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Der Widerstand der Katholischen Kirche im Nationalsozialismus mit Bezug auf den Bischof von Münster

Seminararbeit 2005 10 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Der Begriff des Widerstandes

3. Die katholische Kirche in der Weimarer Republik

4. Katholische Kirche und Nationalsozialismus

5. Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster
5.1. Der Kampf um die katholischen Institutionen und die Bekenntnis- schulen
5.2. Kampf gegen die Euthanasie

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Rolf Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“ hat die Aufmerksamkeit erneut auf die Stellung der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus gelenkt. Es warf unter anderem die Frage auf, ob die Kirche ihre Machtposition, die sie zweifelsfrei innehatte, richtig genutzt hat.

Wie hat sie Widerstand geleistet? Hätte sie mehr tun können oder müssen? Hätte sie eher eingreifen sollen? Hat sie überhaupt eingegriffen?

In meiner Arbeit geht es um den Widerstand der katholischen Kirche in Deutschland und speziell den Widerstand des Bischofs Clemens August Graf von Galen gegen den Nationalsozialismus.

Der Bischof von Münster wird aufgrund seiner drei berühmt gewordenen Predigten als der aktive Bischof der katholischen Kirche gegen den Nationalsozialismus angesehen.

In meiner Arbeit möchte ich aufzeigen, was die katholische Kirche getan hat, wie sie Widerstand leistete und welche Rolle der Bischof von Münster dabei spielte.

2. Der Begriff des Widerstandes

Nach 1945 war die Meinung vorherrschend, die katholische Kirche in Deutschland habe durchgängig Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet. Doch in den fünfziger Jahren kam es zu kritischen Positionen, unter anderem ausgelöst durch Rolf Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“[1].

Um jedoch Thesen aufstellen zu können, inwieweit die Katholische Kirche oder auch einzelne Katholiken Widerstand geleistet haben, muss man erst einmal den Begriff „Widerstand“ als solchen näher bestimmen.

Das Wort „Widerstand“ ist erst spät in die politische Sprache aufgenommen worden; so fand es beispielsweise zur Zeit des Hitlerregimes kaum Verwendung.[2] Man war einfach „dagegen“ und empfand sich nicht als Widerständler.[3]

Heute ist Widerstand vor allem eine Handlungsweise gegen eine Staatsmacht, die ihre Machtstellung missbraucht.

Im Unterschied zum Widerstand in Deutschland gab es noch den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den von Deutschland besetzten Gebieten.[4]

Innerhalb Deutschlands waren jedoch schon die Voraussetzungen anders. Die Kontrolle vonseiten der Staatsmacht war ungleich höher und dadurch war das Risiko des Widerstands ebenfalls ungleich größer. Wichtig ist, dass der deutsche Widerstand keinen äußeren Feind hatte, sondern die Regierung des eigenen Landes.[5]

Was aber nun wurde als Widerstand gewertet? Da Hitlers Herrschaft eine totalitaristische Herrschaft war und er Anspruch auf alle gesellschaftlichen Bereiche erhob, forderte dies ein aktives Bekenntnis zum Nationalsozialismus. Allein die Verweigerung wurde als Opposition aufgefasst.[6]

Man sollte in Bezug auf das nationalsozialistische Regime von einem eng gefassten Widerstandbegriff absehen, der zum Beispiel nur auf den Sturz der Regierung abzielende Handlungen umfasst.[7] Die Folgen der einzelnen Handlungen sollten das Entscheidende sein. Allerdings muss man auch da differenzieren.

Zum einen gab es die allgemeine Unzufriedenheit, die auch öffentlich, wie zum Beispiel durch Schimpfen geäußert wurde. Dabei war das Risiko relativ gering, wenngleich dies von Seiten des Regimes bereits als Widerstand verstanden wurde.[8]

Zum anderen war auch das Festhalten an bestimmten Normen und Maßstäben eine Art Widerstand, denn es behinderte das totalitäre Streben der Regierung in alle Bereiche des Lebens einzugreifen. Auch die Wahrung der Autonomie der Kirche fällt in diesen Teil des Widerstands und kann auch als institutionelle Verweigerung gesehen werden.[9]

Ein noch größeres Risiko barg der öffentliche Protest. Der Widerstand war nun nicht mehr defensiv, sondern offensiv gegen das System gerichtet.[10]

Als höchste Stufe des Widerstands aber kann man den aktiven Widerstand verstehen, der auf den Sturz der alten und der Etablierung einer neuen Regierung abzielt.[11]

Weil sich die Wissenschaft einig ist, dass man die Stellung vieler Deutschen zum Nationalsozialismus nur verstehen kann, wenn man einen Blick zurück in die Weimarer Zeit wirft, werde ich dies im nächsten Kapitel tun.

3. Die katholische Kirche in der Weimarer Republik

Erst in der Weimarer Republik hatte sich die katholische Kirche entfalten können. Die einschränkende Gesetzgebung Bismarcks existierte nicht mehr und die freie Ausübung der Religion war nun garantiert.[12] Zur Zeit Bismarcks waren die deutschen Katholiken politisch, gesellschaftlich und sozial benachteiligt und galten als Bürger zweiter Klasse.[13]

Gegen Ende der zwanziger Jahre hatte die katholische Kirche ihre Blütezeit. Sie war in fünfundzwanzig Diözesen aufgeteilt, auf circa 20 Millionen Katholiken kamen rund 20000 Priester. Neue Klöster, Häuser und Schulen wurden gegründet.[14] Auch intellektuell entfaltete sich das katholische Leben, die Tagespresse der katholischen Kirche verschrieb hohe Auflagen.[15]

[...]


[1] Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter

[2] Vgl. Steinhoff, Marc: Widerstand gegen das Dritte Reich, S. 13.

[3] Vgl. a.a.O., S. 13.

[4] Vg. a.a.O., S. 14.

[5] Vgl. a.a.O., S. 14.

[6] Vgl. a.a.O., S. 15.

[7] Vgl. a.a.O., S. 15.

[8] Vgl. Steinhoff, Marc: Widerstand gegen das Dritte Reich, S. 16.

[9] Vgl. a.a.O., S.16f.

[10] Vgl. a.a.O., S. 17.

[11] Vgl. a.a.O., S. 17.

[12] Vgl. Lewy, Guenter: Die katholische Kirche und das Dritte Reich, S. 16.

[13] Vgl. Steinhoff, Marc: Widerstand gegen das Dritte Reich, S. 21.

[14] Vgl. Lewy, Guenter: Die katholische Kirche und das Dritte Reich, S. 16.

[15] Vgl. a.a.O., S. 17.

Details

Seiten
10
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640456727
ISBN (Buch)
9783640456895
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137173
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Evangelische Theologie
Note
2,0
Schlagworte
Widerstand Katholischen Kirche Nationalsozialismus Bezug Bischof Münster

Autor

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Titel: Der Widerstand der Katholischen Kirche im Nationalsozialismus mit Bezug auf den Bischof von Münster