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Mascarita - Bewahrer oder Kontaminierer der Indio-Kultur?

Hausarbeit 2008 12 Seiten

Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 El hablador – Inhalt

2 Mascaritas Wandern zwischen zwei Welten

3 Fremdes zu Eigen machen

4 Die Verbindung zwischen Mario Vargas Llosa und mascarita

5 Schlussbemerkung

6 Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Mario Vargas Llosas Roman El hablador von 1987 bietet mehrere Herangehensweisen an das Problem der Integration der Indios Perus in die von uns sogenannte „zivilisierte“ Gesellschaft.

Er lässt den Ich-Erzähler, der den Standpunkt der Zivilisation vertritt, auf einen Kommilitonen, genannt mascarita, treffen, der vom Gegenteil überzeugt ist und die Indio-Kultur vor allem Fremden bewahren will. Verstärkt wird dieser Gegenpart durch die Titelfigur, der in eigenen Kapiteln Mythen und Riten eines Indio-Stammes erläutert. Es stellt sich heraus, dass mascarita und der hablador ein und dieselbe Person sind. Dank der westlichen Einflüsse in den Mythen dieses Grenzgängers, schafft Vargas Llosa eine Verbindung zwischen den Eingeborenen und unserer Kultur.

Die vorliegende Hausarbeit untersucht, ob mascarita mittels seines Lebenswandels die Kultur der Indios bewahren kann oder ob er sie durch sein Eindringen unbewusst kontaminiert.

1. El hablador (1987) - Inhalt

Der Roman El hablador von Mario Vargas Llosa erschien 1987 und handelt von der Gegenüberstellung von „civilización und barbarie“[1], also der zivilisierten, westlichen Welt, dargestellt durch einen Ich-Erzähler, und der ursprünglichen Gesellschaft der Indios im Amazonas-Gebiet, insbesondere der der machiguenga, erzählt von einem hablador.

Dieser hablador ist ein Weiser, ein Geschichtenerzähler (so der Titel der deutschen Übersetzung), der von Ort zu Ort, von Familie zu Familie reist und dort den Menschen die Geschichte und die Bräuche ihres eigenen Stammes nahe bringt bzw. ihnen wieder in Erinnerung ruft. Er sorgt somit für die Erhaltung der Identität[2] und wird als „la memoria de la comunidad“[3] bezeichnet.

Die Handlung beginnt im europäischen Florenz im Jahre 1985 (Kapitel 1), wo sie auch endet (Kapitel 8). Die dazwischenliegenden Kapitel spielen an unterschiedlichen Orten in Peru wie Lima und den von der „zivilisierten“ Welt abgetrennten Gegenden am Urubamba-Fluss und am Amazonas und bewegen sich zwischen den Jahren 1953 und 1985. Der oben genannte Ich-Erzähler, dessen Leben dem des Autors in einigen Zügen ähnelt, weshalb es sich hier um eine Autorfiktion handelt, führt durch die geraden Kapitel, während der hablador in den Kapiteln 3, 5 und 7 Mythen und Riten der machiguenga wiedergibt.

Der Roman startet mit der Reise des peruanischen Ich-Erzählers nach Florenz, um an Distanz zu seinem Heimatland zu gewinnen. Doch ausgerechnet dort trifft er in einer Ausstellung auf Fotografien eines Indio-Stammes. Ein Bild zeigt den Stamm um einen hablador, eine Figur, die ihn schon seit Jahren innerlich begleitet. Diese Begebenheit bildet den Anlass zu einer gedanklichen Reise in die Vergangenheit des Ich-Erzählers. Er erzählt von seiner Studienzeit in Lima und seinem Studienfreund Saúl Zuratas, genannt mascarita. Dem Umstand, dass dieser jüdischer Abstammung und die Hälfte seines Gesichts durch einen Leberfleck verunstaltet ist, verdankt er seine Außenseiterrolle in der Gesellschaft. Sein ständiger Begleiter ist ein Papagei namens Gregorio Samsa.

Beide beginnen ein Philologiestudium, das mascarita zugunsten eines Jura- und Ethnologie-Studiums aufgibt. Auf Reisen in den Dschungel Perus trifft mascarita auf einen Indio-Stamm, die machiguenga. Da diese in ihrer ursprünglichen Lebensweise eine große Faszination auf ihn ausüben und er mehr über sie erfahren möchte, bricht er sein Jura-Studium ab und konzentriert sich nur auf die Ethnologie. Nach seinem Abschluss erhält mascarita ein Stipendium für Paris, das er ablehnt. Mit dieser Entscheidung stößt er auf Unverständnis bei seinen Professoren und auch bei seinem Freund, dem Ich-Erzähler. Mascarita begibt sich daraufhin wieder auf Reisen in den Urwald. Der Ich-Erzähler fährt einen Monat vor seinem Stipendiumsantritt in Spanien mit Mitgliedern des Instituts für Linguistik auf Expedition in den Dschungel. Dort trifft er auf akkulturierte Indios, unter anderem auch auf machiguenga, und lernt das nordamerikanische Linguistenehepaar Schneil kennen. Von ihnen hört der Ich-Erzähler das erste Mal von einem hablador. Das Gehörte brennt sich unauslöschlich in sein Gedächtnis ein und wird ihn nie wieder loslassen. Bei seiner Rückkehr begegnet er mascarita in einem Café und beginnt mit ihm eine Auseinandersetzung über mascaritas Leidenschaft für die machiguenga und die Gründe dafür. Dieser Streit besiegelt auch das Ende der Freundschaft. Den Ich-Erzähler führt ein Stipendium nach Madrid und mascarita ist kurze Zeit darauf unauffindbar.

Viele Jahre später kehrt der Ich-Erzähler nach Lima zurück und übernimmt dort die Leitung des Fernsehprogramms La Torre de Babel. Seine Recherche-Reisen führen ihn zurück in den Dschungel, wo er erneut auf das Ehepaar Schneil trifft. Der Ich-Erzähler versucht bei den zivilisierten Indios etwas über die habladores herauszufinden. Doch alle Befragten streiten deren Existenz vollkommen ab. Nur Edwin Schneil vermag ihm weiterzuhelfen, da dieser schon zweimal einen hablador traf. Er erzählt von beiden Begegnungen und es stellt sich heraus, dass einer von ihnen der verschollene Saúl Zuratas ist.

Viele Jahre später kehrt der Ich-Erzähler nach Lima zurück und übernimmt dort die Leitung des Fernsehprogramms La Torre de Babel. Seine Recherche-Reisen führen ihn zurück in den Dschungel, wo er erneut auf das Ehepaar Schneil trifft. Der Ich-Erzähler versucht bei den zivilisierten Indios etwas über die habladores herauszufinden. Doch alle Befragten streiten deren Existenz vollkommen ab. Nur Edwin Schneil vermag ihm weiterzuhelfen, da dieser schon zweimal einen hablador traf. Er erzählt von beiden Begegnungen und es stellt sich heraus, dass einer von ihnen der verschollene Saúl Zuratas ist.

Die Geschichte endet in Florenz. Dort versucht der Ich-Erzähler immer noch, Zerstreuung zu finden, doch er wird vom Gedanken an den hablador nicht mehr losgelassen.

[...]


1: Penzkofer 2000 : 211

2: vgl. Scheerer 1991 : 160

3: Vargas llosa 1987: 91

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640483273
ISBN (Buch)
9783640483518
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141249
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Romanistik
Note
2,7
Schlagworte
Mario Vargas Llosa Indigenismus El hablador Machiguenga Peru

Autor

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