Lade Inhalt...

Humankapital. Brain Drain und Brain Gain

Seminararbeit 2009 10 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Humankapitalzufluss in den Industrieländern

3. Brain Drain in den Herkunftsländern

4. Brain Gain in den Herkunftsländern

5. Möglichkeiten zur Begrenzung des Brain Drain

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

Die Wahl zum Unwort des Jahres 2004 hat gezeigt, welch große Bedeutung und welch großes öffentliches Interesse das Wort „Humankapital“ erreicht hat. Die hitzige Debatte und der Streit zwischen Ökonomen auf der einen Seite und Sprachwissenschaftlern auf der anderen Seite über diese Wahl zeigt wie kontrovers „Humankapital“ verstanden wird.

Humankapital mache Menschen „zu nur noch ökonomisch interessanten Größen“ heißt es in der Begründung der Jury. Ökonomen hingegen sehen in dem Begriff „den Erfolgsfaktor, die Ressourcen und das Potential, welches maßgeblich den wirtschaftlichen Erfolg einer Volkswirtschaft determiniert“.

Die Grundlage der Humankapitaltheorie wurde von Gary Stanley Becker mit seinem Werk „Human Capital: A Theoretical and Empirical Analysis, with Special Reference to Education (1964)“ gelegt. Außerdem gelten Theodore Schultz und Jacob Mincer als Mitbegründer der Humankapitaltheorie.

Humankapital wird in den Studien der vergangenen Jahrzehnte als die zentrale Ressource für das Wachstum einer Volkswirtschaft bezeichnet. Nahezu alle neueren Studien der Wachstumstheorie gehen davon aus, dass Wachstum letztendlich von drei großen Ressourcen bestimmt wird: Kapital, Arbeit und technologischer Fortschritt. Dort wo das Grenzprodukt des Kapitals nahe 0 liegt, kann also nur noch Zuwachs an Humankapital oder technischer Fortschritt für Wachstum sorgen[1]. Es stellt sich also die Frage wie man das Humankapital eines Landes erhöhen kann. Zu diesem Thema existieren verschieden theoretische Ansätze, von denen ich einige kurz vorstellen möchte :

- Professor Straubhaar von der Universität Hamburg plädiert seit Jahren dafür Frauen stärker in die wirtschaftlichen Prozesse unseres Landes einzubinden. Diese hätte ganz besondere Fähigkeiten (soziale Kompetenz, Managementfähigkeiten etc.), welche unsere Volkswirtschaft brach liegen lässt statt sie zu nutzen.[2]
- Auch die Erhöhung des Renteneintrittsalters hat in Deutschland zu einer Steigerung des Humankapitals geführt. Durch späteren Berufsaustritt kann Arbeitskraft länger genutzt werden. Dies ist vor allem in denjenigen Berufsfeldern wertvoll, wo Erfahrung oder lange Ausbildungszeit eine große Rolle spielt. In Island liegt das Renteneintrittsalter bei 70 Jahren, was weltweit zu den Spitzenwerten gehört. Ältere Arbeitnehmer werden dort durch sogenanntes „lebenslanges Lernen“ für die Anforderungen des Arbeitsmarktes fit zu halten[3]. Island kann somit als gutes Beispiel für effektive Nutzung vorhandenen Humankapitals gesehen werden.
- Zuwanderung bildet eine weitere Möglichkeit zur Akkumulierung von Humankapital. Beispiele hierfür sind die Gastarbeiterbewegungen nach Deutschland ab dem Ende der 1950er Jahre. Eigener Arbeitskräftemangel (vor allem bei den Gerin- und Mittelqualifizierten) wurde durch Arbeiter aus dem Ausland ersetzt. Diese erhielten in Deutschland einen vergleichsweise hohen Lohn. Heute wird in den meisten Industrieländern die Zuwanderung Gering- und Mittelqualifizierter eingeschränkt, wohingegen die Zuwanderung Hochqualifizierter gefördert wird. Auf diese Punkte werde ich im Folgenden weiter eingehen.

Die Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte wird im Allgemeinen als „Brain Gain“ bezeichnet. Die entsprechende Abwanderung als „Brain Drain“. Empirisch lässt sich folgender Trend abzeichnen: Hochqualifizierte Arbeitskräfte wandern vor allem von Entwicklung- und Schwellenländern in Richtung westliche, industrialisierte Welt. Große Wanderungen Hochqualifizierter finden außerdem zwischen den Industrieländern statt.

2. Humankapitalzufluss in den Industrieländern

Humankapitalzufluss bezeichnet den Zufluss von Humankapital in Form von hochqualifizierten Arbeitskräften und ist aus verschiedenen Gründen für viele Volkswirtschaften von außerordentlichem Interesse. Im Folgenden werde ich einige Beispiele und Ausführungen zu aktuellen Entwicklungen verschiedener Volkswirtschaften im Bezug auf die Akkumulierung von Humankapital aufzeigen.

In den deutschen Medien ist seit geraumer Zeit immer wieder von einem sogenannten Fachkräftemangel zu hören[4]. Vor allem technisch und naturwissenschaftlich hoch ausgebildete Arbeitskräfte machen sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt rar und dieser Mangel kann sogar das Wachstum gefährden, wenn Firmen ihrer guten Auftragslage nicht mit qualifizierten Arbeitern und qualifizierter Arbeit gerecht werden können. Es besteht also offensichtlich ein Anreiz für die deutsche Politik, Fachkräfte oder solche die auf dem besten Wege dazu sind Fachkräfte zu werden in die Bundesrepublik zu locken. Doch grundsätzlich gilt noch immer der „Anwerbestopp“ von 1973, welcher mit zahlreichen Ausnahmen für Saisonarbeiter etc. versehen ist. Frei ist der Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt für Arbeitskräfte aus den EU-Ländern (die jüngsten EU-Beitrittsländer genießen allerdings erst nach Ablauf einer Übergangsfrist volle Arbeitnehmerfreizügigkeit). Ab 2000 versuchte die Bundesregierung mit der „Green Card“ Fachkräfte nach Deutschland zu locken. 18.000 Greencards wurden bis 2004 vorwiegend an IT-Spezialisten ausgegeben. Durch das 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz sollten Fachkräfte weiterhin einen erleichterten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erhalten. Nach Schätzungen des Bundesamtes für Migration erhielten 2005 jedoch nur circa 1000 hochqualifizierte ausländische Arbeitnehmer eine Niederlassungserlaubnis in Deutschland. 2006 waren es sogar nur noch circa 500.[5] Auch der demographische Wandel macht der BRD zu schaffen. Eine über Jahre defizitäre Fertilitätsrate führte in Deutschland dazu, dass unsere Gesellschaft immer älter wird und sich die Größe unserer Bevölkerung vermindert. Um eine Überalternde Gesellschaft zu finanzieren braucht

Doch nicht nur Deutschland kämpft mit dem Mangel an Fachkräften. In den (zumindest vor der Finanz- und Wirtschaftskrise) boomenden Ländern Osteuropas herrschte Fachkräftemangel in nahezu allen Bereichen, obwohl einige dieser Länder zusätzlich von hoher Arbeitslosigkeit betroffen sind.

[...]


[1] Vgl. u.a. Solow - Growth Theory - An Exposition (1988)

[2] Vgl. Prof. Straubhaar – Integration durch Bildung und Arbeit (10.10.2008), Berlin

[3] Vgl. Synthesebericht - Steigerung der Investitionen in Humankapital durch bessere Bildung und Qualifikation

[4] Vgl. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.04.2007, Nr. 15 / Seite 36

[5] Vgl. FAZ.net : Fachkräftemangel : Deutschland öffne Dich, 16.06.2007

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640533343
ISBN (Buch)
9783640533442
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141928
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Department of Economics
Note
2,0
Schlagworte
Brain Gain Brain Drain Humankapital Entwicklungsländer Mikroökonomie

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Humankapital. Brain Drain und Brain Gain