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Das utilitaristische Menschenbild Peter Singers

Eine Betrachtung des Präferenzutilitarismus

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Peter Singer
2.1 Biographie Peter Singer
2.2 Publikationen

3 Aspekte seines Menschenbildes
3.1 „Menschen“ und „Personen“
3.2 Klassischer Utilitarismus
3.3 Präferenzutilitarismus
3.4 Respekt vor der Autonomie
3.5 Die „Totalansicht“ und die „Vorausgesetzte-Existenz-Ansicht“

4 Zusammenfassung am Beispiel „Euthanasie“

5 Eigene Stellungnahme

6 Anhang: Peter Singers „persönlicher“ Präferenzutilitarismus

7 Quellenverzeichnis

8 Zitationen

1 Einleitung

Heftige Reaktionen wurden Ende der 80er-Jahre ausgelöst, als Peter Singer zu verschiedenen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum als Referent eingeladen wurde. Insbesondere bei Vertretern der deutschsprachigen Heilpädagogik sorgten seine Thesen zu Abtreibung, Euthanasie und Lebensrecht für Empörung und führten zu der auch heute noch weit verbreiteten Auffassung, Singer stehe für die sog. „Neue Behindertenfeindlichkeit“[1].

Er wurde teilweise daran gehindert zu sprechen, nieder geschrien und, bei einer Gelegenheit, sogar tätlich angegriffen.[2]

Die besonders heftigen Anfeindungen, denen Singer in Deutschland ausgesetzt war, bzw. ist (er ist bis heute ein sehr umstrittener und kritisierter Wissenschaftler) beruhen auf Befürchtungen, Ideen des nationalsozialistischen Rassenwahns könnten in Deutschland wieder auf fruchtbaren Boden fallen. Singers Thesen scheinen mit dieser Ideologie auf den ersten Blick gewisse Äquivalenzen aufzuweisen.

Die zentrale Frage, die hinter Singers Überlegungen steht, ist: „Wann ist Leben lebenswert?“. In dieser Hausarbeit beschränke ich diese Frage auf das menschliche Leben. Die Argumente, mit denen Singer sich dieser Frage nähert, sind in der Tat provokant; die Konsequenzen, die daraus folgen würden indes um so mehr.

Während meiner langjährigen Arbeit mit z.T. schwerstbehinderten Menschen habe ich mir diese Frage natürlich auch schon oft gestellt, ebenso bin auch ich zu keiner befriedigenden Antwort gelangt. Sicher war ich mir immer nur über eines: Die Kriterien, die zur Beantwortung der Frage eine Rolle spielen, müssen ausschließlich mit dem (behinderten) Menschen selbst verbunden sein – und genau dies sieht Singer vollkommen anders. Wie wir noch sehen werden, sind die Auswirkungen auf andere Menschen für ihn mit genau der gleichen Gewichtung zu betrachten.

In dieser Hausarbeit werde ich die verschiedenen Aspekte, auf denen das Menschenbild von Peter Singer basiert, darlegen.

2 Peter Singer

2.1 Biographie Peter Singer

Peter Albert David Singer wurde am 6. Juli 1946 in Melbourne, Australien geboren. Er ist Professor für Bioethik an der Princeton University, New Jersey, USA, sowie am Zentrum für angewandte Philosophie und öffentliche Ethik an der Universität Melbourne, Australien [3].

An der Monash University von Clayton, Victoria, Australien gründete er das „Zentrum für humane Bioethik“.

Singers Eltern waren Wiener Juden, die nach der deutschen Annektierung Österreichs 1938 nach Australien flohen. Von seinen Großeltern überlebte nur die Grußmutter mütterlicherseits den nationalsozialistischen Terror. Für „The Green“ kandidierte er1996 für den Australischen Senat, hatte jedoch keinen Erfolg. Aufgrund dieser biographischen Daten, ist die oft gegen ihn erhobene Vermutung, er stehe dem nationalsozialistischen Gedankengut nahe, recht unwahrscheinlich.

Singer studierte Jura, Geschichte und Philosophie an der Universität Melbourne und machte seinen Abschluß 1967. Seinen Master of Arts machte er 1969 mit der Thesis „Why should I be moral?“ Im Anschluß daran absolvierte er mit Hilfe eines Stipendiums ein weiteres Philosophiestudium an der University of Oxford [4].

2.2 Publikationen

Bezüglich seiner Publikationen beschränke ich mich hier auf einen kleinen Ausschnitt, welche aber gleichwohl Singers wichtigste Veröffentlichungen sein dürften:

Innerhalb der Tierrechtsbewegung fand Singer durch die Veröffentlichung von „Animal Liberation“ 1975 große Anerkennung.

1979 erschien dann sein Hauptwerk, in dem er die Grundlagen seiner philosophischen Ansichten erörtert: „Practical Ethics“ (1984 „Praktische Ethik“ [5]). Hauptsächlich aufgrund dieser Arbeit wurde er in der Welt der Philosophie sehr bekannt, aber auch umstritten. Das Buch stellt eine Art Zusammenfassung seiner Grundansichten dar und ist außerdem der Ausgangspunkt für später erschienene Schriften.

Meine Ausführungen in dieser Hausarbeit basieren zum überwiegenden Teil auf dieser Primäquelle.

Die Aufmerksamkeit vieler behinderter Menschen und deren Angehöriger zog er dann durch die Veröffentlichung von „Should the Baby Live? - The Problem of Handicapped Infants?“ 1985 (Deutscher Titel: „Muß dieses Kind am Leben bleiben?“ 1993) auf sich, sowie erstmals lautstarke Proteste und Kritiken in einer breiteren Öffentlichkeit.

3 Aspekte seines Menschenbildes

3.1 „Menschen“ und „Personen“

Singer geht in seinem Werk „Praktische Ethik“ von einer strikten Trennung der Begriffe „Mensch“ und „Person“ aus.

Seine Intention dabei ist, die Begriffe „menschliches Wesen“, bzw. „menschliches Leben“ zu präzisieren, da ihm der Terminus „menschlich“, der in vielen moralischen und ethischen Diskursen verwendet wird, zu ungenau erscheint - allerdings dann, wie wir noch sehen werden, für ihn auch gleichzeitig als Fundament seiner Thesen dient.

Seiner Ansicht nach ist also nicht jeder Mensch auch eine Person. „Person“ definiert er weiterhin als eine Art Status, den man auch wieder verlieren kann. Doch an welchen Kriterien macht er diese Differenzierung fest?

Menschliche Wesen sind seiner Meinung nach schlicht „Angehörige der Spezies Homo Sapiens“, zu identifizieren an der Beschaffenheit der Chromosomen. Danach „besteht kein Zweifel, daß ein von menschlichen Eltern gezeugter Fötus vom ersten Moment seiner Existenz an ein menschliches Wesen ist; und dasselbe trifft für die am stärksten und unheilbar zurückgebliebenen „dahinvegetierenden Menschen“ [„human vegetable“] zu [6].“

Um den Status einer Person zu erlangen, muß ein Mensch jedoch noch zusätzliche, vom Theologen Joseph Fletcher vorgeschlagene „Indikatoren des Menschseins“ aufweisen: „Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle, Sinn für Zukunft, Sinn für Vergangenheit, die Fähigkeit, mit anderen Beziehungen zu knüpfen, sich um andere zu kümmern, Kommunikation und Neugier [7].“

Diese Attribute, so Singer weiter „[...] haben wir vor Augen, wenn wir von jemand sagen, sie sei ein wirklich“menschliches Wesen [...]“[8].

[...]


[1] aus http://www.heilpaedagogik-online.com/heilpaedagogik_online_0103.pdf S.50 (8.2.08)

[2] aus http://www.heilpaedagogik-online.com/heilpaedagogik_online_0103.pdf S.51 (8.2.08)

[3] aus http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer (12.2.08)

[4] aus http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer (12.2.08)

[5] Singer, Peter (1984). Praktische Ethik. Stuttgart: Reclam-Verlag

[6] Ebd. Seite 104

[7] Ebd. Seite 104

[8] Ebd. Seite 104/105

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640475322
ISBN (Buch)
9783640475384
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138168
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Schlagworte
Ethik Anthropologie Menschenbild Euthanasie Utilitarismus

Autor

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Titel: Das utilitaristische Menschenbild Peter Singers