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Erläuterung des Unterschieds zwischen Geist und praktischer Intelligenz, sowie seiner Bedeutung in Max Schelers Philosophischer Anthropologie

Die Stellung des Menschen im Kosmos

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Zielsetzung und Abgrenzung des Themas

2. Zum Anliegen und zur Bedeutung der Schrift „Die Stellung des Menschen im Kosmos“

3. Der stufenförmige Aufbau des Scheler’schen anthropologischen Modells
3.1. Die Theorie der praktischen Intelligenz in Max Schelers Anthropologie
3.2. Zur Theorie des Geistes in Max Schelers Anthropologie

4. Praktische Intelligenz und Geist und ihre Bedeutung in Gesamtzusammenhang von Max Schelers Anthropologie

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

„Ich darf mit Befriedigung feststellen, dass die Probleme einer Philosophischen Anthropologie heute geradezu in den Mittelpunkt aller philosophischen Problematik in Deutschland getreten sind“[1], so schreibt Max Scheler in der Einleitung zu seiner Schrift „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ im April 1928. Obschon die Dringlichkeit, die er der Anthropologie beimisst, hier primär erkennbar ist; Max Scheler wendet sich erst in seinem Spätwerk, zu Beginn der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, diesem Themenkreis zu. Schon seit Erwachen seines philosophischen Bewusstseins, so Scheler weiter in seiner Einleitung, haben ihn die Fragen ‚Was ist der Mensch, und was ist seine Stellung im Sein?‘ wesentlich beschäftigt. Die moderne philosophische Anthropologie sieht sich seinerzeit vor die Aufgabe gestellt, die Wesensfrage vor dem Hintergrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse neu zu stellen. Max Schelers Schrift gilt in diesem Zusammenhang als Begründungsschrift der modernen Anthropologie.

1. Zielsetzung und Abgrenzung des Themas

Ziel und Anliegen dieser Hausarbeit soll es sein, im Hinblick auf den Gesamtzusammenhang der philosophischen Anthropologie Max Schelers, die Unterschiede zwischen Geist und praktischer Intelligenz herauszuarbeiten und Ihre Bedeutung im Textzusammenhang der ‚Stellung des Menschen im Kosmos‘ hervorzuheben und zu definieren.

Hierzu dient als Einführung zunächst ein kurzer Überblick über den Inhalt der Schrift, in dem die Hauptkriterien zur Sprache kommen sollen und die Gründe der Aktualität von anthropologischen Fragen im Kontext der Zeit.

Die Arbeit geht dann im Hauptteil über in die Auseinandersetzung mit dem hierarchischen Modell der den Seinsarten zugeordneten unterschiedlichen Fähigkeiten, wobei im Hinblick auf die Themenstellung das Hauptaugenmerk auf der Praktischen Intelligenz und der Theorie des Geistes bei Max Scheler, sowie dem Unterschied zwischen beiden Ebenen liegen wird.

Abschließend soll auf die Bedeutung der Praktischen Intelligenz und des Geistes im Zusammenhang mit der Anthropologie Max Schelers im Gesamten eingegangen werden.

2. Zum Anliegen und zur Bedeutung der Schrift „Die Stellung des Menschen im Kosmos

Max Scheler ist sich bewusst, dass sich der Mensch seiner Zeit, bedingt durch eine Flut neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, in einer Identitätskrise befindet. Je mehr neue Erkenntnisse er über sich und seine Geschichte gewinnt, desto stärker wird das Wissen des Menschen, dass er kein wahrhaftes Wissen über sich selbst besitzt; vor allem aber besitzt der Mensch keine einheitliche Idee von sich selbst. Es herrschen drei gänzlich unvereinbare Ideenkreise: der Gedankenkreis der jüdisch-christlichen Tradition (theologische Anthropologie), der griechische Gedankenkreis (philosophische Anthropologie) und der Gedankenkreis der modernen Naturwissenschaften (naturwissenschaftliche Anthropologie). Durch die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind diese drei Gedankenkreise mehr oder minder problematisch geworden; beispielsweise hat der Darwinismus den theologischen Ideenkreis problematisch werden lassen.

Die wachsende Zahl der Einzelwissenschaften, so Scheler, beschäftigen sich beinahe alle auf die eine oder andere Art und Weise mit dem Wesen des Menschen, doch verdunkeln sie es eher anstatt es zu erhellen.

Gänzlich neu von diesen drei Ideenkreisen sollen Antworten auf die neudefinierte Wesensfrage ‚Was ist der Mensch, und was ist seine Stellung im Sein?‘ formuliert werden; „ohne die bisher übliche ganz-, halb- oder viertelsbewusste Bindung an eine theologische, philosophische und naturwissenschaftliche Tradition“[2]. Die sich hieraus ergebenden vielfältigen Antwortmöglichkeiten sollen im Endzweck zur Entwicklung eines neuen Selbstbewusstseins und einer Selbstanschauung führen.

Basierend auf diesen Ausführungen begründet Max Scheler die dringende Notwendigkeit eines neuen Ansatzes der Philosophischen Anthropologie. Diese sieht sich in erster Linie der Aufgabe gegenüber, den Menschen in seinem vorwissenschaftlichen Selbstverständnis mit der modernen Wissenschaftserfahrung in Einklang zu bringen und ihn so in seinen Kosmos einzuordnen. Hans Herzig schreibt in seiner Dissertation zu „Begriff und Theorie vom Geist bei Max Scheler“ aus dem Jahre 1930 dazu: „Ein Zeitalter, das wie das unsere um die rein menschliche Form gegenüber einem immer stärkeren Eingreifen technischer und wissenschaftlicher Motive zu kämpfen hat, muss sich intensiver, als es eine beschaulichere Zeit nötig hat, auf das ‚eigentlich‘ Wesen seines Menschentums besinnen.“[3]

Obgleich die Schrift „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ seinerzeit richtungsweisend war und eine Flut ähnlicher Schriften auslöste, „wird seine Philosophie im gleichen Atemzug heftig kritisiert […], als systematisch nicht ausgearbeitet, als unzureichend in Bezug auf methodische Strenge, usf.“[4] Hans Herzig hingegen räumt zwar den fragmentarischen Charakter von Schelers Anthropologie ein, bedingt aber durch dessen frühen Tod im Jahre 1928 und bezeichnet die Schrift „Programmschrift, des großen anthropologischen Unternehmens“. Tatsächlich ist es Max Schelers großes Verdienst die Problematik der Zeit erkannt zu haben, vor allem aber die erstmalige Formulierung der modernen Fragestellungen und Aufgaben der Philosophie im Hinblick auf die „Idee des Menschen“.

3. Der stufenförmige Aufbau des Scheler’schen anthropologischen Modells

Zu Beginn seiner Ausführungen über die Sonderstellung des Menschen im Kosmos weist Max Scheler auf die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Mensch“ im Allgemeinen hin. Dies ist grundlegend für das Verständnis seiner Ausführungen. Es gilt zu unterscheiden zwischen einem natursystematischen Verständnis des Begriffs, dass den Menschen lediglich als eine Unterart der Wirbel- und Säugetiere definiert und einem Wesensbegriff, der auf die Differenziertheit von Mensch und Tier, sowie die Sonderstellung des Menschen gegenüber dem Tier aufgrund seiner geistigen Fähigkeiten verweist. Die Rechtfertigung oder Fragwürdigkeit dieses Wesensbegriffes bezeichnet Scheler als Thema seiner Schrift.

Um sich die Differenziertheit und den Status des Menschen bewusst zu machen, bedarf es einer Betrachtung des Aufbaus der gesamten kosmischen Welt - Max Scheler beginnt an dieser Stelle mit der Entwicklung seines Stufenmodells der psychischen Kräfte und Fähigkeiten, dass die menschliche Psyche analog zum Aufbau der organischen Natur zunächst in vier Schichten (sogenannte vitale Werte) gliedert und diesen dann ein gänzlich anderes Prinzip, dass des Geistes entgegensetzt.

Die erste und niedrigste Stufe ist der Gefühlsdrang, der sich bereits bei den Pflanzen zeigt; die Pflanze stellt damit die hierarchisch am niedrigsten einzuordnende Seinsart dar. Sie hat kein Bewusstsein von sich selbst und besitzt keinerlei Empfindungen, nur den ureigenen Drang nach Wachstum und Fortpflanzung, den Scheler als „ekstatischen Gefühlsdrang“ bezeichnet. Dem Gefühlsdrang wohnt demzufolge immer bereits ein Sinn inne, nämlich der Sinn nach Selbsterhaltung, den jede Pflanze durch Nahrungsaufnahme, wenn auch unbewusst vollzieht.

[...]


[1] Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. Bonn, 2007, S. 7.

[2] Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. Bonn, 2007, S. 7.

[3] Herzfeld, Hans: Begriff und Theorie vom Geist bei Max Scheler. Diss. Leipzig, 1930, S.3.

[4] Sander, Angelika: Max Scheler zur Einführung. Hamburg 2001, S. 119.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640500673
ISBN (Buch)
9783640500543
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139880
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Philosophie
Note
2,8
Schlagworte
Scheler praktische Intelligenz philosphische Anthropologie

Autor

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