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Landschaftsökologie am Beispiel des Biosphärenreservatausschnittes "Mittlere Elbe" zwischen den Zuflüssen von Mulde und Saale

Studienarbeit 2009 21 Seiten

Biologie - Ökologie

Leseprobe

Gliederung

1 Beschreibung des Landschaftsausschnitts „Mittlere Elbe“ mit Schutzstatus Biosphärenreservat anhand seiner landschafts- ökologischen Partialkomplexe
a) Georelief
b) Boden
c) Wasser/Wasserhaushalt
d) Klima
e) Vegetation/Flora
f) Fauna

2 zwei naturnahe Biotope im Biosphärenreservat „Mittlere Elbe“
Biotop 1: Kohärente Hartholzauenwälder im NSG „Lödderitzer Forst“
Biotop 2: Trocken- bzw. Magerrasen der Dünenkomplexe im NSG
„Saalberghau“ und „Akenscher Dünenzug“
2.1 Elemente der Zönose der beiden Biotope
Biotop 1
Biotop 2
2.2 Auftreten von Zeigerpflanzen und deren Rückschlüsse auf abio- tische Standorteigenschaften
Biotop 1
Biotop 2

3 Die ackerbauliche Nutzung begrenzende Standortfaktoren der Biotope und Schutz begründende Schutzkategorie
3.1 Der Schutzstatus der Biotope 1 und 2
3.2 Die Landwirtschaft im Biosphärenreservat „Mittelelbe“
3.3 Landschaftsökologie und Naturraum im Biosphärenreservat
3.4 Der Konflikt zwischen Landschaftsökologie und Landwirtschaft sowie Lösungsansätze

4 Dauer und Frequenz von acht wichtigen Parametern zur land- schaftsökologischen Beschreibung des Landschaftsaus- schnitts „Mittlere Elbe“

Literaturverzeichnis

1 Beschreibung des Landschaftsausschnitts „Mittlere Elbe“ mit Schutzstatus Biosphärenreservat anhand seiner landschaftsökologischen Partialkomplexe

Das Biosphärenreservat (BioRes) „Mittelelbe“ ist ein Landschaftsausschnitt des bundesländerübergreifenden (SH, MV, BB, NS, ST) Biosphärenreservates „Mittelelbe/Flusslandschaft Elbe“ und umfasst die Reservatsfläche des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Die Fläche hat sich von 43.000 ha im Jahr 1990 fast verdreifacht auf 125.743 Hektar im Jahr 2006 und erstreckt sich nunmehr entlang des Elbflusslaufes ab dem Übergang aus dem Freistaat Sachsen bis in die Altmark. Das ursprüngliche BioRes „Mittlere Elbe“ anno 1990 ist zwischen Barby und Dessau und Roßlau gelegen. Dieses stellt eine stetige Erweiterung des 1979 durch die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization , kurz UNESCO zum Biosphärenreservat ausgewiesenen Naturschutzgebietes (NSG) „Steckby-Lödderitzer Forst“ dar. (vgl. www.elbebiber.de) Die Ausweisung des NSG „Steckby-Lödderitzer Forst“ erfolgte bereits 1955/61 auf der Grundlage des Naturschutzgesetzes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. (vgl. REICHHOFF et. al., 2005)

Aufgrund der landschaftsökologischen Unterschiede in diesem heute äußerst großräumigen Elbe-Schutzgebiet bezieht sich die Autorin im Folgenden auf den Teilbereich des Biosphärenreservates zwischen Barby und Dessau bzw. Roßlau (Reservatsgebiet „Mittlere Elbe“ von 1990). Biosphärenreservate werden in § 25 BNatSchG erklärt. Im BioRes „Mittlere Elbe“ liegen vier Zonen, darunter Zonen I und II Naturschutzgebiete (NSG in sog. Kernzone) und Zonen III und IV Landschaftsschutzgebiete (LSG in sog. Entwicklungszone).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

LSG (Entwicklungszonen) und NSG (Kernzonen) im BioRes Mittelelbe Fotos: Klämt, G.; 2009

Eine dritte bedeutende Abgrenzung ist die Pflegezone, in der Menschen Flächen im Einklang mit den überlappenden Zonen dauerhaft umweltgerecht und nach-haltig zur Erhaltung der kulturhistorisch gewachsenen Landschaften (z.B. Weide- und Grünland sowie Streuobstwiesen) nutzen können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schafweide in der Elbaue Aken und Streuobstwiese seit dem 18. Jh. bei Steutz Fotos: Klämt, 09

Dieses Gebiet zwischen Saale- und Muldezufluss des Elbestroms ist im November 2001 Projektraum eines gleichnamigen Naturschutzgroßprojektes „Mittlere Elbe“ von gesamtstaatlicher repräsentativer Bedeutung mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) als Projektträger geworden. (vgl. EICHHORN et. al., 2004) Zu diesem Projekt steht der Verfasserin momentan beruflich bedingt der Pflege- und Entwicklungsplan (PEP) von 2005 mit detaillierten Beschreibungen der landschaftsökologischen Partialkomplexe zur Verfügung. (vgl. REICHHOFF et. al., 2005) Darüber hinaus hat die LPR Landschaftsplanung Dr. Reichhoff GmbH die Publikation „Standortkundliche, ökofaunistische und vegetationsdynamische Untersuchungen im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Mittlere Elbe“ herausgegeben.

a) Georelief

Die im Lauf der Mittleren Elbe entwickelten Flussmäander erhöhen die Struktur- und Habitatvielfalt und sind daher landschaftsökologisch besonders schützenswert. Die Mäander senken die Fließgeschwindigkeit und Sedimente können abgelagert werden. (vgl. SCHLUNGBAUM, SELIG, 2008) Im unmittelbaren Einzugsgebiet des Fließgewässers bedingen fluviatische Erosion, Transport, Sedimentation, Akkumulation und Deposition stetige Reliefumwandlungen und -bewegungen. Das trifft besonders für die Überschwemmungsflächen der Aue zu. Die rezente Mor-phodynamik ist infolge des Flussausbaus stark beeinträchtigt. Heute bilden sich deswegen keine sog. Altwasser mehr; bestehende Altwasser drohen zu verlanden, wodurch diese geomorphologische Besonderheit der Aue verschwinden wird, wenn der Mensch keine Gegenmaßnahmen ergreift.

Die Flussaue der Mittleren Elbe ist im realen Großrelief eben und geht erst zu den Niederterrassen (Aufschotterung der Täler und Rinnen durch Sedimentfrachten) hin in Geländestufen zw. 2 m bis zu 15 m über. Eine große Niederterrasse befindet sich zwischen Dessau und Groß-Kühnau und Aken westlich des Muldezulaufs. In den Auen wie auch an ihren Rändern finden sich Sanddünen (z. Bsp. Saalberghau). Charakteristisch ist die Dünenüberwehung der Niederterrassen. Die landwirtschaftliche Nutzung der leichten Böden begünstigt die Dünenbildung, so dass Dünenfelder unterschiedlichen Alters nebeneinander liegen. Weitere geomorphologische Charakteristika der Elbaue sind Kolke, durch die strudelnde Bewegung des Wassers entstehende trichter- und kesselförmige Eintiefungen.

b) Boden

Die holozänen Talsedimente gliedern sich in jüngeren und älteren Auenlehm sowie jüngeren und älteren Schotter, wobei der Jüngere nur flussnah oder in Flussrinnen vorkommt. Der ältere Auenschotter setzt sich weiter unten aus gröberen Kiesen zusammen und geht nach oben in geringmächtige Sande über. Die Mächtigkeit der Holozänschotter der Elbe wird mit 8 m bis 12 m angegeben. Die Schotter wechseln oft unter Einlagerung von Mudden und Torfen aus Verlandungsprozessen in älteren oder jüngeren Auenlehm. Die Auenlehmdecken erreichen 3 bis 4 m Mächtigkeit. Die Auensedimente aus dem lößdominierten Einzugsgebiet sind darum überwiegend Auenlehme und -schluffe; daneben treten auch Auensande und -lehmsande sowie Auentone auf. Das homogene Vorkommen dieser Pedotopen in typischer Abfolge - landschaftsökologisch unter dem Begriff Catena verstanden - wird durch die Substratbildung, die Wasserdynamik der Aue, das Relief, die Bodennutzung und andere anthropogene Eingriffe bestimmt. Die überwiegenden Boden(-sub-)typen im Flutungsbereich des Elbestromes sind biologisch hochaktive Vegen; je nach hydromorphen Einfluss Gley-Vega bzw. Vega-Gley. Im Bereich von Altwasserläufen (Stillwasserbereiche) finden sich Nassgleye, Gleye (Unterwasserböden) und Auengleye. Neben Vegen entwickelten sich lokal die schwarzerdeähnlichen Tschernitza mit mächtigen, stark humosen Oberbodenhorizonten. Im flussnahen Deichvorland kommen relativ junge Auen-Regosole (Paternien) vor. Die bereits unter a) erwähnten Sanddünen bestehen aus anhydromorphen Podsolen und Braunerden. Anthropogene Einträge haben durch Sedimentation von Schwebstoffen während Überflutungen zu erhöhten Schwermetallkonzentrationen geführt. Zuflüsse verstärken die Einträge, z. Bsp. Quecksilber und Zink im Raum der Saalemündung oder Arsen bei der Muldemündung, intensiver in Außen- als in Binnendeichböden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

c) Wasser/Wasserhaushalt

Die Elbe verzeichnet am Pegel Barby oberirdisch ein Einzugsgebiet von 90.060 km² Fläche und am Pegel Aken von 70.093 km². Der Flusslauf wird enger. Die Menge gespeicherten Wassers im Strom ist abhängig vom klimatischen Jahresgang einschließlich Extremereignissen, wie z. Bsp. Jahrhunderthochwasser oder Hochwasser aufgrund des Klimawandels. Das Fließgewässer transportiert nach den Bewegungsgesetzen von Massen vertikal wie lateral Stoffe und Energie und ist eine hydraulische Senke für die angrenzenden Hochflächen des Vorfläming, des Zerbster und Köthener Ackerlandes. Auen haben sich herausgebildet. Die Ver-schmutzungssensibilität des Grundwassers ist wegen der hydrogeologischen Stellung der Region als Entlastungsgebiet gering. Die Sickerwasserraten in der ungesättigten Bodenzone sind bei vorhandener Auenlehmbedeckung ebenfalls klein.

Wasser ist der einflussreichste Geofaktor im Ökosubsystem des Landschaftsausschnittes „Mittlere Elbe“. Der Deichbau nahm dem Elbestrom einen erheblichen Teil seines natürlichen Überschwemmungsregimes. Der Abfluss veränderte sich dadurch. Flusslaufseinengungen fördern die Tiefenerosion im Gerinne der Elbe.

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