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Welche Bedeutung haben Outbound Reisen aus der Volksrepublik China für den weltweiten Reisemarkt

Bachelorarbeit 2005 78 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemdefinition und Fragestellung
1.2 Ziel

2 Bestandsaufnahme
2.1 Übersicht China
2.1.1 Geographie
2.1.2 Bevölkerung
2.1.3 Wirtschaft
2.1.4 Tourismus
2.2 Die Geschichte des chinesischen Outbound-Tourismus
2.2.1 Hong Kong und Macao
2.2.2 Reisen in Grenzgebiete
2.2.3 Auslandsreisen
2.3 Analyse der Entwicklung des chinesischen Outbound-Tourismus
2.3.1 Interview zur Analyse
2.4 Chinesische Outbound-Tourismus - Politik
2.4.1 Grundsätze
2.5 Approved Destination Status (ADS)
2.5.1 Interview: Ist eine weitere Öffnung des Tourismusmarkts durch ADS möglich?
2.5.2 Konsequenzen des ADS
2.6 Profilmerkmale des chinesischen Outbound-Tourismus anhand soziodemographischer Merkmale chinesischer Outbound-Touristen
2.6.1 Geschlecht
2.6.2 Alter
2.6.3 Berufe
2.6.4 Reisemotive
2.6.5 Reisearten für den chinesischen Outbound-Tourismus
2.6.6 Aufenthaltsdauer
2.6.7 Ausgaben
2.6.8 Unterkunft / Beherbergung
2.7 Reisezeiten für den chinesischen Outbound-Tourismus
2.8 Schlussbetrachtung der Bestandsaufnahme

3 Bewertung
3.1 Outbound-Destinationen für China
3.2 Hong Kong und Macao
3.2.1 Hong Kong
3.2.2 Macao
3.3 Südostasien – Thailand, Singapur und Malaysia
3.3.1 Thailand
3.3.2 Singapur
3.3.3 Malaysia
3.4 Japan
3.5 Australien und Neuseeland
3.5.1 Australien
3.5.2 Neuseeland
3.6 Kanada und USA
3.6.1 Kanada
3.6.2 USA
3.7 Europa
3.7.1 Vorteile des europäischen Reisemarkts
3.8 Entwicklung, Perspektiven und Herausforderungen des chinesischen Outbound-Tourismus in Europa am Beispiel Deutschlands
3.8.1 Reisezweck der chinesischen Deutschlandreisen
3.8.2 Herausforderungen des chinesischen Outbound-Tourismus nach Deutschland
3.8.3 Schlussbetrachtung: Bedeutung des chinesischen Outbound-Tourismus für Deutschland
3.9 Bewertung der Zukunftsaussichten des chinesischen Outbound-Tourismus
3.9.1 Interviews
3.9.2 Trends und Aussichten für Chinas Outbound-Tourismus

4 Ergebnis
4.1 Lösungsmodell
4.2 Stellungsnahme

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Chinas Wirtschaftswachstum

Abb. 2: Inland-Tourismusentwicklung China

Abb. 3: Liberalisierung des Tourismusmarkts

Abb. 4: Wachstum des chinesischen Outbound-Tourismus

Abb. 5: Länder mit ADS-Status

Abb. 6: Veränderung der Ausreisen aus China nach Geschlechtern

Abb. 7: Altersstrukturen chinesischer Outbound-Touristen

Abb. 8: Berufe chinesischer Touristen

Abb. 9: Reisemotive der Chinesen

Abb. 10: Ausgabestrukturen

Abb. 11: Auslandsreiseziele der Chinesen

Abb. 12: Einreisen nach Hong Kong 2003

Abb. 13: Chinesische Einreisende nach Hong Kong

Abb. 14:Chinesische Reisende nach Thailand

Abb. 15: Chinesische Reisende nach Singapur

Abb. 16: Chinesische Reisende nach Malaysia

Abb. 17: Einreisen chinesischer Touristen nach Japan

Abb. 18: Einreisen chinesischer Touristen nach Australien

Abb. 19: Reisemotive chinesischer Outbound-Reisender nach Australien

Abb. 20: Chinesische Einreisen nach Neuseeland

Abb. 21: Reisemotive chinesischer Touristen aus Neuseeland

Abb. 22: Einreisen chinesischer Touristen nach Kanada

Abb. 23: Reisemotive der Chinesen in Kanada

Abb. 24: Einreisen der Chinesen in die USA

Abb. 25: Reisemotive chinesischer Touristen in den USA

Abb. 26: TOP 5 Reiseziele der Chinesen in Europa

Abb. 27: Reisemotive chinesischer Europareisenden

Abb. 28: Entwicklung der Ankünfte chinesischer Outbound-Touristen in Deutschland

Abb. 29: Ankünfte und Übernachtungen aus China in Deutschland (1.000)

Abb. 30: Übernachtung der Chinesen nach Bundesländern

Abb. 31: Was chinesische Gäste wünschen vs. was sie in Deutschland bekommen

Abb. 32: Zukunftsaussichten für den chinesischen Outbound-Tourismus

Abb. 33: Einflussfaktoren des chinesischen Outbound-Tourismus

1 Einleitung

Die Volksrepublik China ist eine aufstrebende Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts und mit 1,3 Mrd. Einwohnern die Heimat eines Fünftels der Menschheit.

Touristisch zählt die Volksrepublik derzeit zu den am schnellsten wachsenden Quellmärkten. In der Dekade 1994 - 2003 stieg die Zahl der Ausreisen aus China von unter 4 auf über 20 Mio. an, allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2004 konnten bereits 11,17 Mio. Reisende gezählt werden[1]. Bereits 2002 generierten die Chinesen 6% des Umsatzes im internationalen Tourismus und lagen damit an vierter Stelle hinter den USA, Deutschland und Großbritannien[2].

Die große Mehrheit der im Jahre 2004 getätigten 760 Mio. internationalen Reisen unternahmen Menschen aus dem „westlichen“ Kulturkreis, d. h. aus Europa und Nordamerika, doch aufgrund der bereits vorhandenen hohen Reiseintensität sowie demografischer und ökonomischer Faktoren lassen sich für diese Quellmärkte keine hohen Zuwachsraten mehr erwarten[3]. Demzufolge sollen „neue“ Touristen aus anderen Erdteilen – vor allem aus der Volksrepublik China – kommen, um die von der Welttourismusorganisation (WTO) für 2020 prognostizierte Zahl von 1,6 Mrd. internationalen Reisen zu erreichen[4].

1.1 Problemdefinition und Fragestellung

„Alle Augen richten sich auf China“ hieß es in einer Pressemitteilung anlässlich der 15. Generalversammlung der WTO 2003 in Bejing[5]. Allerdings wurde damit eher die aufsteigende Entwicklung des chinesischen Inbound-Tourismus angesprochen.

Ich finde es interessant, dass man in der Tourismusbranche immer mehr die erwachende Reisebegeisterung und das Reisepotential der Chinesen erwähnt, aber sich in bisher existierenden Texten fast ausschließlich auf den Inbound-Tourismus in China konzentriert und sich nur am Rande mit dem Outbound-Tourismus beschäftigt.

Die Neuwertigkeit dieser Thematik gab mir schließlich den Impuls, die Bedeutung chinesischer Outbound-Reisen für den weltweiten Reisemarkt Thema meiner Diplomarbeit zu machen und damit eine – von den internationalen Medien noch weitgehend unbehandelte – Frage zu untersuchen.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass nur wenig Literatur existiert, die für dieses Diplomarbeitsthema verwendet werden kann. Hinzu kommt, dass viele Daten, die vor den 1990er Jahren in China erhoben wurden, nicht mit heutigen Datenquellen zu vergleichen sind. Insbesondere in den 1970er Jahren waren Erhebungen in der Volksrepublik nicht üblich, und wenn es zu Marktforschungen kam, dann wurden die Ergebnisse nicht selten von der damaligen Regierung „ins rechte Licht gerückt“ bzw. manipuliert[6]. Daher archivieren viele öffentliche Ämter, die regelmäßig Erhebungen durchführen und Statistiken erstellen, wie z. B. das statistische Bundesamt in Wiesbaden, keinerlei Daten aus China, die vor 10 – 15 Jahren erhoben wurden.

Die soeben erläuterte Problematik betrifft speziell das zweite Kapitel, in dem ich unter anderem die Entwicklung des chinesischen Outbound-Tourismus herausstellen möchte. Somit werde ich mit Hilfe meiner erworbenen Kenntnisse, der mir vorliegenden Literatur und durchgeführten Interviews die vorhandenen Daten interpretieren.

1.2 Ziel

Zielsetzung dieser Diplomarbeit ist es herausfinden, ob die wirtschaftliche und politische Veränderung Chinas Einfluss auf Chinas Outbound-Tourismus hat und ob damit Outbound-Reisen aus der Volksrepublik China eine hohe, geringe oder keine Bedeutung für den weltweiten Reisemarkt besitzen.

Um den Rahmen für die Ausarbeitung dieser Fragestellung zu bilden, wird Literatur ausgewertet, des weiteren werden Statistiken aufgeführt, analysiert und interpretiert. Für einen tieferen Einblick in die Materie werden insgesamt drei Interviews geführt und in dieser Arbeit festgehalten sowie mit einer eigenen Stellungnahme kritisch beurteilt. Abschließend werden alle Ergebnisse noch einmal zusammengefasst wiedergegeben. Darauf folgend wird ein betriebswirtschaftliches Modell entwickelt, mit dem die wichtigsten Zusammenhänge und Einflussfaktoren aufgezeigt und erklärt werden können. Die kommenden Paragraphen werden chronologisch Aufschluss über die Verfahrensweise und Inhalte dieser Diplomarbeit geben.

In der Bestandsaufnahme wird zunächst eine kurze Übersicht über den Markt China geliefert. Diese soll einen Überblick über die Geographie Chinas, dessen Bevölkerung und Wirtschaft schaffen. Im Anschluss daran wird der Tourismus in China erklärt, der sich in drei Kategorien aufteilt und entwickelt: Inbound Tourismus, Domestic Tourismus und Outbound Tourismus.

Darauf aufbauend wird die Entwicklung des chinesischen Outbound Tourismus der vergangenen 20 Jahre aufgezeigt und anhand von Statistiken analysiert und interpretiert. Die Zusammenhänge zwischen den Geschehnissen der Öffnungspolitik Mitte der 1980er Jahre und der rasanten Entwicklung Chinas, wirtschaftlich sowie touristisch, werden deutlich gemacht.

Nachfolgend soll auf die Richtlinien und Grundsätze des chinesischen Outbound Tourismus eingegangen werden. In diesem Zusammenhang soll nachhaltig geklärt werden, was die wichtigsten der Richtlinien aussagen und bewirken. Ferner wird die Implementierung des sogenannten Approved Destination Status – Systems (ADS) vorgestellt, welches den chinesischen Outbound-Tourismus für den weltweiten Reisemarkt seit dem Jahr 1997 begünstigt.

Anhand soziodemographischer Faktoren wird das Potential chinesischer Outbound Touristen deutlich gemacht. Die Erläuterung der Profilmerkmale (Geschlecht, Alter, Beruf usw.) zeigen auf, was die Konzentration auf den chinesischen Outbound-Tourismus für den weltweiten Reisemarkt bedeutet. Zusätzlich werden die Hauptreisezeiten der Chinesen dargelegt. Mit einer Schlussbetrachtung schließe ich die Bestandsaufnahme ab.

Auf diesen Grundsteinen basierend untersucht die Autorin potentielle Outbound-Destinationen für China, wie z. B. Hong Kong und Macao, Thailand, Singapur und Malaysia, Japan, Australien und Neuseeland, Nordamerika, USA und Europa. Am Beispiel Deutschland wird die Bedeutung des chinesischen Outbound Tourismus für den weltweiten Reisemarkt aufgeklärt.

Die Bewertung der Zukunftsaussichten für den chinesischen Outbound-Tourismus folgt im Anschluss. Neben einer eigenen Bewertung werden meine Interviewpartner - Herr Joachim Scholz, stellvertretender Marktforschungsleiter der Deutschen Zentrale für Tourismus (WTO) in Frankfurt, Herr Dr. Wolfgang Georg Arlt, Tourismus Manager der Fachhochschule Stralsund und Frau Dr. Annette Biehner, Marketing und Kommunikationsmanagerin der Rüdesheim Touristik AG - aus ihren Erfahrungswerten versuchen, die Zukunftsaussichten einzuschätzen und zu beurteilen. Am Ende dieses Kapitels werden Trends und Aussichten für Chinas Outbound-Tourismus herausgearbeitet und festgelegt.

Folgend werden die erarbeiteten Ergebnisse zusammengefasst sowie ein Lösungsmodell entwickelt und vorgestellt. Mit einer eigenen Stellungsnahme und Schlussfolgerung werde ich meine Diplomarbeit abschließen.

2 Bestandsaufnahme

2.1 Übersicht China

2.1.1 Geographie

Die Volksrepublik China liegt am Pazifischen Ozean im östlichen Teil Asiens. China hat insgesamt 15 Nachbarländer. Im Norden ist Russland und die Mongolei gelegen; westlich von China befinden sich Kazakhstan, Kyrgyzstan, Tajikistan, Afghanistan und Pakistan; im Süden grenzt China an Indien, Nepal, Sikkim, Bhutan, Myanmar, Laos und Vietnam; östlich liegt China an der Demokratischen Volksrepublik Koreas und südöstlich - am Ost- sowie Südchinesischen Meer - befinden sich Japan, die Philippinen, Malaysia, Indonesien und Brunei.

Die Volksrepublik China bedeckt eine Fläche von ca. 9,6 Millionen km2 und ist damit nach Russland und Kanada der drittgrößte Flächenstaat der Erde. China ist fast so groß wie das „Vielstaatengebilde“ Europa, das eine Fläche von ca. zehn Millionen km2 umfasst[7].

Seit der Implementierung der Reform- und Öffnungspolitik Mitte der 1980er Jahre und der seitdem rapiden wirtschaftlichen Entwicklung Chinas ist auch die Urbanisierung stark vorangeschritten.

Von der damaligen Regierung unter Deng Xiaoping wurde die Volksrepublik in drei geographisch grob aufgeteilte Bereiche gegliedert, nämlich in West–, Zentral- und Ostchina. Mittlerweile wurde diese Untergliederung etwas „aufgeweicht“, und es wird heutzutage meist nur noch über reiche Ost- und arme Westprovinzen gesprochen. Zu den Ostprovinzen zählen die bekannten Wirtschaftsmetropolen Shanghai, Hong Kong und Fujican mit dem vorgelagerten Inselstaat Taiwan, der zur Zeit noch politisch und wirtschaftlich von der westlichen Hemisphäre abhängig ist. Die Volksrepublik China sieht Taiwan – ehemals Formosa – heute Nationalchina – nur als abtrünnige Provinz an, die weiterhin Bestandteil der VR China ist.

Heute zählt China insgesamt 23 Provinzen (inklusive Taiwan), fünf autonome Regionen, vier Stadtverwaltungen, die direkt unter der zentralen Regierung fungieren, und zwei Sonderverwaltungsregionen, Hong Kong und Macao.

2.1.2 Bevölkerung

Mit einer Gesamtbevölkerung von 1,295 Milliarden[8] (d. h. ca. 20% der Weltbevölkerung) ist China der bevölkerungsreichste Staat der Erde. Über 90% aller chinesischen Staatsbürger leben in der Osthälfte des Landes. Die Bevölkerungsdichte liegt im Durchschnitt bei 130 Einwohnern/qkm. Die Bevölkerung setzt sich zu 92% aus Chinesen und zu 8% aus Tibetanern, Mongolen, Koreanern, Manschuren und anderen Minderheiten zusammen.

China ist ursprünglich eine agrarkulturelle Gesellschaft. In den vergangenen 50 Jahren, insbesondere in den letzten 20 Jahren - seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik –, hat die chinesische Bevölkerung profunde Veränderungen durchlebt. Hiermit ist beispielsweise die Transformation von einer traditionellen zu einer modernen Gesellschaft bzw. von einer Agrar- zu einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft gemeint. Hervorgerufen wurden diese Veränderungen durch die Umgestaltung der sozialistischen Plan- hin zu einer sozialistischen Marktwirtschaft.

Die oben genannte Transformation hat besonders in der Struktur der chinesischen Sozialschichten Ausdruck gefunden. Laut der aufgeführten Bevölkerungsstatistiken der WTO[9], zeichnen sich die wesentlichsten Veränderungen folgendermaßen ab: Seit 1978 ist die Anzahl der Landarbeiter – die zu dieser Zeit noch 67,4% der gesamten Arbeitswelt darstellten - auf 44% im Jahre 1999 zurückgegangen. Mit dem jährlichen Rückgang an Landarbeitern - die immer mehr in die Städte ziehen, um zu arbeiten oder sich weiterzubilden -, sinkt auch die Anzahl der unteren Mittelschicht der chinesischen Gesellschaft.

Der wirtschaftliche Aufstieg vieler Unternehmen und das Annehmen neuer, modernerer Technologien hat es vielen Fabrikarbeitern ermöglicht, sich in die Mittelschicht der chinesischen Gesellschaft einzugliedern. Demzufolge entstand in den letzten Jahren eine Mittelschicht in China, die sich immer mehr zu formen scheint. Die Zahl privater Unternehmer, Manager, Kleinindustrien und kommerzieller Unternehmen in Dienstleistungsbereichen steigt immer weiter an und hilft damit, die Wirtschaft anzukurbeln sowie die Ressourcen auszubauen und weiterzuentwickeln.

2.1.3 Wirtschaft

China besitzt eine sozialistische Marktwirtschaft, garantiert aber neben dem Kollektiveigentum das Recht auf Privateigentum. Die Grundlage dafür bildet die Verfassungsänderung zur Aufwertung der Marktwirtschaft von 1999[10].

Im Zuge wirtschaftlicher Reformen (Beginn 1978) kann heute von einer zunehmenden Offenheit der chinesischen Wirtschaft gesprochen werden. Dies führte zu verbesserten Lebensbedingungen und zu persönlichen Freiräumen in der Wirtschaft. Außerdem bewirkte die marktwirtschaftliche Orientierung ein enormes Wirtschaftswachstum. Von 1991 bis 1995 lag die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts bei durchschnittlich 12%. Das Wachstum ist auch heute noch vergleichsweise hoch. Von 1996 bis 2000 veränderte sich die Wachstumsrate auf 8,3%[11]. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde China mit einem Bruttoinlandsprodukt von 8.900 Mrd. Yuan (entspricht ca. 1.080 Mrd. US$) zur siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die folgende Abbildung illustriert das Wirtschaftswachstum Chinas im Vergleich zur restlichen Welt seit dem Jahr 2000.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Chinas Wirtschaftswachstum[12]

Einen großen Anteil am stetigen Wirtschaftswachstum hat sicherlich der Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation[13] (WTOII) 2001 geleistet. Hierbei verpflichtete sich China zur Liberalisierung der Außenwirtschaft, zur Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes und zum Abbau der Marktzugangsbeschränkungen innerhalb von fünf Jahren.

2.1.4 Tourismus

Generell ist die Nachfrage im Tourismus an die wirtschaftliche Situation eines Landes gekoppelt – denn erfahrungsgemäß reisen diejenigen Menschen, die sich nicht über kleine, alltägliche Notwendigkeiten Sorgen machen müssen. Personen, die finanziell in der Lage sind in den Urlaub zu fahren, speziell nach Übersee, sind mehrheitlich in der mittleren und oberen Mittelklasse angesiedelt.

Wie bereits erwähnt, hat sich die Struktur der nationalen Wirtschaft Chinas in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. Der agrarkulturelle Ertrag trug 1979 noch einen Anteil von 31,2% am Bruttoinlandsprodukt und fiel im Jahre 2000 auf 17,3%. Neben dieser Entwicklung stieg der Anteil des Dienstleistungssektors von 21,4% auf 32,9% an[14].

Laut WTO hat sich der Tourismus als Teil des Dienstleistungssektors zu einem neuen Industriezweig in China geformt. Erkennbar ist dies auch an den Proportionen zwischen den touristischen Einkünften im Vergleich zu den Einkünften der nationalen Wirtschaft, die im Folgenden von der WTO[15] aufgeführt wurden: 3,7% im Jahre 1996, 4,2% in den Jahren 1997 und 1998, 5% im Jahre 2000 und 5,2% 2001. Wie jeder Tourismusmarkt setzt sich auch der Chinas mittlerweile aus drei Komponenten zusammen: Dem Inbound-, Domestic- und Outbound-Tourismus.

2.1.4.1 Inbound-Tourismus

Inbound-Tourismus ist der Begriff für den internationalen Fremdenverkehr der in ein Land hineinführt. Obwohl Tourismus bis zu Beginn der 1990er Jahre von der Kommunistischen Partei als „unproduktiv“[16] und daher negativ angesehen wurde, befürwortete Deng Xiaoping die Entwicklung des chinesischen Inbound-Tourismus und glaubte daran, dass die Tourismusindustrie zu einem bedeutenden Wirtschaftssektor aufsteigen könnte[17].

Chinas lange Geschichte und Kultur zieht seither viele Besucher an. 1980 kamen 5,703 Inbound-Touristen nach China. Bereits zehn Jahre später waren es 4,8 Mal so viel, 27,46 Millionen genau. Im Jahre 2000 stieg die Zahl der Inbound-Touristen in China auf 83,44 Millionen an und war damit die fünftgrößte Inbound-Destination der Welt[18].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Inland-Tourismusentwicklung China[19]

Bezogen auf die Voraussagen der WTO[20] wird China im Jahr 2010 ca. 61,8 Millionen und 2020 ca. 130 Millionen internationale Touristen empfangen. Das würde eine jährliche Wachstumsrate von 6,8% bedeuten.

2.1.4.2 Domestic-Tourismus

Domestic-Tourismus ist der Ausdruck für einheimischen bzw. inländischen Tourismus. Vor allem mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den 1990ern, dem damit verbundenen Anstieg verfügbaren Einkommens, der daraus resultierenden wachsenden Kaufkraft der städtischen Bevölkerung und der Einführung fester, offizieller Ferien begann sich auch der einheimische Tourismus in China zu entwickeln.

Die chinesische Regierung unterstütze diese Entwicklung im Rahmen ihrer Anti-Deflationsmaßnahmen und insbesondere durch die Einführung der „Goldenen Wochen“ ab dem Jahr 1999. Im Januar oder Februar, im Mai und im Oktober[21] hat seitdem das ganze Land Ferien und nutzt dies vor allem für touristische Aktivitäten. Mit fast 900 Millionen Reisenden pro Jahr hat sich China damit zum zahlenmäßig größten nationalen Reisemarkt der Welt entwickelt[22].

Die Chinese National Tourism Administration[23] (CNTA) veröffentlichte in ihrem Artikel „The Newest Development of China Tourism Industry“, dass 2004 mit insgesamt 63 Mio. inländischen Reisen 3,5 Mrd. US$ eingenommen wurden. In der ersten Maiwoche 2004 stiegen die Zahlen sogar auf 87 Mio. Reisen und 4,4 Mrd. US$ Einnahmen. Damit weist China zusammen mit seiner Entwicklungsgeschwindigkeit ein sehr großes Potential in den Inlandstourismusmärkten dieser Welt auf.

2.1.4.3 Outbound-Tourismus

Outbound-Tourismus ist die Bezeichnung für den Fremdenverkehr, der aus einem Land herausführt. Dieser startete in der Volksrepublik China Mitte der 1980er Jahre mit zunächst sehr bescheidenen Anfängen[24] und entwickelte sich dann seit Beginn der 1990er Jahre im Gleichschritt mit der Öffnungspolitik und dem wirtschaftlichen Wachstum[25].

Während des Zeitabschnittes von 1991 bis 1997 betrug die jährliche Wachstumsrate der Outbound-Reisenden 17,3%. In den darauf folgenden Jahren, zwischen 1998 und 2000 belief sich die Wachstumsrate bereits auf insgesamt 30%[26].

Um der steigenden Nachfrage für Outbound-Reisen und dem Trend der erweiterten internationalen Kooperationen nachzukommen, billigte die Regierung ihren chinesischen Mitbürgern schließlich mehr Outbound-Destinationen zu und liberalisierte die bestehenden Outbound-Reiseregelungen. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Entwicklung der Liberalisierung des chinesischen Outbound-Tourismus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Liberalisierung des Tourismusmarkts[27]

Heute befindet sich der chinesische Outbound-Tourismus immer noch in seiner Entwicklungsphase. Mit Chinas Beitritt zur WTOII 2001, dem Resultat der rasanten Wirtschaftsentwicklung sowie der wachsenden Nachfrage nach Outbound-Reisen, ist es wahrscheinlich, dass die chinesische Regierung die Richtlinien und Restriktionen in Zukunft weiter „aufweichen“ wird[28].

Bis zum Jahre 2020 hat die Welttourismusorganisation eine jährliche Wachstumsrate von 12,5% prognostiziert. Das würde die Volksrepublik - nach Europa, Japan und den USA - zum viertgrößten Quellmarkt für Outbound-Tourismus weltweit machen[29].

2.2 Die Geschichte des chinesischen Outbound-Tourismus

Für ein umfassendes Verständnis, ist es wichtig zu wissen, dass sich der chinesische Outbound-Tourismus in drei verschiedenen Bereichen entwickelte: Reisen nach Hong Kong und Macao, Reisen in Grenzgebiete, wie z. B. Dandong oder Sinuiju und schließlich Reisen ins Ausland[30].

2.2.1 Hong Kong und Macao

1983 erhielten Einwohner der Provinz Guangdong erstmals die Genehmigung, Verwandte in benachbarten Städten, wie beispielsweise Hong Kong und Macao, zu besuchen. Infolgedessen formte sich der chinesische Outbound-Tourismus beginnend mit Freundschafts- und Verwandtschaftsbesuchen – auch visiting friends and relatives (VFR) genannt. Vorher war es hauptsächlich Geschäftsleuten erlaubt, das Land im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeiten zeitweilig zu verlassen.

2.2.2 Reisen in Grenzgebiete

„Im Jahre 1987 bekamen neben Hong Kong und Macao auch andere Grenzgebiete die Möglichkeit, Tagesreisen zu organisieren, beginnend mit den Reisen von Dangdong nach Sinuiju in Nord-Korea[31] “.

Nach einer Entwicklungsphase von rund 20 Jahren haben viele Transformationen im chinesischen Grenzgebietstourismus stattgefunden. Mittlerweile reisen viele Chinesen in benachbarte Regionen und Länder, auch wenn sie nicht in den Grenzgebieten leben. Ferner haben sich die Grenzgebietsrouten von angrenzenden Städten hinein ins Landesinnere erweitert. Überdies hat sich die Aufenthaltsdauer für den Grenzgebietstourismus in andere Länder von Tagestouren hin zu Wochentouren bis zu acht Tagen verlängert[32].

Abschließend lässt sich hinzufügen, dass heutzutage keine große Differenz zwischen Grenzgebietstourismus und Outbound-Tourismus mehr besteht.

2.2.3 Auslandsreisen

Wie bereits herausgestellt, hat sich der chinesische Auslandstourismus - und damit der chinesische Outbound-Tourismus - mit langsamen Anfängen durch VFR-Reisen und weiterführenden Grenzgebietstourismus entwickelt.

Dessen ungeachtet entstand der „reelle“ Auslandstourismus erst als Übersee-Chinesen in Südostasien ihre Festlandsverwandten zu Besuchen einladen durften, wenn sie dafür alle Kosten übernahmen. Derartige Arrangements waren ab 1988 für Thailand, später auch für Singapur, Malaysia und die Philippinen realisierbar. Dennoch blieb die Gesamtzahl der Ausreisen bis zu Beginn der 1990er Jahre unterhalb der Millionenmarke. „1993 reisten bereits 3,7 Mio. Menschen, davon aber noch 60% mit einem offiziellen Pass, d. h. in der Regel auf Kosten des Staates oder Betriebes[33] “.

Mitte der 1990er erkannte die chinesische Regierung an, dass viele chinesischen Bürger weder aus beruflichen noch aus verwandtschaftlichen Gründen zeitweise gerne das Land verlassen würden. „Dies bedeutete die Einführung des sogenannten „ADS – Approved Destination Status“ Systems, welches durch bilaterale Abkommen Ländern die Möglichkeit gibt, ein Touristenvisa auszustellen und für ihr Land als Destination zu werben[34] “.

Durch entsprechende Maßnahmen versucht die chinesische Regierung zu garantieren, dass die Reisenden keine Gelegenheit haben, sich länger als genehmigt in der Zieldestination aufzuhalten. Mittels von ADS - Partnerstaaten aufgestellten Listen mit Reisemittlern, die jeweils eine staatliche Genehmigung zur Durchführung von Gruppenreisen für chinesische Kunden besitzen, versucht die chinesische Regierung heute noch Kontrolle über sämtliche Vorgänge zu behalten[35].

In einem späteren Kapitel wird die Bedeutung des ADS - Systems genauer aufgezeigt und erläutert.

2.3 Analyse der Entwicklung des chinesischen Outbound-Tourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Wachstum des chinesischen Outbound-Tourismus[36]

Wie sich anhand des Balkendiagramms erkennen lässt, steigt der chinesische Outbound-Tourismus gleichmäßig an. Nur zwischen den Jahren 1997 und 1998 ist eine starke Aufwärtsbewegung von 5,32 zu 8,43 Millionen erkennbar, was einer Wachstumsrate von 58,3% entsprechen würde. Zwar ist in diesem Zeitraum ein regulierendes Tourismusgesetz in Kraft gesetzt worden, was jedoch nur zu einem vorbestimmten Minimum die Wachstumsrate positiv beeinflusst haben kann. Die WTO erklärt sich diesen Aufschwung durch eine in 1998 eingeführte Änderung in der Erhebung und Auswertung von Daten.

2.3.1 Interview zur Analyse

Am 25. Mai 2005 bot sich mir die Chance zu einem Telefoninterview mit Herrn Dr. Wolfgang Georg Arlt, Sinologe und seit über 30 Jahren im China-Incoming-Tourismus engagiert sowie Tourismus Manager der Fachhochschule in Stralsund.

Bezogen auf die vorausgegangene Tabelle unterhielten wir uns über den Wachstumsanstieg zwischen den Jahren 1997 und 1998. Während dieser Zeit war Herr Dr. Arlt noch als Unternehmer in China tätig und erlebte dadurch jede Veränderung – politisch, wirtschaftlich und touristisch - vor Ort mit.

In unserem Gespräch wies er darauf hin, dass die Ursache für den starken Wachstumsanstieg 1998 nicht unbedingt zwischen den Jahren 1997 und 1998 liege, sondern vielmehr in den Jahren 1996 und 1997 zu finden wäre. „Es ist deutlich erkennbar“, erklärte Herr Dr. Arlt, „dass der Wachstum zwischen 1996 und 1997 sehr gering ist, geradezu stagniert.“ Grund dafür sei, dass die chinesische Regierung 1997 einen letzten Versuch unternommen habe, die Entwicklung des Outbound-Tourismus „in Schach zu halten“.

„Eine hohe Anzahl an Outbound-Reisen, die für 1997 geplant und bereits gebucht waren, sind kurzer Hand nicht von Staatsseiten genehmigt worden“, bemerkte Herr Dr. Arlt. „Mit derartigen Restriktiven, habe die chinesische Regierung Devisen im Ausland behalten wollen. Allerdings war die weitere Entwicklung des Outbound-Tourimus unaufhaltsam und so wäre es noch im selben Jahr zur Implementierung des sogenannten „Approved Destination Status“ gekommen, welches durch bilaterale Abkommen den Chinesen seither vermehrt Outbound-Reisen zubillige, aber der chinesischen Regierung auch eine gewisse Kontrolle über die Vorgänge zulasse.“

Schlussfolgernd äußerte sich Herr Dr. Arlt zu dem erhöhten Wachstum im Jahre 1998 dahingehend, dass in diesem Jahr all die Reisen hätten durchgeführt werden können, die 1997 zwar organisiert, aber nicht genehmigt worden wären.

Als Vergleich nannte Herr Dr. Arlt die Wachstumsentwicklung zwischen 2003 und 2004. Durch die Vogelepidemie „Severe Acute Respiratory Syndrome“ (SARS) im Jahr 2003 war es zahlreichen Chinesen nicht erlaubt das Land zu verlassen. Demnach wurden viele der in 2003 geplanten Reisen 2004 nachgeholt, was eine doppelte Wachstumsrate im vergangenen Jahr bewirkte.

2.4 Chinesische Outbound-Tourismus - Politik

Die chinesische Regierung hat festgestellt, dass Ferien- und Feiertage, wie beispielsweise in den „Goldenen Wochen“, den Konsum im Einzelhandel begünstigen. Durch diesen positiven Effekt entschloss sich die Regierung, feste Ferien- und Feiertage einzuführen sowie die Arbeitswoche auf fünf Tage zu limitieren. Somit dürfen chinesische Büroangestellte mittlerweile bis zu 120 arbeitsfreie Tage im Jahr genießen – das entspricht ungefähr einem Drittel des ganzen Jahres[37].

Feste Ferienregelungen sind bis heute hauptsächlich für die chinesische Stadtbevölkerung möglich, da die dort ansässigen Chinesen ein höheres, frei verfügbares Einkommen besitzen und demzufolge mehr konsumieren.

Durch den kontinuierlichen wirtschaftlichen Wachstum und die damit verbundene Einkommenssteigerung der städtischen Bevölkerung Chinas ist die Regierung dazu ermutigt worden, die inländische Tourismusindustrie - und damit den Konsum - zu fördern.

Darauf bezogen entwarf die chinesische Regierung im Jahr 2000 einen 20 Jahre langen Entwicklungsplan. Dieser besagt, dass die inländische Tourismusindustrie im Jahre 2020 – von einheimischen sowie ausländischen Touristen – mit geschätzten 8% zum Bruttoninlandsprodukt beitragen wird[38].

2.4.1 Grundsätze

Mit der häufigen Begründung, dem Status eines Entwicklungslandes zu entsprechen, versuchte die chinesische Regierung lange Zeit, sich vor ausländischen Einflüssen abzuschotten und sich intern aus eigener Kraft heraus zu entwickeln. Jedoch folgte mit der Öffnungspolitik nicht nur das zunehmende Interesse wirtschaftlich zu wachsen, sondern auch international zu operieren.

Auf vermehrte Forderungen der chinesischen Oberschicht hin, lockerte die chinesische Regierung schließlich Mitte der 1990er Jahre erstmals die Richtlinien für den chinesischen Outbound-Tourismus.

Hierbei war es der chinesischen Regierung wichtig, neue Tourismusgesetze in Kraft zu setzen, die es ermöglichen den Outbound-Tourismus unter Kontrolle zu behalten. Beispielsweise legt die chinesische Regierung Wert darauf, dass der nationale Tourismus durch den Outbound-Tourismus nicht gefährdet ist und dass sich der Abfluss ausländischer Währung in Grenzen hält[39].

Um diese Absichten realisieren zu können, wurden bestimmte Grundsätze eingeführt. Die WTO sieht in den nachfolgenden Regeln die wichtigste Bedeutung:

- Chinesischen Reiseveranstaltern ist es nicht erlaubt, Touristengruppen für Übersee-Destinationen, welche nicht zu den ADS-Partnerstaaten gehören, zu organisieren oder anzuwerben.
- Ausländische Veranstalter dürfen in keinem Fall eigenständig für ihre Dienstleistungen im Outbound-Tourismus vor Ort in China werben. Dies ist bisher nur mit „Joint Ventures[40] “ möglich.
- Außerdem sind ausländische Fluglinien durch ein Luftverkehrsabkommen eingeschränkt. Diese Einschränkung bezieht sich auf die Frequenz der Flüge und die Kapazität der chinesischen Passagiere.

Es lässt sich vermuten, dass die fortführende Öffnungspolitik der Volksrepublik über kurz oder lang auf den Outbound-Tourismus übergreifen wird und sich damit die oben genannten Regeln etwas „aufweichen“.

Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die chinesische Regierung auch künftig versuchen wird die Kontrolle über den Outbound-Tourismus zu behalten. Diese Annahme liegt darin begründet, dass sich die chinesische Regierung seit 1949 um die Bewahrung interner sozialer Stabilität bemüht und sie diese aufgrund der zunehmend internationalen Mobilität ihrer Bürger gefährdet sieht.

An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, dass beim Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation 2001 nicht speziell über die Öffnung des Tourismusmarktes verhandelt wurde. Dementsprechend ist die weitere Entwicklung der chinesischen Öffnungspolitik bisher unabhängig von der Entwicklung des chinesischen Outbound-Tourismus. Ein Zeichen für die Öffnung bzw. die Liberalisierung des internationalen chinesischen Fremdenverkehrs setzte allerdings die Einführung des sogenannten „Approved Destination Status“ Systems im Jahre 1997.

2.5 Approved Destination Status (ADS)

Das „Approved Destination Status“-System (ADS) ist ein Programm, das Mitte der 1990er Jahre von der chinesischen Regierung entwickelt wurde, um einerseits den Tourismusmarkt weiter zu liberalisieren, aber dabei gleichzeitig eine gewisse Kontrolle über das Geschehen vermehrter Ausreisen zu behalten.

Der ADS wird einem Land aufgrund eines bilateralen Abkommens mit der CNTA verliehen, in welchem das betreffende Land seine Bereitschaft zur Aufnahme von chinesischen Touristen erklärt[41]. Demzufolge müssen ADS-Gruppenteilnehmer[42] nicht mehr in den direkten Kontakt mit Botschaften und Konsulaten treten, um ein Visum für die Einreise in einen ADS-Partnerstaat zu erhalten. Der Antrag auf ein Visum wird dann von Outbound-Reiseveranstaltern, die gesetzlich von der CNTA autorisiert sind, bearbeitet. Bislang sind 528 Reiseveranstalter lizenziert, Geschäfte für den Outgoing-Tourismus in Länder mit ADS-Status zu betreiben[43].

1995 erhielten zunächst die Länder den ADS, die bereits als Verwandtenbesuchziele anerkannt waren. Als erste „westliche“ Staaten folgten im Jahre 1997 Australien und Neuseeland. In den darauf folgenden Jahren verbreitete sich das ADS immer schneller. Seit Mai 2004 sind insgesamt 73 Länder als ADS-Gebiet anerkannt. Damit sind, mit Ausnahme der USA, inzwischen fast alle wichtigen Reiseziele eingeschlossen[44].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Länder mit ADS-Status[45]

[...]


[1] Vgl. CNTA (2004)

[2] Vgl. Arlt (2004), S. 9.

[3] Vgl. Arlt (2004), S. 8.

[4] Die WTO ist eine Organisation der Vereinten Nationen (UN). Die Welttourismusorganisation sammelt weltweit Daten, die meist von Fremdenverkehrsämtern erhoben werden, um diese anschließend weitestgehend zu vergleichen, zu interpretieren und daraus Prognosen zu erstellen.

[5] Vgl. Alcantara in Arlt (2004), S. 9.

[6] Dougherty, Sean (1997), „The Reliability of Chinese Statistics“

[7] Vgl. Aktuell – Das Jahrbuch Nr. 1 (2004), S. 448 – 450.

[8] Vgl. Aktuell – Das Jahrbuch Nr. 1 (2003), S. 448.

[9] Vgl. WTO (2003), S. 12.

[10] Vgl. iMove – Bundesanstalt für Berufsbildung (2004), S.4.

[11] Vgl. WTO (2003), S. 13.

[12] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.5.2005.

[13] Die Welthandelsorganisation entstand 1995 als Nachfolgeorganisation der GATT und wird von 125 Staaten ratifiziert.. Die WTO verhandelt u. a. über internationale Abkommen über den Abbau von Zoll- und Handelsschranken und die Vereinheitlichung der Zoll- und Handelspraxis im zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehr.

[14] Vgl. WTO (2003), S. 15.

[15] Vgl. WTO (2003), S. 15.

[16] Vgl. Wen / Tisdell (2001) in Arlt (2004), S. 12.

[17] Vgl. Arlt, Wolfgang Georg, S. 12

[18] Vgl. WTO (2003), S. 16.

[19] Vgl. Arlt (2004), S.15

[20] Vgl. WTO (2003), S.16.

[21] Die Woche des Neujahrfestes (mit wechselndem Datum), die erste Maiwoche nach dem Tag der Arbeit und die erste Oktoberwoche nach dem Nationalfeiertag .(Vgl. WTO 2003, S. 16).

[22] Vgl. Arlt (2004), S. 13.

[23] Die China National Tourism Administration (CNTA) ist ein unabhängiges Organ im Rang eines Ministeriums und untersteht direkt dem Staatsrat, der die Behörde zu 100% finanziert. Die Aufgabe der CNTA besteht in der Koordination der gesamten nationalen Tourismusentwicklung, der Erstellung von Tourismusplänen sowie in der Koordination der Zusammenarbeit von Tourismusbetrieben und den staatlichen Organisationen. Die CNTA kontrolliert die für den Tourismus relevanten Gesetze, sie kontrolliert die Reiseindustrie (Zulassung von Reisebüros) und den Ausbau der touristischen Infrastruktur einschließlich der Service-Normen und Schulungen für Fachpersonen. Andererseits betreibt die CNTA in Übersee das Marketing für das Reiseziel China sowie die Betreuung der Vertretungen ausländischer Fremdenverkehrsorganisationen und Reisebüros. Die CNTA verhandelt auch bilaterale Abkommen auf dem Gebiet der Outbound-Reisen (DZT 2005a).

[24] Vgl. Wang (2003), S.86-101.

[25] Vgl. WTO (2003), S.17.

[26] Vgl. WTO (2003), S. 17.

[27] Eigene Darstellung nach National library of Canada 2001, S. 3.

[28] Vgl. WTO (2003), S.18.

[29] Vgl. National library Canada (2001), S. 10.

[30] Vgl. WTO (2003), S.19

[31] Vgl. Arlt (2004), S. 15.

[32] WTO (2003), S. 20.

[33] Vgl. Arlt (2004), S. 15.

[34] Vgl. Arlt (2004), S. 15 – 16.

[35] Vgl. Arlt (2004), S. 16.

[36] Vgl. CNTA (2005b)

[37] Vgl. WTO (2003), S.32.

[38] Vgl. WTO (2003), S. 33.

[39] Vgl. WTO (2003), S.33.

[40] TUI China ist z. B. eine Joint Venture. Chinesen leiten das Büro unter dem Namen der TUI in Hong Kong. Nur auf diesem Wege kann der Reiseveranstalter vor Ort in China tätig sein.

[41] Vgl. DZT (2004).

[42] ADS-Reisen sind nur in Gruppen ab mindestens 5 bis maximal 100 Personen möglich. Etwa 1/3 der Gruppenreisen besteht aus Kleingruppen bis 12 Personen (DZT 2004, S.12).

[43] Vgl. DZT (2004).

[44] Vgl. Arlt (2004), S.16.

[45] Arlt 2004, S. 17

Details

Seiten
78
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640540921
ISBN (Buch)
9783640540556
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143169
Institution / Hochschule
accadis Hochschule - Internationale Berufsakademie Bad Homburg
Note
1,0
Schlagworte
Welche Bedeutung Outbound Reisen Volksrepublik China Reisemarkt

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Titel: Welche Bedeutung haben Outbound Reisen aus der Volksrepublik China für den weltweiten Reisemarkt