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Familien in Armut

Hausarbeit 2008 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen von Armut – Ein Überblick
2.1 Was ist Armut?
2.2 Der Ressourcenansatz
2.3 Armutsgrenzen
2.4 Kritische Betrachtungen der Sozialhilfestatistik
2.5 Der Lebenslagenansatz

3 Familie und Armut im Wandel der Zeit
3.1 Familien heute
3.2 Familien als Risikogruppe
3.3 Ursachen der Verarmung
3.4 Folgen

4 Lösungsansätze
4.1 Sozialpädagogische Familienhilfe – Eine Antwort der Sozialen Arbeit
4.2 Maßnahmen und Ziele der Bundesregierung

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Denkt man heutzutage an den Begriff Armut verlieren sich die Gedanken sehr schnell in Richtung der Dritten Welt. Assoziiert wird das Bild kranker Kinder und älteren unterernährten Menschen mit verzweifeltem Gesichtsausdruck, welche aus Sicht unseres Industrielandes in unzumutbaren Umständen leben.

Armut stellt jedoch nicht nur in Entwicklungsländern ein aktuelles Problem dar, sondern ist, wie die vorliegende Arbeit darstellen wird, auch in Deutschland ein ernst zu nehmendes Brennpunktthema (vgl. Kamensky et al. 2000, S. 12).

Zum Einen soll dieses Problem mit dieser Arbeit aufgegriffen und grundlegend dargestellt, und zum Anderen nach dem Verständnis von „Armut“ und „Familien“ Heute gefragt werden. Zunächst werden daher die Begriffe, welche das Thema Armut begleiten, grundlegend definiert und erläutert. Desweiteren beschäftigt sich diese Arbeit mit dem sozialen Wandel und der Frage Warum Familien eine Risikogruppe für Armut darstellen. Anschließend wird auf Ursachen und Folgen von Familien in Armutssituationen eingegangen. Dabei soll sowohl ein möglicher Lösungsansatz der Sozialen Arbeit, als auch Maßnahmen der Bundesregierung aufgezeigt werden. Abschließend folgt eine Zusammenfassung im Fazit.

2 Definitionen von Armut – Ein Überblick

2.1 Was ist Armut?

Zu Beginn soll gezeigt werden, dass Armut ein weitreichender, seit Mitte der 70er Jahre wieder viel diskutierter Begriff ist und nicht alle in Armut lebenden Menschen das gleiche Schicksal teilen (vgl. Deutsches Jugendinstitut 1988, S. 251).

In einem reichen Land wie Deutschland klingt der Begriff Armut vorerst ungewöhnlich, jedoch nehmen nach Auffassung von R. Geißler die armen Bevölkerungsgruppen der Bundesrepublik bereits Platz Zwei der wichtigsten randständig Lebenden ein. Randständig zu leben bezieht sich hier auf ein Leben am Rande der Gesellschaft, desintegriert von der Kerngesellschaft, da randständig Lebende einer erheblichen Benachteiligung in ihrer Sozialen Situation ausgesetzt sind. Nicht immer betrifft es ganze Lebensspannen, gemeint sind häufig vorrübergehende Lebensabschnitte, welche u.a. von Armen, Obdachlosen und Langzeitarbeitslosen mit einer extremen Unterversorgung im sozio-ökonomischen Bereich geführt werden. An eine Beeinträchtigung, bspw. im ökonomischen Bereich, kann sich eine Reihe von Folgeproblemen anschließen, worauf unter Punkt 3.3 dieser Arbeit näher eingegangen werden soll (vgl. Geißler 2006, S. 201).

R. Geißler spricht von einer ‚Marginalisierung‘ dieser sog. Randschichten, d.h. es besteht ein sozialpolitisches Problem, welches seiner Ansicht nach durch mangelnde Integration der Randschichten in die Kerngesellschaft verursacht wird. Ein Mangel an Integration bedeutet, dass Arme zunehmend vom Lebensstandard der Mehrheit abgekoppelt werden (vgl. Geißler 2006, S. 201 ff).

Eine einheitliche Definition von Armut gibt es bislang nicht. In Fachdiskussionen herrschen verschiedene individuelle Meinungen in der Beurteilung von Lebenssituationen der sich in Armut befindlichen Menschen. Einigkeit herrscht unter Fachleuten lediglich über 3 Aspekte der Armut:

1. Armut in der Bundesrepublik ist keine absolute, sondern eine relative Armut. Absolute Armut beschränkt sich dabei auf nur einen Versorgungsmangel wogegen relative Armut immer in Beziehungen verstanden werden muss.
2. Armut stellt eine interkulturell und historisch relative Erscheinung dar, d.h. zum einen kann Armut in der Dritten Welt nicht verglichen werden mit dem Schicksal armer Menschen in modernen westlichen Industrieländern und zum anderen ist Armut Zeitabhängig. Demnach ist die Armut der Nachkriegszeit nicht identisch mit der heutigen Armut.
3. Armut ist mehrdimensional zu verstehen. D.h. das sich, wie oben bereits kurz genannt, Folgeprobleme aus der Unterversorgung in nur einem Bereich (bspw. finanzielle Probleme einer Familie) entwickeln können, welche dann Einfluss auf weitere soziale, kulturelle und psychische Bereiche des Lebens nehmen (vgl. Geißler 2006, S. 201 f.).

Da diese oben angeführten allgemeinen Aspekte nicht ausreichen um den Begriff Armut zu charakterisieren und eine Grenze zwischen Armut und Nicht-Armut ziehen zu können wird im Folgenden auf weitere Ansätze und Grenzen eingegangen (vgl. Hradil 2001, S. 243).

2.2 Der Ressourcenansatz

Der Ressourcenansatz bezieht sich auf die wirtschaftliche Betrachtung von Armut, genauer liegen ihm die regelmäßig verfügbaren Haushaltseinkommen zugrunde, daher wird hierbei auch von Einkommensarmut gesprochen. Um diese Einkommensarmut darstellen zu können, wird anhand ökonomischer Kriterien die Einkommenssituation von Haushalten bestimmt (vgl. Geißler 2006, S. 202 f.).

S. Hradil verdeutlicht diesen Aspekt mit einer Ressourcendefinition, „[…] welche davon ausgeht, dass Armut dann vorliegt, wenn keine ausreichenden Hilfsmittel des Handelns, wenn insbesondere zu geringe Geldmittel vorhanden sind.“ (Hradil 2001, S. 243)

Der Ressourcenansatz gilt als vergleichsweise einfach, da er ein Problem beinhaltet, welches anhand eines vom Autor fiktiv gewählten Beispiels verdeutlicht werden soll.

Eine Beschränkung auf die finanziellen Mittel würde bedeuten – kehrt man die oben genannte Definition ins negative – das eine Familie mit ausreichenden Geldmitteln nicht als arm gelten würde, selbst wenn der süchtige Vater diese Geldmittel weitgehend im Casino verspielen würde und dadurch für die gesamte Familie, trotz ausreichendem Einkommen, eine Unterversorgung in allen anderen Lebensbereichen entstehen würde. Aufbauend auf die Einkommensarmut wird im nächsten Punkt ein weiteres Messinstrument, die relative Einkommensarmut, vorgestellt (vgl. Hradil 2001, S. 243 sowie vgl. Geißler 2006, S. 203).

2.3 Armutsgrenzen

Die relative Einkommensarmut zieht Armutsgrenzen, welche sich auf den relativen Abstand der Durchschnittseinkommen von Haushalten beziehen. Grundsätzlich sind 3 Armutsgrenzen zu unterschieden:

- 40% - Grenze: wird auch als strenge Armut bezeichnet,
- 50% - Grenze: stellt die eigentliche Armutsschwelle dar,
- 60% - Grenze: werden auch als Niedrigeinkommensbezieher bezeichnet und dient dem Vergleich innerhalb der EU (vgl. Geißler 2006, S. 203; vgl. Kamensky et al. 2000, S. 13 sowie vgl. Hradil 2001, S. 246).

Knapp über der 40% - Grenze befindet sich die politisch festgesetzte Sozialhilfegrenze. Aus Sicht der Politik ergibt sich daraus der soziokulturelle Mindestbedarf. Dieser Mindestbedarf soll ein menschenwürdiges Leben gewährleisten, wenn Personen oder ganze Familien nicht mehr in der Lage sind, das Existenzminimum aus eigener Kraft zu erbringen. R. Geißler stellt dabei in seinen Ausführungen über die Entwicklung der Armut heraus, dass seit den 70er Jahren ein dramatischer Anstieg der Anzahl der Sozialhilfeempfänger zu verzeichnen ist. In Zahlen wird diese dramatische Entwicklung noch deutlicher (vgl. Geißler 2006, S. 203).

Im Jahr 1969 wurde aufgrund des Wirtschaftswachstums, der Verbesserung der Arbeitslage und der Wohlstandssteigerung der Tiefstand der Empfänger laufender Hilfe zum Lebensunterhalt von 510.000 Betroffenen verzeichnet. 1982 wurde die Millionengrenze und im Jahr 1992 die Zweimillionengrenze überschritten bis hin zum Höchststand von 2,51 Millionen Sozialhilfeempfängern im Jahr 1997. Zusammengefasst stellt das eine Vervierfachung der Sozialhilfeempfänger in drei Jahrzehnten dar (vgl. ebd.). Die Ergebnisse der Sozialhilfestatistik werden im Folgenden kurz kritisch betrachtet.

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Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640489282
ISBN (Buch)
9783640489183
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139074
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,0
Schlagworte
Familien Armut

Autor

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Titel: Familien in Armut