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Robert Nozicks Skeptizismuskritik

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Skeptizismus

2. Die Antwort des Externalismus

3. Robert Nozicks Wissensdefinition

4. Nozicks Entgegnung auf die Herausforderung des Skeptizismus

5. Kritikpunkte

Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit untersucht Robert Nozicks Wissenskonzept im Hinblick auf die Frage, inwiefern es geeignet ist, die skeptische Behauptung, Wissen um die Außenwelt und die eigene epistemische Situation betreffende Propositionen sei unmöglich, zu entkräften. Dabei soll zunächst kurz der Skeptizismus anhand seiner wichtigsten Argumente charakterisiert werden. Im zweiten Kapitel folgt eine knappe Darstellung des Externalismus als einer antiskeptischen Strategie sowie als der Gruppe von Wissenstheorien, der auch Nozicks Ansatz zuzurechnen ist. Damit seien die Grundlagen von Nozicks Wissensbegriff geklärt und zudem die Möglichkeit eröffnet, Nozicks Antwort auf den Skeptizismus von anderen externalistischen Entgegnungen zu unterscheiden. Die Kapitel 3 und 4 befassen sich dann mit Nozicks eigener Wissensdefinition sowie seiner Entgegnung auf die Herausforderung des Skeptizismus. Im letzten Abschnitt soll Nozicks Ansatz schließlich kritisch geprüft werden, um so seine Schwachstellen aufzuzeigen. Kapitel 5 konzentriert sich dabei auf die wichtigsten Kritikpunkte, soll aber nicht völlig einseitig sein und gegebenenfalls auch mögliche Einwände gegen die Kritikpunkte zumindest andeuten. Dies scheint legitim, da die Darstellung dennoch mit einer klaren Stellungnahme schließt: Nozicks Ansatz kann nicht als überzeugende Entgegnung auf den Skeptizismus gelten, da sein Ausgangspunkt, seine Argumentation sowie sein Ergebnis mit zu vielen Problemen behaftet sind.

Als Literatur standen ein Werk von Peter Baumann sowie Aufsätze von Fred Dretske und Alvin I. Goldman aus dem kommentieren Sammelband von Sven Bernecker, Aufsätze von Robert Nozick und Peter Unger aus dem Sammelband von Sven Bernecker/Fred Dretske und Aufsätze von Laurence Bonjour, Peter Klein und Ernest Sosa aus dem Sammelband von Stephen Luper-Foy zur Verfügung.

1. Der Skeptizismus

Der Skeptiker bestreitet, dass wir Wissen haben können. Dabei gibt es verschiedene Argumente, auf die sich der Skeptiker stützen kann. Zum einen kann er Wissen und Gewissheit gleichsetzen, also behaupten, S wisse p nur dann, wenn S in seiner Überzeugung, dass p, völlig sicher sei. Gewissheit („certainty“) ist ein „absolute term“[1], und insofern Wissen Gewissheit erfordert, ist auch Wissen „absolut“. Da wir uns aber nie einer Sache absolut sicher sind, können wir auch kein Wissen haben. Man kann dieses skeptische Argument noch relativ leicht zurückweisen, indem man feststellt, dass diese Anforderung an Wissen schlicht zu hoch ist, so hoch, dass sie für einen Menschen unmöglich zu erfüllen ist und zwangsläufig zum Skeptizismus führt, tatsächlich absolute Gewissheit für Wissen aber nicht nötig ist, sondern lediglich eine gewisse Stärke der Überzeugung.

Andere skeptische Argumente scheinen dagegen deutlich schwerer zu entkräften zu sein, etwa die beiden miteinander verwandten Prinzipien der Diskrimination und der Geschlossenheit. Das Diskriminationsprinzip besagt folgendes: Wenn eine Person S weiß, dass p, dann ist sie in der Lage auszuschließen, dass mögliche Umstände vorliegen, die mit einem solchen Wissen unvereinbar sind.[2] Der Skeptiker macht sich dieses intuitiv plausibel wirkende Argument zu Nutze, um zu zeigen, dass S kein Wissen haben könne, weil sie grundsätzlich nicht in der Lage sei, skeptische Alternativen wie die des Traumes, der Existenz als Gehirn in der Nährlösung oder der dämonischen Scheinwelt auszuschließen: wenn eine Person nur dann weiß, dass sie vor einem Baum steht, wenn sie ausschließen kann, dass sie nicht lediglich träumt oder ihr von Dämonen oder übel wollenden Wissenschaftlern die Existenz eines Baumes nur vorgetäuscht wird, dann weiß die Person niemals, dass sie vor einem Baum steht. Schließlich scheint es tatsächlich prinzipiell nicht möglich zu sein, zu wissen, dass die genannten skeptischen Szenarien nicht bestehen. Der Skeptiker behauptet also zum einen, dass S nie weiß, ob sie sich in einem skeptischen Szenario befindet, und zum anderen (als Folge dessen), dass sie auch kein Wissen auf der Objektebene, kein Einzelwissen über die Dinge der Welt haben kann. Zu demselben Ergebnis kommt der Skeptiker mithilfe des Prinzips der Geschlossenheit. Es besagt: wenn S weiß, dass p q zur Folge hat und zudem p weiß, dann weiß S auch, dass q. Wenn eine Person weiß, dass die Tatsache, dass sie vor einem Baum steht, impliziert, dass sie kein Gehirn in einer Nährlösung ist, und weiß, dass sie vor einem Baum steht, dann weiß sie auch, dass sie kein Gehirn in einer Nährlösung ist. Der Skeptiker dreht nun die Argumentationsrichtung um und behauptet: da S nie wissen kann, dass q (=dass sie kein Gehirn in einer Nährlösung ist), kann auch das Wissen, dass p, nicht zu Grunde liegen.

Für das Geschlossenheitsprinzip spricht, dass es intuitiv schlüssig ist, es scheint geradezu unbestreitbar zu sein. Tatsächlich bestreitet Robert Nozick aber die Gültigkeit gerade dieses Prinzips. In diesem Zusammenhang ist zudem die hier getroffene Unterscheidung von Wissen über Objekte der Außenwelt einerseits und Wissen um das Vorliegen bzw. nicht Vorliegen skeptischer Szenarien andererseits von besonderer Bedeutung, da sie den Ansatzpunkt für die Entgegnung Nozicks auf die Herausforderung des Skeptizismus bildet. Darauf ist im Folgenden ausgehend von der Wissenstheorie des Externalismus und seiner antiskeptischen Strategie näher einzugehen.

2. Die Antwort des Externalismus

Externalistischen Ansätzen von Rechtfertigung zufolge muss das, was aus einer wahren Überzeugung Wissen macht, dem Subjekt selbst nicht bewusst sein. Es ist nicht notwendig, das S Gründe für seine Überzeugung, dass p, in Form weiterer Überzeugungen angeben kann. Gerechtfertigt kann eine wahre Überzeugung auch dann sein, wenn bestimmte „objektive“ Relationen zwischen der Überzeugung, dass p (=Üp) und der Tatsache, dass p, etwa ein kausaler Zusammenhang oder ein anders geartetes verlässliches, nicht zufälliges Zustandekommen von Üp, bestehen. Daraus ergibt sich der Externalismus des Wissens: S muss nicht wissen, dass Wissensbedingungen erfüllt sind. Für Wissen ist lediglich nötig, dass sie erfüllt sind. Daher scheint es, dass externalistische Ansätze auch Wissen, dass nicht-SK (=dass S sich nicht in einem skeptischen Szenario befindet), ermöglichen. Auch das Geschlossenheitsprinzip legt ja die Annahme nahe, dass Wissen über ein Objekt der Außenwelt Wissen, dass eine Außenwelt existiert, impliziert. Z.B. weiß die Person S der Kausaltheorie zufolge, dass p (= dass es eine Außenwelt gibt), wenn sie die wahre Meinung hat, dass p und ihre Meinung, dass p, zudem mit der Tatsache, dass p, kausal verbunden ist.[3] Einem reliabilistischen Ansatz wie dem von Alvin I. Goldman weiß S, dass p, wenn sie die wahre Überzeugung hat, dass p, und ihre Überzeugung mithilfe eines verlässlichen Prozesses, der deutlich mehr wahre als falsche Überzeugungen hervorbringt, zustande kam.[4] Hierauf könnte man entgegnen, dass S in solchen Fällen allerdings auch nicht wüsste, dass sie weiß, dass p. Externalisten können daher den Skeptizismus bezüglich des Wissens, den „second-level scepticism“[5], anerkennen, einen „first-order scepticism“, der behauptet, es sei nicht möglich, Wissen über die Außenwelt zu haben, hingegen bestreiten.

3. Robert Nozicks Wissensdefinition

Nozick vertritt mit seiner Definition des Wissensbegriffs eine stark externalistische und reliabilistische Position. Er streicht die dritte der drei „klassischen“ Bedingungen für Wissen, die der Rechtfertigung, ersetzt sie durch zwei kontrafaktische Bedingungen und gelangt damit zu folgender Definition: S weiß, dass p, wenn gilt:

(1) p is true.
(2) S believes, via method or way of combining to believe M, that p.
(3) If p weren´t true and S were to use M to arrive at a belief whether (or not) p, than S wouldn´t believe, via M, that p.
(4) If p were true and S were to use M to arrive at a belief whether (or not) p, than S would believe, via M, that p.[6]

Eine wahre Meinung, dass p, wird zu Wissen, dass p, wenn S nicht glauben würde, dass p, in Fällen, in denen p falsch wäre und zudem auch in kontrafaktischen Szenarien, in denen p wahr wäre, glauben würde, dass p. Um einer Person S Wissen zuschreiben zu können, genügt es also nicht, ihre tatsächliche, gegenwärtige Situation zu beurteilen, vielmehr muss S Bedingungen erfüllen, die sich auch auf irreale, nicht bestehende Szenarien erstrecken. Es muss sichergestellt sein, dass S auch in kontrafaktischen Situationen noch glauben würde, dass p, falls p wahr wäre und nicht mehr glauben würde, dass p, falls p falsch wäre. Einer Überzeugung muss nicht nur eine Tatsache entsprechen, vielmehr muss die Überzeugung auch mit den Tatsachen variieren: wäre p keine Tatsache, hätte S nicht die Überzeugung, dass p. Ist p eine Tatsache, glaubt S, dass p. Eine Überzeugung, die derart mit einer Tatsache variiert, bezeichnet Nozick als „truth tracking“[7] („Wahrheit aufspürend“). Nozicks Versuch, der skeptischen Argumentation ihre Plausibilität zu nehmen, baut auf den Eigenheiten seines Wissensbegriffs, also der Berücksichtigung kontrafaktischer, Ü als Wahrheit aufspürend erweisende und damit die Verlässlichkeit von Ü begründende Situation, auf, und unterscheidet sich folglich auch von anderen externalistischen antiskeptischen Strategien.

4. Nozicks Entgegnung auf die Herausforderung des Skeptizismus

Anders als etwa Hilary Putnam hält Robert Nozick die skeptischen Alternativen für logisch kohärent, er versucht dementsprechend auch nicht, die Behauptung des Skeptikers, man könne nicht wissen, dass man sich nicht in einem skeptischen Szenario befinde, zu widerlegen.[8] Die Notwendigkeit dieses Zugeständnisses an den Skeptiker ergibt sich schon aus Nozicks Wissensdefinition, denn die kontrafaktischen Bedingungen verhindern grundsätzlich, dass S wissen kann, dass nicht-SK. Dies sei an einem Beispiel verdeutlicht: S weiß, dass p (=dass es eine Außenwelt gibt), gdw.:

[...]


[1] Unger, 2000, S. 336

[2] Baumann, 2002, S. 17

[3] Baumann, 2002, S. 285

[4] Goldman, 2005, S. 33

[5] Bernecker, 2005, S. 158

[6] Nozick, 2000, S. 354

[7] ebd., S. 353

[8] ebd., S. 348

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640459070
ISBN (Buch)
9783640459216
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137495
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Schlagworte
Robert Nozicks Skeptizismuskritik

Autor

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