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Bildung für Migrantenkinder in China

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung – Warum Bildung für Migrantenkinder?

2 Das Bildungssystem in der heutigen VR China

3 Das Hukou – System als institutionelle Hürde

4 Weitere Probleme
4.1 Finanzielle Schwierigkeiten
4.2 Diskriminierung von Migrantenkindern
4.3 Psychische Probleme zurückgelassener Kinder

5 Maßnamen der Regierung

6 Private Schulen – eine akzeptable Alternative?

7 Schlussfazit – Verbesserungsvorschläge für die Zukunft

8 Bibliografie

1 Einleitung – Warum Bildung für Migrantenkinder?

Mit Beginn der sozialen und wirtschaftlichen Reformen in den 70er Jahren migrierte ein Teil der ländlichen Bevölkerung der Volksrepublik China in die urbanen Regionen. Die Migranten versprachen sich durch eine Beschäftigung in der Stadt höhere Einkünfte und einen besseren Lebensstandard.[1] In diesem Aufsatz geht es um die Bildung von Migrationskindern, Kinder von Familien, die innerhalb Chinas ihren Wohnort wechseln. Laut dem Zensus von 2000 sind ca. 14 Millionen Migrantenkinder unter 14 Jahre alt und davon fast 9 Millionen im schulfähigen Alter.[2] Der Wissenschaftler Yang Yang schätzt, dass es bis 2020 ca. 300 Millionen Land – Stadt Migranten geben wird, so dass man dann mit etwa 11 Millionen schulfähigen Kindern rechnen kann.[3]

2009 haben viele Migrantenkinder immer noch Schwierigkeiten, sich in einer öffentlichen, vom Staat finanzierten Schule in der Stadt anzumelden und kostenlose Bildung zu genießen. Guo (2009) zeigt, dass ihnen, u.a. aus finanziellen Gründen, oftmals nur die Möglichkeit bleibt, in eine meist qualitativ schlechtere private Schule zu gehen oder sich wieder zurück in die Schulen des Herkunftsgebietes zu begeben – nicht selten getrennt von ihren Eltern.[4]

Dem chinesischen Wissenschaftler Xie Jingyu zufolge, beenden schätzungsweise nur etwa 15 % aller Migrantenkinder die Pflichtschule. Das heißt, Millionen Kinder in China werden um ihre Schulbildung gebracht.[5]

Die chinesische Regierung hat jedoch mittlerweile erkannt, dass Land – Stadt Migranten in der chinesischen Wirtschaft einen wesentlichen Beitrag leisten. Sie haben in den letzten 20 Jahren etwa 16 Prozent des chinesischen Bruttosozialprodukts beigesteuert und machen circa 68 % der Arbeitskräfte in der Verarbeitungsindustrie, 80 % im Baugewerbe und über 52% im tertiären Sektor aus.[6] Umso wichtiger ist es, ihren Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen: Laut Tao Xiping, dem Vice-Präsidenten der Chinesischen Gesellschaft für Bildung, spielen Migrantenarbeiter eine äußerst wichtige Rolle im chinesischen Arbeitsmarkt. „Wenn ihre Kinder nicht gut behandelt werden, könnten diese sich entscheiden, die Städte zu verlassen und sich wieder in ihr Ursprungsgebiet zurückbegeben“.[7]

Neben der Bildungsproblematik von Migrantenkindern in der VR China wird in der vorliegenden Arbeit untersucht, inwiefern das Problem von der chinesischen Regierung wahrgenommen wird und welche Mittel zur Lösung eingesetzt werden. Da sich laut Guo Jing gegenwärtig die meisten Kinder von Migranten im Grundschulalter befinden[8], wird die Elementarbildung im Mittelpunkt stehen.

Der Aufsatz ist in fünf größere Abschnitte unterteilt. Zunächst wird das derzeitige Bildungssystem in der VR China dargestellt und geklärt, welche Bildung einem chinesischen Kind zusteht. Das Hukou –System scheint der größte Problemverursacher bei dem Bildungsproblem der Migrantenkinder zu sein. Es folgt daher eine längere Abhandlung darüber, was das Hukou – System ist und welche Konsequenzen es in Bezug auf die Bildung von Migrantenkindern mit sich bringt. Im darauf folgenden Abschnitt wird auf weitere Probleme eingegangen, die direkt oder indirekt durch den Hukou verursacht werden. Weiterhin wird auf einige Maßnahmen eingegangen, die die chinesische Regierung verabschiedet hat. Dabei wird untersucht, inwiefern diese die Bildungssituation von Migrantenkindern verbessern konnten. Abschließend folgt eine Darstellung der Qualität von privaten Schulen, die speziell für die Kinder von Wanderarbeitern errichtet wurden. Dabei wird überprüft, ob der Besuch einer solchen Schule empfehlenswert ist.[9]

2 Das Bildungssystem in der heutigen VR China

Das Bildungssystem wurde in China insbesondere nach den 1970ern nachhaltig verbessert. So besteht seit 1986 in China eine neunjährige Schulpflicht. Diese sieht den Besuch von sechs Jahren Grundschule (Elementarbildung) und weiteren drei Jahren in der unteren Mittelschule für sechs – bis fünfzehnjährige Kinder vor. Die Schüler können daraufhin bei guten Leistungen die dreijährige obere Mittelschule (Oberstufe) besuchen, deren Abschluss zur Aufnahme auf eine Universität qualifiziert. Es ist zusätzlich möglich, Angebote der Erwachsenenbildung zu nutzen. Die Pflichtschule ist grundsätzlich schulgeldfrei. Doch wer ermöglicht dies im Einzelnen? Das Bildungswesen wird hauptsächlich aus dem Staatshaushalt finanziert, erhält aber auch Mittel aus anderen Quellen. Schulen, für die Lokalregierungen zuständig sind, werden überwiegend mit lokalen Mitteln gefördert. Schulen, die von Dörfern oder Unternehmen unterhalten werden, werden von den jeweiligen Bildungsträgern finanziert. Sie werden in einigen Fällen zusätzlich von den Zentral – und Regionalregierungen subventioniert. Private Bildungsträger finanzieren ihre Schulen gewöhnlich durch Schulgebühren oder Spenden.[10] Demnach ist das Schulsystem vorwiegend dezentralisiert und wird zum Großteil von den lokalen Regierungen getragen. „Lokal“ bedeutet in diesem Zusammenhang der Ort, an dem die Chinesen als permanente Ortsansässige registriert sind. Dieses in der VR China vorherrschende Registrierungssystem wird Hukou genannt, welches im folgenden Abschnitt dargestellt wird.

[...]


[1] Fischer, D., & Lackner, M. (Hrsg.). (2007). Länderbericht China. Geschichte - Politik - Wirtschaft - Gesellschaft (3. Ausg.). Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

[2] Yang, Y. (2007). The Migration and Education Problem in China. Abgerufen am 07.03.2009 von Aide et Action - Changing the World Through Education:

www.aea-sea.org/en/our_news/docs/china_-_migration___education_problems.pdf.

[3] Vergl. ebd.

[4] Guo, J. (2009). Financing of Education: A Missing Dimension of migrant Child Education

Policy in China.in: Asien Social Protection in Comparative Perspective (S. 1-17). New York:

Association for Public Policy Analysis and Management.

[5] Jingyu, X. (April 1999). Educational problems of Rural-Urban Migrant Children. In: Northwest

Population Journal (4), S. 50-62.

[6] Vergl. ebd.

[7] People Daily (29. 06 2007). Schooling Vital for Migrant Children. Abgerufen am 04.03.2009 von http://english.peopledaily.com.cn/200706/29/eng20070629_388722.html.

[8] Guo, 2009.

[9] Als Umschrift des Chinesischen wird der Standard Hanyu Pinyin genutzt.

[10] Fischer und Lackner, 2007.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640519866
ISBN (Buch)
9783640521692
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143022
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Ostasienwissenschaften
Note
1.3
Schlagworte
Migration China Kinder Reformen Schule Wanderarbeiter Bildung

Autor

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Titel: Bildung für Migrantenkinder in China