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Dietrich Bonhoeffer. Zu Widerstand und Ergebung

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Stufen des Widerstandes in der national- sozialistischen Zeit
2.2 Der Weg zum aktiven Widerstand
2.3 Die Art des Widerstandes
2.4 Die Zeit des aktiven Widerstandes
2.5 Inhaftierung und Ergebung

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der 1906 in Breslau[1] geborene Dietrich Bonhoeffer wird zu jener Theologengeneration gezählt, die „zum Teil durch den Zweiten Weltkrieg um ihre Entfaltung“[2] gebracht wurde. Dennoch gelangte er sowohl mit seinem fragmentarischen Werk, als auch mit seiner widerständigen Biografie, ungefähr zehn Jahre nach seinem gewaltsamen Tod, zu einer weltbekannten Berühmtheit. Seine überragende Bedeutung liegt nach Meinung des Neffen, Hans-Walter Schleichers, „nicht in erster Linie im Politischen, denn Bonhoeffer war kein Politiker und wollte nicht „politisch“ handeln, sondern als Mensch und Christ, der an der Stelle, an die ihn Gott gestellt hat, Verantwortung übernimmt.“[3]

Allein seine von Weitsicht und Mut zeugenden Äußerungen, die zu Lebzeiten an die Öffentlichkeit gelangten, werden neben denen Karl Barths (1886-1968) zu den „klassischen Zeugnissen kirchlich-evangelischer Besinnung in dieser Zeit“[4] gezählt. Über Bonhoeffers Dissertation, die er als Dreiundzwanzigjähriger unter der Überschrift „Sanctorum Communio. Eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche“[5] eingereicht hatte, schrieb Karl Barth fast 30 Jahre später:

„Ich gestehe offen, dass es mir Sorge macht, die von Bonhoeffer damals erreichte Höhe (...) wenigstens zu halten (...) nicht schwächer zu reden, als dieser junge Mann es damals getan hat.“[6]

Barth ist jedoch anzukreiden, dass ihn seine Fehlurteile über Stalin (1879-1953) und den Kommunismus weit unter das Niveau Bonhoeffers geraten ließen[7], abgesehen von der Polemik voller Verdächtigungen gegen den protestantischen Theologen und späteren Spitzenpolitiker Eugen Gerstenmaier (1906-1986).[8]

Bonhoeffer ist über die Grenzen von Ländern und Konfessionen hinaus bekannt geworden, ehe es eine Biographie über in gab. Man hält ihn für einen glaubwürdigen Christen unserer Zeit und schenkt ihm bis heute Aufmerksamkeit, weil er neue Wege betreten und sie zu deuten gewusst hat.[9]

Es steht außer Frage, dass Dietrich Bonhoeffer zu einer verschwindend kleinen Gruppe von Männern der Kirche gehört hat, die den Schritt zur aktiven politischen Untergrundtätigkeit vollzogen haben. Außer der Menge von Bürgern und Adligen, von Militärs und Sozialisten enthält die Tafel der Opfer des 20. Juli 1944 drei Namen von katholischen Kirchenmännern: Pater Delp, Prälat Müller und Kaplan Wehrle; auf evangelischer Seite zählt dazu Dietrich Bonhoeffer und der hauptamtliche Jurist der Bekennenden Kirche, Friedrich Justus Perels.[10]

Aus welchen Gründen die Gruppe der Widerständler seitens der Kirche so klein war, lässt sich aus heutiger Sicht nur schwer nachvollziehen und würde den Rahmen dieser Ausarbeitung um vieles überschreiten. Diese Ausarbeitung soll den Widerstand und die Ergebung Bonhoeffers näher beleuchten. Der Widerstand Bonhoeffers lässt sich jedoch nur unter der Einbeziehung seiner theologischen ethischen Grundsätze und persönlichen Lebensumstände näher beschreiben, die in dieser Ausarbeitung nicht gänzlich außer Acht gelassen werden können. Es ist im Rahmen dieser Ausarbeitung möglich, lediglich einen kleinen Teil der aufopfernden Taten Bonhoeffers widerzuspiegeln.

2. Hauptteil

Dietrich Bonhoeffers Anteil an der deutschen politischen Widerstandsbewegung lässt sich in fünf Perioden einteilen. Die erste reicht von der Fritsche-Krise Anfang 1938 bis zum Tag des Münchener Abkommens, dem 30. September 1938, die zweite von da an bis zum Beginn der Frankreichoffensive am 10. Mai 1940. In diesen beiden Perioden ist der Tatbestand der Mitwisserschaft und Billigung gegeben. Die dritte Periode erstreckt sich vom Frankreichfeldzug bis zur Verhaftung am 5. April 1943. Die dritte Periode ist die der eigentlichen aktiven Teilhaberschaft Bonhoeffers. Die vierte reicht dann bis zum 20. Juli 1944 selbst und besteht im Abschirmen der Taten. Die fünfte füllt den Kampf um ein mögliches Überleben.

2.1 Die Stufen des Widerstandes in der nationalsozialistischen Zeit

Es ist sicherlich schwierig detaillierte Stufen des Widerstandes auszumachen und Übergänge festzulegen. Eberhardt Bethge beschreibt den Widerstand während der nationalsozialistischen Zeit in fünf Stufen: zunächst den einfachen passiven Widerstand, dann den offenen ideologischen, bei dem die Kirchen ihre Aufgabe erfüllten, ohne eine neue politische Zukunft zu konzipieren und anzustreben. Die dritte Stufe zeichnet sich durch Mitwisserschaft an Umsturzvorbereitungen aus, in die auch Amtsträger der Kirche hineingerieten. Die vierte Stufe kennzeichnet sich durch aktive Vorbereitungen für das Danach. Und schließlich die letzte, fünfte Stufe der aktiven Konspiration, zu der ein Angehöriger evangelisch-lutherischer Tradition den schwersten Zugang hatte, weil diese Tradition so etwas nicht vorsah. Auf dieser letzten Stufe gab es keine kirchliche Deckung und keine vorliegende Rechtfertigung dessen, was sich jedem Regelfall entzog.[11]

2.2 Der Weg zum aktiven Widerstand

Vor diesen genannten Perioden haben wir es mit einer Zeit in Bonhoeffers Leben zu tun, in der sich ein politisches Engagement anbahnt, ohne jedoch Veränderungen in seinem Beruf herbeizuführen oder neue theologische Ansätze zu bewirken. Entscheidungen, die vor diesen Phasen des Widerstandes von ihm oder in seiner unmittelbaren Nähe getroffen werden, verändern noch nicht seine kirchliche Position; sie sind vornehmlich von familiärem Charakter, z. B. die Auswanderung seiner Schwester oder die Entgehung seiner Musterung. Dennoch nehmen solche Entscheidungen bereits, wenn auch nur indirekt, Einfluss auf sein politisches Engagement.

[...]


[1] Heute: Wroclaw.

[2] Fischer, Hermann: Protestantische Theologie im 20. Jahrhundert. Stuttgart 2002. S. 9.

[3] Schleicher, Hans-Walter: Dietrich Bonhoeffer. In: 20. Juli. Porträts des Widerstands. Hrsg. Oberreuter, Heinrich, zweite aktualisierte u. überarbeitete Neuausgabe. Düsseldorf 1995. S. 149.

[4] Scholder, Klaus: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 2. München 2000. S. 47.

[5] Bonhoeffer, Dietrich: Werke. Bd. 1. München 1986.

[6] Schleicher (1995). S. 157.

[7] Karl Barth: „Und weil der russische Kommunismus im künftigen Deutschland auf alle Fälle eine politische, eine wirtschaftliche, eine geistige Macht sein wird, so wäre es weise, hinzuzufügen: man wird dieser Begegnung nur dann gewachsen sein, wenn man ihr ungehemmt durch überlieferte, ungehemmt auch durch gewisse neu aufgekommene Vorurteile jedenfalls aufgeschlossen und verständniswillig entgegengeht.“ Aus: Der Götze wackelt. Zeitkritische Aufsätze, Reden und Briefe von 1930 bis 1960. Hrsg. Karl Kupisch. Berlin 1961, S. 95.

[8] siehe Karl Barth: Neueste Nachrichten zur neueren deutschen Kirchengeschichte? S. 443-451. In: Klärung und Wirkung. Zur Vorgeschichte der „Kirchlichen Dogmatik“ und zum Kirchenkampf, Hrsg. Walter Feurich. Berlin (Ost) 1966.

[9] Vgl. Bethge, Eberhardt: Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse. 5. Auflage. München 1983. S. 5.

[10] Vgl. Bethge, Eberhardt (1983). S. 889.

[11] Vgl. Bethge, Eberhardt (1983). S. 890.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640510450
ISBN (Buch)
9783640510634
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141547
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Schlagworte
Hausarbeit Bonhoeffer Dietrich Krieg Glauben Widerstand Ergebung

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Titel: Dietrich Bonhoeffer. Zu Widerstand und Ergebung