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Der Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika 1905-1908

Ein anderer Blick auf deutsche Kolonialgeschichte

Hausarbeit 1995 10 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Geschichte Deutsch-Ostafrikas:

3. Der Maji-Maji-Aufstand:
3.1 Die Maji-Ideologie:
3.2 Ursachen und Anlaß des Aufstandes:
3.3 Der militärische Verlauf:

4. Auswirkungen des Aufstandes

5. Resumée - Konsequenzen für die Betrachtung von Kolonialgeschichte:

6. Verzeichnis verwendeter Literatur:

1. Einleitung

Im Jahre 1905 kam es im damaligen Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, zu einem der größten Eingeborenenaufstände der Kolonialgeschichte. In seinen Konsequenzen und vor allem in der Brutalität der deutschen Gegenmaßnahmen war diese sogenannte Maji-Maji-Erhebung weit bemerkenswerter als zum Beispiel der vieldiskutierte Herero- und Hottentottenaufstand in Deutsch-Südwestafrika. Dennoch ist dieses Ereignis „im historischen Bewusstsein der Deutschen so gut wie nicht existent.“[1]

Dabei liegt in diesem Fall eine durchaus außergewöhnliche Quellenlage sowie ein zufrieden stellender Forschungsstand vor: Auf deutscher Seite stehen sämtliche Akten der Kolonialverwaltung, unzählige Presseartikel und gar ein (höchst zweifelhaftes) Buch des damaligen Gouverneurs der Kolonie, Graf von Götzen, zur Verfügung. Zudem kann auf ein „Oral History“-Projekt der Universität Dar-es-Salaam zurückgegriffen werden, das auch die Sichtweise der Aufständischen und betroffenen Zivilisten dokumentiert. So präsentiert sich dem Historiker ein ungewöhnlich vielschichtiges, differenziertes Bild der Ereignisse, das bereits Grundlage für mehrere Monographien gewesen ist. Auf die Werke von Karl-Martin-Seeberg und Joseph F. Safari soll im folgenden besonderer Bezug genommen werden. Die vorliegende Arbeit wird dabei, vor allem auch in Anbetracht ihrer Kürze, lediglich den Versuch unternehmen, die wesentlichen Ursachen, Voraussetzungen und Konsequenzen des Aufstandes sowie seine Bedeutung für moderne Ansätze der Kolonialgeschichte kurz zusammenzustellen und zu reflektieren, ohne weitergehende Forschung zu betreiben.

2. Kurze Geschichte Deutsch-Ostafrikas:

Die Ostküste Afrikas im Gebiet des heutigen Tansanias sah sich bereits vor Ankunft der Deutschen mit Fremdherrschaft konfrontiert. Früh fielen vor allem die Küstengebiete unter die Herrschaft arabischer Sultane und Kaufleute, die dort unter anderem einen lebhaften Sklavenhandel betrieben und sich bis in das 19. Jahrhundert behaupten konnten. Einen Kolonialisierungsversuch Portugals ab 1498 konnten sie durch einen militärischen Sieg 1740 endgültig abwehren.[2]

In deutschen Besitz gelangte das Gebiet erst zwischen 1885 und 1899, als vor allem der Kaufmann Carl Peters so genannte „Protektionsverträge“ mit einheimischen Herrschern abschloss.[3] Seine „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ erhielt 1885 einen kaiserlichen Schutzbrief und im folgenden Jahr eine Finanzgarantie vom Reich. Da es ihm und seiner Gesellschaft jedoch nie gelang, das Gebiet auch nur ansatzweise zu befrieden, musste er das Deutsche Reich um Militärhilfe bitten. Nach der Niederschlagung des so genannten „Küstenaufstandes“ 1888-1890 wurde das Schutzgebiet am 1. Januar 1891 offiziell zur deutschen Kronkolonie erklärt und eine Reichsverwaltung installiert.[4] Im Vergleich zu den übrigen deutschen Schutzgebieten war das 995.000 qkm große Gebiet mit 7,7 Millionen Einwohnern ausgesprochen bevölkerungsreich und wurde mit 5336 Weißen zur zweitgrößten Siedlungskolonie. Trotz der Ausfuhr von Kautschuk und Baumwolle sollte die neue Kronkolonie bis zur Abtretung an England ein riesiges Zuschussgeschäft bleiben und insgesamt 122 Millionen Mark an Reichszuschüssen verschlingen. Zudem gelang auch den deutschen Regierungstruppen erst 1898 die völlige „Pazifizierung“, die jedoch nur etwas mehr als sechs Jahre Bestand haben sollte.

3. Der Maji-Maji-Aufstand:

1905 nämlich wurden die deutschen Kolonialherren von einem breit angelegten Eingeborenenaufstand im Süden des Schutzgebietes überrascht, der „ ... von der heutigen Afrikaforschung wegen seines ’mysteriösen’ Charakters nur sehr mühsam verstanden ... werden kann.“[5] und daher eine eingehende Untersuchung seiner kultisch-religiösen Voraussetzungen in der Bevölkerung erfordert:

3.1 Die Maji-Ideologie:

Bei allen Stämmen im südlichen Tansania spielt der „Schlangengott“-Kult eine wichtige Rolle. Man glaubt an den Gott Koleo[6] (auch: Bokero[7] ), der nach alten Bantu-Mythen in den Stromschnellen des Rufiji-Flusses lebt und über das Medium Hongo in Kontakt zu den Menschen tritt. Der Hongo steht in ähnlichem Verhältnis zu Koleo wie Jesus zu Gott und befällt ein menschliches Medium, das daraufhin „Lilungu“ - magische Kräfte - besitzt.[8]

[...]


[1] Rainer Tetzlaff, Koloniale Entwicklung und Ausbeutung. Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutsch-Ostafrikas 1885-1914, Berlin 1970, S. 220.

[2] Joseph F. Safari, Grundlagen und Auswirkungen des Maji-Maji-Aufstandes von 1905. Kulturgeschichtliche Betrachtungen zu einer Heilserwartungslehre in Tansania, Köln 1972, S. 46f.

[3] Karl-Martin Seeberg, Wir gehören alle zu einem Volk. Maji-Maji als Einigungsideologie und sein Prophet Kinjiktile, in Journal Geschichte 5 / 1989, S. 36 - 45, S. 36.

[4] Karl-Martin Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Historische Ursprünge nationaler Identität in Tansania, Berlin 1989, S. 53f.

[5] Tetzlaff, Koloniale Entwicklung, S. 212.

[6] Safari, Grundlagen, S. 58.

[7] Seeberg, Volk, S.40.

[8] Ebd.

Details

Seiten
10
Jahr
1995
ISBN (eBook)
9783640482887
ISBN (Buch)
9783640483037
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141231
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Schlagworte
Kolonialgeschichte Tansania Deutsch-Ostafrika Oral History Imperialismus Kolonialismus Deutsches Kaiserreich Völermord Widerstand Aufstand Carl Peters

Autor

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Titel: Der Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika 1905-1908