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Das Preisedikt des Diokletian

Ein Spiegel für soziale Strukturen im römischen Reich?

Hausarbeit 2007 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Thesendiskussion

Probleme der Quellengrundlage

Grundlagen, Ursachen und Gegenstand des Preisedikts

Versuch eines Einblicks in Lebensverhältnisse

Die Soldaten

Die Sklaven

Arbeiter

Auswertung dieses Einblicks

Schluss

Quellenverzeichnis

Inschriften

Autoren

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Regierungszeit Diokletians (284-305 n. Chr.) ist von mehreren Reformversuchen geprägt, die beabsichtigten die durch die Krise des 3. Jh. verursachte Instabilität des römischen Reiches zu bekämpfen. Es war gezeichnet durch feindliche Übergriffe an den Grenzen, welche sowohl der Expansionspolitik des Reiches entgegensetzten als auch innere Probleme verursachten, wie etwa die Bereitstellung von höheren Verteidigungskosten und Militärs zu Bewältigung der Probleme am Limes. Zuvor haben allein im Zeitraum von Severus Alexander (235) bis Carinus (285) 70 Kaiser regiert, indessen sich 41 Usurpatoren versuchten durchzusetzen.[1] Diese raschen Amtswechsel demonstrieren die Unruhe und Unzufriedenheit des römischen Volkes und die Schwierigkeit, effektiv gegen die vorherrschenden Problemfaktoren vorzugehen. Durch germanische Barbareneinfälle im Norden, aber auch durch die Perser im Osten bedroht, begleitet vom politischen Chaos und Unruhen im Inneren, durch Usurpationsversuche, sinkende Bevölkerungszahlen, abnehmende Produktion, zunehmende Steuerlasten, Verteidigungskosten und Verwaltungsarbeiten unterstrichen, schien die Problemkette zu lang, für einen Kaiser als beinahe unmöglich zu bewältigen. Diokletian wusste, dass es unmöglich war, diese Probleme allein und von einem Ort des mittlerweile riesigen Reiches aus zu bewältigen, geschweige denn Verteidigung und Verwaltung ohne Hilfe von Mitregierenden zu organisieren. So entschied er sich 285/286 die Zuständigkeit für den Westen des Reiches seinem Freund Maximian, zum Augustus erhoben, zu überlassen. Ungefähr sieben Jahre später wurde jedem der beiden Augusti ein Nachfolger, ein Caesar, unterstellt, welche nach 20 Jahren an den Platz des Augustus treten sollten; für den Osten Galerius, für den Westen Constantius[2] ; der Begriff der so genannten Tetrarchie ist für dieses Herrschaftssystem bezeichnend.

Besonderes Augenmerk dieser Arbeit gilt den Reformversuchen Diokletians in Hinblick auf die Stabilisierung des Finanzwesens. Im Rahmen seiner Regierungszeit machte er eine Steuerreform (290)[3], eine Währungs- oder Münzreform (301) und erließ ein Edikt für die Festsetzung von Höchstpreisen, den so genannten Maximaltarif (301).[4]

Untersucht werden soll hauptsächlich das Höchstpreisedikt (Maximaltarif), oder nach antiken Überlieferungen bezeichnete edictum de pretiis rerum venalium[5], in Hinblick auf eventuelle Informationen über die sozialen Verhältnisse der Zeit um 300 und den Sinn und Zweck dieses Ediktes überhaupt. Die Frage lautet:

Ist das Preisedikt ein Spiegel für soziale Strukturen im römischen Reich?

Eine begleitende Frage wird sein, ob ein inschriftliches Zeugnis dieser Art sich überhaupt eignet, soziale Strukturen zu erkennen bzw. ob die Quellen ausreichend Material hergeben um sich ein umfangreiches Bild der damaligen Situation zu machen. Mit „ausreichend Material“ sei nicht die Quantität gemeint, denn die Inschrift gehört zu den längsten des römischen Reiches, die je gefunden wurde.[6]

Mit „Spiegel für soziale Strukturen“ ist gemeint, ob die enthaltenden Informationen, beispielsweise Arbeitslöhne und Höchstpreise von Lebensmitteln, so in direktem Zusammenhang gebracht werden können, dass sich somit Grundzüge sozialer Verhältnisse ableiten lassen.

Was mit „sozialen Strukturen“ gemeint ist, ist schwer zu beantworten, denn es wird voraussichtlich nur möglich sein, anhand dieses Zeugnisses bestimmte soziale Gruppen in eine gewisse Hierarchie einzuordnen, welche mit Hilfe von Vergleichen unter ihnen entwickelt wird. Eine Berücksichtigung jeder einzelnen Gruppe aus einem jeweiligen Stand wird daher wahrscheinlich kaum zu gewährleisten sein, als vielmehr eine stichprobenartige Untersuchung einzelner Gruppen.

Thesendiskussion

Probleme der Quellengrundlage

Historische Quellen aus der Zeit Diokletians bleiben weitestgehend kommentarlos in Bezug auf das Höchstpreisedikt bzw. schenken ihm nur wenig oder gar keine Aufmerksamkeit. Laktanz, sozusagen ein Augenzeuge[7], welcher eine auffallend antidiokletianische Einstellung aufweist, formulierte die vielleicht konkreteste Aussage: „Dieser Mann versuchte, nachdem er durch mannigfache Ungerechtigkeiten eine unermessliche Teuerung hervorgerufen hatte, ein Gesetz für die Preise der Handelswaren zu erlassen.“ Und weiterhin heißt es: „Damals wurde wegen wertloser Nichtigkeiten viel Blut vergossen, und dennoch kam aus Furcht nichts auf den Markt, sondern die Teuerung entbrannte noch viel schlimmer, bis das Gesetz aus schierer Not wieder aufgehoben wurde, nachdem viele Menschen den Tod gefunden hatten.“[8]

Wie Laktanz, aber auch andere Quellen, etwa Aussagen von Aurelius Victor, Angaben in den Consularia Constantinopolitana oder von Johannes Malalas bestätigen, wenn auch nicht konkret formuliert, lediglich die Existenz des Ediktes, was durch spätere Fragmentfunde und der steigenden Bekanntheit dieses Gesetzestextes seit 1709 bestätigt wurde.[9] Die Zahl der Fragmente wächst stetig an und beträgt heute ca. 140, wobei es im Jahre 1893 lediglich 35 waren.[10] Fast alle wurden im Osten des Reiches gefunden, etwa in Phrygien, Karien und in der Cyrenaica, was vermuten lässt, dass der Maximaltarif nur in Diokletians Verantwortungsbereich mit Sitz in Nicomedia (Izmit in der heutigen Türkei)[11] gültig war, jedoch im Westen nicht.[12] Zutreffend und mit weiteren Argumenten formuliert Wolfgang Kuhoff dazu: „Ein derart umfänglicher und mit der Währungsreform so eng verflochtener Akt des Herrscherwillens kann nur von allen Mitgliedern des Kaiserkollegiums einmütig für das ganze Reich erlassen worden sein.“[13] Diese Antithese ist durchaus nachvollziehbar, da es undenkbar gewesen wäre im Rahmen des tetrarchischen Systems, auch als Augustus, ein Gesetz mit derartiger Gewichtung autark zu erlassen. Auf das angesprochene Währungsedikt wird sogleich eingegangen.

Als Quellengrundlage des Originaltextes des Höchstpreisediktes liegt für diese Arbeit eine in Auszügen übersetzte Fassung von Helmut Freis vor. Der Eingangstext (Praefatio) ist gegenüber den Preislisten (dazu später) jedoch vollständig übersetzt.

Grundlagen, Ursachen und Gegenstand des Preisedikts

Das Preisedikt steht in direkter Beziehung zu dem ein halbes Jahr vorausgegangen Währungsedikt, was eine neue Festlegung der Münzwertrelation darstellte und bis heute teilweise überliefert ist.[14] Für das Verständnis des Maximaltarifs, welcher zwischen dem 20.11. und dem 09.12. 301[15] erlassen wurde, ist es unabdingbar, einen kurzen Einblick in das Währungsedikt zu bekommen.

Da die Goldmünzen im Laufe des 3. Jh. kaum noch im Umlauf waren und auch die Silbermünzen kaum noch Silber enthielten, stiegen die Preise stetig in unglaublichem Ausmaß an. Diokletian setzt im Währungsedikt die Gold-, Silber-, und Kupfermünzen in eine direkte Relation zum denarii communes (d.c.), eine moderne Einheit, in der auch die Preise im Maximaltarif angegeben sind. Damit war er bestrebt, „durch die Wiedereinführung von guten Edelmetallmünzen“[16] sowohl die Währung als auch den Preis auf lange Sicht hin zu stabilisieren.

Eine Goldmünze (aureus) entsprach nun ca. 1000 denarii communes, eine Silbermünze (argenteus) ungefähr 100. Weiterhin war eine Kupfermünze (radiatus) 4-5, ein follis, d.h. eine mit Silber überzogene Kupfermünze, immerhin noch 25 denarii wert.[17]

[...]


[1] Städele, A., Laktanz: De mortibus persecutorum (Einleitung), in: Fontes Christiani, Bd. 43, Turnhout 2003, S. 13. (im Folgenden: Städele, A., Laktanz)

Sämtliche Informationen von Städele sind aus der Einleitung für das Werk Laktanz’ entnommen, im Quellenverzeichnis unter: Laktanz, De mortibus persecutorum…. aufgeführt.

[2] Ebd., S. 12.

[3] Martin, J., Spätantike und Völkerwanderung, in: Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 4, 3. Aufl. München 1995, S. 4. (im Folgenden: Martin, J., Spätantike)

[4] Ebd., S. 6.

[5] Kuhoff, W., Diokletian und die Epoche der Tetrarchie: Das römische Reich zwischen Krisenbewegung und Neuaufbau (284-313 n.Chr.), Frankfurt am Main u. a. 2001, S. 543. (im Folgenden: Kuhoff, W., Diokletian)

[6] Ebd., S. 543.

[7] Städele, A., Laktanz, S. 8.

[8] Lakt. De mort. pers. 7, 6-7.

[9] Kuhoff, W., Diokletian, S. 544.

[10] Ebd., S. 544.

[11] Städele, A., Laktanz, S. 12.

[12] Kuhoff, W., Diokletian, S. 545.

[13] Ebd., S. 545.

[14] Ebd., S. 483.

[15] Martin, J., Spätantike, S. 6.

[16] Ebd., S. 6.

[17] Ebd., S. 6.

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640500604
ISBN (Buch)
9783640500468
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139778
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Altertumswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Preisedikt Diokletian Spiegel Strukturen Reich

Autor

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Titel: Das Preisedikt des Diokletian