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Offener Unterricht

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Abhandlung: Offener Unterricht

1 Einführung

2 Ziele, Prinzipien und Öffnung des Offenen Unterrichts
2.1 Ziele und Prinzipien des Offenen Unterrichts
2.2 Öffnung des Unterrichts

3 Gründe für den Offenen Unterricht

4 Wirksamkeit des Offenen Unterrichts

5 Methoden und Formen des Offenen Unterrichts
5.1 Vorbereitung einer Unterrichtsöffnung
5.2 Die Formen des Offenen Unterrichts
5.2.1 Das Lernen an Stationen
5.2.2 Die Planarbeit
5.2.3 Die Freiarbeit
5.2.4 Die Projektarbeit

6 Praktische Anwendung

Fazit

Quellenverzeichnis

Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit dem Offenen Unterricht auseinandersetzen. Mein erster Schritt wird sein, auf die Fülle der Definitionen dieses Begriffes einzugehen und zu versuchen, eine Charakteristik des Offenen Unterrichts herauszuarbeiten. Ich werde ihn kurz skizzieren, seine Methoden, Ziele und Prinzipien erläutern und begründen, warum es sich lohnt, sich mit ihm als Lehrkraft zu beschäftigen. Schließlich werde ich einen eigenen Vorschlag zum Offenen Unterricht beschreiben, seine möglichen Probleme ansprechen, wobei ich mich vor allem mit der Frage der Bewertung auseinandersetzen möchte.

Warum lohnt es sich, sich mit diesem Thema immerhin so zu beschäftigen, dass man eine Arbeit darüber verfasst? Ich bin der Ansicht, dass man sich als Lehrkraft mit allen wichtigen Didaktiken beschäftigen muss, um sich bewusst zu werden, wie unterschiedlich der Unterricht gestaltet werden kann und vor allem, um sich Gedanken zu machen, was man in der Schule erreichen möchte. Der Offene Unterricht ist eine der Möglichkeiten, den Unterricht anders oder sogar besser zu machen – und ohne zu wissen, welche Möglichkeiten es gibt und wann man sie verwenden könnte, ist es schwer, wenn nicht unmöglich, einen guten Unterricht zu machen. Und wer möchte schon einen schlechten Unterricht halten?

Abhandlung: Offener Unterricht

1. Einführung

Heutzutage wird viel über eine notwendige Schulreform diskutiert. Dabei wird der 'traditionelle' Unterricht oft auf den Frontalunterricht beschränkt, während 'alles, das den Kindern Spaß macht' als Offener Unterricht bezeichnet wird. Diese Einseitigkeit schadet beiden Seiten: der 'traditionelle' Schulunterricht wird als etwas negatives, etwas langweiliges abgeschrieben, der Offene Unterricht wird wiederum als zu offen gesehen. Offener Unterricht meint angeblich, die Schüler dürfen alles selbst entscheiden, was dazu führt, dass sie wenig (oder gar nichts) lernen, wenn ihnen ein Fach keinen Spaß macht. Ich erwähne hierzu eine Diskussion im Internetforum für Eltern:

' wie viel zusatzstoff sich die kinder erarbeiten und wie viel zeit sie benötigen, entscheiden sie selbst'

· 'Ja super. Wäre genau das Richtige für meine Tochter, sie würde sich immer für null Zusatzstoff entscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei Durchschnittskindern gut funktioniert.'1

Nun ist klar – man muss sich mit dem Begriff auseinandersetzen, bevor man einen Urteil fällen kann. Und hier stößt man bereits auf das erste Problem – es gibt nämlich nicht 'die eine' Definition Offenen Unterrichts. Nach Kunert2 ist es möglich, die Adjektive 'offen', schülerzentriert', 'schülerorientiert', 'informell' usf. synonym zu verwenden, wodurch eine Eindeutigkeit unerreichbar scheint. Ein Blick in die Werke verschiedener Autoren zeigt, wie schwierig es ist, eine exakte Definition zu finden:

'Ich verstehe unter schülerorientiertem Unterricht eine Lernsituation, in der die Bedrohung für das Selbst des Lernenden auf ein Minimum reduziert und differenzierte Wahrnehmung des Erfahrungsfeldes gefördert wird.'3

'Offene Erziehung ist eine moralische Aussage über den Wert, die Individualität, die Würde und die menschlichen Rechte jeder Person, die am Erziehungsgeschehen beteiligt ist.'4

'Schülerorientierter Unterricht ist ein Element der freisetzenden Erziehungsprozesse. Unterricht, der Schüler ausschließlich und allein zu Adressaten extern gefällter Entscheidungen macht, verhindert die Erziehungsziele Selbstständigkeit und Mündigkeit, ausgeglichene personelle und soziale Identität. Schülerorientierter Unterricht ermöglicht Selbstbestimmung, macht den Schüler soweit wie möglich zum Subjekt und nur soweit wie nötig zum Objekt des Lernprozesses.'5

'Offener Unterricht ist eine Organisationsform des Unterrichts oder ein Unterrichtsprinzip, welches es jedem Schüler gestattet frei zu wählen, wo (räumlich) und wann (zeitlich) er in welcher Sozialform an selbst gewählten Inhalten und methodisch individuellem Weg diese Inhalte bearbeitet. Dabei gibt es eine möglichst hohe Mitbestimmung und Mitverantwortung jedes Schülers für die Infrastruktur der Klasse, die Regelfindung innerhalb der Klassengemeinschaft sowie der gemeinsamen Gestaltung der Schulzeit.'6

Mir leuchtet die letzte Definition am meisten ein, weil sie ziemlich konkret ist und ich mir unter ihr am besten vorstellen kann, wie Offener Unterricht verläuft. Ich werde mich in meinen Ausführungen an dieser orientieren.

2. Ziele, Prinzipien und Öffnung des Offenen Unterrichts

Was ist das Ziel Offenen Unterrichts? Welche Prinzipien befolgt er und nach welchen Merkmalen kann man ihn einordnen? Diese Fragen werde ich in diesem Abschnitt behandeln.

2.1 Ziele und Prinzipien des Offenen Unterrichts

'Im Offenen Unterricht wird die Schüleraktivität erhöht, die Lehreraktivität zurückgenommen.'7 Um dieses Leitziel zu erreichen, sind zwei Teilziele und fünf Prinzipien des Offenen Unterrichts zu erfüllen. Mit diesen Teilzielen meine ich zum einen den Erwerb von Wissen, zum anderen den Erwerb von Kompetenzen.8 Der Erwerb von Wissen bedeutet, dass eine Wissensbasis aufgebaut wird, die als Mittel der Erziehung9 und des Erwerbs von Kompetenzen dient. Das Wissen, der Stoff an sich ist nicht der Mittelpunkt des Unterrichts, es ist notwendig, dass es auch anwendbar und für die Schüler von Bedeutung ist.10

Zu den Prinzipien gehören11: Prinzip der Sinnhaftigkeit, Prinzip des Wissens- und Kompetenzerwerbs, Prinzip der Kooperation und Solidarität, Prinzip der Differenzierung, Prinzip der Förderung und Prinzip der Selbstverantwortung. Prinzip der Sinnhaftigkeit vertritt folgenden Grundsatz: Wenn die Schüler das, was sie zu lernen haben, als wichtig und bedeutsam ansehen und dies in konkreten Situationen lernen, steigert sich ihre Motivation, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Um eine solche Beschäftigung zu ermöglichen, braucht man aber ein gewisses Vorwissen und gewisse Kompetenzen, sonst werden die Schüler mit so viel Neuem überfordert und sie ahnen auch nicht, wo sie sich weiteres Wissen oder weitere Fähigkeiten aneignen können. Um diese Unsicherheit zu vermeiden, gibt es das Prinzip des Wissens- und Kompetenzerwerbs. Das Prinzip der Kooperation und Solidarität beruht auf der Voraussetzung, man könne heutzutage nicht mehr alleine die gesellschaftlichen Aufgaben bewältigen, sondern man müsse immer in Gruppen arbeiten. Um diese Zusammenarbeit zu ermöglichen, benötigt man aber Sozialkompetenzen – wie gehe ich mit anderen Menschen um, wie teile ich die Aufgaben in verschiedene Bereiche ein, um es zusammen mit Anderen erfüllen zu können usw. Was natürlich auch berücksichtigt werden muss, sind die Bedürfnisse und Begabungen der Schüler; dies besagt das Prinzip der Differenzierung, da es besagt, der Offene Unterricht müsse diese einzeln aufgreifen. Mit dem Prinzip der Differenzierung hängt das Prinzip der Förderung eng zusammen. Nachdem der Unterricht auf die Begabungen und die Bedürfnisse der Schüler differenziert eingegangen ist, ist es nun möglich, diese zu unterstützen. Alle bisherigen Prinzipien orientierten sich am Schüler – an seinen Interessen, seinen Fähigkeiten, seinen Bedürfnissen. Um all dies zu unterstützen, ist es notwendig, dass der Unterricht auch eine gewisse Verantwortung von den Lehrern auf die Schüler überträgt, z.B. die Auswahl, die Ausgestaltung oder das Arrangement der Lernprozesse. Dadurch setzen sich die Schüler mit ihrer Lebenswelt auseinander und können ihre eigenen Wege finden. Dies befürwortet das Prinzip der Selbstverantwortung.

[...]


1 https://www.eltern.de/foren/probleme-in-weiterf%FChrenden-schulen/493431-schulkonzept-offener-unterricht-erfahrungen-meinungen.html.

2 Kunert, S.12.

3 Riedl, S.18f.

4 Lickona, S.7.

5 Einsiedler / Härle, S.13f.

6 Peschel, S.54.

7 Edel / Popp, S.115.

8 Edel / Popp,S.115.

9 Rogers, S.6ff.

10 Vgl. Edel/ Popp, S.116.

11 In Folgendem beziehe ich mich auf Edel / Popp, S.116.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640500949
ISBN (Buch)
9783640500826
DOI
10.3239/9783640500949
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Pädagogik II
Erscheinungsdatum
2009 (Dezember)
Note
1,3
Schlagworte
Offener Unterricht

Autor

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Titel: Offener Unterricht