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Die Religionspolitik der Habsburger Kaiser in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Themeneinführung

2 Der Dreißigjährige Krieg
2.1 Forschungsstand
2.2 Geschichte des Dreißigjährigen Krieges im Überblick

3 Das Haus Habsburg
3.1 Geschichte der Habsburger
3.2 Die Habsburger Kaiser im Kontext des Dreißigjährigen Krieges
3.2.1 Karl V.
3.2.2 Ferdinand I.
3.2.3 Maximilian II.
3.2.4 Rudolf II.
3.2.5 3Matthias I.
3.2.6 Ferdinand II.
3.2.7 Ferdinand III.
3.3 Folgen der Religionspolitik der Habsburger Kaiser

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Themeneinführung

Der Dreißigjährige Krieg war einer der bedeutendsten Konflikte der deutschen Geschichte. Für die Zeit zwischen 1618 und 1648 war er nicht nur in den Gebieten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Sinnbild für millionenfachen Tod, Verwüstung und Elend. Nach dem Krieg zeichnete sich erstmals ein gemeinsames politisches System zwischen den Alpen und der Nordsee ab.[1] Der Krieg hatte mehrere Ursachen. Zum Einen war er ein Konflikt der Religionen und zum Anderen ein Kampf um die Hegemonie der europäischen Mächte. Der Krieg begann mit dem Prager Fenstersturz. Kriegsparteien waren die Katholische Liga und die Protestantische Union. Die Parteien setzten sich verschiedenartig zusammen, wobei der religiöse Glaube nicht immer ausschlaggebend für die Parteizugehörigkeit war. Die Habsburger Kaiser kämpften mit Österreich und Spanien gegen Frankreich, Schweden, Dänemark und die Niederlande. Die Wechsel der Habsburger Kaiser durch Tod und Bruderzwist setzten bedeutende Zeichen in der Entwicklung zum Krieg, im Kriege selbst und zum Ende des Krieges. Sieben Kaiser regierten im unmittelbaren Kontext zum Dreißigjährigen Krieg. Ihre politischen Entscheidungen und Handlungsweisen zeigten ihre Verschiedenartigkeit. Besondere Bedeutung erhielt ihre Religionspolitik, die ausschlaggebend für die politischen Entwicklungen war. Zentrale Frage der Arbeit ist, wie die unterschiedlichen Glaubensansätze und religionspolitischen Entscheidungen der Habsburger Kaiser sich auf die Entwicklung des Dreißigjährigen Krieges ausgewirkt haben. Um in das Thema einzuführen, werden der Dreißigjährige Krieg und der Forschungsstand dargestellt. Die Familie der Kaiser wird in der Geschichte des Hauses Habsburg thematisiert. Die Kaiser im Kontext des Dreißigjährigen Krieges, Karl V., Ferdinand I., Maximilian II., Rudolf II. Matthias I., Ferdinand II. und Ferdinand III., ihre Handlungsweisen, besonders ihre Religions- und Reichspolitik, und ihre Regierungszeit werden vorgestellt. Den Schwerpunkt der Arbeit setzt die Frage, welche Folgen die Religionspolitik der Habsburger Kaiser für die Entwicklung, Fortsetzung und Beendigung des Dreißigjährigen Krieges hatte.

2 Der Dreißigjährige Krieg

2.1 Forschungsstand

Der Dreißigjährige Krieg ist einer der zentralen Forschungsgebiete der deutschen und europäischen Historiker mit unzähligen Veröffentlichungen und ebenso vielen Forschungsrichtungen und Forschungsansätzen. Der bekannteste und einer der ersten Autoren, der sich mit dem Dreißigjährigen Krieg beschäftigte, war Friedrich von Schiller, dessen Werk in dieser Arbeit nicht von Bedeutung ist. Im Jubiläumsjahr 1998 wurden besonders viele interessante Werke veröffentlicht.[2] Die Quelleneditionen von Josef Polisensky[3] sind der Ausgangspunkt für die Forschungen zum Dreißigjährigen Krieg. Der Dreißigjährige Krieg wird zudem in den Gesamtdarstellungen der deutschen und europäischen Geschichte thematisiert wie zum Beispiel im Gebhardt.[4] Von dem einen und richtigen Forschungsansatz kann nicht gesprochen werden und trotz der unüberschaubaren Publikationen finden sich immer wieder neue Bereiche, die noch nicht ausreichend beleuchtet worden sind wie zum Beispiel die Themen Religionsgeschichte und Konfessionsgeschichte als Mittel der psychischen Krisenbewältigung oder die Einteilung der Gesellschaft im konfessionellen Sinne.[5] Ein Disput hat sich zu der Frage entwickelt, ob der Dreißigjährige Krieg überhaupt als Dreißigjähriger Krieg bezeichnet werden kann, da die Epoche des 17. Jahrhunderts von vielen Ereignissen und Kriegen überschattet war, die sich nicht nur zwischen 1618 und 1648 ereigneten.[6]

Um einen ersten Überblick über den Dreißigjährigen Krieg zu erhalten, eignen sich Standardwerke wie aus der Beckschen Reihe „Der Dreißigjährige Krieg“ oder die Gesamtdarstellungen von Johannes Burkhardt[7] und Gerhard Schormann.[8] Für diese Arbeit wurden zudem Werke über die Habsburger Kaiser herangezogen. Wichtige Handbücher sind „Habsburgs europäische Herrschaft“ von Esther-Beate

Körber[9] und „Das Werden der Habsburgermonarchie“ von Robert Evans[10], die die Beschreibung und Analyse der Kaiser im Kontext des Dreißigjährigen Krieges zum Schwerpunkt haben. Der Religionspolitik der Kaiser wurde allerdings in keinem Band ausreichende Beachtung geschenkt.

2.2 Geschichte des Dreißigjährigen Krieges im Überblick

Im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges fanden in Europa Umwälzungen nicht gekannten Ausmaßes statt. Das Mittelalter war in der Neuzeit aufgegangen, der Buchdruck revolutionierte ab 1455 die Geisteswissenschaft, der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England wurde 1483 beendet, Kolumbus entdeckte 1492 Amerika und die Reformation begann 1517 mit dem Thesenanschlag Martin Luthers. Dieser positiven Entwicklung stand ein Bevölkerungsanstieg gegenüber, dem Europa nicht gewachsen war. Die Schere zwischen Arm und Reich wurde größer, Hungersnöte folgten und schließlich eine Wirtschaftskrise. Die Bannung der Gefahr der türkischen Eroberung war das Hauptziel der Kaiser. Die Reformation führte zu schwerwiegenden Konflikten im Reich, die auch der Augsburger Religionsfrieden nicht beenden konnte, aber einen politischen Status Quo schaffte, der mit der modernen Reichsverfassung den Frieden garantierte.[11] „Es war ein Frieden von den Reichsständen für die Reichsstände“, nach Georg Schmidt.[12] Das besondere dieses Friedens war, dass die Landesherren die Religion ihrer Untertanen nach dem Prinzip „cuius regio, eius religio“ bestimmen konnten. Dieses Prinzip verschärfte aber auch immer wieder den religiösen Konflikt. Die katholische Reichskirche nutzte die Phase des Friedens mit der Unterstützung des Kaisers, um die Gegenreformation zu forcieren und Herzog Maximilian von Bayern zum Führer des katholischen Deutschlands zu machen. Die Protestanten versuchten eine solidarische Basis zu erzielen in der Hervorhebung der Deutschen Nation.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts verstärkten sich die religiös-politischen Fronten wieder. Zum einen war die Gefahr durch die Türken durch einen Waffenstillstand vorerst gebannt und zum anderen traten die katholischen Stände offensiver auf. Die katholischen Reichsstände waren zum Beispiel beim Deputationstag, einem Ausschuss des Reichstags, in der Mehrheit und die protestantischen Vertreter machten die Deputation aus Protest beschlussunfähig. Zum Exempel wurde 1608 die Reichsacht über Donauwörth. Die Stadt wurde durch Herzog Maximilian von Bayern erobert und rekatholisiert.[13] Im folgenden Reichstag sollte der Religionsfrieden bestätigt werden. Die kaiserlichen Gesandten forderten jedoch die Restituierung. Der Reichstag wurde handlungsunfähig. Die protestantische Union und die katholische Liga wurden gegründet, die allerdings einen Konfrontationskurs vermieden und einen diplomatischen Weg beschritten. Mit dem Prager Fenstersturz 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Die Rekatholisierungspolitik des Kaisers in Böhmen, der einen katholischen König durchsetzte, zwang die böhmischen Stände zu einem Zeichen gegen diese Politik. Die Folge war ein Aufstand, in dessen Folgen die katholische Liga Prag besetzte. Die katholisch-habsburgische Koalition errang die Vormachtstellung. Ein Eingriff des dänischen Königs konnte die Gefahr der riesigen Heere unter Graf Johann von Tilly und Albrecht von Wallenstein nicht bannen. Die Siege der Liga veranlassten den Kaiser das Konfessions- und Verfassungsgefüge des Reiches umzuwandeln. Die Konfrontationen setzten sich im Reich fort. Die protestantische Union wurde durch die Macht der kaiserlichen Truppen zurückgedrängt. Im Jahre 1629 verkündete der Kaiser das Restitutionsedikt, welches die Rückführung des säkularisierten Kirchenbesitzes nach 1552 bedeutete und von den katholischen und evangelischen Reichsständen als Weg zum kaiserlichen Absolutismus aufgefasst wurde. Durch die desolate Finanzlage des Kaisers konnten die Kurfürsten seine Pläne vereiteln. Die Reichsstände zeigten ihr Zusammengehörigkeitsgefühl, das trotz der Glaubensdifferenzen, eine Handlungsbasis garantierte.[14] Der Krieg hätte nun beendet sein können, wenn auch das Restitutionsedikt aufgehoben worden wäre, was nicht geschah. Zu diesem Zeitpunkte mischte sich der schwedische König Gustav Adolf in den Konflikt ein. Seine Propaganda sollte ihn als Retter des Protestantismus darstellen, aber sein eigentliches Ziel war Machtgewinn in Europa. Die Schweden eroberten das Reich durch ihre überlegene Militärtaktik. Erst durch den Wiederaufbau einer kaiserlichen Armee durch Wallenstein konnte der Siegeszug beendet werden. Der schwedische König fiel. Der folgende Prager Frieden zwischen den Reichsständen und dem Kaiser beendete den Konflikt nicht. Wallenstein war auf dem Höhepunkt seiner Macht, verzettelte sich in seinem diplomatischen Eifer Frieden zu schaffen und wurde auf Befehl des Kaisers getötet. Im Jahre 1635 begann der Krieg zwischen Spanien und Frankreich, der eine neue Dimension bot und sich in das Reich verlagerte. Weite Teile Deutschlands wurden verwüstet. Der Krieg stand nicht mehr unter dem Zeichen der Religion, sondern der Hegemonie über Europa. Militärisch befanden sich die Konfliktparteien in einer Pattsituation. Weder die kaiserliche Armee noch die schwedisch-französische Koalition konnte die Oberhand gewinnen. Der Kaiser wollte mit Friedensinitiativen die politischen Verhandlungen wiederbeleben. In der letzten entscheidenden Schlacht 1648 besiegte die schwedisch-französische Koalition die kaiserlich-bayrische Armee. Am 24. Oktober 1648 wurde der Westfälische Frieden geschlossen, der die Protestanten begünstigte, die Religionsfreiheit sicherte, die Reichsstände stärkte, die umstrittenen Gebiete aufteilte und einen Status Quo festschrieb. Die Armeen wurden abgezogen und aufgelöst. Der Frieden war weder universal für Europa noch der Beginn einer neuen Zeit.

[...]


[1] Schmidt, Georg: Der Dreißigjährige Krieg, 6. Aufl., München 2003, S. 7.

[2] Vierhundertfünfzigjahrfeier des Westfälischen Friedens 1998.

[3] Polisensky, Josef: Documenta Bohemica Bellum Tricennale Illustrantia. Tomus I. Der Krieg und die Gesellschaft in Europa 1618-1648. Prag 1971.

[4] Reinhard, Wolfgang (Hrsg.): Gebhardt. Handbuch der Deutschen Geschichte. Bd. 10. Konfessionelles Zeitalter und der Dreißigjährige Krieg. 10. Aufl. Stuttgart 2001.

[5] Krusenstjern, Benigna von: Zwischen Alltag und Katastrophe. 2. Aufl. Göttingen 1999, S. 617.

[6] Schmidt, S. 10f.

[7] Burkardt, Johannes: Der Dreißigjährige Krieg. Frankfurt a.M. 1998.

[8] Schormann, Gerhard: Der Dreißigjährige Krieg. 3. Aufl. München 2005.

[9] Körber, Esther-Beate: Habsburgs europäische Herrschaft. Von Karl V. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Darmstadt 2002.

[10] Evans, Robert J. W.: Das Werden der Habsburgermonarchie 1500 bis 1700. Wien 1986.

[11] Schmidt, S. 12.

[12] Ebd., S. 17.

[13] Reinhard, S. 187f.

[14] Asche, Matthias; Schindling, Anton (Hrsg.): Das Strafgerichte Gottes. Kriegserfahrungen und Religion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Münster 2001, S. 32.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640505302
ISBN (Buch)
9783640505104
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141635
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Neuere Geschichte I
Note
2,0
Schlagworte
Religionspolitik Habsburger Kaiser Zeit Dreißigjährigen Krieges

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Titel: Die Religionspolitik der Habsburger Kaiser in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges