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Existenzgründung. Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten eines Pferdebetriebes

Diplomarbeit 2008 116 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Formelverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Wirtschaftsfaktor Pferd
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.3 Inhaltliche Hinweise

2 Der Pferdesport in Deutschland
2.1 Die Organisation des Reitsports
2.2 Marktanalyse des Pferdesports

3 Möglichkeiten der Finanzierung
3.1 Fördermittel und Subventionen
3.2 Landwirtschaftliche Darlehen

4 Einnahmen- und Ausgabensituation eines Pensionspferdestalls
4.1 Analyse des Marktes für Pensionspferde
4.2 Grundstück und bauliche Anlagen für die Pensionspferdehaltung
4.3 Kosten des Pensionspferdestalls
4.3.1 Fixe Kosten
4.3.2 Variable Kosten
4.4 Analyse am Markt erzielbarer Pensionspreise
4.5 Ermittlung des Betriebsergebnisses des Pensionsstalls

5 Einnahmen- und Ausgabensituation eines Gestüts mit Fohlenverkauf
5.1 Der Zuchtpferdemarkt in Deutschland
5.2 Grundstück und bauliche Anlagen für das Gestüt
5.3 Kosten des Gestüts
5.3.1 Fixe Kosten
5.3.2 Variable Kosten
5.4 Analyse am Markt erzielbarer Preise für Fohlen
5.5 Ermittlung des Betriebsergebnisses des Gestüts

6 Einnahmen- und Ausgabensituation eines Gestüts mit Jungpferdeaufzucht
6.1 Grundstück und bauliche Anlagen für das Gestüt mit Jungpferdeaufzucht
6.2 Kosten des Gestüts mit Jungpferdeaufzucht
6.2.1 Fixe Kosten
6.2.2 Variable Kosten
6.3 Analyse am Markt erzielbarer Preise für Reitpferde
6.4 Ermittlung des Betriebsergebnisses des Gestüts mit Jungpferdeaufzucht

7 Investitionsvergleich und -bewertung

8 Schlussbetrachtung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anlagen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Organisation von Pferdesport und Pferdezucht

Abbildung 2: Pferdebestand und geglätteter Pferdebestand

Abbildung 3: Korrelationsmatrix (Boxenanzahl, freie Boxen, mit Halle, Preis mit Paddock)

Abbildung 4: Ergebnisse der Regressionsanalyse (Boxenpreis, Boxenanzahl, mit Halle)

Abbildung 5: Entwicklung des Bestandes an eingetragenen Zuchtstuten (Reitpferde) und der Bedeckungen durch Zuchthengste

Abbildung 6: Jahresplanung der Zuchtstuten

Abbildung 7: Korrelationsmatrix (Zuchtwert, Ausland)

Abbildung 8: Ergebnisse der Regressionsanalyse (Preis, Zuchtwert, Ausland) 43

Abbildung 9: Jahres- und Stallplanung der Aufzuchtpferde

Abbildung 10: Deckhengst „Don Larino“

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Aufstellung der Investitionskosten für bauliche Anlagen des Pensionsstalls

Tabelle 2: Ermittlung des betriebsnotwendigen Kapitals des Pensionsstalls

Tabelle 3: Fixe Kosten des Pensionsstalls

Tabelle 4: Variable Kosten eines Pensionspferds

Tabelle 5: Aufstellung der Investitionskosten für bauliche Anlagen des Gestüts

Tabelle 6: Ermittlung des betriebsnotwendigen Kapitals des Gestüts

Tabelle 7: Fixe Kosten des Gestüts

Tabelle 8: Variable Kosten einer Zuchtstute

Tabelle 9: Aufstellung der Investitionskosten für bauliche Anlagen des Gestüts mit Jungpferdeaufzucht

Tabelle 10: Ermittlung des betriebsnotwendigen Kapitals des Gestüts mit Jungpferdeaufzucht

Tabelle 11: Fixe Kosten des Gestüts mit Jungpferdeaufzucht

Tabelle 12: Variable Kosten des Gestüts mit Jungpferdeaufzucht

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formelverzeichnis

Formel 1: Berechnung der Rentabilität

Formel 2: Berechnung der Mindestverzinsung der Differenzinvestition

Formel 3: Berechnung des Kapitalwertes einer Investition

Formel 4: Berechnung der Amortisationszeit (dynamisch)

1 Einleitung

1.1 Wirtschaftsfaktor Pferd

Seit den 70er Jahren wächst die Anzahl von Pferden und Ponys kontinuierlich an und wird in diesem Jahr auf rund eine Million Tiere in Deutschland geschätzt. Rund jeder siebte Einwohner interessiert sich für den Pferdesport und etwa 1,65 Millionen Menschen reiten, voltigieren oder fahren aktiv Kutsche. Der Gesamtumsatz der Branche wird auf fünf Milliarden Euro geschätzt. Darüber hinaus sichern drei bis vier Pferde etwa einen Arbeitsplatz, womit im Inland mehr als 300.000 Menschen ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt mit dem Pferd verdienen.[1] Ein derartiges Marktpotential gibt Anlass zu der Überlegung einer Investition oder Existenzgründung in der Pferdebranche. Doch hierzu wird immer wieder behauptet, dass mit Pferden zwar „ein kleines Vermögen erwirtschaftet werden könne, aber nur, wenn vorher ein großes investiert wurde.“[2] Gerade Rekordsummen bis zu 2,5 Millionen Euro, die beispielsweise für die Dressurstute „Poetin“ auf einer Auktion Ende 2003 gezahlt wurden, scheinen verlockend zu sein, um in die Pferdezucht einzusteigen.[3] Auch die Dienstleistung der Pensionspferdehaltung scheint für viele eine sichere und mit Boxenpreisen von teilweise weit über 300 Euro auch lukrative Alternative zu sein.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Um überhaupt die Möglichkeit zu haben, Einnahmen im Bereich Zucht oder Pensionspferdehaltung zu erzielen, sind eine Reihe von Investitionen von Nöten. Ebenso sollte eine präzise Kostenkalkulation im Vorfeld Klarheit schaffen, ob solch ein Betrieb langfristig wirtschaftlich arbeiten kann. Die vorliegende Arbeit gibt mit dem Kapitel 2 zunächst einen Überblick über die Organisation des Pferdesports in Deutschland und stellt die wichtigsten Erkenntnisse einer Marktforschungsstudie sowie sportliche Erfolge der deutschen Reitequipe vor. Unter Punkt 3 werden daraufhin Finanzierungsmöglichkeiten von Pferdebetrieben erörtert, die sowohl Fördermittel als auch vergünstige Darlehen umfassen. Die folgenden Kapitel stellen anschließend drei verschiedene Betriebsvarianten vor, mit denen sich Existenzgründer selbstständig oder in die Investoren ihr Kapital investieren können. Neben einem Pensionspferdestall mit 40 vermietbaren Boxen, der im 4. Abschnitt behandelt wird, sollen zwei Gestüte mit verschiedener Ausrichtung untersucht werden. Zum einen wird im Kapitel 5 ein Zuchtstall mit 40 Mutterstuten dargestellt, bei dem die geborenen Fohlen im Alter von fünf Monaten abgesetzt werden. Zum anderen soll durch ein Gestüt mit Jungpferdeaufzucht unter Punkt 6 überprüft werden, ob nach einer dreijährigen Aufzucht- und sechsmonatigen Berittphase wesentlich höhere Preise für die Reitpferde als für Absetzer erzielt werden können. Um die Anzahl der Pferde zu begrenzen, werden hierbei lediglich 20 Zuchtstuten erworben. Ab dem dritten Jahr stehen jährlich insgesamt 68 Pferde auf der Anlage, was im 6. Kapitel noch näher erläutert wird. Für alle Ställe werden die anfänglichen Investitionskosten für benötigte Gebäude und bauliche Anlagen aufgezeigt und sämtliche anfallende Kosten analysiert. Neben einer allgemeinen Marktanalyse des jeweiligen Teilmarkts wird eine spezifische Einnahmenuntersuchung durchgeführt. Im Anschluss daran erfolgt jeweils eine Gewinn- bzw. Verlustberechnung. Diese wird im Kapitel 7 durch einen Investitionsvergleich und eine -bewertung ergänzt, welche mit verschiedenen Verfahren der Investitionsrechnung durchgeführt werden. Insgesamt wird ein Investitionszeitraum von 30 Jahren betrachtet.

1.3 Inhaltliche Hinweise

Bei der Bearbeitung des Themas werden keine steuerlichen Gesichtspunkte berücksichtigt. Die Angaben des Gewinns und der daraus resultierenden jeweiligen Investitionsbewertung erfolgt vor Steuern. Lediglich zur Einnahmenkalkulation wird die im Endpreis enthaltene Umsatzsteuer abgezogen. Die Vorsteuer, die ein Landwirt seinerseits für erhaltene Lieferungen und in Anspruch genommene Leistungen zahlt, wird aus Vereinfachungsgründen in dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Der Gründer oder Investor würde demzufolge in der Realität etwas weniger Umsatzsteuer zahlen müssen wie in den nachfolgenden Betriebsbeispielen aufgeführt wird. Ferner beruht die Kostenkalkulation auf einer internen Kostenrechnung. Gesetzliche Vorschriften, insbesondere Abschreibungszeiten, werden nicht berücksichtigt bzw. nur als Anhaltspunkt verwendet. Auch Zulassungsvoraussetzungen und Verordnungen über den Bau derartiger Anlagen werden nicht aufgeführt. Des Weiteren wird aus Vereinfachungsgründen auf die Einrechnung von jährlichen Preissteigerungen sowohl auf der Kosten- als auch auf der Einnahmenseite verzichtet.

2 Der Pferdesport in Deutschland

2.1 Die Organisation des Reitsports

Im Bereich Pferdesport existieren in Deutschland drei große Bundesorganisationen: die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V., das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V. und der Hauptverband für Traber-Zucht und Rennen e.V.. Die Verbände sind in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pferdesport zusammengeschlossen. Da diese Arbeit ausschließlich den Markt für Reitpferde betrachtet, werden die Organisationen für Vollblut- und Traber-Zucht nicht weiter vorgestellt.

Die 1921 gegründete Fédération Equestre Internationale, kurz FEI, ist die weltweite Dachorganisation des Pferdesports mit Sitz im schweizerischen Lausanne. Sie richtet mit ihren 135 Mitgliedern alle internationalen Turniere der Disziplinen Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren, Distanzreiten, Voltigieren und Reining aus. Für diese Wettkämpfe sowie für die Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele erstellt sie die Regeln und genehmigt die jeweiligen Programme.[4] Der nationale Dachverband in Deutschland ist die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (Fédération Equestre Nationale, FN) in Warendorf. Sie ist die weltweit größte Pferdesport-Vereinigung und nimmt vielfältige Aufgaben wahr. Neben der Interessenvertretung ihrer Mitglieder gegenüber der Öffentlichkeit und nationalen sowie internationalen Behörden und Organisationen übernimmt sie eine beratende und unterstützende Tätigkeit für Pferdebetriebe, Vereine und Reitsportinteressierte.

Wie aus Abbildung 1 ersichtlich ist, gliedert sie sich in die drei Bereiche Sport, Zucht und Persönliche Mitglieder. Erstere Abteilung erledigt alle Aufgaben rund um den Pferdesport und der damit verbundenen Haltung. Sie legt dabei auch Vorschriften für die einzelnen Leistungsprüfungen fest, die sich an dem Reglement der FEI orientieren. Ihr gehören das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei der FN e.V., was sich insbesondere um den Hochleistungssport kümmert, der Deutsche Reiter- und Fahrverband e.V. und die Deutsche Richtervereinigung für Pferdeleistungsprüfungen e.V. an. 2007 zählte die FN 753.710 Mitglieder. Diese waren in 7.637 Vereinen organisiert, die wiederum 17 Landesverbänden angehörten. Unter den Vereinsreitern starteten knapp 81.700 mit 135.705 Turnierpferden auf 3.284 Turnieren der Kategorie A und B. Dabei wurden Geldpreise in Höhe von rund 28,6 Mio. Euro ausgezahlt. Gerade im Wettkampf spielt der Bereich Zucht eine große Rolle. Diese FN-Abteilung soll besonders die 26 angeschlossenen Zuchtverbände unterstützen, Aufgaben koordinieren sowie insgesamt die Pferdezucht fördern. Dabei leisten vor allem die Haupt- und Landgestüte mit der Bereitstellung von erstklassigen Zuchttieren einen Beitrag.

Abbildung 1: Organisation von Pferdesport und Pferdezucht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

DOKR = Deutsches Olympiade Komitee für Reiterei der FN e.V

DRFV = Deutscher Reiter- und Fahrverband e.V.

DRV = Deutsche Richtervereinigung für Pferdeleistungsprüfungen e.V.

IPZV = Island Pferde-, Reiter- und Züchterverband e.V.

IGV = Internationale Gangpferde-Vereinigung

DkThR = Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten

VDD = Verein Deutscher Distanzreiter e.V.

DAR = Deutscher Akademischer Reiterverband e.V.

EWU = Erste Westernreiter Union Deutschland e.V.

Datenquelle: Deutsche Reiterliche Vereinigung (2008 a) und eigene Darstellung

Die mittlerweile über 50.000 persönlichen Mitglieder unterstützen die FN ideell oder aktiv bei allen Aufgaben rund um Pferdehaltung, Freizeit- und Leistungssport. Dabei genießen sie zahlreiche Vergünstigungen bei Kooperationspartnern der FN, wie Automobilhersteller, Versicherer oder Herstellern von pferdebezogenen Produkten. Neben den PM haben sich der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. weitere Verbände angeschlossen, die sich speziellen Rassen oder Reitweisen widmen, wie Abbildung 1 aufführt.[5]

2.2 Marktanalyse des Pferdesports

Reiten gehört zu den beliebtesten Sportarten in Deutschland. So rangiert die FN innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes mit ihren Vereinsmitgliedern an siebter Stelle. Dazu kommen noch etliche tausend Reiter, die nicht in Vereinen organisiert sind. Dabei spricht der Pferdesport vor allem das weibliche Geschlecht an. Rund 70 % der FN-Mitglieder sind Mädchen oder Frauen. Insgesamt reiten etwa 1,24 Mio. Deutsche regelmäßig. Einschließlich der unter 14-jährigen sind dies sogar 1,6-1,7 Mio.. Weitere 1,1 Mio. Menschen würden gerne mit dem Reitsport anfangen. Doch dieses Thema beschäftigt nicht nur aktive und potenzielle Reiter. Rund 8,74 Mio. Menschen interessieren sich für Pferde. Rechnet man die unter 14-jährigen dazu, erhöht sich diese Zahl sogar auf knapp 11 Mio..

Zudem ist Reiten ein echter „Lifetime-Sport“, der von Jung und Alt betrieben wird. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 29 Jahren. Vereinsmitglieder beginnen mit durchschnittlich 11,6 Jahren dieses Hobby und rund 61 % reiten bereits zehn Jahre oder länger. Bei den Nichtorganisierten sind dies 48 %, die zudem auch etwas später mit 12,5 Jahren mit dem Pferdesport beginnen. Dabei reiten über die Hälfte mindestens drei Mal in der Woche, wobei sie durchschnittlich mehr als drei Stunden auf der Anlage verbringen. 39 % der Nicht-Mitglieder und 18 % der Vereinssportler reiten sogar fünf Mal und mehr die Woche. Über die Hälfte bewegt dabei ihr eigenes Pferd. Die übrigen reiten Pflegepferde, Reitbeteiligungen oder Schulpferde. Jedoch haben fast alle eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Tier und für über 50 % der Reiter ist der Umgang mit dem Pferd das Schönste. Das erklärt auch die Bereitschaft, sehr viel Zeit und Geld in dieses Hobby zu stecken. Jährlich geben sie rund 2,9 Mrd. Euro für ihre „Vierbeiner“ aus. Durch die hohen Kosten werden aber insbesondere untere Einkommensklassen zunehmend von diesem Sport abgehalten. Der „statistische Normreiter“ liegt in den Bereichen Schulbildung und Einkommen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Auch das kulturelle Interesse und die Lesehäufigkeit liegen darüber. So werden in Deutschland über 1.300 Buchtitel und etwa 60 Zeitschriften und Magazine rund um das Thema Pferd angeboten, so viel wie zu keiner anderen Sportart im Inland. Des Weiteren sind Pferdesportler sehr aktive und gesellige Menschen. Rund zwei Drittel betreiben noch eine weitere Sportart. Darüber hinaus treffen sie sich öfter mit Freunden und besuchen kulturelle Veranstaltungen oder Kino häufiger als der bundesweite Durchschnitt. Auch das Engagement im Tier- und Umweltschutz oder im sozialen Bereich ist erheblich höher. Der Fernsehkonsum liegt unter dem Durchschnitt.[6]

Neben der Beliebtheit und Vielseitigkeit ist der Pferdesport auch die erfolgreichste Sportart im Inland. Die deutschen Dressurreiter sind seit 1970 ungeschlagene Weltmeister mit der Mannschaft und auch im Einzel vielfach siegreich. Insgesamt holten die Starter in den sieben offiziellen Pferdesportdisziplinen Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren, Voltigieren, Distanzreiten und seit 2002 auch im Reining 164 Medaillen bei Weltmeisterschaften, davon 68 Mal Gold, 46 Mal Silber und 50 Mal Bronze. Bei den Europameisterschaften konnten sogar schon 791 Medaillen gewonnen werden. Neben 246 Silber- und 205 Bronzemedaillen, entschieden die Reiter allein 340 Prüfungen für sich und erzielten somit Gold. Weitere 34 Mal holten sich die deutschen Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiter bei den Olympischen Spielen von 1912 bis 2004 dieses Edelmetall. Zudem erreichten sie 19 zweite und 23 dritte Plätze.[7] Insbesondere die nationale Zucht hat einen großen Beitrag dazu geleistet, Deutschland zur erfolgreichsten Pferdesportnation weltweit zu machen. Darauf wird in Kapitel 6.1 noch näher eingegangen.

3 Möglichkeiten der Finanzierung

3.1 Fördermittel und Subventionen

Die EU, der Bund und die Länder fördern landwirtschaftliche Unternehmen mit verschiedenen Maßnahmen bei deren betrieblicher Weiterentwicklung. Dies geschieht zum einen mittels Zuschüssen über das Programm „Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe ,Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes’ (GAK)“, andererseits durch zinsgünstige Darlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Auf diese Kredite soll im zweiten Teil dieses Kapitels näher eingegangen werden. Darüber hinaus fördert die LR auch innovative Vorhaben durch Kredite, deren Zins deutlich unter dem am Kapitalmarkt üblichen liegt.

Für die Pensionspferdehaltung bietet sich der Teil B des ersten Programms an, die Förderung von Investitionen zur Diversifizierung. Damit soll auf den agrarstrukturellen Wandel reagiert und Unternehmen die Schaffung außerlandwirtschaftlicher Einkommensquellen erleichtert werden. Die Sicherung von Existenz und Einkommen bäuerlicher Betriebe soll dabei auch die Wirtschaftskraft ländlicher Räume stärken. Gefördert werden Investitionen, die den Unternehmen zusätzliche Einkommensquellen erschließen. Dafür sind allerdings eine Aufstellung der geplanten Maßnahmen und ein Nachweis über die Wirtschaftlichkeit des Betriebs zu erbringen. Bezuschusst werden Investitionen ab einer Höhe von 10.000 Euro mit einer Übernahme von 25 % der Kosten. Die Förderung ist jedoch auf 200.000 Euro innerhalb von 3 Jahren begrenzt. Um den Unternehmen zudem die Kreditbeschaffung zu erleichtern, tritt der Bund als Bürge für 70 % des Gesamtinvestitionsvolumens ein. Zuschüsse können solche Unternehmen erhalten, deren Geschäftstätigkeit zu wesentlichen Teilen (mehr als 25 % der Umsatzerlöse) aus Bodenbewirtschaftung oder mit Bodenbewirtschaftung verbundener Tierhaltung besteht. Darüber hinaus müssen sie über die im § 1 Abs. V des ALG genannte Mindestgröße verfügen. Diversifizierungsförderungen werden Pensionstierhaltern beispielsweise für den Bau von Reithallen gewährt. Dafür muss der Betrieb allerdings schon bestehen und die Maßname dazu dienen, diesen konkurrenzfähiger zu machen.[8]

Der Zuchtstall fällt in den Teil A der GAK, dem Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP). Diese Maßnahme soll die Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Unternehmen verbessern. Gefördert werden dabei 25 % von Investitionen in langlebige Wirtschaftsgüter ab 30.000 Euro bis maximal 1,5 Mio. Euro, wobei der Bund wie im Teil B eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 70 % übernimmt. Zusätzlich wird ein Zuschuss von 25-30 % der Erschließungskosten bei Aussiedlungen gewährt und die Betreuungsgebühren ausschließlich eines Eigenbeitrags des Antragstellers übernommen. Junglandwirte bis 41 Jahren erhalten außerdem eine ergänzende Beihilfe von 10 % des Investitionsvolumens bis maximal 20.000 Euro. Diese Förderungen werden ausschließlich Betrieben gewährt, die Nachweise der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und der geplanten Maßnahmen sowie von beruflichen Fähigkeiten für eine ordnungsgemäße Führung des Unternehmens erbringen können. Darüber hinaus muss für mindestens zwei Jahre eine Vorwegbuchführung vorliegen und sich daraus eine angemessene bereinigte EK-Bindung nachweisen lassen. Zusätzlich müssen noch bestimmte länderspezifische Voraussetzungen, wie eine Prosperitätsgrenze und Buchführungspflicht über mehrere Jahre, erfüllt werden. Eine Unterstützung von Existenzgründungen erfolgt mit diesem Programm nur in Ausnahmefällen und unterliegt der Einzelfallprüfung. Somit kann ein neu erbauter Pferdezuchtbetrieb nur schwer Zuschüsse beantragen. Allerdings hat er nach längerem Bestehen die Möglichkeit, Förderungen für Betriebserweiterungen zu erhalten.[9]

Über bundesweite Förderprogramme hinaus gibt es auch etliche landesbezogene Förderungen, die je nach Standort des Betriebs beantragt werden können. Da die hypothetischen Reitanlagen in dieser Arbeit allerdings nicht auf ein spezielles Bundesland beschränkt sein sollen, werden diese Unterstützungen hier nicht weiter erläutert. Existenzgründer haben zudem die Möglichkeit bei der Arbeitsagentur verschiedene Zuschüsse zu beantragen. Deren Genehmigung erfolgt jedoch situations- und personenbezogen. Da dementsprechend jeweils andere Voraussetzungen vorliegen, sollen solche Förderungen hier ebenfalls nicht näher betrachtet werden.

3.2 Landwirtschaftliche Darlehen

Neben den erläuterten Zuschüssen werden landwirtschaftliche Betriebe, wie bereits in 3.1 erwähnt, insbesondere durch zinsgünstige Darlehen unterstützt. Die Landwirtschaftliche Rentenbank bietet für die verschiedenen Betriebsformen der Agrarwirtschaft mehrere Programme zur Finanzierung an.

Pensionspferdehalter können dabei Mittel aus dem Sonderkreditprogramm für die ländliche Entwicklung beantragen. Dieses zielt insbesondere auf eine nachhaltige Stärkung des ländlichen Raums und der Landwirtschaft ab. Dabei sollen die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität solcher Regionen gesichert und erhöht werden. Antragsberechtigt sind Unternehmen und sonstige Kreditnehmer, die die geforderten Voraussetzungen erfüllen. Gefördert werden unter anderem Investitionen von Unternehmen, die mit ihrem Betrieb die Wirtschaftsstruktur in ländlichen Räumen verbessern und neue Arbeitsplätze schaffen. Darunter fallen auch gewerbliche Tierhalter und Dienstleistungsunternehmen. Diese Tätigkeiten entsprechen denen eines Pensionsbetriebes. Auch Maßnahmen, die das Freizeitangebot in ländlichen Gebieten verbessern, wie der Bau von Sportanlagen, werden unterstützt. Dabei werden Kredite bis zu einer Höhe von 1,5 Mio. Euro gewährt. Für ein Annuitätendarlehen mit einer 30-jährigen Laufzeit und 5-jährigen Zinsbindung muss ein Effektivzins von 4,70 % gezahlt werden. Außerplanmäßige Rückzahlungen sind während der Dauer der Zinsbindung allerdings nicht möglich.

Für Zuchtbetriebe werden Mittel aus dem Sonderkreditprogramm für die Landwirtschaft und für Junglandwirte angeboten. Damit sollen insbesondere Agrarunternehmen bei Investitionen und sonstigen Finanzierungen unterstützt werden, die der Existenzsicherung, Rationalisierung oder Modernisierung dienen sowie Arbeits- und Produktionsbedingungen verbessern. Darlehen werden haupt- und nebenerwerblich betriebenen Unternehmen gewährt, die die Vieheinheitengrenze nach § 13 EStG nicht überschreiten. Gefördert werden dabei unter anderem landwirtschaftliche Unternehmen, die in Maschinen, Wirtschafts- und Wohngebäude, Landkauf oder auch in einen Tierbestand investieren. Der Höchstbetrag des Kredits darf auch hier 1,5 Mio. Euro für ein beispielsweise 30-jähriges Annuitätendarlehen nicht übersteigen. Der Zins beträgt ebenfalls 4,70 % effektiv bei 5-jähriger Zinsbindung. Besonders gefördert werden zusätzlich Junglandwirte bis einschließlich 40 Jahren, die ihren Betrieb als Einzelunternehmen oder Personengesellschaft (GbR oder KG) gegründet haben. Sie erhalten einen Effektivzinssatz von 4,55 % für ein 30-jähriges Annuitätendarlehen.[10]

4 Einnahmen- und Ausgabensituation eines Pensionspferdestalls

4.1 Analyse des Marktes für Pensionspferde

In den 50er Jahren lebten noch rund 2,5 Mio. Pferde in Deutschland. Diese wurden größtenteils für Arbeiten in der Landwirtschaft eingesetzt. Aufgrund der verstärkten Technisierung in den folgenden Jahren verloren die Tiere allerdings immer mehr an Bedeutung. Der Einsatz von Maschinen war sehr viel effizienter als der von Pferden. Dies führte bis Ende der 60er Jahre zu einem beträchtlichen Rückgang des Bestandes. 1970 erreichte er mit 379.000 Tieren seinen absoluten Tiefstand. Wachsender Wohlstand und zunehmende Freizeitorientierung führten in den folgenden Jahren jedoch wieder zu einem stetigen Anstieg des Pferdebestandes.[11] Vor allem ab dem Jahr 2000 wurde eine deutliche Zunahme verzeichnet, die 2005 mit etwa einer Million Tieren ihren langjährigen Höhepunkt erreichte.[12]

Wie sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzt, soll mit Hilfe einer Zeitreihenanalyse untersucht werden. Dafür wird eine exponentielle Glättung der Zeitreihe vorgenommen. Diese berücksichtigt im Gegensatz zu der Methode der gleitenden Durchschnitte, alle Vergangenheitswerte in der Berechnung. Die Glättung erfolgt dabei mit Hilfe eines rekursiven Filters. Je nachdem wie hoch dieser Glättungsparameter α gewählt wird, werden vergangene Werte stärker oder schwächer in der Prognose berücksichtigt. Eine starke Glättung wird mit einem kleinen α erreicht, da hierbei vergangene Werte höher gewichtet werden. Bei einem großen α wird dagegen die Gewichtung auf die aktuelleren Werte erhöht. Die einfache exponentielle Glättung wird vor allem bei Zeitreihen mit keinem erkennbaren Muster genutzt. Weist eine Zeitreihe, wie hier die Entwicklung des Pferdebestandes, jedoch einen Trend auf, empfiehlt sich die Anwendung des exponentiellen Glättens nach der Methode von HOLT-WINTERS. Diese bezieht noch einen weiteren Parameter in die Berechnung ein. Es wird eine exponentiell geglättete Zeitreihe geschätzt sowie eine Trendschätzung mit dem neuen Parameter β durchgeführt. Aus diesen beiden Gleichungen wird folglich die Prognose erstellt. Gängige Werte für die Höhe von α und β liegen zwischen 0,5 und 0,9. Um den mittleren quadratischen Fehler der Schätzung zu minimieren und die Gewichtung auf die aktuelle Entwicklung zu erhöhen, wird für die Prognose des Pferdebestandes in 2010 ein Wert von 0,9 sowohl für α als auch für β gewählt. Wie aus Anlage 1 hervorgeht, werden das aktuelle Niveau der Zeitreihe auf 980.002,4 und der Trend auf 264.634,5 geschätzt. Für 2010 ist somit gemäß der Prognose ein Gesamtbestand von 1.244.637 Pferden zu erwarten.[13] Aufgrund der geringen Datenmenge empfiehlt sich jedoch eine vorsichtige Interpretation des Schätzergebnisses. Dennoch zeigt es einen deutlichen Anstieg des Bestandes.

Abbildung 2: Pferdebestand und geglätteter Pferdebestand

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Datenquelle: Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2003), S. 16, Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2008 b) und eigene Berechnung und Darstellung

Doch nicht nur der zu erwartende Anstieg der Pferdeanzahl bietet Pensionsbetrieben gute Zukunftschancen, sondern auch die bessere Ausschöpfung vorhandener Potentiale. Für 97 % der Pferdehalter ist die Unterbringung des Pferdes das Wichtigste, dicht gefolgt von der Fütterung und einer Hilfe bei Pflege und Haltung. Auch das Angebot von Reitunterricht und eine Gastronomie oder Kantine ist für knapp 79 % der Vereinsmitglieder und 52 % der Nicht-Mitglieder wichtig. Dabei werden 35 % der eigenen Pferde in einem privaten Pensionsstall und nur 12 % in einem Reitverein gehalten. Der größte Anteil der Pferde steht mit knapp 54 % bei ihren Besitzern, deren Verwandten oder Bekannten zuhause oder in sonstigen Ställen. Größtenteils mit knapp 30 % wird dabei eine Unterbringung in einer Einzelbox mit Paddock[14] oder in einer Gruppe im Offenstall bevorzugt, je nachdem zu welchem Zweck das Pferd genutzt wird. Allerdings wünschen sich fast 70 % der Pferdebesitzer einen ganzjährigen Auslauf auf der Weide.

Somit bietet der Markt noch rund eine halbe Million potentielle Neukunden in Form der Pferde mit ihren Besitzern. Um diese allerdings von einem Wechsel in einen Pensionsstall zu überzeugen, muss eine umfangreiche Ausstattung und ein guter Service geboten werden. Zudem sollte dieses Angebot kommuniziert und die Ansprache der richtigen Zielgruppe erfolgen. Wie bereits in Kapitel 2.2 erwähnt, stehen vor allem der Umgang mit dem Pferd und auch die Nähe zur Natur für die meisten Reiter an erster Stelle. Hier bietet sich ein Longierzirkel an, um mit dem Pferd auch vom Boden aus effektiv arbeiten zu gehen. Um den Kontakt mit der Natur zu steigern, sollte darüber hinaus ein Außenreitplatz angeboten werden. Zudem empfiehlt es sich, schon bei der Standortwahl darauf zu achten, ein gutes Ausreitgelände in der Umgebung vorzufinden. Dies wird von fast allen Reitern gerne und oft genutzt. Für ein wetterunabhängiges Training sollte in jedem Fall eine Reithalle vorhanden sein. Gerade für Turniersportler ist dieser Servicefaktor sehr wichtig, da sie kontinuierlich auf besten Bodenverhältnissen ihre Pferde bewegen müssen.

Da Reiter, wie schon im Kapitel 2.2 dargelegt, sehr gesellige Menschen sind und sich zudem ein Großteil eine Gastronomie oder Kantine auf der Anlage wünscht, sollte versucht werden, diesen Bedürfnissen zu entsprechen. Ob jedoch gleich zu Beginn eine Investition in eine voll ausgestattete Gastronomie erfolgen sollte, muss gründlich durchdacht werden. Vorerst bietet sich ein Aufenthaltsraum mit Sitzgelegenheiten und Ausschankmöglichkeit an. Dies bietet bei Bedarf eine Option auf spätere Erweiterung. Die Investitionskosten bleiben hierbei relativ gering, obgleich bei einem Nachfrageanstieg mit entsprechenden Zusatzinvestitionen kurzfristig darauf reagiert werden kann.

Ferner empfiehlt es sich, auch die demographische Entwicklung in Serviceangebot und –planung mit einzubeziehen. Der Anteil von jungen Menschen an der Gesellschaft wird immer geringer. Gleichzeitig nimmt der Konkurrenzdruck bezüglich dieses Kundenkreises in der Sport- und Freizeitbranche stetig zu. Deshalb sollte gerade dieses Segment vermehrt angesprochen werden, um es schon früh an den Reitsport zu binden. Dabei bieten sich vor allem gemeinsame Aktivitäten und Aktionen innerhalb der Stallgemeinschaft an. Diese sollten allerdings vielfältig angelegt sein, um auch Erwachsene und ältere Menschen anzusprechen, die einen immer größer werdenden Teil der Gesellschaft darstellen. Neben erlebnis- und spaßorientierte Aktivitäten im Bereich der Jugendarbeit, sollten für ältere Reiter vorzugsweise Aktionen offeriert werden die Natur, Geselligkeit und Weiterbildung in den Mittelpunkt stellen. Des Weiteren empfiehlt es sich, ein besonderes Augenmerk auf das männliche Geschlecht zu legen, das in Reitställen immer noch in der Minderheit ist. Im Gegensatz zu Frauen empfinden Männer das Vorhandensein von Wasch- und Umkleidemöglichkeiten sowie einer Gastronomie als besonders wichtig. Dies wird auch von einem Großteil der Reiter ab 40 Jahren gewünscht.[15] Insgesamt favorisieren Frauen jedoch vorrangig eine gute Unterbringung und Fütterung für das Pferd und die Möglichkeit, Unterricht zu nehmen. Wird dafür kein Reitlehrer eingestellt, kann eine Reitanlage auch einen Externen beauftragen. Dieser regelt Kosten und Bedingungen direkt mit den Nachfragern. So kann gerade eine neu gegründete Anlage den entsprechenden Servicebaustein anbieten, ohne ein Kostenrisiko bei anfänglich geringer Nachfrage einzugehen. Hat sich der Stall einmal etabliert, kann über eine Ausweitung dieses Angebotes nachgedacht werden.

Eine große Rolle innerhalb einer Stallgemeinschaft spielt auch der Betriebsleiter. Dieser sollte insbesondere die von den meisten Pferdebesitzern gewünschte Fachkenntnis mitbringen, um in der Pflege, im Umgang und in der Haltung eine Hilfestellung leisten zu können. Auch die in Abschnitt 2.2 erläuterte starke Emotionalität führt immer wieder zu Problemen zwischen den Mitgliedern untereinander und auch mit dem Betrieb. Jeder Reiter möchte das Beste für sein Tier und verfolgt dabei oft spezielle Vorstellungen, die nicht immer mit denen anderer Einsteller harmonieren. Der Betriebsleiter sollte hierbei eine gewisse emotionale Intelligenz mitbringen, um derartige Situationen zur beiderseitigen Zufriedenheit lösen zu können.

4.2 Grundstück und bauliche Anlagen für die Pensionspferdehaltung

Entscheidend für den Erfolg des Pensionsbetriebes ist neben Serviceleistungen eine optimale Standortwahl. So sollte bei der Wahl eines geeigneten Grundstücks auf eine gute Verkehrsanbindung und ein genügend großes Einzugsgebiet im Umkreis von einer halben Stunde Fahrtzeit geachtet werden. Gerade in der Nähe von Großstädten besteht aufgrund der höheren Einwohnerzahl eine potentiell größere Nachfrage nach Stallplätzen. Allerdings ist das Angebot an Weideflächen und eines ausgedehnten Ausreitgeländes dort eher gering. Um diese beiden essentiellen Faktoren dennoch zur Verfügung zu haben, empfiehlt es sich, in Vororte auszuweichen. Dabei sollte außerdem eine Konkurrenzanalyse durchgeführt und nach Möglichkeit eine Region gewählt werden, die nicht im Einzugsgebiet von Wettbewerbern mit ähnlichem Angebotskonzept liegt.[16] Zusätzlich empfiehlt sich ein erhöhter Standort der Anlage mit genügender Luftzirkulation. Tallagen und Senken sollten hingegen gemieden werden. Aufgrund des dort oft vorherrschenden feuchtwarmen Klimas entsteht eine günstige Grundlage für Schimmelpilze, Krankheitskeime sowie für ein erhöhtes Insektenaufkommen und ein schlechtes Luftverhältnis in den Stallungen. Ferner sollte die Anlage mehr als 80 Meter von Starkstromleitungen entfernt liegen, da diese eine erhöhte Strahlungsbelastung für Mensch und Tier darstellen.[17]

Für den Tagesablauf von Pferden müssen deren spezifische Eigenschaften bedacht werden. Als frühere Steppentiere bewegten sie sich im Herdenverband bei den unterschiedlichsten Klimabedingungen bis zu 16 Stunden täglich. Dies diente neben der fortwährenden Nahrungssuche auch der Gesunderhaltung des Bewegungsapparats und insbesondere der empfindlichen Atemwegsorgane.[18] Diese Evolution muss in den Haltungsbedingungen berücksichtigt werden. Um soziale Kontakte zu pflegen und die Pferde gesund zu erhalten, sollte demnach ein täglicher Weidegang in der Gruppe offeriert werden. Dabei ist während der Vegetationszeit pro Pferd eine Fläche von 0,375 ha einzuplanen. Um auch das Winterfutter von diesen Flächen zu gewinnen, empfiehlt sich eine zusätzliche Fläche von 0,5-1 ha je Pferd.[19] In der vorliegenden Kalkulation wird allerdings mit einem Zukauf des Winterfutters gerechnet. Insgesamt sollten für 40 Pensionspferde somit 15 ha Weidefläche zur Verfügung stehen. Diese können gegebenenfalls auch in mehrere Sektoren unterteilt werden, um den momentan nicht beweideten Flächen die Möglichkeit des Nachwachsens zu geben und längere Trampelpfade zu vermeiden. Auch das Einfangen weniger zutraulicher Pferde wird dadurch erleichtert und zeitlich verkürzt.

Bei der weiteren Planung der baulichen Anlagen muss zunächst eine Zielgruppe definiert werden. Die Bandbreite an unterschiedlichen Pferdebesitzern reicht von Freizeit-, Western-, Turnier- und Spezialrassenreitern bis hin zu Hobbyzüchtern und Deckhengsthaltern. Im vorliegenden Beispiel wird eine Ausrichtung auf Freizeit- und Turnierreiter gewählt. Sie bilden das größte Segment und sind zudem gut miteinander kombinierbar. Für Einsteller von Zuchttieren müssten extra bauliche Besonderheiten im Bereich der Haltung berücksichtigt werden, während Westernreiter andere Abmessungen und eine spezielle Begebenheit des Reituntergrundes der Trainingsanlagen fordern.[20]

Wie oben bereits erläutert wünschen sich Freizeitreiter insbesondere ein schönes Ausreitgelände, eine artgerechte Haltung mit Weidegang für ihr Tier und die Möglichkeit für ein geselliges Beisammensein mit Reitpartnern. Turnierreiter benötigen darüber hinaus vor allem gute Trainingsanlagen und die Möglichkeit der Weiterbildung. Um diesen Wünschen zu entsprechen und gute Wettbewerbsvoraussetzungen zu schaffen, sollen Investitionen in eine Reithalle, einen Reitplatz, einen Longierzirkel sowie in eine Reiterstube mit Sanitärräumen und angeschlossenem Büroraum erfolgen. Die Halle und der Platz werden in einfacher Ausstattung und im Normalmaß für Dressurprüfungen 20 m x 40 m gebaut.[21] Für die Reithalle wird ein Preis von 220 Euro pro m2 kalkuliert, was Gesamtkosten von 176.000 Euro entspricht. Wird sie erst nach Gründung des Betriebes errichtet, kann zudem eine Förderung, wie in Kapitel 3.1 dargelegt, in Höhe von 25 % der Investition beantragt werden. Die Kosten reduzieren sich damit auf 132.000 Euro. Reitplatz und Longierzirkel werden mit 15 Euro pro m2 veranschlagt, wobei der Zirkel einen Durchmesser von 16 m aufweist. Es fallen dabei Kosten in Höhe von 12.000 und 3.015 Euro an. Für den Wunsch nach reiterlicher Weiterbildung soll, wie in 4.1 bereits erwähnt, vorerst ein externer Reitlehrer beauftragt werden, um die fixen Kosten für den Lohn zu minimieren. Nach einer Etablierung der Anlage und einem festen Kundenstamm kann über die Festeinstellung nachgedacht werden.

Die Reiterstube mit Ausschankmöglichkeit wird mit 45 m2 und das Büro mit 16 m2 angesetzt. Des Weiteren werden zwei Toiletten sowie zwei Waschräume zu 8 bzw. 10 m2 eingeplant. Die Errichtung dieser 79 m2 wird mit 1.000 Euro pro m2 kalkuliert und verursacht damit Kosten von 79.000 Euro. Außerdem werden Parkplätze für PKW und Pferdeanhänger sowie Wege innerhalb der Anlage mit einer Größe von insgesamt 2.000 m2 eingerechnet. Mit einem Preis von 20 € je m2 verursacht diese Fläche 40.000 Euro Kosten.[22]

Das Stallgebäude besteht aus den Boxen inklusive der Paddocks für 40 Pferde, der Sattelkammer, dem Waschplatz, einer Vorratskammer für das Futter sowie einer Stallgasse. Die Boxen sollten ein Mindestmaß von 12 m2 (3 m x 4 m) aufweisen. Der Paddock wird daran angepasst und mit den gleichen Abmessungen ausgestattet.[23] Die Größe der Sattelkammer richtet sich nach der Anzahl der Pferdeplätze, wobei jeweils 1 m2 pro Box für Sattel, Trense, Putzzeug und weitere Pflege- und Reitutensilien eingeplant werden sollte. Etwa 4 m x 2,5 m wird für einen Waschplatz innerhalb des Stalltraktes vorgesehen.[24] Von der 3 m breiten Stallgasse geht zudem noch der Lagerraum für das Kraft- und Mineralfutter ab. Bei 5 – 6 kg täglicher Futtergabe und einer einmonatigen Lagerung ergibt sich ein Raumbedarf von 0,48 m3 pro Pferd inklusive einer Arbeits- und Verkehrsfläche von 40 %.[25] Diese verteilt sich auf eine Futterkammer mit den Abmessungen von 4 m x 3,5 m bei einer Lagerhöhe von 1,37 m. Das Stallgebäude weist somit insgesamt eine Länge von 70 m bei 11 m Breite auf, wie aus Anlage 5 hervorgeht. Pro Stallplatz werden 8.000 Euro kalkuliert plus 296 m Einzäunung der Paddocks, die mit 5 Euro pro laufenden Meter bemessen werden.[26] Dies führt zu einem Investitionsvolumen von 321.480 Euro. Des Weiteren werden für eine 6-monatige Lagerung des anfallenden Dungs pro Pferd 3,5 m2 Mistlege sowie 0,5 m2 Jauchgrube kalkuliert.[27] Die benötigten 160 m2 sind mit 25 € je m2 anzusetzen.[28]

Zuletzt werden noch eine Berge- und eine Maschinenhalle benötigt. Die Größe der ersten Halle sollte auf den durchschnittlichen Verbrauch von Heu und Stroh pro Pferd abgestimmt werden. Für ein 500-600 kg schweres Großpferd sollten bei leichter bis mittlerer Arbeitsintensität etwa 1 kg Heu pro 100 kg Körpermasse einkalkuliert werden.[29] Wie aus Anlage 2 ersichtlich, bekommen die Tiere in der Stallperiode somit durchschnittlich 5,5 kg Heu am Tag. In der Zeit von April bis November sollten die Pferde auf der Weide gehalten werden. Dabei wird allerdings eine jeweils einmonatige Übergangszeit eingerechnet, in der die Tiere nur zeitweise auf das Grünland kommen, um den Organismus an die Futterumstellung zu gewöhnen.[30] In dieser Zeit wird die Hälfte der normalen Heumenge beigefüttert. Pro Jahr und Pferd sind folglich 998,25 kg Heu zu lagern. Für gestapelte Hochdruckballen muss dafür eine Fläche von 7,26 m3 kalkuliert werden. Die entsprechende Lagerung für das benötigte Stroh, das alle drei Monate nachgekauft wird, sollte zusätzlich mit 11,83 m3 für einen Stallplatz eingerechnet werden.[31] Dieser Bedarf setzt sich aus 8 kg täglichem Verbrauch für das Einstreu und etwa 2,75 kg für ganzjährige Futterstrohgabe zusammen.[32] Somit ist eine Gesamtlagerfläche von 763,4 m3, inklusive eines nicht nutzbaren Leerraumanteils sowie einer Rangierfläche von 30 %, nötig. Dafür wird eine Halle mit den Abmessungen 17 m x 15 m errichtet, in der das Heu und Stroh etwa 3 m hoch gestapelt wird. Die Errichtung schlägt dabei mit 50 Euro je m3 zu Buche und wird daher mit 38.250 Euro angesetzt.[33] Schließlich sollte noch eine Maschinenhalle erbaut werden. Sie bietet dem benötigten Traktor mit Abmessungen von etwa 4 m x 2 m, dem 2 m x 1 m großen Bahnplaner und den zwei Weidetränken, die ungefähr 1,5 m x 2,3 m Fläche in Anspruch nehmen,[34] Platz. Des Weiteren wird vorne, hinten und an den beiden Seiten jeweils ungefähr ein viertel Meter Abstand mit eingeplant. So ergibt sich ein Flächenbedarf von 20 m2, der bei 200 Euro pro m2 mit 4.000 Euro zur Investitionssumme beiträgt.

Zu den oben genannten Kosten sollten zudem noch Erschließungskosten von etwa 30.000 Euro und Nebenkosten in Höhe von 19.912,35 Euro gerechnet werden. Dies entspricht 3 % der Investitionssumme von 663.745 Euro.[35] Die Gesamtkosten der baulichen Anlagen belaufen sich somit auf 683.657,35 Euro.

Tabelle 1: Aufstellung der Investitionskosten für bauliche Anlagen des Pensionsstalls

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Für die Anlage ist insgesamt eine Fläche von rund 16 ha nötig. Davon soll ein Hektar für die Hoffläche zu einem bundesweiten Durchschnittspreis von 8.692 Euro gekauft werden. Um die Kapitalbindung gerade in der Anfangsphase möglichst gering zu halten, wird die übrige Weidefläche von 15 ha für jährlich 1.815 Euro dazu gepachtet (121 Euro Pacht für ein Hektar Dauergrünland).[36]

[...]


[1] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2008 b).

[2] Vgl. Landwirtschaftskammer Niedersachen (2006).

[3] Vgl. Bischoff, Katrin (2005).

[4] Vgl. FEI – Fédération Equestre Internationale (2008).

[5] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2005), S. 300-303, Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2008 b).

[6] Vgl. Ipsos Marktforschungsinstitut (2001) und Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2008 b).

[7] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2008 b).

[8] Vgl. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2008 b), S. 12 – 14.

[9] Vgl. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2008 b).

[10] Vgl. Landwirtschaftliche Rentenbank (2008 a) und (2008 b).

[11] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2003), S. 16.

[12] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2008 b);

Anmerkung: seit 1996 werden durch das Statistische Bundesamt nur noch Pferde in landwirtschaftlichen Betrieben erfasst, nachfolgende Zahlen über den Gesamtpferdebestand beruhen auf Branchenschätzungen.

[13] Vgl. Schira, J. (2005), S. 147-150.

[14] Erläuterung: kleiner Auslauf im direkten Anschluss an die Pferdebox.

[15] Vgl. Ipsos Marktforschungsinstitut (2001).

[16] Vgl. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (2003), S. 21.

[17] Vgl. Fink, G. (2001), S. 4.

[18] Vgl. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2008 a).

[19] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2006), S. 206.

[20] Vgl. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (2003), S. 21.

[21] Vgl. Bender, I. (2002), S. 122.

[22] Vgl. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2008).

[23] Vgl. Marten, J. (2000), S. 3.

[24] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2003), S. 92-93.

[25] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2003), S. 82 und 86.

[26] Vgl. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2008).

[27] Vgl. Marten, J. (2000), S. 8.

[28] Vgl. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2008).

[29] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2006), S. 147.

[30] Vgl. Bender, I. (2000), S. 178.

[31] Vgl. Marten, J. (2000), S. 7.

[32] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2006), S. 147.

[33] Vgl. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2008).

[34] Vgl. Reitshop24 (2008).

[35] Vgl. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2008).

[36] Vgl. Statistisches Bundesamt (2008), S. 333 und 343.

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Titel: Existenzgründung. Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten eines Pferdebetriebes