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Kreditrisikotransferprodukte in der Bankenrechnungslegung

Abbildungsunterschiede und Informationsqualität im Kontext der Finanzmarktkrise

Masterarbeit 2009 76 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kreditrisikotransferprodukte und Informationsqualität in der Finanzmarktkrise
2.1 Bedeutung des Kreditrisikotransfers für den Kapitalmarkt
2.2 Überblick der Instrumente des Kreditrisikotransfers
2.2.1 Produkte mit Übertragung des rechtlichen Eigentums
2.2.2 Produkte ohne Übertragung des rechtlichen Eigentums
2.3 Kreditrisikotransfer in der Finanzmarktkrise
2.3.1 Die Rolle der Kreditrisikotransferinstrumente in der Krise
2.3.2 Informationsasymmetrien im Zusammenhang mit dem Kreditrisikotransfer
2.3.3 Ausgewählte Probleme der mangelnden Transparenz in der Berichterstattung über den Transfer von Kreditrisiken

3 Abbildungsunterschiede von Kreditrisikotransferprodukten in der Bankrechnungslegung nach IFRS
3.1 Abbildung von Produkten mit Übertragung des rechtlichen Eigentums
3.1.1 Abbildung von ABS-Transaktionen beim Originator
3.1.2 Abbildung von Factoringgeschäften und Kreditverkäufen
3.2 Abbildung von Produkten ohne Übertragung des rechtlichen Eigentums
3.2.1 Qualifikation als Finanzgarantie oder Derivat
3.2.2 Abbildung von Finanzgarantien und als solche zu behandelnde Derivate beim Sicherungsnehmer
3.2.3 Abbildung von als Derivat zu behandelnden Kreditderivaten beim Sicherungsnehmer
3.3 Offenlegungspflichten über den Einsatz von Kreditrisikotransferprodukten
3.4 Ausblick auf geplante Änderungen der Vorschriften zur Abbildung von Kreditrisikotransferprodukten

4 Die Informationsqualität der Berichterstattung der Banken über den Transfer von Kreditrisiken im Kontext der Finanzmarktkrise
4.1 Gang der Untersuchung zur Beurteilung der Informationsqualität der Berichterstattung über den Transfer von Kreditrisiken
4.2 Qualitative Analyse zur Bestimmung der Informationsqualität in der Berichterstattung über Kreditrisikotransferprodukte
4.2.1 Beurteilung der Informationsqualität von
Verbriefungsaktivitäten
4.2.1.1 Informationsqualität im Rahmen des Risikoverkaufs
4.2.1.2 Informationsqualität im Rahmen des Risikokaufs
4.2.2 Beurteilung der Informationsqualität beim Einsatz von Kreditderivaten
4.2.2.1 Informationsqualität im Rahmen der Funktion des Sicherungsnehmers
4.2.2.2 Informationsqualität im Rahmen der Funktion des Sicherungsgebers
4.3 Möglichkeiten zur Verbesserung der Informationsqualität
4.3.1 Vorschläge zur Verbesserung der entscheidungsrelevanten Informationen
4.3.2 Vorschläge zur Verbesserung der Transparenz in der Berichterstattung
4.3.3 Vorstellung eines alternativen Konzeptes zur Berichterstattung über den Kreditrisikotransfer

5 Schlussbetrachtung

Anhangverzeichnis

Anhang

Literaturverzeichnis.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht der Instrumente des Kreditrisikotransfers

Abbildung 2: Einflussfaktoren auf die Informationsqualität

1 Einleitung

Die nationalen und internationalen Finanzmärkte befinden sich seit einigen Jahren in einem stetigen Veränderungsprozess. Damit einher geht ein starkes Wachstum der Märkte für den Transfer von Kreditrisiken. Die damit verbundene Erweiterung der Diversifikationsmöglichkeiten hat insbesondere bei Banken zum einen Auswirkungen auf die Risikosteuerung, zum anderen aber auch auf die Grundgeschäfte.

Im Jahr 2007 sind die ersten Auswirkungen der Finanzmarktkrise deutlich erkennbar geworden. Die Entstehung und vor allem die Verteilung der Kreditrisiken in das weltweite Finanzsystem sind eng mit den Aktivitäten des Kreditrisikotransfers verbunden. Seitdem besteht Unsicherheit darüber, welchen Risiken die einzelnen Akteure tatsächlich ausgesetzt sind. Aus diesem Grund kommt der externen Rechnungslegung von Banken als wichtigstes Informationsinstrument eine besondere Bedeutung zu. Durch eine adäquate Informationsbereitstellung im Jahresabschluss kann die entstandene Unsicherheit reduziert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine hohe Informationsqualität der Berichterstattung.

Bisher existiert keine vollständige Darstellung dieser Thematik. Einige Autoren behandeln jedoch ausgewählte Bereiche. Burghof und Rudolph thematisieren die Funktionsweise und den Einfluss des Kreditrisikotransfers auf die Finanzmarktkrise.[1] Löw und Lorenz, Auerbach und Klotzbach, Kuhn und Scharpf sowie Grünberger behandeln jeweils ausgewählte Fragestellungen der Bilanzierung der Instrumente des Kreditrisikotransfers.[2] Sowohl in der englisch- als auch in der deutschsprachigen Literatur finden sich aber nur wenige Arbeiten, die den Kreditrisikotransfer mit einer Analyse der tatsächlichen Berichterstattung kombinieren. Eine Ausnahme stellt die Arbeit von Watrin und Struffert[3] dar. In Hinblick auf die Berichterstattung identifizieren die Autoren zunächst Informationen, die für den Investorenkreis als entscheidungsrelevant zu klassifizieren sind, um anschließend zu prüfen, ob diese Informationen in der Berichterstattung bereitgestellt werden. Einen direkten Bezug zur aktuellen Finanzmarktkrise hat diese Arbeit allerdings nicht.

Ziel dieser Arbeit ist, die Abbildungsunterschiede der verschiedenen Produkte des Kreditrisikotransfers in der externen Rechnungslegung herauszuarbeiten. Zudem soll die Informationsqualität der Berichterstattung über den Einsatz von Kreditrisikotransferprodukten auf Basis der gegebenen Offenlegungspflichten nach IFRS für ausgewählte Banken vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise analysiert werden. Anhand der Ergebnisse kann beurteilt werden, ob die Informationsqualität ausreicht, um die Unsicherheit über das Ausmaß der Risikosituation der Banken zu reduzieren. Zudem können durch die Analyse mögliche Problembereiche der Berichterstattung identifiziert werden, um darauf aufbauend Vorschläge zur Verbesserung der Berichterstattung zu unterbreiten.

Die Arbeit ist dabei wie folgt aufgebaut: Im zweiten Kapitel werden zunächst die Bedeutung und die Funktionsweisen der verschiedenen Instrumente des Kreditrisikotransfers dargestellt. Des weiteren wird in diesem Kapitel gezeigt, welche Rolle dem Kreditrisikotransfer bei der Entstehung und der Ausbreitung der Finanzmarktkrise zukommt. Darauf aufbauend werden auch vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise einige Probleme, die sich aus der Anwendung von Kreditrisikotransferprodukten ergeben können, diskutiert.

Im dritten Kapitel werden die Abbildungsunterschiede der verschiedenen Produkte des Kreditrisikotransfers herausgearbeitet. Des weiteren werden die Offenlegungspflichten für den Einsatz dieser Produkte vorgestellt und ein kurzer Ausblick auf geplante Änderungen der Bilanzierungsvorschriften gegeben.

Im vierten Kapitel erfolgt die Analyse der Informationsqualität. Dazu wird zunächst ausführlich das Untersuchungsvorgehen erläutert. Anschließend erfolgt die Beurteilung der Informationsqualität anhand definierter Kriterien. Aufbauend auf den Ergebnissen der Analyse werden Vorschläge zur Verbesserung der Informationsqualität der Berichterstattung unterbreitet. Im fünften Kapitel erfolgt eine kurze Schlussbetrachtung.

2 Kreditrisikotransferprodukte und Informationsqualität in der Finanzmarktkrise

2.1 Bedeutung des Kreditrisikotransfers für den Kapitalmarkt

In den letzten Jahren ist ein tief greifender Umbruch auf den Finanzmärkten zu beobachten gewesen. Das Wachstum des Marktes für Kreditrisikotransferprodukte hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt, denn die zunehmende Handelbarkeit von Kreditrisiken führte zu einem Paradigmenwechsel von der klassischen Buy-and-Hold-Strategie zu einem aktiven und risikooptimierten Management von Kreditrisiken.[4],[5]

Das Kreditrisiko beschreibt das Risiko, dass ein Schuldner künftige Zahlungsverpflichtungen nicht vollständig oder nicht rechtzeitig leisten kann und es entsteht beispielsweise im Rahmen einer Kreditvergabe.[6] Es ist der volumenmäßig größte Risikoblock der Banken und zählt zu den Kernrisiken im Bankgeschäft.

Das Kreditgeschäft vieler Banken ist typischerweise auf festgelegte Märkte und bestimmte Kreditnehmergruppen beschränkt, wodurch sich eine regionale bzw. branchenspezifische Risikokonzentration ergeben kann.[7] Durch den Einsatz der Instrumente des Kreditrisikotransfers ist es den Banken auch ohne Expansion in neue Märkte möglich eine effiziente Risikodiversifikation ihres Kreditportfolios durchzuführen. Eine Übernahme von Kreditrisiko ist daher nicht mehr zwingend mit der Bereitstellung von Fremdkapital verbunden.[8]

Grundsätzlich wird an dieser Stelle auch darauf verwiesen, dass Kreditrisikotransferprodukte zum Teil auch im Rahmen der Regelungen von Basel II als kreditrisikomindernde Techniken (Credit Risk Mitigation) anerkannt werden.[9] Festzuhalten ist, dass für die Banken ein Anreiz besteht durch den Kreditrisikotransfer die Eigenkapitalanforderung für die jeweilige Position zu reduzieren.

2.2 Überblick der Instrumente des Kreditrisikotransfers

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte zur aktiven Steuerung des Kreditrisikos. Im Rahmen dieser Arbeit erfolgt eine Kategorisierung dieser Instrumente anhand des Merkmals der Übertragung des rechtlichen Eigentums. Diese Kategorisierung ist deshalb sachgerecht, da die in Kapitel 3 dargestellten Abbildungsunterschiede der Kreditrisikotransferprodukte in der externen Rech­nungslegung unter anderem auf dieses Merkmal zurückzuführen sind.[10]

Die in Abbildung 1 dargestellte Kategorisierung unterscheidet zum einen zwischen Produkten, bei denen die zugrundeliegenden Vermögenswerte im rechtlichen Eigentum des Bilanzierenden verbleiben. Dazu zählen traditionelle Produkte wie die Kreditversicherung oder die Kreditgarantie sowie das breite Spektrum der Kreditderivate. Zum anderen erfolgt eine Unterscheidung in solche Produkte, bei denen eine Übertragung des rechtlichen Eigentums der Vermögenswerte erfolgt. Zu dieser Kategorie zählen Verbriefungstransaktionen, Kreditverkäufe und das Factoring.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht der Instrumente des Kreditrisikotransfers

Quelle: Struffert, R. (2007), S. 478.

2.2.1 Produkte mit Übertragung des rechtlichen Eigentums

Das in der Praxis am häufigsten verwendete Instrument dieser Kategorie ist die sog. Verbriefungstransaktion.[11] Anhang 3 gibt einen Überblick über die Struktur einer Verbriefungstransaktion.[12]

Die Grundüberlegung einer Verbriefung (Securitization) besteht darin, nicht handelbare, risikobehaftete Vermögenswerte in einem Pool zu sammeln und an eine eigens dafür gegründete Zweckgesellschaft[13] zu verkaufen.[14] Durch die anschließende Tranchierung[15] und den Verkauf von fungiblen Wertpapieren (ABS), die einen Anspruch auf Zahlungen aus den zugrunde liegenden Vermögenswerten verbriefen, erfolgt die Refinanzierung der Zweckgesellschaft.[16]

Die Vorteile einer Verbriefungstransaktion liegen in den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zur Risikosteuerung, den günstigen Refinanzierungskosten sowie den möglichen Verbesserungen finanzwirtschaftlicher Kennzahlen.[17] ABS-Trans­aktionen können als Oberbegriff für alle Verbriefungstransaktionen gesehen werden. Aufgrund der Vielzahl der infrage kommenden Referenzaktiva für eine Verbriefung sind weitere Klassifizierungsmöglichkeiten denkbar.[18]

Im Folgenden werden die weiteren Instrumente des Kreditrisikotransfers mit Übertragung des rechtlichen Eigentums behandelt. Während mit einer Verbriefungstransaktion die Kreditrisiken i.d.R. direkt nach der Kreditvergabe transferiert werden, kommen Kreditverkäufe (Loan Sale) dann zum Einsatz, wenn zu einem späteren Zeitpunkt das Kreditrisiko übertragen werden soll.[19]

Bei Kreditverkäufen handelte es sich rechtlich gesehen um eine Abtretung der Zahlungsströme des Kredites an eine dritte Partei. Sofern eine Möglichkeit zum Verkauf im Kreditvertrag besteht, bleibt dieser allerdings von der Veräußerung unberührt. Eine vollständige Übertragung des Kreditrisikos auf den Kreditkäufer ist trotzdem möglich, sofern im Insolvenzfall keine Rückgriffsmöglichkeiten (Non Recourse) auf die kreditveräußernde Partei bestehen.[20]

Ein weiteres Instrument des Kreditrisikotransfers dieser Kateorie ist das Factoring. Sowohl beim Factoring, als auch bei Verbriefungstransaktionen werden Forderungen an eine dritte Partei primär zur Liquiditätsbeschaffung veräußert. Beim Factoring werden jedoch i.d.R. kurzfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen als Referenzaktiva verwendet, weshalb das Factoring im Kontext dieser Arbeit eine untergeordnete Rolle spielt.[21] In Hinblick auf den Kreditrisikotransfer muss allerdings zwischen dem sog. echten und unechten Factoring unterschieden werden, denn nur beim echten Factoring wird das Kreditrisiko auch vom Forderungskäufer (Factor) übernommen.[22]

2.2.2 Produkte ohne Übertragung des rechtlichen Eigentums

Zu den Produkten ohne Übertragung des rechtlichen Eigentums zählen die Kreditderivate. Ein Kreditderivat ist ein bilateraler Vertrag, der die Separierung von spezifischen Teilen des Kreditrisikos eines zugrundeliegenden Vermögenswertes ermöglicht.[23] Gegen Zahlung einer Prämie wird das Kreditrisiko auf den Sicherungsgeber übertragen, wobei die Pflicht für mögliche Ausgleichszahlungen an den Sicherungsnehmer von der Ausgestaltung des Derivates abhängt.[24] Aufgrund der unzähligen Varianten von Kreditderivaten beschränken sich die folgenden Ausführungen auf die Funktionsweisen der drei bedeutendsten Instrumente, Credit Default Swaps (CDS), Total Return Swaps (TRS) und Credit Linked Notes (CLN).[25]

Credit Default Swaps nehmen den größten Anteil am Over the Counter (OTC) Markt für Kreditderivate ein.[26] In Anhang 5 wird die Funktionsweise dieses Produktes dargestellt. Der Sicherungsnehmer, als Erwerber des Derivates, zahlt eine periodische Prämie[27] an den Sicherungsgeber und erhält im Gegenzug bei Eintritt eines Kreditfalls (Credit Event)[28] des zugrundeliegenden Referenzaktivums eine Ausgleichszahlung vom Sicherungsgeber. Durch den CDS wird das Kreditrisikoprofil des Kassageschäftes repliziert und auf den Sicherungsgeber übertragen. Der Sicherungsnehmer überträgt durch den außerbörslichen Erwerb des CDS zwar das originäre Kreditrisiko des Referenzaktivums auf den Sicherungsgeber, gegenüber dem er jedoch ein Kontrahentenrisiko aufbaut. Dies kann bei geringer Marktteilnehmerzahl zu Risikokonzentrationen auf dem OTC-Markt führen.

Die dargestellte Funktionsweise eines CDS ähnelt der einer Finanzgarantie. Der Sicherungsgeber kann jedoch keine Ansprüche gegenüber dem Referenzschuldner geltend machen.[29] Aufgrund dieses Charakteristikums ergeben sich Schwierigkeiten bei der bilanziellen Erfassung des Produktes, auf die im Kapitel 3.2 genauer eingegangen werden soll.

Bei einem Total Return Swap wird im Gegensatz zu einem CDS nicht nur das Ausfallrisiko, sondern der gesamte ökonomische Ertrag (Total Return) für eine bestimmte Dauer gegen einen anderen Zahlungsstrom getauscht. Es erfolgt eine Duplizierung des Kassageschäftes mit geldmarktnaher Finanzierung.[30]

In Anhang 6 ist die Funktionsweise eines TRS dargestellt. Der Sicherungsnehmer (Total Return Zahler) leitet die Kuponzahlungen und die Kursgewinne des Referenzaktivums an den Sicherungsgeber (Total Return Empfänger) weiter. Dafür erhält er im Gegenzug eine vertraglich vereinbarte Zinszahlung, die sich aus einem Referenzzinssatz, einem Spread sowie einer Erstattungen bei Kursverlusten des Referenzaktivums zusammensetzt.[31] Mögliche Wertänderungen aufgrund des Marktpreisrisikos und des Adressrisikos können jedoch verrechnet werden. Bei der Betrachtung der Risikoposition muss beachtet werden, dass durch einen TRS zwar das gesamte ökonomische Risiko des Referenzaktivums übertragen wird, gleichzeitig aber ein Kontrahentenrisiko aus dem Derivat gegenüber dem Sicherungsgeber aufgebaut wird.[32]

Ein Grund für die Attraktivität von TRS liegt darin, dass aufgrund der Übertragung des gesamten ökonomischen Risikos andere Marktteilnehmer einen Zugang zu bisher nicht erreichbaren Kundengruppen/Investments erhalten können.[33] Darüber hinaus können Marktteilnehmer mit vergleichsweise hohen Refinanzierungskosten günstige Anlagealternativen finden, sofern der vom Sicherungsnehmer verlangte geldmarktnahe Zins plus Spread niedriger ist, als die eigenen Refinanzierungskosten.[34]

Kreditderivate können nicht nur einzeln gehandelt, sondern auch mit Anleihen zu strukturierten Wertpapieren verknüpft werden. Bei der Kombination einer Anleihe (Basisvertrag) mit einem CDS handelt es sich um eine Credit Linked Note. Anhang 7 verdeutlicht die Funktionsweise einer CLN.

Die CLN wird üblicherweise vom Sicherungsnehmer oder, um den Sicherungsgeber vor dem Ausfallrisiko des Emittenten zu schützen, von einer speziell dazu gegründeten Zweckgesellschaft begeben.[35] Der Sicherungsnehmer erhält daraufhin vom Sicherungsgeber, der die Anleihe erwirbt, den Anleihebetrag. Tritt ein vorher spezifiziertes Kreditereignis des Referenzaktivums ein, erhält der Sicherungsgeber nur reduzierte Zins- und Tilgungszahlungen aus der Anleihe zurück.[36] Tritt kein Credit Event ein, sind die vollständigen Zins- und Tilgungszahlungen zu erfüllen. Damit wird das Kreditrisiko vom Referenzaktivum separiert und auf den Sicherungsgeber übertragen.

Im Gegensatz zum CDS und zum TRS ist der Sicherungsnehmer bei einer CLN gegen den Ausfall des Sicherungsgebers abgesichert, da durch den zu Beginn fälligen Anleihebetrag eine Barunterlegung des ursprünglichen Kreditrisikos erfolgt.[37] Aus diesem Grund können CLN auch an Sicherungsgeber mit schlechterer Bonität veräußert werden.[38]

Zur Vervollständigung soll an dieser Stelle auch auf die traditionellen Instru­mente, wie die Kreditgarantie bzw. -versicherung eingegangen werden. Bei einer Kreditversicherung verpflichtet sich der Garantiegeber, bei einem Kreditausfall oder einer Zahlungsverzögerung den daraus entstehenden Schaden zu übernehmen.[39] Das Kreditrisiko wird damit auf den Sicherungsgeber übertragen, wobei für den Sicherungsnehmer aus dieser Transaktion ein Kontrahentenrisiko entsteht. Die Kreditversicherung stellt aufgrund der institutionellen Rahmenbedingungen allerdings keine wirkliche Alternative zu den Kreditderivaten dar, weshalb sie im Rahmen dieser Arbeit eine untergeordnete Rolle spielt.[40]

2.3 Kreditrisikotransfer in der Finanzmarktkrise

2.3.1 Die Rolle der Kreditrisikotransferinstrumente in der Krise

Schwierigkeiten in einem Sub-Segment des US-Hypothekenmarktes (Subprime Sektor) führten zur Entstehung einer globalen Finanzmarktkrise, deren Ausmaß und Gefährdungswirkung für die Stabilität des Finanzsystems und sogar ganzer Volkswirtschaften schon jetzt einzigartig in der Geschichte ist.[41] Die Antwort auf die Frage nach den Ursachen ist vielschichtig und wird weiterhin stark diskutiert.

Fest steht jedoch, dass Kreditrisikotransferprodukte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und der Ansteckung vieler Beteiligter der Krise gespielt haben. Kreditrisikotransferprodukte, eine zeitweise Niedrigzinsperiode und der Trend steigender Immobilienpreise in den USA bildeten die Basis des Kreditbooms im Subprime-Sektor. Ferner waren Kreditrisikotransferprodukte der Mechanismus zur Verteilung der Kreditrisiken in das weltweite Finanzsystem.

Die in Anhang 8 dargestellte Übersicht der Volumenentwicklung des US-Hypo­thekenmarktes zeigt zwischen den Jahren 2001 und 2006 einen stetigen Anstieg. Auffällig dabei ist, dass insbesondere ab dem Jahr 2004 eine Verschiebung vom Prime Segment zum Non-Prime Segment zu erkennen ist. Eine Korrektur des Kreditbooms im Non-Prime Segment ist erst im Jahre 2007 zu beobachten.

Gleichzeitig verdeutlicht in Anhang 2 die Übersicht der Volumenentwicklung der Kreditverbriefungen in den USA zum einen, dass der gesamte Markt für Verbriefungstransaktionen in den USA in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist. Zum anderen wird anhand der Daten deutlich, dass diese Wachstumsentwicklung zum überwiegenden Teil auf einen drastischen Anstieg der Hypothekenverbriefungen zurückzuführen ist. Die Übersicht in Anhang 9 unterstreicht diese Beobachtungen durch einen Vergleich der im Jahr 2003 und 2007 zugrundeliegenden Forderungen von ABS-Transaktionen in den USA.

Es zeigt sich, dass es speziell durch den Kreditrisikotransfer mittels Verbriefungstransaktionen nach dem Originate-to-Distribute Modell (OTD)[42] im Vorfeld der Krise zu einer exzessiven Hypothekenvergabe im Non-Prime Segment kam.[43] Durch die Möglichkeit des direkten Risikotransfers sind Screening Aktivitäten des Originators zum Teil vernachlässigt worden, wodurch zu viele risikoreiche Kredite ausgereicht worden sind.[44] Diese Kreditrisiken haben sich im weltweiten Finanzsystem aufgrund mehrfach hintereinandergeschalteter Verbriefungstransaktionen flächendeckend verteilt.[45] Der Überblick über die tatsächlichen Risiken der Wertpapiere ging dabei aufgrund der immer wieder neuen Zusammensetzung der Forderungspools verloren. Aufgrund von steigenden Ausfallraten der Hypothekenkredite kam es zu einer flächendeckenden Abwertung der ABS-Papiere, da niemand mehr die tatsächliche Qualität der den Wertpapiere zugrundeliegenden Forderungen beurteilen konnte.

2.3.2 Informationsasymmetrien im Zusammenhang mit dem
Kreditrisikotransfer

Bei der Entstehung und Ausbreitung der Finanzmarktkrise hat die mangelnde Transparenz über den Einsatz von Kreditrisikotransferprodukten eine entscheidende Rolle gespielt. Als kritischer Faktor können in diesem Zusammenhang Friktionen bzw. Informationsasymmetrien auf mehreren Ebenen der Wertschöpfungskette von Verbriefungstransaktionen gesehen werden. Diese führen dazu, dass die Beurteilung der Qualität der den ABS-Wertpapiere zugrundeliegenden Forderungen erschwert wird.[46]

Auf der ersten Ebene der Wertschöpfungskette können Friktionen zwischen Kreditnehmer und Originator der Verbriefungstransaktion festgestellt werden und beschreiben ein sog. Moral Hazard Risiko. Insbesondere im Kontext der Finanzmarktkrise ist festzustellen, dass Subprime-Kreditnehmer aufgrund der hohen Komplexität der Finanzierungsprodukte oft nur unzureichend über mögliche zur Auswahl stehende Finanzierungsalternativen aufgeklärt wurden.[47] Zudem wurden sie oft nur unzureichend über Rechte und Pflichten aus dem Abschluss des Kreditvertrages und Konsequenzen aus Änderungen des wirtschaftlichen Umfeldes oder des Zinsniveaus informiert.[48] Es besteht allerdings umgekehrt auch das Problem, dass ein Kreditnehmer hinsichtlich seiner Kreditwürdigkeit nur eingeschränkt Auskunft gibt. In der Konsequenz haben diese Friktionen zu einer Ausweitung der Kreditvergaben (predatory lending and borrowing) geführt.[49]

Im weiteren Verlauf der Wertschöpfungskette kann es zu Friktionen zwischen Kreditoriginator und Arrangeur kommen. Der Originator übernimmt bei ABS-Transaktionen i.d.R. das Monitoring und Servicing des Forderungspools. Die Monitoring Aktivitäten des Originators sind für den Arrangeur nicht überprüfbar und die daraus gewonnenen Informationen sind ihm nicht zugänglich, wodurch eine Kollusionsgefahr[50] entstehen kann.[51] Zu diesen Absprachen können beispielsweise die Freigabe von Sicherheiten oder ausbleibende Sanktionierungen bei Covenants-Verletzungen zählen.[52]

Im Rahmen des Verbriefungsprozesses kommt es zudem zu einem Adverse Selection Problem zwischen Arrangeur und Investor. Dieses resultiert aus Friktionen, die im Wesentlichen auf einer unterschiedlichen Informationsverteilung über die Qualität des Kreditportfolios beruhen.[53]

Letztlich soll auch auf die Friktionen zwischen Ratingagentur und Investor hingewiesen werden. Die Ratingagenturen werden vom Arrangeur mit der Beurteilung der Emissionspapiere beauftragt. Im Rahmen dieser Tätigkeit erfolgt i.d.R. auch eine Beratungsleistung, wodurch aufgrund der möglichen Einschränkung der Unabhängigkeit der Ratingagentur ein Konflikt mit den Investoren entstehen kann.[54] Investoren müssen sich auf die von den Ratingagenturen eingesetzten Modelle zur Beurteilung der Risiken verlassen, da sie nicht in der Lage sind, eine solche Bewertung selber durchzuführen.[55]

Die Minderung des Informationsgehaltes aufgrund der oben beschriebenen Friktionen im Wertschöpfungsprozess von ABS-Transaktionen kann als wichtiger Treiber für den Ausbruch der Finanzmarktkrise gesehen werden. In Hinblick auf eine umfangreichere Ursachenanalyse müssen allerdings weitere Treiber in den nachfolgenden Prozessen des Kreditrisikotransfers und dabei insbesondere im Risikomanagement gesucht werden.[56] Fest steht jedoch, dass der verminderte Informationsgehalt die Notwendigkeit einer transparenten Berichterstattung begründet.

2.3.3 Ausgewählte Probleme der mangelnden Transparenz in der
Berichterstattung über den Transfer von Kreditrisiken

Aufgrund der mangelnden Transparenz in der Berichterstattung über den Kreditrisikotransfer kann es zu vielschichtigen Problemen, insbesondere in der Einschätzung der Risikosituation von Banken, kommen.

Auf Einzelebene ergibt sich durch die oft unzureichende Informationspolitik[57] der Banken ein Problem für die Abschlussadressaten. Im Verlauf der Finanzmarktkrise sind diesbezüglich zwei Entwicklungen zu beobachten gewesen.

Zum einen haben Investoren aufgrund des allgemeinen Vertrauensverlustes auf den Finanzmärkten den Banken keine weiteren Finanzmittel zur Verfügung gestellt.[58] Zum anderen kam es im Finanzsystem zu einer Vertrauenskrise zwischen den Banken. Die Unsicherheit über die Risikosituation der Gegenpartei wurde zusätzlich durch die Insolvenz einer der größten Investmentbanken Lehman Brothers geschürt.[59] Als Konsequenz kam der Interbankenhandel aber auch der Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere zeitweise völlig zum Stillstand.

Franke und Krahnen sehen die mangelnde Transparenz als einen entscheidenden Faktor beim Zusammenbruch dieser Märkte.[60] Die Autoren identifizieren in ihrer Analyse ein Transparenzproblem bei der Einschätzung der Qualität bzw. der Risiken der forderungsbesicherten Wertpapiere.

Im Verlustfall kommt es bei Tranchierungen zu einer Verschiebung der Verlustverteilung und einer Änderung des Risikoprofils der übrigen Tranchen.[61] Der konkrete Umfang der Risiken wird in diesem Fall nur unzureichend dargestellt und eine Einschätzung der Risikosituation der Banken erschwert. Darüber hinaus wird aber auch die fehlende Transparenz bei der Beurteilung des Ausfallrisikos mittels der Ratingangabe als Auslöser für die Marktzusammenbrüche gesehen.[62]

Die mangelnde Transparenz über die Qualität der Vermögenswerte bzw. über mögliche Risikoverschiebungen kann Einzug in die bilanzielle Berichterstattung finden, wodurch die Risikosituation der Banken nicht mehr beurteilt werden kann.[63] Zusätzlich führt die Handelbarkeit von Kreditrisiken mittels Kreditderivaten dazu, dass Banken ihre Risikosituation innerhalb kurzer Zeit ohne erhebliche Einflüsse auf die direkte Liquiditätslage stark verändern können, weshalb eine adäquate Berichterstattung um so wichtiger erscheint.

Auf übergeordneter Ebene befassen sich eine Reihe von Studien mit dem systematischen Risiko von Kreditrisikotransferprodukten und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität.

Eine Studie der Deutschen Bundesbank untersucht den Einsatz von Kreditrisikotransferprodukten deutscher Banken und Aspekte der Finanzmarktstabilität. Die Deutsche Bundesbank kommt dabei zu dem Ergebnis, dass entwickelte und liquide Märkte für Kreditrisikotransferprodukte die Stabilität des Banken- und Finanzsystems spürbar erhöhen können.[64] Dies ist eine Folge der durch den Risikotransfer geschaffenen Diversifikationsmöglichkeiten. Im Rahmen der Studie werden auch Problembereiche benannt, die eine Destabilisierung auslösen können. Dabei werden zum einen die hohe Konzentration auf wenige Marktteilnehmer, zum anderen aber auch die asymmetrische Informationsverteilung als Gefahrenfeld identifiziert.[65] Darüber hinaus kann der Kreditrisikotransfer die Intransparenz der Risikosituation der Banken erhöhen und dabei insbesondere zum Verlust der Aussagekraft von Bilanzdaten und -kennziffern führen.[66]

Eine weitere Studie von Wagner und Marsh kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass der Kreditrisikotransfer zur Verbesserung der Effizienz und der Stabilität des Finanzsystems beitragen kann.[67] Die Autoren sehen jedoch Gefahrenfelder für die Finanzmarktstabilität, die insbesondere aus der Unreife der Kreditrisikotransfermärkte resultieren. Sie benennen ebenfalls die hohe Risikokonzentration und die zu beobachtenden Informationsasymmetrien als Problembereich.[68] Zusätzlich wird auf Bewertungsprobleme aufgrund der hohen Komplexität der Produkte und auf den zu geringen Risikotransfer aus dem Bankensektor heraus hingewiesen.[69] Als kritischen Faktor sehen die Autoren die zu geringe Transparenz der weitergeleiteten Kreditrisiken für die übrigen Marktteilnehmer.[70]

Es lässt sich festhalten, dass die im Kontext der Finanzmarktkrise zu beobachtenden Informationsasymmetrien einen negativen Einfluss auf die Transparenz der weitergeleiteten Risiken haben. Die Studien zeigen, dass dieser Transparenzmangel auch weitreichende Folgen für die Stabilität des Finanzmarktes haben kann. Nur durch einen Abbau der Informationsasymmetrien in Verbindung mit einer transparenteren Berichterstattung kann die Informationsqualität erhöht werden, um dadurch die Risiken für die Finanzmarktstabilität zu reduzieren.

3 Abbildungsunterschiede von Kreditrisikotransferprodukten in der Bankrechnungslegung nach IFRS

3.1 Abbildung von Produkten mit Übertragung des rechtlichen Eigentums

3.1.1 Abbildung von ABS-Transaktionen beim Originator

Die folgende Darstellung bezieht sich ausschließlich auf die Abbildung von ABS-Transaktionen beim Originator/Risikoverkäufer, wobei in diesem Kapitel nur klassische, nicht aber synthetische Verbriefungstransaktionen behandelt werden.[71] Synthetische Verbriefungen und die damit verbundene Behandlung von CLN sind Bestandteil des Kapitels 3.2.3 und werden im Rahmen der Ausführung zur Behandlung von eingebetteten Derivaten thematisiert.

Im Zusammenhang mit der Abbildung von ABS-Transaktionen in der externen Rechnungslegung von Banken sind die Regelungen IAS 39 ‚Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung’ und insbesondere die darin enthaltenen Vorschriften zur Ausbuchung von finanziellen Vermögenswerten zu beachten.

Hinsichtlich der Umsetzung muss zunächst die Hierarchieebene festgelegt werden, auf der anschließend die Ausbuchungsregelungen zur Anwendung kommen.[72] Da die Ausbuchungsregelungen auf konsolidierter Basis anzuwenden sind, ist zunächst zu prüfen, ob mögliche SPEs zu konsolidieren sind.[73] Die Übertragung der Forderungsrechte ist dementsprechend nur zu prüfen, wenn die Zweckgesellschaft nicht in den Konsolidierungskreis der Bank fällt oder, wenn sie die Forderungen an eine Partei außerhalb des Konsolidierungskreises der Bank überträgt.[74]

Nach IAS 27 folgen die Regelungen zur Konsolidierung dem Control-Concept [75], welches von einer Pflicht zur Konsolidierung ausgeht, wenn die Möglichkeit besteht, die Finanz- und Geschäftspolitik eines Unternehmens zu bestimmen, um aus deren Tätigkeit Nutzen zu ziehen.[76] Man spricht auch von einer Beherrschung des Tochterunternehmens oder der SPE.[77]

In der Praxis führen die Regelungen des Control-Concepts aufgrund geringer Beteiligungsverhältnisse und der gesellschaftsrechtlichen Ausgestaltung der SPEs in den meisten Fällen nicht zu einer Konsolidierungspflicht.[78] Aus diesem Grund wurden 1998 vom Standard Interpretations Committee durch SIC-12 zusätzliche rechtsverbindliche Regelungen zur Konsolidierung von Zweckgesellschaften verabschiedet, bei denen das Vorliegen eines Control-Verhältnisses anhand einer wirtschaftlichen Betrachtung erfolgt.

In SIC-12 werden dazu Indikatoren benannt, die auf eine mögliche Beherrschung hindeuten können.[79],[80] Die Regelungen in SIC-12 sind sehr allgemein gehalten. Dies wird zu weilen kontrovers diskutiert, ist aber dem Tatbestand geschuldet, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Beziehungsgeflechte zwischen Bank und SPE abgedeckt werden soll.[81]

Für die eigentliche Abbildung von klassischen ABS-Transaktionen müssen im nächsten Schritt die Ausbuchungsregelungen für finanzielle Vermögenswerte (IAS 39.16-37 und A36-A52) beachtet werden.[82] Dabei ist ein zweistufiges Verfahren zu durchlaufen, bei dem zunächst die Behandlung nach dem Risk and Rewards-Ansatz und in der zweiten Stufe nach dem Control-Ansatz erfolgt.[83]

Grundsätzlich ist eine Ausbuchung von finanziellen Vermögenswerten nach IAS 39.17 nur zulässig, wenn die vertraglichen Rechte an den Cashflows aus dem Vermögenswert ausgelaufen sind oder eine Übertragung der Rechte bzw. eine nach IAS 39.19 qualifizierte Durchleitungsvereinbarung besteht.[84] Unsicherheiten bei der Anwendung können sich ergeben, da vom Verkäufer bereitgestellte Credit Enhancements einen Verstoß gegen das Kriterien IAS 39.19 a) der qualifizierten Durchleitungsvereinbarung darstellen können.[85] Hinsichtlich der Vorschrift IAS 39.19 c) bleibt zudem offen, ab welchem Zeitraum man von einer wesentlichen Verzögerung sprechen muss.[86]

Die Übertragung der Rechte bewirkt nicht zwangsläufig eine Ausbuchung, vielmehr ist gemäß der ersten Stufe der Ausbuchungsvorschriften im Rahmen des Risk and Rewards-Ansatzes zu prüfen, ob der Forderungsverkäufer so gut wie alle[87] Chancen und Risiken an den Vermögenswerten übertragen oder diese zurückbehalten hat. IAS 39.21 sieht dazu einen Vergleich der Risikopositionen unter Berücksichtigung des zeitlichen Anfalls der Nettocashflows vor und nach der Transaktion vor.[88] Insbesondere die eventuell bereitgestellten Credit Enhance­ments sind an dieser Stelle einzubeziehen, da diese den Grad des Risikorückbehalts erheblich beeinflussen können.

In den Fällen, in denen so gut wie alle Chancen und Risiken weder zurückbehalten noch übertragen wurden, ist gemäß der zweiten Stufe nach dem Control-Ansatz zu prüfen, ob die Verfügungsmacht über den Vermögenswert zurückbehalten wurde. Dies hängt im Wesentlichen von der Fähigkeit ab, den Vermögensgegenstand zu verkaufen oder zu verpfänden.[89] Werden Forderungen durch eine Durchleitungsvereinbarung übertragen, kann die Verfügungsmacht nicht übergehen, da gemäß IAS 39.19 b) ein Verbot zur Veräußerung bzw. Verpfändung besteht. Ebenfalls können gestellte Credit Enhancements eine Verfügungsbefugnis begründen und somit einen Rückbehalt der Verfügungsmacht darstellen.

Ergibt die Prüfung, dass eine Übertragung der Verfügungsmacht nicht erfolgt, ist der Vermögenswert gemäß dem Continuing Involvement-Ansatz in dem Umfang zu bilanzieren, in dem das Unternehmen der Wertänderung weiterhin ausgesetzt ist.[90] Gleichzeitig ist eine korrespondierende Verbindlichkeit auszuweisen, sodass der Nettobetrag aus Aktiv- und Passivposten die verbleibenden Ansprüche bzw. Pflichten widerspiegelt.[91]

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Regelungen in vielen Bereichen einen unerwünschten Interpretationsspielraum bei der Anwendung eröffnen. Bereits im Umgang mit der Konsolidierung von SPEs kann große Unsicherheit entstehen, da die Regelungslücken genutzt werden, um in nicht unerheblichem Umfang Geschäfte außerhalb der Bankbilanzen zu betreiben.[92] Mittels gestellter Credit Enhancements können diese Geschäfte im Krisenfall eine existenzgefährdende Wirkung auf die Risikosituation der Banken haben. Die Verlässlichkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse wird aufgrund der Schwierigkeiten der drei Bedingungen zur qualifizierten Durchleitungsvereinbarung zudem in hohem Umfang eingeschränkt.[93] Auch undefinierte Begrifflichkeiten, wie ‚so gut wie alle’, lassen Raum für Interpretationen und führen dazu, dass der Bilanzleser unter Umständen keinen transparenten Einblick in die Geschäftstätigkeiten und die Risikosituation der betrachteten Bank erhält.

[...]


[1] Vgl. dazu die folgenden Quellen: Burghof, H.-P./Henke, S. (2005); Burghof, H.-P./Prothmann, F. (2008); Rudolph, B. et al. (2007); Rudolph, B. (2008).

[2] Vgl. dazu die folgenden Quellen: Löw, E./Lorenz, K. (2005); Auerbach, D./Klotzbach, D. (2005); Kuhn, S./Scharpf, P. (2006); Grünberger, D. (2006).

[3] Vgl. dazu die folgenden Quellen: Watrin, C./Struffert, R. (2007); i.V.m. Struffert, R. (2006).

[4] Vgl. Gruber, J./Schmid, I. (2005), S. 5.

[5] Siehe Anhang 1 für eine Übersicht der Entwicklung des Volumens weltweit gehandelter Kreditderivate sowie Anhang 2 für eine Übersicht der Volumenentwicklung der Kreditverbriefungen in den USA.

[6] Vgl. Burghof, H.-P./Paul, S./Rudolph, B. (2005), S. 3f. für eine Definition und Abgrenzung des Begriffs Kreditrisiko.

[7] Vgl. Rudolph, B. et al. (2007), S. 1-11.

[8] Vgl. DB Research (2003), S. 6.

[9] Eine Behandlung dieses Themenbereiches ist im Rahmen dieser Arbeit nicht vorgesehen. Vgl. Rudolph, B. et al. (2007), S. 137-150 für einen detaillierten Überblick der bankaufsichtlichen Behandlung des Kreditrisikotransfers.

[10] Vgl. Struffert, R. (2007), S. 488f.

[11] Vgl. Arbeitskreis „Finanzierung“ der Schmalenbach-Gesellschaft (1992), S. 498-500 und 521-527 für einen Überblick der historischen Entwicklung.

[12] Vgl. Struffert, R. (2007), S. 11-15 für eine detailliertere Darstellung.

[13] Wird auch als Special Purpose Entity (SPE) oder Special Purpose Vehicle (SPV) bezeichnet.

[14] Vgl. App, J. G./Klein, J. (2006), S. 487.

[15] Aufteilung der Wertpapiere anhand der Vorrangigkeit späterer Zahlungsansprüche.

[16] Die Weiterleitung der Zahlungen an die Investoren erfolgt entweder über die sog. Pass-Through Methode (Zins- und Tilgungszahlungen werden nach Abzug von Gebühren unverändert weitergeleitet) oder wie in Anhang 3 dargestellt über die sog. Pay-Through Methode (Zahlungen werden zunächst gesammelt und gemäß der Vorrangigkeit unterschiedlicher Wertpapiertranchen auf die Investoren verteilt); vgl. Hartmann-Wendels, T./Pfingsten, A./Weber, M. (2004), S. 266.

[17] Vgl. Arbeitskreis „Finanzierung“ der Schmalenbach-Gesellschaft (1992), S. 517-521.

[18] Siehe Anhang 4 für eine Übersicht weiterer Klassifizierungsmöglichkeiten. Sowie detaillierte Ausführungen zu CLOs in: Herrmann, M. (2005), S. 87-104.

[19] Vgl. Burghof, H.-P./Henke, S. (2005), S. 111.

[20] Vgl. Burghof, H.-P./Henke, S. (2005), S. 113.

[21] Vgl. Struffert, R. (2007), S. 481.

[22] Vgl. Hartmann-Wendels, T./Pfingsten, A./Weber, M. (2004), S. 184.

[23] Vgl. Neske, C. (2005), S. 56.

[24] Vgl. Hull, J. C. (2006), S. 507f.

[25] Vgl. Posthaus, A. (2005), S. 71-86 oder Rudolph, B. et al. (2007), S. 89-95 für eine weiterführende Darstellung von exotischeren Kreditderivaten.

[26] Vgl. BBA (2006), S. 6.

[27] Sofern die Prämienzahlung einmalig zu Beginn der Transaktion geleistet wird, spricht man auch von einer Credit Default Option; vgl. Lause, S. (2005), S. 24.

[28] Zur Definition und Verifikation eines Credit Event werden i.d.R. Rahmenverträge der ISDA (International Swaps and Derivatives Association) verwendet. Demnach führen keine Preisbewegungen, sondern Insolvenz, Zahlungsausfall, Schuldenrestrukturierung, vorzeitiges Fälligwerden der Verbindlichkeit und bewusste Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen zu einem Credit Event; vgl. Neske, C. (2005), S. 56.

[29] Vgl. Struffert, R. (2007), S. 479.

[30] Vgl. Neske, C. (2005), S. 61.

[31] Vgl. Lause, S. (2005), S. 27f.

[32] Für das Kontrahentenrisiko wird der Sicherungsnehmer i.H.d. Spreadaufschlags kompensiert; vgl. Hull, J. C. (2006), S. 516.

[33] Beispielsweise können Versicherungsunternehmen dadurch Zugang zum Markt für syndizierte Bankkredite erhalten; vgl. Neske, C. (2005), S. 63f.

[34] Vgl. Neske, C. (2005), S. 62.

[35] Vgl. Neske, C. (2005), S. 67f. für eine abweichende Darstellung, wenn bei Emission einer CLN eine SPE einbezogen wird.

[36] Vgl. Neske, C. (2005), S. 62.

[37] Vgl. Struffert, R. (2007), S. 479.

[38] Vgl. Hartmann-Wendels, T./Pfingsten, A./Weber, M. (2004), S. 311.

[39] Vgl. Burghof, H.-P./Henke, S. (2005), S. 107.

[40] Vgl. Burghof, H.-P./Henke, S. (2005), S. 107 für weiterführende Erklärungen.

[41] Der US-Hypothekenmarkt ist in Prime und Non-Prime Segmente unterteilt, die sich jeweils in weitere Sub-Segemente aufteilen lassen. Der Subprime Sektor als Sub-Segment des Non-Prime Segmentes wird als der Teil des privaten US-Hypothekenmarktes bezeichnet, der überwiegend aus Kreditnehmern schlechter Bonität besteht.

[42] Dies bedeutet: Kreditgewährung, Verbriefung und Veräußerung in Tranchen an Investoren.

[43] Vgl. Purnanandam, A. K. (2009), S. 19.

[44] Es hat sich im Verlauf der Krise gezeigt, dass Banken mit erhöhter Anwendung einer OTD-Strategie deutlich höhere Default Raten auf ihre Hypothekendarlehen verzeichnen mussten; vgl. Purnanandam, A. K. (2009), S. 14-16.

[45] Vgl. Hartmann-Wendels, T. (2008a), S. 708f.

[46] Vgl. Ashcraft, A. B./Schuermann, T. (2008), S. 11f.

[47] Vgl. Ashcraft, A. B./Schuermann, T. (2008), S. 5 i.V.m. S. 11.

[48] Vgl. Rudolph, B. (2008), S. 726f.

[49] Vgl. Ashcraft, A. B./Schuermann, T. (2008), S. 11.

[50] „Unter Kollusionen werden gewinnbringende Absprachen zwischen mindestens zwei Akteuren (Wirtschaftssubjekten) verstanden, welche jedoch zulasten eines Dritten gehen und insgesamt zu einem Wohlfahrtsverlust führen.“ Scholz, J. (2008), S. 2.

[51] Vgl. Scholz, J. (2008), S. 6.

[52] Vgl. Scholz, J. (2008), S. 6.

[53] Vgl. Ashcraft, A. B./Schuermann, T. (2008), S. 6f.

[54] Vgl. Ashcraft, A. B./Schuermann, T. (2008), S. 10f.

[55] Das Problem nicht adäquater Bewertungsmodelle ist ein viel diskutiertes Thema. Vgl. Rudolph, B. (2008), S. 727 und 737f zur Rolle der Ratingagenturen in der Finanzmarktkrise.

[56] Vgl. Rudolph, B. (2008), S. 726-738 für Ansätze zur Ursachenanalyse und zu den damit verbundenen Reformvorschlägen.

[57] Dies umfasst neben der Qualität der Berichterstattung über den Transfer von Kreditrisiken auch die mangelhafte und zum Teil unglaubwürdige Informationspolitik über unternehmensrelevante Ereignisse; vgl. Hartmann-Wendels, T. (2008a), S. 709.

[58] Vgl. Burghof, H.-P./Prothmann, F. (2008), S. 703.

[59] Vgl. Hartmann-Wendels, T. (2008b), S. 255.; sowie zu weiteren Ausführungen zum Stillstand des Interbankenmarktes vgl. Franke, G./Krahnen, J. P. (2008), S. 3-5.

[60] Vgl. Franke, G./Krahnen, J. P. (2008), S. 39.

[61] In einem solchen Fall ändern sich somit auch die Korrelationen zu anderen Finanzinstrumenten; vgl. Franke, G./Krahnen, J. P. (2008), S. 39-41.

[62] Die Sensitivität von makroökonomischen Faktoren sind bei AAA Tranchen und gleichartig bewerteten Corporate Bonds stark unterschiedlich, wodurch ein Risikovergleich mittels des Ratings nicht sinnvoll ist; vgl. Franke, G./Krahnen, J. P. (2008), S. 39-42.

[63] Vgl. Franke, G./Krahnen, J. P. (2008), S. 41f.

[64] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 36.

[65] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 39, 41.

[66] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 44.

[67] Vgl. Wagner, W./Marsh, I. (2004), S. 23.

[68] Vgl. Wagner, W./Marsh, I. (2004), S. 2f., 3.

[69] Vgl. Wagner, W./Marsh, I. (2004), S. 18, 24.

[70] Vgl. Wagner, W./Marsh, I. (2004), S. 24.

[71] Vgl. IDW (2007), S. 2-4 für eine Darstellung der Regelungen zur Abbildung beim Investor.

[72] Die Integration der Konsolidierungsregelungen in die Ausbuchungsregelungen kann dabei als sachgerecht angesehen werden; vgl. Struffert, R. (2006), S. 79f.

[73] Vgl. IAS 39.15.

[74] Vgl. PwC (2008), S. 668; Struffert, R. (2006), S. 79.

[75] Siehe Anhang 10 für eine Übersicht der Konzeption des Control-Verhältnisses.

[76] Vgl. IAS 27.4.

[77] Eine Beherrschung kann vorliegen (widerlegbare Vermutung), wenn eine direkte oder indirekte Stimmrechtsmehrheit besteht; vgl. Pellens, B./Füllbier, R. U./Gassen, J. (2006), S. 135f. Darüber hinaus ist auch im Fall fehlender Stimmrechtsmehrheiten von einer Beherrschung (unwiderlegbare Vermutung) auszugehen, wenn: a) durch Vereinbarungen über mehr als die Hälfte der Stimmrechte verfügt werden kann, b) die Finanz- und Geschäftspolitik gemäß Satzung bestimmt werden kann, c) die Mehrheit der Mitglieder von Geschäfts­führungs- und/oder Aufsichtsorganen ernannt oder abberufen werden kann, d) die Mehrheit der Stimmen bei Sitzungen der Geschäftsführungs- und/oder Aufsichtsorganen oder eines anderen Leistungsgremiums bestimmt werden kann; vgl. Watrin, C./Lammert, J. (2008), S. 74-79 sowie Wagenhofer, A. (2005), S. 378.

[78] Vgl. Kütting, K./Gattung, A. (2007), S. 398f.

[79] Vgl. die in SIC-12 Nr. 10 benannten Indikatoren: a) Abstimmung der Geschäftstätigkeit der SPE zugunsten eines anderen Unternehmen b) Entscheidungsmacht, die Mehrheit des Nutzens aus der SPE zu ziehen, oder durch einen „Autopilot“-Mechanismus diese Entscheidungsmacht zu delegieren c) Recht auf die Mehrheit des Nutzens aus der SPE und Tragen des Risikos d) Tragen der Mehrheit der Residual- oder Eigentumsrisiken oder der Vermögenswerte der SPE.

[80] Vgl. Kütting, K./Gattung, A. (2007), S. 397-408 für eine weitere Ausführungen zur Konsolidierung von SPEs.

[81] Vgl. Kütting, K./Gattung, A. (2007), S. 398; Struffert, R. (2006), S. 134f. für Argumente einer negativen Beurteilung von SIC-12. Vgl. Kustner, C. (2004), S. 314 für Argumente einer positiven Beurteilung.

[82] Siehe Anhang 11 für eine schematische Darstellung der Ausbuchungsregelungen.

[83] Vgl. Struffert, R. (2006), S. 76f. zur Entstehung der Kombination aus unterschiedlichen Ansätzen.

[84] IAS 39.19 benennt folgende Kriterien, die für eine qualifizierte Durchleitungsvereinbarung kumulativ erfüllt sein müssen: a) Der Übertragende darf nicht verpflichtet sein den Empfängern Zahlungen zu leisten, sofern er nicht die entsprechenden Beträge von dem ursprünglichen Vermögenswert vereinnahmt. b) Der Übertragende darf den ursprünglichen Vermögenswert nicht verkaufen oder verpfänden. c) Der Übertragende muss die Weiterleitung aller Cashflows ohne wesentliche Verzögerung durchführen.

[85] Ein variabler Kaufpreisabschlag ist als unproblematisch einzuschätzen. Gestellte Garantien stellen jedoch eine weitere Zahlungsverpflichtung dar. Gemäß einer Umfrage, ob dies einen Verstoß gegen die Regelungen in IAS.39.19 lit. a) darstellt herrscht in der Praxis Uneinigkeit; vgl. Struffert, R. (2006), S. 82f.

[86] Vgl. Deloitte (2007), S. 4.

[87] Der Begriff „so gut wie alle“ ist nicht genauer definiert, weshalb auf andere Quellen zurückgegriffen werden muss. Eine Befragung zeigt, dass eine Übertragung i.H.v. 90%-100% als erforderlich angesehen wird, um so gut wie alle Chancen und Risiken zu übertragen; vgl. Struffert, R. (2006), S. 89f.

[88] Vgl. Struffert, R. (2006), S. 87-92 für eine Verdeutlichung des Begriffs Nettocashflow und der anzuwendenden Verfahrensweise.

[89] Vgl. IAS 39.23.

[90] Vgl. Pellens, B./Füllbier, R. U./Gassen, J. (2006), S. 541f.

[91] Vgl. IAS 39.30.

[92] Vgl. Kustner, C. (2004), S. 308.

[93] Vgl. Struffert, R. (2006), S. 98f.

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Titel: Kreditrisikotransferprodukte in der Bankenrechnungslegung