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Symboldidaktik in Theorie und Praxis

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 19 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1 Was ist ein Symbol?
1.2 Was ist Symboldidaktik?
1.3 Der Symbolbegriff nach Tillich

2. ZWEI VERTRETER DER SYMBOLDIDAKTIK
2.1 Halbfas – der wichtigste katholische Vertreter
2.2 Methoden innerhalb der Symboldidaktik bei Peter Biehl

3. VERSUCH EINER UNTERRICHTSSKIZZE – THEMA: GOTTESVORSTELLUNG/ JAHRGANGSSTUFE 13.1
3.1 Voraussetzungen und Einbettung der Unterrichtseinheit (UE)
3.2 Stundenablauf
3.3 Begründung und Ziel der Stunde
3.4 Materialien

4. FAZIT

5. ABKÜRZUNGEN

6. LITERATURVERZEICHNIS -

1. Einleitung

Symboldidaktik ist eines der wichtigsten Themen der Religionspädagogik. [1] Es ist schwer jemandem etwas über Symbole und Symboldidaktik zu erklären oder im Religi-onsunterricht (i. F. RU) beizubringen, ohne selber wirklich Ahnung davon zu haben, ohne sich intensiv mit den Dingen auseinander gesetzt zu haben. Aus diesem Grunde steht zu Beginn dieser Arbeit ein Versuch die zentrale Begriffe „Symbol“ – in dem Zu-sammenhang bleibt es nicht aus auch über die „Zeichen“ zu sprechen – und „Symboldi-daktik genauer zu erläutern. Es geht vor allem darum darzustellen, was das Wesentlich ist und wie der Umgang mit Symbolen praktisch verwirklicht werden kann. Im Folgen-den Verlauf der Arbeit werden zwei wichtige Vertreter der Symboldidaktik – Halbfas, Biehl – und Teile ihrer Modelle veranschaulicht. Bei der Darstellung werden die wich-tigsten Vertreter der katholischen, wie auch der evangelischen Kirche, in Betracht gezo-gen. Eine mögliche Umsetzung innerhalb des RU bildet den Abschluss dieser Arbeit. Bei der Konzeption einer konkreten Unterrichtsstunde muss man in der heutigen Zeit zunehmend die außerschulischen Faktoren mit einbeziehen. Die Schule sollte nicht der einzige Ort sein, an dem die Symboldidaktik ausgeübt wird und dennoch bilden Firm-kurse, Gruppenstunden oder ähnliches nur einen kleinen Randteil dieser Arbeit. Sie werden allerdings nicht völlig außer Acht gelassen, sondern spielen immer mal wieder mit hinein.

1.1 Was ist ein Symbol?

Bevor es dazu kommt die eigentliche Symboldidaktik näher zu erläutern, wird das Wort auseinander genommen. Was man erhält, sind zwei weitere Nomen, die es nun heißt genauer zu beschreiben. In Symbol-Didaktik versteckt sich zum einen das Wort „Sym­bol“ und zum anderen das Wort „Didaktik“.

Beginnen wir mit der Bedeutung des Wortes Symbol. Das uns bekannte Wort Symbol stammt von dem griechischen Wort (‚sýmbolon’), welches abgeleitet ist von dem Verb (‚symballo’).[2] Wortwörtlich übersetzt bedeutet es ‚zusammenfü-gen’, oder eben substantiviert ‚das Zusammengefügte’. In früheren Tagen wurde ein solches ‚symbolon’ dazu genutzt Vertragspartner wieder zu erkennen oder Freunde wieder zu finden. Dies geschah, indem eine Tontafel, oder ein Knochen entzweit wurde und jeder (Vertrags-) Partner eine Hälfte erhielt. Kamen diese beiden Hälften wieder zusammen, so wusste jeder, dass deren Inhaber die rechtmäßigen Besitzer sind. So ent-stand denn auch die Bezeichnung des Vertrags, oder der Zeichen.

Die Hälften der Tontafel galten damals schon als äußeres Zeichen für eine Vereinba-rung, einen Vertrag oder ein Abkommen; sie sind Symbole für einen Sachverhalt.[3] Während eine solche Tontafelhälfte noch einen, im weiteren Sinne, klare Bedeutung trägt – den Abschluss eines Abkommens – ist es bei verschiedenen anderen Symbolen eher so, dass es mehrere Bedeutungen gibt. Ein Zeichen trägt auch nicht nur eine Be-deutung mit sich.[4] Ein Zeichen ist etwas sinnlich wahrnehmbares, was auf etwas ande-res hinweist. Das, worauf man durch ein Zeichen – oder aber durch ein Symbol[5] - hin-gewiesen wird, ist selbst nicht eindeutig zu erkennen. Zum Phänomen der Zeichen und Symbole gehört also auch, dass es eine ganze Reihe nicht absehbarer Erscheinungen gibt, die sich in einer Bild- und einer Sachebene wieder finden. Beispiele für äußere Zeichen, die jemanden auf eine weitere Bedeutung lenken, wären der Rauch, der auf ein Feuer hinweist, oder aber der Ring am Ringfinger, der auch eine verheiratete Person schließen lässt, genauso, wie die weiße Taube, die für Frieden steht.

Symbole können auf unterschiedliche Weise betrachtet werden.[6] Zum einen repräsentie-ren sie eine Wirklichkeit, wie sie in den vorhandenen Tonplatten deutlich wird. Diese geteilten Platten zum Zeichen eines Abkommens sind wirklich da und dennoch sind sie ein Symbol für etwas. Ausgetauscht werden können sie nicht, da sonst die Bedeutung verloren ginge.

Andererseits sind Symbole nie eindeutig. Wie schon gehört, stehen Symbole im Unter-schied zum Zeichen, da ihre Aussage eher offen und unscharf gehalten ist. Es ist ein großes Ziel von Symbolen Platz für Interpretation zu lassen und nicht nur eine eindeuti-ge Botschaft zu übermitteln. So kommt es auch, dass man von deutenden und verwei-senden Symbolen sprechen kann. Es ist nicht nur eine Weitergabe von Informationen, sondern ein Wink zu etwas Tieferem, ein Wink auf das Ganze.

Innerhalb der verschiedenen Wissenschaften gibt es unterschiedliche Formen und Wege den Begriff eines Symbols – evtl. mit Hilfe von spezifischen Beispielen – genauer zu beschreiben. Die Frage nach den Symbolen soll in dieser Hausarbeit allerdings nur ei-nen kleineren Teil einnehmen – wie im Vorangestellten in den wichtigsten Punkten be-reits erläutert wurde – weswegen hierauf nicht genauer eingegangen werden kann. Vielmehr kommt es auf die Kombination von Symbolen und Didaktik – auf die Sym-boldidaktik – an.

1.2 Was ist Symboldidaktik?

Symboldidaktik ist nur eins von unterschiedlichen didaktischen Modellen, die in der Schule angewendet werden (wie z.B. Bibeldidaktik).7 Sicherlich keine einfache Didak-tik, wenn man bedenkt, dass sie durch zahlreiche Vertreter immer wieder neu und vor allem – auf den ersten Blick – in verschiedener Art und Weise interpretiert und gedeutet wird. Es gibt verschiedene Richtungen innerhalb der Symboldidaktik, die vor allem durch Hubertus Halbfas und Peter Biehl geprägt sind, auf deren Auslegungen im Nach-folgenden noch genauer eingegangen wird.

Trotz der unterschiedlichen Ansätze jener beiden Theologen kommt Anke Edelbrock zu dem Schluss, dass alle „ein gemeinsames Anliegen [haben.]“8 Durch die Symboldidak-tik sollen alle Schülerinnen und Schüler (i. F. SuS) in ihrer eigenen Person angespro-chen werden. Jeder ist in der Lage ist Symbole zu erkennen und sie zu deuten. Genau aus diesem Grund muss auch allen die Gelegenheit gegeben werden sich selbst darin zu erproben. Allerdings ist vielen in der heutigen Zeit nicht einmal mehr bewusst, dass sie ein Symbol vor sich haben, geschweige denn, dass sie wissen, was ein Symbol über- haupt bedeutet. Die Symbolerfassung ist „oft verstellt und verdeckt durch ausschließli-che Konzentration auf die empirisch beschreibbare Realität.“[9]

Sinn einer Symboldidaktik ist es nicht den SuS innerhalb des Unterrichtes lediglich un-terschiedliche Symbole vorzustellen und zu erläutern. Der Sinn liegt vielmehr darin, ihnen die Möglichkeit zu geben sich selbst zu finden bzw. ihre Welt mit Symbolen ge-nauer kennen zu lernen. Dazu ist es nötig, dass sie auch innerhalb der Sprache darauf aufmerksam gemacht werden und beachten, Symbolisches zu verwenden. Es muss den SuS bewusst werden, dass es sich rund um den christlichen Glauben um sehr vieles dreht, was mit Symbolen, symbolischer Sprache und ähnlichem zu tun hat. Bei der Symboldidaktik geht es außerdem darum, dass alle Symbole, die in den meisten Fällen von christlichem Charakter geprägt sind, „in Beziehung zu dem Mittelpunkt aller [...]“ gesetzt werden: Jesus Christus.

Wie auch im realen Leben, soll Thema der Symboldidaktik sein, alles Erlebte zu reflek-tieren, anzunehmen, zu kritisieren; was immer man in dem Moment der Aufnahme oder des Erkennens gefühlt oder geglaubt hat.

1.3 Der Symbolbegriff nach Tillich

Der Begriff des Symbols wurde schon zu Beginn versucht genauer zu erläutern. Auch dort wurde man auf die zahlreichen unterschiedlichen Aspekte aufmerksam gemacht, zwischen denen man unterscheiden kann:[10] philosophische, soziologische, psychologi-sche, linguistische, u. a.. Allerdings sind auch diese Unterteilungen nur grobe Versuche einer weiteren Deutung. Um dem religionspädagogischen Interesse eines Symbols ge-recht zu werden, ist es nach Meyer-Blank notwendig, unter Kontrolle zu haben, was der Gesamtprozess von Subjekt und Zeichen eigentlich ausmacht. Unter Gesamtprozess versteht er „den Lernprozeß symbolisierender Menschen.“[11] Wie schon bei der Definiti­on des Symbols mit eingerbacht wurde, ist es wichtig, dass zwar nur eine Wirklichk]eit – z. B. die Taube – vorhanden ist, diese allerdings aus unterschiedlichen Perspektiven gedeutet werden kann.

Einer der wichtigsten Theologen, die sich um eine Erläuterung des Symbolbegriffs be-müht haben, ist Paul Tillich. Er hat mit den nachfolgenden beiden – Halbfas und Biehl – gemeinsam, dass alle drei die Meinung vertreten, dass es Unterschiede zwischen Sym- bolen und Zeichen gibt. Außerdem gilt bei ihnen ein so genanntes „repräsentatives Grundverständnis der Symbole“[12]. Innerhalb Tillichs Theologie spielt der religionsphi-losophische Ansatz eine große Rolle, was wiederum folgende terminologische Schwie-rigkeiten aufwirft: Seiner Meinung nach handelt es sich bei Symbolen – wie z. B. ein Fisch, Licht, Brot – nicht allein um sinnlich wahrnehmbare Objekte. Für ihn stellt auch diese Art der Symboldarstellung eine dem Göttlichen angepasste Redeweise dar. Sobald bei Tillich die Sprache auf Gott gelenkt wird, wenn von ihm die Rede ist, wird Tillich bedacht sein von Gott „als dem Lebendigen in symbolischen Begriffen [zu sprechen.]“[13] Tillich verdeutlicht dadurch sowohl die protestantische Sichtweise von einem verborgen bleibenden Gott, als auch den sichtbar werdenden Gott der katholischen Kirche.

Wie schon des Öfteren vernommen, gibt es, die jeweiligen Theologen oder Forscher betreffend, zahlreiche Unterscheidungen im Symbolbegriff. Tillich selbst geht von zwei unterschiedlichen Wahrnehmungen aus; zum einen vom theologischen Symbolbegriff und zum anderen von einem alltagssprachlich-unterrichtssprachlichen Symbolbegriff.[14] Wie schon erwähnt ist Tillich der Ansicht, dass man zwischen Zeichen und Symbolen zu unterscheiden hat.[15] Bedenkt man den eigenen Umgang mit diesen beiden Begriffen, ist vermutlich gar nicht bewusst, wann man ‚Symbol’ und wann ’Zeichen’ innerhalb seiner eigenen Sprache einsetzt. Tillich stellt heraus, dass das Symbol eine deutliche Verbindung mit dem eingeht, was es symbolisiert – es „partizipiert“ mit ihm. Wohinge-gen ein Zeichen „willkürlich“ ausgetauscht werden kann. Bei Symbolen wiederum han-delt es sich nach Tillich um eine wechselseitige Beziehung zwischen dem eigentlichen Symbol und seinem Gegenüber. Das Gegenüber – der Mensch – hat es in der Hand das Symbol so zu deuten, wie er es für richtig hält. Aus diesem Grund steht für Tillich fest, „daß jede konkrete Aussage über Gott symbolisch sein muß.“[16]

[...]


[1] Vgl. hierzu u. z. Folgenden K. Schilling, Symbole erleben, 7f.

[2] Vgl. hierzu u. z. Folgenden Halbfas, Religionsunterricht in Sekundarschulen, 75.

[3] Vgl. hierzu u. z. Folgenden Schilling, 10.

[4] Vgl. hierzu u. z. Folgenden, Josef Pieper, 66f.

[5] Eigene Anmerkung.

[6] Vgl. hierzu u. z. Folgenden, Bitter, 7-15 nach Willems, 20ff.

[7] Vgl. hierzu u. z. Folgenden, Boschki, 141.

[8] Vgl. Edelbrock, Symboldidaktik, 74-89 nach Boschki, 141.

[9] Boschki, 141.

[10] Vgl hierzu u. z. Folgenden Meyer-Blanck, S. 17ff.

[11] Ebd., 17.

[12] Ebd. 23.

[13] Tillich, System. Theologie I, 280, nach Meyer-Blanck, 23.

[14] Vgl hierzu Ebd., 24.

[15] Vgl hierzu u. z. Folgenden, Tillich, System. Theologie I, 277, nach Meyer-Blanck, 25.

[16] Ebd. 277.

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640458981
ISBN (Buch)
9783640458622
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137257
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Katholische Theologie
Note
1,0
Schlagworte
Symboldidaktik Theorie Praxis

Autor

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Titel: Symboldidaktik in Theorie und Praxis