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Ein Überblick über die italienische Commedia dell` Arte

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Begriffsklärung
1. Die italienische Commedia dell´ arte- ein Überblick
1.1 Die Entstehung der Commedia dell´ arte
1.2 Die Wesenszüge der Commedia dell´ arte
2. Die Figuren der Commedia dell’ arte
2.1 Die Alten (Vecchi)
2.2 Die Diener (Zanni)
2.3 Die Verliebten (Amorosi)
3. Die Weiterentwicklung der Commedia dell´ arte am Beispiel Frankreichs, Deutschlands und Österreichs
3.1 Entwicklung und Einfluss der Commedia dell´ arte in Frankreich
3.2 Entwicklung und Einfluss der Commedia dell´ arte in Deutschland und Österreich

B Überbleibsel der Commedia dell´ arte heute

C Verwendete Literatur:

A Begriffsklärung

Als „Commedia“ bezeichnete man in der italienischen Literatur ursprünglich jedes Gedicht in der Volkssprache mit glücklichem Ausgang. „Arte“ bedeutet soviel wie „Gewerbe“, was sich auf den erstmaligen Einsatz von Berufsschauspielern bezog.

Der Name „Commedia dell´ arte“ war jedoch nicht seit deren Anfängen gebräuchlich, vor dem 18. Jahrhundert sprach man eher von „Commedia a sogette“, „Commedia all´ improviso“ oder „Commedia di Zanni“.[1]

1. Die italienische Commedia dell´ arte- ein Überblick

1.1 Die Entstehung der Commedia dell´ arte

Die Commedia dell´ Arte geht auf verschiedene Vorläufer zurück.

Die Masken, Typen und Namen lassen sich bis auf die altrömische Atellane, einer Possengattung, zurückführen, die schon im 3. Jahrhundert v. Chr. an Tragödien angehängt wurde. So lässt sich zum Beispiel die Brighella-Figur der Commedia auf Bacchus den Atellanen zurückführen. Ebenso sind Aspekte der wanderten Gaukler, Jongleure, Schelme und Narren in die Commedia miteingeflossen, Elemente wie Improvisation und Akrobatik rühren eindeutig daher. Der Karneval war in Mimik, Gestik, Masken, Kostümen, Sprache, Akrobatik und Satire ein weiteres Vorbild.

All diese Elemente gingen in die Mitte des 16. Jahrhunderts in Oberitalien entstandene Commedia dell´ arte mit ein. Ihre Entstehungs- und Blütezeit stand unter dem Einfluss der Ideen der Renaissance, die sich gegen den Feudalismus und die Herrschaft der Kirche und deren asketische Abkehr vom Leben auflehnten. In den folgenden zweihundert Jahren verbreitete sie sich in ganz Europa, eroberte die Marktplätze, Theaterhäuser und sogar königliche Höfe.

Auf einer ursprünglich sehr spartanischen einfachen Holzbühne wurden von Berufsschauspielern improvisierte Spielabläufe dargeboten.[2]

1.2 Die Wesenszüge der Commedia dell´ arte

Die Commedia dell´ arte ist ein Schauspieler- und Ensembletheater, es dient nicht wie andere Theaterformen dem Autor oder dem Text. Am wichtigsten dabei war der Erfolg, auch der kommerzielle Erfolg der Truppe, die Schauspieler bestimmten selbst die Teile des Stückes und seine Gestalt und ordneten sich nicht mehr den Vorstellungen eines Autors unter. Die Grundlage war das Handwerkliche, der Beruf, deshalb konnte jeder Schauspieler aus seiner Berufserfahrung heraus improvisieren, weshalb die Commedia dell´ arte auch als Improvisations-oder Stegreiftheater bezeichnet wird.[3]

Ein weiteres Merkmal ist, dass die Commedia szenische Wirkung anstrebt, sie will nicht Probleme aufwerfen oder Gehalt vertiefen. Das Schauspiel bestand allein aus den Gags, dem Effekten, aus dem Bühnengeschehen und aus der Bewegung auf der Bühne. Organisiert wurde das Stück durch den Gesamtrhythmus des Schauspiels, der aus der Abfolge der Szenen sowie den Stimmungen gebildet wurde. Der Dialog war eigentlich unwichtig und das dramatische Problem wurde oft nur unzureichend gelöst.[4]

Ebenso macht das Masken- und Typentheater die Commedia dell´ arte aus, es wurde kein Wert darauf gelegt, die Individuen und ihre Entwicklung darzustellen. Viele Typen wurden aus der Commedia erudita, der volkstümlichen Schaustellerei und aus Karnevalsbräuchen übernommen oder aus der Variation ähnlicher Typen aus dem Stegreiftheater entwickelt, da bei solchen Figuren ihre Wirksamkeit, die Einübung des Schauspielers, die mit ihr verbundenen Witze und die jeweilige Akrobatik oder Mimik schon erprobt war und ihr Erfolg bereits erwiesen war. Diese immer wieder- kehrenden Masken erlaubten seine schnellere Absprache des Stückes, häufig verwendete Textstellen prägten sich schneller ein. Die Typen und Masken trugen auch zur Realitätsferne und Wirklichkeitsfragmentierung bei, die eine komische Wirkung hervorriefen.[5]

Die Commedia dell´ arte ist auch ein moralisch indifferentes Theater, sie will keine Werte vermitteln oder belehren. Das Stück blieb vordergründig, unter anderem, weil der Erfolg mit unmittelbar eingängigen und direkt auf die Sinne einwirkenden Mitteln verursacht wurde, die Probleme nicht näher ausgestaltet wurden und die Dialoge stereotyp waren. Die rasch herbeigeführte Lösung, die von Nöten war, da die lustigen Stücke immer gut ausgehen mussten, nahm keine Rücksicht auf moralische Werte. Viele Masken stellten moralisch zweifelhafte, egoistische Menschen dar, zum Beispiel war die Ehebruchsthematik sehr beliebt.[6]

2. Die Figuren der Commedia dell’ arte

In der Commedia-Aufführung traten regelmäßig wiederkehrende Figuren oder deren Varianten auf, die eine gesellschaftliche Stellung repräsentierten.

Sie lassen sich untergliedern in die Vecchi (die Alten), die Zanni (die Diener) und die Amorosi (die Verliebten).

Nun werden die Figuren in ihrer hierarchischen Reihenfolge vorgestellt.

2.1 Die Alten (Vecchi)

2.1 a) Pantalone

Pantalone ist Vertreter der wirtschaftlichen Macht, und gehört damit zur begüterten und gebildeten Gesellschaftsschicht, und wird zu den Alten gezählt.

Er trägt ein rotes Wams, rote eng anliegende Hosen, ein rotes Käppchen und einen weiten schwarzen Mantel, an den Füßen Pantoffel. Sein Gesicht wird durch eine braune Maske mit langer gebuckelter Nase und einem Schnurr- oder Kinnbart geschmückt. Einen Dolch, der ihm im Gürtel steckt und eine goldene Kette mit einem Medaillon um den Hals trägt er als Requisit bei sich.

Meist bewegt er sich mit kleinen Schritten übervorsichtig vorwärts, was auf sein Alter und seine Gebrechlichkeit hinweist, ein steifer Nacken und ein extrem vorgestrecktes Kinn kennzeichnen seine Haltung, was Pantalone einen gierigen und misstrauischen Ausdruck verleiht. Eine Handbewegung, die typisch für ihn ist, ist das Hände reiben, als Zeichen für die Vorfreude auf Gewinn und Liebesgenuss. Sein Kopf und seine Hände sind trotz seiner Gebrechen sehr beweglich geblieben: Er gestikuliert stets wild mit den Händen, diese kommen nur zur Ruhe, wenn er sie hinter seinem Rücken unter seinem Mantel versteckt. Bei schlechten Nachrichten, meist finanzieller Art, fällt er auf den Rücken und kann sich kaum mehr aufrichten. Seine Stimme ist piepsend, er gackert wie ein Huhn.

Pantalone ist vom Dialekt und vom Kostüm her als venezianischer Kaufmann gekennzeichnet. Sein Name wurde wahrscheinlich von „pianta leone“ abgeleitet, was eine Spottbeschreibung für einen Berufsstand war, der zunächst erfolgreich in aller Welt Handel getrieben hatte und die Löwenfahne des heiligen Markus gehisst hatte und allseits angesehen war. Dann aber waren diese Kaufleute durch den Niedergang Venedigs in die Rezession geraten und eroberten von da an unbewohnte Küstenstriche und Inseln, um weiterhin mit Geschichten ihrer „großen Taten“ die Frauen beeindrucken zu können.

Mit seinem fortgeschrittenen Alter war er ein Mann von Würde und Ansehen, der allerdings von zahlreichen Zipperlein geplagt wurde und deshalb meist hinkend, stöhnend, von Magenbeschwerden gequält oder sich ans Kreuz greifend gezeigt wurde. Sobald es aber um mögliche Geschäftsgewinne oder Liebschaften geht, sind blitzschnell alle Wehwehchen vergessen, sofort nimmt er wieder eine grazile und elegante Pose ein und mimt den weltgewandten Geschäftsmann. Denn er ist stets auf der Suche nach amourösen Abenteuern, ein ewig lüsterner alter Bock. Eine weitere Charaktereigenschaft des Pantalone ist seine Knauserigkeit, er ist sehr geizig und stets auf Geldvorteile aus. Er fühlt sich allen anderen überlegen, durchschaut auch plump angelegte Intrigen, wo allerdings auf seine Eitelkeit abgezielt wird, ist er leichtgläubig und naiv, und wird deshalb oft Opfer der Späße von Dirnen, Dienern und sogar seines eigenen Sohnes. Dadurch, dass er seine Macht überschätzt, wird er oft überlistet und muss Schläge einstecken. Meist unterwirft er sich am Schluss dem Gang der Dinge, gibt sich aber als deren heimlicher Arrangeur aus.

[...]


[1] vgl. Ricklefs, Ulfert (Hg.): Fischer Lexikon Literatur. Bd. 2, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1996

[2] vgl. Hinck, Walter: Das deutsche Lustspiel des 17. und 18. Jahrhunderts und die italienische Komödie. Metzlersche

Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1965

[3] vgl. Krömer, Wolfram: Die italienische Commedia dell´ arte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1976, S.24

[4] vgl. Krömer, Wolfram: Die italienische Commedia dell´ arte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1976, S. 25

[5] ebd. S.25/26

[6] ebd. S.26/27

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783668018938
ISBN (Buch)
9783668018945
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137033
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Schlagworte
überblick commedia arte

Autor

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