Lade Inhalt...

Einführung in die Hypnotherapie

Wissenschaftliche Fundierung und praktische Anwendung

Skript 2010 137 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Geschichte der Hypnose
Pater Gassners hypnotische Techniken der Scherzkontrolle
Die Epoche des Hypnotismus und der Suggestion
Die Epoche der deutschen arztlichen Hypnose und des autogenen Trainings
Moderne Hypnotherapie nach Milton Erickson

Buhnenhypnose und Konzepte moderner Hypnotherapie
Buhnen- und Showhypnose
Barabasz, A. F. (2004). Hypnose-Konzepte: Fragen und Durchbruche in der Forschung
Spiegel, D & Kosslyn, S (2004) Glauben ist Sehen: Die Neurophysiologie der Hypnose
Halsband, U. (2004). Mechanismen des Lernens in Trance: funktionelle Bildgebung und Neuropsychologie

Trance, Suggestion und Suggestibility
Was zeichnet den hypnotischen Zustand aus?
Suggestibilitatsmessung
Ein modernes Messverfahren: Der Freiberger Imaginations-, Relaxations- und Suggestibilitatstest (FIRST) von Scholz (2002)
Raz, A (2007). Suggestibility and Hypnotizability: Mind the Gap

Suchterkrankungen
Hypnotherapeutische Raucherentwohnung mit„Smokex®'
Potter, G (2004). Intensive Therapy: Utilizing Hypnosis in the Treatment of Substance Abuse Disorders
Beiglbock, W & Feselmayer, S (1994). Hypnotherapie mit Suchtkranken - Theoretische Modelle und therapeutische Konzepte
Gerl, W. (1997). Hypnotherapeutische Raucherentwohnung - Was macht sie effektiv?

Depression
Ablauf einer hypnotherapeutischen Behandlung depressiver Patienten
Yapko, M (2001). Hypnosis in Treating Symptoms and Risk Factors of Major Depression
Yapko, M (2001). Hypnotic Intervention for Ambiguity as a depressive Risk Factor

Angststorungen
Einleitung
Interventionsschritte zur Therapie von Angststorungen
Janouch, Paul (1997). Hypnotherapie bei Angststorungen
Prior, M. (1991). Ericksonsche Hypnose in der Behandlung von Klienten mit Prufungsangsten

Woddy, Z; Lewis, V; Snider, L; Grant, H; Kamath, M; Szechtman, H (2005). Induction of compulsive-like washing by blocking the feeling of knowing: an exerimental test of the security-motivation hypothesis of Obsessive-Compulsive
Disorder

Posttraumatische Belastungsstorungen
Hypnotherapie bei PTBS
Appel, PR (1999). A Hypnotically Mediated Guided Imaginary Intervention for Intrusive Imaginery: Creating Ground for Figure

Psychosomatik
Vorgehen bei psychosomatischen Patienten
Schlafstorungen
Walter, H; Lesch, OM; Stohr, H; Grunberger, J; Gutierrez-Lobos, K (2006). Reaction to Pain Stimulus Before and During Hypnosis Measured by Pupillary Reaction

Hypnotherapie bei Kindern und Jugendlichen
Cohen, D; Olness; K; Colwell S. & Heimel, A. (1990). Entspannung und mentales Vorstellungstraining in der padiatrischen Sprechstunde. Selbsthypnose in der Behandlung von 505 Kindern und Jugendlichen
Anbar, RD & Slothower, MP (2006). Hypnosis for treatment of insomnia in school-age children: a retrospective chart review

Hypnose in der Somatik
Fallbericht: Reduzierung der Blutungen unter Narkose
Fallbericht: Behandlung einer Zahnbehandlungsangst
Riegel, B (2009). Adjuvanter Einsatz der Hypnotherapie in der Behandlung onkologischer Patienten

Leistungssteigerung im Sport
Mentales Training
Lidgett, DR (2000). Enhancing Imagery Through Hypnosis: A Performance Aid for Athlets
Morton, PA (2003). The Hypnotic Belay in Alpine Mountaineering: The Use of Self-Hypnosis for the Resolution of Sports Injuries and for Performance Enhancement

Ablauf einer hypnotherapeutischen Sitzung

Kompetenz eines Hypnotherapeuten

Ubungen

Glossar

Vorwort

Dieses Skript soll einen Uberblick uber die Entwicklung und die wichtigsten Anwendungsgebiete der Hypnotherapie geben. Dabei wurde auf eine Mischung aus praktischen Beispielen und wissenschaftlichen Texten geachtet, um den universitaren Anspruch, aber auch den studentischen Erwartungen an „Handwerkszeug" gerecht zu werden. Solch ein Spagat ist sicherlich nur durch die Akzeptanz von Redundanz moglich, kann aber gerade deswegen Neugier wecken, sich daran anschlieRend vertieft mit speziellen Gebieten dieses kreativen und konstruktiven Ansatzes zu beschaftigen.

Die vorliegende Version dieses Skriptes kann auf die Erfahrung von mehreren Semestern des Seminars „Einfuhrung in die Hypnotherapie" an der Universitat Hamburg zuruckblicken. In der ursprunglichen Fassung befanden sich mehr Arti- kel und weniger praktisch orientierte Texte - das aber auf immerhin mehr als 170 Seiten.

Meine Beobachtung der Nutzung dieser ersten Fassung zeigte, dass sich die vorwiegend studentischen Leser aber weniger interessiert auf die (z.T. englisch sprachigen) Forschungsberichte sturzten, sondern fur die groRtenteils sehr guten Prasentationen die Anwendung bei den verschiedenen Storungsbildern fokussierten. Auch die fruchtbaren Dis- kussionen, Fragen und kritischen Einwande in den Seminaren flossen in diese uberarbeitete Fassung ein.

Solch ein umfassendes Skript - und insbesondere die Uberarbeitung in Buchform - bedeutet eine Menge Arbeit, stellt aber dafur auch eine fundierte Grundlage fur die fachliche Auseinandersetzung mit der Hypnotherapie dar. Neben dem Leserkreis der Seminarteilnehmer ist dieses Buch auch fur die selbststandige Auseinandersetzung mit dem Thema gedacht, zumal es nur an wenigen Universitaten eine Veranstaltung zur Hypnotherapie im Vorlesungsplan enthalten ist.

Ich mochte daher fur die Erstellung des Skriptes den Herausgebern der beiden Journals („Hypnose und Kognition" der Milton Erickson Gesellschaft Deutschland und „American Journal of Clinial Hypnosis" von der American Society of Clini­cal Hypnosis) danken, die mir den Nachdruck der Artikel erlaubten, die ich fur hilfreich hielt, um ein grundlegendes Ver- standnis fur die Hypnotherapie zu erhalten. Ich habe mich bewusst dafur entschieden, englisch sprachige Artikel aufzu- nehmen und auf eine Ubersetzung zu verzichten, da im anglo-amerikanischen Raum eine konstruktive Forschungskultur herrscht, die in Deutschland zumindest im Hypnose-Bereich noch am Entstehen ist.

Und ich mochte all den Autoren danken, die ebenfalls einer erneuten Veroffentlichung ihrer Werke zustimmten. Die Danksagung ist jedoch nicht hierarchisch geordnet, denn auch die Teilnehmer meines Einfuhrungsseminars an der Universitat Hamburg haben seit der ersten Veranstaltung im Oktober 2007 einen groRen Einfluss auf die Entwicklung dieses Skripts gehabt. Selbst die Idee, ein solches Uberblickswerk zu schaffen, entstammt der ersten Seminargruppe, die noch nicht den Vorzug hatten, auf ein Skript zuruckzugreifen. Nicht zuletzt mochte ich meiner lieben Elena fur die Mitarbeit in der Erstellung und Bearbeitung des Manuskriptes danken.

Nun bleibt es mir noch, dem Leser oder der Leserin viel Freude und vor allem viele anregende Gedanken mit dem vor- liegenden Buch zu wunschen.

Ellerau im Januar 2010 Bjorn Riegel

Geschichte der Hypnose

Die Geschichte der Hypnose ist eng mit der Geschichte der Psychotherapie, wie wir sie heute kennen, verwoben. Erste Beschreibungen hypnotischer Techniken reichen bis weit vor Christi Geburt zuruck, z.B. in China oder in Griechenland. Zahlreiche Autoren (s. Peter, 2000) bezeichnen die Behandlungsmethoden des bayrischen Pater Gassner als den Be- ginn der modernen Hypnose. Diese wiederum hatte bedeutsame Einflusse auf die Entwicklung der Psychoanalyse, wie im Folgenden aufgezeigt wird.

Pater Gassners hypnotische Techniken der Scherzkontrolle

Pater Johann Joseph Gassner (1727 - 1779) ist in der heutigen Hypnoseliteratur nur noch wenig beachtet. Er vertrat eine magisch-mystische Krankheitslehre, die auf einer externen Verursachung von Krankheiten basierte: fur naturliche Krankheiten waren stellare Krankheitskeime verantwortlich; ubernaturliche (aus heutiger Sicht „seelische") Krankheiten waren durch Diaboli verursacht. Damit konstituierte er das sogenannte therapeutische Tertium, jene „dritte Figur", die Therapeut und Patient gemeinsam konstruieren, um sich auf sie als die eigentliche heilende Kraft beziehen zu konnen. Wohl und Wehe des Menschen hangen ab vom Kampf der guten gegen die bosen Machte dieser Welt. Gassner verhilft seinen Patienten dazu, sich mit den himmlischen Machten zu verbunden und so den Kampf gegen das Bose zu gewin- nen. In Bezug auf Gassners Exorzismus muss man den soziokulturellen Kontext des ausgehenden 18. Jahrhunderts betrachten: Gassner und seine "altglaubigen", d.h. orthodox-religiosen Anhanger lebten im Gedankengebaude des fun- damental-katholischen Mittelalters. Der entsprechende zeitgemaRe Rahmen war der Exorzismus. Die folgenden Ausfuh- rungen uber Gassners Psychotherapie, bei der es sich um Einubung von Selbstkontrolltechniken handelt sind in Teilen der umfangreichen Darstellung von Peter (2000) entnommen.

Beschreibung des Vorgehens

„Ueber Gassners Heilmethoden" von C.A. von Eschenmayer, abgedruckt in Band 8, Heft 1 des Archiv fur den Thierischen Magnetismus von 1820 (S. 86 ff): „Er sitzt auf einem kleinen Schlafsessel mit einer Stole uber seine Kleider angethan, an seinem Halse hangt ein Kreuz, an seiner Seite steht ein Tisch, worauf ein Krucifix sich befindet und um den Tisch herum steht eine Reihe Sessel fur die hohen Standespersonen [welche den Behandlungen beiwohnten und sie bezeugten]. Ein Aktuarius muss die merkwurdigen Vorgange protokollieren. Die dem Priester vorgestellte kranke Person kniet nieder, er fragt sie uber die Gattung und Umstande ihrer Krankheit. Hat er genug um ihren Zustand sich erkundigt, so spricht er einige Worte zu Erweckung des Vertrauens an sie und ermahnt sie, ihm innerlich beizustimmen, dass alles geschehe, was er befehle. Ist alles so vorbereitet, so spricht er: Wenn in dieser Krankheit etwas Unnaturli- ches [d.h. sie psychisch bedingt] ist, so befehle ich im Namen Jesu, dass es sich sogleich wieder zeigen solle [...] Diess Verfahren nennt der Priester den Exorcismum probativum, um zu erfahren, ob die Krankheit unnaturlich oder naturlich ist [psychogen oder somatogen], und zugleich hat er die Absicht, durch diese Uebereinstimmung der Erscheinungen mit seinen Befehlen das Vertrauen der Kranken zu vermehren und allen Anwesenden die Kraft des heiligen Namen Jesu offenbar zu machen. Wenn sich das Uebel auf den ersten gegebenen Befehl nicht zeigt, so wiederholt er denselben immer steigend wohl bis zehnmal. Erfolgt dann keine Wirkung, so verschiebt er diese Person auf den anderen Tag oder noch spater, oder er schickt sie auch ganz zuruck, mit der Aeusserung, dass ihr Uebel naturlich [d.h. korperlich bedingt] sey, oder sie nicht hinreichend Vertrauen besitze. Wenn der Priester durch den Exorcismum probativum das Uebel zum erstenmal kommen lasst, so lasst er gewohnlich die Zufalle [Symptome] etliche Minuten fortdauern; dann lasst er sie wieder verschwinden und wiederkommen immer unter den gleichen Befehlen. Ist der Kranke von der Ursache des Ue- bels und der Kraft des Mittels dadurch uberzeugt, so lehrt er ihn, sich kunftighin selbst zu helfen und lasst ihn in seiner Gegenwart die Probe machen. Zu diesem Zweck befihlt er der Krankheit wiederzukommen und nun muss der Kranke durch einen entgegengesetzten Befehl, den erinnerlich im Namen Jesus giebt, den Ausbruch verhindern, oder, wenn der Anfall schon da ist, ihn vertreiben."

Nach Exploration und Diagnose erfolgte die eigentliche Therapie des Pater Gassner in drei Schritten:

1. Zunachst war es Pater Gassner selbst, der die Symptome absichtlich und willkurlich bei seinen Patienten sowohl provozierte als dann auch „durch einen entgegengesetzten Befehl" wieder zum Verschwinden brachte. Dieses Provozie- ren und darauffolgende „Austreiben" der Symptome dauerte gelegentlich mehrere Stunden mit Wiederholungen am gleichen oder an anderen Tagen.
2. Dann unterwies er die Kranken, ihre Symptome auf die gleiche Weise wie er, also mit Hilfe der (Exorzismus-)Formeln, selbst zum Verschwinden zu bringen, nachdem er, Pater Gassner, sie zuvor provoziert hatte. Auch dies geschah mehre- re Male hintereinander.
3. Zur Ubertragung auf den Alltag, gewissermassen als posthypnotische Suggestion oder verhaltenstherapeutische Hausaufgabe fur den Fall, dass Symptome unprovoziert auftauchten sollten, lehrte er die Kranken, das gleiche Verfah- ren anzuwenden, um die Symptome auch zu Hause wieder zum Verschwinden zu bringen.

1774 bis 1777 fand die bedeutendste Auseinandersetzung der Aufklarung im suddeutschen Raum statt. Im Zentrum stand Gassner und sein „Exorzismus"; zu den beteiligten Personen gehorte u.a. auch Franz Anton Mesmer, der von einigen aufgeklarten Mitgliedern der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Munchen instrumentalisiert wurde, gegen Gassner Stellung zu beziehen. Gassners therapeutische Erfolge sind nicht zu leugnen, wenn sich auch nur als Kurieren am Symptom - also nicht als „kausale Therapie" anzusehen sind -, denn mit seiner Theorie konne er die „Ur- sachen" nicht erkennen. Also wurde aufgrund dieser Stellungnahme Mesmers vor der Bayerischen Akademie der Wis­senschaften in Munchen Gassners Exorzismen in Bayern untersagt. Mesmer konnte damals naturlich nicht wissen, dass ihm 1784 in Paris ein ahnliches Urteil ereilen sollte wie Pater Gassner 1775 in Munchen: Nicht zu leugnende therapeuti­sche Erfolge, aber theoretischer Unsinn. Unterschiede zwischen GaRner und Mesmer Gassners relativ differenziertes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen steht naturlich in offenkundigem Gegensatz zu Mesmers Universalsys- tem, welches besagt, dass alle Krankheiten, seelische wie korperliche, durch eine einzige Ursache - namlich die Sto- rung des thierisch-magnetischen Gleichgewichts - bedingt und in Folge dessen auch durch eine einzige Methode, die des Mesmerisierens, zu behandeln seien.

Gemessen an Gassner muss Mesmers Praxis als Ruckschritt betrachtet werden. Gassners spezielle Form von Ein- ubung in Selbstkontrolle steht unseren heutigen Vorstellungen von Hypnotherapie und Psychotherapie wesentlich naher als Mesmers Methoden der (anfanglichen) Applizierung von Eisenmagnete, der passes („Luftstriche") oder des magneti- sierten Baquets („Gesundheitszuber"). Mesmers Behandlung fusste auf eher physikalische Annahmen zur Wirkung der Magnetkrafte: Krankheiten entstehen durch Storungen des animalischen Magnetfeldes. Jeden Menschen durchfliesst ein universelles Fluidum, welches durch den Einfluss der Himmelskorper in Gleichgewicht gehalten wird. Da zu der damaligen Zeit die Imagination oder Einbildungskraft als Wirkmechanismus verpont war, stellte Mesmers Theorie eine quasi naturwissenschaftliche Erklarung dar, zumal der Magnetismus zu den bedeutensten Stromungen der Zeit gehorten. Nachdem Mesmer in Wien praktizierend in einer aufsehenerregenden Behandlung die psychogene Blind- heit der bekannten Kunstlerin Maria Paradies nicht langfristig heilen konnte, geriet er ins Kreuzfeuer der Kritik und wan- derte schlieRlich ins liberalere Paris aus. Dort war er in den oberen Gesellschaftsschichten ausserst beliebt, jedoch wurde auch in Frankreich die Theorie eines animalischen Fluidums 1784 von der wissenschaftlichen Kommission ver- worfen. Als neue Erklarung seelischer Erkrankungen diente - man staune - die Einbildung, also eine rein psychologi- sche Komponente. Nachdem Mesmers Theorien mehr als zwei Jahrzehnte in Ungnade fielen, wurde der Magnetismus zu Beginn des 19. Jh. als „wichtige Naturbeziehung" fur die praktische Heilkunde wieder entdeckt, was als spate Rehabi­litation des inzwischen verstorbenen Mesmers gesehen werden kann.

Die Wirkung des Magnetismus wird folgendermassen beschrieben, wobei man die Analogien zur klassischen Hypnose beachten sollte:

Storfeldortung: „Es geschieht mit der Hand die erste Anwendung, indem man dieselbe uber den in Stockung geratenen Theil, welcher sich gemeiniglich durch eine leichte im Innern der Hand wahrgenommene Warme merkbar macht, fuhrt und alldas verweilen lasst."

Storfeldbeeinflussung: „Hat man sich vorlaufig darin sicher gestellt, so beruhre man bestandig die Ursache der Krank­heit, unterhalte die symptomatischen Schmerzen bis man sie in kritische verwandelt. Hierdurch unterstutzt man die An- strengung der Natur gegen die Ursache der Krankheit, und fuhrt sie zu einer heilsamen Krise, das einzige Mittel, von Grund aus zu heilen."

In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts machte der Marquis de Pyusegur, ein Schuler Mesmers, bei seinen Behand- lungsversuchen Beobachtungen, die sich nicht mit den beim Magnetisieren beobachteten Phanomenen Mesmers deck- ten. Er berichtete von einem Bauern, der nach dem Magnetisieren uberhaupt nicht die hysterische Verhaltensweise zeigte, die er von Patienten Mesmers her kannte. Vielmehr blieb der Bauer ruhig und uberlegt. In diesem traumwandleri- schen, somnabulen Zustand glaubte dieser, er konne in seinen eigenen Korper und in den anderer Menschen sehen und dort Krankheiten diagnostizieren und die notigen Heilmittel verordnen. Ein Teil der in dieser Zeit praktizierenden Arzte und Heilern folgte den naturwissenschaftlich anmutenden Theorien Mesmers, andere waren den sprituellen Erkla- rungsversuchen des "Somnabulismus" zugetan, die dem Wirken der Somnabulen einer gottlichen Kraft zuschrieben. Letztlich bekam die Seele durch diese Entwicklung eine vom Leib unterschiedene Identitat. Ab 1850 lieR der Einfluss des Magnetismus in Deutschland nach, da der Aufwand der Heilung zu groR und damit unwirtschaftlich war. Zudem waren die Gefahren bekannt und der wissenschaftliche Rationalismus hielt Einzug, bei dem der Somnambulismus kei- nen Bestand haben konnte. In der Psychiatrie wurden in der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts Krankheiten nahezu ausschlieRlich somatisch betrachtet und behandelt.

Die Epoche des Hypnotismus und der Suggestion

Der schottische Chirurg James Braid pragte 1843 den Begriff des Monoideismus (=Konzentration auf einen Gedanken), nachdem er der Vorstellung eines Laien-Magnetiseurs beiwohnte. Der Terminus „Hypnose" entstammt der Ansicht, dass es sich bei dem „magnetisierten" Zustand um eine Art des Schlafes handelt. Die Ideen Braids wurden erst ca. 30 Jahre spater in Deutschland bekannt, jedoch wurde insbesondere die Fixationsmethode (z.B. die klassische Tranceinduktion mit einem Pendel) mit dem Magnetismus verwoben und der Scharlatanerie zugeschrieben. Hypnose bildete demnach das Gegenstuck zur physikalischen Fluidumstheorie Mesmers.

Braid identifizierte Reizmonotonie als wesentliche Bedingung fur Hypnose. Der induzierte Zustand wurde vorrangig neurophysiologisch mit Tierexperimenten erforscht, hatte in dieser Phase aber nur geringen praktischen Wert. Eine fruchtbare und einflussreiche Debatte fand Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich zwischen den Schulen von Nancy (Bernheim & Liebault) und der Salpetriere (Charcot) statt. Charcot beschaftigte sich mit der Schreckhypnose, also dem evozieren hysterischer Phanomene, wahrend in Nancy Liebeault und Bernheim die psychotherapeutische Anwendung lehrten (autoritare Hypnose).

Es galt als state of the Art, beide Schulen besucht zu haben. Freud war bei Charcot, den er sehr bewunderte, ubersetzte aber auch Bernheims „Die Suggestion und ihre Heilwirkung" ins Deutsche. Der Begriff der Suggestion lasst sich aus dem Latein am ehesten als 'Einflusterung' oder aus dem Englischen als ,Vorschlag' ubersetzen.

Theorie der Schule von Nancy:

1. Suggestion als Akt, durch den eine bestimmte Idee dem Gehirn aufgedrangt und von diesem akzeptiert wird.
2. Wenn eine Idee akzeptiert wird, so besteht entsprechend dem Gesetz der Ideodynamik (vgl. bspw. die Schriften von William James) eine unmittelbare Tendenz zu ihrer Verwirklichung.
3. Da im normalen Zustand die Idee nur „sub beneficio inventarii" (also nach Zensur) angenommen wird, ist eine be­stimmte suggestible Disposition des Empfangers notig (Befehlsgehorsam, Gehirngefugigkeit, Glaubigkeit).

Der artifizielle, hypnotische Schlaf fordert die Suggestibilitat, wobei Bernheim davon ausgeht, dass der hypnotische Zustand mit Schlaf nichts gemein hat, der Hypnotisierte jedoch aufgrund einer posthypnotischen Amnesie denkt, er habe geschlafen. Zudem erfuhr der Rapport-Begriff eine Umwandlung: Wahrend Mesmer die Wirkung des Kontakts zwischen Behandler und Krankem als rein physiologische Reaktion ansah, bezogen sich die Theoretiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf die psychische Einwirkung. Seelische Vorgange konnen nun in bewusste und unbewusste Prozesse unterteilt werden, so dass sich bspw. Ober und Unterbewusstsein; Wach- und Traumbewusstsein unterscheiden lassen. Nach dem Magnetismus und dem Somnambulismus entstand zum dritten Mal die Hoffnung, den Menschen im Ganzen erklaren zu konnen, was von den Pionieren der Psychologie (z.B. Wundt) harsch kritisiert wurde, da eine physiologische Psychologie Hypnose nicht erklaren konne.

Nachdem Freud infolge seiner Hospitation bei Charcot ein bekennender Bewunderer des franzosischen Arztes wurde, spielte er eine bedeutsame Rolle im Niedergang der Hypnose zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In den „Studien zur Hys- terie" beschreibt er 1893 noch sein Vorgehen mittels Hypnosetechniken zur Aufdeckung verdrangter Erlebnisse. Jedoch erkannte er schnell, dass sich die gewunschten Resultate auch in einem konzentrierten Wachzustand erreichen lassen. Somit wurde aus der Hypnose die Technik des Freien Assoziierens geboren. Gleichzeitig wendete sich Freud von der Hypnose ab. Ein anderer Grund fur das zuruckgehende Interesse kann auch in der Konzentration auf die neurophysio- logische Forschung gesehen werden, die zur damaligen Zeit nicht in der Lage war, hypnotische Prozesse zu erfassen und zu erklaren.

Die Epoche der deutschen arztlichen Hypnose und des autogenen Trainings

Der Erste Weltkrieg sorgte fur eine partielle Renaissance der Hypnose, da bspw. ein junger Arzt namens Johannes H. Schultz die Erfahrung machte, mit Hypnose die traumabedingten Storungen der Frontkampfer effektiv heilen zu konnen. Schulz identifizierte dabei basale Wirkmechanismen, die als Axiome des neu entstandenen Autogenen Trainings gelten konnen. ,Schwere' wird mit dem Erleben von Muskelentspannung gleichgesetzt und ,Warme' als Erweiterung der Kapil- laren angesehen. Dies bildet den Ansatzpunkt einer ubenden Form der Autohypnose, welches die Heterohypnose nach und nach ersetzte. Das Anliegen von Schultz war es, eine Art Psychotherapie fur die Massen anzubieten, da es zu Be- ginn des 20. Jahrhunderts lediglich die Psychoanalyse gab, die jedoch nicht flachendeckend angeboten wurde und teuer war. Das nationalsozialistische Regime integrierte diesen Ansatz in den damaligen Zeitgeist, indem das Autogene Trai­ning „zur Gesundung des Volkskorpers" dienen sollte. Obwohl sich das Autogene Training steigender Beliebtheit erfreu- te, ist Hypnose bis in die 1970er in Deutschland praktisch nicht existent (Ausnahmen: z.B. D. Langen „gestufte Aktiv- hypnose" oder H. Leuner„Katatymes Bilderleben").

In den 60er Jahren loste die Verhaltenstherapie den alleinigen Anspruch der Psychoanalyse ab, ehe es in den 70er Jahren zu einem regen Import psychotherapeutischer Methoden aus den USA kam, v.a. humanistische Verfahren. 1978 erschien die deutsche Obersetzung eines einflussreichen Buchs Ericksons („Die Psychotherapie Milton H. Ericksons"), die der deutschen Therapieszene zeigte, wie effektiv man mit hypnotherapeutischen Techniken arbeiten kann. Die her- ausragenden Merkmale ericksonianischer Psychotherapie sind Patientenzentriertheit, Ressourcenorientierung statt Pathologiefixierung, Flexibilitat und Kreativitat, Reziproke Beziehungsgestaltung statt Machtgefalle sowie Betonung der Fahigkeiten des Unbewussten. Ab 1977 findet in Deutschland eine Ausbildung in klinischer Hypnose nach Erickson, 1978 kam es zur Grundung der deutschen Milton Erickson Gesellschaft.

Hypnose ist also...

...eines der altesten Heilverfahren der Menschheit

...wissenschaftlich fundiert (Hypnotherapie)

...relativ einfach zu erlernen

.die Bezeichnung fur Techniken zum Erreichen des Trance-Zustandes Trance ist.

.ein alltaglicher Zustand

.Aufmerksamkeitsfokussierung

.ein produktiver Zustand

.von nahezu jedem Individuum erreichbar

Moderne Hypnotherapie nach Milton Erickson

Der moderne Ansatz hypnotherapeutischen Vorgehens geht auf den amerikanischen Psychiater Milton Hyland Erickson zuruck, der bereits in seiner Studienzeit in den fruhen 1920ern bei Clark Hull erste Erfahrungen sammelte und Studien zur Wirkung der Hypnose durchfuhrte. Trotz seiner lebenslangen Lehrtatigkeit zu diesem innovativen Vorgehen wollte er nie eine eigene Therapieschule grunden, sondern propagierte eine integrative Psychotherapie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beziehung zwischen Bewussten und Unbewussten

Das Unbewusste findet am ehesten Entsprechung im Unterbewussten (Freud) oder im impliziten Wissen (kognitive Psychologie). Im Unbewussten sind alle Potentiale und alle Ressourcen gelagert, zudem noch Wissen, welches dem bewussten Verstand nicht zuganglich ist. Wahrend das Bewusstsein im Wachzustand „bewusst" gelenkt und gesteuert wird, arbeitet das Unbewusste autonom. Als Beispiel lassen sich Vorgange im autonomen Nervensystem des Korpers oder die Steuerung physiologischer intracorporaler Prozesse nennen.

Der theoretischen Annahme Erickons folgend, regiert das Bewusstsein im Wachzustand, ist rigide und eingeschrankt. Das Bewusste hat nicht die Moglichkeit auf das unbewusste Wissen zuruckzugreifen und sich dessen Vorteile nutzbar zu machen. Raucher haben beispielsweise alle notigen Potentiale zur Abstinenz in sich, aber das rigide Bewusstsein hat Schwierigkeiten, diese abzurufen.

Diese Rigiditat in Denk- und Verhaltensmustern gilt es mittels hypnotherapeutischer Techniken zu unterbrechen und zu modifizieren.

Erickson (1989) uber Hypnotherapie:

„LernprozeR, ein Umerziehungsverfahren fur den Patienten. Dauerhafte Resultate ergeben sich in der Hypnotherapie nur durch die Aktivitat des Patienten. Der Therapeut stimuliert den Patienten lediglich zur Aktivitat, oft ohne zu wissen, welcher Art diese Aktivitat sein mag, und dann leitet er den Patienten und bestimmt aufgrund seines klinischen Urteils, wieviel Arbeit geleistet werden muss, um die gewunschten Resultate zu erzielen. Die richtige Leitung und Beurteilung ist das Problem des Therapeuten, wahrend der Patient die Aufgabe hat, durch eigene Anstrengungen seine Erlebniswelt auf neue Weise verstehen zu lernen. Eine solche Umerzie- hung muR naturlich in Einklang mit den Lebenserfahrungen, den Erkenntnissen Erinnerungen, Einstellungen und Ideen des Patien- ten stehen und darf nicht von den Vorstellungen und Meinungen des Therapeuten diktiert sein."

"Trance als schopferischer Augenblick tritt ein, wenn ein gewohntes Assoziationsmuster unterbrochen wird; es kann sich um eine spontane Unterbrechung oder Lockerung des gewohnten Assoziationsprozesses handeln; der Ausloser kann ein psychischer Schock, ein uberwaltigendes sensorisches oder emotionales Erlebnis sein. Er ist als Augenblick der „Faszination" oder des „Sich- Verliebens" erlebbar, in dem die Lucke im BewuRtsein durch das Neue ausgefullt wird. Bartlett hat beschrieben, wie man sich die Genese des originalen Denkens vorstellen kann: Als das Fullen geistiger Lucken. Das Neue, das in schopferischen Augenblicken entsteht, ist somit die Grundeinheit des originalen Denkens und der Einsicht sowie der Personlichkeitsentwicklung."

Wissenschaftlichkeit / kassenarztliche Anerkennung

Untersuchungen der Split-Brain-Forschung haben gezeigt, dass in Trance die Hemispharenaktivitat verschoben ist. Die Hypothese dazu besagt, dass der dominante Denkstil verlassen wird und die raumliche, bildhafte, musikalische, ganz- heitliche intuitive Verarbeitung mehr zur Geltung kommt (rechte Hemisphare). Es zeigte sich, dass Personen mit lang- jahriger Erfahrung in Selbsthypnose imstande waren, schon nach wenigen Sekunden eine Gedankenleere, Gedanken- stille einkehren zu lassen. Alle Endhirnzonen waren deaktiviert oder ausgeschaltet, die Zonen, auf die wir nicht unsere Aufmerksamkeit gerichtet hatten. Unter Hypnose nehmen wir nur das wahr, worauf wir uns gerade konzentrieren. Alles andere, so auch der Schmerz, wird ausgeblendet.

Es existieren zahlreiche Studien zur Effektivitat hypnotherapeutischer Behandlungsverfahren. Eine Zusammenstellung findet sich bei Revenstorf (2003). Diese Wirksamkeitsforschungen hat auch das Bestreben, eine Anerkennung zum kassenarztlichen Verfahren zu erwirken. Derzeit ist das Fortbildungscurriculum fur Arzte und Psychologen anerkannt und kann als Zusatzleistung (u.a. im Rahmen einer Verhaltenstherapie) bei den Krankenkassen abgerechnet werden.

Literatur

Erickson, MH & Rossi, E (1989). Hypnotherapie: Aufbau-Beispiele-Forschung. Munchen: Pfeiffer

Peter, B (2000). Die wirksame Psychotherapie des Teufelsbanners Johann Joseph Gassner um 1775. Hypnose und Kognition 17(1+2), 19-34 Revenstorf, D (2003) Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung des Verfahrens Hypnotherapie; zu finden auf www.meg-hypnose.de

Buhnenhypnose und Konzepte moderner Hypnotherapie

Buhnen- und Showhypnose

Klienten haben haufig eine uberhohte Erwartung an die Wirkung von Hypnose, die der vielmals einseitigen Darstellung verschiedener Medien und dem Ruf der Buhnenhypnose entstammt. Daher weisen zahlreiche Autoren auf eine Klarung von Vorurteilen vor Beginn der Therapie hin.

Das Ziel des Showhypnotiseurs ist Entertainment, mit dem er seinen Lebensunterhalt verdient. In der Selbstdarstellung und Werbung behaupten sie, uber Fahigkeiten zu verfugen, die eine Willenskontrolle ermoglichen. Dagegen ist „Macht" kein Wesenszug der Hypnose und existiert lediglich in der Vorstellung derer, die daran glauben. Der Wirkmechanismus der Buhnenhypnose kann als unterhaltsam verpackter Suggestibilitatstest gesehen werden, in dessen Verlauf die scheinbare Macht des Hypnotiseurs demonstriert wird und all jene Versuchspersonen aussortiert werden, die zu den Hochsuggestiblen gehoren. Mit diesen Teilnehmern werden dann Experimente und Vorfuhrungen durchgefuhrt. Die so demonstrierten Phanomene konnen jedoch auch ohne Anwendung von Hypnose bei Versuchspersonen hervor- gerufen werden. Wenn der Kontakt und die Kommunikation zwischen dem Entertainer und dem Probanden abreissen, wandeln sich die hypnotischen Phanomene in klinische Symptome um und es bedarf einer (hypno-)therapeutischen Bearbeitung, welche wiederum Zeit und entsprechende Kompetenz voraussetzt. Beides ist auf der Buhne und beim Buhnenhypnotiseur in der Regel nicht gewahrleistet. So kommt es immer wieder zu „Unfallen" bei der Buhnenhypnose, was auch der Grund fur gesetzliche Verbote bspw. in GroRbritannien oder skandinavischen Landern ist.

Missbrauch und Willenlosigkeit unter Hypnose

Befragt man potentielle Klienten nach dem bestehenden Wissen uber hypnotherapeutische Verfahren, so wird die Angst vor Missbrauch am haufigsten genannt. Man befurchtet, dass man in Trance willenlos wird und zu Handlungen bewegt wird, die man nicht kontrollieren kann oder die im schlimmsten Fall gegen die bewusst bestehenden Oberzeugungen und Werte sind. Im Folgenden sind je zwei Zitate aufgefuhrt, die fur bzw. gegen diese Vorurteile sprechen.

Liebeault (1893): „Das hervorstechende Charakteristikum dieses Zustandes (des hypnotischen Schlafes) ist die absolute Unfahig- keit des Individuums, sowohl die Verbindung mit der AuRenwelt durch seine Sinne, als die mit sich selbst durch Nachdenken auf- rechtzuerhalten. Nicht einmal der Versuch hierzu ist ihm moglich. Der Patient ist eine Marionette mit einer einzigen Vorstellung geworden und hat seine Willenskraft verloren."

Tourette (1889): „Das Individuum in Katalepsie und besondere in Lethargie kann sehr leicht der Lusternheit des Magnetiseurs zum Opfer fallen; der Somnambule kann in den Handen eines Gewissenlosen zum unbewussten Werkzeug werden, das nicht zur Ver- antwortung gezogen und unter Umstanden sehr gefahrlich werden kann; denn er ist leicht fur die verschiedensten Befehle zugang- lich."

Delboef (1896): „...es scheint mir nicht moglich, ein Subjekt zu Handlungen zu veranlassen, welche es nicht einmal im Traum begehen wurde."

Schilder und Kauders (1926): „...der Hypnotisierte, der Beeinflusste sind also keineswegs willenlose Werkzeug des Beeinflussen- den. Verlangt man von einer tief hypnotisierten Person Unbilliges, was ihrem Gesamtwillen, ihrer Gesamtpersonlichkeit widerspricht, so... verweigert (sie) trotz der tiefen Hypnose...(oder) wacht aus der Hypnose auf."

Die Frage, ob man einen Menschen unter Hypnose zu Handlungen verleiten kann, die seinem Willen widersprechen und moglicherweise ihm oder anderen schaden bzw. dem Hypnotiseur nutzen, beschaftigt Psychiater und Psychologen immer wieder in theoretischer und empirischer Hinsicht. Die Frage ist nicht leicht entscheidbar, denn:

- die eine Seite behauptet, dass man Personen unter Hypnose einen fremden Willen aufzwingen kann, und
- wenn es in der Oberprufung nicht gelingt, dann liege es daran, dass keine hinreichende Trancetiefe vorgelegen habe.
- die andere Seite behauptet, dass jeder Mensch, der unter Hypnose befremdliche Dinge tut, dazu ein (wenn auch zuruckgedrangtes) Bedurfnis hat, das auszuleben ihm die Hypnose Gelegenheit gibt (z.B. Erickson 1939). Fazit der Forschung ist jedoch: Die hypnotische Trance als solche macht nicht willenlos und zwingt Patienten nicht unter die Gewalt des Hypnotiseurs. Allerdings gibt es Momente, die bei einer Grenzuberschreitung wirksam werden:
- die Oberraschung durch ein Verhalten eines Behandlers, das im volligen Widerspruch zur therapeutischen Erwar­tung steht, und - besonders bei Entspannungshypnosen - eine motorische Verlangsamung aufgrund Tiefenent- spannung mit erniedrigtem Muskeltonus und tophotroper Umstellung
- die therapeutische Beziehung macht insbesondere die Patientin vulnerabel fur die Einflussnahme durch den Behandler. Diese Vulnerabilitat loscht den Widerstandswillen nicht aus aber schwacht ihn, was eine einmalige Ober- rumpelung begunstigt.

Barabasz, A. F. (2004). Hypnose-Konzepte: Fragen und Durchbruche in der Forschung

Hypnose und Kognition. Band 21 (1+2); 139-155

Nachdruck mit Genehmigung der M.E.G.: Hypnose und Kognition (www.meg-hypnose.de) Zusammenfassung

Man hat behauptet, Hypnose sei nichts weiter als soziale Beeinflussung, auf Suggestionen konne mit oder ohne Hypnose reagiert werden (Kirsch & Lynn, 1995). Allerdings wurde auch zugestanden: "Sollten physiologische Kennzeichen der Hypnose entdeckt werden, so konnte das den Gedanken unterstutzen, dass Hypnose ein einzigartiger veranderter Bewusstseinszustand ist" (S. 855). Der vorliegende Beitrag soll Licht in diese Sache bringen, indem zunachst einmal gewisse fortbestehende Irrtumer uber "spontane Hypnose" (Hilgard & Tart, 1963) ausgeraumt werden ebenso wie die marchenhafte Vorstellung, Hypnose musse ein "besonderer Vorgang" (Spanos, 1982) sein, wenn sie als veranderter Bewusstseinszustand aufgefasst wird. Der Schwerpunkt liegt auf jungst replizierten Untersuchungen, die sich mit Problemen der experimentellen Kontrollparadigmen auseinandersetzen. Wenn wir mogli- che Entspannungseffekte, Erwartungen an die Hypnose und den Untersuchungskontext mit einbeziehen, so weisen die Fakten uberzeugend auf subtile, doch eindeutige physiologische Kennzeichen der Hypnose hin, welche zeigen, dass Suggestion allein oft nicht ausreicht, um eine diffizile Reaktion herbeizufuhren, wenn Hypnose als solche nicht induziert ist. Hypnotisch hervorgerufene Hinweise im EEG spiegeln Bewusstseinsveranderungen wider, die mit dem subjektiven Erleben von Wahrnehmungsveranderungen der Versuchspersonen ubereinstimmen und durch Suggestion allein oder durch Rollenspiel nicht wiederholt werden konnen.

Annaherung der Theorien

Nach fruhen Versuchen von Spanos und Barber (1974, S. 508) regten Irving Kirsch und Steven Jay Lynn neues Interesse an einer Theorie der Hypnose an, indem sie den Versuch unternahmen, die verschiedenen Hypnosetheorien miteinander in Einklang zu bringen. Ihr Beitrag "The altered state of hypnosis" erschien im American Psychologist (Kirsch & Lynn, 1995) und wurde haufig zitiert. Er trug viel dazu bei, Autoren von Einfuhrungen in die Psychologie von dem herkommlichen, allzu vereinfachenden Weg abzubringen, dieses Gebiet als von zwei einander diametral entgegen gesetzten Lagern beherrscht darzustellen, meist als Zu- stands- und Nicht-Zustands-Theorie der Hypnose bezeichnet.

Kirsch und Lynn stellten fest, dass "eigentlich alle wesentlichen Unterschiede zwischen (unter) den Theoretikern bei diesem einen offensichtlichen Punkt liegen", wobei eine genauere Beschreibung zeigen wurde, dass man die beiden Standpunkte: Trance- Zustand versus Trance als sozialpsychologisches Phanomen, als "Punkte auf einem Kontinuum" (S. 846) zu betrachten habe. Viele auf dem Gebiet der Hypnose tatigen Fachleute konnten in dem Beitrag von Kirsch und Lynn einiges finden, mit dem sie uberein- stimmen bezuglich dessen, was Hilgard (1972) als "die Domane der Hypnose" bezeichnet hat - das heisst: Das, was geschieht, wenn versucht wird, bei einer dazu bereiten Versuchsperson Hypnose zu induzieren.

Allerdings wurden doch viele auch erkennen, dass dieser Aufsatz, den zwei der bekanntesten soziokognitiven Theoretiker geschrie- ben haben, etwas zu sehr vereinfacht, wenn er versucht, die Zustands-Theorie in die soziokognitive Theorie einzubinden. Die heute zur Verfugung stehenden Fakten (Altena, 2003; Barabasz et al., 1999; Barabasz, 2000, 2002; Barnier & McConkey, 2003; Gruzelier, Gray & Horn, 2002; Koch, Lang, Hatsiopoulou, Berbaum, Anderson & Spiegel, 2003; Killeen & Nash, 2003; Ray & Tucker, 2003; Vermetten & Bremner, 2003; Woody & McConkey, 2003) zeigen, dass die komplexen Faktoren der Hypnose weit mehr sind als bloRe Reaktion auf Suggestion, sozialen Einfluss oder Erwartungen.

Barnier und McConkey (2003) folgerten, dass es in den Theorien nun fast ebenso viel Widerspruch wie Obereinstimmung gebe. Erhartet hat sich die Theorie vom sozialen Einfluss und Rollenspiel (Sarbin, 2002). Gleichzeitig wurden in der neuen Gehirnfor- schung physiologische Kennzeichen gefunden, die mit dem hypnotischen Zustand ubereinstimmen. Kirsch und Lynn haben dan- kenswerterweise die Aufmerksamkeit auf ungeloste Themen und Fragen gelenkt. Die Eile jedoch, mit der der Annaherung innerhalb kurzer Zeit Beifall gezollt wurde, hat dazu gefuhrt, kritische Seiten jenes Phanomens zu verschleiern, das es uns ermoglicht, die Probleme der Wechselwirkung zwischen bewusstem und unbewusstem geistigem Leben ernsthaft zu studieren. Um weiter Licht in die Angelegenheit zu bringen, mussen wir uns auf drei bedeutsame Themen konzentrieren und dabei versuchen, einige der verbleibenden Mythen und irrigen Auffassungen zu zerstreuen, die unnotigerweise zur Spaltung beitragen. Zwar wurden schon durch die Untersuchungen von Kinnunen, Zamansky und Nordstrom (2001) erneut Zweifel am Konzept der Compliance bzw. der Erwartungshaltung laut. Auch die Verfahren zur Erfassung der subjektiven Erfahrungen wurden kritisiert (Milling, Kirsch & Bur­gess, 1999). Ich schatze aber, dass viele auf die Position des Trance-Zustandes zuruckverwiesen wurden aufgrund der zahlreichen neuen Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet.

Jungste Untersuchungen haben sich direkt mit den Beschrankungen auseinandergesetzt, mit denen fruhere Experimente zu Anzei- chen der hypnotischen Trance behaftet waren. Es wurden besondere Kontrollbedingungen eingefuhrt, und die Forscher profitierten von dem exponentiellen Zuwachs an Messverfahren und Computer-Technologien, die vor einem Jahrzehnt noch nicht zur Verfugung gestanden hatten. Was einst als "unwahrscheinlich zu finden" galt, auch wenn man sich "die Moglichkeit, dass subtile Indikatoren tatsachlich noch gefunden werden" (Hilgard, 1973, S. 978) noch offen hielt, namlich messbare, wiederholbare und einer einfachen Logik folgende Marker fur Hypnose, war schlieRlich vorhanden, um die Wirklichkeit von Trance als einem subtilen, aber doch klar identifizierbaren veranderten Bewusstseinszustand nachzuweisen. Gut kontrollierte Experimente, die wieder und wieder in uber einem Dutzend Forschungseinrichtungen in England, Italien, Neuseeland und den USA wiederholt wurden, haben substanzielle Erkenntnisse uber die physiologischen Zeichen von Hypnose zu Tage gefordert.

Die Wiederbelebung der Theorie vom veranderten Bewusstseinszustand

Die erste bedeutsame Erwiderung auf den Aufsatz von Kirsch und Lynn kam von John Kihlstrom (1997). Kihlstrom klarte uber die Grunde fur das Fortbestehen der Kontroverse zwischen der Zustands- und der Nicht-Zustands-Position auf. Erkennen wir an, dass selbst ohne physiologische Kennzeichen die von Kirsch und Lynn geleugneten Trance-Zustande eines veranderten Bewusstseins existieren, und dies nachweislich fur die uberwaltigende Mehrheit der anerkannten Theoretiker auf diesem Gebiet (zur Obersicht vgl. A. Barabasz & J. Watkins, im Druck). Kihlstrom erinnert uns uberzeugend, dass es in Hypnose tatsachlich einen veranderten Be­wusstseinszustand gibt, und es spielt nicht die geringste Rolle, ob dieser auch ohne formelle Induktion eintreten kann. "Amnestische Versuchspersonen konnen Dinge nicht erinnern, die sie erinnern sollten; analgetische Versuchspersonen konnen Schmerzen nicht spuren, die sie spuren sollten; Versuchspersonen, die gebeten wurden, .blind' oder ,taub' zu sein, konnen Dinge nicht sehen oder horen, die sie sehen oder horen sollten." Selbst einfache motorische Reaktionen sind Bewusstseinsveranderungen unterworfen: "Wir spuren schwere Gegenstande in Handen, die nicht vorhanden sind und die unseren ausgestreckten Arm nach unten zwingen; wir fuhlen magnetische Krafte, die nicht existieren und die unsere ausgebreiteten Hande zusammen ziehen" (Kihlstrom, 1997, S. 326).

Die Anzeichen fur Verhaltensanderungen im Bewusstsein (wahrend der Hypnose) sind schlicht "Highlights" fur das, was fur viele Kliniker und Forscher ganz offensichtlich ist. Schon seit langem erfreuen solche Hinweise im Verhalten die Experimentatoren und dienen dem Wohlbefinden der Patienten. Nun hat es die neuere Wissenschaft ermoglicht, zusatzlich zur langen Liste von Verhal- tenskennzeichen einige eher subtile, aber doch deutliche physiologische Kennzeichen hypnotischen Reagierens zu identifizieren, die von Menschen ohne hypnotische Fahigkeiten oder allein durch Entspannung oder Suggestion nicht hervorgebracht werden konnen.

Kirsch und Lynn (1995) gestanden zu: "Sollten physiologische Kennzeichen der Hypnose identifiziert werden konnen, dann wurde das die Idee stutzen, dass Hypnose ein einzigartiger veranderter Bewusstseinszustand ist" (S. 855). Im gleichen Aufsatz beharrten sie allerdings weiter auf ihrer soziokognitiven Position, indem sie behaupteten, "Hypnose" sei nichts weiter als soziale Beeinflus- sung, Suggestionen konnten mit oder ohne Hypnose befolgt werden und eine hypnotische Induktion vergroRere die Suggestibilitat lediglich in geringem Masse. In ihrem Bemuhen um Unterstutzung fur ihre skeptische Position bezuglich der Existenz physiologi- scher Kennzeichen der Hypnose zitierten sie Dixon und Laurence (1992, S. 50), die glaubten, dass der Ruckschluss auf die "physio­logische Besonderheit eines angeblichen hypnotischen Zustands" keine Unterstutzung finde aufgrund des "unglucklichen, aber ublichen Fehlens von Replikationen". Vielleicht uberzeugte Dixons und Laurences Kritik an den psychophysiologischen Hypnose- Untersuchungen, bei denen versaumt worden war, eine "nicht-hypnotische Entspannungsgruppe" einzubeziehen, diejenigen mehr, die ausschlieRlich auf harte experimentelle Daten fixiert sind.

Diese Art der Fehlersuche stellt jedoch fur den unvorsichtigen Forscher, der die Arbeit von Hilgard und Tart (1966) nicht kennt, eine mogliche Falle dar. Hilgard und Tart nutzten die nunmehr fast vergessene experimentelle Kontrolle der "Zustandsberichte", um die hypnotische Tiefe in ihren Forschungsreihen festzustellen, und bestatigen so das Phanomen spontaner Trance (vgl. auch H. Spiegel & D. Spiegel, 1977; H. Spiegel, 1998). Bei hypnotisierbaren Personen kann und wird spontane Trance in vielfaltigem Kontext auch ohne formale Induktion eintreten, wie z. B. als Reaktion auf Entspannungsanweisungen oder auf Traumata. Indessen haben Dixon und Laurence ein weiteres, in diesem Zusammenhang konstruktives Element beigetragen. Ihrer Meinung nach bedarf es eher einer auf Aufmerksamkeit statt auf Entspannung beruhenden Induktion der Hypnose, um "wirklich physiologische Korrelate der Hypnose ausfindig zu machen". Dankenswerterweise sind diese wichtigen Probleme von der derzeitigen Forschung aufgegriffen worden.

Der Mythos des "besonderen Prozesses" und die hypnotische Tiefe

Ehe wir uns den Fakten uber die hier hervorgehobenen Punkte zuwenden, ist es wichtig, den "besonderen Prozess", den Nick Spanos vor 15 Jahren initiiert hat, seines Nimbus zu entkleiden. Die Bezeichnung "besonderer Prozess" impliziert, dass ein hypnoti- scher Zustand etwas vollig Einzigartiges sein muss. Ungeachtet der Fulle an Fakten aus Hilgards Forschung, die zeigen, dass Hyp­nose fur hypnotisch befahigte Menschen Teil des alltaglichen Lebens ist, konnte sich das Phantasiebild vom "besonderen Prozess" durchsetzen. Wie Kirsch und Lynn betonten, lieR man im soziokognitiven Lager die Etiketten "Zustand" und "Nicht- Zustand" in dem Moment weitgehend fallen zugunsten der Begriffe "spezieller Prozess" und "sozialpsychologisch", wo Nick Spanos (1982) den Aus- druck "spezieller Prozess" als Bezeichnung fur den Trancezustand in Hilgards Neo-Dissoziationstheorie der Hypnose pragte. Diese Fehlbezeichnung "spezieller Prozess" ist sowohl fur die Neulinge auf diesem Gebiet als auch fur diejenigen, die seither versu- chen, hypnotische Phanomene zu verstehen, ein Argernis. Das Etikett "spezieller Prozess" legt zu Unrecht einen Zustand nah, der im Alltag unter normalen Bedingungen nicht erreicht werden kann, und trubt so dem Forscher den Blick fur spontane Hypnose und die Notwendigkeit, "Zustandsberichte" von Versuchspersonen zu erhalten (vgl. LeCron, 1953; Hatfield, 1961; Tart, 1963). Solche Berichte uber die Tiefe der Hypnose fanden fruchtbare Verwertung in den klugen Untersuchungen der sechziger Jahre und sind jungst in ausgeklugelterer Form von McConkey, Wende und Barnier (1999) wieder aufgenommen worden. Die Untersuchung von Hilgard und Tart (1966), die den signifikanten Effekt einer hypnotischen Induktion auf die Ansprechbarkeit durch Suggestion im Gegensatz zu bloRer Suggestion im Entspannungszustand zeigt, ist nur eines von mehreren hervorragenden Beispielen. Zustandseinschatzungen auf einer Skala von 0 bis 3 ermoglichen es, die hypnotische Reaktion zu untersuchen. Versuchspersonen sollten die Frage nach ihrem "Zustand" mit "0" beantworten, wenn sie sich im ublichen, normalen, hellwachen Zustand fuhlten, mit "1", wenn sie sich sehr entspannt oder "weggedammert" fuhlten, so, als wurden sie gleich einschlafen, mit "2", wenn sie ihren Zu- stand als leicht hypnotisiert empfanden, und mit "3", wenn sie sich tiefer hypnotisiert fuhlten. Da die Tiefe der Hypnose im Verlauf einer Sitzung oft schwankt, wurden die Aussagen wahrend der Sitzung oft wiederholt erbeten, gewohnlich vor und nach einer Test- Suggestion. In der Studie von Hilgard und Tart (1966) beispielsweise wurden die Testpersonen, wenn sie wach waren und sich mit "1" einstuften, so lange weiter geweckt, bis ihre Einstufung bei "0" lag. Beim jungsten, von McConkey und Kollegen (McConkey, Wende & Barnier, 1999; McConkey, Szeps & Barnier, 2001) entwickelten Versuch, hypnotische Tiefe zu messen, wurden die Ver­suchspersonen gebeten, auf einer Wahlscheibe ihre unterschiedlich stark erlebte hypnotische Tiefe einzustellen, so, wie sie sie wahrend des Verlaufs der Hypnose bei den Test-Aufgaben empfanden. Die Versuchspersonen wahlten eine hohe Zahl, wenn sie anzeigen wollten, dass sie tiefere Hypnose erlebten, und eine kleinere Zahl, wenn ihre Hypnose weniger tief war. Da Angaben zur Verfugung stehen fur die Induktion, also das Erteilen der Suggestion, fur die Reaktion der Teilnehmer auf die Sug­gestion, fur die Rucknahme der Test-Aufgaben und fur das Erwachen aus der Hypnose, ist die Moglichkeit gegeben, Spielarten der physiologischen Anzeichen hypnotischer Erfahrung festzuhalten. Eine uberarbeitete Version dieser klug durchdachten und viel versprechenden Technik wird derzeit bei uns und in anderen Forschungseinrichtungen verwandt. Endlich beginnen wir mit dem Versuch, hypnotische Reaktionen in ihrer Komplexitat biologisch zu quantifizieren.

Naturlich vergewissern sich Therapeuten routinemassig, dass eine angemessene hypnotische Tiefe erreicht ist, ehe sie von einer Person schwierige Reaktionen verlangen, wie sie beispielsweise bei medizinischen Eingriffen notig werden konnen. Unglucklicher- weise haben Forscher Berichte uber die Erlebnisstarke und uber spontane Hypnose ignoriert, aus denen man von der Suggestion auf die genaue hypnotische Reaktion hatte ruckschlieRen konnen.

Jack und Josephine Hilgard, Herb und Dave Spiegel, Erika Fromm, Ron Shor, Jack und Helen Watkins, Michael Nash, Marianne Barabasz und ich wie auch viele andere haben immerzu das Kontinuum von hypnotischen Trancezustanden und Alltagserfahrungen gesehen. So weiss man seit langem, dass schlichte Dissoziationen wie absorbierende Vorstellungen z. B. und komplexere Phano­mene wie spontane Hypnose existieren und dass diese immer wieder von uns, die wir mit klinischer Hypnose zu tun haben, sowohl unter Versuchsbedingungen als auch im Alltag festgestellt worden sind. Die Tatsache, dass hypnotische Trance-Erlebnisse im Alltag vorkommen, sollte nicht dahingehend gewertet werden, dass hypnotische Trance sich nicht auf besondere Weise von nicht vorhan- dener Trance oder von dem unterscheiden liesse, was oft als Wachzustand bezeichnet wird. Die Fulle alternativer Bewusstseinszu- stande bedeutet nicht, dass diese sich gleich seien. SchlieRlich handelt es sich auch bei Apfeln und Orangen um verschiedene Fruchte, selbst wenn sie im gleichen Obstkorb liegen.

Die neue Hirnforschung bringt neue Erkenntnisse

Etliche neuere Untersuchungen widerlegen Kirsch und Lynn's (1995) Behauptungen, dass 1) Hypnose nichts weiter sei als soziale Einflussnahme, dass es 2) keine physiologischen Kennzeichen hypnotischer Reaktion gebe und dass 3) die Struktur hypnotischer Kommunikation unwichtig sei bei der Bestimmung hypnotischer Reaktionen.

Zunachst einmal muss betont werden, dass der Schwerpunkt der heutigen Erforschung von Reaktionen des Gehirns auf Hypnose nicht dem Versuch gilt, eine vereinfachende eindimensionale EEG-"Signatur" eines einzigen, besonderen hypnotischen Zustands per se aufzudecken. Hypnose ist derail komplex, dass wir stattdessen sowohl das Besondere als auch das Individuelle des Reagie- rens auf Hypnose in Betracht ziehen mussen. Mit dem Begriff einer einzigartigen Hirn-"Signatur" der Hypnose wie dem eines "spezi- ellen Prozesses" wird ein Strohmann aufgebaut, und zwar von denjenigen, die Hypnose wieder als soziales Konstrukt etablieren mochten. Indem man eine eindimensionale "Signatur" fordert, trivialisiert man Bedeutung und Komplexitat hypnotischer Reaktions- weisen.

Ernest R. Hilgard (personliche Mitteilung etwa 1989) fragte sich, ob sie (Chaves, Kirsch, Lynn und Spanos) vielleicht erwarteten, dass auf der Stirn desjenigen, der Hypnose erlebt, ein Licht aufblitze, damit die Existenz des hypnotischen Zustands zu verstehen sei. Oberraschenderweise wurde durch EEG und bildgebende Verfahren Licht in diese Problematik gebracht. Die uberzeugend und positiv beantwortete Frage lautet: Gibt es physiologische Kennzeichen, die unmittelbar den vom Subjekt empfundenen Zustand wiedergeben, wenn dieses auf eine hypnotische Induktion reagiert, sei sie nun formell durch einen Hypnotiseur erfolgt, selbst einge- leitet oder spontan eingetreten.

EEG-Untersuchungen ereignisbezogener Potentiale

Die Richtung der EEG-Untersuchungen in der Gruppe um Barabasz spiegelte die Interessen von Dave Spiegel, Jack Hilgard und anderen wider. Es ergab sich Obereinstimmung hinsichtlich der Frage, ob hypnotisierbare Personen, die einer hypnotischen Indukti­on unterzogen werden (in hinreichender Tiefe, um der speziellen Aufgabe gerecht zu werden), im EEG Veranderungen in ereignis- bezogenen Potentialen (ERP) zeigen, die ihrem subjektiven Erleben entsprechen.

Derartige ERP-Veranderungen konnen physiologisch von den Effekten der Suggestion, der Entspannung und der Erwartungshal- tung unterschieden werden. Jungst gipfelte unsere (A. Barabasz, M. Barabasz, Jensen, Calvin, Trevisan &Warner, 1999) uber 20 Jahre dauernde EEGereignisbezogene Hypnose-Forschung darin, den Mythos der Nicht-Replizierbarkeit (Dixon & Laurence, 1992; Spanos & Coe, 1992) physiologischer Kenn­zeichen der Hypnose zu zerstoren. Die Daten haben klar gezeigt, dass die offen- sichtlichen Unstimmigkeiten in der ERP- Hypnoseliteratur auf unterschiedliche Formu- lierungen der hypnotischen Suggestionen zuruckgefuhrt werden konnen. Suggestionen unter Hypnose zur Nicht-Wahrnehmung eines Reizes vergroRerten die ERP-Reaktion, wah- rend Suggestionen zum Blockieren (zur Damp- fung) eines Reizes die ERP-Reaktion ab- schwachten, im Gegensatz zu Suggestionen ohne Hypnose.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ergebnisse waren auRergewohnlich (vgl. Abb. 1). Nachdem die Formulierung als we- sentlich fur das Ergebnis erkannt worden ist, sind die physiologischen Kennzeichen der Trance konsistent, logisch und dauerhaft interpretierbar. Es wurden die Auswirkungen positiver behindernder (Blockieren eines Reizes ["... stell Dir vor, ein Pappkarton blo- ckiert Deine Sicht auf den Bildschirm ..."]) und negativer ausloschender (volllige Reizunempfindlichkeit ["... nun kannst Du nichts mehr sehen, uberhaupt nichts mehr..."]) Anweisungen auf visuelle und auditive P300 ERPs untersucht (Barabasz et al., 1999). Zwanzig Versuchspersonen wurden streng nach Hypnotisierbarkeit ausgewahlt, indem sowohl die Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility (HGSHS) (Shor & Orne, 1962) als auch die Stanford Hypnotic Susceptibility Scale, Form C (SHSS:C) zum Einsatz kamen. Durch wiederholten Einsatz von Hypnose wurde der Versuch unternommen, die Hypnotisierbarkeit der Teilnehmer vor der Einzeltestung und zwischen den Testsitzungen zu maximieren und zu stabilisieren. Alle hoch Hypnotisierbaren (mit Testwerten zwischen 9 und 12) erledigten die auditiven und visuellen Halluzinationsaufgaben des SHSS:C, was keinem schwach Hypnotisierba- ren (mit Testwerten zwischen 0 und 3) gelang.

Hoch und gering Hypnotisierbare mussen sorgfaltig voneinander unterschieden werden, damit die moglichen Unterschiede zwischen hypnotischem und nicht-hypnotischem Zustand zu Tage treten. Ober hypnotische Reaktionen kann wenig gesagt werden, wenn die hoch und gering Hypnotisierbaren lediglich operational durch den Medianwert voneinander getrennt werden, insbesondere dann, wenn nur Gruppenwerte (typisch dafur die Harvard Group Scale) oder psychometrisch schwache individuelle Masse fur Hypnotisierbarkeit benutzt werden (wie z. B. bei der Carlton University Suggestibility Scale). Die einfache Trennung nach hohen und niedrigen Testwerten ergibt fur die Hypnoseforschung ein spezielles Problem, denn die Verteilung der Hypnotisierbarkeit in der Bevolkerung ist leptokurvig [eine nur schwach gekrummte Normalverteilung; Anm. Hrsg.], was bedeutet, dass die meisten Ver­suchspersonen sich im Cluster um den Mittelwert gruppieren.

So ist es wahrscheinlich, dass eine Unterteilung am Median wohl Gruppen hoch und gering Hypnotisierbarer produziert, die sich nicht signifikant voneinander unterscheiden, womit der Unterschied zwischen hypnotischer und nicht hypnotischer Reaktion nicht entdeckt wird. Der Unachtsame kann dann falschlicherweise den Schluss ziehen, die Befunde seien nicht der Hypnose, sondern bloss der Suggestibilitat oder vielleicht auch nur der subjektiven Erwartung zuzuschreiben.

Hat man die Versuchspersonen erst einmal nach strengen Kriterien ausgewahlt, dann werden sowohl die hoch als auch die gering Hypnotisierbaren gebeten, identische Aufgaben unter Wachsuggestion und unter Aktiv-Wachhypnose in ausgeglichener Form zu erledigen (Barabasz & Barabasz, 1996; Barabasz & Barabasz, 2000). Eine Aktiv-Wachhypnose-Induktion wurde anstelle einer tradi- tionellen Entspannungsinduktion gewahlt, um EEG-Effekte auszuschlieRen, die lediglich der Entspannung zuzuschreiben waren. Ornes (1979) "Real Simulator Design" [das "Wirkliche-Simulatoren-Design" vergleicht Nicht-Hypnotisierbare, die gebeten werden, dem Versuchsleiter echte Hypnose vorzuspielen, mit hoch Hypnotisierbaren, die tatsachlich in Trance sind; Anm. Hrsg.] wurde eingesetzt, um bei den hypnotisierbaren Versuchspersonen jene Effekte zu untersuchen, die eher der hypnotischen Reagibilitat zuzuschreiben sind, als jene, die eher reine "Artefakte" aus dem experimentellen sozialpsychologischen Kontext oder situationale Variablen darstellen oder die auf die Erwartungen sowohl der Versuchspersonen als auch der Versuchsleiter zuruckzufuhren sind. Hoch Hypnotisierbare zeigten signifikant groRere ERP-Amplituden, wahrend sie negative Halluzinationenerlebten, und signifikant niedrigere ERP-Amplituden wahrend positiver, blockierender Halluzinationen, im Gegensatz zu den gering Hypnotisierbaren, (die versuchten, hypnotische Reaktionen auf Suggestionen vorzugeben) und im Vergleich zu ihren eigenen Imaginationen im Wachzu­stand. Die Daten zeigten, dass eher starkere physiologische Kennzeichen der Hypnose auftauchen, wenn die Reaktionen zeitlich mit den Ereignissen verknupft sind. Diese nach zwei Seiten ausgerichteten ERPs, im Gegensatz zu einer einseitigen .Signatur' des hypnotischen Zustands, variierten standig je nach Art der Suggestion im Anschluss an die hypnotische Induktion und zeigten unmit- telbare Veranderungen im Bewusstsein an, die dem subjektiven Erleben der Wahrnehmungsveranderungen bei den Teilnehmern deutlich entsprachen. Die ERP-Effekte zeigten sich nicht bei gering Hypnotisierbaren, nicht aufgrund von sozialem Einfluss (indem sie Reaktionen auf Suggestionen vorzugeben versuchten) und auch nicht bei den hoch Hypnotisierbaren im Wachzustand. Diese Ergebnisse wurden in anderen Untersuchungen von Calvin (2000) und Jensen (2001) zur Ganze repliziert. Die Forschung hat also gezeigt: Berucksichtigt man die Art der Suggestion [negativ versus positiv blockierend] nach der hypnotischen Induktion, so ergibt sich bei Dutzenden von Forschern weltweit eine bemerkenswerte Konsistenz der Ergebnisse.

Kirsch und Lynn (1995) zielten auf die Ericksonsche Hypothese bezuglich der Unterschiede in der Effektivitat direkter versus per- missiver Suggestionen und behaupteten, die Struktur hypnotischer Kommunikation sei von geringer Bedeutung. Die Untersuchung von A. Barabasz et al. (1999) sollte aber nicht unmittelbar Ericksonsche indirekte im Gegensatz zu autoritaren Suggestionen unter- suchen. Wie Peter und Revenstorf (2000) indessen schlussig hervorheben, ist die den Stimulus verdrangende Suggestion "Sie konnen nichts sehen" gewiss eine direkte Suggestion, wahrend der "die Sicht blockierende Pappkarton" als indirekte Suggestion angesehen werden kann. "Indirektheit ist weit umfassender als bloR permissive Kommunikation" (Peter & Revenstorf, 2000). In Obereinstimmung mit Hoppe (1985) und Bongartz (1997) machen unsere replizierten Ergebnisse deutlich, dass das uberlieferte klinische Wissen um die Bedeutsamkeit der Suggestionsformulierung nunmehr durch zahlreiche psychophysiologische Untersu­chungen gestutzt wird.

Das nachste Forschungsvorhaben sollte die Untersuchungen von Barabasz et al. (1999) sogar noch weiter untermauern. Es wurde das gleiche grundsatzliche Vorgehen befolgt wie in der Untersuchung von 1999. Hier (Barabasz, 2000) wurde nun 1) der Hypnotisierbarkeits-Test vollig getrennt von der Untersuchungs-Durchfuhrung; 2) wurden die ERP-Reaktionen auf die Suggestionen sowohl mit als auch ohne formelle Hypnose-Induktion untersucht, und 3) wurde spontane Hypnose berucksichtigt (wenn hypnotisier­bare Versuchspersonen ihre hypnotischen Fahigkeiten einsetzen und auf ihre eigene Art und Weise auf Suggestionen reagieren, auch ohne formelle Induktion, oder anders geartete hypnotische Reaktionen zeigen, d. h. Reaktionsweisen, die sich von den vom Versuchsleiter vorgegebenen unterschieden); diese spontane Hypnose wurde durch unabhangige postexperimentelle Befragung ermittelt. Trotz der bescheidenen Anzahl von Testpersonen (N=10), die fur diese Studie zur Verfugung standen, zeigten die Ergeb­nisse, dass nur die hypnotisierbaren Probanden, im Gegensatz zu den nicht hypnotisierbaren, in der Lage waren, ihr EEG und ihre ERPs als Reaktion auf eine hypnotische Induktion und Suggestion abzuschwachen, was vollig ubereinstimmt mit den vorangegan- genen Untersuchungen, die wir an der Washington State Universitat durchgefuhrt haben (Barabasz et al. 1983, 1999, 2000), denen von DePascalis in LaSapienza in Rom (DePascalis, 1999) sowie David Spiegels in Stanford (Jasiukaitis, Nouriani & Spiegel, 1996; Spiegel et al. 1985, 1989).

Die Untersuchung (Barabasz, 2000) zielte darauf ab, die Hypnotisierbarkeitstests (6 bis 9 Monate zuvor) vollig vom Untersuchungs- zusammenhang zu trennen. Wie konnten die hoch Hypnotisierbaren ihr Bestes in der Suggestionsbedingung "zuruckhalten" (Zamansky, Scharf & Brightbill, 1964), wenn sie keine Kenntnis hatten, dass es sich um ein Hypnose-Experiment handelte oder dass [Monate spater] Hypnose eingesetzt werden sollte, wenn nach der Suggestion nur Messungen vorgenommen wurden? Die Werte zeigten, dass lediglich die hypnotische Induktion mit Massnahmen zur Absicherung angemessener hypnotischer Tiefe es den hoch Suggestiblen, nicht aber den gering Hypnotisierbaren ermoglichte, ihre ERPs als Reaktion auf die hypnotische Induktion plus Sug­gestion signifikant abzuschwachen. Dies war jedoch als Reaktion auf eine alleinige Suggestion nachweisbar. Daruber hinaus tragt der Einsatz von Aktiv-Wachhypnose dazu bei, sicherzustellen, dass die Befunde auf Hypnose und nicht auf nicht-hypnotische Ent- spannung zuruckzufuhren sind.

Im Licht der Untersuchungsergebnisse, dass ERP-Werte unter Hypnose signifikant verandert werden konnten, nicht jedoch mittels identischer Suggestionen ohne hypnotische Induktion, scheint doch die soziokognitive Auffassung widerlegt, dass das, was mit Hypnose erzielt werden kann, allein der Suggestion zu verdanken ist. Wahrend es scheint, als musse eine angemessene hypnoti­sche Tiefe gewahrleistet sein, ehe von einer Versuchsperson zu erwarten ist, dass sie in Hypnose eine schwierige Aufgabe erfullt (Barabasz & Barabasz, 1992), zeigte eine hoch hypnotisierbare Versuchsperson in der Studie von Barabasz (2000) fast identische Reaktionen unter beiden Bedingungen. Die Befragung nach der Untersuchung ergab, dass keine der Versuchspersonen sich be- wusst gewesen war, an einer Hypnose-Untersuchung teilzunehmen, ehe nicht die zweite Einverstandniserklarung gegeben wurde, in welcher die Hypnose-Induktion beschrieben war.

Aufschlussreich war die Befragung allerdings fur jene hoch hypnotisierbare VP, die sowohl mit als auch ohne Hypnose ahnliche ERP-Werte gezeigt hatte. Sie bemerkte: "Als ich die Anweisung erhielt, so zu tun, als hatte ich Stopsel in den Ohren, tat ich einfach das, was ich als Kind gelernt hatte." "Erzahlen Sie mir etwas daruber", meinte der unabhangige postexperimentelle Befrager (der mit keinem weiteren Teil der Untersuchung etwas zu tun hatte). "Also, wenn ich von meinem Vater fur irgendetwas einen Klaps bekam, konnte ich den Schmerz ausschalten, indem ich geistig an einen anderen Ort ging. Das habe ich auch wahrend der Suggestion gemacht - genau so wie im Hypnoseteil." Diese Antwort scheint das klassische Beispiel einer spontanen Hypnose mit offensichtli- cher Dissoziation zu schildern, wie sie erstmalig vor annahernd 40 Jahren von Hilgard und Tart (1966) beschrieben und von Jose­phine Hilgard (1974) naher erklart wurde.

Therapeuten, die Hypnose konsequent bei schwierigen Fallen einsetzen, beobachten haufig, dass hypnotisierbare Patienten den hypnotischen Zustand in ihrer ganz eigenen Weise nutzen, anstatt sich sklavisch an die Anweisungen zu halten. Diese eine hoch hypnotisierbare Versuchsperson reagierte sowohl auf die Suggestion ohne Hypnose als auch auf die Hypnose plus Suggestion, indem sie sich mittels einer fruher erlernten dissoziativen Reaktion in einen selbsthypnotischen Zustand begab, um die Reize ein­fach abzuschwachen, statt sich die Verwendung von Ohrstopseln vorzustellen. Wie Kihlstrom (1987) schon beobachtete, konnen individuelle Unterschiede uber eine experimentelle MaRnahme hinausgehen. Allerdings sollte dieses Beispiel einer spontanen Selbsthypnose keineswegs als Begrundung dafur genommen werden, dass Therapeuten sich nicht um eine angemessene hypnoti- sche Tiefe bemuhen sollten, ehe sie schwierige Suggestionen zu geben versuchen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Suggestion und Erwartung nicht ausreichend waren, um ohne Hypnose eine schwierige Reaktion hervorzurufen. Nur diejenigen, die ihre Fahigkeit zur Hypnose gezeigt hatten, waren in der Lage, solche Veranderungen zu erzielen, die mit starken physiologischen Kennzeichen der Hypnose einhergingen. Diese Kennzeichen spiegelten direkt eine Veranderung des Bewusstseins wider, die dem subjektiven Erleben der Wahrnehmungsveranderung der Teilnehmer entsprach.

Bildgebende Verfahren zeigen spezifische Effekte im Gehirn

Unsere oben angefuhrten EEG-Untersuchungen sind offenbar als Durchbruch in der Forschung angesehen worden, was eine Reihe von Auszeichnungen belegt. Dennoch wurden sie von der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) abgelost, einem bildgebenden Verfahren, durch das sich die Wirkungen der Hypnose im Gehirn deutlicher darstellen lassen. Diese ebenfalls mit Auszeichnungen bedachte Forschungsrichtung wurdigt und bestatigt unsere ERP-Untersuchungen, da sie konsistent diejenigen Konzepte widerlegt, die Hypnose als bloRes soziales Geschehen oder als ein Arrangement von Erwartungen im Zusammenhang mit Placebo- Reaktionen darstellen. Die Positronen-Emissionstomographie (PET) hat unser Verstandnis hypnotischer Zustande erhellt, indem sie zeigte, dass sich die Auswirkungen von Trance in neuronaler Aktivitat im Gehirnstamm, im Thalamus und im anterioren cingularen Cortex widerspiegeln. Es wurde immer wieder gezeigt, dass hypnotische Analgesie die Aktivitat des anterioren cingularen Cortex reduziert, den somatosensorischen Cortex, in welchem die sensorischen Schmerzempfindungen verarbeitet werden, indessen un- beeinflusst lasst. So wird erkennbar, dass die analgetischen Effekte der Hypnose in hoheren Hirnzentren ablaufen (Rainville, Dun­can, Price, Carrier & Bushnell, 1997; Rainville, Hofbauer, Paus, Duncan, Bushnell & Price, 1999; Rainville, Hofbauer, Bushnell, Duncan & Price, 2002; Szechtman, Woody, Bowers & Nahmias, 1998).

Die Ergebnisse stutzen Herbert und David Spiegels (1978, S. 23) Konzept der Hypnose als eines ,,Zustands aufmerksamer, rezepti- ver, intensiver fokussierter Konzentration bei gleichzeitig herabgesetzter peripherer Bewusstseinslage ... eine Funktionsweise des wachen Individuums, das seine Kapazitat einsetzt, um sich maximal einem einzigen Punkt in Raum und Zeit zu widmen und dabei die Hinwendung zu anderen Punkten in Raum und Zeit zu minimieren." Die Veranderungen in Hypnose finden auf der exekutiven Funktionsebene statt, eine Sicht, die mit Hilgards (1977, 1989) Neo-Dissoziationstheorie ubereinstimmt. Der anteriore cingulare Cortex ist bei solchen exekutiven Funktionen beteiligt, die es einem Menschen erlauben, die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Reizkonstellation zu konzentrieren (Awh & Gehring, 1999). Beispielsweise kann man so vollstandig in einen Vortrag, einen Film oder die Lekture eines Buchs vertieft sein, dass man vollig dissoziiert ist von ablenkenden Reizen, die andernfalls Erregung hervorrufen konnten (Barabasz, 1982; Hilgard, 1974, 1979).

EEG- und PET-Befunde stimmen uberein

Die Daten aus EEG-Untersuchungen ereignisbezogener Potentiale (ERP) (Barabasz & Lonsdale, 1983; Barabasz et al., 1999; Barabasz, 2000; Gruzelier, Gray & Horn, 2002; Spiegel et al., 1985; Spiegel & Barabasz, 1989) zeigen nach einer Hypnose- Induktion zur blockierenden Halluzination visueller wie auditiver Reize anhand der ERPs Bewusstseinsveranderungen, die stark den subjektiv erfahrenen Wahrnehmungsveranderungen der Teilnehmer entsprechen. Diese Entdeckung stimmt mit den Forschungen von Szechtman et al. (1998) uberein, wonach bei Versuchspersonen mit hypnotischen Fahigkeiten der anteriore cingulare Cortex an den Halluzinationen beteiligt ist, nicht aber an der einfachen Vorstellung von auReren Reizen.

Weiterhin zeigten die Befunde der Untersuchungen von Rainville et al. (1997) uber den anterioren cingularen Cortex, dass dessen Aktivitat eng mit der subjektiven Erfahrung des emotionalen Anteils eines experimentell induzierten Schmerzreizes ubereinstimmt, nicht aber mit dem sensorischen Anteil. Auch der uberzeugendste, mit den neuesten Ergebnissen aus ganz verschiedenen For- schungseinrichtungen wiederum vollig ubereinstimmende Beweis, der die alte Argumentation sozialer Einflussnahme ausser Kraft setzt, entstammt der brillianten und preisgekronten Farbwahrnehmungs-PET Untersuchung von Kosslyn, Thompson, Costantini- Ferrando, Alpert und D. Spiegel (2000). Nur in Hypnose waren die links- und rechtshemispharischen Farbwahrnehmungszentren aktiviert, wenn Farbe wahrgenommen werden sollte, und zwar unabhangig davon, ob tatsachlich Farbe gezeigt wurde oder lediglich ein grau abgestufter Reiz. Anders als in einer Reihe weiterer bildgebender Hirnuntersuchungen wurden in der Studie von Kosslyn et al. nur jene Hirnareale analysiert, die man von vornherein fur wesentlich hielt. Typischerweise werden bei Hirnuntersuchungen mit­tels bildgebender Verfahren Daten uber das gesamte Hirn erhoben, was die Wahrscheinlichkeit statistischer Signifikanz erhoht, die - wie zahlreiche Vergleiche ergeben - bedeutungslos sein kann. Die Ergebnisse von Kosslyn et al. konnen nun bloR noch von Eng- stirnigen ignoriert werden.

Der springende Punkt ist der: Wenn die hypnotisierte Person die suggerierte hypnotische Halluzination als real wahrnahm, beein- flusste das die Durchblutung in der farbverarbeitenden Gehirnregion. Genau so verhielt es sich auch in unserer ERPUntersuchung einer auditiv blockierenden Halluzination (A. Barabasz, 2000). Kosslyns Suggestion zur Farb-Halluzination gelang nur nach einer Hypnoseinduktion. Fur die bloRe Imaginations-Instruktion, fur welche die gleiche Suggestion wie in der nicht-hypnotischen Bedin- gung benutzt wurde, waren die Effekte im PET anders. Der einzige Unterschied in den beiden Untersuchungen bestand also im Einsatz von Hypnose-Suggestionen und soziale Anforderungen zur Durchfuhrung der Aufgaben waren identisch. So zeigte sich eine unterschiedliche Aktivierung des Gehirns, welche die subjektive Wahrnehmung der Versuchspersonen widerspiegelte. Das heisst, die Suggestion zur Farb-Halluzination nach einer Hypnose-Induktion zeigte entsprechend unseren ERP-Befunden nur in Hypnose Veranderungen im subjektiven Erleben, die sich in der veranderten Hirnfunktion widerspiegelten.

Hieraus lasst sich der Schluss ziehen, dass Hypnose ein psychologischer Zustand mit unterscheidbaren neuronalen Indikatoren ist und nicht einfach das Ergebnis einer Rollenubernahme unter sozialem Einfluss. Wie William James (1890) schrieb: "Um zu widerle- gen, dass alle Krahen schwarz sind, muss man nur eine einzige weiRe Krahe finden." A la longue sieht es so aus, als hatten wir schon einen ganzen Schwarm weiRer Krahen, was selbst der Kurzsichtigste zugeben muss.

Die Rolle des sozialen Einflusses

Es ist wichtig, anzuerkennen, dass all diese hoch konsistenten Ergebnisse nicht der Auffassung widersprechen, sozialer Einfluss, Erwartung und Kontext konnten von Nutzen dabei sein, die Behandlungsergebnisse bei Patienten zu verbessern. Entscheidend ist einfach, dass Hypnose per se bestimmte Reaktionen von groRerer Reichweite ermoglichen kann, die sich auf physiologischer Ebene unterscheiden von solchen, die nur mittels "Suggestibilitat" oder sozialer Einflussnahme erreicht werden. Die Ergebnisse verdeutlichen konsistent, dass Hypnose viel mehr ist als schlichte oder auch komplexe sozial und durch Erwartung beeinflusste Reaktion auf Suggestion. Killeen und Nash (2003) erinnerten die wissenschaftliche Gemeinschaft an Ergebnisse, die zeigen, dass Reaktionen auf Hypnose mit den meisten Arten von Suggestibilitat nicht korrelieren. Diejenigen, die auf Hypnose rea- gieren, sind nicht ublicherweise leichtglaubig und sie reagieren auch nicht bereitwilliger auf Placebos, sozialen Druck oder Autori- tatspersonen. Es ist nun mehr als klar, dass es wissenschaftlicher Oberprufung nicht standhalt, wenn man darauf beharrt, der "Sug- gestibilitat" all das zuzuschreiben, was durch Hypnose zustande gebracht werden kann, wie beispielsweise der Glaube, die Erde sei eine Scheibe. Es ist an der Zeit, die Realitat von Trancezustanden anzuerkennen, und das gerade auch dann, wenn wir uns weiter­hin fur unsere Patienten so gut wie moglich in der Kunst uben wollen, in angemessener Weise sozialen Einfluss, Erwartungshaltung, Kontext und zahlreiche andere Variablen fur optimale Ergebnisse zu nutzen.

Schlussfolgerung

Im Licht der nunmehr vorliegenden uberwaltigenden neurophysiologischen Daten muss sich das ausschlieRliche "Nicht-Zustands"- Konzept wie der Elefant in der Fabel in irgendeinen entlegenen Urwald zum Sterben zuruckziehen, wenn die Hypnose fur die For­schung im Allgemeinen und fur Psychologie und Medizin im Besonderen glaubwurdig sein soll.

Killeen und Nash (2003) folgern, wir sollten uns nunmehr auf die "hypnotische Situation" konzentrieren. Sie meinen den "hypnoti- schen Zustand" (HS), in welchem die Reaktionen des Probanden charakteristisch sind und sich unterscheiden von Reaktionen auRerhalb dieses Zustandes." Die Argumentation Zustand versus Nicht-Zustand musse dem Studium der "verschiedenen Kombina- tionen von notwendigen Ursachen, die das Phanomen hervorbringen" (Killeen & Nash, 2003) den Vorrang geben. Der wirkungsvolls- te Einsatz der Hypnose bei der Behandlung unserer Patienten wird vermutlich immer ein vielschichtiges Zusammenspiel verschie- denster Gebiete beinhalten, sowohl was hypnotische Zustande als auch was sozialen Einfluss und andere Bedingungen anbetrifft. Des ungeachtet zitieren Killeen und Nash (2003) William James (1890, S. 600): "Selbst die besten hypnotischen Probanden gehen durchs Leben, und niemand vermutet, dass sie eine derart bemerkenswerte Empfanglichkeit (Fahigkeit) besitzen, bis sie durch ein entsprechendes Experiment zutage tritt." Dann sind sie hypnotisiert, und "keine gewohnliche Suggestion des wachen Lebens hat jemals eine derartige Kontrolle uber ihren Geist ubernommen."

Literatur

Awh, E. & Gehring, W. (1999). The anterior cingulate cortex lends a hand in response selection. Nature Neuroscience, 2, 853-854. Barabasz, A. (2000). EEG markers of alert hypnosis: The induction makes a difference. Sleep and Hypnosis, 2, 4, 164-169.

Barabasz, A., Barabasz, M., Jensen, S., Calvin, S., Trevisan, M. & Warner. D. (1999). Cortical event related potentials show the structure of hypnotic suggestions is crucial. International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 47, 1, 5-22.

Barabasz, A. & Barabasz, M. (1992). Research Design Considerations. In E. Fromm & M. Nash (Eds.) Contemporary Hypnosis Research, New York: Guilford Press, 173-200.

Barabasz, A. & Lonsdale, C. (1985). EEG evoked potentials, hypnotic and transient olfactory stimulation in high and low susceptibility subjects. Modern Trends in Hypnosis. New York, NY: Plenum, 139-148.

Barabasz, A. & Lonsdale, C. (1983). Effects of Hypnosis on P300 olfactory evoked potential amplitudes. J of Abnormal Psychology, 92, 520-525. Bongartz, W. (1997, June). Direct and indirect suggestions: A physiological comparison. Paper presented at the 14th International Congress of Hypnosis, San Diego, CA. Calvin, S. (2000). ERP markers of Barabasz[1] instant alert hypnosis: Inductions and instructions make a difference. Presented at the 51st Annual Scientific Meeting of the Society for Clinical and Experimental Hypnosis, Seattle, October, 25-29.

Dixon, M. & Laurence, J. (1992). Two hundred years of hypnosis research: Questions resolved? Questions Unanswered! In E. Fromm and M. Nash (Eds.) Contempo­rary hypnosis research (pp.34-66) New York: Guilford Press.

Freeman, R., Barabasz, A., Barabasz, M. & Warner, D. (2000). Hypnosis and distraction differ in their effects on cold pressor pain. American J of Clinical Hypnosis, 43, 2, 137-148.

Hatfield, E. C. (1961). The validity of the LeCron method of evaluating hypnotic depth. International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 9, 215-221. Hilgard, E.R. (1973). The domain of hypnosis: With some comments on alternate paradigms. American Psychologist, 28, 972-982. Hilgard, E.R. (1977). Divided consciousness: Multiple controls in human thought and action. New York: John Wiley. Hilgard, E. R. (1989). Eine Neo-Dissoziationstheorie des geteilten Bewusstseins. Hypnose und Kognition, 6(2), 3-20.

Hilgard, E.R. & Tart, C.T. (1966). Responsiveness to suggestions following waking and imagination instructions and following induction of hypnosis. J of Abnormal Psychology, 71, 3, 196-208.

Hilgard, J.R. (1974). Imaginative involvement: Some characteristics of he highly hypnotizable and nonhypnotizable. International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 22, 138-156, Hoppe, F. (1985) Direkte und indirekte Suggestionen in der hypnotischen Beeinflussung chronischer Schmerzen: Empirische Untersuchungen. In B. Peter (Hrsg.) Hypnose und Hypnotherapie nach Milton H. Erickson (pp.58-75). Munchen, Germany: Pfeiffer.

Jensen, S., Barabasz, A., Barabasz, M., & Warner, D. (2001). EEG P300 event related markers of hypnosis. American J of Clinical Hypnosis, 44, 2, 127-139. Kinnunen, T., Zamansky, H.S. & Nordstrom, B.L. (2001). Is the hypnotized subject complying?International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 49,2,83-94. Kihlstrom, J. (1997). Convergence in understanding hypnosis? Perhaps, but perhaps not quite so fast. International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 45, 324­332.

Killeen, P. & Nash, M. (2003) The four causes of hypnosis. International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 51, 195-231. Kirsch, I. & Lynn, S.J. (1995). The altered state of hypnosis. American Psychologist, 50,10, 846-858.

Kosslyn, S., Thompson, W., Costantini, -Ferrando, M. Alpert, N., & Spiegel, D. (2000) Hypnotic visual illusion alters color processing in the brain. American J of Psychiatry, 157,1279-1284.

LeCron, L. M. (1953). A method of measuring the depth of hypnosis. J of Clinical and Experimental Hypnosis, 1, 4-7.

Milling, L.S., Kirsch, I., & Burgess, C/A. (1999). Brief modification of suggestibility and hypnotic analgesia: Too good to be true? International J of Clinical and Experi­mental Hypnosis, 47, 91-103.

Orne, M.T. (1979). On the simulating subject as a quasi-control group in hypnosis research: What, why, and how. In E. Fromm & R.E. Shor (Eds.) Hypnosis: Devel­opments in research and new perspectives (2nd ed., pp.519-566). New York: Aldine.

Peter, B., & Revenstorf, D. (2000) Commentary on Mathews's "Ericksonian approaches to hypnosis and therapy: Where are we now?" International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 48, 433-437.

Rainville, P., Duncan, G., Price, D. Carrier, B., & Bushnell, M., (1997) Pain affect encoded in human anterior cingulate but not somatosensory cortex. Science, 277, 968-971.

Rainville, P., Hofbauer, R., Paus, T. Duncan, G., Bushnell, M., & Price, D. (1999) Cerebral mechanisms of hypnotic induction and suggestion. J of Cognitive Neuro- science,11, 110-125.

Shor, R.E., & Orne, E.C. (1962). The Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility, Form A. Palo Alto, CA: Consulting Psychologists Press. Smith, J.T., Barabasz, A. & Barabasz, M. (1996). A comparison of hypnosis and distraction in severely ill children undergoing painful medical procedures. J of Coun­seling Psychology, 43, 2, 187- 195.

Smith, P.R., Barabasz, A., Barabasz, M. & Warner, D. (1995). Effects of hypnosis on the immune response: B-cells, T-cells, helper and suppressor cells. American J of Clinical Hypnosis, 38, 2, 71-79.

Spanos, N. P., & Barber,, T.X. (1974). Toward a convergence in hypnosis research. American Psychologist, 29, 500-511.

Spanos, N.P. & Coe, W.C. (1992). A socio-psychological approach to hypnosis. In E. Fromm & M. Nash (Eds.) Contemporary hypnosis research (pp. 102-129). New York: Guilford.

Spiegel, D. & Barabasz, A. (1990). In R.G. Kunzendorf & A.A. Sheikth (Eds.), Psychophysiology of hypnotic hallucinations, Psychophysiology of Mental Imagery: Theory, Research and Application. Boston, MA: Baywood Publishing, 133-146.

Spiegel, D. & Barabasz, A. (1988). Effects of hypnotic hallucination on P300 evoked potential amplitudes: Reconciling conflicting findings. American J of Clinical Hypnosis, 331, 11-17.

Spiegel, H. & Spiegel, D. (1978/1987). Trance and Treatment-Clinical uses of hypnosis. New York: Basic Books; Washington, D.C.: American Psychiatric Press. Szechtman, H., Woody, E., Bowers, K.S., Nahmias, C. (1998) Where the imaginal appears real: A positron emission tomography study of auditory hallucinations. Proceedings of the National Academy of Science, USA, 95(4), 1956-1960.

Tart, C. (1963). hypnotic depth and basal skin resistance. International J of Clinical and Experimental Hypnosis, 11, 81-92. Weitzenhoffer, A. M. & Hilgard, E.R. (1962.) Stanford Hypnotic Susceptibility Scale: Form C. Palo Alto, CA: Consulting Psychologists Press. Zamansky, H.S., Scharf, B., & Brightbill, R. (1964). The effect of expectancy for hypnosis on prehypnotic performance. J of Personality, 32, 236-248.

Spiegel, D & Kosslyn, S (2004) Glauben ist Sehen: Die Neurophysiologie der Hypnose.

Hypnose und Kognition, 21 (1+2), 119-137

Nachdruck mit Genehmigung der M.E.G.: Hypnose und Kognition (www.meg-hypnose.de) Zusammenfassung

Dieser Artikel stellt grundlegende Gedanken zu einer Theorie der Hypnose vor und fasst neurowissenschaftliche Befunde, die fur diese Ansicht sprechen, zusammen. Die Theorie basiert auf dem Gedanken, dass Hypnose die Aufmerksamkeit moduliert. Hier- durch wird a) das Gleichgewicht zwischen den Komponenten der Aufmerksamkeit derart verlagert, dass das exekutive System eine intensive Fokussierung auf internal erzeugte Vorstellungsbilder ermoglicht; b) das Gefuhl, Verursacher von Handlungen zu sein, durch die Veranderung in der aufmerksamkeitsgerichteten Verarbeitung reduziert; c) die Erwartungshaltung wahrend der Wahrneh- mungsverarbeitung durch die Vorstellungsbilder, auf die fokussiert wird, beeinflusst, was wiederum die Wahrnehmung selbst beein- flussen kann. Die hypnotisch induzierte Fokussierung auf die Erwartung, spezifische Stimuli zu erhalten, ist so stark, dass sie zu stabilen Illusionen fuhren kann oder dass vorhandene Wahrnehmungsobjekte in den Bereich auRerhalb der bewussten Wahrneh­mung verlegt werden. d) Das Ergebnis einer derartigen Verarbeitung ist, dass Personen unter Hypnose eher Wahrnehmungen manipulieren und auf Worter reagieren, als Worter zu manipulieren und auf Wahrnehmungen zu reagieren, wie das ublicherweise der Fall ist. Obereinstimmende Forschungsergebnisse bekraftigen die Tatsache, dass hypnotische Instruktionen, die Wahrnehmung zu verandern, zu kongruenten Veranderungen in den entsprechenden sensorischen Cortices fuhren, so dass die wahrgenommenen Veranderungen als real erscheinen. Ferner beeinflussen hypnotische Instruktionen zur Anderung der Reaktion auf sensorischen Input die Aktivierung der anterioren und mittleren Bereiche des Gyrus cinguli, was wiederum darauf Einfluss nimmt, wie die Auf­merksamkeit auf Stimuli und ihre Bedeutung gerichtet wird.

1. Einfuhrung

Hypnose ist ein Zustand hoch-fokussierter Aufmerksamkeit, verknupft mit einer Ausschaltung der peripheren Wahrnehmung. Diese Fahigkeit zu intensiver Aufmerksamkeit unter gleichzeitiger Reduktion des Bewusstseins fur das Umfeld kann nicht nur die hypnoti­schen Erfahrungen intensivieren, sie ermoglicht auRerdem, dass sich die Bedeutung dieser Erfahrungen abandert, indem das Asso- ziations-Gefuge, welches Wahrnehmung und Kognition verbindet, verandert wird.

Hypnose als solche bringt eine Bundelung des Aufmerksamkeits-Fokus mit sich (Spiegel, 1998), vergleichbar mit dem Blick durch ein Tele- statt durch ein Weitwinkelobjektiv. Zusatzlich bringt Hypnose eine Aufhebung des kritischen Urteilsvermogens mit sich, was zu einer Verminderung der Genauigkeitsbewertung fuhrt. In der Tat starkt hypnotisch induzierte Hypermnesie eher das Vertrauen in die Erinnerung als die Genauigkeit derselben. Sie starkt das Vertrauen auf das Gedachtnis mehr, als dass sie tatsachlich die Pro- duktion neuer Erinnerungen bewirken wurde (Dywan & Bowers, 1983; Spiegel & Scheflin, 1994; Spiegel, 1998). Zudem verandert hypnotische Erfahrung sowohl Kontext wie Inhalt, das Assoziations-Gefuge fur die Wahrnehmung (ihre Bedeu- tung) wie die Wahrnehmung selbst, analog der Veranderung sowohl des Leidens wie der Schmerzempfindung [des affektiven und sensorischen Aspekts] bei der Analgesie. Obwohl wir keine "Gehirn-Signatur" des hypnotischen Zustands per se identifiziert haben - falls eine solche uberhaupt existiert -, nimmt die Oberzeugung zu, dass Hypnose eine Aktivierung im anterioren Aufmerksamkeits- System, insbesondere im anteriorenGyrus cinguli, mit sich bringt, und dass hypnotische Veranderung der Wahrnehmung eine Ande­rung der elektrischen Gehirnaktivitat und der Durchblutung in den entsprechenden sensorischen Cortices erzeugt. In diesem Artikel stellen wir eine Theorie der Hypnose vor, die teilweise durch jungste neurowissenschaftliche Erkenntnisse begrun- det ist, und besprechen neuere, diese Theorie stutzende Untersuchungen zur hypnotischen Veranderung von Wahrnehmung. Wir behaupten, dass Hypnose die aufmerksamkeitsbezogene und perzeptuelle Verarbeitung im Gehirn verandern kann. Fur manche Menschen gilt dann zumindest zeitweise: Glauben ist Sehen.

2. Handlung und Kontrolle

Die Begriffsvorstellungen von Handlung und Kontrolle stellen den Kern unserer Theorie dar, die wir in den folgenden Abschnitten darlegen werden. Wir erlautern, wie hypnotische Veranderung der sensorischen Verarbeitung sowohl die verbale Verarbeitung als auch das Verursachergefuhl ["sense of agency": Gefuhl, Verursacher eines Gedankens oder einer Handlung zu sein; im Folgenden kurz als "Verursachergefuhl" bezeichnet] beeinflusst.

2.1 Verbale versus sensorische Verarbeitung unter Hypnose

Hypnotische Veranderung der Wahrnehmung scheint eine erstaunliche Verbesserung der Kontrolle uber Wahrnehmungsprozesse, die normalerweise als automatisch betrachtet werden, mit sich zu bringen. Allerdings wird Hypnose haufig so dargestellt, dass sie eine gesteigerte Automatisierung mit sich bringt, eine "Empfanglichkeit" fur externe Kontrolle und die Erfahrung der Unwillkurlichkeit (Hilgard, 1965; Spiegel & Spiegel, 1987). Um dieses offenkundige Paradoxon aufzulosen, kann man sich zunachst vorstellen, dass das Gehirn in zwei sehr groRskalige Systeme unterteilt ist: ein anteriores Effektor-System, das eine Interaktion mit der Umwelt er­moglicht, und ein posteriores rezeptives System, welches auf die Umwelt reagiert: motorische Aktivitat versus Wahrnehmungsreak- tion. Aus unserer Sicht ist die Interaktion zwischen diesen beiden groRen Systemen der Schlussel zum Verstandnis der Hypnose. Betrachten wir zunachst die Forschungsergebnisse auf dem Gebiet des autobiografischen Gedachtnisses, die nahelegen, dass dieses auf einer hohen Aktivitat im Frontallappen beruht, verknupft mit einer Suchstrategie, die ihren Weg posterior, in Richtung auf eine Aktivierung von Vorstellungsbildern im Okzipitallappen nimmt (Maquet, Faymonville et al., 1999). Diese kontrollierte, gewunsch- te Aktivitat ist absichtsvoll und mit dem Verursachergefuhl assoziiert. Im Gegensatz dazu scheint bei der posttraumatischen Belas- tungsstorung (PTB) die Aktivierung von hinten nach vorne zu drangen, verbunden mit ungebetenen intrusiven Vorstellungsbildern, welche als unkontrollierbar und unwillkommen erfahren werden (Horowitz, Field et al., 1993). Bildgebende Verfahren haben gezeigt, dass die Gehirne von PTB-Betroffenen (Rauch & Shin, 1997) eine auRergewohnliche Aktivierung des Hippocampus (verantwortlich fur die Kodierung neuer Informationen in Gedachtnisinhalte), der Amygdala (spielt eine Schlusselrolle bei der Wahrnehmung und der Entstehung von Emotionen) und des okzipitalen Cortex (ist in die visuelle bildhafte Vorstellung von Objekten involviert) aufweisen, jedoch eine Hypoaktivierung des Brocaschen Zentrums, in dem Sprache vermittelt wird. Folglich sind tiefliegende und posteriore Anteile des Gehirns aktiviert, wahrend ein groRer Teil des Effektor-Systems, der Sprache, gehemmt ist, was sich zu dem bei PTB auftretenden Gefuhl von Hilflosigkeit und Unwillkurlichkeit addieren konnte. Diese Betroffenen fuhlen sich bewegungsunfahig und erneut traumatisiert durch ihre eigenen Erinnerungen.

2.2 Verursachergefuhl und Wahrnehmung

Auf den ersten Blick mag der Gedanke, dass Handlung mit Wahrnehmung verbunden ist, kontraintuitiv erscheinen: Man konnte denken, dass das Verursachergefuhl eher mit efferenter Aktivitat als mit Wahrnehmung assoziiert werden sollte. Viele Menschen sind sich ihrer motorischen Leistung nicht bewusst, wahrend sie diese ausfuhren: Schauspieler, Athleten, Menschen in "Flow"- Zu- standen (Csikszentmihalyi, 1991). Folglich geht das Verursachergefuhl nicht einheitlich mit Aktivitat einher, auch nicht mit freiwilliger Aktivitat. Diese Beobachtung legt nahe, dass wir das Gefuhl der Handlungsverursachung am besten als eine Form von Wahrneh­mung auffassen sollten - und nicht als Form motorischer Kontrolle. Auch wenn dieses Verursachergefuhl am ehesten durch Handeln zum Ausdruck gebracht wird, wird es nicht als solches wahrgenommen, wenn die Wahrnehmung gehemmt ist. GemaR dieser Sicht- weise sollte das Verursachergefuhl abnehmen, wenn die Wahrnehmungsverarbeitung mit intrusiven bildhaften Vorstellungen gesat- tigt ist - oder durch eine hypnotische Instruktion zuruckgelenkt wird. Tatsachlich kann es unter Hypnose zu Korperbewegungen kommen (Hilgard, 1977), ohne dass dabei eine Handlung wahrgenommen wird.

Die gut nachgewiesene Fahigkeit der Hypnose, Wahrnehmung zu verandern (wie beispielsweise Schmerzwahrnehmung), konnte fur ihre weniger gut verstandene Eigenschaft verantwortlich sein, Identitat, Gedachtnis, Bewusstsein und Selbstwahrnehmung zu ver­andern. Die Wahrnehmung motorischer Aktivitat ist jedoch ein komplexer Prozess. Sie ist nicht nur einfach eine passive Bottom-up- Aufnahme kinasthetischer Signale, sondern bringt auch die aktive Bildung von Topdown-Signalen mit sich, d.h. die Erwartung, eine motorische Handlung wahrzunehmen, die man initiiert hat (aus diesem Grund konnen wir uns nicht selbst kitzeln). Folglich konnte eine sich verandernde Wahrnehmung zahlreiche Folgen haben, die Selbstwahrnehmung und Verursachergefuhl in Bezug auf die eigenen Handlungen abandern, was von einer Storung des Empfangs sensorischer Signale bis hin zu einer Veranderung eigener Erwartungen reicht. Ausserdem kann Hypnose zu einer derart intensiven Erwartungshaltung gegenuber Stimuli fuhren, dass man den Stimulus tatsachlich selbst erzeugt, beruhend auf denselben Mechanismen, die zur Bildung mentaler Vorstellungsbilder ver- wendet werden (von Kosslyn (in Druck) als "Hyperpriming" bezeichnet).

Wie wird Wahrnehmung tatsachlich verandert? Nach unserer Auffassung vollziehen sich derartige Veranderungen indirekt, und zwar als Folge einer sich verandernden Aufmerksamkeit. Bei der Aufmerksamkeit handelt es sich nicht um einen einzelnen Prozess. Viele Wirkungen der Hypnose beruhen darauf, dass das Gleichgewicht der Aktivierung unter den verschiedenen Aufmerksamkeits- Systemen verlagert wird. Folglich mussen wir zunachst die Natur der Aufmerksamkeit naher betrachten, um Hypnose zu verstehen.

3. Aufmerksamkeits-Systeme

Posner und Kollegen (Posner & Petersen, 1990; Fan, McCandliss et al., 2002; Raz & Shapiro, 2002) schildern drei Aspekte der Aufmerksamkeit: exekutive, wachsame und orientierende Aufmerksamkeit. Die exekutive Aufmerksamkeit, die man benotigt, wenn man sich auf eine besondere Stelle konzentriert und darauf wartet, etwas zu entdecken, gleicht einem Scheinwerferlicht. Es handelt sich um gerichtete Aufmerksamkeit, die teilweise mit dem anterioren Gyrus cinguli und dem dorsolateralen prafrontalen Kortex zu tun hat. Die wachsame Aufmerksamkeit bringt eine schnelle Reaktion und die Inkaufnahme einer hohen Fehlerrate mit sich. Dieser Aspekt der Aufmerksamkeit ist an den rechten medialen Bereich des Frontallappens gebunden. Der dritte Aspekt der Aufmerksam­keit umfasst die Orientierung, die man benotigt, um ein aufblitzendes Signal zu orten, das zunachst im Augenwinkel gesehen wird. Dieses System betrifft die anterioren okzipital/posterioren parietalen Cortices. Diese Bereiche haben starke Verbindungen von und zu dem superioren Colliculus und dem Thalamus. Lasionen dieser Verbindungen fuhren zu Schwierigkeiten bei der Orientierung, beim Richten von Aufmerksamkeit auf ein Ziel und bei der Vermeidung von Zerstreutheit.

Walter und Mitarbeiter (Walter, Podreka et al., 1990) verglichen hypnotische Halluzinationen mit psychotischen Halluzinationen und fanden eine erhohte Aktivitat im Thalamus und eine verminderte Aktivitat im Hippocampus (unter Einsatz von Einzelphotonemissions-Computer-Tomographie SPECT wahrend hypnotischer Halluzinationen). Weiterhin gibt es Unterschiede in der Art der Orientierung mit einer rechtshemispharischen Grundaktivitat bezuglich globaler Verarbeitung und einer linkshemisphari- schen Grundaktivitat bezuglich lokaler Verarbeitung. Ein wichtiger (wenngleich nicht notwendiger) Aspekt des Hypnose-Induktions- Rituals sind die geschlossenen Augen des Teilnehmers. Ein Schlie&en der Augen kann wichtige Bereiche des posterioren Aufmerk- samkeits-Systems hemmen (Marx, Stephan et al., 2003). Bahnen, die vom Thalamus in diese Region fuhren, sind eindeutig nach- gewiesen worden, und der Thalamus spielt eine entscheidende Rolle bei der bewussten Wahrnehmung (Hobson, 2001). Folglich konnen die meisten hypnotischen Lidschluss Induktionen das Gleichgewicht der Aufmerksamkeit nach vorn in Richtung derjenigen Mechanismen verlagern, die das anteriore Cingulum betreffen, mit einer Bundelung der Aufmerksamkeits-Ausrichtung, wie sie ty- pisch ist fur die "Suchscheinwerfer"-Funktiondes exekutiven Systems (Posner & Petersen, 1990).

Diese Verlagerung in den entsprechenden Aktivitatsebenen der unterschiedlichen Aufmerksamkeits-Systeme wurde die Aktivierung auf Kosten der (orientierenden) Erregung verstarken. Indem man das exekutive Aufmerksamkeits-System wahrend des hypnoti­schen Rituals in Anspruch nimmt, ist es nicht langer fur externe Stimuli aufnahmebereit. Diese Vorstellung konnte erklaren, warum hypnotisierte Menschen visualisieren oder sich vorstellen konnen, dass sie an komplexen physikalischen Aktivitaten teilnehmen, sich aber gleichzeitig in Zustanden auffalliger korperlicher Entspannung befinden, in denen sie unempfanglich fur Umweltreize sind und durch diese auch nicht erregt werden (Spiegel & Maldonado, 1999). Die Intensitat der bildhaften Vorstellung, die trotz des Mangels an entsprechender korperlicher Aktivitat vorhanden ist, wird durch eine Studie verdeutlicht, in welcher die hypnotisch-induzierte Aufnahme einer vorgestellten Speise zu einer 247%igen Steigerung der Magensaureproduktion fuhrte, wohingegen hypnotische Entspannung ohne Essensaufnahme zu einer signifikanten Reduktion der Magensaure-Sekretion fuhrte, und das sogar nach Verab- reichung von Pentagastrin, das die Produktivitat der Parietalzellen anregt (Klein & Spiegel, 1989).

Unserer Auffassung nach ist das Besondere bei der Hypnose, dass man nicht nur einfach auf internal erzeugte Vorstellungsbilder bei AusschluH externer Stimuli fokussiert, sondern auch, dass diese internal erzeugten Vorstellungsbilder verarbeitet werden, als seien sie von au&en empfangen worden - daher die Lebhaftigkeit hypnotischer bildhafter Vorstellung und das Phanomen der hypno­tischen Halluzination, welche aus einer Ab- oder Zunahme der sensorischen kortikalen Aktivierung resultieren kann. Hypnose scheint in der Tat eine Umkehrung unserer ublichen Verarbeitung von Wortern und Vorstellungsbildern mit sich zu bringen (Spiegel, 1998). Im Allgemeinen manipulieren wir Worter und reagieren auf Vorstellungsbilder. Unsere verbalen Fahigkeiten sind Teil des anterioren Effektor-Systems und werden dazu benutzt, der Umwelt Reaktionen zu entlocken. Unter Hypnose jedoch reagieren wir auf Worter und manipulieren Vorstellungsbilder. In hypnotischer Trance akzeptieren wir verbalen Input verhaltnismassig unkritisch (was das Wesen der hypnotischen Suggestibilitat darstellt). Gleichzeitig sind hypnotisierte Personen in besonderem Masse dazu fahig, Vorstellungsbilder und Wahrnehmungen zu transformieren.

Ein erheblicher Teil der Macht des hypnotischen Zustands umfasst die unkritische Akzeptanz von unplausiblen Dingen, wie bei­spielsweise die Fahigkeit, Schmerz zu reduzieren oder auszuschalten, auch wenn derselbe schmerzhafte Stimulus weiterhin vor- handen ist, oder sich das Unvorstellbare vorzustellen, visuelle Halluzinationen entstehen zu lassen oder im Lebensalter zu regredie- ren oder zu progredieren. In diesem Fall setzt sich die verbale Instruktion, die Erfahrung entsprechend zu verandern, uber die kogni- tive Verarbeitung der Wahrscheinlichkeit, dass sich eine solche Erfahrung tatsachlich ereignet, hinweg. Dieses Suchscheinwerfer- oder Fokussierungs-Konzept der Hypnose wird von neueren Forschungsergebnissen untermauert, die darauf hinweisen, dass Hyp- nose lexikalische Wahrnehmung wirksam aus dem Zusammenhang reiRen und sogar die Verzogerung in der Reaktionszeit eliminie- ren kann, wie sie beim klassischen Stroop-Effekt auftritt.

In einem Experiment wurde hoch hypnotisierbaren Versuchspersonen suggeriert, dass die ihnen dargebotenen Worter in einer Fremdsprache geschrieben seien und keine Bedeutung hatten (Raz, Shapiro et al., 2002). Dies eliminierte die normale Stroop- Verzogerung (verursacht durch die konkurrierende Verarbeitung der Inkongruenz zwischen Wortbedeutung und der Farbe, in der das Wort gedruckt ist [das Wort ROT in gruner Farbe geschrieben verursacht normalerweise eine kurze Verzogerung in der Aus- sprache; Anm. d. Hrsg.]). In einer weiteren Studie kam man zu ahnlichen Ergebnissen, und zwar unter Verwendung der hypnoti­schen Instruktion, nur einen Teil des Geschriebenen zu fokussieren (Nordby, Hugdahl et al., 1999), was mit fruheren Arbeiten von Sheehan und Kollegen (Sheehan, Donovan et al., 1988) ubereinstimmt. Die Anderung der Wahrnehmung hat also Vorrang vor der lexikalischen Verarbeitung. Kurz gesagt fuhrt uns diese theoretische Betrachtungsweise zu den beiden folgenden Aussagen: Die Fahigkeit hoch hypnotisierbarer Personen, im hypnotischen Zustand ihre Wahrnehmung zu verandern (1) betrifft Gehirnstrukturen, die sowohl der Wahrnehmung, als auch der Aufmerksamkeit unterliegen und (2) steigert das Verursachergefuhl bei der Manipulation von Empfindungen und Bildern, verringert das Verursachergefuhl aber in Bezug auf verbale Verarbeitung. Die erste Aussage wird durch eine ganze Reihe von Studien belegt, nicht jedoch die zweite. Folglich konnen wir nun beweisen, dass Hypnose in der Tat Gehirnstrukturen in Anspruch nimmt, die der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit unterliegen.

4. Hypnotische Veranderung der Wahrnehmungsverarbeitung

Immer mehr Befunde sprechen dafur, dass es zu einer Veranderung in den primaren sensorischen Assoziations-Cortices kommt, wenn hypnotisierte Personen ihre visuelle, somatosensorische, auditive oder sogar ihre olfaktorische Erfahrung verandern. Altere Studien zeigten unter Nutzung ereigniskorrelierter Potentiale, dass beispielsweise Instruktionen zur hypnotischen Schmerzunemp- findlichkeit die Amplitude der somatosensorischen Reaktion im parietalen Cortex reduzieren.

Jungere Studien haben mithilfe von fMRI und PET eine bessere anatomische Lokalisierung und zeigen, dass zusatzlich zu den hypnotischen Effekten auf den sensorischen Cortex auch andere Teile des Gehirns involviert sind, die an selektiver Aufmerksamkeit beteiligt sind. Es handelt sich hier v. a. um Teile des anterioren und mittleren Gyrus cinguli, die bei der hypnotischen Analgesie und anderen sensorischen Veranderungen eine Rolle spielen.

4.1 Studien unter Nutzung ereigniskorrelierter Potentiale

Ereigniskorrelierte cortikale Potentiale (ERPs) haben eine weit verbreitete Anwendung gefunden bei der Untersuchung von Wahr- nehmungs- und Aufmerksamkeits-Verarbeitung. Diese Technik bewertet cortikale elektrische Reaktionen auf eine Reihe von Stimuli und liefert eine exzellente zeitliche Auflosung der Gehirn-Reaktion auf sensorischen Input, zeigt aber die raumliche Lokalisation weniger prazise, da die Messung durch die Pachymeninx [Hirnhaut], das Cranium und die Kopfhaut erfolgt. Die Amplitude der fruhen Komponenten des ERP (100-200 ms nach dem Stimulus) gibt die Starke und die Art (beispielsweise visuell versus auditiv) des Input-Signals wieder. Die Amplitude spaterer Komponenten (200-500 ms nach dem Stimulus) wird durch Neuartigkeit, bewusste Wahrnehmung und Relevanz der Aufgabe erhoht (Hillyard & Munte, 1984; Ford et al., 1984). Die entscheidende Hypothese der mittels ERP untersuchten Hypnose besagt, dass es zu einer entsprechenden Abnahme der Amplitude des ERP-Antwortsignals gegenuber Stimuli kommen sollte - falls Hypnose eine Person dazu bringt, den perzeptuellen Input zu blockieren. In der Tat haben ERP Studien uber die Wirkungen von Hypnose auf die Wahrnehmungsverarbeitung gezeigt, dass hypnotische Instruktionen zur Wahrnehmungsveranderung bei hypnotisierbaren und hypnotisierten Personen entsprechende Veranderungen in der Reaktion des Gehirns auf Stimuli in der entsprechenden sensorischen Modalitat hervorrufen. ERP Studien deuten darauf hin, dass die Veranderung der Wahrnehmung unter Hypnose die Anteile der Wellenform verandert, welche sowohl von Aufmerksamkeit als auch von Bedeutung beeinflusst sind. Insbesondere fuhrt eine hypnotische Halluzination, welche die Wahrnehmung von visuel- len und somatosensorischen Stimuli hemmen soll, zu einer Abnahme der Amplitude der fruhen (P100)- und spateren (P300) Kom­ponenten der Wellenform-Reaktion (Barabasz & Lonsdale, 1983; Spiegel, Cutcomb et al., 1985; Spiegel, Bierre et al., 1989; Jasiukaitis, Nourini et al., 1996; De Pascalis & Carboni 1997; Barabasz, Barabasz et al., 1999; De Pascalis, Magurano et al., 1999). So bringt beispielsweise die subjektiv reduzierte Schmerzwahrnehmung, typisch fur hypnotische Analgesie, eine verminderte ERP- Amplitude bezuglich somatosensorischer Stimulation mit sich. Fur das visuelle System ist der gleiche Befund am linken okzipitalen Cortex lokalisiert worden (Jasiukaitis, Nouriani et al., 1996). Dies steht in Obereinstimmung mit Farahs Arbeit (Farah, Weisberg et al., 1990), die zeigt, dass die Erzeugung eines Vorstellungsbildes auf Prozessen beruht, die in dieser Region ausgefuhrt werden. Zusatzliche Untersuchungen haben gezeigt, dass hypnotisch blockierende Halluzinationen die Amplitude der Komponenten verrin­gert, die aufmerksamkeitsbezogen sind (wie P100), sowie anderer, die es nicht sind (P200 und P300) (Spiegel, Cutcomb et al., 1985; De Pascalis & Carboni, 1997; Barabasz, Barabasz et al., 1999; Nordby, Hugdahl et al., 1999). Folglich scheint es wahrend der hypnotischen Reduktion der fruhen (P100)-Komponenten der ERPReaktion keinen besonderen Prozess zu geben, der sich von Unaufmerksamkeit wahrend blockierender Halluzination unterscheidet (Hillyard & Munte, 1984; Jasiukaitis, Nouriani et al., 1996). Einfache gerichtete Unaufmerksamkeit und Hypnose sind jedoch nicht genau dasselbe: Gerichtete Unaufmerksamkeit erhoht die Amplitude der P200- und P300-Komponenten, wohingegen die hypnotische Hemmung sie verringert. Hypnose besteht also nicht aus einer schlichten Unaufmerksamkeit gegenuber einem Stimulus, sondern lasst vielmehr eine Konkurrenz zwischen internal er- zeugter bildhafter Vorstellung und perzeptueller Verarbeitung entstehen, welche anschlieRend die Amplitude der ERP-Reaktion auf sensorischen Input reduziert (Spiegel, 2003).

4.2 Studien unter Nutzung der Positronen-Emissions-Tomographie und der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und funktionelle Magnetresonanz-Tomographie ["functional magnetic resonance imaging" fMRI] liefern Gehirnfunktionsmessungen mit weitaus gro&erer anatomischer Prazision, als sie durch elektrophysiologische Techni- ken erhalten werden konnen. Kosslyn und Kollegen (Kosslyn, Thompson et al., 2000) haben ein Experiment entworfen, um eine konkurrierende Hypothese auszuschlie&en, die behauptet, dass die Effekte hypnotischer Wahrnehmungsreduktion auf die Gehirn- Aktivitat einfach nur das Ergebnis der Abwendung von Aufmerksamkeit von sensorischen Stimuli seien. Das Experiment verlangte fortwahrende Aufmerksamkeit auf einen visuellen Stimulus und auf Veranderung in zwei entgegengesetzte Richtungen: das Hinzu- fugen von Farbe in ein Grauskalen-Muster, oder das Herausnehmen von Farbe aus einem ahnlichen farblichen Muster. Kosslyn und Mitarbeiter fanden heraus, dass hypnotisch induzierte Illusionen, welche die Farbwahrnehmung beeinflussen, entge- gengesetzte Durchblutungsveranderungen in jenem Cortex-Areal zur Folge haben, das fur Farbwahrnehmung zustandig ist. Von acht hoch hypnotisierbaren Versuchspersonen wurde wahrend eines PET-Scans (unter Nutzung von 15O-CO2) verlangt, ein Farb- muster in Farbe zu sehen, dann ein ahnliches grauskaliertes Muster in Farbe, ein Farbmuster als Grauskala und schlie&lich das grauskalierte Muster als Grauskala. Das klassische "Farben-Areal" im fusiformen/lingualen Bereich des Cortex wurde dadurch iden- tifiziert, indem dieselben Versuchspersonen ohne Hypnose gebeten wurden, Farbe als Farbe und dann Grau als Grau wahrzuneh- men. Als diese hoch hypnotisierbaren Personen dann hypnotisiert und gebeten wurden, Farbe zu sehen, waren sowohl das links- als auch das rechtshemispharische Farb-Areal aktiviert, gleichgultig, ob ihnen tatsachlich das farbliche oder das grauskalierte Mus­ter dargeboten wurde.

Im Gegensatz dazu zeigte diese Gehirnregion verminderte Aktivierung, als die Versuchspersonen in Hypnose angewiesen wurden, dem Muster die Farbe zu entziehen, gleichgultig ob ihnen tatsachlich das farbliche oder das grauskalierte Muster dargeboten wurde. Die Versuchspersonen wurden auch gebeten, dieselbe Aufgabe auszufuhren, wahrend sie nicht hypnotisiert waren, also unter aus- schlie&licher Nutzung ihrer Imaginationsfahigkeit. Bildhafte Vorstellung ohne Hypnose fuhrte aber zu keiner Veranderung der Akti­vierung im linkshemispharischen Farb-Areal, wohingegen Hypnose mit bildhafter Vorstellung derartige Veranderung bewirkte. Im Gegensatz dazu haben sowohl "bildhafte Vorstellung ohne Hypnose" als auch "Hypnose mit bildhafter Vorstellung" die Aktivierung in der rechten Hemisphare verandert. Folglich spiegelten sich Veranderungen in den subjektiven Erfahrungen wahrend eines hypnoti­schen Zustandes in Veranderungen der Gehirnfunktion wider, vergleichbar mit solchen Veranderungen im Gehirn, die sich wahrend tatsachlicher Wahrnehmung ereigneten - in diesem Fall war Glauben gleich Sehen. In einer Reihe von Studien untersuchten Rainville und Kollegen (Rainville, Duncan et al., 1997; Rainville, Hofbauer et al., 1999; Hofbauer, Rainville et al., 2001; Rainville, Bushnell et al., 2001; Rainville, Hofbauer et al., 2002) die Gehirn-Korrelate der hypnotischen Analgesie.

Insbesondere haben sie Unterschiede in der Gehirn- Aktivierung identifiziert, die sich ereignen, wenn Hypnose verwendet wird, um die Schmerzempfindung zu dampfen, versus wenn Sie verwendet wird, um durch Schmerz verursachten Stress zu reduzieren: die haufig angewandte klinische Unterscheidung zwischen sensorischer und affektiver Schmerzempfindung. In einer fruhen PET-Studie (Rainville, Duncan et al., 1997) verwendeten sie eine hypnotische Intervention, die weniger auf die sensorische Schmerzwahrneh- mung gerichtet war, als vielmehr darauf, den durch Schmerz verursachten affektiven Stress zu verandern. Sie suggerierten unter Hypnose ein gesteigertes bzw. ein vermindertes Unwohlsein durch Schmerz (Seite 970, Fusszeile 7) und beobachteten Unterschie­de in der regionalen cerebralen Durchblutung ["regional cerebral blood flow", rCBF] im anterioren Gyrus cinguli, aber nicht im prima- ren sensorischen Assoziations-Cortex.

In einer nachfolgenden Arbeit (Hofbauer, Rainville et al., 2001), die weniger Instruktionen hinsichtlich einer Reduzierung des affekti­ven Unwohlseins, als vielmehr Instruktionen zur Reduzierung der sensorischen Schmerzintensitat beinhaltete, fanden sie wahrend hypnotischer Analgesie eine reduzierte Aktivitat im S1- Bereich des somatosensorischen Cortex. Als sie aber hypnotische Instruktio­nen zur Erhohung der Schmerzintensitat gaben, beobachteten sie gesteigerte Aktivitat in den Bereichen S1, S2, im anterioren Gyrus cinguli und im insularen Cortex. Die Autoren zogen es vor, die Bedingungen nicht abwechselnd [counter-balanced] darzubieten, sondern den hypnotischen Zustand immer an zweite Stelle zu setzen: Sie waren verstandlicherweise um die moglichen Nebeneffek- te der Hypnose besorgt, fur den Fall, dass diese als erstes dargeboten wurde. Es ist nun aber moglich, dass die immer gleiche Reihenfolge sowohl Sensibilisierung als auch Habituation hervorgerufen hat - folglich ist es schwierig, diese Befunde zu erklaren. Diese Arbeiten liefern weitere Beweise dafur, dass hypnotische Veranderung der Wahrnehmung entsprechende Veranderung der Aktivierung in den primaren sensorischen Assoziations-Cortices hervorruft, so dass der Schmerz-Stimulus sich tatsachlich anders anfuhlt. Zusatzlich hat sich das alte klinische Sprichwort, dass man dem Schmerz Aufmerksamkeit schenken muss, damit er schmerzt (Spiegel & Spiegel, 1987), durch den Nachweis einer Assoziation zwischen reduzierter Aktivitat des anterioren Gyrus cinguli und der Schmerzwahrnehmung bestatigt. Faymonville und ihre Kollegen (Faymonville, Roediger et al., 2003) haben weitere Gehirnbahnen, die mit hypnotischer Analgesie assoziiert sind, aufgedeckt. Unter Verwendung von pEt haben sie herausgefunden, dass Schmerzreduktion unter Hypnose durch eine Zunahme der funktionalen Verbindungen zwischen Anteilen des mittleren cingularen Cortex und anderen Strukturen vermittelt wird, die mit der Schmerzwahrnehmung verbunden sind, eingeschlossen die Insula, frontale Bereiche, insbesondere auf der rechten Seite, ebenso Hirnstamm, Thalamus und die Basalganglien. Sie behaupten, dass der mittlere cingulare Cortex die Interaktion zwischen Anteilen des Gehirns erhoht, welche Sensorik sowie affektive, kognitive und behaviorale Aspekte der Schmerzwahrnehmung vermitteln.

Die Ergebnisse einer fruhen Studie von Crawford und Mitarbeitern (Crawford, Gur et al., 1993) unter Verwendung des 133Xeregionalencerebralen- Blutfluss (rCBF) Verfahrens mogen Einblick in einen weiteren Aspekt jener Mechanismen gewahren, die der Hypnose unterliegen. Sie fanden wahrend hypnotischer Analgesie eine erhohte regionale cerebrale Durchblutung im soma­tosensorischen Cortex zusammen mit einer erhohten Durchblutung im orbito-frontalen Cortex, und kamen zu dem SchluH, dass fur die Analgesie der frontal hemmende Input verantwortlich ist, ungeachtet der erhohten Durchblutung im somatosensorischen Cortex. Auf den ersten Blick sind diese Befunde inkonsistent mit denen von Rainville et al., ebenso wie mit anderen ERP-, PET- und fMRIBefunden, die zeigen, dass hypnotische Analgesie die Aktivitat im somatosensorischen Cortex reduziert. Es ist jedoch durchaus moglich, dass die Frontallappen in der Tat Aufmerksamkeits-Mechanismen in anderen Bereichen des Gehirns dirigieren und dass die Versuchspersonen dieser Studie aktiv den Schmerz erwartet haben. Falls dem so ist, konnte diese Erwartung den somatosenso­rischen Cortex aktiviert haben - in gleicher Weise, wie eine bildhafte Vorstellung die fruhen sensorischen Cortices aktivieren kann.

5. Hypnose und geistige Vorstellung

Unsere Theorie beruht auf dem Grundgedanken, dass bildhafte Vorstellungen zu dem Operationsmechanismus, welcher der Hyp­nose zugrunde liegt, beitragen, nicht aber, dass sie durch diesen Mechanismus hervorgerufen oder verandert werden. (Zu beachten ist, dass Hypnose und bildhafte Vorstellungen nicht dasselbe sind, wie aus unserer jungeren PET-Studie uber Farb-Halluzinationen [Kosslyn et al., s.o.] hervorgeht). Nichtsdestoweniger ist es moglich, dass auch bildhafte Vorstellungen durch den Akt der Hypnose verandert werden, falls diese bildhaften Vorstellungen auf Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungs-Mechanismen beruhen. In der Tat haben Forscher gezeigt, dass visuelle bildhafte Vorstellungen und visuelle Wahrnehmung auf einem gemeinsamen Kern derselben Gehirn-Systeme beruhen (Kosslyn, Ganis et al., 2001). In einer Studie waren uber 90% der Voxel, die wahrend der Wahr­nehmung aktiviert waren, auch in einer vergleichbaren Aufgabe zur bildhaften Vorstellung aktiviert (Ganis, Thompson et al., in Druck). Nahezu alle Untersuchungen uber die Wirkungen von Hypnose und Hypnotisierbarkeit auf bildhafte Vorstellungen befassten sich schwerpunktmaRig mit der Lebhaftigkeit der Vorstellung oder erforschten anhand von Selbsteinschatzungen, wie haufig bildhaf­te Vorstellung genutzt wird. Die Ergebnisse waren widerspruchlich (zum Oberblick siehe Holroyd, 1992; Kogon, Jasiukaitis et al., 1998), was nicht weiter uberrascht, denn diese Rating-Skalen hatten in allen Anwendungen eine jeweils widerspruchliche Geschich­te (fur einen Oberblick siehe beispielsweise Kosslyn, 1980; Kosslyn,1994) und sind beeinflusst durch die jeweiligen Aufgabencharak- teristika, durch Verzerrungseffekte hinsichtlich sozialer Erwunschtheit und durch die Wirkung unterschiedlicher Erwartungen (z.B. Di- Vesta, Ingersoll et al., 1971). Nur wenige Studien nutzten objektive Messwerte, um die Effekte der Hypnose auf die Verarbeitung bildhafter Vorstellungen per se zu untersuchen, und kamen dabei zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. T'Hoen (1978) kam zu dem SchluR, dass sich hoch hypnotisierbare im Vergleich zu niedrig hypnotisierbaren Versuchspersonen an mehr Wortverbindungen erinnerten, wenn diese sehr bildhaft waren, doch waren die Probanden nicht wirklich hypnotisiert. Daruber hinaus konnte dieser Unterschied auch andere Faktoren widergespiegeln, wie zum Beispiel die Tatsache, dass sich die hoch hypno­tisierbaren Versuchspersonen einfach mehr angestrengt haben (Kirsch, 1999). Sweeny und Mitarbeiter (1986) baten Versuchsper­sonen, sich benannte Objekte vorzustellen, die miteinander interagierten, und fanden dabei keine Effekte auf die Erinnerung, und das unabhangig vom Grad der Hypnotisierbarkeit und unabhangig davon, ob die Versuchspersonen tatsachlich wahrend des Ler- nens hypnotisiert waren. Smith und Weene (1991) fanden, dass Worter von besonderer Bildhaftigkeit besser im Gedachtnis blieben, wenn die Versuchspersonen wahrend des Lernens hypnotisiert waren, im Vergleich zu dem Fall, dass sie nicht hypnotisiert waren, doch stellten sie den Grad der Hypnotisierbarkeit nicht fest. Sie versuchten auch nicht, mogliche Unterschiede auf der motivationalen Ebene zu kontrollieren, so dass dieses Ergebnis vielleicht einfach nur widerspiegelt, wie sehr sich die Versuchsper­sonen bei der Losung der Aufgabe angestrengt hatten.

Crawford und Allen (1996) fanden in einer gut kontrollierten Studie heraus, dass Hypnose das Erlernen konkreter Wortpaare bei hoch hypnotisierbaren Personen erleichtert (jedoch nicht bei niedrig hypnotisierbaren), selbst wenn die Versuchspersonen nicht erwarten, an einem Hypnose-Experiment teilzunehmen, und die Versuchsleiter keine Kenntnis von dem Hypnotisierbarkeits-Grad der Versuchspersonen haben. Crawford und Allen gaben in ihrer Studie allerdings keine expliziten Anweisungen, bildhafte Vorstel­lungen zu benutzen, und es gab keine Wechselwirkung zwischen konkreten und abstrakten Wortern - was die Ergebnisse zweifel- haft erscheinen lasst, vorausgesetzt, bildhafte Vorstellung beeinflusst nur das Lernen konkreter Worter. Studien uber die Effekte der Hypnose auf kognitive Moglichkeiten haben haufig zwei groRe Mangel: Es mangelt ihnen am Vergleich zwischen Hypnose und derselben Aufgabenstellung ohne Hypnose, und es mangelt ihnen an einer Kontrollbedingung bezuglich Motivation. Barabasz (1980) hat beispielsweise gezeigt, dass das Hypnotisieren von Versuchspersonen mit dem Ziel der Steigerung ihrer Auf­merksamkeit in der Tat deren Fahigkeit verbessert hat, Ziele zu entdecken, und dies um so mehr, je hoher hypnotisierbar sie waren. Eine Vergleichsbedingung fur den Nicht-Hypnose-Fall gab es jedoch uberhaupt nicht, geschweige denn eine, in der die Versuchs- personen motiviert wurden, sich sehr anzustrengen, um gut abzuschneiden.

Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Ergebnisse wurden wir das Verhaltnis zwischen der Fahigkeit zu bildhafter Vorstel­lung und Hypnotisierbarkeit wie folgt interpretieren: Die hypnotische Komponente der Fahigkeit zu bildhafter Vorstellung scheint in dem Moment eine Rolle zu spielen, wo Versuchspersonen gebeten werden, etwas mit dem Vorstellungsbild anzufangen (es bei­spielsweise in Widerspruch zu einer Wahrnehmung zu setzen, um diese zu verandern). Wie wir oben ausgefuhrt haben, sind Ver­suchspersonen unter Hypnose erstaunlich effektiv beim Manipulieren von Vorstellungsbildern und beim einfachen Reagieren auf Worter. Der hypnotische Effekt liegt also nicht so sehr darin, Vorstellungsbilder zu besitzen, als vielmehr darin, diese zur Wahrneh­mungsveranderung zu verwenden, indem von einer afferenten Reaktion auf ein Vorstellungsbild zu einem efferenten Akt der Wahrnehmungsmodulierung gewechselt wird. Gleichwohl ist dies eine Post-hoc-Annahme, und es ist evident, dass es noch viel mehr rigoroser Nachforschung bedarf zur Erforschung der zentralen Frage, ob und in welcher Weise Hypnose bildhafte Vorstellun­gen moduliert und wie Hypnose bildhafte Vorstellungen dazu nutzen kann, Wahrnehmung zu verandern.

6. Hypnotische Veranderung der Wahrnehmung motorischer Aktivitat

Unsere Analyse hat sich auf Veranderung der Wahrnehmung unter Hypnose konzentriert. Andere Forscher haben ebenfalls hypnoti­sche Prozeduren benutzt fur die Untersuchung hypnotisch vorgestellter motorischer Aktivitat. Unter Nutzung der PETFluorodeoxyglykosemessung fanden Grond und Mitarbeiter (Grond, Pawlik et al., 1995), dass eine hypnotische Instruktion zur Katalepsie tatsachlich den okzipitalen Cortex deaktivierte und die Aktivierung in jenen Bereichen erhohte, die fur sensomotorische Funktionen zustandig sind. Diesen Befund interpretierten sie als Hinweis darauf, dass unter Hypnose die Aufmerksamkeit von der normalen sensorischen Verarbeitung abgezogen wird. Morgan und Mitarbeiter (Morgan, Hirta et al., 1976) fanden, dass hypnotische Instruktionen mehr die wahrgenommene Anstrengung verandern als Herzfrequenz und Atemfrequenz, obgleich in einer anderen Studie auch gewisse ventilatorische Unterschiede beobachtet werden konnten (Morgan, Raven et al., 1973). Thornton und Mitarbei- ter (Thornton, Guz et al., 2001) untersuchten mit Hilfe von PET Gehirnregionen, die wahrend hypnotischer Vorstellung von anstren- gender Aktivitat aktiviert waren (bergauf versus bergab Fahrrad zu fahren). Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die hypnotische Er- fahrung einer Korperubung mit einer erhohten Aktivitat im dorsolateralen prafrontalen Cortex, in unterstutzenden motorischen Berei- chen, dem pramotorischen Bereich auf der rechten Seite, den superolateralen sensomotorischen Bereichen, dem Thalamus und dem Cerebellum (bilateral) assoziiert war. Hypnotisch vorgestellte Korperubungen aktivierten also eine Anzahl von Gehirnregionen, die auch bei einer realen Korperubung involviert gewesen waren.

In der Tat fanden Williamson et al., dass die hypnotische Halluzination, auf ansteigendem Weg Fahrrad zu fahren, tatsachlich den Herzschlag und den Blutdruck erhohte und zwar in Verbindung mit erhohter regionaler Gehirndurchblutung (rCBF) unter Verwen­dung von SPECT im rechten insularen Cortex und Thalamus. Im Gegensatz dazu liess eine hypnotisch-induzierte Reduktion der Aktivitat die Durchblutung im anterioren cingularen Cortex und im linken insularen Cortex abnehmen. Diese Gruppe verglich bei hoch und niedrig hypnotisierbaren Versuchspersonen auch einen realen Handedruck mit einem hypnotisch vorgestellten (William­son, McColl et al., 2002). Ahnliche Steigerungen der Herzfrequenz und des Blutdrucks wurden beobachtet fur hoch Hypnotisierbare unter realen und vorgestellten Handedruck-Bedingungen, aber nicht bei niedrig Hypnotisierbaren wahrend der vorgestellten Bedin- gung. Eine verminderte rCBF im anterioren Gyrus cinguli und in den insularen Cortices (bilateral) lieU die Autoren zu dem SchluU kommen, dass diese Regionen an realen und hypnotisch vorgestellten Korperubungen beteiligt sind. So legen diese Studien nahe, dass - ahnlich zur hypnotischen Veranderung der Wahrnehmung - hypnotische Illusionen von Korperubungen jene Gehirnregionen aktivieren, die mit Korperubungen assoziiert sind. Weiterhin scheint das anteriore Cingulum eine allgemeine Rolle bei der hypnoti- schen Veranderung sowohl von Wahrnehmung als auch von motorischer Aktivitat zu spielen.

7. Hypnotische Veranderungen in Aufmerksamkeits-Systemen

Wir behaupten, dass Hypnose auf Veranderungen in den Aufmerksamkeits-Systemen beruht. Es gibt reichlich Befunde dafur, dass dies zutrifft. Die Ergebnisse von Rainville helfen zu verstehen, wie das exekutive Aufmerksamkeits-System wahrend hypnotischer Instruktionen zur Reduktion von schmerzassoziiertem Stress beeinflusst werden konnte: Die Aktivitat im anterioren Gyrus cinguli wird reduziert. Wenn jedoch Schmerzempfindung per se unter Hypnose verandert wird, ist es der somatosensorische Cortex, der eine Veranderung der Durchblutung zeigt. Die Konkurrenz zwischen einem internal erzeugten Vorstellungsbild und einem Input aus der Wahrnehmung konnte die Reaktion des Gehirns auf eine Wahrnehmung reduzieren, wenn kein frontaler oder anderweitiger Input vorhanden ist.

Welche Neurotransmitter-Systeme konnten mit hypnotischer Erfahrung verknupft sein? Hobson und Stickgold (1995) konnten nach- weisen, dass im Schlaf eine Verlagerung von noradrenerger zu cholinerger Aktivitat stattfindet, insbesondere wahrend der REM- Schlafphase. Spiegel und King (1992) zeigten, dass eine starke Korrelation zwischen der Hypnotisierbarkeit und den jeweiligen Homovanillin-Saurespiegeln, einem Dopamin-Metaboliten im CSF, existiert. Der anteriore Gyrus cinguli besitzt viele dopaminerge Neuronen (Williams & Goldman-Rakic, 1998). Nach dem Aufmerksamkeitsmodell von Posner beinhaltet das exekutive Aufmerksam- keits- System Aktivierung und Fokussierung, was mit dem anterioren Gyrus cinguli verknupft ist. Das wachsame Aufmerksamkeits- System umfasst den rechten frontalen Cortex. Diese Bereiche besitzen viele dopaminerge Neuronen. Obwohl die Befunde zur Rolle der Frontallappen wahrend des hypnotischen Vorgangs auUerst widerspruchlich sind (Kallio, Revonsuo et al., 2001), scheint 132 das Dopamin-System eindeutig beteiligt zu sein. GemaU unserer Auffassung erlaubt Hypnose eine lebhafte geistige Aktivitat, wah­rend man unerregt bleibt im Sinne von unempfanglich fur ubliche Umweltreize. Erregbarkeit kann als andauernde Aufmerksamkeit oder als Erregungssystem betrachtet werden, das hauptsachlich noradrenerg ist (Robertson, Tegner et al., 1995), im Gegensatz zu einem gerichteten Aufmerksamkeitssystem, das auf dem anterioren cingularen Cortex beruht. Es gibt Befunde, die darauf hindeuten, dass das cereuleo-cortikale noradrenerge System Aspekte von selektiver Aufmerksamkeit vermittelt und dass dopamin-gesteuerte mesostriatale und mesolimbische Bahnen bestimmte Komponenten von Verhaltensreaktionen kontrollieren (Robbins, 1997). Dopaminreiche frontale Bahnen kontrollieren Verhaltensreaktionen auf Stress und positive Stimuli (Taber & Fibiger, 1997) und ver- mitteln auch Hemmung des Verhaltens (Trinh, Nehrenberg et al., 2003), welche typisch ist fur hypnotisierte Personen.

8. Schlussfolgerungen

Der Grundlage unserer theoretischen Sichtweise zufolge moduliert Hypnose die Aufmerksamkeit derart, dass a) das Gleichgewicht innerhalb der Aufmerksamkeit verlagert wird, so dass das exekutive System eine starke Ausrichtung auf internal hervorgebrachte Vorstellungsbilder ermoglicht; b) die Veranderung der Aufmerksamkeitsverarbeitung das Verursachergefuhl reduziert; c) die Vorstel- lungsbilder, auf die fokussiert wird, wiederum die Erwartungshaltung wahrend der Wahrnehmungsverarbeitung beeinflussen, was zur Folge hat, dass die betreffende Person spezielle Stimuli so stark erwartet, dass sie sie halluzinatorisch wahrnimmt - oder umge- kehrt, dass die Person spezielle Stimuli nicht so stark erwartet und dann tatsachlich keine solchen empfangt; d) das Ergebnis einer solchen Verarbeitung ist, dass Personen unter Hypnose ihre Wahrnehmung manipulieren und auf Worter reagieren, anstatt wie ublich Worter zu manipulieren und auf Wahrnehmung zu reagieren.

Die neurophysiologischen Befunde, die in den letzten Jahrzehnten gewonnen wurden, sind mit dieser Anschauung konsistent. Diese Befunde zeigen deutlich, dass Hypnose sowohl ein neuronales als auch ein mentales Phanomen darstellt. Explizite hypnotische Instruktionen, die Wahrnehmung zu verandern, fuhren zu ubereinstimmenden, kongruenten Veranderungen in den entsprechenden sensorischen Cortices, was die wahrgenommene Veranderung real erscheinen lasst. AuUerdem beeinflussen hypnotische Instrukti­onen, die Reaktion auf sensorischen Input zu verandern, die Aktivierung anteriorer und mittlerer Anteile des Gyrus cinguli, was wiederum darauf Einfluss nimmt, wie die Aufmerksamkeit auf Stimuli und deren Bedeutung gerichtet wird. Hypnose bringt nicht so sehr Erregbarkeit als vielmehr Aktivierung mit sich, was es ermoglicht, Wahrnehmung zu manipulieren und sensorische Verarbeitung zu verandern, indem relativ automatisch auf verbale Anweisungen reagiert wird. Folglich kann hypnotische Veranderung von Wahrnehmung sowohl das Verursachergefuhl als auch die Kontrolle uber lexikalische Verarbeitung beeinflussen. Hypnose verlagert weiterhin das Gleichgewicht vom anterioren Effektor- zum posterioren sensorischen Verarbeitungssystem, was dazu fuhrt, dass die Kontrolle uber die Verarbeitung von Wahrnehmung zunimmt und das Gefuhl der Kontrolle uber verbale Aktivitat und motorische Funktion abnimmt. Diese im Gehirn erfolgte Verlagerung der Erwartungshaltung und sensorischen Verarbeitung ist ein sich selbst verandernder Prozess; er konnte das Wesen des therapeutischen Potentials der Hypnose bei der Schmerz-, Stress- und Angstbewaltigung darstellen.

Literatur

Barabasz, A. F. (1980). Effects of hypnosis and perceptual deprivation on vigilance in a simulated radar target-detection task. Perceptual and Motor Skills, 50, 19- 24. Barabasz, A., M. Barabasz, et al. (1999). Cortical event-related potentials show the structure of hypnotic suggestions is crucial. International J of Clinical & Experi­mental Hypnosis 47(1): 5-22.

Barabasz, A. & C. Lonsdale (1983). Effects of hypnosis on P300 olfactory-evoked potential amplitudes. J of abnormal psychology 92: 520-523. Crawford, H. J., R. C. Gur, et al. (1993). Effects of hypnosis on regional cerebral blood flow during ischemic pain with and without suggested hypnotic analgesia. International J of Psycho­physiology 15(3): 181-95.

Csikszentmihalyi, M. (1991). Flow : the psychology of optimal experience. New York, Harper Perrenial.

De Pascalis, V. (1999). Psychophysiological correlates of hypnosis and hypnotic susceptibility. International J of Clinical & Experimental Hypnosis 47(2): 117- 43. De Pascalis, V. & G. Carboni (1997). P300 event-related-potential amplitudes and evoked cardiac responses during hypnotic alteration of somatosensory perception. International J of Neuroscience 92(3-4): 187-207.

De Pascalis, V., M. R. Magurano, et al. (1999). Pain perception, somatosensory eventrelated potentials and skin conductance responses to painful stimuli in high, mid, and low hypnotizable subjects: effects of differential pain reduction strategies. Pain 83(3): 499-508.

DiVesta, F. J., G. Ingersoll, et al. (1971). A factor analysis of imagery tests. J of Verbal Learning and Verbal Behavior 10: 471-479.

Dywan, J. & K. Bowers (1983). The use of hypnosis to enhance recall. Science 222(4620): 184-5.

Fan, J., B. D. McCandliss, et al. (2002). Testing the efficiency and independence of attentional networks. J of Cognitive Neuroscience 14(3): 340-7. Farah, M. J., L. L. Weisberg, et al. (1990). Brain activity underlying imagery: Eventrelated potentials during mental image generation. J Cognit Neurosci 1(302-316). Faymonville, M. E., L. Roediger, et al. (2003). Increased cerebral functional connectivity underlying the antinociceptive effects of hypnosis. Brain Res Cogn Brain Res 17(2): 255-62.

Ganis, G., W. L. Thompson, et al. (in press). Brain areas underlying visual mental imagery and visual perception: An fMRI study. Cognitive Brain Research. Hilgard, E. (1965). Hypnotic Susceptibility. New York, Harcourt, Brace & World.

Hilgard, E. (1977). Divided Consciousness: Multiple Controls in Human Thought and Action. New York, Wiley-Interscience.

Hillyard, S. A. & T. F. Munte (1984). Selective attention to color and location: an analysis with event-related brain potentials. Percept Psychophys 36(2): 185-98.

Hobson, J. A. (2001). Out of Its Mind: Psychiatry In Crisis. New York, Perseus Books.

Hobson, J. A. & R. Stickgold (1995). Sleep. Sleep the beloved teacher? Current Biology 5(1): 35-6.

Hofbauer, R. D., P. Rainville, et al. (2001). Cortical Representation of the Sensory Dimension of Pain. J Neurophysiol 86: 402-411 Hofbauer, R. K., P. Rainville, et al. (2001). Cortical representation of the sensory dimension of pain. J of Neurophysiology 86(1): 402-11.

Holroyd, J. (1992). Hypnosis as a Methodology in Psychological Research. Contemporary Hypnosis Research. E. Fromm & M. Nash. New York, Guilford: 201-226.

Horowitz, M. J., N. P. Field, et al. (1993). Stress response syndromes and their treatment. Handbook of stress. L. Goldberger & S. Breznitz. New York, The Free Press: 757-773.

Jasiukaitis, P., B. Nouriani, et al. (1996). Left hemisphere superiority for eventrelated potential effects of hypnotic obstruction. Neuropsychologia 34(7): 661-669. Kallio, S., A. Revonsuo, et al. (2001). Anterior brain functions and hypnosis: a test of the frontal hypothesis. Int J of Clinical & Experimental Hypnosis 49(2): 95-108. Klein, K. B. & D. Spiegel (1989). Modulation of gastric acid secretion by hypnosis. Gastroenterology 96(6): 1383-7.

Kogon, M., P. Jasiukaitis, et al. (1998). Imagery and hypnotizability revisited. International J of Clinical and Experimental Hypnosis 46(4): 363-370. Kosslyn, S. (1980). Image and mind. Cambridge, MA, Harvard University Press. Kosslyn, S. (1994). Image and brain. Cambridge, MA, MIT Press.

Kosslyn, S. M., G. Ganis, et al. (2001). Neural foundations of imagery. Nature Reviews Neuroscience 2: 635-642.

Kosslyn, S. M., W. L. Thompson, et al. (2000). Hypnotic visual illusion alters color processing in the brain. American J of Psychiatry 157(8): 1279-1284. Maquet, P., M. E. Faymonville, et al. (1999). Functional neuroanatomy of hypnotic state. Biol Psychiatry 45(3): 327-33. Marx, E., T. Stephan, et al. (2003). Eye closure in darkness animates sensory systems. Neuroimage 19(3): 924-34.

Nordby, H., K. Hugdahl, et al. (1999). Effects of hypnotizability on performance of a Stroop task and event-related potentials. Perceptual & Motor Skills 88(3 Pt 1): 819-30.

Posner, M. I. & S. E. Petersen (1990). The attention system of the human brain. Annu Rev Neurosci 13: 25-42.

Rainville, P., M. C. Bushnell, et al. (2001). Representation of acute and persistent pain in the human CNS: potential implications for chemical intolerance. Annals of the New York Academy of Sciences 933: 130-41.

Rainville, P., G. H. Duncan, et al. (1997). Pain affect encoded in human anterior cingulate but not somatosensory cortex. Science 277(5328): 968-71. Rainville, P., R. K. Hofbauer, et al. (2002). Hypnosis modulates activity in brain structures involved in the regulation of consciousness. J Cogn Neurosci 14(6): 887- 901. Rainville, P., R. K. Hofbauer, et al. (1999). Cerebral mechanisms of hypnotic induction and suggestion. J of Cognitive Neuroscience 11(1): 110-25. Rauch, S. L. & L. M. Shin, Eds. (1997). Functional Neuroimaging Studies in Posttraumatic Stress Disorder. Psychobiology of Posttraumatic Stress Disorder. New York, New York Academy of Sciences.

Raz, A. & T. Shapiro (2002). Hypnosis and neuroscience: a cross talk between clinical and cognitive research. Archives of General Psychiatry 59(1): 85-90. Raz, A., T. Shapiro, et al. (2002). Hypnotic suggestion and the modulation of stroop interference. Arch Gen Psychiatry 59(12): 1155-61.

Ritter, W., J. M. Ford, et al. (1984). Cognition and event-related potentials. I.The relation of negative potentials and cognitive processes. Ann NY Acad Sci 425:24- 38. Robbins, T. W. (1997). Arousal systems and attentional processes. Biol Psychol 45(1-3): 57-71.

Robertson, I. H., R. Tegner, et al. (1995). Sustained attention training for unilateral neglect: theoretical and rehabilitation implications. J Clin Exp Neuropsychol 17(3): 416-30.

Sheehan, P. W., P. Donovan, et al. (1988). Strategy manipulation and the Stroop effect in hypnosis. J of abnormal psychology 97: 455-460.

Smith, R. T. & K. A. Weene (1991). The effects of hypnosis on recall of high and low imagery paired-associated words. J of Mental Imagery 15: 171-176.

Spiegel, D. (1998). Hypnosis and Implicit Memory: Automatic Processing of Explicit Content. American J of Clinical Hypnosis 40(3): 231-240.

Spiegel, D. (2003). Negative and positive visual hypnotic hallucinations: attending inside and out. Int J Clin Exp Hypn 51 (2): 130-46.

Spiegel, D., P. Bierre, et al. (1989). Hypnotic alteration of somatosensory perception. Am J Psychiatry 146(6): 749-54.

Spiegel, D., S. Cutcomb, et al. (1985). Hypnotic hallucination alters evoked potentials. J Abnorm Psychol 94(3): 249-55.

Spiegel, D. & R. King (1992). Hypnotizability and CSF HVAlevels among psychiatric patients. Biological Psychiatry 31: 95-98.

Spiegel, D. & J. Maldonado (1999). Hypnosis. American Psychiatric Press Textbook of Psychiatry. R. E. Hales, S. Yudofsky & J. Talbott. Washington, D.C., American Psychiatric Press.

Spiegel, D. & A. Scheflin (1994). Dissociated or Fabricated? Psychiatric Aspects of Repressed Memory in Criminal and Civil Cases. International J of Clinical and Experimental Hypnosis 42(4): 411-432.

Spiegel, H. & D. Spiegel (1987). Trance and treatment: Clinical uses of hypnosis. Washington, DC, American Psychiatric Press.

't Hoen, P. (1978). Effects of hypnotizability and visualizing ability on imagery-mediated learning. International J of Clinical & Experimental Hypnosis 26: 45-54. Taber, M. T. & H. C. Fibiger (1997). Activation of the meso-cortical dopamine system by feeding: lack of a selective response to stress. Neuroscience 77(2): 295-8. Trinh, J. V., D. L. Nehrenberg, et al. (2003). Differential psychostimulant-induced activation of neural circuits in dopamine transporter knockout and wild type mice. Neuroscience 118(2): 297-310.

Williams, S. M. & P. S. Goldman-Rakic (1998). Widespread origin of the primate mesofrontal dopamine system. Cerebral Cortex 8(4): 321-45.

Halsband, U. (2004). Mechanismen des Lernens in Trance: funktionelle Bildgebung und Neuropsycho- logie.

Hypnose und Kognition (HyKog), 21 (1+2), 11-37

Nachdruck mit Genehmigung der M.E.G.: Hypnose und Kognition (www.meg-hypnose.de) Zusammenfassung

Mit dem Befund, dass eine hypnotische Trance-Induktion zu plastischen Veranderungen im menschlichen Gehirn fuhrt, gelang ein wesentlicher Durchbruch in der Erforschung der neuronalen Grundlagen der Hypnose. Wir untersuchten zunachst mit Sauerstoff 15- PET in einem Within-Subject-Design die neuronalen Mechanismen beim hochbildhaften Wortpaar Assoziationslernen unter Hypnose und im Wachzustand. Versuchspersonen waren hochsuggestible rechtshandige Normalprobanden. In der Lernphase wurde ihnen auf einem Bildschirm eine Liste von schwer assoziierbaren Wortpaaren mit hoher Bildhaftigkeit prasentiert, beim Abruf erschien jeweils nur das erste Wort, und der hiermit assoziierte Terminus sollte aus dem Gedachtnis reproduziert werden. Die Ergebnisse zeigten in der Enkodierungsphase in Hypnose verstarkte occipitale und prafrontale Aktivierungen. In der Abrufphase (Wachzustand) zeigten sich in beiden Versuchsbedingungen Aktivierungen bilateral prafrontal, im anterioren Cingulum, sowie im Pracuneus. Beim Abruf der Inhalte, die zuvor unter Hypnose erlernt wurden, wurden zusatzliche Aktivierungen im Sehzentrum, sowie erhohte neuro- nale Aktivitaten im prafrontalen Cortex und Cerebellum sichtbar.

Auf behavioraler Ebene wurde in einer zweiten Versuchsreihe, einem Within-Subject-Design, das Lernverhalten von Wortpaarasso- ziationen unterschiedlicher Bildhaftigkeit (hochbildhaft/abstrakt) und Schwierigkeit (leicht/schwer) in Trance und im Wachzustand bei Hochsuggestiblen und Niedrigsuggestiblen untersucht. In der Lernphase (Enkodierung) wurde den Probanden eine Liste von Wort- paaren visuell (Versuch 1) oder auditiv (Versuch 2) prasentiert. In der Abrufphase (Wachzustand) wurde in randomisierter Reihen- folge jeweils nur das erste Item der Wortpaare prasentiert, und die Probanden sollten das zweite Wort aus dem Gedachtnis assoziie- ren. Hochsuggestible Probanden erzielten in der schweren bildhaften Assoziationsbedingung einen Lernvorteil in Trance, und das sowohl in der visuellen als auch in der auditiven Versuchsbedingung. Hingegen zeigten die niedrigsuggestiblen Versuchspersonen bei hochbildhaften Wortpaaren keine Unterschiede im Lernverhalten in Hypnose und im Wachzustand. Interessanterweise waren die Hochsuggestiblen auch im Wachzustand den Niedrigsuggestiblen uberlegen. Die Lerneffekte waren auch nach einer 10-minutigen Interferenz nachweisbar. Die Befunde sind relevant fur unser Verstandnis der neuronalen Grundlagen der Hypnose und der neurop- sychologischen Mechanismen der Hypnotisierbarkeit.

Einleitung

Hypnotische Tranceinduktion stellt ein neurobiologisch erfassbares Korrelat der Hirnfunktion in einem veranderten Bewusstseinszu- stand dar (Rainville et al., 2002). Ein spannendes neurowissenschaftliches Thema in der Tranceforschung ist die Fragestellung, welche neurobiologischen Mechanismen diesem veranderten Bewusstseinszustand zugrunde liegen und ob in der Trance verander- te Lernleistungen nachweisbar sind.

Ein wesentlicher Durchbruch gelang der modernen Hirnforschung mit der Einfuhrung der Verfahren der dynamischen Bildgebung. Hierzu zahlen die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT), die die Darstellung funktionsabhangiger Veranderungen mit einer hohen raumlichen Auflosung ermoglichen. Somit gelang es, Aktivierungen im Gehirn gewissermassen "online" zu analysieren. Hierbei misst die PET den regionalen Blutfluss im Gehirn unter Verwendung radioaktiv markierter Substanzen, sog. Positronenstrahler.

Im Gegensatz hierzu handelt es sich bei der fMRT um ein nicht-invasives Verfahren, das auf den magnetischen Eigenschaften des Gewebes beruht. Von essentieller Bedeutung ist hierbei das BOLD-Verfahren (Blood Oxygenation Level Dependent), das auf den unterschiedlichen elektromagnetischen Eigenschaften des mit Sauerstoff beladenen Hamoglobins basiert und Veranderungen des Blutes im Gehirngewebe misst, die durch erhohte Neuronenaktivitat ausgelost werden. Logothetis et al. (2001) gelang es nachzu- weisen, dass mit BOLD-fMRT tatsachlich Veranderungen der Neuronenaktivitat gemessen und vor allem Eingangssignale aus ande­ren Hirnarealen und ihre lokale Verarbeitung erfasst werden.

Unsere Untersuchungen der neuronalen Grundlagen deklarativen Lernens mittels funktioneller Bildgebung ergaben eine weitgehen- de Ubereinstimmung der PET- und fMRT-Befunde (z.B. Halsband et al., 1998, 2002a; Krause et al., 1999a,b; Mottaghi et al., 1999, 2000; Schmidt et al., 2002); auch von anderen Forschergruppen wurde uber eine weitgehende Ubereinstimmung der PETund fMRT Ergebnisse berichtet (z.B. Schall et al., 2003). Obwohl die fMRT als nicht-invasives Verfahren diverse Vorteile gegenuber der PET aufweist (Otte & Halsband, 2004), hat dennoch die Mehrzahl der Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Hirnmechanismen der Hypnose die PET als geeignetes Instrumentarium gewahlt, da es sich hierbei um eine gerauscharme und somit leise Versuchsan- ordnung handelt, die einer Trance-Induktion nicht negativ entgegenwirkt.

Im Gegensatz hierzu ist der Proband im fMRT einem konstanten Gerauschpegel von ca. 100 Dezibel ausgesetzt, der zwar mittels fMRT-tauglicher Spezialkopfhorer auf ca. 70 Dezibel gesenkt werden kann, aber immer noch ein starkes interferierendes Hintergrundsgerausch bildet. Um eine moglichst entspannte Lernbedingung unter Hypnose schaffen zu konnen, haben wir uns in der hiesigen Untersuchung ebenfalls fur die PET als geeigneter Untersuchungsmethode entschieden.

Es konnte von unterschiedlichen Forschergruppen gezeigt werden, dass eine hypnotische Trance-Induktion zu plastischen Verande­rungen im menschlichen Gehirn fuhrt (z. B. Crawford et al., 1998; Faymonville et al., 2000; Grond et al., 1995; Kosslyn, et al., 2000; Maquet et al., 1999; Rainville et al., 1997, 1999, 2002; Spiegel & Kosslyn, 2006; Szechtman et al., 1998). In der Tranceinduktion erfolgt durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit deren Hinlenkung nach innen, was dann zumeist eine intensive Vorstellung und Beschreibung eines inneren Bildes nach sich zieht. Im veranderten Bewusstseinszustand in Hypnose weitet sich die Aufmerksam­keit auf moglichst viele Aspekte des Erlebens aus, so dass der entstandene Erlebnisraum subjektiv "farbig und erlebbar, zu einer Form der Wirklichkeit wird" (Revenstorf, 1999). Hierbei scheint dem Faktum des farbigen Erlebens eine besondere Bedeutung zuzu- kommen. Diese Interpretation wird durch neueste Ergebnisse aus der Hirnforschung gestutzt, die zeigen konnten, dass mit einem intensiveren Farb- und Bilderleben unter Hypnose plastische Veranderungen in der Hirnaktivitat einhergehen, die charakterisiert sind durch zusatzliche linksseitige Aktivierungen im Fusiform (Brodmannsches Gebiet 19) und inferioren temporalen Cortex (Gebiet 20). Die linksseitigen Aktivierungen waren dabei interessanterweise nur unter Hypnose beobachtbar (sowohl wenn der Farbstimulus real prasentiert wurde als auch bei der Suggestion der reinen Vorstellung desselben Stimulus) und im normalen Wachzustand der Pro- banden nicht registrierbar (Kosslyn et al., 2000). Spezifische neurophysiologische Veranderungen unter Hypnose konnten nicht nur im visuellen Bereich, sondern auch in anderen Sinnesmodalitaten nachgewiesen werden (z. B. Szechtman et al., 1998, Walter et al., 1990). Die Ergebnisse sprechen somit fur eine vermehrte Nutzbarmachung multimodaler sensorischer Verarbeitungsstrategien unter Hypnose.

Es stellt sich nundie Frage, inwieweit eine vermehrte Einbindung sensorischer Parameter sich positiv auf die Bewaltigung von Lern- prozessen unter Hypnose auswirkt und somit zu einer verbesserten Umsetzung bildhafter Assoziationen in Hypnose fuhrt (Bongartz, 1985; Crawford & Allen, 1996). Somit berichteten Crawford und Allen (1996) bei Personen mit hoher hypnotischer Suggestibilitat uber einen verbesserten Abruf bildhafter Wortpaarassoziationen. Bislang blieb es jedoch weitgehend ungeklart, welche Hirnmecha- nismen dem Lernen unter Hypnose zugrunde liegen und inwieweit eine vermehrte Nutzung bildhafter Enkodierungsstrategien sich positiv auf die Bewaltigung von Lernprozessen unter Hypnose auswirkt.

In unserer Studie wurden die neuronalen Grundlagen des Lernens mit der PET untersucht. In der Lernphase (Enkodierung) wurde den Probanden auf einem Bildschirm eine Liste von 12 Wortpaaren mit hoher Bildhaftigkeit prasentiert (Beispiele: Affe-Kerze, Son- ne-Vogel), die sie innerlich nachsprechen und lernen sollten. Das Lernverhalten wurde in Trance und im Wachzustand untersucht. In der Abrufphase (Wachzustand) wurde in randomisierter Reihenfolge nur jeweils das erste Item der Wortpaare prasentiert, und die Probanden sollten das zweite Wort aus dem Gedachtnis assoziieren. Es stellt sich nundie Frage, inwieweit die in der visuellen Darbietung nachgewiesene Lernleistung von hochbildhaften Wortpaaren in Trance modalitatsspezifisch ist oder als modalitatsuber- greifendes Phanomen zu betrachten ist. Zur Klarung dieser Frage wurde in einer zweiten Versuchsreihe untersucht, welche Effekte bei einer auditiven Prasentation der Wortpaare nachweisbar sind. Wie in der o. g. Versuchsbedingung beschrieben, wurden die Versuchspersonen im Wachzustand und unter hypnotischer Trance untersucht. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass die o. g. Befunde auf andere Modalitaten ubertragbar sind, und eine verbesserte Lernleistung bildhafter Wortpaarassoziationen unter Hypno- se auch in der auditiven Modalitat nachweisbar ist.

Versuch 1: Visuelles Wortpaarassoziationslernen

Methoden Versuchspersonen

15 rechtshandige mannliche Versuchspersonen wurden mit einer modifizierten Version der Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility (HGSHS, Form A) auf hohe vs. niedrige Suggestibilitat hin getestet. Sieben Versuchspersonen mit den hochsten Suggestibilitatswerten wurden fur die Teilnahme an der PET-Untersuchung ausgewahlt. Die hochsuggestiblen Versuchspersonen wiesen einen Mittelwert auf der HGSHS-Skala > 7.0 auf. Ihr durchschnittliches Alter betrug 25.4 Jahre (+- 3.1), und keiner wies eine neurologische oder psychiatrische Erkrankung auf. Die Versuchspersonen wurden gemaU den Richtlinien der Erklarung von Helsinki informiert; und alle gaben ihre schriftliche Einwilligung zur Teilnahme an dieser Studie. Bei allen Teilnehmern wurde das Gehirn zuvor kernspintomographisch untersucht (1.5 T), wobei man keine pathologischen strukturellen Auffalligkeiten entdeckte.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Die PET erlaubt die absolute Quantifizierung des regionalen cerebralen Blutflusses, rCBF (Frackowiak et al., 1980; Herzog et al., 1996). Der rCBF-Wert wurde bestimmt, indem der Positronen-emittierende Tracer O-15-H2O intravenos appliziert und dann die Verteilung uber zwei Minuten im Gehirn gemessen wurde. O-15-H2O wurde mit Hilfe des energiearmen Deuteronen-Beschleunigers Cyclone 3 (Ion Beam Application, Inc., Louvain-la-Neuve, Belgien) erzeugt. Cyclone 3 ist ein kompakter Zyklotron, der zur Erzeu- gung von Sauerstoff-15 (15O) fur PET-Applikationen positiv geladene Deuteronen bis auf 3.8 MeV beschleunigt. Dieses Gas wurde unter Einsatz von Wasserstoff auf dem Palladium-Katalysator in Wasserdampf umgewandelt. Unter Einsatz von Dialyse-Techniken wurde der Wasserdampf dann mit steriler Kochsalzlosung in einem Wassermodul gemischt (Clark et al., 1987). Die Halbwertzeit von Sauerstoff-15 liegt bei 123 Sekunden.

Die Hirndurchblutungsmessungen wurden mit einem GE Advance PET Scanner (General Motors Medical Systems, Milwaukee; Wisconsin, US) durchgefuhrt. Der Scanner besitzt 18 Detektor-Ringe mit 672 Kristallringen (6 x 6 Blocken) und liefert 35 Querschnit- te durch das Gehirn im Abstand von 4.25 mm (center to center/axial sampling interval), die 152 mm axial (axiales Gesichtsfeld) mit einer Blendenoffnung von 550 mm erfasst werden. Die genauen technischen Details dieser PET-Kamera wurden von Lewellen et al. (1996) beschrieben. Um 15 transverse Schichtbilder im Abstand von 6.5 mm, 27 mm oberhalb der Cantomeatallinie akquirieren zu konnen, wurde der Kopf des Probanden mit einem Laser-Positionierungssystem auf der Cantomeatallinie markiert. Zum Bildaufbau verwendete man einen gefilterten Ruck-Projektions-Algorithmus (back-projection algorithm) auf einer 128 x 128 Matrix. Die raumli- che Auflosung ("full-width half maximum") betrug 8 mm. Wahrend der Prasentation jeder kognitiven Stimulationsaufgabe wurde der rCBF gemessen, indem man die Verteilung der Radioaktivitat im Gehirn nach einer intravenosen Injektion von 300 MBq Wasser- stoff-15 (10 ml in 10-15 s), verabreicht durch eine Unterarm-Kanule, aufzeichnete. In einer zweistundigen Sitzung wurden insgesamt acht Aufgaben durchgefuhrt. Der Mindestabstand zwischen den Wasserstoff-15-Injektionen betrug 10 min. Bei jedem der acht Scans wurden die kognitiven Stimulationsparameter jeweils 15 s vor Injektion des radioaktiven Tracers Wasserstoff-15 prasentiert. Emissi- onsdaten wurden im dreidimensionalen Modus fur 90 s gewonnen und einem statischen Rahmen zugeordnet (Holm et al., 1995).

Experimenteller Versuchsaufbau: Visuelles Wortpaarlernen

Es wurde eine verbale Gedachtnisaufgabe verwendet. Den Versuchspersonen wurde in der Lernphase (Enkodierung) auf einem Bildschirm eine Liste von 12 semantisch nicht verknupften Wortpaaren mit hoher Bildhaftigkeit prasentiert (Beispiele: Affe - Kerze, Sonne - Vogel), die sie lernen (Enkodierungsphase) und spater wieder abrufen sollten (Abrufphase). Es wurden ausschlieRlich zweisilbige Worte verwendet. Die Wortpaare standen in keinem direkten semantischen Zusammenhang, waren also logisch unver- bunden und deshalb schwierig zu assoziieren. Es handelte sich somit um sog. schwierige Wortpaarassoziationen ("hard word associations") nach dem Wechsler-Gedachtnistest (Untertest VII).

Wir verwendeten ein "Within-Subject-Design", was bedeutet, dass jede Versuchsperson unter zwei Bedingungen getestet wurde, a) in Trance und b) im Wachzustand. Die Stimuli wurden auf einem 21-Zoll-Computerbildschirm dargeboten. Der Monitor befand sich in 70 cm Abstand von den Augen der Testpersonen (Schriftart: Times New Roman, GroRe: 72). Die Probanden erhielten die Instrukti- on, die Worte zu lesen (Dauer der Presentation: 4 s, Pause: 1 s) und sich die Wortpaarassoziationen einzupragen. Beide Worte erschienen zentriert in schwarzen Buchstaben auf weiRem Hintergrund. Zur Vermeidung von Lateralisierungseffekten wurde das zweite Wort immer unterhalb des ersten prasentiert. Zwischen den Scans der Enkodierungs- und der Abrufphase wurden in einer Ubung die jeweils gleichen Wortpaarassoziationen den Versuchspersonen in randomisierter Reihenfolge visuell prasentiert. Die Ubungsphase diente dazu, sicherzustellen, dass alle Probanden mindestens 80% der Wortpaarassoziationen korrekt wiedergeben konnten. In der Abrufphase wurde den Versuchspersonen jeweils das erste Wort gezeigt. Dieser Teil der Untersuchung befasste sich somit mit den Hirnmechanismen der Lern- bzw. Enkodierungsphase. In der gleichen PET-Untersuchung haben wir jedoch auch die Mechanismen der Abrufphase analysiert. Hierzu fand eine erneute PET-Untersuchung statt, in der jeweils das erste Item der Wortpaare prasentiert wurde. Die Probanden sollten dann das fehlende Wort aus dem Gedachtnis reproduzieren (Abrufphase). Wahrend der Referenzbedingungen wurden den Probanden 12 Nicht-Wort-Paare prasentiert, die sie lesen sollten (Kontrollbedin- gung: Enkodierungsphase). Die zweisilbrigen Pseudoworter wurden so gewahlt, dass sie der Lautsprache des Deutschen entspra- chen, jedoch keinen Sinngehalt aufwiesen, Beispiele: Huka-Balok, Mafe-Bedu, Pire-Zulag). In einer zweiten Referenzbedingung wurden den Versuchspersonen 12 einzelne Pseudo-Worte (s.o.) prasentiert (Kontrollbedingung: Abrufphase). Die bedeutungslosen Worter waren ebenfalls zweisilbig und nach den phonetischen Regeln der deutschen Sprache gebildet. Die Probanden sollten die Pseudo-Worter lesen, ohne sie sich einzupragen.

Datenanalyse

Tab. 1: Encodieren der Wortpaare mil hoher Bildhaftigkeit MINUS Referenz. Koordinaten (x, y. z) nach clem Athri von Tailarach A Tournata (1938), die Regionsn sind nach Brodmann <3A> benanm.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2. Abrttfder Wortpaare mit hoher Bildhaftigkeit MINUS Referenz. Koordinaten (x,y,z) nach dem Atlas voti Tailarach & Tournoux (1PSS), die Regionen sind nach Brodmann i'3A) benanni.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Daten wurden zunachst in das ANALYZE-Format transformiert unter Verwendung eines Konvertierungsprogramms. Die Auswer- tung der PET-Daten wurde auf einer SPARC 20-Workstation unter MatLab (Version 4.2.c) mit der Statistischen Parametrischen Mapping (SPM 96)-Software durchgefuhrt (The Wellcome Department of Cognitive Neurology, London, UK). Jeder rekonstruierte PET-Scan wurde der Kommissurenlinie entlang in einen stereotaktischen Raum entsprechend dem Talairach-Tournoux-Atlas (Talairach & Tournoux, 1988) angeord- net. Es wurden raumliche Transformatio- nen durchgefuhrt, um die durch individu- elle Unterschiede der Geometrie des Gehirns bedingte Inter-Subjekt- Variabilitat auszugleichen und damit Analysen uber Probandenpopulationen zu erlauben, die das individuelle Hirn in einen standardisierten anatomischen Raum uberfuhren. Dieses Prozedere ermoglicht die Durchfuhrung von Grup- penanalysen und die Ausgabe standardi- sierter raumlicher Koordinaten, was somit einer raumlichen Normalisierung ent- spricht. Die Transformationen der PET- Daten wurden mittels hoch aufgeloster anatomischer MRT-Aufnahmen durchge­fuhrt. Eine Glattung der Bilddaten erfolg- te, um Inter-Subjekt-Unterschiede zu kompensieren und das Signal/Rausch- Verhaltnis zu erhohen. Unterschiede im mittleren globalen Fluss wurden mittels einer Kovarianzanalyse (ANCOVA) auf einer Voxel-fur-Voxel-Basis korrigiert, wobei die globale Zahlrate als Kovariante der regionalen Blutflusswerte uber alle Probanden fur jeden Datensatz einge- setzt wurde. Die ANCOVA berechnet fur jede Aktivierungsbedingung und fur jeden Voxel im stereotaktischen Raum einen adjustierten mittleren regionalen cerebralen Blut- flusswert (normalisiert auf einen mittleren cerebralen Blutfluss von 50 ml/ 100 g/ min) und einer adjustierten Varianz. Die ANCOVA beinhaltet t-Tests zwischen den Scans verschiedener Bedingungen und somit einen direkten Mittelwertsvergleich. Die statistischen Parameter wurden dann in einem Bild zusammengefuhrt, der SPM (Friston et al., 1995a). Signifikant aktivierte Voxel wurden mit dem Allgemeinen Linearen Modell bestimmt (The Wellcome Department of Cognitive Neurology, London, UK). Es wurde eine Design-Matrix definiert, welche Kontraste fur signifikante Aktivierungen beinhaltete zwischen den Lernbedingungen (Wachzustand vs Hypnose) und der Referenzbedingung I (Presentation von Pseudo-Wort-Paaren) bzw. der Abfrage und der Refe- renzbedingung II (einzelne Pseudo-Worter). Voxel wurden als signifikant betrachtet, wenn sie ein Signifikanzniveau von Z = 3.72 (P < 0.0001) uberschritten und einer MindestclustergroUe von 33 aktivierten Voxeln angehorten (P < 0.05, korrigiert fur multiple Ver- gleiche) (Friston et al., 1994). Die Ergebnisse wurden analysiert, indem einerseits ein Vergleich mit der Referenz-Aufgabe gezogen, andererseits die Trancebedingung von der Wachbedingung subtrahiert wurde und vice versa. Letzteres Verfahren wird als kognitive Subtraktionsmethode bezeichnet.

In der Enkodierungsphase waren in bei- den Versuchsbedingungen (Hypnose und Wachzustand) bilaterale Aktivierungen im prafrontalen Cortex (Brodmann Areale 9/45/46) und im anterioren cingularen Cortex nachweisbar. Unter Hypnose zeigten sich die Unterschiede in einer zusatzlichen occipitalen und verstarkten prafrontalen Aktivierung. In der Abrufpha- se (Wachzustand) zeigten sich bilaterale prafrontale und anteriore cingulare Akti- vierungen sowie Aktivierungen im media- len parietalen Cortex (Brodmann Areal 7, Pracuneus) und im Cerebellum. Beim Abruf der Inhalte, die zuvor unter Hypno- se erlernt wurden, waren starkere Aus- pragungen der Aktivierungen im prafrontalen Cortex und Cerebellum, sowie zusatzliche Aktivierungen im Seh- zentrum nachweisbar (s. Abb. 1, Tab. 1 und 2). Eine nach der Studie erfolgte Befragung der Probanden nach der Lern- strategie ergab, dass unter Hypnose alle Versuchspersonen die Wortpaare in Form von Bildern gelernt hatten. Auf behavioraler Ebene wurde die Lernleis- tung hoch bildhafter im Vergleich zu abstrakten Wortpaaren untersucht, der Versuchsaufbau ist in Abb. 2 dargestellt. Es konnte gezeigt werden, dass sich unter Hypnose der Abruf von abstrakten Wortpaaren (Moral - Busse) verschlech- terte, wobei sich die Reproduktionsleis- tung bei Wortpaaren mit hoher Bildhaftig- keit (Affe - Kerze) hingegen verbesserte (Halsband, 2001) (s. Abb. 3).

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse sprechen fur eine vermehrte Einbindung occipitaler und prafrontaler Strukturen in Tran­ce beim Erlernen und Abruf hoch- bildhafter Wortpaare.

Versuch 2: Auditives Wortpaaras- soziationslernen

Es stellt sich nundie Frage, inwie- weit die in der visuellen Darbietung nachgewiesene verbesserte Behaltensleistung in Trance von hochbildhaften Wortpaaren modali- tatsspezifisch ist oder als ein moda- litatsubergreifendes Phanomen zu betrachten ist. Zur Klarung dieser Fragestellung wurde in einer neuen Versuchsreihe untersucht, welche Effekte bei einer auditiven Presentation der Wortpaare nachweisbar sind. Wie in der o. g. Versuchsbedin- gung beschrieben, wurden die Versuchspersonen im Wachzu- stand und unter hypnotischer Trance untersucht. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass die o.g. Befunde auf andere Modalitaten ubertragbar sind, und dass eine verbesserte Lernleistung bildhafter Wort- paarassoziationen unter Hyp- nose auch in der auditiven Modalitat nachweisbar ist.

Methoden Vorversuch Stichprobe Vortest

Die Stichprobe fur den Vortest umfasste 34 rechtshandige studentische Versuchspersonen mit Deutsch als Muttersprache (Alter 24 Jahre, SD 6.2). Bei keinem der Probanden lag eine psychische Storung oder neurologische Erkrankung vor. Alle Probanden waren gegenuber der Hypnose sehr aufgeschlossen; es handelte sich somit um eine motivierte Versuchspersonengruppe. Die Probanden wurden anhand einer modifizierten Version der Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility (HGSHS Form A) auf hohe vs. nied- rige Suggestibilitat hin untersucht. Die Trancetiefe wurde anhand einer 7-stufigen Ratingskala aus der HGSHS Form A erfasst. Als hochsuggestibel wurden Versuchspersonen mit einem Mittelwert auf der HGSHS-Skala > 7.0, als Niedrigsuggestible jene mit einem Skalenmittelwelt < 4.0 klassifiziert. Im zweiten Teil des Vortests wurden den Probanden je vier Wortpaarlisten mit jeweils 18 Wort- paaren mit hoher und niedriger Bildhaftigkeit auditiv im Wachzustand prasentiert, um die Behaltensleistung im Wachzustand als Baseline zu erfassen. Die Wortpaarbedingungen waren unterteilt in: 1. eine leichte bildhafte, 2. eine schwere bildhafte, 3. eine leich- te abstrakte sowie 4. eine schwere abstrakte Wortpaarbedingung. In der leichten bildhaften Bedingung (Beispiele: Wasser -Tropfen, Kerze - Flamme) waren die Items jedes Wortpaares logisch-semantisch miteinander assoziiert; hingegen wiesen in der schweren bildhaften Bedingung (Beispiele: Blume - Tasche, Asche - Vorhang) die Wortpaare keinen direkten Bezug zueinander auf. Auch die abstrakte Wortpaarbedingung wurde in zwei Schwierigkeitsstufen unterteilt: eine leichte abstrakte Bedingung (Beispiele: Problem - Losung, Freude - Lacheln) sowie eine schwere abstrakte Bedingung (Beispiele: Friede - Adel, Idee - Sitte), die nach denselben Assoziationsregeln wie die Wortpaare der bildhaften Bedingung gebildet worden waren.

In der Abrufphase sollten die Probanden nach einmaliger auditiver Presentation jeweils das zweite Wort erganzen, nachdem das jeweils erste Item vorgegeben worden war. Der Cut-off-Wert fur die Teilnahme am Versuch lag bei 80% richtig erlernter Wortpaare.

Hauptversuch Versuchspersonen

Fur den Hauptversuch wurden aufgrund der Ergebnisse des Vorversuches (Suggestibilitatsscore, Gedachtnisleistung) 22 Versuchs­personen, 11 Hochsuggestible, HGSHS-Wert > 7.0 und 11 Niedrigsuggestible, HGSHS-Wert < 4.0, ausgewahlt. Das durchschnittli- che Alter der Versuchspersonen betrug 25.5 Jahre (SD 6.8).

Versuchsaufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Versuchspersonen wurden in 90-minutigen Einzelsitzungen getestet. Der Versuchsablauf setzte sich aus sechs Teilabschnitten zusammen: 1) Fokussierung und Tranceeinleitung, 2) Stufeninduktion, 3) metaphorische Geschichte, 4) Vorbereitung auf den Lern- versuch, 5) Vorlesen der Wortpaare, 6) Ausleitung der Trance, Ruckkehr in den Wachzustand. Die Tranceeinleitung erfolgte nach einer modifizierten Induktion von Revenstorf (personliche Kommunikation). Ausgangspunkt fur die Tranceeinleitung war eine Bunde- lung der Aufmerksamkeit mittels direkter Induktion durch Fixation auf einen Gegenstand am Fussboden bzw. am Korper des Pro­banden. Des Weiteren wurden Ruhe- und Entspannungssuggestionen gegeben. Im nachsten Induktionsschritt wurde eine Stufen- Induktion durchgefuhrt, welche die Versuchspersonen in jeweils zehn Schritten tiefer in die Trance fuhren sollte. In einer der Indukti- onen stiegen sie z.B. in zehn Schritten mit einem Ballon in die Hohe, in einer anderen gingen sie zehn Stufen eine Treppe hinunter, eine weitere Induktion thematisierte wiederum in zehn Abschnitten eine Bootsfahrt uber einen See bzw. die Probanden tauchten in der Vorstellung in zehn-Meter-Schritten in der Sudsee in die Tiefe. Den einzelnen Themen zugeordnet erhielten die vier Induktionen ihre jeweilige Benennung: 1. Ballon-Induktion, 2. Stufen-Induktion, 3. Boots-Induktion, 4. Tiefsee-Induktion (s. Abb. 4). Die Stufen- Induktionen erfolgten in randomisierter Reihenfolge. Um eine Trance-Vertiefung zu erreichen, wurde im Anschluss eine kurze allego- rische, bildhaft gut umsetzbare Geschichte vorgelesen.

[...]

Details

Seiten
137
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640517121
ISBN (Buch)
9783640517190
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143353
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Fachbereich Psychologie
Note
Schlagworte
Hypnotherapie Hypnose

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Einführung in die Hypnotherapie