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Die Bestimmung des Menschen durch seine soziale Umwelt und die Frage, warum er exzentrisch positioniert ist und inwieweit der Symbolische Interaktionismus dabei seinen Einfluss findet?

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Was bedeutet „animal symbolicum“

2. Überleitung zur Thematik

3. Die Organisationsformen der Positionalität nach Plessner

4. Ausdruck und exzentrische Positionalisierung

5. Exzentrische Positionalität und Plessners Grenzbegriff

6. Theoretischer Abriss: Was ist der symbolische Interaktionismus nach G. H. Mead?
6.1. Was wird unter Rollenhandeln verstanden?
6.2. Interaktion und Identität nach Mead

7. Eine Gegenüberstellung: Wie können „Exzentrische Positionalität“ von Plessner mit dem „Symbolischen Interaktionismus“ nach Mead gedacht werden?

8. Abschluss

9. Literaturangaben

1. Einleitung: Was bedeutet „animal symbolicum“

Die Anthropologie des Menschen bedeutet die Lehre vom Wesen des Menschen, sprich wie und was ist der Mensch. Die Anthropologie will den Menschen nicht seiner einzelwissenschaftlichen Segmentierung ausliefern, sondern ihn als Ganzen erfassen, somit darf die Relevanz des Bewusstseins, der Ichhaftigkeit und Geistigkeit für seine Existenzweise nicht ignoriert werden, sondern sieht sich vor die Aufgabe gestellt, diesen Aspekt in ihrem Gültigkeitsbereich innerhalb der menschlichen Organisation zuzuweisen. (Kubitza, 2005, 155) Was den Menschen umgibt und welchen Einfluss das Äußere auf sein Inneres hat, kann erst einmal damit parallelisiert werden, dass der Mensch kein isoliertes, in sich gekehrtes Wesen ist, sondern ein Soziales und Kulturelles, welches in die Gesellschaft eingebunden ist. Das ist nichts Neues, aber die Frage entsteht, wie sich der Mensch in seiner Umwelt ausdrückt und wie er auf andere wirkt. Eine relativ junge Diskussion, die entfacht wurde durch die Veröffentlichung des „Essay of Man“ von Cassierer 1944. Er sah den Menschen als „animal symbolicum“, weil davon ausgegangen wurde, dass der Mensch nicht allein rational, sprich nach seiner Vernunft her handelt und agiert, sondern in dieser Rationalität sich selbst durch das symbolische Ausdrücken des Geistigen, mit Zeichen und Bilder verständigt. (Schmidinger, 2007, 11) Schmidinger definiert die symbolische Form als jede Energie des Geistes, welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an konkretes sinnliches Zeichen zu Grunde liegt. Damit meint er, dass das menschliche Bewusstsein sich nicht allein mit dem Empfang von äußeren Gegebenheiten zufrieden stellt, sondern, dass jeder Eindruck mit freier Tätigkeit an den Ausdruck gebunden ist. (ebenda) Hier stellen sich demnach die objektive Welt, wo zu klären wäre, ob es diese in ihrer reinen Form wirklich gibt, und die selbst geschaffene Welt mit eigenen Zeichen und Bildern metaphorisch gegenüber, bedingen sich aber gleichzeitig. Cassierer sagte: „Der Begriff animal symbolicum knüpft nicht nur an den Begriff animal rationale, sondern greift die Frage nach der Bestimmung des Menschen auf. Der Mensch ist ein Wesen, ein in Gemeinwesen lebendes Wesen. (Schidinger, 2007, 13)

Die Sprache besitzt nur der Mensch, ebenso wie die Vernunft. Die Sprache kann der Mensch aber nur benutzen, wenn er sie für etwas benutzt. Sie ist ein äußerliches Ausdrucks- und Darstellungsinstrument der menschlichen Erkenntnis. Cassierer stellt sich aber dabei die Frage, ob die menschliche Erkenntnis nur dort vorhanden ist, wo die Symbolisierung und Versprachlichung stattfindet. (Schmidinger, 2007, 21) Für Cassierer hat der Symbolbegriff eine tragende Bedeutung, denn er sieht dem Menschen als „animal symbolicum“, sprich als ein Symbol bildendes und verwendendes Wesen und geht ein Schritt weiter, indem er sagt, dass der Mensch nur über Symbole und Symbolisierung einen Wirklichkeitsbezug herstellt.

2. Überleitung zur Thematik

Oft stoße ich auf Frage, für was der Mensch bestimmt sei, gefolgt von der Frage, ob nicht alle Menschen gleicher Natur mit gleicher Bestimmung seien, aber der Begriff der Individualität schwingt dabei mit und lässt den Menschen in eine Dualität münden, da der Mensch für sich und an sich ist. Die Bestimmung des Menschen soll in dieser Arbeit weniger auf der produktiven Ebene beschrieben und diskutiert werden, als vielmehr sich der Frage widmen, wie sich das menschliche Dasein beschreiben lässt und warum er mit anderen Mitmenschen in Kontakt treten muss, um sich selbst zu bestimmen. Hieran knüpft die Frage, welche Rolle dabei das soziale Umfeld spielt. Betrachten wir die gesellschaftlichen Strukturen und Organisationsformen, dann wird deutlich, dass diese nicht qua natura bestehen, sondern von Menschen produziert und reproduziert werden. Diese Strukturen etc. formen und beeinflussen den Menschen insofern, dass er das Ergebnis sozialer Prozesse ist, in dem sich seine Individualität herausstellt. Der Mensch allein besitzt die Fähigkeit zu denken. Das Denken ist beeinflusst und angewiesen auf das Sozialisieren in ein bestehendes gesellschaftliches Normen- und Wertesystem durch verschiedene Instanzen. Das Denken allein macht aber keinen Menschen aus, sondern wir kommunizieren mit anderen Menschen, um uns und unserer Handeln zu bestimmen und zu rechtfertigen. Die Kommunikation ist durch die Sprache definiert. Innerhalb unserer Sprache kursieren aber verschiedene und mannigfaltige, sowie unzählige Formen von Symbolisierungen, die zur Interaktion der Menschen dazugehören und interpretiert werden müssen. George Herbert Mead vertritt die Meinung, dass nur der Austausch bzw. die Interaktion mittels kennzeichnender Symbole den Ausgangspunkt für das Verständnis des menschlichen Geistes, d.h. für die Präsenz des Menschen, ist.

Diese Arbeit soll den theoretischen anthropologischen Ansatz Helmuth Plessners skizzieren und eine Verbindung zum Symbolischen Interaktionismus nach George Herbert Mead herstellen. Wie und warum muss sich der Mensch exzentrisch positionieren und inwiefern kann der symbolische Interaktionismus da ansetzen?

3. Die Organisationsformen der Positionalität nach Plessner

Plessner behandelt drei Formen der Positionalität, zum einen die offene, zum anderen die geschlossene und weiter die exzentrische Form. Die offene Positionalität beschreibt Plessner anhand der Pflanze. Er sucht immer den Bezug zum Biologischen. Die Positionalität der Pflanze ereigne sich außerhalb dessen, was durch die geringe Bewegungsfähigkeit gerechtfertigt wird, da die Bewegung an der Pflanze vollzogen wird, aber nie von der Pflanze selbst bestimmt sei. (Meuter, 2007, 103) Einfacher gesagt, dort wo die Pflanze wächst, muss sie verbleiben und bleibt verschiedenen Umwelteinflüssen ausgeliefert. Das Tier dagegen vollzieht seine Positionalität instinktiv, triebhaft und willentlich. Plessner spricht hier von der geschlossenen Positionalität. Die Umwelteinflüsse können von ihm in eigenständiger Bewegung und durch -impulse entgegengewirkt werden. Plessner spricht hier von einem sensorischem Reiz und einer motorischen Reaktion. (Meuter, 2007, 104) Das soll heißen, dass das Tier nicht seiner Umwelt ausgeliefert ist, sondern auf Reize mit motorischen Reaktionen, sprich mit weglaufen, wegdrehen, hinlegen etc., reagieren kann. All dies geschieht aber unbewusst, weil davon ausgegangen wird, dass das Bewusstsein und die Vernunft, sowie das Denken allein dem Menschen zugesprochen werden kann. Hier setzt der Unterschied zum Mensch an. Der Mensch besitzt nicht nur Objekt- und Gegenstandsbewusstsein, sondern auch Selbstbewusstsein. „[W]ährend sich an der Pflanze die Positionalität nur ereignet und das Tier sie nur vollzieht, entwickelt der Mensch eine (reflexive) Distanz zu ihr. (…) Nur der Mensch besitzt eine reflexive Form des Bewußtseins, die ihm eine Distanz zu sich selbst und seinem Verhalten erschließt.“ (Meuter, 2007. 104ff.)

Der Begriff der exzentrischen Positionalität und dessen Zuschreibung zum Menschen, setzt erst einmal eine Beschreibung des Körpers voraus, welche Plessner als eine Art Verdopplung des Körpers versteht: „Einerseits [definiert sich] der reale Körper mit der Gesamtheit seiner Organe und andererseits [mit der] Repräsentation des Körpers in einem seiner Organe, nämlich dem zentralen Nervensystem bzw. dem Bewusstsein.“ (Meuter, 2007, 107) Nach Plessner wird der Mensch über sein Körper definiert, d.h. der Mensch wird verkörpert, dass widerum bedeutet, der Mensch hat seinen Körper, um ihn aktiv einzusetzen. Seinen Körper zu beherrschen, lernt er erst beispielsweise durch Sozialisation und durch den Bezug zur sozialen Welt. Demzufolge grenzt Plessner Körper und Seele voneinander ab, d.h. er bricht die Dualität von menschlichen Sein und des menschlichen Bewusstseins auf. „Nichts ist der Mensch „als“ Mensch von sich aus, wenn er, wie in den Gesellschaften modernen Gepräges, fähig und willens ist, diese Rolle [sprich Identifikation] und damit die Rolle des Mitmenschen zu spielen: nicht blut gebunden, nicht traditionsgebunden, nicht einmal von Natur frei.“ (Plessner, 204)

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Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640451302
ISBN (Buch)
9783640451500
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137075
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
Bestimmung Menschen Umwelt Frage Symbolische Interaktionismus Einfluss

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Titel: Die Bestimmung des Menschen durch seine soziale Umwelt und die Frage, warum er exzentrisch positioniert ist und inwieweit der Symbolische Interaktionismus dabei seinen Einfluss findet?