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Exegese zu Genesis 16

Exegese ohne Hebräisch/Literarkritik

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

1. Vorbemerkungen

2. Textkritik

3. Literarkritik

4. Traditionsgeschichte

5. Überlieferungsgeschichte

6. Redaktionsgeschichte

7. Formgeschichte

8. Historische Aussageabsicht und Interpretation

9. Literaturverzeichnis

1. Vorbemerkungen

Ziel dieser Exegese wird es sein den alttestamentlichen Text in Genesis 16 zu untersuchen. Dabei gilt es natürlich auch die Quellenlage zu analysieren und zu beschreiben. Vorweggenommen sei erwähnt, dass auch der Umgang mit Sitten und Gebräuchen im alten Orient dabei von seiner Bedeutung sein wird.

Sinn eines solchen „Sittenstudiums“ soll es dabei sein, ein Verständnis für die Gattung der Kultortsage zu schaffen. Weiter gilt es dem dahinter stehenden, theologisch bearbeiteten, Gedankenkonstrukt nahe zu kommen.

2. Textkritik

Da eine Textkritik nur mittels Übersetzung des hebräischen Textes möglich wäre, wird an dieser Stelle darauf verzichtet. Jedoch möchte ich zu Beginn meine Gliederung des deutschen Textes aufzeigen. Dabei orientiere ich mich bei der Einteilung der Versteile an den Ergebnissen dieser Exegese. Der Text stammt aus der Züricher Bibel von 2007 auf Grundlage des MT.

Im Kanon ist Gen 16 aufbauend auf, Aussagen in Gen 11,30 „…Sarai war unfruchtbar“ (vgl. S. 11) und Verheißungen in Gen 21,13.18 sowie Gen 17,20 einzuordnen (vgl. S. 6).

Einleitung / Vorherrschende Situation

16,1 a Und Sarai, die Frau Abrahams, hatte ihm keine Kinder geboren;

b sie hatte aber eine ägyptische Magd die hiess Hagar

1. Handlungsgeschehen: Sarais Initiative und ihre Folgen

16,2 a Und Sarai sprach zu Abram:

b „Sieh, der Herr hat mich verschlossen, so dass ich nicht Gebären
kann.

c So geh doch zu meiner Magd, vielleicht bekomme ich durch sie einen Sohn."

d Und Abram hörte auf Sarai.

16,3 a Da nahm Sarai, Abrahams Frau, nachdem Abram zehn Jahre im Land Kanaan gewohnt hatte, die Ägypterin Hagar, ihre Magd,

b und gab sie dem Abram, ihrem Mann, zur Frau.

16,4 a Und er ging zu Hagar, und sie wurde schwanger.

b und sie sah, das sie schwanger war;

c da wurde ihre Herrin gering in ihren Augen.

16,5 a Sarai aber sprach zu Abram: Das Unrecht was mir geschieht, komme über dich.

b Ich selbst habe meine Magd in deinen Schoss gelegt.

c Und kaum hat sie gesehen, dass sie schwanger ist, da bin ich gering in ihren Augen.

d Der HERR sei Richter zwischen mir und dir!"

16,6 a Und Abraham sprach zu Sarai: "Sieh, deine Magd ist in deiner
Hand. Mache mit ihr, was gut ist in deinen Augen."

b Da behandelte Sarai sie hart, das sie ihr entfloh.

2. Handlungsgeschehen: Gott trifft und rettet Hagar in der Wüste

16,7 a Der Bote des HERRN aber fand sie

b an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur.

16,8 a Und er sprach:

b "Hagar, Magd Sarais, wo kommst du he,

c und wo gehst du hin?"

d Und sie sagte: Vor Sarai, meiner Herrin, bin ich auf der Flucht.

16,9 a Da sprach der Bote des HERRN zu ihr:

b Kehr zurück zu deiner Herrin, und ertrage ihre Härte.

16,10 a Und der Bote Jhwhs sprach zu ihr:

b Ich werde deine Nachkommen reichlich mehren, dass man sie nicht zählen kann in ihrer Menge.

16,11 a Dann sprach der Bote des HERRN zu ihr:

b Sieh, du bist schwanger,

c und wirst einen Sohn gebären, und du sollst ihn Ismael nennen,

β denn der HERR hat auf deine Not gehört.

16,12 a Und er wird ein Wildesel von einem Menschen sein,

b seine Hand gegen alle, und aller Hand gegen ihn, und allen seinen Brüdern setzt er sich vor die Nase.

16,13 a Da nannte sie den Namen des HERRN der zu ihr geredet hatte:

b Du bist El-Roi.

c Denn sie sprach: Wahrlich, hier habe ich dem nachgesehen, der auf mich sieht.

16,14 a Darum nennt man den Brunnen: Beer-Lachai-Roi

(= Brunnen des Lebendigen [Gottes], der mich angesehen hat).

b Er liegt zwischen Kadesch und Bared.

Zusammenfassung/Ende der Erzählung

16,15 a Und Hagar gebar Abram einen Sohn,

b und Abram nannte den Sohn, den Hagar geboren hatte, Ismael.

16,16 a Und Abram war sechsundachtzig Jahre alt,

b als Hagar dem Abram Ismael gebar.

3. Literarkritik

Ausgangspunkt dieser exegetischen Arbeit wird nun die Aufgabe der Literarkritik sein. Dabei möchte ich versuchen den vorliegenden Text, welcher Hagar und Ismaels Geburt in den Kontext zieht im Kanon einzuordnen.

Besonderes Interesse soll dabei dem Abgrenzen des textlichen Grundstocks, zu eventuellen Hinzufügungen oder gar Auslassungen, gewidmet sein. Ein Augenmerk wird dabei besonders auf Brüche zwischen einzelnen Textkomplexen gelegt. Der Versuch einer Klärung zur damit verbundenen Autorenfrage soll so geebnet werden.

Die Erzählung über die Kinderlosigkeit Abrahams und Sarais knüpft an die Aussage in Gen 11, 31 an: „Sarai aber war unfruchtbar…“.[1]

Dem V. 1 in Genesis 16 können wir die Funktion einer kurzen Einleitung zuweisen. Diese Einleitung dient dazu den Leser mit den handelnden Personen und dem Problem bekannt zu machen. In Gen 16, 16 finden wir eine genaue Datierung des Schlusses dieser Erzählepisode. Dabei wird erkennbar, das V. 1a ebenso wie V. 3a eine nahezu protokollarische Gründlichkeit aufweisen: „Und Sarai, die Frau Abrahams…“.

Vergleichen wir die 3 genannten Stellen (V. 1a.3.16) so fällt auf, das diese eine geschlossene kurze Zusammenfassung darstellen.

Eine Zusammenfassung dieser Art finden wir auch in einer anderen Stelle des Genesis-Buches. Und zwar in Genesis 12. Auch hier wieder die Elemente Datierung (Gen 12,4b: „Abraham war fünfundsiebzig Jahre alt…[2] ) und Ergebnis der Episode (Gen 12,5: „Und Abraham nahm Sarai ,seine Frau…und sie zogen aus[3] ).

Dabei ist in Genesis 16 insbesondere der V. 3 mit seiner Zeitangabe „…zehn Jahre, nachdem Abraham im Land Kanaan wohnte…“[4] im Kontext mit dem V. 16 zu verstehen. Den Autor ging es dabei um einen chronologischen Zusammenhang, denn nur so macht die Zeitangabe im V. 16 (Altersangabe Abrahams bei der Geburt Ismaels) einen Sinn.

In der Literatur finden wir bei L. Ruppert eine weitere Einbeziehung des V. 15 zum V. 16. Ruppert erörtert an der Wendung yld lə „dem (Abraham) gebären“ das der V. 16 die Fortsetzung des V. 15 darstellt (vgl. L. Ruppert, Genesis, 2002).

Aus den vorausgegangen Beobachtungen lässt sich nun bereits vermuten, dass die V. 3.15.16 evt. zu einer anderen Schicht gehören müssen.

Ein weiterer Bruch fällt relativ schnell auf. Dabei möchte ich auf die Weisungen des Boten zu sprechen kommen. Der Bote Jahwes schickt Hagar zurück zu Abraham. Doch das Hagar zurückkehrte, ist zum Schluss der Erzählung in V. 15.16 mit keinen Wort erwähnt, wird aber als Gegeben vorausgesetzt. Diese fehlende Erwähnung untermauert die These, dass V. 9 nicht mit zur oben genannten Schicht der V. 3.15.16 zählen kann.

Ein Bruch ist zwischen Stolz und Flucht Hagars in den vorangegangenen Versen und der Ermahnung in V. 9.10 zurückzukehren, sich zu beugen erkennbar. Diese Einstellung und Weisung passt nicht zusammen. Somit wird die These untermauert das V 9.10 eingefügt wurden. Ziel dieser Einfügung wird es gewesen sein, die Erzählung in Kapitel 21,8-21 fortsetzen zu können.

Der V. 10 passt schichtenspezifisch wie auch in literarischer Hinsicht und Stiel zum V. 9. V. 11 gehört nur scheinbar dazu.

Zwar legt diese wohl auffälligste Stelle der Erzählung die Vermutung der Zusammengehörigkeit aller drei Verse nahe, jedoch spielt hier die dreifache Wiederholung in den Versen 9.10.11:

„…der Bote Jahwes sprach zu ihr...[5] nur ihre literarische Stärke aus.

Früher wurden diese Verse in der Fachliteratur den Jahwisten als Quelle zugeordnet
(vgl. W. Eichrodt, Theologie, 1948, S. 191ff). Die heutige Forschung zeigt die Theorie mehrerer Schichten und Autoren auf.

Der V. 11a kann nicht zu dieser Schicht gezählt werden. Denn wenn wir V. 9 und V. 10 auslassen ergibt der V. 11 ohne die expositionellen Worte („…der Bote Jahwes sprach zu ihr…[6] ) keinen Sinn. Im V. 11 selbst sind keine offensichtlichen Brüche auffindbar. Somit können wir diesem einer anderen literarischen Schicht als V. 9.10.14 zuweisen.

Für eine Hinzufügung der Verse 9.10 spricht auch noch die Zusage des Boten. Hagar befindet sich in einer wahrhaft verzweifelten Lage mitten in der Wüste und der Bote befiehlt sie solle zurückgehen, gibt ihr aber gleichzeitig die Zusage das Ismael reichlich Nachkommen haben werde (Gen 16,10b: „Vermehren, reichlich vermehren werde ich deinen Samen...“.) Hier legt sich für mich die Vermutung nahe, dass dies eine redaktionell hinzugefügte Zusage ist, nachdem man wusste, dass Abraham doch noch einen eigenen Sohn bekommen wird. Somit hätte man mit dem V. 9.10 Ismael ebenfalls als Nachkomme legitimiert.

Des weitern sollten wir die die Verheißungen in Gen 21,13.18 sowie in Gen 17,20 betrachten. Dort heißt es das Ismael ein großes Volk begründen wird, so wird klar das auch der Vers 10 in Genesis 16 eingefügt sein muss, um diesen Verheißungen nachzukommen.

Ob Hagar den Boten sofort als ein göttliches Wesen erkannte wird im Text nicht deutlich. Solche Boten wie sie im MT erwähnt werden, dürfen wir uns nicht als geflügelte Engel im gleißenden Licht vorstellen. Diese Boten werden oftmals von den Handelnden Personen erst gar nicht als solche erkannt. Der Vorgang des Erkennens wird sich für Hagar erst im Gespräch mit dem Boten aufgetan haben.

Zum theologisch gedeuteten Stiel der V. 9.10 passt auch der V. 14, welcher ebenfalls eine Namensklärung gibt.

Ließt man die schichtungsspezifisch noch nicht zugeordneten Verse, also V. 1b.2.4-8.11-13, so findet man keine Brüche oder Unregelmäßigkeiten. Was die Vermutung nahe legt, diese Verse einer weiteren literarischen Schicht zuzuordnen zu müssen.

Nur der im V. 7b kann der Ort nicht zum ursprünglichen Inhalt des V. 7 gehören, denn in der Schicht welcher V. 7 angehört, wird in allen anderen Versen lediglich der chronologische Ablauf festgehalten und keine Zusatzinformationen gegeben. Die Ortsangabe in Vers 7b stellt in dieser Folgerung eine redaktionelle Einfügung dar. Daraus ergibt sich eine schichtenspezifische Teilung des V. 7 in V.7a und 7b.

Betrachten wir nun den V. 3 noch einmal genauer und blicken nach vorn und hinten abgrenzend auf V. 4 und V. 2 so ergibt sich ein geschlossener Zusammenhang. Ein Zusammenhang aus Aufforderung und Tat zwischen V. 4, in dem Abraham genau das tut was Sarai in V. 2 von ihm verlangt, um einen Ausweg aus der Kinderlosigkeit zu finden. V. 3 unterbricht also diesen genannten Zusammenhang. Auf die Lösung dieses Problems werde ich später im Teil der Auslegung des Textes noch einmal eingehen.

Blicken wir auf den V. 2 so scheint dieser eine Dublette zu V. 1a zu sein, denn in beiden wird die Unfruchtbarkeit Sarais beschreiben. Im V. 1a aus der Sicht einer einleitenden Erzählung, im V. 2 hingegen als wörtliche Rede Sarais: „…Siehe der Herr hat mich verschlossen, das ich nicht gebären kann…[7]

Weiterhin fällt Gen 16,9-11 besonders ins Auge. Bekanntlich zeigt diese Stelle auffällige Wiederholungen auf die in der Formgeschichte noch einmal eingegangen wird.

[...]


[1] Zürcher Bibel 2007 Genesis 11,31

[2] Stuttgarter Erklärungsbibel nach Lutherübersetzung 2003 Genesis 12,4b

[3] Stuttgarter Erklärungsbibel nach Lutherübersetzung 2003 Genesis 12,5

[4] Stuttgarter Erklärungsbibel nach Lutherübersetzung 2003 Genesis 16,3

[5] Stuttgarter Erklärungsbibel nach Lutherübersetzung 2003 Genesis 16, 9a.10a.11a

[6] Stuttgarter Erklärungsbibel nach Lutherübersetzung 2003 Genesis 16, 11a

[7] Stuttgarter Erklärungsbibel nach Lutherübersetzung 2003 Genesis 16, 2b

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640479719
ISBN (Buch)
9783640479931
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139674
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
Schlagworte
Gen 16 Abraham Hagar Ismael Sarai Exegese literarische Schichten Verfasserfrage

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