gemälde misst nur 8 x 11 cm (Abbildung7). Ein Jahr später widmet sich Carus wieder dem Motiv von Nobbin zu und malt das Hünengrab im Mondstein als großformatiges Ölbild erneut, diesmal aus anderer Perspektive (Abbildung 7).

Dem Großsteingrab von Nobbin kommt damit eine besondere kunsthistorische Bedeutung zu, die sich aus der Kartierung im Gelände nicht erschließt. Vor der Anlage ist eine Informationstafel angebracht, die über einige grundlegende Fakten der Anlage und des Neolithikums informiert, aber keinen Querbezug zur Kunst aufgreift. Um diese kunsthistorische Stellung zu unterstreichen, wurden seitens der Studenten Freihandzeichnungen angefertigt (Abbildung 9 und 10)

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Details

Seiten
79
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640449446
ISBN (Buch)
9783640449309
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136488
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachgebiet Landnutzung und Landschaftsplanung
Note
1,3
Schlagworte
Kulturtransparenz Kartierung Analyse Kulturlandschaftselementen Insel Rügen

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Titel: Kulturtransparenz