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Der Missionsbarock der Jesuiten in Paraguay am Beispiel der Musik

Hausarbeit 2008 10 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 .Vorwort

2. Die Jesuiten in Lateinamerika

3. Der Missionsbarock

4. Literatur und CDs

1 .Vorwort

Ich habe mich in nachfolgender Arbeit mit dem Phänomen des Missionarsbarock der Jesuiten in Lateinamerika, sowie dessen Verschmelzung mit den indigenen Musiktraditionen der Guarani und Moxoindianer auseinandergesetzt, welches die Lebensverhältnisse der Reduktionen auf künstlerischer Ebene widerspiegelt.

Die Wiederentdeckung der Alten Musik und die Auseinandersetzung mit deren Aufführungspraxis im 20. Jahrhundert sowie das wiedererlangte Selbstbewusstsein der lateinamerikanischen Bevölkerung und deren Suche nach ihren Wurzeln legten den Grundstein zu der Idee, tausende Notenbeispiele, die in Klosterarchiven in Paraguay und Bolivien schlummern, zu edieren und aufzuführen. Mein besonderes Interesse gilt der Arbeit des polnischen Stylermissionars und Musikwissenschafters Pietro Nawrot, der sich seit vielen Jahren der Erschließung der Musik der Jesuitenreduktionen in Paraguay und Bolivien widmet und mit seinen Konzerten, auf Basis der von ihm editierten Notierungen große Erfolge feiert.

2. Die Jesuiten in Lateinamerika

Die Gesellschaft der Jesuiten wurde von dem baskischen Adeligen Ignatius von Loyola (1491 bis 1556) 1534 gegründet. Der neugegründete Orden hatte in Europa einen bedeutenden Einfluss an der Gegenreformation und übte eine rege Tätigkeit vor allem im Bereich der Predigt und Seelsorge aus. Der Orden ist straff organisiert und durch strikten Gehorsam gegenüber dem Papst geprägt. .Die Ausbildung des Nachwuchses ist umfassend und kann bis zu zwanzig Jahre dauern. Neben dem Schwerpunkt der Bildung der Jugend engagierten sich die Mitglieder in der barocken Kunst, vor allem der Baukunst und des Theaters. Ein weiteres Arbeitsgebiet der Jesuiten war die Missionierung von China, Indien und Amerika. In Lateinamerika gründeten sie um 1600 die sogenannten Jesuitenreduktionen (reducciones - von reducir "zusammenschließen"). Die nichtsesshaften Indianer wurden in größeren Siedlungen zusammengeschlossen um sie zu zum christlichen Glauben und sie vor Übergriffen der Eroberer zu schützen. Im 17. und 18. Jahrhundert gründete der Orden ca. 70 solcher Siedlungen. Die Jesuitenreduktionen waren autonom und selbstverwaltet und entwickelten sich zu einem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Faktor im kolonialen Lateinamerika.

Es entstand eine Symbiose von Indiostämmen mit der europäischen Ordensgemeinschaft, die traditionellen Lebensformen der indigenen Einwohner wurden mit den Lebensidealen der europäischen Kloster vermischt.

In Paraguay bestand von 1610 bis 1767 ein Jesuitenstaat, auch „Heiliges Experiment“ genannt, in welchem die Jesuiten unter den Indianern ein christliches Sozialsystem eingeführt hatten. Es gelang, die Indianer dadurch vor der Unterdrückung in den Encomiendas[1] zu bewahren.

Die Reduktionen wurden nach einem einheitlichen Schema organisiert, deren Mittelpunkt architektonisch und sozial ein Hauptplatz mit Kirche bildete. Neben dem Sakralbau befand sich der Friedhof, die Wohnhäuser der Patres und ein Schulgebäude. Daran angeschlossen wurden Handwerksbetriebe und Werkstätten errichtet. Um diese zentrale Anlage waren schließlich die Wohnhäuser der Dorfbewohner gruppiert. Im Umkreis der Siedlungen legten die Jesuiten Felder und Weideflächen an. Agrarprodukte waren Baumwolle, Zuckerrohr und Mate-Tee, dessen Verkauf als wirtschaftliche Grundlage diente.

Es existierte eine Gemeindeverwaltung nach spanischem Vorbild, die indianische Großfamilie blieb aber innerhalb diese Systems erhalten. Die Gemeinden bildeten innerhalb der spanischen Kolonialmacht ein wirtschaftlich unabhängiges Element, das politisch dem Provinzialgouverneur unterstellt war und durch diese Konstellation zu zahlreichen Konflikten mit Zentralregierung neigte. Die einzelnen Reduktionen standen untereinander kommunikativ in Verbindung.

Der Tagesablauf in den Reduktionen war streng in Einheiten unterteilt, die durch Glockenschläge und Gottesdienste, sowie Prozessionen mit Musik unterteilt wurden. Die Gemeindemitglieder führten einen Achtstundenarbeitstag, an drei Tagen der Woche wurden Dienste für die Gemeinschaft erbracht. Privates Eigentum und der Besitz monetärer Mittel war nicht vorgesehen, lediglich landwirtschaftlich nutzbarer Boden wurde an die Familien zur Unterhaltversorgung zugeteilt. Der Außenhandel mit den erzeugten Produkten wurde zentral abgewickelt. Wichtigste Ausfuhrprodukte waren Rinderhäute, Baumwolle, Yerba und Mate-Tee. Aus den Gewinnen wurden die benötigten Importprodukte und Steuern an die spanische Krone finanziert.

[...]


[1] Die Institution der Encomienda in der Neuen Welt hat ihren Ursprung im mittelalterlichen Spanien der Reconqista und bedeutete die Übereignung von Ländereien an privilegierte Spanier, die sich erfolgreich bei der Unterdrückung der Mauren behauptet hatten. Einem ähnlichen Konzept unterlag die Encomienda in der Neuen Welt.

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640468904
ISBN (Buch)
9783640468690
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138259
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
Missionsbarock Jesuiten Paraguay Beispiel Musik

Autor

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Titel: Der Missionsbarock der Jesuiten in Paraguay am Beispiel der Musik