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Innovation und Technik

Alexanders Techniker und Ingenieure

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 23 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Themeneinführung und Forschungsstand

2 Kurze Geschichte der Entwicklung von Belagerungsmaschinen

3 Einsatz von Technikern und Ingenieuren unter Philipp II.

4 Alexanders Techniker und Ingenieure
4.1 Technische Truppen
4.2 Bekannte Techniker und Ingenieure des Alexanderzuges
4.3 Bau von Belagerungsmaschinen
4.4 Einsatz von Belagerungsmaschinen am Beispiel der Belagerung von Tyrus

5 Welchen Einfluss haben der Einsatz und die Entwicklungen der Techniker und Ingenieure für den Erfolg des Alexanderzuges?

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Themeneinführung und Forschungsstand

Alexander der Große gilt als der größte Feldherr der Geschichte, da er die Perser besiegte, Städte eroberte, bis nach Indien vordrang und seine Soldaten immer wieder motivieren konnte, weiterzuziehen. Er wurde zum Gott hochstilisiert und zum militärischen Vorbild Caesars und Napoleons.[1]

Doch worauf beruhte der Erfolg seines Alexanderzuges, der von 336 bis 323 v.Chr. dauerte? Viele Ursachen begünstigten die Entwicklung der Geschichte Alexanders, die hier kaum dargestellt und nur am Rande erwähnt wird. Um seine Geschichte zu verstehen, ist vor allem die Berücksichtigung der Zeitverhältnisse und der Entwicklung ab 350 v.Chr. bedeutsam.

Ein Thema, das bisher eher am Rande behandelt wurde, ist die technische Entwicklung unter Alexander dem Großen. Die Zeit Alexanders wird heute als Übergangsphase ins hellenistische Zeitalter gesehen, da ein fulminanter Wandel in Politik, Militär, Wirtschaft und Kultur innerhalb von 75 Jahren stattfand (369-310 v.Chr.). In der Technik bzw. Mechanik wurden neue Innovationen geschaffen, die mit der rückständigen Technik der Antike nichts mehr zu tun hatten. Die neuen technischen Entwicklungen prägten sowohl das alltägliche Leben als auch das Militärwesen.

Philipp II., der Vater Alexander des Großen, erkannte als erster die Bedeutung der technischen Möglichkeiten seiner Zeit, um seinen Gegnern überlegen zu sein. Er setzte Belagerungsmaschinen ein und schuf eine eigene technische Truppenabteilung. Bisher waren Belagerungsmaschinen vereinzelt zur Städteverteidigung eingesetzt worden und von geringer Bedeutung. Die ersten Maschinen wurden im Verlauf des 5. Jh. v. Chr. entwickelt.

Die militärischen Erfolge Philipps beruhten auch auf seiner technischen Überlegenheit. Nach dem Tod Philipps setzte Alexander die militärischen Reformen seines Vaters fort und förderte insbesondere den Ausbau der technischen Truppen, die hauptsächlich aus Handwerkern und gebildeten Personen bestanden, die sich mit Mathematik (Trigonometrie/ Geometrie), Mechanik und Architektur beschäftigten.

Ohne die technischen Truppen wäre Alexander vermutlich lediglich ein Feldherr der Klasse seines Vaters gewesen, da er nicht länger als unbezwingbar gegolten, keine übernatürlichen Erfolge erzielt und mit seinem relativ kleinen Heer nicht die halbe Welt unterworfen hätte. Welchen Vorteil Belagerungsmaschinen in der Antike boten, machen sogar heutige Computerspiele deutlich, wie zum Beispiel Age of Empires.

Welchen Einfluss hatten der Einsatz und die Entwicklungen der Techniker und Ingenieure für den Erfolg des Alexanderzuges? Um die Bedeutung der technischen Truppen herausarbeiten zu können, muss eine kurze Geschichte über die militärtechnische Entwicklung der Antike sowie den Aufbau der technischen Truppen unter Philipp II. erfolgen. Im folgenden Hauptteil der Arbeit wird untersucht, wie die Techniker und Ingenieure Alexanders eingesetzt wurden. Dazu werden die technischen Truppen allgemein, aber ebenso bekannte Techniker und Ingenieure Alexanders beschrieben. Im Anschluss werden die technischen Innovationen im Militärwesen anhand der Belagerungsmaschinen vorgestellt. Am Beispiel der Belagerung von Tyros soll deutlich gemacht werden, welche Erfolge die technischen Truppen erzielen konnten, und welche Bedeutung die Ereignisse für das Ansehen Alexanders hatten. Zum Abschluss der Arbeit wird die Leitfrage beantwortet, welchen Einfluss der Einsatz und die Entwicklungen von Technikern und Ingenieuren für den Erfolg des Alexanderzuges hatten.

Zuerst soll der Forschungs- und Quellenstand vorgestellt werden, um den Einstieg in das Thema „Alexanders Techniker und Ingenieure“ zu verdeutlichen.

Die verschiedenen Ansätze der Alexanderforschung, insbesondere des Alexanderbildes, müssen bei dieser Arbeit nur bedingt berücksichtigt werden, da sie keine Auswirkung auf die Geschichte der Techniker und Ingenieure Alexanders haben.

Die Quellenlage zu Alexander dem Großen kann allgemein als gut bezeichnet werden, da durch seine Berühmtheit schon zu Lebzeiten viel aufgeschrieben und verbreitet wurde. Das römische Reich förderte zeitweise einen Alexanderkult, so dass neue Werke verfasst wurden, die auf älteren Berichten und Werken basierten und bis heute überdauern konnten.

Über die Techniker und Ingenieure bzw. die technischen Entwicklungen unter Alexander dem Großen finden sich vor allem bei Arrian, Vitruv, Biton und Athenaus Mechanicos wichtige Abschnitte. Leider wird kaum über die Techniker und Ingenieure berichtet, sondern allgemein über die verschiedenen Konstruktionen von Belagerungsmaschinen und deren Einsatz.

Arrian verfasste die wertvollste und beste Quelle über den Alexanderzug, da er auch frühe Texte und Überlieferungen wie von Aristobulos über Alexander berücksichtigte und als sehr genauer Schreiber galt. Seine Erläuterungen über die Technik sind hingegen nicht sehr ausführlich.[2]

Besonders genau beschrieb Biton Belagerungsmaschinen, und er berichtete über die Konstrukteure. Seine Schrift liest sich wie eine Vorschrift und der Übersetzter A. Rehm stellte fest, dass gleiche Wortbezeichnungen für verschiedene Dinge von Biton benutzt wurden.[3] Des Weiteren ist die Schrift des Biton lückenhaft überliefert und enthält keine genauen Zeitangaben, so dass eine Einordnung schwer fällt. Ob die Konstruktionen in der Alexanderzeit wirklich bekannt waren, bleibt unklar. Ebenfalls interessant sind die genauen Konstruktionsangaben, die einen Nachbau der Maschinen durch General E. Schramm möglich machten.

Lückenhafte Jahresangaben finden sich gleichermaßen bei Vitruv, der die ausführlichste Quelle über die technische Entwicklung Alexander des Großen verfasst hat. Er beschrieb verschiedenste Maschinen und versuchte Definitionen für die zahlreichen technischen Neuerungen herauszuarbeiten.[4]

Ebenso wie Vitruv wertete Athenaeus Mechanicus im 1. Jh. n. Chr. die hellenistische Technikliteratur aus und schrieb über die technischen Errungenschaften, ohne genaue Angaben über Konstrukteure und über Zeiträume zu geben.[5]

Das wichtigste Werk über die technischen Truppen unter Alexander, das leider verloren ist, verfasste Aristobulos, der auch technische Probleme beschrieb.

Diese vier Quellen sind unter anderen die Grundlage für jedes Werk über Alexander den Großen geworden und vor allem für die Erforschung der technischen Truppen unabdingbar.

Bevor allerdings die militärtechnische Entwicklung unter Alexander untersucht werden kann, muss ein Überblick über die Alexandergeschichte vorhanden sein, um den Gesamtzusammenhang zu verstehen.

Als erstes Überblickswerk eignet sich „Philipp II. und Alexander der Große“, das den aktuellen Forschungsstand zu den verschiedensten Kapiteln der Alexandergeschichte darstellt und offene Fragen berücksichtigt.[6]

Ausführlicher beschreibt S. Lauffer die Geschichte Alexanders. Bis heute ist sein Standardwerk die kompakteste und beste moderne Darstellung der Alexandergeschichte.[7] Er löste mit seinem Buch J. Droysen ab, der zu Beginn des 20. Jh. die erste moderne Darstellung der Geschichte Alexanders veröffentlichte und das Alexanderbild prägte.[8]

Nachdem ein Gesamtüberblick der Alexandergeschichte vorhanden ist, eignet sich ein Blick in Bücher über Antike Technik, um erste Erkenntnisse über den technischen Stand der damaligen Zeit zu erhalten.

Eine detaillierte Beschreibung antiker Technik gibt H. Diehls, der viele technische Innovation und deren Weiterentwicklung beleuchtete. Er verzichtete auf eine klare Strukturierung und genaue Datumangaben.[9]

Der Einsatz der technischen Truppen wird unter anderen bei Ganschow beschrieben, der kurze Darstellungen interessanter Entwicklungen gibt, die allerdings zu knapp sind.[10] Ähnliche Werke schrieben auch L. Burckhardt[11] und D. Campbell[12].

Differenzierter gibt P.B. Kern die technische antike Kriegsführung und insbesondere die bedeutungsvolle Belagerung von Tyros wieder.[13]

Diese vier Bücher sind zudem die aktuellsten Werke über Antike Militärtechnik.

Federführend auf dem Gebiet des Einsatzes von Belagerungsgeräten war E. Marsden, dessen Standardwerk das bisherige Wissen von 400 v.Chr. bis 400 n.Chr. zusammenfasst. Er analysiert unter anderem, welchen Einfluss die Artillerie auf die Kriegsführung entwickelte.[14] In einem zweiten Band schuf er eine Quellensammlung aller antiken Autoren, die sich mit Technik beschäftigt haben.[15]

Das einzige Werk, das sich ausschließlich mit dem Militärwesen der Griechen beschäftigt, verfasste wiederum J. Droysen in einem zeitgerechten, militärischen Schreibstil, der den Einsatz der Belagerungsmaschinen und des Alexanderheeres verdeutlicht. Es beruht im Wesentlichen auf der Quelle Arrians.[16]

H. Berve schrieb als einziger ein eigenes Kapitel über die technischen Truppen Alexanders und zitierte dort die oben vorgestellten Quellen.[17] Nach Lauffer prägte er neben J. Droysen wesentlich das heutige Alexanderbild.[18]

Für die Zeit nach Alexander, den Hellenismus, eignen sich die drei Bände von Rostovtzeff, die für das Verständnis eines Gesamtzusammenhanges nützlich sind.[19]

Der Forschungsstand ist ausgeprägt, bietet aber kaum neue Erkenntnisse, da im Grunde jedes Werk auf den überlieferten Quellen und den Standardwerken über Alexander den Großen basieren. Interessant sind allerdings die verschiedenen Schlüsse und Einzelbeschreibungen, die die Autoren bieten.

Eine genaue Beurteilung der Einsatzwirkung und der Entwicklungen der Techniker und Ingenieure für den Erolg des Alexanderzuges wurde bisher nicht gegeben, so dass der Leitfrage der Arbeit nun nachgegangen werden kann.

2 Kurze Geschichte der Entwicklung von Belagerungsmaschinen

Die Technik der Antike war aus heutiger Sichtweise sowohl im Arbeits- als auch im militärischen Bereich sehr primitiv. Die Handwaffen wurden von Zeit zu Zeit zwar immer besser, es wurden aber keine grundlegend neuen Waffen geschaffen, die den Krieg an sich verändert hätten. Vasenvergleiche aus verschiedenen Jahrhunderten zeigten, dass die Soldaten nahezu gleich ausgerüstet waren.[20] Die Aufstellung der griechischen Hoplitenphalanx, der geschlossenen, schwerbewaffneten Schlachtreihe, war die bedeutendste militärtechnische Entwicklung der Antike und vorerst der Hauptgrund für den Aufstieg der griechischen Stadtstaaten. Sie waren in der Feldschlacht nahezu unbesiegbar und erfuhren über 300 Jahre keine größere Veränderungen (Ausnahme makedonische Phalanx) bis die mobileren römischen Legionen sie besiegte.[21]

Auch im Schiffsbereich wurden immer wieder neue Schiffstypen konstruiert, die in den Seeschlachten zum Einsatz kamen.

Eine Belagerung von Städten war meist nur die letzte Maßnahme, um einen Feind endgültig zu besiegen. Die Bewohner wurden durch Circumvallation (Umzingelung der Stadt) ausgehungert. Eine Erstürmung der Städte war nahezu unmöglich, da die Verteidiger auf den Mauern im Vorteil waren. Die „Artillerie“ bestand aus Speeren, Steinen, Schleudern, Äxten, Sturmböcken sowie Pfeil und Bogen.

[...]


[1] Lauffer, Siegfried: Alexander der Große. München 1978, S. 216.

[2] Wirth, Gerhard; Hinüber, Oskar von (Hrsg.): Arrian. Der Alexanderzug. Indische Geschichte. München 1985.

[3] Rehm, A.; Schramm, E.(übersetzt): Bitons Bau von Belagerungsmaschinen und Geschützen, in: Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Abteilung. München 1929.

[4] Goold, G.P.: The Loeb Classical Library. Vitruvius II. London 1999.

[5] Whitehead, David; Blyth, Henry. (Hrsg.): Athenaeus Mechanicus. On Machines. Stuttgart 2004.

[6] Engels, Johannes: Philipp II. und Alexander der Große. Darmstadt 2006.

[7] Lauffer, Siegfried: Alexander der Große. München 1978.

[8] Droysen, Johann Gustav: Geschichte Alexander des Großen. Berlin 1917.

[9] Diels, Hermann: Antike Technik. Berlin 1914.

[10] Ganschow, Thomas: Krieg in der Antike. Darmstadt 2007.

[11] Burckhardt, Leonhardt: Militärgeschichte der Antike. München 2008.

[12] Campbell, Duncan B.: Besieged. Siege Warfare in the Ancient World. Oxford 2006.

[13] Kern, Paul Bentley: Ancient Siege Warfare. Bloomington 1999.

[14] Marsden, E. W.: Greek and Roman Artillery. Historical Development. Oxford 1969.

[15] Ebd.: Greek and Roman Artillery. Technical Treatises. Oxford 1971

[16] Droysen, Johann Gustav: Heerwesen und Kriegführung der Griechen. Freiburg 1889.

[17] Berve, Helmut: Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. Bd. 1. München 1926.

[18] Lauffer, S. 228.

[19] Rostovtzeff, Michael: Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt. Bd. 1-3. Darmstadt 1955.

[20] Ganschow, S. 52.

[21] Snodgras, Anthony: Wehr und Waffen im antiken Griechenland. Mainz 1984, S. 240 u. S. 260.

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640526604
ISBN (Buch)
9783640526871
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143213
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Alte Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Innovation Technik Alexanders Techniker Ingenieure

Autor

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