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Politik im Unterhaltungsformat. Eine Untersuchung der Polittalksendung "Sabine Christiansen"

Facharbeit (Schule) 2006 28 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundbegriffe

3 Christiansens Programm im Kontext des Medienzeitalters
3.1 Medienzeitalter – kurze Einführung
3.2 Christiansens Anspruch

4 Die Politik und die Bürger im Medienzeitalter
4.1 Meinungsbildung des Bürgers
4.1.1 Unterscheidung zwischen privater und öffentlicher Meinung
4.1.2 Entstehung der privaten Meinung
4.1.3 Bedeutung der öffentlichen Meinung für das Individuum
4.2 Einflussnahme der Medien
4.2.1 Die Macht der Medien über den Bürger
4.2.2 Das Fernsehen als mächtigstes Medium
4.2.3 Auswirkungen auf die Politik
4.3 Politische Medienkommunikation
4.3.1 Interessen der Politik
4.3.2 Politikvermittlung in der Mediengesellschaft
4.3.3 Symbolische Politik – Politik in Unterhaltungsformaten
4.3.4 Gründe für Teilnahme am Polit-Talk
4.4 Die Polit-Talkshow
4.4.1 Merkmale der Talkshow
4.5 Von der Talkshow zum Polit-Talk

5 Aspektorientierte Analyse von „Sabine Christiansen“
5.1 Elemente der Sendung
5.2 Analyse der Folge vom 05. Februar 2006
5.2.1 Die Gäste
5.2.2 Untersuchung mit dialoganalytischen Elementen
5.2.3 Vermittlungsleistung
5.3 Auswirkungen auf die Meinungsbildung
5.4 Politischer Nutzen

6 Schlussbetrachtung
6.1 Anspruch und Wirklichkeit bei Sabine Christiansen
6.2 Fazit
6.3 Stellungnahme und Ausblick

7 Glossar

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Eine Untersuchung der Polittalk-Sendung „Sabine Christiansen“ erfordert nicht nur einen Blick auf die Sendung selbst. Als die angesichts der Einschaltquoten erfolgreichste Sendung unter den vielen Polittalk-Sendungen gilt „Sabine Christiansen“ zweifellos als eine Avantgarde in der Fortentwicklung der Mediengesellschaft. Daher gilt es festzustellen wie die mediale Politikvermittlung heutzutage funktioniert, und wie die Bürger heute Politik rezipieren. Daraufhin wird eine Einordnung der Sendung in ein Format durchgeführt. Auf Grundlage dieser Informationen werde ich eine aspektorientierte Analyse der Sendung vornehmen, um herauszufinden, inwiefern eine Talkshow wie „Sabine Christiansen“ mit ihren Gästen in einem politischen Vermittlungsprozess zur Meinungsbildung beiträgt. Des Weiteren soll festgestellt, welche politische und gesellschaftliche Bedeutung im Hinblick auf meine Analyseergebnisse und auf andere Erhebungen der Polittalk-Show zukommt.

2 Grundbegriffe

Ein elementarer Begriff, den es zunächst grob abzugrenzen gilt, ist die Talkshow. Dabei handelt es sich um eine mediale Unterhaltungsform, wobei ein oder mehrere Moderatoren ihre Gäste, im Falle von „Sabine Christiansen“ also Prominente aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, zu frei wählbaren Themen befragen.[1]

Sowohl Infotainment als auch Politainment sind aus dem Englischen stammende Kunstwörter, die jeweils das Wort „Entertainment“ (engl. Unterhaltung) mit „Information“ und mit „Politics“ (engl. Politik) verknüpfen und die Verbindung von Unterhaltung und (politischer) Information in medialen Beiträgen beschreiben.[2]

Politikvermittlung und (politische) Meinungsbildung sind zwei voneinander abhängige Begriffe und beide sind Bestandteil des demokratischen Prozesses. Die Politikvermittlung ist ein Sammelbegriff für alle Formen der Darstellung und Wahrnehmung von Politik. Durch sie soll eine Legitimierung der eigenen Politik und die Einbindung des Bürgers in die Politik erreicht werden.[3]

Die Meinungsbildung dagegen ist der Prozess, bei dem die Bürger die vermittelten Informationen bewerten und sich daraus eine Einstellung bilden.

3 Christiansens Programm im Kontext des Medienzeitalters

3.1 Medienzeitalter – kurze Einführung

Schon früher kam den Medien im politischen Vermittlungsprozess ein großer Stellenwert zu.

So waren bereits im 20.Jahrhundert verschiedene Rundfunkdarstellungen von Politik möglich und insbesondere totalitäre System wie z.B. das Dritte Reich manipulierten ihre Bevölkerung gezielt über die Medien.

Damals konnte noch niemand ahnen, dass in der Bundesrepublik Deutschland heute von den Medien als „vierter Gewalt“ gesprochen wird. Die Medien üben, da sie annähernd alle Menschen erreichen, einen gewaltigen Einfluss auf die Meinungsbildung aus.

Gerade seit der „Dualisierung“, der Zulassung privaten Rundfunks neben dem öffentlich-rechtlichen in Deutschland Mitte der 80er-Jahre, gibt es eine große Vielfalt von Sendungen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten sind die Medien allerdings unabhängig und nur an den Willen der Zuschauer, nicht an den Willen einer politischen Partei oder Institution gebunden. Dadurch kommt es zu einer fortschreitenden Entwicklung hin zu mehr Unterhaltung in den Medien.

Die Politik passt ihre Vermittlungsstrategien auch im Hinblick auf die zunehmende Politikverdrossenheit der Bürger dieser Entwicklung an. Da die Folge die mediale Inszenierung politischen Geschehens ist, spricht man auch von einem Trend zur „Mediokratie“ (in Anlehnung an „Demokratie“).

3.2 Christiansens Anspruch

Neben den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für den Polittalk gilt es noch, die Ziele, die sich das selbst ernannte „Diskussionsforum“[4] Deutschlands „Sabine Christiansen“ setzt, abzustecken, um abschließend zu bewerten, ob diese erreicht werden.

Die Trägerin vieler Auszeichnungen, u. a. des Bundesverdienstkreuzes (2002), und Produzentin der eigenen Sendungen mit ihrer Produktionsfirma TV21, Sabine Christiansen, stellt selbst höchste Ansprüche an ihre Sendung.

Fasziniert von der Wiedergabe komplexer Zusammenhänge in für jedermann verständlichen Sätzen[5], stellt Christiansen fest, dass Politik in ihrer Sendung an jeden Bürger vermittelbar sein muss.

Christiansen versichert ihren Gästen ihre politische Neutralität und sieht sich selbst als „Vermittlerin“ zwischen den verschiedenen Standpunkten.[6]

Mit ihren aus allen Bereichen der Gesellschaft, auch aus dem Ausland kommenden Gästen möchte die Moderatorin ihr Thema aus möglichst vielen Blickwinkeln erörtern und dadurch mit den adäquaten Fragen Informationen aus „erster Hand“ liefern, mit denen sie als Stellvertreterin des Bürgers zur Meinungsbildung beitragen möchte.[7]

4 Die Politik und die Bürger im Medienzeitalter

Zunächst soll ein sehr allgemeiner Blick auf die Meinungsbildung gerichtet werden.

Daraufhin wird dargestellt, inwiefern die Medien in die Meinungsbildung sowie den politischen Vermittlungsprozess eingreifen und ihrem gesetzlichen Auftrag zur neutralen und umfassenden Informierung des Bürgers gemäß handeln.

Schließlich soll festgestellt werden, welche Konsequenzen die Politik aus der Einflussnahme der Medien auf den Vermittlungs- und Meinungsbildungsprozess zieht.

4.1 Meinungsbildung des Bürgers

4.1.1 Unterscheidung zwischen privater und öffentlicher Meinung

Es wird grundsätzlich zwischen privater und öffentlicher Meinung unterschieden. Während die private Meinung eine Einstellung des Einzelnen darstellt, existieren für die öffentliche Meinung mehrere Definitionsmöglichkeiten. Zum einen kann sie die Meinung von wenigen sein, die diese in der Öffentlichkeit wirksam vertreten. Zum anderen kann sie eine allgemeine Einstellung einer Gesellschaft darstellen, die zuweilen vom Individuum vertreten werden muss, um eine Isolation zu vermeiden.[8]

4.1.2 Entstehung der privaten Meinung

Eine Meinungsbildung findet immer dann statt, wenn ein Sender und ein Empfänger aufeinander treffen.

Das Individuum bildet sich seine Einstellung über die Aufnahme von Reizen, z.B. von einem Verhalten oder einer Meinung, die es empfängt. Diese Reize kann es bei Beobachtungen, Interviews oder bei Experimenten aufnehmen. Den von der Reizaufnahme abhängigen Lernprozess nennt man Konditionierung.[9]

In den Medien und insbesondere im Fernsehen kann der Einzelne diese Erfahrungen nicht direkt machen. Er beobachtet lediglich das Verhalten, die Mimik und Gestik der handelnden Figuren oder Personen. Nur über das Einfühlen in die Situation und die Gefühle der Handelnden – man nennt dies Empathie – kann er die gesendeten Reize indirekt aufnehmen. Der folgende Lernprozess wird stellvertretende Konditionierung genannt. Mithin kann auch eine mediale Beobachtung eine Einstellungsänderung hervorrufen.[10]

Jegliche Einstellung kann durch gezielte Bestärkung gefestigt werden oder durch Abwertung bis hin zur Verhaltens- und Einstellungsänderung geschwächt werden. Ein Verhalten oder eine Meinung, die der des Einzelnen widerspricht, erzeugt im Individuum jederzeit eine Art Dissonanz. Das Individuum führt dann eine Neubewertung seines Standpunktes durch. Die Dissonanz kann daraufhin bei einer Einstellungsänderung abgebaut werden.[11]

Individuen können sich auf Grund von Gefühlen oder von Informationen eine Einstellung bilden. Im Gegensatz zu affektiv fundierten, also auf Gefühlen beruhenden Einstellungen sind die kognitiv fundierten, also auf Informationen gestützten Einstellungen von wesentlich dauerhafterer Natur.[12]

Relevant für die Meinungsbildung ist ebenfalls das Verhältnis von Sender und Empfänger. Ist der Sender in den Augen des Empfängers kompetent, so werden dessen Informationen und Einstellungen wohlwollender verarbeitet als die eines schlechteren Senders. Dabei kann es passieren, dass das Individuum die Einstellung eines attraktiven Senders ohne jegliche Bewertung der Informationen übernimmt. Dabei spricht man von einer Einstellungsänderung auf Grund von Identifikation mit dem Sender.[13]

Nicht jeder Empfänger nimmt eine Nachricht gleich auf. Die Bewertung einer Information hängt auch vom Bildungsgrad sowie der Sozialisation des Empfängers ab.[14]

4.1.3 Bedeutung der öffentlichen Meinung für das Individuum

Gegenüber der Gruppe verhält sich das Individuum eher opportunistisch. Nachdem es seine Einstellung mit der der anderen Gruppenmitgliedern verglichen hat, ist es bemüht, um eine Isolierung zu vermeiden, sich der Gruppenmeinung anzupassen oder seine eigene Meinung zu verschweigen.[15]

Einflussnehmer auf die öffentliche Meinung sind vor allem rhetorisch gewandte Menschen, die ihre Meinung auch unabhängig von der vorherrschenden Meinung im politischen Diskurs vertreten. Durch eine hohe Anzahl von Auftritten – Folge ist eine höhere Anzahl von Menschen, die seine Einstellung wahrnehmen – kann der Einflussnehmende an öffentlicher Geltung gewinnen und seine Themen auf die Tagesordnung setzen („Agenda-Setting“) sowie seine Einstellungen verbreiten.[16]

Folglich ist für den Einzelnen die Quantität des Auftretens einer Meinung wichtig. Nur eine Meinung, die häufig genug auftritt, kann vom Individuum zur Bewertung und zur Meinungsbildung herangezogen werden.[17]

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die öffentliche Meinung in einem enormen Maße auf das Individuum einwirkt. Das Individuum neigt stark dazu die öffentliche Meinung als seine eigene zu übernehmen.[18]

4.2 Einflussnahme der Medien

4.2.1 Die Macht der Medien über den Bürger

An einem bestimmten Aspekt der gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse ist fest zu machen, dass die Massenmedien mittlerweile eine Art Informationsmonopol besitzen: der Individualisierung. Sie beschreibt die starke Ausprägung des Strebens nach Unabhängigkeit des Einzelnen. Dadurch kommt es zu einer Zurückdrängung der direkten privaten Kommunikation mit Würdenträgern und zur Lösung der Bindungen zu Parteien und politischen Institutionen. Dazu trägt der steigende Medienkonsum bei. Daraus lässt sich ableiten, dass die Medien das Bild des Einzelnen von der öffentlichen Meinung annähernd beliebig beeinflussen können.[19]

Folglich können die Medien immer mehr Einfluss auf moralische wie politische Wertvorstellungen der Bevölkerung nehmen. Insbesondere solche Vorgaben bewirken, dass sich Individuen mit anderer Meinung wie in IV.1.b (s. auch IV.1.c) beschrieben der dominanten öffentlichen Meinung anpassen müssten, um eine Isolation zu vermeiden.[20]

Daher spricht man auch von der Meinungshoheit und -führerschaft der Medien.

Die Medien nutzen dabei konsequent die Eigenschaften der privaten Meinungsbildung. Oftmals beeinflussen die Sender den Wortlaut ihrer Nachrichten. Ein Wort mit negativer oder positiver Konnotation kann bereits eine affektiv fundierte Einstellung beeinflussen oder herbeiführen. Man versucht also gezielt die emotionale Wirkung der Nachrichten zu verändern, um schließlich deren Bewertung zu beeinflussen.[21]

Mit ihren Argumenten, die auf Grund fehlender privater Kommunikation für das Individuum einmalig und damit nicht nachprüfbar sind, nehmen die Medien konkret Einfluss auf die Meinung des Empfängers. Dabei kann es dazu kommen, dass sich der Einzelne in seiner Meinung bestätigt fühlt oder nicht.[22]

Trotz dieser Übermacht wirken die Medien in den Augen der Zuschauer dennoch unabhängiger, glaubwürdiger und kompetenter als andere Autoritäten im demokratischen Prozess.[23]

4.2.2 Das Fernsehen als mächtigstes Medium

Das Fernsehen hat gegenüber dem normalen Hörfunk einen entscheidenden Vorteil: es erreicht den Zuschauer sowohl über Bild als auch über Ton. Der Vorteil dieser Visualisierung von Inhalten besteht darin, dass das Fernsehen mit dem Hören undSehen zweierlei Sinne anspricht und so wirklichkeitsnäher wirkt. Der Zuschauer hat einen besseren Eindruck von der Realität über eine aufgebaute Empathie. Daraus ergibt sich große Wirkung des Fernsehens auf den Zuschauer. Zudem erreicht das Fernsehen fast die gesamte Bevölkerung.[24]

4.2.3 Auswirkungen auf die Politik

Auch die Politik als Sender von Informationen wird von dem eigentlichen Medium „Massenmedien“ beeinflusst. Die Medien sind in der Lage, Informationen zurückzuhalten oder hervorzuheben. Journalisten können durch Agenda-Setting Schwerpunkte der öffentlichen Meinung setzen und dabei noch ihre eigenen Wertvorstellungen einfließen lassen. Der Druck der entstehenden öffentlichen Meinung zwingt die Politik dazu, die angesprochenen Themen auf die Tagesordnung zu setzen.[25]

Die Massenmedien nutzen einen weiteren Aspekt der privaten Meinungsbildung, um Einfluss auf den politischen Diskurs zu nehmen. Die enorme Wirkung von Identifikation wird dazu genutzt, einen Trend zur Personalisierung durchzusetzen. Für die Medien haben Personen ein viel größeres Quotenpotential als politische Programme.

Die Personalisierung ist ebenso eine Folge der Kommerzialisierung wie die Trivialisierung der Politik, d.h. die Vereinfachung der Inhalte, um die Zuschauer nicht abzuschrecken. Zur Bindung des Zuschauers versucht man außerdem die politischen Inhalte zu emotionalisieren, d.h. Empfindungen zu übermitteln. Gleichzeitig ist ein Trend hin zur Vermischung von Politik mit unterhaltenden Elementen zu verzeichnen (Infotainment/Politainment).[26]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Massenmedien ihre Machtstellung in Bezug auf die öffentliche Meinung nutzen, um der Politikvermittlung ihre Regeln vorzugeben.

4.3 Politische Medienkommunikation

4.3.1 Interessen der Politik

Ebenso wie jede Privatperson streben die Politiker danach, ihre Einstellung jederzeit anpassen zu können, um eine Kollision mit der vorherrschenden öffentlichen Meinung zu vermeiden.[27] Diese Tatsache ist ein Grund dafür, dass die Politiker der Trivialisierung der Darstellung von Politik in den Massenmedien zustimmen. Je weniger komplex und konkret ein Sachverhalt dargestellt wird, desto eher ist es möglich, die Darstellung im Nachhinein der öffentlichen Meinung nach anzupassen.Zudem passen die Parteien ihre Programme unabhängig von ihrer ursprünglichen politischen Identität an die öffentliche Meinung an, so dass möglichst viele Menschen sich angesprochen fühlen.[28]

Aber auch die Politikverdrossenheit der Bürger ist ein Grund dafür, dass neben der Trivialisierung und auch die mit dem Infotainment verbundene Entpolitisierung der Polit-Darstellung von der Politik angenommen wird. Sie sieht mit der Darstellung von Politik im Unterhaltungsrahmen die einzige Möglichkeit, viele Menschen mit einem niedrigen Politisierungsgrad, insbesondere Jugendliche, wieder mit politischen Botschaften zu erreichen und ihnen eine Meinungsbildung zu ermöglichen.Ziel jeder politischen Kommunikation ist es, die eigene Botschaft zu vermitteln und den Menschen zu erreichen[29], so dass sich die Rahmenbedingungen, die die Massenmedien vorgeben, sich mit den Interessen der Politik vereinbaren lassen.

4.3.2 Politikvermittlung in der Mediengesellschaft

Politisches Handeln in einer Demokratie ist gegenüber dem Bürger zustimmungs- und begründungsbedürftig. Daher ist eine Vermittlungsleistung der politischen Elite für den Bürger notwendig.[30]

Vor dem Hintergrund, dass die direkte Kommunikation der Parteien mit dem Bürger stetig abnimmt, und dass Politik infolge der Kommerzialisierung in den Augen der Medien weitestgehend nur noch eine Art von Information unter vielen darstellt, passt sich die Politik den Rahmenbedingungen der Medien an.[31]

Auf Grund der Informationshoheit der Massenmedien und ihrer Eigenschaft als einer der wenigen Wege der Parteien zum Bürger, ist die Politik auf oftmalige Medienauftritte angewiesen, um Zustimmung zu erlangen. Die auf das Wohlwollen ihrer Zuschauer angewiesenen Medien bewerten den Wert einer Nachricht vor allem nach Ästhetik und Dramatik, so dass die Politik mit mediengerechten Strategien reagieren muss.

Einerseits muss die Politik über die Medien Sicherheit und Verlässlichkeit vermitteln, andererseits muss die jeweilige Partei unter Beibehaltung ihrer Glaubwürdigkeit ihre Programmatik intensiv bewerben.Neben einer ausgeweiteten Öffentlichkeitsarbeit und gezielten PR-Kampagnen setzen die Parteien darauf, durch ihre charismatischsten – nicht in jedem Fall kompetentesten – Vertreter zum Erfolg zu kommen. Sie nutzen dabei das Identifikationspotential von Personen, um ihre Inhalte und Botschaften damit zu verknüpfen.[32]

Personen bieten den Menschen Kontinuität und Orientierung und machen es leichter, Sendezeit in den Medien zu erlangen. Es hat sich gezeigt, dass die Eigenschaften eines politischen Vertreters, dessen Charakteristika der Bürger insbesondere über Fernsehbilder zu bewerten sucht, entscheidend für den Erfolg einer politischen Idee sein können. Mit dieser Personalisierung können auch Homestorys im Fernsehen verbunden sein, in denen Politiker im privaten Umfeld gezeigt werden. Dies führt zu einer tiefer greifenden Identifikation.[33]

Daneben ist festzustellen, dass sich Parteien zunehmend Inszenierungen, also Politikdarstellungen mit vorherberechneten Wirkungen, sowie dem Politainment bedienen. Im Zuge der Trivialisierung verbreiten die Politiker zudem meist nur das, was am besten darstellbar ist, und nicht das, was für den politischen Entscheidungsprozess notwendig ist.[34]

Je größer die Überzeugungskraft eines Kandidaten ist, desto größer ist der Mobilisierungseffekt für die Partei, und desto eher ist es für die Parteien möglich, einen Teil der medialen Meinungsführerschaft zurück zu erlangen.[35]

4.3.3 Symbolische Politik – Politik in Unterhaltungsformaten

Die mediale Politikvermittlung und Berichterstattung umfasst meist nicht den Bereich der Entscheidungspolitik, der sich mit der Problemlösung im politischen Diskurs befasst. Dieser erscheint zum größten Teil zu komplex, um ihn richtig in zeitlich limitierte Nachrichtensendungen einzubauen. Außerdem könnten durch zu komplizierte Informationen unpolitisierte Zuschauer, die diese als wirklichkeitsfern empfinden könnten, verschreckt werden.

Die Medien berichten eher über öffentlichkeitswirksame Ereignisse. Die so genannte symbolische Politik zielt darauf ab, die Politik in der Öffentlichkeit so zu präsentieren, dass die Medien über ein solches Ereignis berichten und die Politik ihre Zielsetzungen erreicht. Auf Grund der kaum vermittelten Entscheidungspolitik ist die symbolische Politikvermittlung meist die einzige Informationsquelle für den Bürger, so dass hauptsächlich durch sie Politik in der Mediengesellschaft legitimiert wird.[36]

Die symbolische Politik konstruiert ein Ereignis, das relevant genug ist, um die Medien dazu zu veranlassen, darüber zu berichten. Zu solchen Ereignissen zählen vor allem Vorfälle Personen betreffend oder allgemein hin Konflikte, die die öffentliche Aufmerksamkeit schnell auf sich ziehen, z.B. dramatisierte Berichte zur Vogelgrippe.

Die politischen Akteure ringen im Kampf um die Gunst des Wählers in erster Linie auch um mediale Aufmerksamkeit der unberechenbaren Wähler, die einer Fülle von Informationen und fremden Wertungen ausgesetzt sind, aber auch über die Medien zur Wahl mobilisiert werden können.[37]

In den Medien nutzen die Politiker zur Beeinflussung der Bürger verbale Symbole wie Schlagwörter oder auch non-verbale Symbole wie Bilder. Damit sind sie auch in der Lage politische Scheinrealitäten zu schaffen. Es gibt dabei zwei Arten von Ereignissen: Mediatisierte Ereignisse wie Parteitage, die mediengerecht inszeniert werden, sich aber dennoch an die Politik anlehnen, sowie Pseudo-Ereignisse wie Pressekonferenzen, die nur für die Medienberichterstattung stattfinden. Sie dienen letztlich dazu, das eigene Image und das des Konkurrenten zu verändern und die gesellschaftliche Tagesordnung zu verändern.[38]

Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Politainment: Unterhaltender Politik, bei der sich Politiker der Unterhaltung bedienen, und politischer Unterhaltung, die ein politisches Thema aufgreift und es ihrem Format anpasst.

Das Infotainment hat dazu geführt, dass die Grenzen zwischen den einzelnen Programmformen verschwimmen. Symbolische Politik findet vor allem auch im Fernsehen statt. So kommt es dazu, dass Politiker in reinen Unterhaltungssendungen auftreten, die das tagesaktuelle Geschehen ironisch aufarbeiten, um auch wenig politisierte Wähler zu erreichen. In diesen Sendungen kann der Status und das Machtpotential eines Kandidaten bestätigt werden. Solche Auftritte können allerdings auch zur Selbstdarstellung missbraucht werden.[39] Das verdeutlicht die Notwendigkeit eines Kandidaten, der genügend Medienkompetenz besitzt, um die Inhalte ansprechend und emotional zu transportieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die symbolische Politikdarstellung zu einer der wenigen Möglichkeiten für die Politik geworden ist, selbst Agenda-Setting zu betreiben und die breite Wählerschaft zu erreichen.

4.3.4 Gründe für Teilnahme am Polit-Talk

In einer Korrespondenz mit dem DGB wurden Gründe für die Teilnahme am Polittalk genannt. Als Sendung der politischen Unterhaltung biete ‚Sabine Christiansen’ die Chance, ein Massenpublikum zu erreichen. Obwohl man seine Thesen sehr komprimiert formulieren müsse, sei es möglich, Kernbotschaften zu vermitteln. Eine wirkliche Argumentation könne allerdings nicht entstehen. Ebenso sei eine Selbstdarstellung möglich.[40]

4.4 Die Polit-Talkshow

4.4.1 Merkmale der Talkshow

Das Genre der Talkshow an sich soll unterhalten. Die Show hat kein inhaltliches Ziel und wird durch die Auseinandersetzung mit subjektiven Äußerungen geprägt. Das inszenierte Gespräch gerät schließlich zum Ersatz privater Kommunikation.

Meist hat sie mehr als drei Gäste und möchte ein Publikum bis zu einem Alter von 49 Jahren ansprechen, vor allem aber Frauen, weniger gebildete und ältere Menschen sehen diese. Zuschauer sind vor allem darauf bedacht, sich mit den Gästen zu vergleichen und sich Hilfe für das eigene Leben zu holen. Die Produzenten erwarten vor allem Natürlichkeit und Spontaneität der Gäste. Die Talkshows verlaufen immer nach denselben Schemata, allerdings sind Überraschungen jederzeit erwünscht.[41]

4.5 Von der Talkshow zum Polit-Talk

In Bezug auf „Sabine Christiansen“ ist vor allem ein Typ von Talkshow relevant: die Debattenshow, die politische und soziale Fragen aufgreift. In ihr können Teilnehmer aus Politik und Gesellschaft durch o. g. Kriterien wie Authenzität und Natürlichkeit ihre Popularität steigern und ihre Meinung verbreiten.

Die Bezeichnung „Debatte“ verdeutlicht den Anspruch, sachorientiert Argumente auszutauschen, zu streiten und dem Zuschauer Orientierung zu verschaffen. Es wird in der folgenden Analyse darauf zu achten sein, inwiefern dies von den Gästen überhaupt angestrebt und es ihnen auf welche Weise gelingt.

Die Gäste einer Polit-Talkshow müssen ein gewisses Maß an Prominenz und Macht besitzen, um eingeladen zu werden. Nur solche Persönlichkeiten, die die Menschen anziehen, geben dem Sender die Aussicht auf eine gute Einschaltquote.[42]

Dies macht deutlich, dass es meist nicht die politischen Inhalte sind, die einen Zuschauer zum Einschalten eines Polit-Talks bewegen. Vielmehr machen die politischen Protagonisten die Attraktivität einer solchen Sendung aus. Diese nutzen dabei die Talkshow, um die in IV.3.a beschriebenen Ziele zu erreichen, und nutzen dabei alle Möglichkeiten, die ihnen das Genre und die politische Kommunikation ihnen bieten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Polit-Talk als politische Unterhaltung gelten kann. Der Vorteil des stark mediatisierten Polit-Talks für die Politik liegt vor allem in den Möglichkeiten der Selbstdarstellung. Inwieweit unterhaltende Elemente die Diskussion prägen und die Politiker diese Elemente nutzen, wird im folgenden Kapitel untersucht.

5 Aspektorientierte Analyse von „Sabine Christiansen“

Im Folgenden wird die politische Unterhaltungssendung von Sabine Christiansen, zunächst allgemein auf Grundlage mehrerer Folgen und dann speziell anhand einer Folge in Bezug auf Aspekte der Politikvermittlung und Meinungsbildung, untersucht.

5.1 Elemente der Sendung

Jede Folge des Polittalks „Sabine Christiansen“ verläuft nach einem bestimmten, aber dennoch sehr variablen Schema. Am Anfang erläutert die Moderatorin Sabine Christiansen den Anlass der Wahl des Themas und akzentuiert erste Aspekte. Daraufhin werden die Gäste vorgestellt, deren Anzahl meist zwischen fünf und sechs liegt. Dabei werden ihre beruflichen, ggf. privaten Stationen genannt. Wichtige Entscheidungen und Ansichten werden bei der Vorstellung deutlich. Abschließend wird meist der inhaltliche Standpunkt eines Gastes in einem zentralen Satz zusammengefasst. Zur weiteren Einführung in die Thematik wird ein Film gezeigt, der die politische oder gesellschaftliche Situation verdeutlicht. Dazu werden sowohl Bilder als auch Filmmaterial sowie Interviewausschnitte verwendet.

Nach dem Film kommt es dann zu den ersten Fragen durch Sabine Christiansen. Danach sind der Diskussion nur durch die Thematik Grenzen gesetzt. Hierbei sitzen die Gäste in einem Halbkreis vor dem Publikum. Die Sendung dauert im Durchschnitt eine Stunde.

5.2 Analyse der Folge vom 05. Februar 2006

5.2.1 Die Gäste

Die Auswahl der Gäste ist wie bereits beschrieben auch für die Einschaltquoten der Sendung relevant (s. V.2). Auch die Konfliktträchtigkeit zwischen den Beteiligten kann neben prominenten Teilnehmern entscheidend sein. Dies fällt insbesondere bei dieser Folge auf, wie auch schon die Standpunkte, die vorgestellt werden, deutlich machen.

So bilden Ralph Giordano und Bahman Nirumand trotz ihrer ähnlichen beruflichen Tätigkeit einen politischen Gegensatz. Da Giordano jüdischer Abstammung und Nirumand iranischer Abstammung ist, kann es im Hinblick auf den Nahost-Konflikt zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten kommen. Gleiches gilt wohl für Hans-Christian Ströbele und Richard Perle. Der linke Rechtsanwalt, der mit dem Gewinn des Direktmandates in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg und kritischen Einschätzungen zum Afghanistan-Krieg bekannt wurde, kritisierte oftmals die Politik der US-Regierung und steht damit konträr zu Richard Perle, der u. a. den Irak-Krieg befürwortet und als Hardliner gilt. Ein eher unbeschriebenes Blatt ist Friedbert Pflüger, der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Hierbei ist die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass der Konkurrent von Klaus Wowereit im Berliner Wahlkampf 2006 insbesondere zur Selbstdarstellung in die Sendung geschickt wurde.

Als Experten für den Bereich der Meinungs- und Pressefreiheit wurden Jürgen Engert und Ken Olsen geladen, womit die Sendung mit Publizisten und Politikern nur zwei Gesellschaftsbereiche abdeckt, obwohl die Einladung von Wirtschaftsexperten und Kulturwissenschaftlern sinnvoll gewesen wäre.

5.2.2 Untersuchung mit dialoganalytischen Elementen

Den ersten Teil der Diskussion bestimmt Sabine Christiansen. Bei der Einführung nennt sie mit dem Karikaturenstreit, der Geiselnahme im Irak sowie dem Konflikt um den Iran drei Eckpunkte ihrer Diskussion, deren Thema sich darin wieder spiegelt. Die Kernfrage wirkt zuspitzend. Auf politische Hintergründe wird nicht eingegangen; lediglich die so genannten Involvierten kommen zur Sprache. Daraufhin stellt sie die Gäste vor. Zwar werden diese durch einen biographischen Abriss und die Komprimierung ihrer Einstellungen auf wenige Aspekte fassbar und leicht einzuordnen, jedoch werden deren Positionen nicht so facettenreich dargestellt, wie sie in Wirklichkeit sind. Daher besteht die Gefahr einer falschen Voreingenommenheit des Zuschauers.

Der Film an sich ist sehr aspektreich und führt den Zuschauer grob in die Thematik ein. Er nennt die zu behandelnden Aspekte und erläutert diese, geht jedoch kaum in die Tiefe der politischen wie gesellschaftlichen Hintergründe. Im Hinblick auf die Diskussion bietet er jedoch alle zum Verständnis notwendigen Informationen. Diese Informationen sind allerdings auch wenig politisierten Zuschauern von alltäglichen Nachrichtensendungen bereits bekannt. Es fällt auf, dass der Film insbesondere auf visuelle Eindrücke abzielt. Dieser Effekt der Visualisierung bewirkt die Betonung der akustischen Informationen. Diverse Bilder bekräftigen neben den groben Informationen eine Trivialisierung und Reduzierung der politischen Inhalte im Film. Dabei ist neben der Uhr, die auf Grund ihrer ‚5 vor 12’-Symbolik dramatisiert, vor allem das Aufeinandertreffen von Kreuz und Schwert zu nennen. Wertend erscheint dabei die Wahl des Schwertes, das eher negativ konnotiert ist, als Symbol für den Islam. Er verdeutlicht eine angenommene Aggressivität des Islams. Diese Darstellung bedarf einer Differenzierung, wenn man eine nicht gewollte Voreingenommenheit des Zuschauers gegenüber dem Islam auf Grund fehlender Zusatzinformationen vermeiden möchte. Die Autoritätszitate von hochrangigen Politikern bekräftigen allerdings noch die Glaubwürdigkeit des Films.

Die nach dem Film beginnende Diskussion lässt sich in drei Abschnitte gliedern. Der erste Abschnitt befasst sich mit dem so genannten Karikaturenstreit[43], der zweite mit dem Konflikt um bzw. mit dem Iran[44] und der letzte nochmals mit der Eskalation des Karikaturenstreites[45] mit dem Sonderaspekt der Geiselnahme zweier Leipziger Ingenieure.

Die Grundsituation für den teilnehmenden Politiker ist eine 5-köpfige Runde, die in einem Halbkreis dem Publikum gegenüber sitzt. Dabei ist eine getrennte Anordnung nach Berufsgruppen zu beobachten (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Grundsituation (eigene Darstellung)

Insgesamt gesehen ist die Sprache der Diskussionsteilnehmer eher einfach gehalten und enthält nur wenige politische Fachbegriffe.

Insbesondere im ersten Abschnitt ist zu beobachten, dass die Moderatorin gezielt an jeden Teilnehmer der Diskussion Fragen stellt. Die Atmosphäre wirkt entspannt und das Thema Meinungsfreiheit verbunden mit den Eskalationen in der islamischen Welt birgt nur wenig Konfliktpotential – man beachte, dass es im ersten Abschnitt keinerlei Zwischenrufe der Diskussionsteilnehmer gibt –, so dass alleine Sabine Christiansen den Dialog vorantreibt. Festzustellen ist dabei, dass sie darauf bedacht ist, offene Fragen zu stellen, ggf. fragt sie später gezielt nach. Auffällig ist, dass Sabine Christiansen in der gesamten Diskussion oftmals mit der „wir“-Form[46] in ihren Fragen arbeitet. Dies verdeutlicht ihren Anspruch, Stellvertreterin des Bürgers zu sein.

Außerdem insistieren ihre Fragen meist eine Einschätzung des Politikers, keine Informationsleistung („Wie war ihr Gefühl?“).[47] Entsprechend fallen die Antworten aus. Es kommen vor allem Meinungen und Einschätzungen zum Ausdruck, die ihre Gültigkeit durch die Autorität des Politikers erhalten. Der Politiker positioniert sich damit gegenüber seinen Kontrahenten. Zur Unterstützung der Meinung dienen durch Kameraeinstellungen hervorgehobene Mimik und Gestik. Begründet werden diese Haltungen häufig mit eigenen Empfindungen oder (auch alltäglichen) Beobachtungen des Politikers.[48] Diese machen ihn zum einen authentischer für den Zuschauer, was eine Vermittlung der Position erleichtert, zum anderen emotionalisieren sie dadurch aber auch die Sendung. Die sehr oft verwendete „ich“ -Form verdeutlicht den Hang zur Personalisierung und verleitet den Zuschauer zur Überbewertung der Person gegenüber den politischen Inhalten. Gesten der Politiker sollen dabei seine persönliche Einsatzbereitschaft des Politikers versinnbildlichen. Besonders deutlich wird dies an dem Beispiel des ersten Beitrags von Ralph Giordano, der gestikulierend und „empört“ gegen die Eskalationen in der islamischen Welt wettert und gleichzeitig die „Modernisierungsblockade“[49] des Islams konstatiert. Dieser Begriff verdeutlicht Schlagworte als Element symbolischer Politikdarstellung.

Typische Sprechakte sind ebenfalls für den Zuschauer nicht nachprüfbare Behauptungen, die der Politiker nicht wissenschaftlich, d.h. durch einen Quellennachweis oder allgemein gültige Argumente, belegt. Diese Thesen werden eher mit weiteren Thesen gestützt. Ebenso werden Spekulationen ins Feld geführt, die u. a. durch Hören-Sagen gerechtfertigt werden. Dafür beispielhaft ist der Beitrag Hans-Christian Ströbeles, der der dänischen Presse vorwirft, anti-muslimisch zu berichten.[50] Der Widersprich folgt prompt durch den Journalisten Ken Olsen, der Ströbele seinerseits vorwirft, einseitig zu lesen.[51]

Aber auch die Experten, die der Sendung Seriosität verleihen sollen, zeichnen sich eher durch persönliche Einschätzungen und klar pointierte Standpunkte aus. Dies bekräftigt vor allem Jürgen Engert, der durch als Plattitüden zu bezeichnende und humorvolle Vergleiche, die allerdings zum Verständnis ein ausgeprägtes Allgemeinwissen erfordern, die Wichtigkeit der Pressefreiheit klarstellt.[52]

Sprachlich auffällig ist außerdem, dass die Politiker Sachverhalte zwar sehr reduziert und einfach darstellen, jedoch recht zweifelhafte Zusammenhänge herstellen.[53] Ebenso sind manche Ausführungen kaum mehr zu verfolgen, da verwirrende Einschübe und Differenzierungen vorgenommen werden.[54]

Die Politiker sind immer darauf bedacht, sich nicht angreifbar zu machen und ihren guten Willen zu zeigen. Das wird dadurch deutlich, dass sie durch allgemeine Leerformeln bzw. Phrasen oder auch Selbstverständlichkeiten, die beim Publikum einen guten Eindruck machen, zu punkten versuchen.[55]

Interessant ist dabei noch die Intention des Politikers für einen Sprechakt. Darüber kann man selbstverständlich meist nur spekulieren, jedoch kann man sagen, dass diese Intentionen von den sachlichen wie die Verteidigung der Meinungsfreiheit über persönliche wie die Darstellung eigener Empfindungen bis hin zu politischen Beweggründen wie die gezielte Selbstdarstellung reichen.

Schließlich ist noch die Reaktion des Publikums interessant. Sie reagieren vor allem auf sehr kontroverse sowie zugespitzte Positionen und bescheinigen einem diese mit Applaus, aber wie im Fall von Friedbert Pflüger applaudieren sie auch für das schlichte Bekenntnis zu Werten sowie für die selbstverständliche Differenzierung zwischen Islamisten und Muslimen.[56]

Das Publikum kann durch Applaus dem Zuschauer signalisieren, was es als gute Einstellung betrachtet, wodurch sich der Meinungsbildungsprozess verändern lässt.

Im ersten Abschnitt sind zwischen den Gästen kaum Interaktionen zu beobachten, so dass ihr Zusammenhalt eher gering ausfällt, jedoch sieht man z.B. daran, dass Friedbert Pflüger den Ausführungen Ralph Giordanos zustimmt, bereits eine Art Blockbildung, deren Intention auch darin liegen kann, die Sympathisanten Giordanos auch auf die Seite Pflügers zu ziehen.

Die beschriebenen Sprechakte im ersten Abschnitt sind exemplarisch für die gesamte Diskussion. Ab dem zweiten Abschnitt gewinnt die Diskussion an Eigendynamik.

Dies beginnt mit der Bitte an Richard Perle um eine Bewertung der Gefahr eines neuen Krieges mit dem Iran.[57] Perle nutzt dies, um gezielt eine durch nichts belegte These aufzustellen, wonach das iranische Atomprogramm ein Kernwaffenprogramm sei. Damit möchte er zum einen die Diffamierung des politischen Gegners, die erfolgen kann, falls sich keine Gegenstimme hegt, erreichen und sucht zum anderen die Konfrontation mit anderen Diskussionsteilnehmern.[58]

Gegen seine These erfolgt von zweierlei Seite - Ströbele und Giordano - Widerspruch.[59] Diese Zwischenrufe treten im Laufe der Sendung noch weit häufiger auf. Sie sind eine Möglichkeit der Politiker sich in das Gedächtnis der Zuschauer zurückzurufen. Hierdurch werden zwar das Verlaufsschema sowie die Sachdiskussion unterbrochen, jedoch suggerieren diese Konflikte Spontaneität und erzeugen Spannung. Die Teilnehmer gehen dabei wesentlich stärker als vorher aufeinander ein. Gleichzeitig kommt zu einer Polarisierung zwischen den verschiedenen politischen Strömungen. Exemplarisch kommt es dabei dazu, dass Christiansen die Kontrolle über die Diskussion verliert und die Initiative von den Diskussionsteilnehmern ausgeht.

Gleichzeitig ist auffällig, dass Christiansen Fragen stellt, deren Antwort absehbar ist. So bietet sie z.B. Ralph Giordano gezielt die Bühne zur Positionierung eines Juden gegenüber dem Iran.[60] Dieser nutzt die Gelegenheit zu einer beeinflussenden Kommunikation und wendet dabei dramatisierende Elemente an.[61] Dabei versucht sie den Verlauf der Diskussion zu lenken, indem sie als Korrektiv agierend den Blick der Teilnehmer auf einzelne Aspekte leitet.[62]

Auffällig ist bei Äußerungen Christian Ströbeles, dass er bekannte parteipolitische Programmpunkte einfügt, und sich somit auch gegenüber der eigenen Klientel profilieren kann. Gleiches gilt für einen Vergleich Junkies betreffend.[63]

Eine weitere Strategie, die deutlich wird, ist die Emotionalisierung der Zuschauer gegenüber dem politischen Gegner, indem man z.B. an empfindlichen Stellen der Gesellschaft – wie z.B. am Verhältnis Deutschlands zu Israel – ansetzt und den politischen Gegner damit konfrontiert.[64]

Sprachlich auffällig sind bis zum Ende der Diskussion vor allem kontrovers zugespitzte Formulierungen, Werturteile, direkte Angriffe auf den politischen Gegner sowie Übertreibungen.

Fachlich verbleiben die Diskussionsteilnehmer bei ihrem Hang zur Trivialisierung, versuchen allerdings Zusammenhänge oberflächlich zu erläutern. Bezug wird nun u. a. auf internationale Vertragswerke genommen[65], deren Kenntnis z. T. zum Verständnis der Ausführungen notwendig ist. Dies erfordert einen relativ hohen Politisierungsgrad. Behauptungen werden weiterhin weitestgehend mit eigenen Einschätzungen untermauert.

Die Höhepunkte der Diskussion sind dadurch gekennzeichnet, dass sie ein Höchstmaß an Zusammenhalt der Diskussionsteilnehmer suggerieren[66] und damit meist den Höhepunkt eines Konfliktes oder eines persönlichen Dialoges bilden. Wendepunkte sind mit einem thematischen Wechsel verbunden, der von der Moderatorin ausgeht, so dass die thematische Entfaltung von ihr ausgeht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es blieben beim ersten Sehen vor allem Nirumands, Giordanos und Ströbeles Äußerungen im Gedächtnis. Im Hinblick auf die Grafik verdeutlicht dies, dass Aufmerksamkeit nicht unbedingt von der Gesamtredezeit abhängt und dass verschiedene Strategien zum Erfolg führen können. Eine erhöhte Anzahl von Zwischenrufen scheint hilfreich zu sein, um auf sich aufmerksam zu machen.

Bemerkenswert ist noch Pflügers Äußerung zum freien Berlin (M8, Z. 514) sowie sein Lob an deutsche Muslime als CDU-Bürgermeisterkandidat im toleranten Berlin.

Zum Schluss wird die Diskussion hektischer und von Christiansen beschleunigt, um auf Grund der beschränkten Sendezeit zum Ende zukommen.[67] Schließlich beobachtet der Zuschauer angeregte Gespräche zwischen den Teilnehmern.

Der aufgezeigte Dialogverlauf mit seinen rhetorischen Elementen erscheint typisch für eine Folge von „Sabine Christiansen“. Auffällig ist, dass die Kernfrage kaum Antwort fand.

5.2.3 Vermittlungsleistung

Die Vermittlungsleistung der Sendung „Sabine Christiansen“ ist in verschiedenen Bereichen unterschiedlich ausgeprägt.

Auf dem Gebiet der Fachpolitik erscheint folgendes Zitat Christiansens bezeichnend:

„[…] die Gründe sind zu vielfältig, als dass man sie hier ausführen könnte.“[68]

Entsprechend überblicksartig fällt auch die Vermittlung von Fakten – in der Tat werden die meisten durch den Film aufgeführt – und politischen Zusammenhängen aus, obwohl viele relevante Aspekte der Thematik genannt wurden.

Vielmehr bietet die Sendung der Selbstdarstellung der Teilnehmer Platz. Eigene Einschätzungen und Positionen werden herausgestellt. Besonders deutlich wird dies auch bei Bekenntnissen zu diversen Wertvorstellungen und Weltanschauungen. Ebenso finden parteiideologische Ansätze ihren Weg in die Diskussion.

Außerdem werden durch die angesprochene Polarisierung politische Konfliktlinien besonders deutlich.

5.3 Auswirkungen auf die Meinungsbildung

Die Auswirkungen auf die Meinungsbildung der Diskussion selbst sind als eher gering einzuschätzen. Auf Grund der kaum stattfindenden Vermittlung von Fakten kann man davon ausgehen, dass eine kognitiv fundierte Einstellungsänderung der Rezipienten nicht möglich ist. Vielmehr kann sie durch die emotionalisierenden Elemente und durch die wirkende Autorität der Politiker affektiv fundiert sein. Diese ist von nur kurzer Dauer. Dies belegt auch das mediale Beispiel der TV-Duelle zu den Bundestagswahlen 2002. Beim ebenfalls stark mediatisierten TV-Duell, das dem Polittalk artverwandt ist, vom 08.09.2002 punktet Schröder vor allem im persönlichen Bereich und stützt u. a. darauf seinen Vorsprung vor dem Herausforderer Stoiber. In der politischen Stimmung gewinnt die SPD daraufhin sprunghaft, während sie in den gewichteten Umfragen nur leicht hinzugewinnt. Zur Bundestagswahl hin gleicht sich dieses Hoch allerdings wieder aus, so dass man von einer kurzzeitigen affektiv fundierten Einstellungsänderung ausgehen muss.

Im Falle der hier untersuchten Folge ließ die Aktualität der Themen Iran und der Eskalation im Karikaturenstreit die Zuschauerzahl auf 5,07 Millionen Menschen steigen. Dies entsprach am 05. Februar einem Marktanteil von 16 %. Dieses riesige Potential kann allerdings von den Politikern nicht voll ausgeschöpft werden, da die Zuschauer mit einer vorher geformten Meinung in die Diskussion gehen und bei der Vielzahl der Meinungen, die in der Sendung vertreten werden, findet der einzelne seine Meinung gewiss wieder und fühlt sich bestärkt.

Viel effektvoller wirkt die Nachberichterstattung auf die öffentliche Meinung.

Die für einen Polit-Talk einmaligen Zuschauerzahlen regen die Journalisten an, über die Sendung zu berichten. Damit diskutieren am nächsten Tag die Bürger weiter über die Thematik der Sendung, womit ein Traum der Produzenten von Polittalks in Erfüllung geht. Aber auch die Positionierungen und Auftritte der Politiker werden in seriösen Online-Zeitungen wie SPIEGEL ONLINE aufgewertet und können nachhaltig wirken. Dies bezeichnet man als Multiplikatoreffekt.

5.4 Politischer Nutzen

Die Politik kann Talkshows dazu nutzen, politische Kernaussagen zu vermitteln.

Für eine längerfristige Wählerbindung ist die Sendung nicht geeignet, da lediglich affektiv fundierte Einstellungsänderungen möglich sind. Eine kurzfristige Stimmung kann allerdings erzeugt werden.

Zur Selbstdarstellung kann der Politiker die Sendung dagegen voll nutzen. Er kann den Rezipienten seine Wertvorstellungen und Einschätzungen vermitteln. Gerade ein weitestgehend unbekannter Politiker wie Friedbert Pflüger nutzte diese in der untersuchten Folge und konnte stark emotionalisieren. Er profilierte sich durch vermutlich nicht zufällig gewählte Hinweise auf Berlin, dessen Bürgermeister er werden möchte.Zudemoffenbarte der wertebewusst auftretende Politiker untypische Toleranz und Offenheit gegenüber deutschen Muslimen, welche in Berlin zum guten Ton gehören.

Man kann zu dem Schluss kommen, dass die Sendung insbesondere dazu genutzt wird, die eigene Klientel in ihrer Meinung zu bestärken, da dies entsprechend einfacher ist als eine Einstellungsänderung bei neutralen Rezipienten. Dazu dienen vor allem parteiideologische Äußerungen oder für die jeweilige politische Gruppe typische Haltungen.

Außerdem kann es dem jeweiligen Politiker gelingen, seine Meinung gegenüber dem Kontrahenten abzugrenzen. Dies ist vor allem im Zuge der Annäherung der politischen Programme an die öffentliche Meinung vorteilhaft, um das eigene Profil zu schärfen.

Ein weiteres Ziel, entpolitisierte Menschen wieder zu erreichen und insbesondere junge Menschen für Politik zu begeistern, erreicht die Politik nicht. Obwohl unterhaltende Elemente, die auch von den Politikern genutzt werden, die Diskussion für diese Menschen zugänglicher machen, sind nur 3,2 % aller Zuschauer unter 30 Jahren alt. Auch die Arbeiter machen nur 6,2 % der Zuschauer aus. Dagegen sind vor allem eher traditionell politisierte Gruppen wie die Über-50-Jährigen (83,4 %) stark vertreten. Ebenso erreicht Christiansen bei Akademikern einen hohen Marktanteil.

6 Schlussbetrachtung

6.1 Anspruch und Wirklichkeit bei Sabine Christiansen

Unter Bezugnahme auf die in III.2 festgestellten Ansprüche Christiansen soll nun deren Verwirklichung bewertet werden. Zwar wird bei „Sabine Christiansen“ überwiegend mit für jeden verständlichen Sätzen diskutiert, jedoch basiert dies eher auf der Reduzierung der komplexen Zusammenhänge, die dadurch in ihrer Gesamtheit vom Rezipienten nicht richtig erfasst werden können. Die politische Neutralität Christiansens lässt sich durch die Analyseergebnisse nicht bestreiten, jedoch zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass Christiansen gezielt Fragen stellt, um eine Konfrontation herbeizuschaffen. Gleichzeitig kommt es nicht zu einer Vermittlungsleistung ihrerseits hin zu mehr Einigkeit der Teilnehmer, womit sie sich weniger als Vermittlerin, sondern vielmehr als Polarisiererin auszeichnet, was auch die Gästeauswahl bestätigt. An der untersuchten Folge wird ebenfalls klar, dass die Gäste keinesfalls aus allen Bereichen der Gesellschaft kommen. In der untersuchten Folge sind zwei Berufsgruppen vertreten. Es kommen zweifellos auch Gäste aus dem Ausland. Die Teilnehmer ermöglichen durchaus eine umfassende Information des Zuschauers. Es werden auch sehr viele thematische Aspekte angesprochen, jedoch wäre es unangemessen von einer Erörterung zu sprechen. Dazu werden zu viele Behauptungen aufgestellt, die unbegründet bleiben. Es wird eine zu geringe Informations- und Argumentationsleistung erbracht. Als Stellvertreterin des Bürgers ist Christiansen ebenfalls nicht zu bezeichnen. Zwar betont sie durch die „wir“-Form ihre Betroffenheit und Verbundenheit mit dem Bürger, und zudem werden sicherlich Bereiche angesprochen, die für den Bürger interessant sind (z. B. ein möglicher Ölpreisschock), jedoch kann es nicht im Interesse des Bürgers liegen, wenn kaum stichfeste Informationen für eine Meinungsbildung vermittelt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sabine Christiansen in Teilaspekten ihre Ziele erreicht, jedoch im Großen und Ganzen ihr Anspruch der Wirklichkeit ihrer Sendung und deren Wirkung nicht entspricht.

6.2 Fazit

Der Vermittlungsprozess bei „Sabine Christiansen“ basiert auf einem relativ geringen Informationsgehalt und bezieht Elemente der symbolischen Politikdarstellung mit ein, so dass er in erster Linie durch die Vermittlung von Kernpositionen und der Darstellung der Persönlichkeit des Politikers bzw. Experten geprägt wird. Folglich ist eine Meinungsbildung anhand inhaltlicher Tatbestände kaum möglich, so dass eine nachhaltige kognitiv fundierte Neupositionierung der Rezipienten auszuschließen ist. Vielmehr lernen sie die politischen Kernaussagen und Konfliktlinien sowie die politischen Akteure kennen. Die Vermittlungsleistung ist also in erster Linie eine Orientierungshilfe.

Die politische Bedeutung von „Sabine Christiansen“ liegt vor allem in der Positionierung des Teilnehmers gegenüber dem politischen Gegner. Auf Grund der hohen Einschaltquoten können die vertretenden Politiker ein Massenpublikum erreichen und sich gegenüber diesem profilieren und bekannt machen.

Auf Grund des relativ kleinen Einflusses auf die Meinungsbildung erscheint die gesellschaftliche Bedeutung von „Sabine Christiansen“ zunächst gering, jedoch erfährt die Sendung auf Grund der hohen Einschaltquoten einen Multiplikatoreffekt in der folgenden Nachberichterstattung der montäglichen Print- und Onlinemedien.

6.3 Stellungnahme und Ausblick

Sabine Christiansen verkörpert eine Bewegung in den Medien zur Darstellung politischer Themen, die sowohl Gefahren als auch Möglichkeiten bietet. Diese findet vor allem Ausdruck in der vereinfachten Darstellung der Politik sowie in der Selbstdarstellung der Politiker. Hierbei liegen die Gefahren vor allem darin, dass sich vereinfachte Sachverhalte vor allem durch Unvollständigkeit auszeichnen und dadurch sehr verallgemeinernde und stereotype Schlüsse zulassen. Gleichzeitig lenkt der Hang der Diskussionsteilnehmer zur Selbstdarstellung vom eigentlichen politischen Geschehen ab. Allerdings liegen darin auch Chancen. Gerade im Hinblick auf die Politikverdrossenheit kann ein derartiges Unterhaltungsformat die Menschen wieder dazu bewegen, sich für Politik zu interessieren. Dafür spricht auch die Orientierungsleistung, die die Sendung erbringt.

Daher ist davon abzuraten, Sendungen wie „Sabine Christiansen“ zu verteufeln, jedoch ist es notwendig, dass gerade eine Sendung wie „Sabine Christiansen“, die ein unglaubliches Quotenpotential besitzt, wiederum zur Avantgarde avanciert und eine umfassendere Information des Bürgers anstrebt. Denn gerade eine umfassendere Information trägt dazu bei, dass die Menschen ein vollständiges Meinungsbild erlangen. Dies kann zum Abbau von Stereotypen und Vorurteilen führen. Gleichzeitig vermindert es den Zwang für die Politik, eine symbolische Politikdarstellung zu betreiben, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Allerdings ist dies sicherlich im Hinblick auf die Zwänge der Kommerzialisierung eine Utopie und vermutlich würde dies auch den Zeitrahmen sprengen, so dass das in VI.2.c angebrachte Zitat durchaus zweierlei aufzeigt: zum einen die überblicksartige Darstellung der Inhalte und zum anderen den Zeitdruck, dem die Sendung unterliegt.

Diese Facharbeit beschäftigte sich in zwei Teilen, zunächst allgemein und dann speziell anhand einer Folge „Sabine Christiansen“, mit der Politikvermittlung in der Mediengesellschaft, insbesondere mit dem Polittalk, und deren mögliche Auswirkungen auf die Meinungsbildung.

Die Ergebnisse der Dialoganalyse mögen zu pauschal wirken, auch da auf Grund des gesetzten Rahmens nicht jede einzelne Auffälligkeit aufgezählt werden konnte, jedoch ist anzunehmen, dass die aufgezeigten Elemente exemplarisch für alle Folgen sind. Über die Relevanz von einzelnen Aspekten der Dialoganalyse lässt sich möglicherweise streiten, ebenso wie über die Wichtigkeit der Zwischenrufe für den Dialog, über die nur spekuliert werden konnte. Die Schlüsse, die im Hinblick auf die Politikvermittlung und die Meinungsbildung gezogen habe, sind plausibel und basieren zudem auch auf den Erkenntnissen aus der Sekundärliteratur. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass noch mehr Informationen, die noch weiter in Tiefe geführt und weitere Aspekte der Problemstellung aufgezeigt hätten, vorhanden gewesen wären. Gleiches gilt für die Materialien zu den Einschaltquoten und den TV-Duellen, deren Aussagekraft auf Grund fehlender Differenzierungen nicht absolut festgelegt werden kann. Daher ist ihr Einfluss auf die Arbeit bewusst niedrig gehalten worden.

Zum Abschluss dieser Ausarbeitung soll zu weiteren auf diesem Themengebiet angeregt werden. Denkbar wären solche, deren Thematik z.B. mit einer Untersuchung von Wahlkämpfen einen anderen Schwerpunkt erhielte.

7 Glossar

Vierte Gewalt gründet als Begriff neben den drei staatlichen Gewalten auf der Annahme, dass die Medien eine gesellschaftliche Kontrollfunktion wahrnehmen.

Agenda-Setting beschreibt eine Medienwirkung: In den Medien diskutierte Themen werden von den Rezipienten als wichtig empfunden und gelangen so auch auf die politische und gesellschaftliche Tagesordnung.

Visualisierung beschreibt den zunehmenden Einsatz von Bildern bei der Politikvermittlung.

Trivialisierung beschreibt die Vereinfachung und Reduzierung politischer Inhalte.

Kommerzialisierung beschreibt die zunehmende Ausrichtung der medialen Sendeinhalte nach Zuschauerinteresse und Quoten nach der Dualisierung.

Personalisierung geht davon aus, dass die persönlichen Eigenschaften eines Kandidaten die (Wahl-)Entscheidung beeinflussen können. Im Zuge dessen werden die handelnden Akteure in dem Mittelpunkt gestellt.

Politikverdrossenheit bezeichnet eine allgemeine Unzufriedenheit der Bürger mit politischen Akteuren und Entscheidungen. Folge ist eine zurückgehende Beteiligung der Bürger am politischen Diskurs. Jüngstes Beispiel ist die Landratswahl im Kreis Steinburg vom 05.03.06 (14,1 % Wahlbeteiligung).

Inszenierung ist ein Akt politischer Darstellung, bei dem politische Ereignisse nur für die Medien gemacht werden.

Symbolische Politik umfasst Handlungen, die gesellschaftliche Vorgänge reduzieren und den Rezipienten Orientierung ermöglichen.

Mediatisierung bedeutet für die Politiker, sich strikt an die von den Medien vorgegebenen Rahmenbedingungen zu orientieren.

8 Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/unterhaltung/index,page=1253650.html (Stand: 23.03.06).

[2] http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/index,page=1128808.html (Stand: 23.03.06).

[3] Hoffmann, S. 437.

[4] http://www.sabine-christiansen.de/c_inside.html (Stand: 23.03.06)

[5] http://www.sabine-christiansen.de/c_standpunkt07.html (Stand: 23.03.06)

[6] http://www.sabine-christiansen.de/c_standpunkt06.html (Stand: 23.03.06).

[7] http://www.sabine-christiansen.de/c_inside.html (Stand: 23.03.06).

[8] Seifert, S.5, S. 27f.

[9] Seifert, S. 6.

[10] Seifert, S. 8.

[11] Seifert, S. 9, S. 13f.

[12] Seifert, S. 12.

[13] Seifert, S. 14, S. 16f.

[14] Kaase, S. 50.

[15] Seifert, S. 20, S. 22, S. 40.

[16] Seifert, S. 29-32.

[17] Seifert, S. 41.

[18] Seifert, S. 45.

[19] Seifert, S. 37-40; Sarcinelli 2004, S. 10f.

[20] Seifert, S. 41-45.

[21] Seifert, S. 13.

[22] Seifert, S. 61-64.

[23] Seifert, S. 103.

[24] Seifert, S. 67-69.

[25] Seifert, S. 65f., S. 72f., S. 76f.; Bußkamp, S. 19.

[26] Seifert, S. 70f.; Sarcinelli 2004, S. 12; Machnig, S. 20f.

[27] Seifert, S. 18f.

[28] Seifert, S.88ff.; Machnig, S.25

[29] Machnig, S. 22, S. 24; Arlt, S. 102f.

[30] Sarcinelli 1998, S. 11.

[31] Machnig, S. 20 ; Bruns,S. 34.

[32] Seifert S. 86f., Machnig, S. 19ff., S. 24f.; Arlt,S. 102f., S. 105ff.

[33] Machnig, S. 24f.; Bruns, S. 33, S. 36; Bußkamp, S. 35f.

[34] Sarcinelli 2004, S. 12; Machnig, S. 21.

[35] Fröhlich, 2004, S. 61.

[36] Kaase, S. 36, S. 49.

[37] Kaase, S. 49; Jarren, S. 87, S. 92f.

[38] Tenscher, S. 186, S. 189; Bußkamp, S.28f., S. 36.

[39] Tenscher, S. 201; Hasebrink, S. 366.

[40] Antwort des Büros von Michael Sommer per E-Mail am 01.03.06.

[41] Krumbach-Hallbach 2004, S. 40f., S. 105f., S. 290; Dörner / Vogt, S. 43f.

[42] Dörner / Vogt, S. 44ff.

[43] Transcript, Z. 35 – 183 (Belege sind exemplarisch gewählt).

[44] Transcript, Z. 184 – 490.

[45] Transcript, Z. 491 – 611.

[46] Transcript, Z. 45.

[47] Transcript, Z. 106.

[48] Transcript, Z. 111.

[49] Transcript, Z. 76.

[50] Transcript, Z. 128ff.

[51] Transcript, Z. 135f.

[52] Transcript, Z. 153ff.

[53] Transcript, Z. 55f.

[54] Transcript, Z. 107 – 126.

[55] Transcript, Z. 93f.

[56] Transcript, Z. 96ff.

[57] Transcript, Z. 184ff.

[58] Transcript, Z. 191f.

[59] Transcript, Z. 197f.

[60] Transcript, Z. 224f.

[61] Transcript, Z. 227ff.

[62] Transcript, Z. 418ff.

[63] Transcript, Z. 245ff.

[64] Transcript, Z. 296f.

[65] Transcript, Z. 350.

[66] Transcript, Z. 534ff.

[67] Transcript, Z. 596.

[68] Transcript, Z. 530f.

Details

Seiten
28
Jahr
2006
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138451
Note
15 Punkte
Schlagworte
politik unterhaltungsformat eine untersuchung polittalksendung sabine christiansen

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Titel: Politik im Unterhaltungsformat. Eine Untersuchung der Polittalksendung "Sabine Christiansen"