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Krieg. Wahrnehmung, Deutung und Bewältigung

Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 31 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

TEIL 1: DER DREIßIGJÄHRIGE KRIEG

1 DER DREIßIGJÄHRIGE KRIEG, DER KRIEG DER KRIEGE
1.1 Die Vorgeschichte des Dreißigjährigen Krieges
1.1.1 Die Reformation, Ursachen und Folgen
1.1.2 Der Dreißigjährige Krieg unter religiösen Aspekten Die Bedeutung der Religion in der Frühen Neuzeit
1.2 Das Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg
1.2.1 Was ist ein Söldner?
1.2.2 Der Alltag eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg

TEIL 2: WAHRNEHMUNG, DEUTUNG UND BEWÄLTIGUNG DES DREIßIGJÄHRIGEN KRIEGES AUS DEM BLICKWINKEL EINES EINFACHEN SÖLDNERS

2 Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg Ein Zeitzeugenbericht
2.1 Spurensuche - Anonymer Verfasser ? .
2.1.1 Entstehungsgeschichte und Überlieferung der Quelle
2.1.2 Identität, soziale und geographische Herkunft des Söldners
2.2 Interpretation des Berichtes
2.2.1 Die Wahrnehmung des Krieges - Ein Söldner zwischen Himmel und Hölle
2.2.2 Die Deutung des Krieges in den Augen des Verfassers
2.2.3 Die Bewältigung des Krieges und die Bedeutung der Religion für den Söldner Peter Hagendorf in seinen Aufzeichnungen

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Der Dreißigjährige Krieg war die größte Katastrophe in der deutschen Geschichte. Er forderte mehr Tote als der Zweite Weltkrieg. Zusätzlich zu den direkten Verlusten durch Kriegseinflüsse wurden zum Teil ganze Landstriche durch Seuchen, die Pest und Mangelernährung entvölkert.

Die Wurzeln dieses Krieges reichen bis zur Reformation und ihren Folgen zurück. Was 1618 als Religionskampf begann, entwickelte sich in den kommenden 30 Jahren zu einem europäischen Mächtekampf, in dem es hauptsächliche um wirtschaftspolitische Interessen ging. Erst 1648 konnte dieser Kriegswahnsinn mit dem Westfälischen Frieden zu Münster und Osnabrück beendet werden.

Ohne Zweifel standen zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges religiöse bzw. konfessionelle Konflikte im Vordergrund. Die Religion wurde auf sowohl auf protestantischer als auch auf katholischer Seite als Legitimationsbasis in Anspruch genommen, um die kriegerischen Auseinandersetzungen zu rechtfertigen. Sie diente gleichzeitig auch als Agitations- und Mobilisierungsmittel, um das Volk zur aktiven Teilnahme am Krieg zu gewinnen. Die Teilnahme an einem Krieg, in dem der eigene Glaube verteidigt werden sollte, fand in der Bevölkerung der Frühen Neuzeit große Akzeptanz. Religion und Konfession boten zudem Wahrnehmungs- und Deutungsmuster von Gewalt. Durch sie konnten die Menschen im Krieg einen Sinn in ihrem Tun sehen.

1993 entdeckte der Historiker und Experte für frühneuzeitliche Selbstzeugnisse, Jan Peters, einen einzigartigen Zeitzeugenbericht: Ein Tagebuch, dass das Söldnerleben eines einfachen Mannes im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1625-1649 beschreibt. Vermutlich am Ende des großen Krieges bracht dieser Söldner seine Erlebnisse, Beobachtungen und Gedanken zu Papier.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Dreißigjährigen Krieg, als ‚Krieg aller Kriege’ und dem Zeitzeugenbericht eines einfachen Söldners aus dieser Zeit. Im ersten Teil werden die Vorgeschichte des Dreißigjährigen Krieges im Allgemeinen und das Söldnerleben im Besonderen im großen Krieg näher beleuchtet. Dabei wird auch auf die Frage nach der Bedeutung der Religion in der Frühen Neuzeit eingegangen. Der zweite Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit der Wahrnehmung, Deutung und Bewältigung des Dreißigjährigen Krieges aus dem Blickwinkel eines einfachen Söldners. Zu Beginn werden die Entstehungsgeschichte und Überlieferung der Quelle, die Identität sowie die soziale und geographische Herkunft des Söldners dargestellt. Im Fokus der Hausarbeit steht jedoch die Interpretation des Zeitzeugenberichtes. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, inwiefern der Söldner den Krieg religiös ausdeutet und welche Rolle die Religion und Konfession für ihn im Kriegsalltag spielten.

1 DER DREIßIGJÄHRIGE KRIEG - DER „KRIEG DER KRIEGE“

1.1 DIE VORGESCHICHTE DES DREIßIGJÄHRIGEN KRIEGES

1.1.1 DIE REFORMATION, URSACHEN UND FOLGEN

Bis heute wird der Dreißigjährige Krieg als der „Krieg der Kriege“[1], als „die größte Katastrophe in der deutschen Geschichte“[2] bezeichnet. Der „dreißig Jahre währende Alptraum“[3] forderte, wie die moderne Forschung belegen konnte, mehr Tote, als der Zweite Weltkrieg[4]. In einigen Teilen der vom Krieg betroffenen Länder, kam nur ein Drittel der Bevölkerung mit dem Leben davon. Um die tatsächlichen Ursachen des Krieges erklären zu können, muss ein Blick auf die Jahrzehnte vor dem Ausbruch 1618 geworfen werden.

Die Wurzeln, die schließlich am Beginn des 17. Jahrhunderts zur Militarisierung der Konfessionsfronten (Engel) führten, reichen bis in die Reformationszeit zurück. Sie wurde durch die Reformbedürftigkeit der Kirche an „Haupt und Gliedern“ notwendig. Religiöse Dekadenz und eine tiefe Frömmigkeit standen sich zur Jahreswende um 1500 gegenüber. Die Krise der spätmittelalterlichen Kirche wurde gekennzeichnet durch die Verweltlichung des Papsttums in Lebensführung und Amtsauffassung, die Verweltlichung des Klerus, die Fehlentwicklung in der kirchlichen Praxis, die den Ablasshandel aufblühen ließ und die Fiskalisierung und Kommerzialisierung der Kirche vorantrieb. Die Reformbedürftigkeit der Kirche war von zahlreichen Zeitgenossen zu diesem Zeitpunkt bereits erkannt worden und die Reformkonzilien des 15. Jahrhunderts in Basel, Pisa und Konstanz hatten bereits innerkirchliche Reformversuche in die Wege geleitet.

Der Augustinermönch Martin Luther stellte in seiner Kritik weder die Kirche noch das Papsttum in Frage. Er sah die Reformbedürftigkeit der katholischen Kirche in einem einzigen theologischen Problem, dem Ablasshandel. Am 31. Oktober 1517 formulierte er seine 97 Thesen, die sich mit Hilfe des Buchdruckes schnell bis in den letzen Winkel des Landes ausbreiteten. Die Reformation verselbständigte sich damit ohne Luthers Zutun. In den folgenden Jahrzehnten kam es statt zu einer Einigung zwischen den Parteien zu einer Vertiefung der Glaubensspaltung. Der Augsburger Religionsfrieden 1555 war nur ein Etappenziel in der Lösung der Religionsfrage. Die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens stellten ein wahres Grundgesetz des alten Reiches dar. Dabei war der Religionsfriede selbst nur ein Teil des Reichabschiedes. Der wichtigste Punkt der Vereinbarungen war die Ausdehnung des Landfriedens auf den religiösen Bereich. Allerdings galt dies nur für die beiden großen Konfessionen[5]. Eine dritte Partei, wie beispielsweise die Zwinglianer oder der radikale Flügel der Reformation, wurden dabei ausgeschlossen. Im Ergebnis verursachte der im September 1555 in Augsburg geschlossene Religionsfrieden einen Bruch mit den kirchen- und staatsrechtlichen Entwicklungen des Reiches. Wie Bernd Möller formulierte, hatte damit die Reformation ihr eigentliches Ziel, nämlich die Kirche zu reformieren, anstatt sie zu spalten, nicht erreicht. Im Reich gab es keine Religionseinheit mehr. Dafür aber eine Einheit auf territorialer Ebene (cuius-regio-eius-religio). Damit war die Religionsfrage mit dem Augsburger Friedensschluss aber nicht endgültig geklärt. Er hatte einen politisch- säkularen Frieden mit einer Koexistenz der beiden großen Konfessionen erreicht, der aber keinesfalls eine konfessionelle Gleichberechtigung bedeutete. Der Augsburger Religionsfrieden überdeckte vielmehr die theologischen Gegensätze und die religiösen Streitigkeiten, da beide Konfessionen nach wie vor, einen Anspruch auf Exklusivität erhoben. Dennoch bewirkte er einen Frieden auf politischer Ebene. So hatte die äußere Einheit des Reiches, zu Lasten der religiösen Einheit, bewahrt werden können. Die entstandene Bikonfessionalität wurde jedoch schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erneut in Frage gestellt. Der sich ständig verbreitende Calvinismus, als Variante zum evangelischen Glauben, führte zu einer Verschärfung der ohnehin religionspolitischen Spannungen. Letztlich führte die Uneinigkeit auf konfessioneller Ebene zur Militarisierung und damit zum Dreißigjährigen Krieg. Erst der Westfälische Frieden 1648 klärte die Religionsfrage endgültig und ermöglichte ein konfessionelles Nebeneinander[6].

Der Dreißigjährige Krieg, der als Religionskampf begann und in einer europäischen Mächteauseinandersetzung um hauptsächlich wirtschaftspolitische Interessen endete[7], zerfiel zwischen dem so genannten ‚Prager Fenstersturz’ 1618, dem Auslöser des Krieges, und dem Westfälischen Frieden 1648, in mindestens dreizehn Kriege und zehn Friedensschlüsse. So bilden die Ereignisse und Entwicklungen in dieser Zeitspanne keine zwingend logische Einheit. Sowohl die gegnerischen Mächtegruppen, als auch ihre Ziele, veränderten sich im Verlauf des großen Krieges immer wieder[8].

1.2.1 Der Dreißigjährige Krieg unter religiösen Aspekten - Die Bedeutung der Religion in der Frühen Neuzeit

In den ersten fünfzehn Jahren des Dreißigjährigen Krieges ging es in erster Linie um den rechten Glauben[9]. In vielen Fällen können Kriege oder kriegerische Auseinandersetzungen in der frühen Neuzeit nicht ausschließlich als konfessionelle bzw. religiöse Konflikte bezeichnet werden. Sowohl im Bauernkrieg 1525 als auch im Dreißigjährigen Krieg, spielten soziale und politische Motive ebenso eine zentrale Rolle[10]. Allerdings war die Religion sowohl auf katholischer (Spanien, Österreich) als auch auf protestantischer Seite (Schweden, England) die stärkste Legitimationsbasis für die kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit dem Herrschaftsanspruch verbunden waren[11]. Gleichzeitig war die Religion auch das wirksamste Mobilisierungsmittel, um das Volk zur aktiven Beteiligung im Krieg zu animieren[12]. Kriege waren ein Medienereignis, zu dessen Propaganda insbesondere die unterschiedliche Konfession eine zentrale Rolle spielte, da sie das Motiv der Verteidigung aus Glaubensgründen darstellten und so gleichzeitig auf große Akzeptanz in der Bevölkerung hoffen konnten[13]

Es steht außer Frage, dass zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges religiöse bzw. konfessionelle Konflikte im Vordergrund standen. Bemerkenswert ist allerdings die Tatsache, dass der Krieg ohne päpstliche Unterstützung ablief und der Westfälische Frieden 1648 sogar ohne den Papst geschlossen wurde. Somit kann der ‚Krieg der Kriege’ nicht als reiner Religionskrieg bezeichnet werden. Die Religion diente aber, wie bereits erwähnt, als Legitimationsmittel für die Krieg führenden Staaten und ebenso als mobilisierendes Mittel zur Volksanimation[14].

In der europäischen (und jüdischen) Tradition, kann das Verhältnis von Religion und Kirche in die Kategorie von ‚Legitimation’ und ‚Tröstung’ eingeordnet werden. Hierbei geht es um Deutungsmodelle, die die Wahrnehmung des Krieges bestimmen.[15]

Die Religion und Konfession diente aber nicht nur als Rechtfertigungsmittel für kriegerische Auseinandersetzungen, sie stützten sich gleichzeitig auch auf in diesem Zusammenhang stehende, vorhandene Wahrnehmungs- und Deutungsmuster von Gewalt. Die wiederum ermöglichten dem Tun einen Sinn und eine Ordnung zu geben. Da auf dem Schlachtfeld Willkür und Grausamkeit an der Tagesordnung standen, konnte die religiöse Deutung eine sinn- und orientierungsstiftende Wirkung haben[16]. Der Krieg ist schon in der Bibel allgegenwärtig. Zwar steht er nicht immer in direktem Zusammenhang mit dem Namen des Allmächtigen, doch ist vielfach von den ‚Kriegen des Herrn’ zu lesen. Ein Beispiel hierfür sind die Berichte von der Eroberung und Besetzung des Gelobten Landes im 1. Buch Samuel, Vers 17, 18 und 25[17].

Der Krieg als Grundmotiv in der Bibel verlieh der Zerstörung, Vertreibung, Plünderung, dem Rauben und Morden durch die Worte der Propheten einen religiösen Sinn. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde dies sowohl von protestantischen Predigern als auch von katholischen Priestern aufgenommen und in abgewandelter Form an die Gläubigen vermittelt. Das Sprichwort ‚Krieg lehrt beten’ war den Zeitgenossen sehr vertraut[18].

Der Krieg wurde im biblischen Sinn von allen Glaubensrichtungen als eine direkte Strafe und gleichzeitig als Prüfung Gottes verstanden. So wurde auch der Dreißigjährige Krieg, vor allem von protestantischer Seite, als ein Krieg um das richtige Bekenntnis gesehen. Auf katholischer Seite wurde der Krieg zu Beginn als Religionskrieg, im späteren Verlauf als Kampf um den Erhalt alter und verloren gegangener Rechtspositionen wahrgenommen[19].

Nahezu 90 Prozent der Bevölkerung der Frühen Neuzeit, waren in der Agrarwirtschaft tätig. Der vom Katholizismus geprägte Alltag, war von je her stark mit dem Rhythmus des Agrarjahres verbunden. Aber auch im Protestantismus waren Frömmigkeitspraktiken stark auf den Jahreskalender abgestimmt. Die frühneuzeitliche Frömmigkeit war damit, seit dem Mittelalter, mit dem landwirtschaftlichen Produktionszyklus des Agrarjahres verbunden. Natur und Alltagsleben verbanden sich in einem engen Geflecht mit der Frömmigkeit. Dabei drückte sich die frühneuzeitliche Religiosität in den unterschiedlichsten Formen aus. Dazu gehörten die Heiligen- und Reliquienverehrung, das Wallfahrtswesen oder auch der Wunderglaube[20]. Der Wunderglaube wurde allerdings gerade während des Dreißigjährigen Krieges insbesondere von den Söldnern, auf das schärfste verurteilt. Auf vielfältige Art und Weise waren die Menschen in der Frühen Neuzeit religiös. Gott und der Glaube spielten für Menschen beider Konfessionen (katholisch oder protestantisch), von je her, eine mehr oder weniger große Rolle[21].

1.2 DAS SÖLDNERLEBEN IM DREIßIGJÄHRIGEN KRIEG

1.2.1 WAS IST EIN SÖLDNER?

Es gibt unzählige Versuche, den Begriff des ‚Söldners’ zu definieren. Ein Söldner war ein bezahlter Kriegsmann, der für Sold angeworben wurde und auf eine bestimmte Zeit einem Herrn diente. Dabei variierte die Definition ausgehend von Art und Zeitpunkt des Krieges immer wieder. Während des dreißigjährigen Krieges kann der Söldner als ein bezahlter Kriegsmann definiert werden. Beachtet werden sollte bei dieser Definition die beachtliche soziale Spannweite, die mit diesem Begriff in Verbindung steht. Diese reicht vom adligen Kürassier bis hin zum einfachen Fußknecht[22]. Auch innerhalb der Zeitspanne des Dreißigjährigen Krieges ist ein Wandel in der Beschreibung der Männer zu verzeichnen, die in den Heeren dienten. Waren sie noch im 16. Jahrhundert als „Landsknechte“ bezeichnet worden, nannte man die Männer zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges als ‚Söldner’ und am Kriegsende ‚Soldat’[23].

Oft blieb den Männern keine andere Wahl, sie mussten in die Söldnerheere eintreten, um ihr Überleben zu sichern. Überbevölkerung, Abenteuerlust und die Hoffnung auf Beute veranlasste die Männer den Soldatenberuf zu ergreifen. Der bloße Hunger trieb die Männer dazu, für sich und ihre Familien ihr tägliches Brot als Söldner zu verdienen[24]. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Söldnerheere und die alten ‚Landesaufgebote’ kombiniert. Militärischer Drill zur Verteidigung des Vaterlandes wurde von ihnen verlangt. Die Söldnerheere im Dreißigjährigen Krieg waren oft gemischte Heere. Unterschiedliche Nationalitäten waren in ihnen vertreten. Eine Standardisierung war in diesem Fall nahezu unmöglich, da die Soldaten sowohl unterschiedliche Sprachen sprachen, als auch verschiedene Kleidung trugen. Der Söldner musste keine Steuern bezahlen, durfte jagen und eine Waffe besitzen. Allerdings war das Leben als Söldner auch mit einem großen Risiko verbunden. Nicht nur der Kampf selbst, auch die auftretenden Krankheiten, wie Typhus und Pest bedrohten das Leben der Söldner. Verwundete wurden nicht automatisch versorgt, sondern waren auf ihre Frauen und Familien angewiesen, denn Militärärzte, Lazarette oder Invalidenheime gab es zu dieser Zeit noch nicht. Ein sozialer Aufstieg war mit dem Beitritt ins Söldnerheer in der Regel auch nicht verbunden[25]. Der Bedarf an Söldnern im Dreißigjährigen Krieg war enorm und je länger der Krieg dauerte, umso schwieriger wurde die Rekrutierung von Soldaten. Anfangs kam es oft zu tumultartigen Situationen, wenn sich tausende von kriegswilligen Männern um einen Platz im Heer bewarben. Sie als ‚Freiwillige’ zu bezeichnen, wäre allerdings nicht richtig.

Um auch an dieser Stelle auf die Bedeutung der Religion einzugehen, ist es wichtig zu bemerken, dass der einfache Söldner nicht nach Religion oder Gesinnung entschied, welchem Heer er beitrat und auf wessen Seite er kämpfte. Einzig und alleine der Sold war entscheidend dafür, auf welcher Seite sie kämpften und die Zeitgenossen schienen auch keinerlei Probleme zu haben, während des Krieges öfter die Seiten zu wechseln[26].

[...]


[1] Hans-Christian Huf. Mit Gottes Segen in die Hölle - Der Dreißigjährige Krieg, in: Hans-Christian Huf (Hrsg.), Mit Gottes Segen in die Hölle - Der Dreißigjährige Krieg, (Tübingen: List, 2006), S. 6-11.

[2] Ebd., S. 7.

[3] Ebd., S. 7.

[4] Ebd., S. 377.

[5] Vgl. Georg Schmidt, Der Dreißigjährige Krieg, (München: C.H. Beck, 2003), S. 17.

[6] Vgl. Vgl. Anton Schindling, „Das Strafgericht Gottes. Kriegserfahrungen und Religion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Erfahrungsgeschichte und Konfessionalisierung“, in: Matthias Asche / Anton Schindling (Hrsgg.), Das Strafgericht Gottes - Kriegeserfahrungen und Religion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges, (Münster: Aschendorff Verlag, 2002), S. 11-51, hier S. 25.

[7] Vgl. Martin Mock, „Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648)“, http://www.fundus.org/pdf.asp?ID=10126, 27.11. 2007, S. 1

[8] Vgl., Schmidt, (2003), S. 8.

[9] Vgl. Huf, (2006), S. 373.

[10] Vgl. Kaspar von Greyerz / Kim Siebenhüner, Religion und Gewalt - Konflikte, Rituale, Deutungen (1500-1800), (Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht, 2006), S. 12f.

[11] Vgl. Schindling, (2002), S. 21.

[12] Vgl. Mock, (2007), S. 1-5.

[13] Vgl. Schindling, (2002), S. 29.

[14] Vgl. Mock, (2007), S. 1f.

[15] Vgl. Schindling, (2002), S. 21.

[16] Vgl. Greyerz/Siebenhüner, (2006), S. 13f.

[17] Ebd., S. 29f.

[18] Vgl. Schindling, (2002), S. 44f.

[19] Ebd., S. 24 und 44.

[20] Vgl. Wolfram Wette, Der Krieg des kleinen Mannes - Eine Militärgeschichte von unten, (München/Zürich: Piper, 1992), S. 61.

[21] Vgl. Kaspar von Greyerz, Religion und Kultur - Europa 1500-1800, (Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht, 2000), S. 191.

[22] Vgl. Schmidt, (2003), S.84.

[23] Vgl. Peters, (1993), S. 222.

[24] <http://www.extern.historicum.net/m30jk/soeldner.htm>, 18.10.2007.

[25] Vgl. Schmidt, (2003), S. 84ff.

[26] http://www.extern.historicum.net/m30jk/soeldner.htm, 18.10. 2007. 8

Details

Seiten
31
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640535965
ISBN (Buch)
9783640536177
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142632
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Wahrnehmung Deutung Bewältigung Krieg Dreissigjähriger Krieg Tagebuch Söldner Sarah Luscher

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Titel: Krieg. Wahrnehmung, Deutung und Bewältigung