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Zu Wilhelm von Humboldts Theorie der Bildung des Menschen

Kritische Auseinandersetzung des Fragments "Theorie der Bildung des Menschen"

Seminararbeit 2007 15 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Theorie der Bildung des Menschen
2.1. Die Verknüpfung des Ichs mit der Welt
2.2. Was bedeutet Bildung?
2.3. Kräfteausbildung anhand von Gegenständen als Erklärungsversuch zur Bildung des Menschen

3. Zusammenfassung

Literaturangabe

1. Hinführung zum Thema

Die Bildung des Menschen ist eines der ältesten und eine der modernsten Überlegungen der gesellschaftlichen Entwicklung und doch gibt es entscheidende Unterschiede der Betrachtung. Das Bildungsziel des Menschen war in den einzelnen Epochen unterschiedlicher Natur. Dennoch war und ist eine Frage weiterhin zentral: Was ist der Mensch und was kann er werden, wie und wodurch ist er geworden? Diese Fragen werden begleitet von den Perspektiven, die das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Zwang beziehungsweise Determinismus und Interdeterminismus der Bildung des Menschen offen legen. Hierbei wirkt die Fremd- und Selbstbestimmung ausschlaggebend auf die Bildung des Menschen ein. Die Selbstbestimmung des Subjekts steht im engen Zusammenhang mit dem Selbstbewusstsein. Sich selbst dessen bewusst zu sein, was man tut und wie gehandelt wird, ist bedingt durch die Selbstreflexion, die durch Bildung und Lernprozesse hervorgebracht wird. Die Entwicklung der kognitiven Kompetenz und Fähigkeiten des Menschen beginnen ab dem Zeitpunkt der Geburt. Der Mensch, abgesehen von den genetischen Erbanlagen, ist bei der Geburt unabhängig von sozialen Kontakten und Einflüssen. Es stellt sich die Frage, was bei dem Menschen gebildet werden muss, damit er ein gesellschaftsfähiges, trotzdem einzigartiges Lebewesen entsteht. Diese Entwicklung wird begleitet durch Situationen und Einflüsse der Natur, der sozialen Umwelt und durch Interaktion.

Die Selbstbestimmung ist ein individuelles Anliegen, aber auch ein Gesellschaftliches. Die heutige Bildungsdebatte bezieht sich wieder zunehmend auf die Vorbereitung der Ausbildung sowie den Beruf und verfolgt somit politische und ökonomische Zwecke. Wird dies von der anderen Seite betrachtet, ist festzustellen, dass sich Bildung und involvierte Lernprozesse zunächst beim Individuum ansiedeln. Inwieweit dies gesellschaftlich positiv gewertet werden kann, steht außen vor.

Eben dieser Konflikt, Individualität und Gesellschaft, sowie Subjekt und Welt sind Dimensionen mit denen sich Wilhelm von Humboldt auseinandergesetzt hat. Wird der Blick auf Wilhelm von Humboldt gerichtet, so eröffnet sich eine interessante Persönlichkeit der deutschen Kulturgeschichte. Humboldt beschäftigte sich mit den kulturellen Zusammenhängen, die sich in seiner Theorie der Bildung und des Staates, sowie in seinen Analysen von Sprache, Kunst und Literatur, aufzeigen lassen. In dieser Beziehung beeinflusste Humboldt den Neuhumanismus. Diese Epoche beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts hauptsächlich in Deutschland und entwickelt sich im zeitlichen Höhepunkt der Aufklärung. Der Neuhumanismus wendet sich von der einseitigen Verstandskultur der Aufklärung ab, denn fortan steht die Individualität des Menschen und seine Totalität, bezogen auf die Originalität und Schöpferkraft, im Zentrum der Betrachtung (siehe Vallentin, 1999, 90). Hier entsteht auch die neuzeitlich Frage nach der Bestimmung des Menschen, denn die neuzeitliche Bestimmung ist nicht durch den Staat vorgegeben (siehe Benner, 1990, 47). Aus diesen Gründen wird bis heute keine direkte Auseinandersetzung der humboldt´schen Theorien und der zu seinen Lebzeiten tradierte Epoche der Aufklärung deutlich. Erziehung und Bildung sind nicht für die Entwicklung einzelner Fähigkeiten und Verhaltensweisen gedacht, sondern das Interesse liegt auf der Entfaltung der individuellen Kraft und dessen Selbstgestaltung. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass die bildungstheoretische Leistung des Neuhumanismus eng mit der von Wilhelm von Humboldt gedacht werden kann (vgl. Vallentin, 1999, 92).

Wird der gegenwärtige Bildungsbegriff „Lebenslanges Lernen“ angesprochen, sind die Entwicklungsprozesse des Individuums gemeint, die geistige, kulturelle und soziale Kompetenzen herausbilden und resultierend die Ausbildung des Menschen voranbringen.

„Es wäre ein grosses und trefliches Werk zu liefern, wenn jemand die eigenthümlichen Fähigkeiten zu schildern unternähme, welche die verschiedenen Fächer der menschlichen Erkenntniss zu ihrer glücklichen Erweiterung voraussetzen; den ächten Geist, in dem sie einzeln bearbeitet, und die Verbindung, in die sie alle mit einander gesetzt werden müssen, um die Ausbildung der Menschheit, als ein Ganzes zu vollenden.“ (Humboldt, 1793, 282)

Diese Arbeit setzt sich auseinander mit der Rekonstruktion der „Theorie der Bildung des Menschen“ nach Humboldt und verfolgt die Frage, wie sich der Mensch bilden lasse und warum der Mensch gebildet werden muss. Es ist weder Ziel politische und ökonomische Aspekte tiefgehend mit einzubeziehen, noch soll die Verbindung zur Sprache und Kultur explizit ausgeführt werden.

2. Theorie der Bildung des Menschen

Die Bildung des Menschen war für Humboldt zentrales Thema seiner Arbeiten. Hierbei knüpfte er die Theorie der Bildung an den Aspekt der Individualisierung. „Bildung wurde definiert als der Weg der Individualität zu sich selber, dieser Weg aufgefasst als unendliche Aufgabe, so dass Bildung nicht abschließbar sei, vielmehr das ganze Leben über währe.“ (Blankertz, 1982, 101). Die Theorie von Humboldt sei weder als Ansatz einer individuellen Bildung, sprich der allumfassenden Bildung, die auf verschiedene Weise in den existierenden Geist manifestiert werde, noch als Ausführung der Resultate und Anstrengungen menschlicher Selbst- und Welttätigkeit zu verstehen (siehe Benner, 1990, 92).

Humboldt versteht Bildung nicht gebunden an Herkunft, Stand, Beruf, Rasse, Nationalität oder Religion, sondern die Bildung beziehe sich allein auf die Fähigkeiten des Menschen, so Vallentin (siehe Vallentin, 1999, 95).

Die Bildungstheorie von Humboldt ist einerseits im vollen Maß auf das zu bildende Individuum gerichtet und demnach zweckfrei, andererseits zielt Humboldt auf die Darstellung und die Zusammenhänge von Gebieten, Fächern und anderen Bereichen der menschlichen Bildung ab, die nicht über Begriffe individueller Wechselwirkung von Welt und Subjekt hinausgehen (vgl. Benner, 1990, 92). Humboldt verstand seine Bildungstheorie als Bildung zum menschlichen Ganzen. Folglich sollte das Individuum nicht mit einzelnen, spezifischen und praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgebildet werden, sondern seine inneren Kräfte zum Ganzen formen. Humboldt lässt die Kritik laut werden, dass die Menschen nur daraufhin ausgebildet werden, inwieweit sie für die Gesellschaft brauchbar sind, d.h. die Entwicklung des Menschen ist spezifisch auf einen Zweck ausgerichtet, den Beruf. Dazu sagt Humboldt: „Hierin liegt einer der vorzüglichsten Gründe der häufigen und nicht ungerechten Klagen, dass das Wissen unnütz und die Bearbeitung des Geistes unfruchtbar bleibt, dass zwar vieles um uns her zu Stande gebracht, aber nur wenig in uns verbessert wird, und dass man über der höheren, und nur für Wenige tauglichen wissenschaftlichen Ausbildung des Kopfes die allgemeiner und unmittelbarer nützliche der Gesinnung vernachlässigt.“ (Humboldt, 1793, 282f.)

Die Tatsache, dass Inhalte, Fertigkeiten und Verhaltensweisen für die Bestimmung des Menschen festgelegt sind, wird die Ausbildung des Individuums im Sinne der Gesellschaft notwendig. Hier wird das notwendige Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft ersichtlich. Wie aber bildet sich das Individuum zur Persönlichkeit und zum gesellschaftlichen Lebewesen?

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Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640457502
ISBN (Buch)
9783640457250
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137067
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Schlagworte
Wilhelm Humboldts Theorie Bildung Menschen Kritische Auseinandersetzung Fragments

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Titel: Zu Wilhelm von Humboldts Theorie der Bildung des Menschen