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Tatu Vanhanens 'Index of Democratization' als Beispiel einer Demokratiemessung

Referat (Ausarbeitung) 2009 12 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Demokratiemessung - Eine Einführung

2) Vanhanens Grundlage zur Berechnung des Index of Democratization

3) Berechnung des Indexes
3.1) Dimensionen der Demokratie und ihre Messung
3.2) Berechnung des Index of Democratization
3.3.) Grenzwerte
3.4) Beispielhafte Messergebnisse

4) Stärken und Schwächen der Messung

5) Zusammenfassung und Fazit

6) Literaturverzeichnis

1) Demokratiemessung - Eine Einführung

Die Demokratiemessung ist eine relativ neue Methode in der Politikwissenschaft (vgl. Lauth 2004: 237), die etwa seit den 50er Jahren betrieben wurde. Vorreiter waren hierbei Lipset (1959) und vor allem Robert Dahl, der 1971 mit seinem Buch „Polyarchy“ einen „bahnbrechend[en]“ (ebd.) Grundstein gelegt hat, auf denen viele Forscher aufbauen.

Es entwickelten sich verschiedene Forschungsmethoden, sowohl qualitativer als auch quantitativer Art, von denen die meisten in den 80er und 90er Jahren entstanden (ebd.).

Wichtige Demokratiemessungen betrieben neben Dahl vor allem auch Jaggers und Gurr mit den Polity-Messungen oder auch Freedom House (v.a. Gastil), die politische und bürgerliche Freiheiten - und somit indirekt die Demokratie (vgl. Vanhanen 2000: 252) - messen. Diese beiden Messungen stützen sich auf qualitative Daten und unterliegen somit auch der Kritik der Subjektivität.

Es gibt aber, wie schon erwähnt, auch quantitative Messreihen, von denen eine der wichtigsten in dieser Arbeit vorgestellt wird. Dabei wird sowohl auf die Messgrundlage eingegangen als auch auf das Messverfahren. Zum Schluss sollen noch die Stärken und Schwächen dieser Demokratiemessung bestimmt werden.

2) Vanhanens Grundlage zur Berechnung des Index of Democratization

Einer dieser quantitativen Messungen ist die Bestimmung des Index of Demo- cratization, der vom finnischen Demokratieforscher Tatu Vanhanen entwickelt wurde. Dieser misst den Demokratisierungsgrad von 187 Staaten von 1810 bzw. dem Jahr der Unabhängigkeit bis 1998 (vgl. Vanhanen 2000: 251). Die Datensätze werden immer weiter geführt, wobei alle Staaten ab 50.000 Einwohner (ebd.: 256) bewertet werden. Der aktuelle Datensatz reicht mittlerweile bis ins Jahr 2006 (vgl. Datensatz Index of Democratization 1978-2006).

Von 1968 bis in die siebziger Jahre richtete Vanhanen sein Augenmerk noch auf die Machtverteilung (distribution of power resources) (vgl. Vanhanen 200: 252f), wobei er auch hier einen Index (Index of Power Resources und später Index of Power Resources and Structural Imbalance) erstellte, der „die Verteilung der politischen und wirtschaftlichen Macht auf verschiedene Gruppen der Gesellschaft“ (Merkel et al. 2006: 333) gemessen hat. Je breiter die Macht verteilt ist, desto höher ist der Grad der Demokratisierung (ebd.). Berechnet wurde dieser Index mit Hilfe von mehreren Indikatoren, beispielsweise dem Anteil der Studierenden, der lese- und schreibfähigen Bevölkerung oder dem Anteil von im Familienbesitz stehenden Landwirtschafts- betrieben (vgl. Schmidt 2008: 415f).

Ab 1984 änderte sich Vanhanen Fokus, der nun in größerem Maße auf der Demokratisierung und nicht mehr der Machtverteilung lag. Hierbei greift er auf zwei Schlüsseldimensionen von Dahls Polyarchykonzept (vgl. Dahl 2000: 85) zurück und zwar auf die Partizipation (participation) und den Wettbewerb (competition), anhand derer er den Index of Democratization berechnet (vgl. Vanhanen 2000: 253). Durch diesen soll es möglich sein, zwischen demokratischen und autokratischen Systemen unterscheiden zu können. Der Index ist allerdings nicht dafür geeignet, wie Vanhanen selbst herausstellt, nochmals innerhalb demokratischer oder autokratischer Staaten zu differenzieren (ebd.: 258).

Das Messen der Demokratie setzt natürlich auch voraus, dass der Forscher sich auf eine bestimmte Demokratie-Definition festlegt, auf deren Grundlage seine Messüberlegungen aufbauen. Nach Vanhanen ist eine Demokratie „ a political system in which ideologically and socially different groups are legally entitled to compete for political power, and in which institutional power-holders are elected by the people and are responsible to the people“ (ebd.: 252).

In seiner Definition finden sich die zwei gemessenen Dimensionen Partizipation („power-holders are elected“) und Wettbewerb („different groups […] compete for political power“) wieder, die im Folgenden näher betrachtet werden.

3) Berechnung des Indexes

Vanhanen verwendet für seine Demokratiemessung ein recht „spartanisches Modell“ (Pickel /Pickel 2006: 194): Die zwei Variablen Partizipation und Wettbewerb werden jeweils mit nur einem Indikator gemessen und dann miteinander multipliziert, was die Messung leicht nachvollziehbar und wiederholbar macht.

3.1) Dimensionen der Demokratie und ihre Messung

Die Wettbewerbsvariable wird berechnet, indem man den Stimmenanteil der Partei, die bei Wahlen die meisten Stimmen bekommen hat, von 100 abzieht. Kann man keine Daten dazu erhalten, wird die Sitzverteilung im Parlament zugrunde genommen: Dementsprechend zieht man dann den Anteil der Sitze der größten Fraktion von 100 ab (vgl. Vanhanen 2000: 253). Im Falle von Präsidentschaftswahlen ist die „größte Partei“ die Partei des Kandidaten, der die Wahl gewinnt. Ob nun parlamentarische oder präsidentielle Wahlen für die Bestimmung des Wertes herangezogen werden sollen, hängt von der Wichtigkeit der jeweiligen Institution ab: Ist die Legislative dominant, zieht man die Parlamentswahl zu Grunde, dementsprechend bei dominanter Exekutive die Regierungs- bzw. Präsidentschaftswahl. Konkurrieren beide Institutionen miteinander wie in semipräsidentiellen Systemen, kann man beide Wahlen zu Rate ziehen, welche dann - je nach Machtverhältnis - gewichtet werden (50%:50%, 25%:75% oder 75%:25%) (vgl. Pickel /Pickel 2006: 194f).

Bei der Berechnung der Wettbewerbsvariable ist allerdings darauf zu achten, dass bei Parteien, die sich langfristig Allianzen anschließen, nicht die Stimme dieser Einzelparteien sondern die der Bündnisse zählen. Ebenso muss beachtet werden, dass, wenn es keine Parteien gibt und nur Einzelpersonen antreten, der Anteil der „größten Partei“ als 30% festgelegt wird. Gibt es indirekte Wahlen wie die Präsidentschaftswahl in den USA, dann zählt nur die letzte Wahl; in den USA wäre dies die Wahl des Präsidenten durch die Wahlmänner/-frauen. Gibt es keine allgemeinen Wahlen und/oder konzentriert sich die Macht bei einer kleinen Gruppe wie in Militärregimen, liegt der Anteil der „größten Partei“ bei 100% und damit der Wettbewerbswert natürlich bei 0 (vgl. Vanhanen 2000: 254).

Vanhanens Begründung für diese Berechnung des Wettbewerbswertes ist, „that the relative strength of political parties provides the most realistic indicator of the distribution of political power in modern states” (ebd: 253).

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Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640530670
ISBN (Buch)
9783640530946
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143441
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
12
Schlagworte
vanhanen polyarchy index of democratization demokratiemessung vergleichende politikwissenschaft

Autor

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Titel: Tatu Vanhanens 'Index of Democratization' als Beispiel einer Demokratiemessung