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Juden - eine soziale Gruppe zwischen Desintegration und Integration

Eine kurze Darstellung am Beispiel des Humanisten Erich Fromm

Wissenschaftlicher Aufsatz 2008 9 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Leben und Wirken

Verbindung zum Judentum

Literaturverzeichnis

Vorwort

Im Rahmen des Seminars „Juden - eine soziale Gruppe zwischen Desintegration und Integration“ im Modul "Soziale Gruppen und gesellschaftlicher Wandel" habe ich mich für die Person Erich Fromm entschieden, da ich ihn für eine sehr geeignete Persönlichkeit halte, um das Selbstverständnis eines Menschen innerhalb einer Religion und den Wandel von Religiosität aufzuzeigen.

Zudem wirkte Erich Fromm in einer Zeit großer wissenschaftlicher Freiheiten und kultureller Blüte in Deutschland und machte es, ähnlich wie andere Gelehrte jüdischer Abstammung (z.B. Albert Einstein), zu einem geistigen Zentrum. Andererseits erlebte er aber auch die Gegenseite als Zeitzeuge des Holocaust, der versuchten Vernichtung einer gesamten sozialen bzw. religiösen Gruppe.

Der wichtigste Autor für ein Verständnis von Erich Fromm ist sein letzter Assistent und Nachlassverwalter Rainer Funk, der sich jahrelang mit dessen Werk beschäftigt hat und außerdem für die Herausgabe der Gesamtausgabe zuständig war. Dementsprechend war er für mich Basis und Einstieg in die Thematik.

Grundsätzlich habe ich eine Zweiteilung in „Leben und Wirken“ und „Verbindung zum Judentum“ vorgenommen. Da die Übergänge fließend sind, und oftmals keine wirklich klare Trennung möglich ist, kann es zu thematischen Überschneidungen kommen. Definitiv haben aber alle erwähnten Aspekte die Person Fromm, seine Weltanschauung und seine Wirkung auf die Menschen mitgeprägt.

Leben und Wirken

Erich Seligmann Pinchas Fromm erblickte am 23.03.1900 in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Er war das einzige Kind des jüdischen Weinhändlers Naphtali Fromm und seiner Frau Rosa, geborene Krause, die beide Rabbiner-Familien entstammten und streng orthodox jüdisch lebten. Nach dem Abitur begann er an der Universität Frankfurt am Main ein Jura-Studium, wechselte jedoch ein Jahr später an die Universität Heidelberg, um die Fächer Soziologie, Psychologie und Philosophie zu studieren. Ein gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis entwickelte sich dort zwischen ihm und dem Soziologie-Professor Alfred Weber, dem Bruder Max Webers, sodass er 1922 bei diesem mit der Arbeit „Das jüdische Gesetz. Ein Beitrag zur Soziologie des Diasporajudentums“ promovierte. 1924 fand Fromm in Form der Psychoanalytikerin Frieda Reichmann, die er 1926 heiratete, seinen Zugang zur Psychoanalyse. „Die persönlichen Veränderungen, die die Psychoanalyse und die Heirat mich sich brachten, wirkten sich auch auf die beruflichen Pläne Erich Fromms aus. Es gab für ihn keine Alternative mehr zum Beruf des Psychoanalytikers.“[1] Dies ist auch in etwa die Zeit, in der er sich langsam von orthodoxen Judentum abwandte. In München, als ein Schüler von Karl Landauer, studierte er Psychologie und Psychiatrie und schloss sein Studium 1929 am Psychoanalytischen Institut in Berlin ab. Als Mitbegründer des Süddeutschen Instituts für Psychoanalyse in Frankfurt erweiterte er zudem seinen Einfluss durch eine Mitarbeit am Institut für Soziaforschung Max Horkheimers, an dem auch andere wie Leo Löwenthal, Herbert Marcus und Theodor W. Adorno tätig waren. Einen tiefen persönlichen Bezug entwickelte er über seine Frau zu Georg Groddeck, der als Pionier der psychosomatischen Medizin gilt, dessen wissenschaftliche Aspekte seinen theoretischen Ansichten und seine therapeutische Praxis maßgeblich beeinflussten und den er selbst als „einen Mann von einer ungeheuren direkten Einsicht in das, was er sah“[2] beschieb. Nach der Trennung von Frieda Reichmann erkrankte Fromm an Tuberkulose und verbrachte 1932 ein knappes Jahr in Davos in der Schweiz. Im Zuge der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten emigrierte er 1934 in die USA, betrieb in New York eine Praxis für Psychoanalyse und lehrte bis 1939 an der Columbia Universität in New York. In dieser Phase kam es zu Spannungen zwischen den Forschern am Institut für Sozialforschung, was sowohl auf abweichende Lehrmeinungen, als auch auf den wachsenden Einfluss Adornos zurückzuführen war[3] und mit dem Austritt Fromms 1938 endete. Auch die Zusammenarbeit mit der deutsche Psychoanalytikerin Karen Horney im American Institute of Psychoanalysis zerbrach in Folge persönlicher und theoretischer Differenzen. Sein erstes großes Werk „Die Furcht vor der Freiheit“ erschien 1941 und etablierte ihn in Fachkreisen als Repräsentanten der Neo-Psychoanalyse.

1944 ging Fromm eine zweite Ehe mit Henny Gurland ein, diese starb jedoch bereits sechs Jahre später, worauf er schließlich seine letzte Frau, die Amerikanerin Annis Freeman, heiratete. 1949 siedelte er nach Mexiko über, wo er als Professor für Psychoanalyse an der Universität Mexiko City eine Anstellung fand. Insgesamt fünfundzwanzig Jahre verbrachte er in diesem Land, einer sehr produktiven Schaffensperiode, in welche die Entstehung seiner Werke „Wege aus einer kranken Gesellschaft“, „Die Kunst des Liebens“, „Die Seele des Menschen“ und „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ fielen, außerdem wurde er dort zentrales Element einer intellektuellen Gruppe, die eine humanistische Gesellschaftsveränderung zum Ziel hatte und durch eine Verschmelzung von Psychoanalyse, Marxismus und Soziologie verbinden wollte.[4] Herauszuheben hierbei ist seine Arbeit „Die Kunst des Liebens“, die sowohl von der wissenschaftlichen Fachwelt wohlwollend aufgenommen, als auch in der breiten Öffentlichkeit zu einem vielgelesenen Bestseller wurde.

[...]


[1] Funk, Rainer: Erich Fromm, 8.Auflage, Hamburg 2001, S. 52

[2] Funk, Rainer: Erich Fromm, 8.Auflage, Hamburg 2001, S. 59

[3] Vgl. Lévy, Alfred: Erich Fromm. Humanist zwischen Tradition und Utopie, Würzburg 2002, S.15

[4] Vgl. Lévy, Alfred: Erich Fromm. Humanist zwischen Tradition und Utopie, Würzburg 2002, S.18

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640505579
ISBN (Buch)
9783640505357
DOI
10.3239/9783640505579
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140280
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Institut für Soziologie und Volkswirtschaftslehre
Note
1,3
Schlagworte
Juden Gruppe Desintegration Integration Eine Darstellung Beispiel Humanisten Erich Fromm

Autor

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Titel: Juden - eine soziale Gruppe zwischen Desintegration und Integration