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Symbolischer Interaktionismus

George Herbert Mead

Hausarbeit 2008 14 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Person: George Herbert Mead

3 Symbolischer Interaktionismus
3.1 Wissenschaftliche und philosophische Einflüsse
3.2 Meads Ausgangspunkt

4 Meads Grundgedanken und seine Kernbegriffe
4.1 Handeln als symbolisch vermittelte Interaktion
4.2 Persönlichkeitsentwicklung
4.3 Identitätsbildung
4.4 Rollenübernahme

5 Weiterentwicklung und Kritik

6 Schlussfolgerung

7 Literatur

1 Einleitung

Die Inspiration für diese Hausarbeit bekam ich im Zuge eines Seminar mit dem Titel „Culture and Self“, indem unterschiedliche Interpretationsansätze vorgestellt wurden, wie die Entwicklung unseres „Selbst“ in Verbindung mit Kultur vonstatten gehen könnte. Zurückblicken hat besonders die Theorie von George Herbert Mead mein Interesse geweckt. Sein Gedanken der symbolisch vermittelten Interaktion, die das Handeln des Individuums zum Mittelpunkt macht, sehen ich als anregenden Ansatz. Beim Symbolischen Interaktionismus wird die Entwicklung des Selbst durch das Zusammenleben und Kommunizieren mit seinen Mitmenschen geprägt und geformt. Dabei soll der Mensch nicht nur soziokulturelle Werte und Normen verinnerlichen, sondern sich auch seiner Originalität, seiner Besonderheit gegenüber der restlichen Umwelt bewusst werden. Er soll zu einem handlungsfähigen und selbstständigen Individuum heranwachsen.

Es gibt einige wichtige Soziologen, die sich mit der Handlungstheorie des Symbolischen Interaktionismus befasst haben. Da die Vielfalt an interessanten Ansichtspunkten und Analysen zu dieser Thematik den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, habe ich mich auf die Gedanken des „Urvaters“ des Symbolischen Interaktionismus begrenzt. Auf Grundlage der Theorie Meads’ sollen nun die Hauptgedanken und Kernbegriffe des Symbolischen Interaktionismus herausgearbeitet werden.

Im ersten Abschnitt dieser wissenschaftlichen Arbeit wird kurz auf die Biografie von George Herbert Mead eingegangen, damit ein umfassendes Bild des Kontextes geschaffen werden kann. Das zweiten Kapitel befasst sich mit allgemeinen Gedanken zum Symbolischen Interaktionismus und ihren wichtigsten Vertretern. Zudem werden die wissenschaftlichen und philosophischen Einflüsse der damaligen Zeit auf Meads Theorie erläutert. Inhaltlich folgt die Auseinandersetzung mit Meads Ausgangspunkt, wobei dem Mensch eine Sonderstellung eingeräumt wird.

Das nächste Kapitel stellt den Schwerpunkt dieser Hausarbeit dar und beschäftigt sich mit den Grundgedanken Meads zum Symbolischen Interaktionismus. Dabei erläutere ich vor allem seine Kernbegriffe auf die sich seine Theorie aufbaut. In jeweils kurzen Abschnitten wird auf das Handeln als symbolisch vermittelte Interaktion, die Persönlichkeitsentwicklung, die Identitätsbildung und das Konzept der Rollenübernahme eingegangen.

Der symbolische Interaktionismus ist in der Soziologie nicht unumstritten. Dennoch hat er für weitere Diskussionen, Entwicklungen und Disziplinen eine fundamentale Bedeutung gehab. Die Weiterentwicklung und Auswirkungen auf anderer Theorien sollen der Inhalt des letzten Kapitels dieser Arbeit gestalten. Außerdem werde ich auf einige Kritikpunkte an Meads Theorie eingehen und diese erörtern.

Abschließend werden die erarbeiteten Aspekte in einem Fazit bewertet.

2 Zur Person: George Herbert Mead

George Herbert Mead wurde 1863 in Massachusetts geboren und starb 68 Jahre später in Chicago. Er war Sozialpsychologe, Pädagoge, Sozialphilosoph und Vertreter des amerikanischen Pragmatismus. Während seiner Jugend studierte er an verschiedenen Universitäten in Europa und den Vereinigten Staaten. Ab 1984 gehörte er zu den lehrenden Professoren an der Universität von Chicago, wo sich damals das Zentrum für Soziologie befand.[1]

Seine Ideen äußerte Mead in seinen Vorlesungen über Sozialpsychologie, die die Grundlage für sein komplexes Gedankengebäude bildeten, und obwohl Mead ein bedeutender Pragmatiker war, schaffte er es nicht, seine Gedanken und Forschungsergebnisse in schriftlicher systematischer Form festzuhalten. Diese Zurückhaltung hatte zur Folge, dass Mead zu seinen Lebzeiten kein Buch publizierte, sondern nur Aufsätze. 1934 veröffentlichte Charles W. Morris auf Basis von Vorlesungsmitschriften von Studierenden und unveröffentlichten Manuskripten das bedeutsame Werk Mind, Self and Society from the Standpoint of a Social Behaviorist, welches einen guten Einblick in Meads Gedankenwelt bietet.[2]

Mead gilt als der „Urvater“ der Sozialtheorie, die menschliches Verhalten als symbolisch vermittelte Interaktion auffasst und aus diesem Prozess der symbolischen vermittelten Interaktion auch die Entstehung von Bewusstsein, Individuum und Gesellschaft erklärt. Der sogenannte Symbolische Interaktionismus.[3]

3 Symbolischer Interaktionismus

Hinter dem symbolischen Interaktionismus verbirgt sich eine soziologische Mikrotheorie , die sich mit der Interaktion zwischen Personen beschäftigt. Es handelt sich um eine Handlungstheorie, die auf dem Leitgedanken basiert, dass die Bedeutung von sozialen Objekten, Situationen und Beziehungen im symbolisch vermittelten Prozess der Interaktion bzw. Kommunikation produziert wird. Die Gesellschaft wird als ein Konstrukt handelnder Personen verstanden, die sich in einem fortwährenden Interaktionsprozess befinden. Geprägt wurde diese Theorie durch Charles Horton Cooley[4], William Isaac Thomas[5] und George Herbert Mead. Weiterentwickelt wurde die Theorie durch Herbert Blumer[6], der die Hauptvorlesung von Mead an der Chicagoer Universität übernahm und sein Werk fortführte.[7]

3.1 Wissenschaftliche und philosophische Einflüsse

Die Sozialtheorie von Mead wurde von vier Strömungen beeinflusst, und zwar von Darwins Evolutionstheorie, vom amerikanischen Pragmatismus, vom deutschen Idealismus und zudem von der behavioristischen Schule, der er allerdings pessimistisch gegenüberstand.

Aus Darwins Evolutionstheorie übernimmt Mead das Grundmodell „survival of the fittest“, in dem der Organismus sich seiner Umwelt anpassen muss, um zu überleben. Geprägt vom amerikanischen Pragmatismus, findet dieser Angleichungsprozess nach Mead in Bezug auf die Menschen nicht unabänderlich statt, so dass biologische Anlagen nicht vorbestimmend sein müssen, sondern ist durch bewusstes Denken und Handeln der Menschen veränderbar.[8] Im deutschen Idealismus findet Mead die Postulierung der Konzeption des Menschen als selbstbewusstes und vernünftiges Handlungssubjekt, welche ebenfalls für die Entwicklung seiner Sozialtheorie von Bedeutung ist. Jedoch ist die eigentliche Leistung von Mead, die Erklärung der Entstehung des selbstbewussten Handlungsobjekts. Seine These dazu lautet, dass das selbstbewusste Subjekt sich nur in einer Gemeinschaft handelnder und kommunizierender Menschen entwickeln kann.[9] Mit dieser These wird gleichzeitig der Gegensatz zur damaligen dominierenden behavioristischen Psychologie deutlich, die mit kausalen Reiz-Reaktionsmodellen arbeitete.[10] Dafür vertrat Mead die Ansichten der Sozialbehavioristen, die die Entwicklung von Bewusstsein einhergehend mit der Entwicklung signifikanter Symbole (Sprache) sahen.

3.2 Meads Ausgangspunkt

Der Mensch zeichnet sich durch zwei Besonderheiten gegenüber dem Tier aus. Zum einen durch Instinktarmut und zum anderen durch Weltoffenheit. Während das Tier durch seine Triebe und Instinkte in seinem Verhalten festgelegt ist, wird der Mensch nur durch wenige physiologische und biologische Impulse determiniert.[11]

Der Mensch wird als ein Wesen mit reflexivem Bewusstsein verstanden, das ein individuelles und zugleich soziales und vergesellschaftetes Subjekt darstellt. Die meisten Handlungen sind durch seine geistigen Fähigkeiten gekennzeichnet, und zwar in dem Maße, dass er signifikante Symbole und sprachliche Kommunikation seinem Handeln zugrunde legt. Mead weist dabei auf die Entwicklung des Gehirns und der „kommunikationstauglichen“ Ausformung der Stimm- und Hörorgane.[12]

Durch seine Reduzierung der Instinkte und der Erweiterung seiner geistigen Fähigkeiten ist der Mensch nicht an seine „ökologische Nische“[13] gebunden, sondern kann sich an seine Umwelt anpassen. Diese Anpassung ist zwar gesellschaftlich bedingt, weil die Symbole, die dabei verwendet werden, zu den Allgemeinbegriffen jeder Gesellschaft gehören und die Symbole der eigenen Identität das gleiche auslösen wie bei den Anderen, aber dadurch, dass die Symbole durch den Menschen auch verändert und neu hinzufügt werden können, ist die „Nische“ wandelbar. Der Mensch kann sich in gewisser Weise seine Umwelt selbst gestalten und ist somit „weltoffen“.[14]

[...]


[1] vgl. Helle (1977): S. 68

[2] vgl. Mead (1968): S. 9

[3] vgl. Preglau (1999): S. 52

[4] Charles Horton Cooley (1864-1929): Amerikanischer Soziologe

[5] William Isaac Thomas (1863-1947): Amerikanischer Soziologe und Philologe

[6] Herbert Blumer (1900-1987): Amerikanischer Soziologe und Meads Schüler

[7] vgl. Helle (1977): S. 69

[8] vgl. Preglau (1999): S. 52f

[9] vgl. Joas (1980): S. 38ff

[10] vgl. Ebenda: S. 67ff

[11] vgl. Mead (1968): S.273f

[12] vgl. Preglau (1999): S.54 u. Mead (1980): S. 316f

[13] vgl. Darwins Evolutionstheorie

[14] vgl. Preglau (1999): S.54f

Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640496129
ISBN (Buch)
9783640496297
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139582
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Schlagworte
George Herbert Mead Mead Interaktion Persönlichkeitsentwicklung Soziologie Symbol George Herbert Philosophie Interaktionismus Symbolischer

Autor

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Titel: Symbolischer Interaktionismus