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Rugby in der Schule. Eine Unterrichtsreihe unter besonderer Berücksichtigung der Förderung von Spielfähigkeit und Sozialkompetenz

In einer neunten Klasse (Sport Jungen) eines Gymnasiums

Examensarbeit 2009 74 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachwissenschaftliche Bemerkungen
2.1 Die historische Entwicklung des Rugbysports
2.2 Der Spielgedanke der Rugbysportart
2.2.1 Gruppenkämpfe
2.3 Der Begriff der Spielfähigkeit
2.4 Der Begriff der Sozialkompetenz

3. Unterrichtsbedingungen
3.1 Bemerkungen zur Lerngruppe
3.2 Situative Bedingungen

4. Didaktische Analyse der Unterrichtsreihe
4.1 Einordnung in den Lehrplan und Relevanz des Themas
4.2 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
4.3 Überblick über die Lernziele der Unterrichtsreihe
4.3.1 Groblernziele
4.3.2 Feinlernziele

5. Methodische Analyse der Unterrichtsreihe

6. Lernerfolgskriterien und Leistungsbewertung

7. Aufbau der Unterrichtsreihe

8. Darstellung der praktischen Umsetzung
8.1 Detaillierte Darstellung der ersten Stunde: Partner- und Gruppenpiele zur Vorbereitung auf den Körperkontakt und Förderung der Sozialkompetenz
8.1.1 Lernziele
8.1.2 Didaktische Bemerkungen
8.1.3 Methodische Bemerkungen
8.1.4 Tabellarisch dargestellter Unterrichtsverlauf
8.1.5 Tatsächlicher Verlauf der Stunde und Nachbetrachtung
8.2 Detaillierte Darstellung der zweiten Stunde: Einführung in die Technik des Ballhandlings in der Grobform und einer vereinfachten Form des Rugbyspiels
8.2.1 Lernziele
8.2.2 Didaktische Bemerkungen
8.2.3 Methodische Bemerkungen
8.2.4 Tabellarisch dargestellter Unterrichtsverlauf
8.2.5 Tatsächlicher Verlauf der Stunde und Nachbetrachtung
8.3 Darstellung der dritten Unterrichtseinheit: Einführung in das Rückpassen und Festigung des Ballhandlings
8.3.1 Lernziele
8.3.2 Kurze allgemeine Vorüberlegungen
8.3.3 Tabellarisch dargestellter Unterrichtsverlauf
8.3.4 Tatsächlicher Verlauf der Stunde und Nachbetrachtung
8.4 Darstellung der vierten Unterrichtseinheit: Einführung von Halten und Blocken des Ballträgers
8.4.1 Lernziele
8.4.2 Kurze allgemeine Vorüberlegungen
8.4.3 Tabellarisch dargestellter Unterrichtsverlauf
8.4.4 Tatsächlicher Verlauf der Stunde und Nachbetrachtung
8.5 Darstellung der fünften Unterrichtseinheit: Einführung des Gruppenkampfs anhand des „Pakets“ in der Grobform
8.5.1 Lernziele
8.5.2 Kurze allgemeine Vorüberlegungen
8.5.3 Tabellarisch dargestellter Unterrichtsverlauf
8.5.4 Tatsächlicher Verlauf der Stunde und Nachbetrachtung
8.6 Darstellung der sechsten Unterrichtseinheit: Übung und Festigung im Umgang mit dem Umgang mit dem Ball und der Paketbildung
8.6.1 Lernziele
8.6.2 Kurze allgemeine Vorüberlegungen
8.6.3 Tabellarisch dargestellter Unterrichtsverlauf
8.6.4 Tatsächlicher Verlauf der Stunde und Nachbetrachtung

9. Auswertung der Unterrichtsreihe

10. Literaturverzeichnis

11. Abbildungsverzeichnis

12. Anhangverzeichnis

1. Einleitung

Im Sommer 2007 fand „die drittgrößte Sportveranstaltung nach den Olympischen Spielen und der Fußball-WM“ statt, die Rugby-Union-Weltmeisterschaft.1 Ausgetragen wurden die Spiele hauptsächlich in Frankreich, aber auch in Wales und Schottland. Nationalmannschaften aus aller Welt traten gegeneinander an, um den begehrten Rugbypokal zu erringen. 86 Nationen beteiligten sich an der Qualifikation und der Austragung der Spiele, was ein weltweites Ansehen erzeugte.2 Millionen von begeisterten Zuschauern besuchten die Rugby-Union- Weltmeisterschaft oder verfolgten das Spektakel am Fernseher.3

In Deutschland hingegen nahm die Öffentlichkeit das Rugbyspielen nur bedingt wahr, weitestgehend verlief die Weltmeisterschaft unbemerkt von der deutschen Gesellschaft“.4

„Trotz der enormen Popularität, die Rugby in anderen Ländern erreicht hat - in Großbritannien und Frankreich wird es an fast jeder Schule im Schulsport und mit Schulmannschaften gespielt und gehört als fester Bestandteil auf den Pausenhof - dieser Sport ist in weiten Teilen Deutschlands kaum bekannt und wenn man doch davon gehört haben sollte, gilt er als vielfach brutal und verletzungsträchtig.“5

Der Mangel an Wissen über die Rugbysportart und die daher von vielen Sportlehrer/innen missverstandene Sportart war unter anderem der Anstoß für diese Arbeit; hinzu kommt, dass ich eine persönliche Beziehung zu dieser Sportart hege, da ich in einem Rugbyverein tätig bin und eine Rugby-Arbeitsgemeinschaft (AG) in der Schule leite. Diese Unterrichtsreihe mit der Einführung der Rugbysportart in der Schule soll den Sporthorizont der Schüler um eine neue Sportart erweitern. Die Schüler bekommen zudem auch die Möglichkeit einen „Kontaktsport“auszuführen, die so keine andere Schulsportart bieten kann.

Damit auch die angestrebte nachhaltige Begeisterung für den Rugbysport entstehen kann, muss auf Spielfähigkeit Wert gelegt werden. So können die Schüler die Spielerfahrung erleben, die für die meisten Schüler Spaß und Motivation erzeugen kann. Ziel dieser Arbeit ist es daher, das Spiel und seine Grundtechniken einzuführen und zu festigen.

„Rugby wird als ein Spiel verstanden, das in seiner Grundstruktur stark vom körperlichen Einsatz der Spieler geprägt ist“.6 Gerade aus diesem Grund wird die Sozialkompetenz in der Unterrichtsreihe stark berücksichtigt, so dass die Schüler bei dem notwendigen Körperkontakt ihren Einsatz kontrollieren und einen Fair-Play-Gedanken entwickeln.

Außerdem kann diese Pädagogische Hausarbeit für zukünftige Überlegungen, Rugby an der Schule zu unterrichten, einen wichtigen Beitrag leisten. Es soll gezeigt werden, wie eine weltweit stark verbreitete Sportart an deutschen Schulen unterrichtet werden kann. Die Pädagogische Hausarbeit gliedert sich grob in einen theoretischen Teil, in dem Vorüberlegungen zur Unterrichtsplanung dargestellt werden, und in einen praktischen Teil, in dem die Umsetzung beschrieben wird. Nach dieser Gliederung folgen die fachwissenschaftlichen Bemerkungen, die den Hintergrund für die Planung der Unterrichtsreihe bilden, sowie die Unterrichtsbedingungen und methodisch-didaktische Vorüberlegungen. Schließlich werden die einzelnen Unterrichtseinheiten aufgezeigt und nachbetrachtet. Der Schluss bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse und eine Reflexion der Unterrichtsreihe.

2. Fachwissenschaftliche Bemerkungen

Da davon auszugehen ist, dass Wissen über die Randsportart Rugby nur sehr bedingt verbreitet ist, werden in den folgenden Abschnitten Basisinformationen vermittelt, um die Sportart und das Vermittlungskonzept des Autors verständlich und nachvollziehbar zu machen. Die Literaturrecherche ergab, dass in der Sportwissenschaft zum Thema Rugby nur wenige Materialen bzw. vereinzelte Werke existieren.7

2.1 Die historische Entwicklung des Rugbysports

Der Legende nach soll Rugby während eines Fußballspiels in der gleichnamigen Stadt entstanden sein. Als die Mannschaft des englischen Schülers William Webb Ellis 1823 ein Fußballspiel austrug, nahm er unter „Missachtung der Regeln“ plötzlich den Ball in die Hand und lief in Richtung gegnerisches Tor, um ihn dort abzulegen. Durch seine Mitspieler verfolgt, entwickelte sich daraus eine völlig neue Art des Ballspiels.8 Dieses Laufen mit dem Ball ist auch heute noch im modernen Wettkampfrugby das charakteristische Merkmal des Spiels.

Anfangs wurde Rugby hauptsächlich an der Schule von Rugby, später an Privatschulen und Universitäten gespielt. Da die Sportart ihren Ursprung im Schulbetrieb hatte, war sie zunächst an keinerlei einheitliche Regeln gebunden. In der Privatschule Rugby gab der Schulleiter den

Schülern freie Hand, wie sie ihre sportlichen Freizeitaktivitäten gestalteten, „jedoch mit der Auflage, Entscheidungen und Veränderungen auf dem Spielfeld demokratisch zu klären.“9 Dies bewirkte, dass ständig über die Regeln des Spiels und mögliche Veränderungen in Versammlungen debattiert wurde. So wurde das modifizierte Fußballspiel immer wieder durch Schüler und Lehrer weiterentwickelt. Mit der Zeit erfreute sich das neu entstandene Spiel großer Beliebtheit und war ein fester Bestandteil vieler Schüler in ihrer Freizeitbeschäftigung. Besonders in der Privatschule Rugby, später auch in anderen englischen Schulinstitutionen, wurde diese Sportart gefördert, um die Jugendlichen von der Straße fernzuhalten. Die erzieherischen Vorteile des Sports wurden von vielen Pädagogen erkannt und sie nutzten das Rugbykonzept für die Förderung und Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit.10 Diese Sportart wurde in ihrer Entwicklung als ein Instrument der Erziehung durch Bewegung angesehen und genutzt. Dem englischen Schüler in Rugby mit seinem oft undisziplinierten und rauen Verhalten wollte man durch die Ausübung der Sportart Rugby Grenzen und Regeln aufzeigen.

Ein großer Schritt bei der Entwicklung des Rugbysportes ging wieder von der kleinen Stadt Rugby aus, als im Konsens mit anderen Schulen 1845 die ersten niedergeschriebenen Regeln festgelegt wurden, die „Laws of Football played at Rugby School“.11 In diesen Regeln wurden die oft diskutierten Punkte wie das Laufen mit dem Ball, das Treten des Balls oder das allgemeine Halten bzw. Tackling festgelegt.

Knapp 20 Jahre nachdem William Webb Ellis die Rugbyära eingeleitet hatte, war das Spiel mit dem „Ei“ weit verbreitet. Die Privatschule von Rugby präsentierte die Sportart anderen Schulen und fand auch gleich neue Anhänger und Förderer, die die Verbreitung der Rugbysportart in England vorantrugen.

In der Rugbyschule entstand eine Spielform, mit der die Schüler ihren Mut und ihre Stärke anderen demonstrieren und ihren sozialen Status definieren konnten. „Fitness, Loyalität und Führungsfähigkeiten waren die Dinge, die sie aneinander schätzten, und Kameradschaft war für sie eine der wichtigsten Tugenden.“12 Der englische Schriftsteller und Förderer der Rugbyschule Thomas Hughes schrieb in seinem Werk „Tom Brown's Schooldays“über die außergewöhnliche Gemeinschaft auf dem und außerhalb des Spielfeldes sowie über den Stolz der Spieler, die aus der Rugbysportart hervorgeht, und machte auch so die Rugbysportart publik.13

Speziell die Schule in Rugby hatte mit ihrem pädagogischen Vorgehen ein Musterbeispiel geschaffen, das noch heute in britischen Schulen und Internaten angewandt wird.14 „Ein hohes Maß an Disziplin und Fleiß, verbunden mit Selbstverantwortung und körperlich forderndem sportlichem Ideal hatte sich entwickelt.“15 Die Sportart bekam rasch viele Anhänger und der Zulauf aus verschiedenen sozialen Schichten war groß. Einige Schüler dieser Zeit wurden selbst Pädagogen und förderten an Schulen das Rugbyspiel, andere verbreiteten die Sportart in ihren Studentenzeiten an Universitäten. In dieser Zeit des Imperialismus verbreiteten englische „Soldaten in Europa undÜbersee die Sportart, wo [Rugby] in vielen Ländern noch heute als Nationalsportart angesehen wird und darüber hinaus auch fester Bestandteil des Schulsports ist.“16

Heute ist Rugby eine der beliebtesten Sportarten der Welt. Vor allem in Teilen des britischen Commonwealth bzw. Nationen der südlichen Hemisphäre, wie Neuseeland, Australien, Südafrika, Argentinien, aber auch in Frankreich und Italien ist Rugby äußerst populär. Neben diesen Ländern nehmen Japan, die USA, Rumänien, Namibia, Kanada, Georgien u.a. regelmäßig an den Rugby-Union-Weltmeisterschaften teil und verfügen in Schulen und Gesellschaft über eine ausgeprägte Rugby-Kultur.17

2.2 Der Spielgedanke der Rugbysportart

In diesem Unterpunkt sollen die für den Schulsport wesentlichsten Merkmale der Rugbyspielidee und deren Regeln aufgezeigt werden, um dem Leser ein Spielverständnis zu vermitteln. Eine ausführliche Erläuterung und Darstellung des Rugbysports ist aus Gründen der Komplexität der Sportart und des begrenzten Umfangs der Arbeit nicht möglich.18

Die Sportart Rugby leitet sich in ihrer Entwicklung vom Fußballspiel ab und zeigt viele Gemeinsamkeiten mit anderen großen Ballsportarten wie Basketball oder Handball. Es existieren „zwei Mannschaften mit jeweils mehreren Spielern gleicher Anzahl, ein Spielfeld, ein Spielgerät, Spielziele, Vorschriften für den Umgang mit dem Spielgerät aber auch dem Gegenspieler und eine Wertung bei gelungenem Erreichen des Ziels...“19 Wie bei den meisten anderen Ballsportarten steht die Gesundheit der Spieler an erster Stelle. So sind schlagende Bewegungen und Tritte gegen den Gegenspieler usw. grundsätzlich nicht erlaubt und werden mit Zeitstrafen oder sogar Ausschluss geahndet. Auf der anderen Seite wird Rugby als ein Spiel verstanden, das in seiner Grundstruktur stark vom körperlichen Einsatz der Spieler geprägt ist. Mit diesen Rahmenbedingungen ergibt sich eine Vielzahl von möglichen Spielhandlungen.

Bei einem regulären Rugbyspiel stehen sich auf einem Rasenplatz zwei Mannschaften mit je (maximal) 15 Spielern gegenüber. Rugby kann aber auch mit weniger Spielern gespielt werden, was für den Schulbetrieb interessant ist. Die Spieler besitzen im Gegensatz zum American Football, dem fälschlicherweise Ähnlichkeit zum Rugbysport nachgesagt wird, keine Schutzprotektoren. Es bedarf für ein Rugbyspiel nicht viel Ausrüstung, was den Sport für viele Bereiche attraktiv macht.

Ziel des Spieles ist es, den Rugbyball, auch genannt „Ei“, in das sogenannte gegnerische Malfeld20 zu tragen und dort auf dem Boden abzulegen, um dadurch fünf Punkte zu erzielen.21

Eine Grundregel im Rugbyspiel besagt, dass der Ball nur nach hinten gepasst oder übergeben werden darf.22 Das bedeutet, dass der Fänger Praxis 5/ 2005 S. 38) immer tiefer im Feld stehen muss als der Passgeber.23 Mit dem Ball in der Hand darf der Spieler nach vorne laufen und versuchen, ihn bis ins gegnerische Malfeld zu tragen. Die Spieler halten den Ball mit zwei Händen. Dies bringt den Vorteil, den Ball bei einem Kontakt besser festzuhalten und ihn leicht links wie rechts passen zu können. Der Ball wird bei einer kurzen Distanz mit einem sogenannten „Eipass“24 gespielt. Hierbei wird der Ball mit leicht gespreizten Fingern in der Mitte des Balls gehalten. Der Impuls für den Pass kommt überwiegend aus dem Handgelenk. Muss der Ball über eine weitere Distanz gepasst werden, so wird meist der sogenannte „Raketenpass“25 eingesetzt. Hier wird zusätzlich ein Ausfallschritt in Richtung Fänger getätigt und beide Arme werden leicht gebeugt mitgeschwungen, um dem Ball die nötige Energie zu geben. Der Ball dreht sich dann oft um seine Längsachse, was eine stabilere Flugkurve erzeugt.26

Die Angreifer probieren durch Pass- und Laufspiele Raum zu gewinnen, sodass sie Stück für Stück in die Nähe des gegnerischen Malfeldes kommen, um Punkte zu erzielen. Die Verteidiger versuchen die Pass- und Laufspiele der Angreifer durch Halten zu unterbinden, wobei nur der Spieler, der den Ball trägt, attackiert werden kann. Ihn versucht man am Weiterlaufen zu hindern, indem man ihn mit einer rugbyspezifischen Technik „tief hält“ bzw. tackelt.27

Dieser Vorgang zielt darauf ab, den Gegenspieler zu stoppen und zu Fall zu bringen, da er sich am Boden sofort vom Ball trennen muss und man selbst in Ballbesitz kommen kann. Dieser körperliche Einsatz gibt dem Spiel einen spezifischen Reiz, der in anderen Ballsportarten bzw. Mannschaftssportarten in dieser Ausprägung nicht gegeben ist. Hierbei wird von den Spielern kontrollierter Einsatz, gegenseitige Rücksichtnahme und ein Fair-Play-Verhalten verlangt. Aus einer solchen Haltesituation entwickeln sich die

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Das Tackling im Wettkampfrugby

(http:/ / www.rugby-trier.de/ deutsch/ ) für Rugby typischen Gruppenkämpfe, bei denen mehrere Spieler gemeinsam um den Ball kämpfen. Dabei kommt es zu einer Ansammlung vieler Spieler auf engem Raum. Nachdem der Ball den Gruppenkampf wieder verlassen hat, versuchen die restlichen Angreifer die Verteidigungslinie auszuspielen. Die Verteidiger versuchen dabei so früh wie möglich Raumgewinn des Gegners zu verhindern. Falls die Angreifer die Verteidigungslinie erneut nicht überwinden können, kommt es wieder zu einem Gruppenkampf. Dies wiederholt sich so lange, bis es zu einem Punkterfolg kommt, der Ball von der gegnerischen Mannschaft erobert wird oder das Spiel aus anderen Gründen, wie zum Beispiel Foulspiel, unterbrochen wird.

„Die Gruppenkämpfe sind demnach charakteristische Situationen des Rugbyspiels …“28

2.2.1 Gruppenkämpfe

Das gemeinschaftliche Kämpfen ist eine im Rugby typische Spielhandlung, um den Ball zu sichern bzw. zu erobern. „Von einem Gruppenkampf spricht man dann, wenn mindestens drei Spieler im Kampf um den Ball in direktem Körperkontakt miteinander ‚gebunden‘ sind.“29 Erfolgreiche Gruppenkämpfe verlangen das Einüben spezieller Technikformen, die oft einer „Choreographie“ gleichen.

Das Offene Gedränge (eng. ruck): In einem sogenannten Offenen Gedränge wird um den Ball gekämpft, wenn der Ballträger durch ein „Tiefhalten“bzw. Tackling zu Boden gebracht wurde.

Wenn ein Ballträger zu Boden geht, so kann dieser ihn entweder zu einem anderen Mitspieler passen oder den Ball sicher auf den Boden ablegen. Geschieht das Letztere, binden sich mindestens zwei Spieler, je einer pro Mannschaft und versuchen den Gegner vom Ball

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Offenes Gedränge einer Frauenmannschaft (http:/ / www.valkyriesrugby.org/) wegzuschieben. Der Ball ist dann im Besitz der jeweiligen Mannschaft, wenn der Ball zwischen den Füßen eines Spielers liegt. Ist der Ball gesichert, so kann dieser an einen günstiger positionierten Spieler weitergegeben werden, um erneut einen Angriff zu initiieren.30

Das Paket (eng. moul): Wird der Ballträger beim Tackling nicht zu Fall gebracht, sondern bleibt stehen, versucht er den Ball für seine Mitspieler spielbar zu machen, indem er sich mit dem Rücken zu der gegnerischen Mannschaft dreht und so mit seinem Körper den Ball schützt. Einer oder mehrere Spieler beider Mannschaften schließen sich um den balltragenden Spieler zusammen. Durch die Spielsituation des Pakets kann nun der Ballträger zur gegnerischen Mallinie geschoben werden, oder der Ball wird von einem weiteren Mitspieler aus dem Paket genommen und weitergespielt. Das Vorschieben des

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Eine Paketbildung im WM- Halbfinale Frankreich gegen Argentinien

(http:/ / www.daylife.com/ topstories/ sports)

Pakets zur gegnerischen Malfeldlinie ist eine wichtige Spielmöglichkeit, „für die Realisierung der Spielidee von Rugby Raum zu gewinnen.“31 Daher ist es für die Verteidiger wichtig, diesen Raumgewinn durch „Gegendruck“ zu verhindern und die Angreifer dadurch zu zwingen, den Ball aus dem Paket herauszuspielen.

Diese beiden rugbytypischen Gruppenkämpfe, das offene Gedränge und das Paket, ergeben sich aus dem Spielfluss heraus, ohne das Spiel zu unterbrechen.

Das Angeordnete Gedränge (engl. scrum): Bei kleineren Regelverstößen, bei einem unerlaubten Vorwärtsspielen des Balles und wenn der Ball in einem Gruppenkampf unspielbar geworden ist, wird vom Schiedsrichter ein Gedränge angeordnet, um das Spiel neu zu starten. Hierbei stellen sich Spieler aus beiden Mannschaften in maximal drei Reihen gegenüber auf und binden sich. Je nach Spielform kann das

Gedränge aus drei, fünf, sechs oder acht Spielern pro Mannschaft bestehen. Die drei Spieler in der ersten Reihe „binden“ sich, indem sie sich mit den Händen und Armen festhalten und so zu einer festen Einheit werden.32 Die Aufgabe des mittleren Spielers, des sogenannten Haklers, besteht darin, den eingerollten Ball mit dem Fuß

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Angeordnetes Gedränge bei der WM-Begegnung Südafrika- England

(http:/ / www.rugbyheaven.com.au/ ffximage/ 2007/ 10/ 21/ b_scrum_wide nach hinten aus dem Gedränge herauszuspielen. Die zwei Spieler in der zweiten Reihe schieben sich zwischen die drei Spieler der ersten Reihe und „binden“ sich auch wiederum.33 Der hinterste Spieler der dritten Reihe schiebt sich zwischen die beiden Spieler der zweiten Reihe und „bindet“ sich an sie. Zwei weitere „binden“ sich jeweils außen an die erste Reihe. Alle beteiligten Spieler im angeordneten Gedränge haben die Aufgabe, das Gedränge stabil zuhalten, damit es nicht „zusammenbricht“, und Schub bzw. Druck gegen die gegnerische Mannschaft auszuüben.

Nachdem die Phase des „Bindens“ abgeschlossen ist und beide Gedränge der jeweiligen Mannschaft bereit sind, schnellen auf Kommando des Schiedsrichters die Spieler vor und „verschachteln“ sich. Nun wird der Ball von einem Einwerfer in den entstandenen „Tunnel“ zwischen den beiden Mannschaften eingerollt.34 Die Mannschaft, die den Regelverstoß nicht verschuldet hat, stellt den Einwerfer. Der jeweilige „Hakler“ in der ersten Reihe versucht nun, den Ball mit dem Fuß nach hinten aus dem Gedränge zu seiner Mannschaft herauszuspielen. Wenn der Einwerfer den nach hinten „gehakelten“ Ball an die Mannschaft gepasst hat bzw. der Ball das Gedränge verlassen hat, ist der Gruppenkampf beendet. Der Einwerfer wird durch einen Gegenspieler begleitet, der ihn attackieren kann, wenn das Gedränge beendet ist. Der Gegenspieler darf sich aber nur bis auf die Höhe des „Tunnels“, in den der Ball eingerollt wird, vorwagen.

Die Gasse (engl. lineout): Gerät ein Ball ins Seitenaus, wird eine Gasse angeordnet, um das Spiel fortfahren zu lassen. Es wirft die Mannschaft ein, die das „Aus“ nicht verschuldet hat. Zwischen Gasse und Einwerfer besteht eine festgelegte Distanz, die der Einwerfer überwinden muss.35 Eine Gasse wird von mindestens zwei Spielern jeder Mannschaft gebildet, die sich in Reihen hintereinander

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Gasseneinwurf

(http:/ / www.solarnavigator.net/ sport/ rugby_union.htm) parallel aufstellen. Ein Spieler der nicht einwerfenden Mannschaft darf sich als direkter Gegenspieler für den Einwerfer in dem Bereich zwischen der Seitenauslinie und dem ersten Gassenspieler aufhalten. Hinzu kommt, dass sich jeweils ein „Verbinder“ beider Mannschaften unmittelbar hinter der Gasse aufhalten darf, der den Ball an die Mannschaft außerhalb der Gasse weiter passt. In der Gasse selbst muss zwischen beiden Mannschaften ein Abstand von einem Meter bestehen. Die Mannschaft, die das Einwurfsrecht besitzt, bestimmt die Anzahl der Spieler in der Gasse. Der Ball wird vom Einwerfer zwischen die Mannschaften in der Gasse geworfen.36 Ein Fänger kann von zwei Spielern angehoben werden, um besser an hoch eingeworfene Bälle zu kommen. Ist der Ball gefangen, wird sofort ein Angriffsspiel eingeleitet.37

Damit die Gasse in ihrem Ablauf nicht durch unbeteiligte Spieler gestört wird, existiert in einem gewissen Abstand eine Abseitsline für den Rest der Mannschaft.38 Außer bei der Gasse ist die Abseitslinie bei allen anderen rugbyspezifischen Gruppenkämpfen der letzte Fuß des Gruppenkampfteilnehmers.39

2.3 Der Begriff der Spielfähigkeit

Wenn man der Frage nachgeht, was man unter dem Begriff der Spielfähigkeit zu verstehen hat, findet man diesen Terminus oft im Zusammenhang mit der Spielvermittlung. Häufig wird in der Literatur die Spielfähigkeit gefordert, aber nicht genau beschrieben. Zu finden sind unterschiedliche Ansätze und Definitionen über den Begriff Spielfähigkeit. Es zeigt sich, dass in der Sportwissenschaft über den Inhalt und die Bedeutung der Spielfähigkeit kein Konsens zu finden ist.

Die Spielfähigkeit muss daher von einem mehrperspektivischen Verständnis aus betrachtet werden. Einigkeit besteht darüber, dass der Begriff Spielfähigkeit beim grundsätzlichen Erlernen eines Sportspieles eine elementare Rolle darstellt. Gemeint ist, dass den Spielern erst durch die Entwicklung der Spielfähigkeit „ein freudvolles und befriedigendes Spielerlebnis ermöglicht wird.“40 Beim Erlernen eines Spiels betrachtet Kuhlmann die „Herausbildung und Erweiterung einer Fähigkeit, die den Spieler/-innen neue Handlungsmöglichkeiten im Spiel eröffnen, als zentralen Aspekt.“41 Zu diesem Ansatz zeigen sich in der sportwissenschaftlichen

Fachliteratur verschiedene Positionen, die im folgenden Verlauf aufgezeigt werden sollen, um das dieser Arbeit zugrunde liegende Verständnis von Spielfähigkeit transparent zu machen. Kuhlmann geht davon aus, dass Spielfähigkeit zum einen durch die Verbesserung und Optimierung der technischen, taktischen und konditionellen Komponenten der Spieler und der Mannschaft erreicht werden kann. Dabei ist stets das Ziel, das jeweilige Spiel in Wettkampfform entsprechend dem internationalen Regelwerk spielen zu können. Dabei wird Spielfähigkeit als komplexe Fähigkeit verstanden, die es ermöglicht, „die verschiedenartigen und ständig wechselnden Spielsituationen individuell oder in Kooperation mit anderen Spielern bei indirekter oder direkter gegnerischen Einwirkung lösen zu können.“42 Diese enge Begriffsbestimmung der Spielfähigkeit kommt in den wesentlichen Merkmalen der speziellen Spielfähigkeit nach Dietrich nahe. Als spezielle Spielfähigkeit bezeichnet er „die Fähigkeit, in einem bestimmten Spiel den Regeln und Erwartungen der Mitspieler entsprechend mitspielen zu können.“ Außerdem umfasst sie „neben der Kenntnis der Spielidee und der Regeln motorisches Können im Umgang mit dem Ball und bei der Bewältigung des Spielraums sowie Erfahrungen in den wichtigsten Situationen des Spiels.“43 Darüber hinaus hebt Dietrich die allgemeine Spielfähigkeit heraus, die „Fähigkeit das Spielen zu initiieren, aufrechterhalten und bei Störungen wiederherstellen zu können.“44 Diese allgemeine Spielfähigkeit beinhaltet im Einzelnen:

“… sich auf ein bestimmtes Spiel zu einigen (Festlegung der Spielidee); Spielbedingungen zu organisieren (Ausgrenzen des Spielraumes, Wahl der Spielgeräte, Einteilung der Spielgruppen); das Spiel in Gang zu setzen und den Spielfluss aufrecht zu halten […]; das Spiel bei Veränderung der Spielbedingungen (Spielerzahl, Ermüdung, Änderung der Spielbedürfnisse) weiterzuentwickeln, es in Form, Verlauf und Regelung den veränderten Bedingungen anzupassen.“45

Dietrich erachtet die Phasen der Herstellung eines Spiels für entscheidend, da diese wichtige pädagogische Situationen darstellen, wie zum Beispiel das Aushandeln von Regeln, die Artikulation von Spielbedürfnissen, das Lösen von Konflikten, wodurch eine Reihe von „sozialen Verhaltensweisen gefördert werden, die auch über das Spielen hinaus von pädagogischer Bedeutung sind.“46 Nach Dietrich sind die allgemeine und die spezielle Spielfähigkeit nicht getrennt zu betrachten, sondern sind miteinander verbunden.47 Beide

Ansätze haben ihre Legitimität, und je nach Lerngruppe liegt der pädagogische Schwerpunkt auf einem der beiden Ansätze.48

Demzufolge ist das „Spielen können“ nicht bzw. nicht nur mit der Beherrschung und Aneinanderreihung sportmotorischer Fertigkeiten und taktischer Grundsituationen gleichzusetzen. Dies kann und ist nicht unter Spielfähigkeit zu verstehen und stellt nicht das alleinige Lernziel der Unterrichtsreihe dar. Zwar können Verbesserungen sportartspezifischer Techniken angestrebt werden, doch ihre Optimierung erfordert vereinsartige bzw. trainingsnahe Bedingungen, die den pädagogischen Ansprüchen des Schulsports widersprechen. Übertragen auf die schulischen Unterrichtsvorhaben möchte ich hervorheben, dass die Spielfähigkeit nicht mit vereinssportlichen Elementen verwechselt werden darf.

König beschreibt für den Schulsport eine sinnvolle Systematik im Bereich Spielfähigkeit. Er schreibt hierzu wie folgt: „Wer fähig ist, aktiv und erfolgreich an einem Sportspiel als Mit- und Gegenspieler teilzunehmen, indem er spieltyptische Situationen und Spielvorgänge im Rahmen der Regeln technisch und spieltaktisch, individuell oder in Kooperation mit anderen bewältigt, sie emotional erlebt und mitgestaltet, besitzt die Spielfähigkeit.“49

Da die Sportwissenschaft keine eindeutige Festlegung des Begriffs Spielfähigkeit hervorbringt, sind die Definitionen von König und der speziellen Spielfähigkeit nach Dietrich die Schwerpunktsetzungen und Grundlage meiner Arbeit. Die allgemeine Spielfähigkeit spielt natürlich für die Förderung der Spielfähigkeit im Sport auch eine besondere Rolle, aber manche Inhalte überschneiden sich mit denen der Sozialkompetenzen, wie im nächsten Unterpunkt der Arbeit zu erkennen ist.

2.4 Der Begriff der Sozialkompetenz

In der Fachliteratur lassen sich Begriffe wie „soft skills“, „soziale Kompetenzen“ und „Sozialkompetenz“ finden. Die beiden Letztgenannten werden synonym gebraucht. Die einschlägige Literatur bietet eine Vielzahl von Ansätzen und Definitionen. „Eine einheitliche Verwendung oder gar eine allgemein akzeptierte Definition von Sozialkompetenz lässt sich nicht finden.“50 Unter Sozialkompetenz sind viele verschiedene Inhalte zu finden, die jeder

Autor anders beschreibt.51 Die einen betonen die Kooperationsfähigkeit, andere legen den Schwerpunkt auf Einfühlungsvermögen und für Dritte ist der Umgang mit Konflikten zentral. „Die Bandbreite reicht von Empathie, sozialer Sensibilität, Rollendistanz, Ambiguitätstoleranz, Selbstreflexion, Interdependenz, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität bis zu […] Offenheit, Vertrauen und ließe sich beliebig verlängern, ohne dass das Konstrukt Sozialkompetenz dadurch klarer werden würde.“52

Bei allen unterschiedlichen Ansätzen probiert Euler folgende Gemeinsamkeiten aufzuzeigen:

„Zum einen betreffen soziale Kompetenzen zumeist den Umgang mit anderen Menschen, im Gegensatz zu Fachoder Sachkompetenz …; Sozialkompetenz beinhaltet kognitive, emotionale und psychomotorische Aspekte; der Begriff der sozialen Kompetenz hat nicht nur eine Beziehung zum Funktionieren des Individuums, sondern parallel dazu auch eine Beziehung zu den situativen Anforderungen“.53

Eine weit verbreitete Definition von Sozialkompetenz stammt von Rampus: „Social Competence is possessing and using the ability to integrate thinking feeling and behavior to achieve social tasks and outcomes valued in the host context and culture.”54 Je nach wissenschaftlichem Standpunkt bzw. Situation wird die Sozialkompetenz inhaltlich anders beschrieben. Die verschiedenartigen Definitionen aus unterschiedlichen Bereichen werden hier aber nicht näher erläutert.

Meiner Meinung nach ist es eine gute Herangehensweise, wenn verschiedene einzelne Bausteine, aus denen sich die Sozialkompetenz schließlich zusammensetzt, betrachtet werden, um den Inhalt und Verständnis des Begriffs zu verdeutlichen. Nach Steinhübel könnten diese

Bausteine „Selbstbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit“ sein.55 Bei der schulischen Förderung der Sozialkompetenz stehen die Bausteine, auf die ich großen pädagogischen Wert lege, im Einklang mit dem rheinland-pfälzischen Lehrplan Sport:56

- Fair-Play-Verhalten (was mit Verständnis für den anderen bzw. gegenseitiger Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein bzw. schonendem Umgang miteinander verbunden wird)
- Abbau von Berührungsängsten
- Einhaltung von Vereinbarungen und Regeln
- Verarbeitung von Sieg und Niederlage im Sport
- Förderung von Empathie bzw. Emotionen wahrnehmen und kontrollieren57

Durch die rugbyspezifische Verhaltensweise und das körperbetonte Bewegungsspiel bieten sich diese Bausteine als Fokus der Förderung an. Denn der Rugbysport ermöglicht dem Schüler reizvolle Auseinandersetzungen mit sich selbst, seinen Mitspielern und dem Gegner in einer kontrollierten Spielform.

3. Unterrichtsbedingungen

Um Sportunterricht planen zu können, müssen die Bedingungen und die Gegebenheiten analysiert werden, in denen er stattfindet. Diese sollen im folgenden Kapitel beschrieben werden.

3.1 Bemerkungen zur Lerngruppe

Seit Beginn des Schuljahres 2008/9 unterrichte ich in eigenständiger Verantwortung die Jungen der Klasse 9c in den Fächern Sport und Sozialkunde. Die Klasse besteht insgesamt aus 17 Jungen und 15 Mädchen.

Die sportliche Leistung der Lerngruppe ist als gut zu charakterisieren, was sich in der letzten Unterrichtsreihe Badminton wiederspiegelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Lerngruppe kann grundsätzlich eine gute Leistungsbereitschaft aufzeigen, die sich auch in einer positiven Motivation Sport zu betreiben zeigt. Die Lerngruppe ist leicht für jegliche Arten von Ballspielen zu begeistern. Hierzu ist zu sagen, dass die Schüler auffallend häufig auf das allgemeine Spielen bedacht sind und weniger auf das Erlernen einzelner neuer Techniken. Das ist auf ein grundsätzlich „verspieltes“ und lebhaftes Verhalten der Lerngruppe zurückzuführen, was in dieser Entwicklungsstufe der Jungen oft vorkommt. Charakteristisch ist auch, dass sich die Jungen der Klasse 9c häufig überschätzen und schnell die Endformen der jeweiligen Lerneinheit ausführen wollen. Aufgefallen ist mir, dass manchmal noch ein Ringen um die Rangordnung innerhalb der Klasse existiert, was gelegentlich dazu führt, dass die Klasse unaufmerksam ist. Abhängig von Stundenthema und Inhalt ist es daher häufig notwendig, eine straffere Unterrichtsführung an den Tag zu legen, um Ruhe und Kontinuität in die Klasse zu bringen.

Viele Jungen sind außerhalb der Schule sportlich aktiv und in Sportvereinen tätig, in denen sie unter anderem Ballsportarten ausüben. Dies zeigt sich durch ein gutes Spielverständnis im Sportunterricht. Besagte Jungen sind in der Lage, Bewegungsanweisungen meist ohne längere Übungsphase schnell umzusetzen, was sich in der Einführung des Rugbyspiels als Vorteil erweisen kann. Der Rest der Klasse zeigt ein altersgemäßes Sportniveau, wobei drei Schüler ein mehr oder weniger motorisches Defizit aufweisen, das sie aber durch ihren Leistungswillen und ihr Engagement kompensieren können.

Das soziale Verhalten in der Klasse 9c ist als förderlich einzuschätzen. Der Umgang der Schüler untereinander ist manchmal etwas „ruppig“, was aber der guten Lernatmosphäre nicht schadet. Die Ankündigung der geplanten Unterrichtsreihe Rugby erzeugte viel Spannung und Neugier. Das Verhalten der Schüler zwischen den Unterrichtsstunden und in der Pause weist eine Vorfreude auf, aber auch eine zu erkennende Unwissenheit bzw. Missverständnisse in Bezug auf das Rugbyspiel. Viele Jungen verbinden mit Rugby ein rücksichtsloses, hartes Verhalten. Daher habe ich fälschlicherweise angenommen, dass einige Schüler mir gegenüber Bedenken bezüglich des Rugbyspiels äußern. Die positive Haltung der Jungen zeigt, dass ich eine gesicherte Stellung in der Klasse habe und dass sie mir ihr Vertrauen schenken.

3.2 Situative Bedingungen

Die Klasse 9c des Albert-Schweitzer-Gymnasiums hat pro Woche (dienstags in der siebten und achten Stunde) eine Doppelstunde Sport. Aufgrund von Raumbelegungen und Terminänderungen wurden die Sportstunden für die kommende Unterrichtsreihe verlegt, sodass die Klasse in einer Woche zwei Doppelstunden Sport haben wird. Die Turnhalle des AlbertSchweitzer-Gymnasiums befindet sich in unmittelbarer Nähe und verlangt für die Schüler keinen langen Fußweg. Es besteht auch meistens die Möglichkeit, den Sportunterricht auf einem Ascheplatz der Meisterschule für Handwerker auszuüben. Dies würde aber mit einem Gehweg von ca. 6-7 Minuten die Unterrichtszeit verkürzen. Bei keinen der beiden Sportstätten finden sich rugbyspezifische Spielfeldmarkierungen oder die sogenannten Malstangen, was aber nicht die Unterrichtsreihe beeinträchtigen wird.

Die für den Sportunterricht benötigten Rugbybälle wurden von mir zum Teil privat von einem Verein organisiert; zudem hat das Albert-Schweitzer-Gymnasium einige Bälle im Vorfeld für meine Rugby-AG gekauft. Somit sind genügend Bälle für die Lerngruppe vorhanden.

[...]


1 Haschnik, 2007 http://www.focus.de/sport/mehrsport/tid-7335/rugby-wm_aid_131925.html: Focus.

2 Die Popularität dieser Sportart zeigt sich auch in der Zuschaueranzahl. „ Insgesamt besuchten 2.274.037 Menschen die Spiele in den Stadien, was einen Zuschauerschnitt von 47.376 pro Spiel bedeutet.“ http://www.arte.tv/de/Rugby/1664604,CmC=1679146.html

3 http://www.focus.de/sport/mehrsport/rugby_aid_136297.html

4 Thykidides, 2007 http://www.readers-edition.de/2007/08/26/rugby-weltmeisterschaft-ein-in-deutschland-fast-unbeachtetes-sportereignis-der-superlative:Readers Edition.

5 Kempf, 2001 http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za343/osa/spinfo/rugby.htm:Rugby-VerbandBaden-Württemberg

6 Berends, 2008, S. 7

7 Aus Gründen der Lesbarkeit wird im folgenden Textverlauf nur die männliche Form der Anrede benutzt.

8 Wenngleich berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt der Geschichte bestehen, ist der Pokal der Rugby-Union- Weltmeisterschaft nach Webb Ellis benannt (der Webb-Ellis-Cup). vgl. Biscombe, 1998, S. 1

9 Berends, 2008, S.

10 ebd., 2008, S.

11 Biscombe, 1998, S.

12 Berends, 2008, S. 14

13 Der Rugbysport an der Schule in Rugby beeinflusste sogar den mehrmaligen Gast und Gründer der modernen Olympischen Spiele Pierre de Coubertin. Seine Ideen über die Olympische Erziehung, die verbindliche Einführung des Sportunterrichts an europäischen Schulen und über die Vorstellung, Frieden und Verständigung durch Sport zu verbessern, wurden maßgeblich durch den Rugbysport geprägt.

14 Nähere Informationen über das pädagogische Konzept der Rugbyschule wird aus Gründen des Umfangs nicht aufgegriffen.

15 Berends, 2008, S.

16 http://www.rugbyfootballhistory.com/originsofrugby.htm

17 vgl. Biscombe, 1998, S. 1 vgl. auch http://www.kapstadt.com/unser-service/wissenswertes/rugby-sport-der-gentleman/

18 Das offizielle Regelwerk des Rugbyverbands in Deutschland umfasst 196 Seiten. Der Autor beschränkt sich auf die wesentlichsten Spielelemente, die für die Pädagogische Hausarbeit wichtig sind. http://www.drvreferees.de/sdrv/Gesamtregeln

19 Berends, 2008, S.

20 siehe Anhang F

21 Es gibt drei weitere Möglichkeiten, in einem Rugbyspiel Punkte zu erreichen: 1. Erhöhung (engl. conversion): Nach einem erfolgreichen Versuch hat die angreifende Mannschaft das Recht, den ruhenden Ball von einem beliebigen Punkt auf einer gedachten Linie parallel zur Seitenauslinie durch den Punkt, an dem der Versuch gelegt wurde, zwischen die H-förmigen Malstangen über die Querstange zu treten. Diese Erhöhung ist zwei Punkte wert. 2. Sprungtritt (engl. dropkick): Gelingt es einem Spieler, aus dem laufenden Spiel heraus den Ball, der vorher den Boden berührt haben muss, zwischen die Malstangen und über die Querstange zu treten, so bekommt seine Mannschaft drei Punkte. 3. Straftritt (engl. penalty kick): Ein erfolgreicher Tritt auf die Malstangen von einem Punkt aus, an dem ein schwererer Regelverstoß der gegnerischen Mannschaft stattfand, zählt wie der Sprungtritt drei Punkte.http://www.drvreferees.de/mediawiki/images/b/bd/RegelnGesamt.pdf

22 Eine Ausnahme bildet das Treten (Kicken) des Balls, was aber besonderen Regelungen unterliegt. Der Ballträger überspielt seinen Gegenspieler mit einem Kick. Nach dem Kick dürfen nur der Treter selbst und die Mitspieler, die sich zum Zeitpunkt des Tritts hinter ihm befunden haben, den Ball ergattern. Alle Mitspieler, die sich während des Kicks vor dem Kicker befanden haben, sind im Abseits. Sie werden aus ihrer Abseitsposition befreit, sobald sie von dem Kicker überholt werden.

23 siehe Abbildung

24 Der Eipass ist ein von mir kreierter Begriff, da sich in der Literatur keine genaue Bezeichnung hierfür findet. (Anm.: Oft wird über das Passen des Rugbyballs gesagt, dass der Ball wie ein „zerbrechliches Ei“ gespielt wird.)

25 Der „ Raketenpass“ ist ein von mir kreierter Begriff.

26 vgl. Biscombe, 1998, S.

27 Das „ Tiefhalten“, auch Tackling genannt, bezeichnet im Rugby die Spieltechnik, um den Gegenspieler aufzuhalten. Der Feldspieler versucht den Ballträger dadurch aufzuhalten, indem er seine Schulter gegen die

Hüfte des Angreifers drückt und mit beiden Armen die Oberschenkel umgreift. Dabei darf er nicht oberhalb der Schultern halten. Auf Grund der Tatsache, dass kein Spieler Schutzprotektoren besitzt, ist jeder Spieler sensibilisiert, auf die körperliche Gesundheit zu achten.

28 Biscombe, 1998, S.

29 Berends, 2008, S.

30 Zur visuellen Verdeutlichung siehe Anhang A

31 Berends, 2008, S. 85 web__470x312,0.jpg)

32 Zur visuellen Verdeutlichung siehe Anhang B

33 Zur visuellen Verdeutlichung siehe Anhang C

34 Zur visuellen Verdeutlichung siehe Anhang D

35 Der Abstand zwischen dem Einwerfer und dem ersten Gassenspieler ist beim professionellen Wettkampf 5 m (siehe Abbildung 6). Im Schulsport oder auf kleineren Spielfeldern ist er je nach Vereinbarung geringer.

36 Zur visuellen Verdeutlichung siehe Anhang E

37 Die Gasse ist beendet, wenn Ø der Ball an die Mannschaft außerhalb der Gasse abgespielt wird, Ø sich ein offenes Gedränge oder ein Paket bildet, Ø der Ballträger die Gasse verlässt, Ø der Ball von einem Gassenspieler aus der Gasse geschlagen worden ist Ø oder wenn der Ball unspielbar geworden ist.

38 Der Abstand zwischen der Abseitslinie und der Gasse beträgt bei einem professionellen Rugbyspiel 10 m.

39 Zur visuellen Veranschaulichung siehe Anhang S

40 Kuhlmann, 1998, S.

41 ebd., 1998, S. 143

42 ebd., S.

43 Dietrich: http:/ / www.sport.tu-muenchen.de/ spopaed/lehre/ spieltheor/ 3%20Dietrich.pdf

44 ebd.

45 ebd.

46 ebd.

47 ebd., Dietrich schreibt hierzu: „ Die Unterscheidung von spezieller und allgemeiner Spielfähigkeit darf nicht so mißverstanden werden, als handelte es sich hier um voneinander unabhängige[…] Ziele. Eine allgemeine Spielfähigkeit kann nur im Zusammenhang mit einem speziellen Spiel entwickelt werden [und umgekehrt].“

48 Swoboda, 2003, S. 135: „Beide Intensionen, die spezielle und die allgemeine Spielfähigkeit, weisen eine enge Beziehung zu den pädagogischen Perspektiven ‚Das Leisten erfahren und reflektieren‘, „Gemeinsam handeln, sich im Wettkampf verständigen‘ sowie ‚Etwas wagen und verantworten‘ aus den neuen Rahmenvorgaben für den Schulsport auf und sollten im Rahmen der Sportspielvermittlung angestrebt werden.“

49 König, S.: Zur Vermittlung von Spielfähigkeit in der Schule. Überlegungen zu einem lehrplanorientierten und pragmatischen Vermittlungskonzept. In: Sportunterricht 46 (1997), 11, S.476/

50 Borggrefe, 2006, S. 18

51 „Einigkeit besteht vor allem darüber, dass man sich über den Begriff kaum einig ist, weswegen er bisweilen wie ein großer ‚Eintopf‘ wirkt - ein Begriff, dem jeder seine Meinung und Definition nach Belieben zufügen kann.“ Walzik, 2006, S.

52 Seyfried, 1995, S. 23. Vgl. auch Langmaack, 1996, S. 21: „ Sozialkompetenz hat viele Gesichter…“

53 Euler, 2001, S. 6-7

54 Rampus, 1947, S.

55 vgl. Steinhübel 2002, S. 11 (Weitere Fähigkeiten und Kenntnisse wären z.B.: Teamfähigkeit, Empathie, Menschenkenntnisse, Kritikfähigkeit, Toleranz, Respekt, Vorbildfunktion, Verantwortung etc.)

56 vgl. hierzu die aufgeführten Sozialkompetenzen aus: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung: Lehrplan Sport Sekundarstufe I. S. 8,14

57 Anstatt von Bausteinen zu sprechen wird auch oft in der Fachliteratur von sogenannten Schlüsselqualifikationen gesprochen. vgl. Langmaack, 2004, S. 14

Details

Seiten
74
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640525287
ISBN (Buch)
9783640525188
Dateigröße
6.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142153
Institution / Hochschule
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien, Kaiserslautern
Note
2,0
Schlagworte
Rugby Schule Eine Unterrichtsreihe Berücksichtigung Förderung Spielfähigkeit Sozialkompetenz Klasse Jungen) Gymnasiums

Autor

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Titel: Rugby in der Schule. Eine Unterrichtsreihe unter besonderer Berücksichtigung der Förderung von Spielfähigkeit und Sozialkompetenz