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Worin liegen die Aufgaben eines Museums und welche Stellung nimmt es in der Kunst- und Kulturvermittlung ein?

Hausarbeit 1999 20 Seiten

Kunst - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Kunst- und Kulturvermittlung

3. Das Museum - welche Aufgaben hat es und welchen Einfluß haben die Künstler auf das Museum?

4. Ein/räumen - Arbeiten im Museum

5. Die Stellung des Museums im Zeitphänomen Musealisierung

6. Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Zeitphänomen Musealisierung für das Museum?

7. Resümé

1.Einleitung

In meiner Arbeit sollen die Aufgaben und die Stellung des Museums in der Kunst- und Kulturvermittlung diskutiert werden. Dazu möchte ich zunächst den Begriff der Kunst- und Kulturvermittlung näher erläutern und welchen Platz das Museum darin hat.

Das Zeitphänomen Musealisierung spielt für das Museum eine immer wichtigere Rolle. Von dieser Musealisierungsphase sind aber nicht nur Museum, sondern auch Architektur, Natur, Tiere und Pflanzen sind davon betroffen.

Mein Ziel ist es, die wichtigsten Punkte in Bezug auf das Museum herauszuarbeiten.

Weiterhin versuche ich herauszufinden, inwiefern das Museum seine Rolle als Kunst- und Kulturvermittler wahrnimmt, bzw. wie es sich damit auseinandersetzt und ob es seiner Rolle gerecht werden kann.

Als konkretes Beispiel werde ich mich mit der Ausstellung der Hamburger Kunsthalle „Ein/räumen“ auseinandersetzen, die wir in unserem Seminar „Kultur als Vermittlung“ besucht haben. In dieser Ausstellung hatten aktuelle Künstler die Aufgabe, einen Dialog zwischen Neu und Alt zu führen, sich innerhalb der ständigen Sammlung auf der gesamten Fläche mit ihren Kunstwerken einzubringen.

Schließlich habe ich noch eine Künstlerin aus dieser Ausstellung zum Thema meiner Arbeit befragt, wo ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht weiß, ob sie Zeit finden wird, mir diese Frage zu beantworten.

2. Kunst- und Kulturvermittlung

Schon seit geraumer Zeit geht die künstlerische Moderne völlig neue Wege im theoretischen Kunstverständnis, ebenso im künstlerischen Ausdruck und dem sprachlichen Umgang damit. Gleichzeitig damit ist die erklärende Kunstvermittlung fast sprunghaft ins Zentrum eines Beziehungsgeflechtes zwischen originale Kunstproduktion, Interpretation und Publikum gerückt. Der Raum, in dem man sich sonst bewegte, wurde immer mehr geöffnet und zwischen dem zeitgenössischen Kunstschaffen und den Konsumenten hat sich ein breites Feld von Vermittlungsformen wie dem Markt, Medien, Bildungsinstitutionen etc. geschoben.

Das allgemeine Interesse an Kunst und Kultur wächst stetig und die sogenannte professionelle Sparte der Kunstvermittlung nimmt in Form von Kuratorenwesen, Kulturvermittlungsgruppen, Museen, usw. immer mehr zu. Die Kunst- und Kulturvermittlung wird also in dem Maße an Bedeutung gewinnen, in dem die Präsentation von Kunst und Kultur immer öfter selbst als Kunstwerk inszeniert wird, das „Archiv“ der Kunstgeschichte um die Moderne erweitert wird und die aktuelle zeitgenössische Kunst vielfältig und inhaltlich anspruchsvoll bleibt. (Ob das so ist, versuche ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit zu erörtern.)

In den traditionellen Kulturinstitutionen, wie dem Museum sollte die Kunst- und Kulturvermittlung Bestandteil der alltäglichen Praxis sein. Das Museum sollte in seiner Rolle als Vermittler das Ziel haben: neugierig zu machen, Verständnis zu vertiefen und Diskurse zu fördern.

3. Das Museum - welche Aufgaben hat es und welchen Einfluß haben die Künstler auf das Museum?

Sammeln, Bewahren, Vermitteln, Erforschen - dies ist stets die erste Antwort auf die Frage nach den Aufgaben eines Museums. Doch allein mit dieser Antwort kann die Frage nicht beantwortet werden, denn zunächst sollte geklärt werden, was unter Kunst verstanden wird und wie sie für wen und warum gesammelt, konserviert und vermittelt wird.

Die kunstvermittelnden Institutionen haben eine weitreichendere Bedeutung, als nur die, das, was an Kunst vorhanden ist - ob nun historische Kunst, oder aktuelle - zu sammeln, zu bewahren und zu zeigen. Die Museen tragen durch Selektion selbst dazu bei, das zu definieren, was als Kunst zu gelten hat.

Die Begriffe Sammeln, Konservieren, Vermitteln, Erforschen bezeichnen erst mal keine Aufgaben, sondern Tätigkeiten. Es bleibt zu klären, welche Aufgaben mit diesen konkreten Tätigkeiten verfolgt werden.

„Sammeln ist diejenige Tätigkeit im Museum, die mit der größten Lust verbunden ist. Eine Erwerbung bestätigt die eigene Tüchtigkeit. Aber sammeln ist auch eine kreative Tätigkeit. Der Kunsthistoriker, der gegenüber den Künstlern den Mangel empfindet, nicht schöpferisch zu sein, wird zum Gestalter oder wenigstens Vermehrer eines Bestandes. Ihn wachsen zu sehen, ist ein Genuß.“[1] Aber nicht nur das Museum spielt hierin eine wichtige Rolle, sondern auch der Kunsthandel. Er hat die Aufgabe für die richtige Verteilung an Privatsammler und Museen zu sorgen. Das ist im Moment nicht sehr einfach, denn auch hier regiert die Macht des Geldes. Doch auch beim Kunstbesitz ist es in einer demokratischen Gesellschaft nicht gut, wenn die privaten Interessen vor den öffentlichen stehen. Es muß ein Gleichgewicht geschaffen werden, denn für das Museum sind die Privatsammler, auch wenn sie nur ein Kunstwerk besitzen, die wichtigsten Museumsbesucher. „Kunstwerke sind ja in der Regel dazu geschaffen worden, daß jemand mit ihnen lebt, und wer es tut, sieht Kunstwerke im Museum mit verständigeren Auge als der, der nichts von der Beziehung weiß, die liebender Besitz zwischen Mensch und Kunstwerk herstellt. Daß die Kunstwerke im Privatbesitz möglichst wenig Schaden nehmen, vor allem die nicht zu vermehrenden alten, müßte das Bestreben aller drei Parteien sein.“[2] Das Museum muß sich für den Kunsthandel mitverantwortlich fühlen, weil dieser eine große Bedeutung für die Erhaltung von Kunst besitzt. Außerhalb des Museums wird nämlich nur das bewahrt, was einen materiellen Wert darstellt.

Doch muß man vorsichtig mit den Begriffen des Museums und der Kunst umgehen. Es ist zu unterscheiden zwischen dem „historischen“ Museum und dem Museum für aktuelle Kunst. Mit dem Beginn der Gegenwartskunst treten zwei neue Begriffe in Erscheinung: Museumskunst und Ausstellungskunst. „Museumskunst meint nicht die Kunst, die für das Museum gedacht oder geeignet sowie museumsgeschichtlich, sammlungsgeschichtlich von Bedeutung ist, sondern: Museumskunst ist die Kunst, die auf das Museum als ausschließlichen Präsentations- und Sammlungsort angewiesen und daraufhin produziert ist. Ausstellungskunst wird konkret auf Ausstellungen hin konzipiert: Installationen, Raumbildungen, Environments, die für den Ausstellungsort hergestellt, die später wieder abgeräumt, eingelagert oder sogar vernichtet werden.“[3]

Auch der Künstler an sich ist erst ziemlich spät in das Museum eingezogen. Der Palais du Luxembourg in Paris 1818 war wohl das erste dieser Art, doch sollte das alles nichts ändern an der sich bereits festgefahrenen Umgehensweise des Sammelns, Bewahrens und Vermittelns. Weil die staatlichen Museen im 19. Jh. den Künstlern verschlossen blieben, wurden diese selbst tätig. Courbet und Manet stellten ihre Bilder in Pavillons direkt neben der Weltausstellung aus und die Avantgarden schafften sich ihre Institutionen Ende des 19. Jh., Anfang des 20. Jh. selbst, wie z.B. die erste Impressionistenausstellung 1874 im Atelier des Fotografen Nadar und die bedeutenden Manifestationen der Brücke-Künstler, der Blaue Reiter, die russische Avantgarde oder die Dadaisten.[4] Doch 1897 schafften die Wiener Künstler, Architekten, Ausstatter und Maler wie Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Otto Wagner, Gustav Klimt in ihrer Gruppe Wiener Secession etwas völlig Neues: Sie kreierten ihr Gesamtkunstwerk und konnten bereits nach nur einem Jahr ihr eigenes „Museum“ (entworfen von Joseph Maria Olbrich) eröffnen. Mobile Wände und Säulen, variables Licht - damit konnte nun nach Belieben der Raum nach dem Kunstwerk gestaltet werden und hatte somit einen entscheidenden Präsentationsvorteil gegenüber dem herkömmlichen Museum. Auch heute erfüllt dieses Haus noch seinen angedachten Zweck. Was die Wiener Secession für Österreich war, waren El Lissitzky und Moholy-Nagy für Deutschland: El Lissitzky entwarf keine Kunstwerke, die im Museum ausgestellt werden konnten, sondern er stellte sich den Museumsaufgaben und nutzte seine künstlerischen Fähigkeiten. 1927/28 entwarf er für das Provinzialmuseum in Hannover den „Raum der Abstrakten“.

Hier konnte der Museumsbesucher durch bewegliche Wandelemente und drehbaren Vitrinen sich selbst seine Bilder aussuchen und somit praktisch seine eigene Ausstellung kreieren. Selbst die Bilder konnten durch die verschiedenen Wandstrukturen unterschiedliche Wirkungen erzielen. Der Kunsthistoriker Alexander Dorner, der das Hannoveraner Museum leitete, „hatte die Vorstellung, das Museum müsse die bestehende Kluft zwischen Kunst und industriellem Leben schließen, die Kunst dürfe nicht abseits stehen, sie müsse am modernen Leben mitwirken.“[5] Moholy-Nagy realisierte diese Idee mit seinem „Raum der Gegenwart“ und war damit der erste, der die technischen Medien (wie Fotografie, Film, Diaprojektionen) im Museum zum Einsatz brachte. Sein Ziel war es, die Gegenwart im Museum adäquat zu präsentieren und zu vermitteln und war somit beispielgebend für die weitere Laufbahn des Museums.

„Indem die Künstler im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. außerhalb der Museen ihre Intention zu realisieren versuchten, kritisierten sie die Museen als zurückgeblieben, nicht zeitgemäß.“[6] Und so fand die Institution Museum die größten Kritiker wahrscheinlich unter den Künstlern. Alternativen zum klassischen Museumskonzept lassen sich seit Duchamps Boite-en -Valise (1936-41) immer wieder in Künstlermuseen finden, wie z.B. Marcel Broodthaers Musée des Aigles (1968) oder Daniel Spoerris Musée sentimental de Cologne (1979). Mit dieser Museumsfiktion haben diese Künstler viel von dem vorweggenommen, was Theoretiker wie Crimp oder Krauss, auf die ich später noch näher eingehen werde, in der Folge diskursanalytisch ausgearbeit haben. Denn diese imaginären Museen, die sich in ständiger medialer ,inhaltlicher und lokaler Veränderung begriffen war und sich zuletzt konsequenterweise selbst auflöste, stellt in geraffter Form die Kehrseite des modernen Kunstmuseums zur Schau.

„Auf der anderen Seite läßt sich über die Phase der Klassischen Moderne zusammenfassend sagen, daß die Formen der Präsentation von zeitgenössischen Kunstwerken von niemandem so nachhaltig geprägt und prägend verändert wurden wie von den Künstlern, zwar außerhalb der Museen, aber auf die Dauer beispielgebend für die Museen.“[7]

So hat auch das Museum sich im Laufe der Zeit verändert. Wurde sich 1958 noch gegen das Museum als Vergnügungsort ausgesprochen, so machte Claes Oldenburg 1961 genau das Gegenteil und verwandelte mit seinem „Store Manifesto“ das Museum in einen Laden. „Die Auseinandersetzung um die Kunstgeschichte hat ihren heutigen und auch ihren künftigen Ort im Museum der Gegenwartskunst. An diesem Ort wird nicht nur zeitgenössische Kunst ausgestellt, sondern immer wieder jene Idee vorgestellt, die wir von der Kunstgeschichte besitzen.“[8] Doch die Frage, die Marcel Duchamp mit seinen Readymades, wie sie später getauft wurden, „Wie entsteht Kunst?“ ausgelöst hatte, muß heute zu „Was ist, was bewirkt ein Museum?“ umformuliert werden.[9]

Aber nicht nur Hans Belting hat sich gefragt, ob da nicht Zweifel angebracht sind und ob die Idee, Kunstgeschichte im Spiegel zeitgenössischer Kunst auszustellen, noch allgemein und tragfähig sei. Auch die Hamburger Kunsthalle hat diesen Ansatz verfolgt und mit ihrer Ausstellung: „ein/räumen - Arbeiten im Museum“ einen kritischen Beitrag dazu geliefert.

[...]


[1] Helmut Börsch-Supan: Kunstmuseen in der Krise, München 1993, S. 38

[2] Helmut Börsch-Supan: Kunstmuseen in der Krise, München 1993, S. 43

[3] Tilman Osterwold: Kunst - unmittelbar auf dem Weg ins Museum? Musealisierungstentenzen der Gegenwartskunst. In: Wolfgang Zacharias (Hg.): Zeitphänomen Musealisierung, Essen 1990, S. 123

[4] vgl. Uwe M. Schneede: Die Künstler und das Museum. In: ein/räumen, Arbeiten im Museum, Katalog zur Ausstellung, Hamburger Kunsthalle Oktober 00 - Januar 01, S. 6

[5] Uwe M. Schneede: a.a.O., S. 9

[6] Uwe M. Schneede: a.a.O., S. 7

[7] Uwe M. Schneede: ebenda

[8] Hans Belting: Die Kuntgeschichte im neuen Museum. In: Das Ende der Kunstgeschichte, München, 1995, S. 103

[9] vgl.:Manfred Schneckenburger: Museum zwischen Zweifeln und Begierde. In: ein/räumen, Arbeiten im Museum, Katalog zur Ausstellung, Oktober 00-Januar 01 in der Hamburger Kunsthalle, S. 23

Details

Seiten
20
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638193498
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13795
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Kunstwissenschaft
Note
gut
Schlagworte
Worin Aufgaben Museums Stellung Kunst- Kulturvermittlung Kultur Vermittlung

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