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Lern- und Leistungsmotivation und ihre Förderung im sozialen Umfeld Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 18 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Risiko - Wahl - Modell (Atkinson)

3. Attributionsmodell (Weiner)

4. Attributionsmodell (Kelley)

5. Rubikon - Modell

6. Förderung der Lern- und Leistungsmotivation der Schüler.
6.1 Interessenentwicklung im Unterricht durch Autonomieunterstützung

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der hier vorliegenden Arbeit geht es um die Erarbeitung eines differenzierten Einblickes in die Thematik der Lern- und Leistungsmotivation.

Um eine wissenschaftliche Grundlage und ein Verständnis für diese Thematik zu bekommen, werden im ersten Teil dieser Arbeit die Modelle von Atkinson, Weiner und Kelley dargestellt und eingeordnet. Anschließend wird die Lern- und Leistungsmotivation auf ihre Praxiskompatibilität in der Schule hin erörtert.

Gerade in der frühen Adoleszenz und in der Pubertät ist es immens wichtig, die Schüler anzuregen und stets neue Impulse zu setzen, die die Aufmerksamkeit und Lernmotivation langzeitlich stabilisieren soll. Der Hauptteil wird sich demnach damit beschäftigen, wie man die Schüler aktiviert und welche Lehren und Konsequenzen aus den vorgestellten Modellen zu ziehen sind.

Es wird in diesem Teil dieser Arbeit darum gehen, wie bzw. mit welchen Methoden die Schüler optimal für den jeweiligen Unterricht motiviert werden können, um so im Endeffekt bessere Ergebnisse zu erzielen.

Es wird erörtert werden, wie das Konzept der Selbstbestimmung nach Deci und Ryan mit dem Aufbau von Persönlichkeit, von Lernbereitschaft und Interessen der Schüler in Zusammenhang steht.

Des Weiteren wird versucht, die Motivationspsychologie einzuordnen und deren Stellenwert im Schulbetrieb zu beschreiben.

2 Risiko - Wahl - Modell (Atkinson)

John Atkinson forschte und lehrte an der University of Michigan. Er ist einer derjenigen Forscher, die am nachhaltigsten auf die Bedeutung der Persönlichkeits-struktur zum Verständnis motivationaler Prozesse hingewiesen haben.

Sein Verhaltensmodell ähnelt von der Konzeption und der Grundannahme denen von Hull und Lewin. Er setzt aber durch die Betonung interindividueller Unterschiede differenzierte Akzente.[1]

Atkinson versuchte die Determinanten des Verhaltens zu isolieren. Er stellte ein Modell vor, das neben den Personfaktoren auch die situativen Momente für die Verhaltensdetermination berücksichtigt.

Leistungsorientiertes Verhalten wird von Atkinson als Ergebnis eines Konflikts zwischen Annäherungs- und Vermeidungstendenzen aufgefasst.

Mit jeder leistungsbezogenen Handlung ist die Möglichkeit von Erfolg (mit dem nachfolgenden Gefühl des Stolzes) und die Möglichkeit von Misserfolg (mit dem nachfolgenden Gefühl der Scham) verbunden. Die Stärke dieser antizipierten Gefühle ist ausschlaggebend dafür, ob ein Individuum Leistungshandlungen in Angriff nehmen oder ihnen aus dem Weg gehen wird. Leistungsmotivation wird als resultierende Tendenz eines emotionalen Konflikts zwischen der Hoffnung auf Erfolg und der Furcht vor Misserfolg aufgefasst.[2]

Die Tendenz Erfolg zu haben, wird als Produkt aus drei Faktoren angesehen, die multiplikativ miteinander verknüpft sind:

1. dem Leistungsmotiv bzw. Erfolgsmotiv,

2. der subjektiven Wahrscheinlichkeit, dass man bei der durchzuführenden Aufgabe auch erfolgreich sein wird
3. und dem Anreiz des Erfolges.

zu 1.: Atkinson definiert das Leistungsmotiv als eine Fähigkeit zum Erleben von Stolz über erbrachte Leistungen. Er geht also von einer emotionalen Disposition aus, die es dem Menschen ermöglicht, bestimmte Gefühle und Stimmungen wahrzunehmen und zu empfinden.[3]

zu 2.: Die subjektive Wahrscheinlichkeit lässt sich damit erklären, dass eine bestimmte Erwartung in der jeweiligen Handlung steckt. Die Erwartungshaltung (Belohnung) geht auf bereits erlernte Verhaltensmuster zurück. Der Mensch lernt bspw., dass eine bestimmte Reaktion in einer Situation zu einer Belohnung geführt hat. Auf Grund von bereits gemachten Erfahrungen werden gewisse Verhaltensmuster aktiviert. Tolman, auf dessen Analysen sich Atkinson bei der Erstellung seiner Theorie hat leiten lassen, gibt an, dass die Zielerwartung mit der Anzahl der belohnten Durchgänge zunimmt.

Er behauptet, dass die ersten und letzten Durchgänge eines Versuchsexperimentes auf die Bildung von Zielerwartungen einen besonders starken Einfluss haben.[4]

Atkinson stellt weiterhin fest, dass jede Information verwendet und gegeben werden kann, die die Überzeugung einer Person hinsichtlich ihrer Chancen zu gewinnen oder besser abzuschneiden, positiv beeinflusst. Dies können Manipulationen ob der Schwierigkeit einer Aufgabe oder zur Abgrenzung zu einer anderen Gruppe unterschiedlicher Größe sein.

zu 3.: Der Anreiz des Erfolges ist durch die Erfolgswahrscheinlichkeit determiniert. Der Anreizwert von Erfolg nimmt mit sinkender Erfolgswahrscheinlichkeit zu.

Man empfindet ein intensiveres Gefühl von Stolz bei der Lösung einer schwierigen Aufgabe, als nach Erfolg bei einer einfacheren. Wie schwierig die Aufgabe nun war, hängt von der subjektiven Sichtweise mit ab.

Wie leistungsbezogene Situationen Stolz evozieren können, so ist das Empfinden von Misserfolgen, gar Scham, ebenso ausgeprägt. Negativ erlebte und durchlebte Situationen lösen also Furcht vor Misserfolg aus.

Wie bei der Hoffnung auf Erfolg, gibt es bei diesem Modell drei Determinanten. Auch bei diesem Modell wird angegeben, dass die Tendenz zur Vermeidung von Misserfolg das Produkt des Motivs, Misserfolg zu vermeiden, der subjektiven Wahrscheinlichkeit des Misserfolges und des negativen Anreizes von Misserfolg ist:[5]

1. Das Motiv, Misserfolg zu vermeiden
2. Die subjektive Wahrscheinlichkeit des Misserfolges
3. Der Anreiz des Misserfolges.

Es wird, wie bei der Hoffnung auf Erfolg, davon ausgegangen, dass bei nichterbrachten Leistungen ein Gefühl von Scham eintritt.

Es wird weiter angenommen, dass nach Misserfolg einer einfachen Aufgabe größere Scham aufkommt als nach Misserfolg bei einer verhältnismäßig schwierigen Aufgabe.

Aus diesem Modell lassen sich zwei grundlegende Ergebnisse herausfiltern:

1. Erfolgsmotivierte Personen sollten bevorzugt Aufgaben im mittleren subjektiven Schwierigkeitsbereich wählen und sich hier maximal anstrengen und maximale Ausdauer zeigen.
2. Misserfolgsmotivierte Personen sollten generell leistungsbezogene Aufgaben meiden. Sehen sie sich jedoch genötigt, leistungsbezogene Aufgabe in Angriff zu nehmen, sollten sie bei Aufgaben mittlerer subjektiver Schwierigkeit besonders gehemmt sein und nur minimale Anstrengung und Ausdauer zeigen. Können sie frei wählen, sollten sie Aufgaben sehr hoher oder sehr niedriger subjektiver Schwierigkeit wählen, weil hier die negative Resultierende Tendenz relativ niedrig ist.[6]

Im Zusammenhang mit Atkinsons Modell wurden von ihm selber, aber auch von anderen Forschern mehrere Studien angefertigt, die verschiedene Inhalte zum Ziel hatten. Die Nennung und Aufschlüsselung dieser Studien würde an dieser Stelle aber zu weit führen. Dennoch sei hier eine Studie von Feather (1961, 1963) genannt, die auf der Grundlage des Modells, das Ausdauerverhalten der Versuchspersonen beim Aufsuchen leistungsbezogener Aufgaben aufzeigen sollte. Feather induzierte seinen Probanden permanenten Misserfolg bei der Lösung leichter bzw. schwerer Aufgaben und analysierte dahingehend deren Verhaltensreaktionen. Er stellte fest, dass Erfolgsmotivierte länger bei einer leichten als bei einer schwierigen Aufgabe persistieren. Misserfolgsmotivierte setzten sich hingegen länger mit einer schwierigen als mit einer leichten Aufgabe auseinander. Bei leichten Aufgaben verweilten Erfolgsmotivierte länger als Misserfolgsmotivierte, während bei schwierigen Aufgaben die Misserfolgsmotivierten länger als die erfolgsmotivierten persistierten.[7]

3 Attributionsmodell (Weiner)

Grundlegend kann man festhalten, dass die Attributionstheorie sich von Atkinsons Modell in der Weise absetzt, dass Menschen doch bestrebt sind, Ereignisse nicht nur bloß zu registrieren sondern auch deren Grund zu erfahren. Es geht also bei dem attribuistischen Ansatz folglich um die Ursachenzuschreibung. Erst solche Ursachenzuschreibungen erlauben, eine Vorhersage über zukünftige Ereignisse zu machen und das Verhalten daraufhin auszurichten. Weiner et al. haben die Bedeutung der Ursachenzuschreibung von Erfolg und Misserfolg für leistungsbezogenes Verhalten erkannt und eine attributionstheoretische Fassung der Leistungsmotivationstheorie formuliert.[8]

Bei der Erstellung dieses Forschungsansatzes gab es vier Ursachenfaktoren, die leistungsbezogenes Verhalten erklären sollten. Internale Faktoren, also personenabhängige Faktoren, sind hierbei Begabung und Anstrengung. Begabung ist zeitresistent, sprich zeitlich überdauernd und kann als Konstante angesehen werden. Anstrengung ist ein im Zeitverlauf sich ändernder Faktor. Als weitere Faktoren werden Aufgabenschwierigkeit und Zufall klassifiziert, die als externale Faktoren zu kennzeichnen sind. Die Schwierigkeit einer Aufgabe bleibt immer gleich, während der Zufall (Glück und Pech) zeitlich höchst variabel ist.

Eine weitere Dimension ist noch zu nennen, die ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die Kausalattribuierung hat. Bei der Lösung einer Aufgabe ist es wichtig für den Probanden, ob der Verlauf kontrollierbar oder nicht kontrollierbar war.

Der Bezug zu Atkinsons Modell ist deutlich zu erkennen. Die Parameter, Motive, Anreize und Erfolgswahrscheinlichkeiten wurden in das Modell von Weiner mit integriert. Weiner et al. fanden heraus, dass die untersuchten Personen dazu neigen, sich für ihre Erfolge persönlich verantwortlich zu fühlen und die Verantwortlichkeit für eingetretene Misserfolge abzuschwächen. Diese Attribuierung stellt einen Schutz des eigenen Selbstwertgefühls dar, da man sich nicht selbst als Ursache eines negativen Ereignisses sieht und darstellen muss. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer hedonistischen Verzerrung in der Ursachenwahrnehmung.[9]

[...]


[1] Weiner, Bernard: Motivationspsychologie, Beltz Verlag, 3. Aufl., Weinheim, S. 152, 1994.

[2] Weiner, Bernard: Motivationspsychologie, Beltz Verlag, 3. Aufl., Weinheim, S. 152, 1994.

[3] Vgl. Ebenda, S. 152/153.

[4] Vgl. Ebenda.

[5] Weiner, Bernard: Motivationspsychologie, Beltz Verlag, 3. Aufl., Weinheim, S. 154, 1994.

[6] Schneider, Klaus; Schmalt, Heinz-Dieter: Motivation, Verlag W. Kohlhammer, 2. Aufl., Stuttgart, S. 193, 1994.

[7] Vgl. Ebenda, S. 197.

[8] Vgl. Ebenda, S. 200

[9] Schneider, Klaus; Schmalt, Heinz-Dieter: Motivation, Verlag W. Kohlhammer, 2. Aufl., Stuttgart, S. 201, 1994.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640499366
ISBN (Buch)
9783640499410
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140718
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Lern- Leistungsmotivation Förderung Umfeld Schule

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Titel: Lern- und Leistungsmotivation und ihre Förderung im sozialen Umfeld Schule