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Die II. Lautverschiebung und ihre Auswirkungen auf die deutsche Sprache

Mit Beispielen aus Erec und Reyneke de Vos

Hausarbeit 2005 16 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die II. Lautverschiebung – Eine Einführung
2.1 Begriffsdefinition
2.2. Zeitliche Einordnung

3. Theorien der II. Lautverschiebung
3.1 Die Psychologischen Erklärungen
3.2 Die Physiologischen Erklärungen
3.3 Die ethnologischen Erklärungen

4. Anwendungsbeispiel
4.1 Das Gesetz der Lautverschiebung
4.2 Veränderung durch die II. Lautverschiebung: Direkter Vergleich Althochdeutsch und Altniederdeutsch
4.2.1 Hartmann von Aue: Erec (Ausschnitt), um 1180/90
4.2.2 Reynke de Vos (Ausschnitt), um 1498
4.2.3 Der Vergleich

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die deutsche Sprache, wie sie heute gesprochen wird, ist das Produkt einer Jahrhunderte andauernden Entwicklung. Sie hat sich in der Völkerwanderungszeit als Teil der germanischen Sprachgruppe entwickelt.

Die Sprachgeschichte unterscheidet zwischen Althochdeutsch (ca. 750-1050), Mittelhochdeutsch (1050-1350), Frühmittelhochdeutsch (1050-1170), ‚klassisches Mittelhochdeutsch’ (1250-1350), Frühneuhochdeutsch (1350-1650) und Neuhochdeutsch (seit 1650).

Diese Arbeit befasst sich mit der II. Lautverschiebung, deren lautliche Veränderungen in der deutschen Sprache das Hochdeutsche vom Niederdeutschen unterscheidet. Dabei geht es nicht nur um eine faktische Darstellung der II. Lautverschiebung sondern auch um eine Analyse der lautlichen Veränderung der deutschen Sprache anhand anschaulicher Textbeispiele aus dem Mittelhochdeutschen und Mittelniederdeutschen.

Zunächst erfolgt eine Einführung in das Themengebiet ‚II. Lautverschiebung’. Sie dient der Begriffsdefinition und einer zeitlichen Einordnung der lautlichen Verschiebung.

Im Anschluss daran werden einigen Theorien zur Lautverschiebung aufgezeigt. Sie beinhalten verschiedene Ansätze zur Entstehung und Verbreitung der II. Lautverschiebung.

Das 4. Kapitel befasst sich dann konkret mit den Veränderungen, die die II. Lautverschiebung verursacht hat. Dieses Kapitel schließt sowohl eine genaue Darstellung der einzelnen lautlichen Veränderungen als auch, wie bereits erwähnt, ein Anwendungsbeispiel mit ein.

Der Schlussteil der Arbeit dient einer kurzen Zusammenfassung der erbrachten Erkenntnisse.

Zu Beginn dieser Arbeit halte ich es noch für nötig anzumerken, dass es bezüglich der II. Lautverschiebung eine große Anzahl unterschiedlicher Ansätze und Meinungen gibt. Dies betrifft vor allem die Gründe für die Lautverschiebung und die genau Datierung. Aus diesem Grund habe ich versucht, einen Querschnitt aus diesen verschiedenen Ansätzen, Meinungen und Theorien wiederzugeben.

Da die theoretischen Aspekte sehr viel Platz in Anspruch genommen habe, ist der praktische Teil der Arbeit im Verhältnis sehr knapp ausgefallen. Dessen ungeachtet hoffe ich, einen zwar kleinen, aber informativen Einblick in die Veränderungen der deutschen Sprache durch die II. Lautverschiebung zu geben.

2. Die II. Lautverschiebung – Eine Einführung

2.1 Begriffsdefinition

Im Allgemeinen wird unter den Lautverschiebungen ein Vorgang in der Lautgeschichte der germanischen Sprache verstanden, bei dem jeweils Gruppen von Konsonanten sich in einem einheitlichen Merkmal verändern.[1]

Die II. Lautverschiebung, die auch die hochdeutsche Lautverschiebung genannt wird, unterscheidet die hochdeutschen Mundarten von anderen germanischen Dialekten und besteht darin, dass die germanischen Tenues (p, t, k,) im Anlaut, im In- und Auslaut nach Konsonanten und in der Gemination zu Affrikaten (pf [ph], z [tz], kch [ch]), sonst zu doppelten stimmlosen Reibelauten (ff, zz, hh [ch]), im Auslaut und nach langen Vokalen zu einfachen Reibelauten wurden. Eine Verschiebung der Mediae fand nur in Teilen des althochdeutschen Sprachgebiets statt.[2]

Adolf Bach bezeichnet die II. Lautverschiebung in seinem Werk Geschichte der deutschen Sprache als „wichtigste sprachl. Neuerung“[3]. Sie dient als Grundlage zur Einteilung der Mundarten über den deutschen Raum hin.[4] Nach Jakob Grimm ist die II. Lautverschiebung der Punkt innerhalb der Entwicklung der deutschen Sprache, an dem „die deutsche Sprache von den anderen ab tritt und für geht, ja wo sie selbst unter ihren eigenen stämmen wesentlichen unterschied gründet“[5]. sich Für Judith Schwerdt ist unter dem von Jakob Grimm erstmalig 1822 verwendeten Terminus ‚Lautverschiebung’ „nichts weiter als eine Verschiebung von Lauten“ zu verstehen, „so daß er eigentlich auf Wandelerscheinungen aller Laute bezogen werden könnte“[6]. Faktisch fallen aber nur einige lautliche Veränderungen unter die II. Lautverschiebung.

Eine genauere Darstellung der Veränderungen der deutschen Sprache durch die II. Lautverschiebung und eine Analyse anhand anschaulicher Textbeispiele aus dem Mittelhochdeutschen und dem Mittelniederdeutschen findet im weiteren Verlauf der Arbeit statt[7].

2.2. Zeitliche Einordnung

Eine genaue zeitliche Einordnung der II. Lautverschiebung ist nicht einfach. Schwerdt äußert sich diesbezüglich in der Einleitung des von ihr herausgebrachten Sammelwerks Die Kontroverse um die 2. Lautverschiebung wie folgt:

Die von der Forschung bisher vorgebrachten Thesen zum Alter der 2. Lautverschiebung schwanken ganz beträchtlich; sie differieren um 800 Jahre. Die Gründe hierfür liegen wohl in unterschiedlichen Argumentationen, indem sich manche Forscher auf (vermeindlich) frühe Belege stützen, andere ihre Datierung nicht aus sprachlichen Tatsachen beziehen und einige schließlich ihre Ansichten gar nicht begründen.[8]

Die späteste Datierung der II. Lautverschiebung stammt von Mitzka, er datiert sie ins 8. Jahrhundert. Eine Vielzahl von Forschern nimmt an, dass die Lautverschiebung im 7. Jahrhundert anzusiedeln ist, so auch Grimm. Nach Schwarz ist sie in der Zeit zwischen der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts und der ersten. Hälfte des 7. Jahrhunderts zu datieren. Die frühesten Datierungen der II. Lautverschiebung liefern Bremer und Vennemann. Bremer datiert sie aufgrund ethnologischer Erwägungen ins 1. Jahrhundert vor Christus. Seiner nicht weiter belegten Auffassung nach haben die Langobaden die II. Lautverschiebung von Alemannen und Bayern übernommen. Vennemann datiert die Lautverschiebung um die Zeitenwende.[9]

3. Theorien der II. Lautverschiebung

Im Laufe der germanistischen Forschung hat es eine Vielzahl verschiedener Theorien und Erklärungen für das Einsetzen der II. Lautverschiebung gegeben, deren Anzahl an Anhängern von Erklärung zu Erklärung stark schwankte. Jedoch ist die Frage nach den Ursachen des lautlichen Wandels nach wie vor schwer zu beantworten und lässt sich kaum befriedigend beantworten.

Nach Schwerdt ist die Frage nach der Entstehung und Ausbreitung das „zentrale Problemfeld bei der Erforschung der II. Lautverschiebung […] und hat zu zahlreichen Kontroversen, gelegentlich auch zu Polemik und persönlichen Angriffen, geführt“[10].

Die Vielzahl unterschiedlicher Thesen bezüglicher der Entstehungs- und Verbreitungsproblematik ist darauf zurückzuführen, dass die II. Lautverschiebung in den einzelnen Dialekten des Deutschen nicht in der gleichen Art und Weise durchgeführt ist.[11]

N.O. Heinertz nennt in seiner Abhandlung Eine Lautverschiebungstheorie einige dieser Erklärungsansätze und ihre Vertreter und stellt zugleich ihre Schwachstellen heraus. Dazu unterteilt er die verschiedenen Theorien in drei Gruppen: Die Psychologischen Erklärungen, die Physiologischen Erklärungen und die Ethnographischen Erklärungen.[12]

Heinertz selbst kommt zu dem Schluss, dass die II. Lautverschiebung das lautliche Ergebnis einer Rassenmischung ist.[13] Er sieht eine Übereinstimmung zwischen der veränderten deutschen Sprache mit Erscheinungen im Keltischen.[14]

[...]


[1] Vgl. Bertelsmann Universallexikon 2002. Gütersloh, München 2001.

[2] Vgl. Bertelsmann Universallexikon 2002. Gütersloh, München 2001.

[3] Bach, Adolf: Geschichte der deutschen Sprache. 8., stark erweiterte Aufl. Heidelberg 1965. S. 101.

[4] Vgl. Bach, Adolf: Geschichte der deutschen Sprache. 8., stark erweiterte Aufl. Heidelberg 1965. S. 101.

[5] Grimm, Jakob: Geschichte der deutschen Sprache. Zwei Bände in einem Band. Hildesheim, New York 1970. S. 275.

[6] Schwerdt, Judith: Die 2. Lautverschiebung. Wege zu ihrer Erforschung. Heidelberg 2000. S. 168f.

[7] S. dazu Kapt. 4.

[8] Schwerdt, Judith: Einführung. In: Die Kontroverse um die 2. Lautverschiebung. Hg von Schwerdt, Judith. Dokumentation Germanistischer Forschung, Bd. 5. Frankfurt am Main 2002. S.9.

[9] Vgl. Schwerdt, Judith: Einführung. In: Die Kontroverse um die 2. Lautverschiebung. Hg von Schwerdt, Judith. Dokumentation Germanistischer Forschung, Bd. 5. Frankfurt am Main 2002. S. 9,10.

[10] Schwerd, Juditht: Einführung. In: Die Kontroverse um die 2. Lautverschiebung. Hg von Schwerdt, Judith.

Dokumentation Germanistischer Forschung, Bd. 5. Frankfurt am Main 2002. S. 13.

Fortan als Schwerdt, Judith: Einführung zitiert.

[11] Vgl. Schwerdt, Judith: Einführung. S. 13.

[12] Vgl. Heinertz, N. Otto: Eine Lautverschiebungstheorie. In: Die Kontroverse um die 2. Lautverschiebung. Hg

von Schwerdt, Judith. Dokumentation Germanistischer Forschung, Bd. 5. Frankfurt am Main 2002. S. 65.

[13] Vgl. Heinertz, N. Otto: Eine Lautverschiebungstheorie. In: Die Kontroverse um die 2. Lautverschiebung. Hg

von Schwerdt, Judith. Dokumentation Germanistischer Forschung, Bd. 5. Frankfurt am Main 2002. S. 75.

[14] Vgl. Heinertz, N. Otto: Eine Lautverschiebungstheorie. In: Die Kontroverse um die 2. Lautverschiebung. Hg

von Schwerdt, Judith. Dokumentation Germanistischer Forschung, Bd. 5. Frankfurt am Main 2002. S. 87.

Fortan als Heinert, N. Otto zitiert.

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640493395
ISBN (Buch)
9783640493128
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141406
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Germanistik
Note
2,7
Schlagworte
Lautverschiebung Sprache deutsche Sprache Sprachentwicklung Erec Reyneke de Vos zweite Lautverscheibung

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Titel: Die II. Lautverschiebung und ihre Auswirkungen auf die deutsche Sprache