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Der Islam im malaiischen Südthailand: unterschiedliche Konzepte und Akteure

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Südasienkunde, Südostasienkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundelemente der islamischen Religion

3. Der Islam auf der malaiischen Halbinsel
3.1. Die Entwicklung des Islam
3.2. Der Islam der Malaien

4. Der Islam im malaiischen Südthailand
4.1. Das Sultanat Patani
4.2. Die Islamisierung im 20. Jahrhundert
4.3. Unterschiedliche Konzepte und Akteure

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den südlichen Grenzprovinzen Thailands zu Malaysia bilden malaiische Moslems eine Bevölkerungsmehrheit, die in einem konfliktreichen Verhältnis zu den herrschenden buddhistischen Thais lebt. Der Islam, die Sprache Yawi und traditionelle Regeln, adat genannt, sind Grundelemente der Identität dieser Malaien, welche in Rückbesinnung auf historische Wurzeln eigener Unabhängigkeit ihre Ethnizität gegen die nationalistische Assimilierungspolitik des thailändischen Staates schützen und bewahren. Da die Herrschaftspolitik der Thais bisher sehr wechselhaft und oftmals wenig tolerant war, sowie von starken kolonialen und nationalistischen Zügen geprägt wurde, hat sich im Gegensatz dazu eine stark islamisch geprägte Identität bei den Malaien in Südthailand herausgebildet. Diese begegnet dem buddhistischen Nationalismus der Thais mit anhaltendem Widerstand. Was den Charakter des Islam dieser Malaien kennzeichnet, wie er entstanden ist und von verschiedenen konkurrierenden islamischen Strömungen und Akteuren beeinflusst wurde und wird, bis hin zu seiner teilweisen Radikalisierung durch den Islamismus des 20. Jahrhunderts, kommt in den folgenden Kapiteln zum Ausdruck.

In Kapitel zwei wird die Grundstruktur des Islam erläutert, seine religiöse Basis, wie sie von allen Moslems der Welt anerkannt und im Alltag genutzt wird. Sie bildet das verbindende, einheitliche Element einer imaginären islamischen Gemeinschaft, der ummah. Besonderheiten der islamischen Entwicklung werden in Kapitel drei für die malaiische Halbinsel erklärt, und es wird ihr Einfluss auf die Geschichte dieser Region skizziert. Der Islam in den malaiischen Grenzprovinzen Südthailands Yala, Narathiwat, Pattani und Satun, seine traditionelle Rolle im historischen Sultanat Patani, sowie seine unterschiedlichen Darstellungsformen durch verschiedene Akteure, werden in Kapitel vier beschrieben.

Die weltweite Islamisierung im 20. Jahrhundert hatte große Auswirkungen auf die malaiischen Moslems, auch in Südthailand. Unterschiedliche islamische Konzepte und Akteure spalten seitdem deren Gemeinschaft. Islamische Identitätswahrung, gegen Herausforderungen westlicher Moderne, gegen Verfall von traditionellen Werten und Zerfall von Familienstrukturen, sowie gegen die koloniale Hegemonialpolitik der Thai, ist ein zentrales Thema für die Malaien in ihrem Kampf um Gleichberechtigung und Selbstbestimmung in Thailand.[1]

Auf Grund des anhaltenden Konfliktes in Südthailand und eines zunehmenden internationalen Interesses, gibt es vor allem aus der jüngsten Vergangenheit eine Vielzahl akademischer Veröffentlichungen, die sich mit den Problemen dieser Region auseinandersetzen. Aus diesen habe ich einige, für mein Thema zutreffende, ausgewählt und im Weiteren zitiert. Vor allem Duncan McCargo hat mit seiner umfangreichen Feldforschung die aktuelle Situation gut analysiert und dann anschaulich dargestellt.

2. Die Grundelemente der islamischen Religion

Der Islam, die zweitgrößte Religion auf der Erde, lehrt den strikten Monotheismus, die Einheit Gottes. Die Gläubigen dieser Religion, Moslems genannte, verstehen sich dabei als Mitglieder einer weltweiten Schicksalsgemeinschaft, der ummah.[2]

Der Koran, bezeichnet als das Buch Gottes, ist die Primärquelle der islamischen Religion und hat 114 Kapitel, s uren. Moslems glauben, dass Mohammed als auserwählter Prophet diese Verse vom Erzengel Gabriel diktiert bekam. Sie wurden zu seinen Lebzeiten gesammelt und kontrolliert. Dazu kommen die Überlieferungen von Mohammed selbst, bestehend aus sechs hadith - Sammlungen, genannt s unnah. Mohammed war auch der Begründer der ersten islamischen Gemeinschaft in Medina.[3]

Das islamische Recht ist geteilt und wird mit den Begriffen f iqh und shariah ausgedrückt. Fiqh hat dabei einen breiteren Spielraum im Rechtsverständnis der Moslems, während die shariah göttliche, unveränderbare Regeln zum Ausdruck bringen soll und vor allem auf die täglichen Lebens- und Umgangsformen der Moslemgemeinschaft angewandt wird.[4]

Dazu gehören bestimmte rituelle Pflichten, genannt die fünf Säulen des Islam, welche die Grundpflichten für jeden Moslem sind. Als Erstes wird das gemeinsame Glaubensbekenntnis zum strengen Monotheismus, zu Mohammeds prophetischer Sendung und zu dessen Offenbarung, dem Koran, sowie zum Islam selbst gefordert. Zweitens, zu fünf festgelegten Zeiten am Tag, dem Ruf eines Muezzins folgend, soll jeder Moslem nach einer rituellen Reinigung in Richtung Mekka beten. Jeden Freitag erfolgt ein Mittagsgebet in der Gemeinschaft, meist in der örtlichen Hauptmoschee, begleitet von einer Predigt. Die Almosensteuer ist die dritte Grundpflicht und soll bedürftigen Moslems, sowie der Anstrengung oder dem Kampf auf dem Weg Gottes dienen. Mit dem Fasten im islamischen Monat Ramadan erfüllen Moslems ihre vierte Grundpflicht, welches dann täglich vom Beginn der Morgendämmerung bis zum vollendeten Sonnenuntergang dauert und durch das Zuckerfest beendet wird. Die Pilgerfahrt nach Mekka, dem Geburtsort des Propheten Mohammed, und zum zentralen Heiligtum, der Kaaba, ist die fünfte Grundpflicht und sollte mindestens einmal im Leben eines Moslems stattfinden.[5]

Fünf islamische Rechtsschulen, eine schiitische und vier sunnitische, legen die s hariah unterschiedlich aus. Sie erzeugen weltweit Spaltung unter den Moslems, so auch unter den Malaien.[6]

3. Der Islam auf der malaiischen Halbinsel

Der Islam erreichte Südostasien auf die gleiche Art wie Hinduismus und Buddhismus zuvor, aus Indien entlang der Handelswege über Land und hauptsächlich zur See. Er war die vereinigende Kraft einer neuen Ordnung: politisch, ökonomisch, kulturell und moralisch. Trotz unterschiedlicher Richtungen, welche Konflikte hervorriefen, erzeugte der Islam dort Glaubenseinheit, wo zuvor unterschiedliche Glaubensansichten existierten. Im 13. Jahrhundert, als die islamischen Stammländer von den Mongolen erobert wurden, war der Islam nur noch in Indien expansiv und offensiv. Nachdem Gujarat 1297 und Teile Südindiens 1327 unter islamische Herrschaft gerieten, breitete sich der Islam in Südostasien aus. Islamische Händler und mit ihnen Missionare diverser Sufi-Bruderschaften vermittelten vor allem einen Islam schafiitischer Schule. Dieser traf in der Inselwelt Südostasiens auf verschiedene Völker und Kulturen, mit teilweise hinduistischer oder buddhistischer Vorprägung, vermischte sich mit ihnen und beeinflusst heute in vielfältiger Form die religiöse Identität einer großen Zahl von Menschen dieser Region. Wie diese Entwicklung auf der malaiischen Halbinsel erfolgte, wird im Folgenden erläutert.[7]

3.1. Die Entwicklung des Islam

Lokale Geschichtsschreibungen sowie Reiseberichte aus dem 13. Jahrhundert erwähnen islamische Siedler in Küstenzentren von Sumatra. Vom dortigen Sultanat Pasai erreichte der Islam die Hafenstadt Malakka auf der malaiischen Halbinsel, welche das führende islamische Zentrum dieser Region im 15. Jahrhundert wurde, bis sie 1511 Alfonso de Albuquerque für den portugiesischen König eroberte. Auf der malaiischen Halbinsel existierten zu dieser Zeit mehrere kleine Königreiche, die durch herrschaftliche Heiratspolitik Bündnisse bildeten. Der Islam breitete sich so zuerst unter den Herrschern und Aristokraten aus, kodifizierte ihre Beziehungen und legitimierte vor allem ihre bestehende Autorität. Pameswara, der historische Gründer von Malakka, konvertierte 1414 durch dynastische Heiratsbande mit Pasai zum Islam. Die meisten Königreiche der malaiischen Halbinsel wurden von Malakka zur Unterwerfung gezwungen.[8]

[...]


[1] Gilquin 2002: xviii.

[2] Esposito 2009, Bd.3: 62f.; vgl. Halm 2000: 20f.

[3] Esposito 2009, Bd.3: 63f.; vgl. Esposito 2009, Bd.5: 252-255; vgl. Glasse` 2001: 263-268; vgl. Halm 2000: 13-16, 38-42.

[4] Esposito 2009, Bd.3: 381; vgl. Halm 2000: 74f.

[5] Esposito 2009, Bd.3: 65-67; vgl. Halm 2000: 60-74.

[6] Esposito 2009, Bd.3: 389-399; vgl. Cahen 1968: 13-18, 77-85; vgl. Lapidus 2002: 206-207; vgl. Mutalib 2008: 88; vgl. Tarling 2001: 313.

[7] Sarkisyanz 1971: 296; vgl. Lapidus 2002: 382; vgl. Gilquin 2002: 10f.; vgl. Graaf 1979: 123; vgl. Mandaville 2009: 7f.

[8] Lapidus 2002: 384; vgl. Virunha 2008: 68; vgl. Graaf 1979: 124-126; vgl. Somers 2000: 77, 79.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640495825
ISBN (Buch)
9783640495665
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141787
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Regionalwissenschaften Afrika / Asien
Note
1,7
Schlagworte
Islam Konflikt Südthailand Malaien Patani Pattani Identität Kultur Religion

Autor

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