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Partizipationskonzept für ein Projekt im Rahmen bilateraler Entwicklungszusammenarbeit

Studienarbeit 2008 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Projektbezeichnung

2. Arbeitsfeld

3. Projektgebiet

4. Projektziele

5. Laufzeit

6. Durchführungsorganisation

7. Partnerorganisationen

8. Finanzierung

9. Partizipation und vertragliche (organisationsspezifische) Rahmenbedingungen

10. Partizipation und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

11. Partizipativer Forschungsansatz und theoretische Grundlage

12. Partizipationsorientierte Projektorganisation

13. Projektphasen der Partizipation

14. Formen, Verfahren und Intensitäten der Partizipation

15. Prozess der Partizipation

16. Partizipative Phase 1: Projektimplementierung

17. Partizipative Phase 2: Datenerhebung und Beteiligungsanalyse

18. Partizipative Phase 3: Umsetzung

19. Partizipative Phase 4: Evaluierung

20. Projektende

Literaturverzeichnis

Partizipationskonzept für ein Projekt im Rahmen bilateraler Entwicklungszusammenarbeit

1. Projektbezeichnung:

„Kargis*“ in Balance“

2. Arbeitsfeld:

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit im Bereich „Ländliche Regionalentwicklung“

3. Projektgebiet:

Das Dorf „Karg*“ auf dem Mittelgebirgsplateau „Kargis“ im Nordwesten Rumäniens:

- 2500 ha
- 59 Haushalte
- 250 Einwohner

4. Projektziele:

- Erarbeitung eines umsetzungsorientierten Konzeptes für eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung auf dem Mittelgebirgsplateau „Kargis“ mittels Einsatz partizipativer Forschungsmethoden sowie interdisziplinärer Kooperation zwischen Sozial-, Naturwissenschaftlern und Ökonomen.
- Förderung partizipativer Forschungsprojekte in Osteuropa durch interkulturelle Zusammenarbeit und Wissenstransfer zwischen deutschen und rumänischen Wissenschaftlern.

5. Laufzeit:

Für die Entwicklung des umsetzungsorientierten Konzeptes für eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung auf dem Mittelgebirgsplateau „Kargis“ ist eine Projektdauer von 3 Jahren veranschlagt.

6. Durchführungsorganisation:

Verein Regenbogen e.V.

Deutsche Nichtregierungsorganisation (NGO) auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit mit dem Arbeitsschwerpunkt „Förderung ländlicher Regionalentwicklung in Osteuropa“.

7. Partnerorganisationen:

Bei der Realisierung des Projektes wird der Verein Regenbogen e.V. von zwei rumänischen NGOs unterstützt.

8. Finanzierung:

Das Projekt wird zu einer Hälfte über Fördermittel der Europäischen Union (EU) finanziert und zur anderen Hälfte über Vereinsspenden.

9. Partizipation und vertragliche (organisationsspezifische) Rahmenbedingungen:

- Agenda 21 /Rio de Janeiro 1992:

„Aktionsprogramm für eine globale, nachhaltige, zukunftsbeständige Entwicklung im 21. Jahrhundert“(1)

- Charta von Aalborg /Aalborg 1994:

„Agenda 21-Prozesse in Europa“|(2)

* Hierbei handelt es sich um Phantasiebegriffe!

- Aarhus-Konvention /Aarhus 2001:

„Förderung umweltorientierter Partizipationsprozesse“(3)

- Übersektorales Konzept für partizipative Entwicklungszusammenarbeit des Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit (BMZ):

„Partizipative Gestaltung der Entwicklungszusammenarbeit“

Es wird eine partizipative Gestaltung der gesamten Entwicklungszusammenarbeit propagiert und Selbstverantwortung, Selbstbestimmung der Beteiligten (=ownership), deren Teilhabe an politischen Entscheidungen (=empowerment) unter besonderer Berücksichtigung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen in den Vordergrund gerückt. Das Partizipationskonzept ist eine entwicklungspolitische Vorgabe für die Gestaltung der bilateralen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit durch das BMZ und die durchführenden Organisationen. Den deutschen NGOs soll es als Orientierungshilfe dienen (BMZ 1999: S.4).

- Satzung: „Regenbogen e.V.“/Auszug:

„Unsere Handlungsmaxime ist Partizipation“

- (…) Definition: Partizipation
Partizipative Entwicklung definieren wir als Prozess, der Menschen aktiv und maßgeblich an allen Entscheidungen beteiligt, die ihr Leben beeinflussen. (…)
- Leitbild: Selbstbestimmte und nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen

Unsere partizipativen Aktivitäten im Rahmen unserer Projektarbeit orientieren sich am Schutz natürlicher Ressourcen, berücksichtigen die jeweiligen kulturellen Wertvorstellungen und Interessen der Betroffenen, integrieren Männer, Frauen und sozial benachteiligte Gruppen gleichermaßen und haben zum Ziel, dass sich die Nutzer für ihre Projekte selbst verantwortlich fühlen. Hierdurch unterstützen wir die selbst bestimmte Verbesserung der Lebensbedingungen für Menschen in unseren Partnerländern, fördern eine zukunftsbeständige und nachhaltige Entwicklung und erweitern die Möglichkeiten der jeweiligen Zielgruppe, sich für verbesserte Rahmenbedingungen einzusetzen. (...)

10. Partizipation und gesellschaftliche Rahmenbedingungen:

Der Übergang von der plan- zur marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung im Transformationsland Rumänien ist von grundlegenden Veränderungen sowie dem Fortbestehen traditioneller Normen, Werte und Verhaltensweisen geprägt. Hieraus ergeben sich grundlegende Besonderheiten und Handlungsrichtlinien für die partizipative Projektgestaltung.

- Politisch-rechtliche Aspekte:

Das Institutionengefüge in Rumänien befindet sich im Wandel. Da ein neues Selbstverständnis noch nicht gefunden ist, werden weitgehend alte Machtpositionen verteidigt. Der Bürgergesellschaft fehlt es noch an organisierten Interessensvertretungen. Interessen der Bevölkerung werden über politische Strukturen, die Verwaltung und vor allen Dingen über informelle Netzwerke von Familien oder Gesinnungsgemeinschaften transportiert. Eine systematische Beteiligung von Bürgern und Interessenvertretungen in Form von Anhörungen oder gar Beteiligungen an Planungen und Entwicklungsprozessen existiert im Wesentlichen nicht. Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP), wie sie beispielsweise die Europäische Union als Leitidee empfiehlt, sind noch wenig ausgeprägt (Gabanyi 2001: S.1-3; Wrobel 2004: S.1-9)(4)

- Nach einer intensiven Reflektion informeller Strukturen sollten Schlüsselpersonen aus der Bevölkerung, Vertreter rumänischer wissenschaftlicher Institutionen sowie lokale und regionale vertragsfähige Funktionsträger aus Politik und Verwaltung in den Projektprozess eingebunden werden, um ihre Akzeptanz vermittelnde Funktion und Definitionsgewalt zu nutzen, einen Ausgleich zwischen lokalen und regionalen Interessen zu erreichen, sowie die Initiierung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung im Untersuchungsgebiet mittel- und langfristig zu fördern (Schwedersky/Karkoschka/Fischer 1997: S.45f).
- Bereits vor Projektbeginn sollten vertragliche Vereinbarungen mit wissenschaftlichen Fakultäten, übergeordneten Verwaltungs- und Politikebenen sowie der Kommune „Karg“ getroffen werden, um die Mitarbeit und Unterstützung durch Wissenschaft, Verwaltung und Politik sicherzustellen.

- Sozio-kulturelle Aspekte:

Die Bevölkerung Rumäniens wird durch den Systemwandel in extremer Weise zu einer Umstellung ihrer Denkgewohnheiten, Arbeits- und Lebenshaltungen gezwungen. Individualistische Vorstellungen sowie selbst definiertes, emanzipiertes und eigenverantwortliches Handeln gewinnen zwar allmählich an Bedeutung, werden jedoch noch weitgehend von Werten und Normen der vergangenen Jahrzehnte und hierdurch beeinflusste Verhaltensweisen überlagert, was sich insbesondere im sozialen und politischen Handeln der Gesellschaftsmitglieder niederschlägt (Gabanyi 2001: S.1-3; Wrobel 2004: S.1-9; Kiwit/Voigt 1995: S. 15f.).

- Im Rahmen partizipativer Projektprozesse sollten Betroffene, lokale und regionale Akteure dazu ermuntert werden, innovative Ideen zu äußern, ohne eine Sanktionierung durch die öffentliche Meinung befürchten zu müssen.

- Wirtschaftliche Aspekte:

Die Marktaustauschprozesse sind in Rumänien nicht mehr von der zentralen Ressourcenplanung, sondern von den Mechanismen des dezentralen Güteraustausches geprägt. Die Konkurrenz um Märkte und Ressourcen wird zunehmend von den Unterschieden der regionalen und nationalen Produktivitäten bestimmt. Private Eigentumsrechte etablieren sich; Neuverteilungen von wirtschaftlichen Ressourcen erfolgen. Gleichzeitig ist ein immenser Entwicklungsbedarf vorhanden, der sowohl neue Produktpaletten, Produktionsmethoden, Absatzmärkte und Bezugsquellen, als auch neue Organisationsformen umfasst. Der Freisetzung, Sicherung und dem Ausbau innovativer Fähigkeiten kommt daher eine große Bedeutung zu (Gabanyi 2001: S.1-3; Wrobel 2004: S.1-9).

- Die Aufgabenstellung an wirtschaftliche Entwicklungsprozesse in Rumänien ist von komplexer Natur. Die Projektmitarbeiter sollten sich darüber im Klaren sein, dass aufgrund der begrenzten zeitlichen, fachlichen und materiellen Ressourcen des Projektes wirtschaftliche Veränderungen lediglich „angeschoben“ werden können.

[...]


1) Auf der United Nations (UN)-Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahre 1992 in Rio de Janeiro standen erstmals Fragen der Ressourcenverteilung, der zukunftsbeständigen Entwicklung und der Initiierung von nachhaltigem Handeln im Rahmen einer großen, internationalen Konferenz im Zentrum der Diskussion. Im Schlussdokument, der Agenda 21, einigten sich Vertreter aus 179 Nationen darauf, dass Lösungen für eine nachhaltige, zukunftsbeständige Entwicklung die wechselseitige Abhängigkeit von Ökonomie (wirtschaftlicher Wohlstand), Ökologie (ökologisches Gleichgewicht) und sozialen Aspekten (soziale Gerechtigkeit) berücksichtigen müssen und nicht per Patentrezept oder zentralistischer Steuerung erreicht werden können, sondern ganz wesentlich von der Beteiligung aller Akteure vor Ort, der Bevölkerung, der Unternehmen, der Politik und der Verwaltung sowie verschiedener NGOs und Institutionen abhängig sind, d.h. durch partizipative Entscheidungsprozesse auf lokaler Ebene (Gemeinden und Regionen) bestimmt werden (Agenda 21: http://www.agragr.de/agenda/agd21k00.htm, Zugriff 05.02.2008).

2) Im Rahmen einer weiterführenden Konferenz zur „Agenda 21“ wurde im Mai 1994 in Aalborg die „Europäische Kampagne zukunftsbeständiger Städte und Gemeinden“ eröffnet, die von der Stadt Aalborg (Dänemark) und der Europäischen Kommission veranstaltet und vom Internationalen Rat für Kommunale Umweltinitiativen (ICLEI) inhaltlich ausgerichtet wurde. Auf Basis der „Agenda 21“ wurde der Aspekt von lokaler Umsetzung einer nachhaltigen, zukunftsbeständigen Entwicklung detaillierter und konkret für Europa behandelt und am 27.Mai 1994 als Abschlussdokument die „Charta von Aalborg“ verabschiedet, welche mittlerweile von 2000 europäischen Gemeinden unterzeichnet worden ist (Aalborg 1994: http://www.partizipation.at/lokaleagenda21.98.html).

3) Am 30. Oktober 2001 ist die Aarhus-Konvention in Kraft getreten. Sie wurde mittlerweile von 41 Staaten ratifiziert, darunter von allen EU-Mitgliedsstaaten (außer Irland) sowie der Europäischen Union. Die Aarhus-Konvention ist ein internationales Übereinkommen, welches Bürgern den Zugang zu Informationen, das Recht auf Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten jeweils in Umweltangelegenheiten gewährt und somit insbesondere auch Umwelt-NGOs Rechte einräumt, Umweltinteressen wahrzunehmen und sich für diese einsetzen zu können. Politische Idee für die Konvention war und ist, umweltorientierte Partizipationsprozesse im Sinne eines „Aarhus-Geistes“, insbesondere in den Staaten Osteuropas, zu stärken (Aarhus-Konvention: http://partizipation.at/aarhus-konvention.98.html).

4) Als Öffentlich-Private-Partnerschaft (ÖPP) wird die Mobilisierung privaten Kapitals und Fachwissen zur Erfüllung staatlicher Aufgaben bezeichnet. Im weiteren Sinn steht der Begriff auch für andere Arten des kooperativen Zusammenwirkens von Hoheitsträgern mit privaten Wirtschafssubjekten. ÖPP geht in vielen Fällen mit einer Teilprivatisierung von öffentlichen Aufgaben einher (Wikipedia 2008: Public Private Partnership).

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640510375
ISBN (Buch)
9783640510559
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141076
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda – Fachbereich Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
Soziale Arbeit und Partizipation bilaterale Entwicklungszusammenarbeit und Partizipation Gesellschaftliche/politische/rechtliche Grundlagen von Partizipation

Autor

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Titel: Partizipationskonzept für ein Projekt im Rahmen bilateraler Entwicklungszusammenarbeit