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Didaktischer Entwurf einer Einheit zum Thema „Zachäus“

Stundenentwurf im Rahmen der kirchlichen Arbeit mit Kindern im Projekt "Kinderkirche"

Unterrichtsentwurf 2005 15 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedingungs- und Sachanalyse

2.1. Die Gruppe_
2.2. Leiter und Gruppe:
2.3. Gruppe in der Gemeinde:
2.4. Fachwissenschaftliche Diskussion:
2.5. Kinder und Thema / Text
2.6. Leiter und Thema / Text

3. Intentionen / Ziele
3.1. Globalziel (Gleichsam Ziel aller Einheiten in der „Kinderkirche“):
3.2 Ziele der Stundeneinheit „Zachäus“:

4. Methodische Planung des Unterrichtsprozesses
4.1. Beginn:
4.2. Hauptphase:
Reaktion der Kinder: Die Kinder sind ruhig und konzentriert
4.3. Abschluss / Zusammenfassung / Ergebnissicherung:
4.4. Mögliche Planungsalternativen:

5. Requisiten / Materialien

6. Schematische Ablaufplanung

7. Reflexion

8. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Es gibt einen festen Plan, nachdem seit Jahren biblische Geschichten in einer bestimmten Abfolge im Rahmen der „Kinderkirche“ behandelt werden. An diese Abfolge habe auch ich mich mit meiner Einheit zu halten, weshalb mir das Thema „Zachäus“ vorgegeben ist. In der Methodenwahl bin ich allerdings völlig frei.

Ich habe den Anspruch, eine konstruktivistische Didaktik anzuwenden.

Dieser Einheit in der einmal wöchentlich am Dienstag stattfindenden „Kinderkirche“ gingen folgende Einheiten voran:

- 01.02.: Joseph hat vom Auszug nach Ägypten geträumt (Matthäus 2,13). Die Kinder lernten Jesus als Kind kennen.

In diesem Zusammenhang wurde anschließend das Thema „Träume“ in der Kita und den Eltern-Kind-Gruppen vertieft und die Kinder gestalteten „Traumtücher“ aus Baumwolle, die sie bemalten, aber noch nicht ausgehändigt bekamen.

- 08.02.: Die „Kinderkirche“ entfällt wegen Fasching.

15.02.: Die Kinder wurden zum Thema „Träume“ zum Nachdenken durch Impulseingaben animiert und stellten fest, dass es nicht nur schöne und gute Träume gibt, sondern durchaus auch böse und schlechte Träume. Im Rahmen der „Kinderkirche“ wurde dies thematisiert und zum Schluss erhielt jedes Kind sein „Traumtuch“, damit es während des Schlafens keine bösen Träume träumt.

- 22.02.: Jesus ist jetzt erwachsen und arbeitet mit seinem Vater als Zimmermann. Jesus verlässt dann seine Eltern, weil er den Menschen von Gott erzählen will (Lukas 3,23).

- 01. 03.: Die Perikope Lukas 5,1-11 „Fischfang“. Hier lernten die Kinder Jesus kennen, wie dieser Freunde findet, die gemeinsam mit ihm den Menschen von Gott erzählen wollen.

Hieran schließt sich nun am 08. 03. die gegenständliche Einheit „Zachäus“ (Lukas 19, 1-10) mit anschließender Kindersegnung an.

- Am darauffolgenden Dienstag wird der Rangstreit der Jünger thematisiert; in der übernächsten Kinderkirche wird den Kindern die Bedeutung des Abendmahls nahegebracht und dieses als Agapemahl gemeinsam gefeiert werden.

- Für den 06. April ist das Thema „Emmaus- Jünger“ (Lukas 24, 13-35) vorgesehen.

Da Weihanachten und Ostern dieses Jahr sehr nah bei einander liegen und nur wenige „Kinderkircheeinheiten“ zur Verfügung stehen, muss den Kindern verständlich gemacht werden, dass aus dem Kind Jesus nun der erwachsene, seine Eltern verlassende, von Gott erzählende Jesus geworden ist. Darin besteht die eigentliche religionspädagogische Kompetenz und Herausforderung der Erzieherinnen, dieses in diesen wenigen zur Verfügung stehenden Einheiten den Kindern zu vermitteln.

2. Bedingungs- und Sachanalyse

2.1. Die Gruppe

Die zur „Kinderkirche“ versammelten Kinder kommen zusammen aus den Kita- Gruppen (ca. 60 Kinder im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren) und aus den Eltern-Kind-Gruppen (ca. 13 Kinder im Alter von zweieinhalb bis fünf Jahren) der Evangelischen Kirchengemeinde XXX Es handelt sich also um eine große altersgemischte Gruppe von Kindern, die sich jeden Dienstagvormittag zur „Kinderkirche“ versammelt. Die kommunikative Struktur unter den Kindern ist nicht immer altersentsprechend, es sind inhomogene sprachliche Voraussetzungen bei den Kindern vorzufinden. Die sprachliche Vielfalt ist oft stark eingeschränkt, da die sprachliche Entwicklung zu Hause wenig gefördert wird. Es werden Entwicklungstagebücher und ein Sprachlerntagebuch geführt. Da motorische Fähigkeiten die Grundlage für den Spracherwerb sind, werden diese trainiert. Des Weiteren wird die Sprachentwicklung durch „Reimen“ und „Berichten lassen“ täglich gefördert. Die Kita- und Eltern-Kind-Gruppen bilden keine repräsentative Situation ab, da außergewöhnlich viel Personal für wenige Kinder zur Verfügung steht.

Keines der Kinder ist verwahrlos. Der Anteil ausländischer Kinder ist hoch. Moslemische Kinder und Eltern nehmen an den christlichen Festen und Bräuchen mit großem Interesse teil und berichten von ihren Festen und Bräuchen. In einem großen Kalender sind alle religiösen Feste und Feiertage der Weltreligionen verzeichnet. Der Zusammenhalt der Eltern ist sehr gut. Die Eltern interessieren sich für ihre Kinder und nehmen Hilfe und Erziehungsangebote an. Die Kinder entstammen niedrigsten sozialen Schichten bis hin zum Mittelstand. Die Kita ist gerade dabei, einen Qualitätsstandard zu definieren und sich zertifizieren zu lassen.

Lukas dominiert die Gruppe, er benötigt besonders viel Aufmerksamkeit.

2.2. Leiter und Gruppe:

Das Vorbereitungsteam der „Kinderkirche“ besteht aus zwei Erzieherinnen der Eltern-Kind-Gruppen, einer Kita- Erzieherin, einer Pfarrerin und einer Mitarbeiterin der kirchlichen Arbeit mit Kindern (Kinderdiakonin, Erzieherin).

2.3. Gruppe in der Gemeinde:

Die Eltern-Kind-Gruppen und die Kita- Gruppen haben in der Gemeinde einen hohen Stellenwert. Von der Synode wurde für den gesamten Kirchenkreis die Arbeit mit Kindern als Schwerpunkt in der Gemeinde XXX beschlossen. Die Familiengottesdienste, die den Abschluss der Kinderkirchenarbeit bilden, werden von der altersgemischten Kindergruppe mitgestaltet und die „Kinderkirche“ somit in die Familiengottesdienste integriert. Ferner gestalten die Eltern-Kind-Gruppen und die Kita- Gruppen Gemeindefeste mit. Das Engagement der Eltern an der Mitgestaltung der Feste und des gemeindlichen Lebens ist beträchtlich. Die „Kinderkirche“ ist integraler Bestandteil der gemeindlichen Arbeit, wozu es einen ausdrücklichen GKR-Beschluss gibt, der dies manifestiert. Viele Kinder lassen sich später in der Gemeinde konfirmieren. Der Kontakt zu den Eltern bleibt auch nach Verlassen der Kinder aus den Kita- und Eltern-Kind-Gruppen erhalten. Die Eltern sind oft in anderweitigen Gemeindekreisen aktiv und nehmen an den Gottesdiensten teil.

2.4. Fachwissenschaftliche Diskussion:

In Palästina werden zur Zeit des Neuen Testamentes die Zölle eines Bezirks Marktzölle, Grenzzölle - verpachtet. Vermutlich an denjenigen, der am meisten bietet. Pächter beschäftigen Unterpächter, die einen bestimmten Betrag abzuliefern haben, den Zoll jedoch in die eigene Tasche stecken. Feste Tarife verhindern nicht, dass dieses System zum Betrug verleitet. Und so finden sich Zöllner, was ihr Ansehen betrifft, auf einer Ebene mit Räubern und Dieben wieder. Zachäus ist einer von ihnen. Er hat vermutlich die Oberaufsicht über das Zollwesen der Region um Jericho. Er ist reich. Sein Vermögen häuft sich aus Betrug und Erpressung an. So etwas macht einen bei den Leuten nicht gerade beliebt. Eines Tages kommt Jesus nach Jericho, eine Stadt westlich des Jordans, manchmal auch als Palmenstadt bezeichnet. Ein idealer natürlicher Siedlungsort, weil er dank seiner ergiebigen Quellen über Jahrtausende eine Oase war. Wo Jesus auftaucht, ist tüchtig Betrieb. Den möchte man sehen. Da kommt schnell eine Menge zusammen, die einem die Sicht verstellen kann. Vor allem, wenn man klein ist. Und Zachäus ist nicht nur reich, sondern auch klein. Ziemlich klein. Aber eben auch neugierig. Und so steigt er auf einen Maulbeerbaum. Das ist ebenso pfiffig wie komisch. Aber es kann ja von Zeit zu Zeit ganz nützlich sein, Abstand zu gewinnen und den Überblick zu behalten. Freie Sicht also auf Jesus.

Der entdeckt den Zöllner hoch oben in den Ästen und ruft hinauf: "Ich möchte bei dir bleiben, heute, in deinem Haus.“ Er lädt sich einfach selber ein. Zu Essen und Trinken, vielleicht auch in ein Bett. Was Zachäus hoch erfreut, stimmt die Umstehenden mürrisch: Bei einem Menschenquäler kehrt er ein, einem Steuereintreiber! Nicht nur die Schriftgelehrten empfinden dies als Provokation.

Jesus erkennt im Verhalten des Mannes so etwas wie anfänglichen Glauben, eine verschämte Sehnsucht nach Umkehr und wahrem Leben, deutet die Stuttgarter Erklärungsbibel das Versprechen des Zöllners: Die Hälfte seines Besitzes will er den Armen geben. Und sollte er jemanden übers Ohr gehauen, betrogen, erpresst haben, so verspricht er vierfache Wiedergutmachung. Ein Vorschlag, welcher der alttestamentlichen Entschädigung entspricht, die bei Diebstahl üblich war.

Die Zuwendung Jesu vermittelt dem Zöllner Zachäus eine neue Sicht ethischen Verhaltens, auch wenn er ihn nicht in seine engere Nachfolge beruft. Sonst hätte Zachäus seinen Besitz ganz weggeben müssen. Jesus spricht dem Zöllner und seiner Familie Segen zu. Was den Evangelisten Lukas, der diese Geschichte überliefert, in seiner Überzeugung bestärkt, dass reuige Sünder würdiger sind als selbstgerechte Fromme.[1]

„Die Erzählung gehört zu den nichtmarkinischen Sonderstoffen und hatte dort vielleicht ihren Ort im Anschluss an das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (18,9-14), dem es inhaltlich entspricht. Auch hier vertritt Jesus in seinem Handeln an dem Zöllner, entgegen der Empörung der jüdischen Menge, die Entscheidung Gottes, durch die auch dieser offenkundige Sünder zu den erwählten Söhnen Abrahams gehört. Vers 9 folgte ursprünglich auf Vers 7; Vers 8 ist in diesem Zusammenhang offensichtlich später eingeschoben.“[2]

2.5. Kinder und Thema / Text

Den Kindern ist die Perikope nicht bekannt. Diese freuen sich jedoch jeden Dienstag auf die „Kinderkirche“, um dort eine neue Geschichte kennen zu lernen. Oftmals fragen die Kinder schon am Donnerstag, ob morgen wieder „Kinderkirche“ stattfindet. Bei den Kindern ist ein großes Interesse, Neugierde und eine hohe Motivation festzustellen, Neues zu integrieren.

Die Kinder haben bereits Erfahrungen damit gemacht, dass es Außenseiter in der Gruppe gibt. Sie wissen genau, wie sie mit den Außenseitern in ihrer Gruppe umgehen, sich ihnen gegenüber verhalten. Zachäus ist daher zur Identifikation bestens geeignet. An seiner Person lässt sich ein Transfer von der biblischen Geschichte zur Lebensrealität der Kinder herstellen. Die Kinder kennen bereits das Gefühl von Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit und von Freundschaft, aber auch vom Allein- und Ausgeschlossensein, dem Ausgegrenzt- und Anderssein. Die Kinder wissen aus eigener Erfahrung, dass sie „Dinge“ getan haben, die nicht in Ordnung gewesen sind.

Die Kinder kennen von sich selbst die Gefühle der Wut, des Ärgers, des Grolls und das Gefühl, zu lieben und geliebt zu werden. Verstehen einzelne Kinder Wörter oder inhaltliche Zusammenhänge nicht, ist zu beobachten, dass die anderen Kindern bei der Erklärung und Vermittlung in ihrer „eigenen Sprache“, vorrangig vor den Erzieherinnen, helfen, Verständnisschwierigkeiten zu beheben.

2.6. Leiter und Thema / Text

Den Leitern sind Text sowie Lernziele und Intentionen – durch jahrelange Beschäftigung in der kirchlichen Arbeit mit Kindern, speziell in der „Kinderkirche“ - bekannt. Ihnen ist ebenfalls aus Erfahrung bekannt, welche Methode die Perikope den Kindern am geeignetsten und nachhaltig zugänglich macht. Die Perikope per Rollenspiel zu transportieren ist meine eigenständige Entscheidung, die durch mein Mentorat im Vorhinein als probat angesehen wird. Mein didaktisch-konzeptionelles Vorgehen wird daher vom Vorbereitungsteam sehr begrüßt und tatkräftig unterstützt.

Fragen, die ich mir stelle:

- Was ist mir an der Zachäusgeschichte wichtig?
- Was möchte ich an die Kinder weitergeben?
- Bei welchen Erfahrungen der Kinder kann ich anknüpfen?
- Was kann ich eventuell sogar an die Eltern weitergeben?
- Wie erreiche ich bei den Kindern ein ganzheitliches Verstehen auf der kognitiven, emotionalen und Handlungsebene?
- Wie gelingt es mir, die in dieser Perikope enthaltene christliche Ethik den Kindern zu vermitteln?

Das Proben des Rollenspiels durch das Team unter meiner Anleitung erfolgte vorab zweimal. Die Gesamtvorbereitungszeit (für basteln, bauen, nähen, dekorieren, proben, Meditation des Textes,...) für die Einheit beträgt 3 mal 7 Stunden.

[...]


[1] Informationen entnommen aus: Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart (1987): Seiten 12 bis 15.

[2] Wilckens, Ulrich (1974): Seiten 280 und 281.

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