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DDR-Leistungssport

Hausarbeit 2000 22 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Neuaufbau des Sports in der SBZ
1.1. Probleme bei der Sportbewegung und die Lösungsversuche der SED
1.2. Die Sportbeziehungen zwischen Ost und West bis 1950
1.3. Die Gründung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport

2.Politische und gesellschaftliche Entwicklung der DDR in Bezug auf den Sport
2.1.Die Bedeutung des Sports für die DDR - Führung
2.2.Die besondere Bedeutung des Leistungsports für die SED
2.3.Der Sport in der BRD nach 1950 im Vergleich zum DDR – Sport
2.4.Die Leistungssportkommission (LSK) als wichtiges Organ in dem von der Führung des DTSB geleiteten Leistungssport
2.5.Die Nachwuchsförderung

3. Zusammenhänge zwischen der wissenschaftlichen Forschung und dem Leistungssport
3.1. Die DHfK in Leipzig und andere sportwissenschaftliche Einrichtungen
3.2. Auswirkungen der Forschung auf das Leistungsniveau der DDR - Athleten
3.3. Der Einsatz von leistungsunterstützenden Mitteln

4. Abschlußbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Leistungssport in der DDR. Dieses Thema sorgte in den vergangenen Jahren für so manche Diskussion.

Auch in meinem Bekanntenkreis wurden schon des öfteren Fragen diesbezüglich gestellt und versucht zu beantworten. Mein daraus resultierendes Interesse, ein in unserer Uni am 23.05.00 gehaltener Vortrag von Hans–Florian Oertel (dem bekanntesten ostdeutschen Sportreporter) und nicht zuletzt meine eigene langjährige Erfahrung als Leistungsschwimmer in der DDR, bewegten mich zu der Wahl dieses Themas.

In diesem Zusammenhang stellte ich mir zwei wichtig erscheinende Fragen, die ich in meiner Abschlußbetrachtung versuchen werde zu beantworten.

1. Wurde in der DDR mit allen Mitteln versucht Leistungssteigerungen bei den Athleten zu erreichen?
2. Wurde der Leistungssport in der DDR als Propagandamittel mißbraucht?

Zuerst einmal war es mir wichtig zu wissen, wie der Neuaufbau des Sports in der SBZ nach dem 2.Weltkrieg verlief. Dabei gehe ich auch auf die Probleme des Neuanfangs ein und stelle die Lösungsversuche der SED dar. Mein nächster Schritt war dann eine kurze Analyse der Sportbeziehungen zwischen Ost – und Westdeutschland in der Nachkriegszeit bis 1950, in der ich versuche, besonders auf die schwierigen Rahmenbedingungen für Kontakte zwischen den Sportlern beider Länder hinzuweisen. Die Gründung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport und dessen Funktion und Stellung in der DDR, war mein nächster Ansatzpunkt.

Anschließend gehe ich auf die Bedeutung des Sports, insbesondere auf die des Leistungssports, für die SED ein und weise Unterschiede zu der Entwicklung und dem Stellenwert des Sports in der BRD auf. Mit der LSK als nächsten Punkt, stelle ich ein weiteres wichtiges Organ in der Organisation des Sports in der DDR vor und versuche dessen Funktion und Stellenwert im DDR – Leistungssport zu verdeutlichen. Auf den Zusammenhang mit dem DTSB werde ich dabei nur kurz eingehen. Mein nächster Ansatz ist dann die Nachwuchsförderung der DDR. Hierbei richtete sich mein Augenmerk auf die Aufmerksamkeit, die der Nachwuchsförderung, von Seiten der Regierung, geschenkt wurde. Den Ausbau der KJS werde ich dabei ebenfalls kurz mit einbringen. Mein nächster Gedanke war, die Verbindung zwischen der Wissenschaft und dem Leistungssport, durch den Aufbau und den Zusammenhang der wichtigsten Institute der Sportforschung und deren Auswirkungen auf den Hochleistungssport, zu verdeutlichen. Auf den Einsatz von leistungssteigernden Mitteln gehe ich im Anschluß nur kurz ein.

In meiner Abschlußbetrachtung versuche ich durch die gesammelten Fakten und durch mein neu errungenes Hintergrundwissen meine Anfangs gestellten Fragen zu beantworten und ein Resümee zu ziehen.

1. Der Neuaufbau des Sports in der SBZ

Nach der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde am 8. Mai 1945 in Berlin – Karlshorst und der Festnahme der Regierung Dönitz am 23. Mai 1945 war das faschistische Schreckensregime militärisch und administrativ besiegt.

Am 5. Juni 1945 übernahmen die Oberbefehlshaber der vier alliierten Armeen die oberste Befehlsgewalt in Deutschland. Damit waren sie auch zuständig für den Sport.

Die beginnende Reorganisation des Sports in den Besatzungszonen war geprägt von einer „uneinheitlichen Kontroll – und Anweisungspraxis der Besatzungsbehörden“ (Vgl. Kühnst S.15). Unterschiede bei den Kontrollen resultierten aus den teilweise gegensätzlichen weltanschaulichen und politischen Ansichten der Alliierten.

Ab dem 15. September 1945 konnten mit Genehmigung der zuständigen Behörden Sportvereine gegründet und Training, Wettkämpfe und Vereinsversammlungen wieder aufgenommen werden. Die Sowjetische Besatzungsmacht (SMAD) begann mit Hilfe der Kommunisten der „Gruppe Ulbricht“ sofort mit der Umgestaltung der SBZ auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, um die Voraussetzungen für den Aufbau eines neuen Gesellschaftsystems zu schaffen. Die wesentlichsten Ziele dabei waren die ideologische Umerziehung des Volkes und die vollständige Beseitigung des Militarismus und des Faschismus. Alle wichtigen Ämter und Organe wurden sofort und ausnahmslos mit Kommunisten besetzt. Für einen Neuaufbau des moralisch und materiell zerstörten Sports waren die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen sehr begrenzt. Mit dem sportpolitischem Wiederaufbau wurde von der SMAD die KPD (später die SED) beauftragt, da eine weitgehende Reglementierung nicht möglich erschien. Alle bisherigen Anfänge auf der Grundlage der alliierten Beschlüsse wurden damit unterbunden. Die KPD strebte danach, „den Sport dem Klassenkampf der Arbeiterklasse unterzuordnen und die politisch – ideologische Voraussetzung für eine demokratische( d.h. kommunistische – P.K.) Sportbewegung zu schaffen“(Vgl. Kühnst S.17). Zulassung, Beaufsichtigung und Leitung des sich neu entwickelnden Sportbetriebs in den Städten und Gemeinden übernahmen nun die kommunalen deutschen Dienststellen. Damit begann die Einleitung einer zwanghaften politischen Instrumentalisierung des Sports nach dem Vorbild der vom Stalinismus geprägten sowjetischen Sportentwicklung.

Schon sehr früh erkannte man die Möglichkeit, den kommunistischen Sport für die geistige Umerziehung der Sporttreibenden im antifaschistischen Sinne zu nutzen.

Die Situation des Sports war, wie schon erwähnt, aufgrund zerstörter Sportanlagen und fehlender Sportgeräte trostlos. Viele Sportgeräte und Turnhallen wurden auch von der Roten Armee genutzt und damit der allgemeinen Bevölkerung vorenthalten.

Charakteristisch für die damalige Zeit war auch die Einführung typisch sowjetischer Sportarten, wie z.B. des Volleyballspiels, da dieses fest in den Dienstsport der Roten Armee integriert und somit als „» fortschrittlich« und »beispielhaft« “(Vgl. Kühnst S.19) galt. Als bürgerlich – aristokratisch geltende Tennisplätze wurden somit kurzerhand in Volleyballfelder umfunktioniert. Die Entwicklung in den fünf Ländern der SBZ verlief durch die regionale Uneinheitlichkeit unterschiedlich. Sportpolitische Initiativen von Arbeitersportlern und Funktionären der KPD gab es vornehmlich nur in den ehemaligen Arbeitersporthochburgen Berlin und in Leipzig (dem damaligen Reichssitz des Arbeitersports). Zeichen für einen sportlichen Aufschwung waren Großveranstaltungen, wie z.B. das Fußballspiel Leipzig gegen Dresden und ein Radrennen in Leipzig im Frühsommer 1946. In kurzer Zeit stieg die Zahl der Sporttreibenden beachtlich an. Durch die Freigabe verschiedenster Sportarten, wie z.B. Hockey, Basketball, Handball, Schwimmen u.s.w., durch die SMAD in den Jahren 46/ 47 stieg die Anzahl der Aktiven weiter und auch in Städten wie z.B. Halle, Zwickau und Chemnitz fanden bald erste Vergleiche zwischen den neugegründeten Vereinen statt. Durch die administrative Beschränkung auf die Kreisebene wurde eine überregionale Sportbewegung natürlich verhindert, was eine zunehmende Unzufriedenheit hervorbrachte.

1.1. Probleme bei der Sportbewegung und die Lösungsversuche der SED

Die nach dem Kriegsende überall gebildeten Antifa – Ausschüsse der Jugend, die in vielen Orten die Entwicklung des Sportbetriebs maßgeblich beeinflußten, wurden am 7. März 1946 durch einen Beschluß der am 21./22. April 1946 gegründeten SED, der Nachfolgepartei der KPD, mit der Gründung der FDJ zentralisiert. Der FDJ – Sport hatte Anfangs nur die Aufgabe den Sportbetrieb innerhalb der Jugendorganisationen der SBZ voranzutreiben. Allerdings übernahm er schon bald sportpolitische und organisatorische Aufgaben, die ursprünglich den Kommunen auferlegt wurden. Zu Beginn des Jahres 1948 hatte die FDJ etwa 200 000 Mitglieder und war in allen Ländern der SBZ fest etabliert. Nachdem am 11. Mai 1948 durch eine Vereinbarung zwischen der SMAD und der Führung der FDJ die Verantwortung für den Sport offiziell an die FDJ übertragen wurde, war der Sportbetrieb nun endgültig der SED untergeordnet. Die Probleme des dezentralen Kommunalsports waren durch die überregional organisierte FDJ, unter ihrem Vorsitzenden Erich Honecker, damit beseitigt. Der Aufbau wurde durch die Aufhebung der einschränkenden Bestimmungen, durch die Direktive Nr. 23, von Seiten der SMAD weiter vorangetrieben. 1948 stand also der Ermittlung der ersten ostdeutschen Meister im Fußball und im Handball nichts mehr im Wege.

Durch die oben erwähnte Mitgliederzahl kann man allerdings erkennen, das die Mehrzahl der antikommunistisch gesinnten Jugendlichen sich dem FDJ – Sport verweigerten. Dies bedeutete eine große Gefahr für die Sportentwicklung. Vereine außerhalb der Zuständigkeit der FDJ und deren Kontrolle gab es nicht. Viele Anhänger des bürgerlichen Sports flüchteten deshalb unter den Deckmantel des Kommunalsports. Die Übertragung der Verantwortung des Sports auf die FDJ stellte sich im nachhinein als Fehlentscheidung heraus, da die Organisation einfach der Aufgabe nicht gewachsen war. Dies erkannte man auch in der Partei und so kam es im Oktober 1948 zu einer „Einleitung der sogenannten demokratischen Sportbewegung“(Vgl. Papst S. 79), mit der Gründung des Deutschen Sportausschuß (DS) in Berlin.

Damit hatte der Sport in der SBZ zwei Jahre und zwei Monate vor dem Westzonensport ein zentrales einheitliches Führungsorgan. Die wichtigste Aufgabe des DS war die Verlagerung des Sports von den Kommunen zu den Betrieben. Ende 1948 wurden dafür in den ersten Betrieben sogenannte Betriebssportgemeinschaften (BSG) gegründet. Trotz des Widerstandes von Seiten der Anhänger des bürgerlichen Sports waren es bis zum Herbst 1949 rund 800 BGS mit etwa 500 000 Mitgliedern. Da diese meist in den Volkseigenen Betrieben(VEB) angesiedelt waren, standen sie unter direktem Einfluß der kommunistischen Betriebsräte. Walter Ulbricht erklärte auf einer Konferenz am 2./3. April 1949: „... Die Sportgemeinschaften der Betriebe müssen zum Rückrat der neuen Sportbewegung werden.“(Vgl. Papst S.80).Der DS faßte am 3. April 1950 den Beschluß, die BSG einheitlicher Produktionszweige in 18 Sportvereine (SV) zusammenzufassen. Die SV – Leiter wurden die Leiter der Abteilung Sport bei den Industriegewerkschaften. Jede Gewerkschaft gab ihrer SV symbolhafte Namen. Die Reichsbahn z.B. nannte ihre SV Lokomotive. Innerhalb von drei Jahren waren alle BSG unter der Leitung ihrer SV. Damit hatte der DS eine bessere Kontrolle über die BSG.

Durch die Gründung des DS wurde ein weiterer großer Schritt in Richtung Zentralisierung des ostdeutschen Sports getan.

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Details

Seiten
22
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640504756
ISBN (Buch)
9783640504589
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141439
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Sportwissenschaft
Note
2
Schlagworte
DDR Leistungssport Doping SBZ LSK DTSB Nachwuchsförderung Sportbeziehung Ost und West Leistungsniveau Forschung DHfK Sportorgane

Autor

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Titel: DDR-Leistungssport