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Journalismus als Beruf - Modelle der Journalismusforschung

Donsbach und Weischenberg

Hausarbeit 2007 25 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die historische Entwicklung des Journalismus

3. Das Berufsbild des Journalisten
3.1 Definitionen der Journalisten
3.2 Ausbildungsmöglichkeiten
3.2.1 Das Volontariat
3.2.2 Praktika und Hospitanzen
3.2.3 Zugang über die Hochschule
3.2.4 Journalistenschulen
3.3 Neue Berufsfelder des Journalismus
3.4 Demographien des Journalismus in Deutschland
3.4.1 Studie „Journalismus in Deutschland“
3.4.2 Studie „Journalismus in Deutschland II.“
3.4.3 Studie „Sozialenquête“

4. Modelle der Journalismusforschung
4.1 „Sphären-Modell“
4.2 „Zwiebelmodell“
4.3 „Mehrebenenmodell“

5. Rollenbild und Selbstverständnis von Journalisten
5.1 Redaktionelle Unterschiede: Deutschland vs. USA
5.2 Entwicklungen des deutschen Journalismus

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich im zweiten Kapitel mit der historischen Entwick- lung des Journalismus. In der Literatur beginnt die gewerbsmäßige Presse mit der Erfin- dung des Buchdruckes. Im Laufe der Zeit vollzog sich eine Entwicklung über das redaktio- nelle System hin zur Massenpresse. Diese wird mit der Beschreibung der einzelnen Pha- sen näher erläutert.

Das dritte Kapitel gibt einen Überblick über das Berufsbild des Journalisten in Deutsch- land. Im Detail werden neben der Definition die unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkei- ten vorgestellt. Hierzu zählen Volontariat, Praktikum, Hospitanz, Hochschulen und Journa- listenschulen. Die erworbenen Fähigkeiten werden in einem neuen Berufsfeld angewandt, dem Multimedia-Bereich. Eine demographische Untersuchung des Berufsstandes wird anhand der Studien von 1993 und 2005 von Siegfried Weischenberg, Armin Scholl, Maja Malik und Martin Löffelholz durchgeführt. Die 1993 entstandene Sozialenquête-Studie von Beate Schneider, Dieter Stürzebecher und Klaus Schönbach beschäftigt sich ebenfalls mit demographischen Merkmalen.

Im vierten Kapitel werden drei Modelle der Journalismusforschung vorgestellt. Diese systematisieren die verschiedenen Einflussfaktoren, welche auf die Journalisten wirken und damit auch auf die Medieninhalte.

Diese Faktoren werden im fünften Kapitel näher beschrieben. Im Mittelpunkt stehen redak- tionelle und organisatorische Unterschiede angloamerikanischer und deutscher Redaktio- nen.

2. Die historische Entwicklung des Journalismus

Walter Hömberg charakterisiert den Forschungsstand der deutschen Berufsgeschichte des Journalismus folgendermaßen: „Es gibt die Geschichte vieler Berufe: der Richter und Rechtsgelehrten, der Kaufleute und Handelsherren, der Ärzte und Lehrer, der Prostituier- ten und Privatdozenten. Es gibt keine Berufsgeschichte der Journalisten“. Jedoch ist diese Aussage von Hömberg leicht zu modifizieren, da zumindest eine umfangreiche Darstellung des Journalismus im 19. Jahrhundert existiert (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 137).

Als erste umfassende Journalismusgeschichte in Deutschland gilt die von Robert Prutz verfasste „Geschichte des deutschen Journalismus“ aus dem Jahre 1845 (vgl. Lorenz 2002: 11). In einer der wenigen Publikationen zu der Geschichte des deutschen Journalismus lassen sich nach einer Systematik von Dieter Paul Baumert von 1928 vier Phasen unterscheiden: In der präjournalistische Phase (ab ca. 1500) tragen Sendboten und Spiel- leute in Reimen und Liedern gefasste Neuigkeiten in die Öffentlichkeit. In der Phase des korrespondierenden Journalismus (16. Jhd. bis Mitte des 18. Jhd.) liefern Diplomaten, Stadtschreiber und Handelsleute Informationen an Postmeister und Drucker, die diese in unregelmäßigen Abständen zusammenstellen und vervielfältigen. In der Phase des schriftstellerischen Journalismus (Mitte des 18. Jhd. bis Mitte des 19. Jhd.) entsteht die Rolle des Publizisten, „ der weniger durch aktuelle Berichterstattung als durch kritisch- räsonierende Abhandlungen zur Meinungsbildung beitragen wollte“ (Noelle- Neumann/Schulz/Wilke 2003: 82). Mit dem Aufkommen der Massenpresse entwickelt sich die Phase des redaktionellen Journalismus (seit Mitte des 19. Jahrhunderts), durch den Journalisten in immer komplexer werden Medienorganisationen arbeiten (vgl. Noelle- Neumann/Schulz/Wilke 2003: 82 - 83; Requate 1995: 118). Die Geschichte des deutschen Journalismus wird nach Heinz Pürer und Johannes Raabe mit dem redaktionstechnischen Journalismus um eine fünfte Phase ergänzt. Diese Phase beschreibt die Einführung elekt- ronischer und computergesteuerter Texterfassungssysteme und Textbearbeitungssysteme ab 1975. Mittlerweile könnte man von einer sechsten Phase sprechen, die der Neuen Me- dien (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 137).

Der Beginn der Pressegeschichte ist datiert auf die Mitte des 15. Jahrhunderts, als zeit- gleich Johannes Gensfleisch von Gutenberg den Buchdruck erfand. Es hat Zeitungen schon vor diesem Zeitpunkt gegeben, doch verwendete man den Begriff Zeitung als „Syn- onym für Nachricht“ (Lorenz 2002: 12, Herv. i. O.). Nachrichten wurden traditionell per Brief übermittelt. Mit der Weiterentwicklung überregionaler Postverbindungen bildete sich professionell betriebene Zeitungsschreiberei heraus. Die handschriftlich verfassten Nach- richtenbriefe, so genannte Avisen, wurden von Diplomaten und Offizieren für Fürsten oder Kaufleute verfasst, die sich mit dem Verkauf der Nachrichten zusätzlich Geld verdienten (vgl. Lorenz 2002: 13). Die ersten Sammlungen und Verbreitungen von Nachrichten für die Öffentlichkeit datieren aus dem 16. Jahrhundert in Venedig, „wo ‚Scritorri d`Avvisi‛ Infor- mationen aller Art sammelten, abschrieben und verkauften“ (Kunczik/Zipfel 2001: 136). Die „Fugger Zeitungen“ waren im 16. Jahrhundert solch eine Sammlung in Deutschland. Hierbei handelte es sich um Briefe, die an das Augsburger Handelshaus gerichtet waren und dort abgeschrieben und gesammelt wurden. Die Briefe waren von wirtschaftlicher Be- deutung und hatten inhaltliche Schilderungen von politischen und kulturellen Ereignissen.

Allerdings waren die „Fugger Zeitungen“ zunächst nicht für die öffentliche Verbreitung bestimmt (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 138; Lorenz 2002: 13).

Zwischen Ende des 15. Jahrhunderts und Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden nicht periodische Druckgattungen, wie zum Beispiel Flugblätter, Flugschriften, Einblattdrucke und Neue Zeitungen. Diese Schriften dienten meist der anonymen und massenhaften Verbreitung von Informationen in Form von Sensationen, über Fabelwesen, Katastrophen und Propagandapolitik. Des Weiteren konnte man häufig der kirchlichen und kaiserlichen Zensurbestimmung entkommen (vgl. Lorenz 2002: 16).

Die ersten regelmäßig erscheinenden Zeitungen wurden im Jahre 1909 in Deutschland publiziert: Aviso in Wolfenbüttel und Relation in Straßburg. Bei der Entstehung der Zeitun- gen ging Deutschland nicht nur zeitlich voran, sondern verbreitete sich dieses Medium auch so schnell wie nirgendwo sonst in den Anfängen. Für die dynamische Entwicklung und Vielfalt der periodischen Presse gibt es viele Gründe. Zu einem wurde der Buchdruck in Deutschland erfunden, des Weiteren strebten die vielen Territorien von Herzogtümern und Fürstentümern nach einer eigenen Zeitung (vgl. Wilke 2000: 50 - 51).

Der Beginn einer neuen Phase der Mediengeschichte im 19. Jahrhundert wird in Deutsch- land mit dem Jahr 1819 datiert. Durch die Karlsbader Beschlüsse wurde die Vorzensur wieder eingeführt und die geistige Entwicklung durch Kommunikationsverbot versucht rückgängig zu machen (vgl. Wilke 2000: 183). Die revolutionären Vorgänge im März 1848 hatten zur Folge, dass die Zensur wieder aufgehoben wurde. Das Pressewesen erfuhr einen Aufschwung und es kam des weitern zur Gründung von gelehrten Zeitschriften, die meist von Schriftstellern herausgegeben wurden. In der Blütezeit der Zeitschriften wies man mehr als 3.500 Titel nach. Inhalte dieser Zeitschriften waren die kritische Betrachtung von historischen, literarischen, philosophischen, religiösen und politischen Themen (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 139; Wilke 2000:94). Des Weiteren kam es im 19. Jahrhundert mit dem Anwachsen des Nachrichtenstoffes und der Expansion des Pressewesens zu einer Professionalisierung des Journalismus (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 140 - 141).

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges konnte von einer professionellen Berufsrolle des Journalisten in Deutschland nicht mehr gesprochen werden. Journalisten waren fest in die politischen Ziele der nationalsozialistischen Diktatur eingebunden. Durch gesetzliche Maßnahmen wurden die Ausbildung, die berufliche Rekrutierung und die Berufsausübung kontrolliert. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der angelsächsische Informationsjournalismus in Westdeutschland eingeführt worden, während hingegen der ostdeutsche Journalismus nach den sozialistischen Regeln funktionierte. Der gesamtdeutsche Journalismus weißt heute wesentliche Charakteristika auf, die der Tradition der angelsächsischer Länder entsprechen (vgl. Kleinsteuber/Pörksen/Weischenberg 2005: 136).

3. Das Berufsbild des Journalisten

3.1 Definitionen der Journalisten

Was ein Journalist bzw. was eine Journalistin ist, ist grundsätzlich nicht einheitlich und allgemein verbindlich definiert. Die Berufsbezeichnung ist in Deutschland und in vielen anderen Ländern nicht geschützt, das heißt jeder darf sich Journalist nennen. In der Bun- desrepublik beruht diese Tatsache auf Artikel 5 im Grundgesetz. „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“. Hieraus kann man schließen, dass der Berufszugang nicht an bestimmte Vorraussetzungen geknüpft sein darf, wie zum Beispiel der Abschluss einer speziellen Ausbildung in Form eines Hochschulstudiums (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 155; Noelle-Neumann/Schulz/Wilke 2003: 78 - 79).

„Die Veränderungen im Journalismus und im journalistischen Selbstverständnis spiegeln sich in den, […], Formulierungen des vom Deutschen-Journalisten-Verband (DJV) erarbei- tenden ‚Berufsbildes‛ wider“ (Kunczik/Zipfel 2001: 129). In den vergangenen Definitionen bezüglich des Berufsbildes ist ein Wandel der Vorstellung von einem reinen Begabungs- beruf zu einem Ausbildungs- und Qualifikationsberuf zu beobachten. Ebenfalls sind die Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und die Anpassung an die technischen und wirtschaftli- chen Veränderungen der Medienwelt hinzugefügt. In der aktuellen und weitgehend aner- kannten Fassung des DJV von 1996 heißt es: „Journalistin/Journalist ist, wer nach folgen- den Kriterien hauptberuflich an der Erarbeitung bzw. Verbreitung von Informationen, Mei- nungen und Unterhaltung durch Medien mittels Wort, Bild, Ton oder Kombination dieser Darstellungsmittel beteiligt ist“ (Kunczik/Zipfel 2001: 129; Noelle-Neumann/Schulz/Wilke 2003: 79).

3.2 Ausbildungsmöglichkeiten

Zunächst war für Journalisten „lange Zeit die Ablehnung eines reglementierten Berufszu- gangs und einer formalisierten Ausbildung kennzeichnend“ (Kunczik/Zipfel 2001: 155). Für die Berufsausbildung wurde anstatt eines spezifischen Fachwissens eine breite und hohe Bildung als Basis zum Verständnis von komplexen Zusammenhängen angesehen. „Es herrschte die Vorstellung vom ‚geborenen Journalisten’, dessen nicht erlernbare Qualitä- ten erst in den praktischen Arbeit zutage treten würde“ (Kunczik/Zipfel 2001: 155). Nach Wilmont Haacke war die Berufsauffassung des Journalisten kein üblicher Beruf, sondern vielmehr wird Publizist nur der, wer Berufung in sich spürt (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 155).

Es bestehen heutzutage unterschiedliche Ausbildungsmöglichkeiten, um den Beruf des Journalisten auszuüben. Als Hauptwege in den Journalismus gelten die Journalistenschu- len und/oder ein Hochschulstudium und das Volontariat. Weiter mögliche Ausbildungs- möglichkeiten sind Praktikum und Hospitanz, freien Journalistenschulen, spezielle akademische Ausbildungsgänge, das Studium der Publizistikwissenschaften/Kommunikationswissenschaften und das Studium im Bereich der Kommunikations- technik und Multimedia (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 156; Noelle-Neumann/Schulz/Wilke 2003: 96 - 99).

3.2.1 Das Volontariat

Das Volontariat ist die älteste Ausbildungsform für Journalisten bei Presse und Rundfunk in Deutschland. Es ist ein arbeitsrechtlich vorbereitender Dienst auf den Beruf, mit dem Schwerpunkt der praktischen Ausbildung in der Redaktion. Das Volontariat gilt heute im- mer noch als Hauptweg in den Beruf des Journalisten bzw. der Journalistin. In den 1970er Jahren wurde ein Volontariat oft im Anschluss nach dem Abitur absolviert. Heutzutage scheint ein Volontariat in Deutschland eine obligatorische Berufsvorbereitung zu sein, denn alleine 70 Prozent der heutigen beschäftigten Redakteure absolvierten diese Ausbil- dung. Nach einer Repräsentativumfragung von Beate Füth 1992 hatten acht von zehn Volontären ein abgeschlossenes Hochschulstudium absolviert. Aufgrund der Tendenz zum abgeschlossenen Hochschulstudium liegt das Alter von Volontären zwischen 28 und 30 Jahren. Die Redaktionen stellen meist einen Volontär mit einem Studienabschluss ein als einen Abiturienten, der dann nicht in der Redaktion bleibt, weil dieser erst noch studieren möchte. Das Volontariat dauert zwei Jahre, kann aber auf Wunsch des Auszubildenden auf 15 Monate verkürzt werden. Bei Tageszeitungen erhalten Volontäre im ersten Jahr 1300 € und im zweiten Lehrjahr knapp 1700 € Gehalt (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 157; von La Roche 1999: 173; Noelle-Neumann/Schulz/Wilke 2003: 96 - 97).

3.2.2 Praktika und Hospitanzen

Die Praktika und die Hospitanzen sind eine weitere Ausbildungsmöglichkeit, die vor allem Studierenden verschiedener Studienfächer angeboten werden. Hierbei handelt es sich aber dabei um keine systematische und langfristige Qualifikation zum Journalismusberuf. Es wird lediglich journalistisches Handwerk erlernt, welches auch wiederum sehr von den Umständen des Mediums und dem Engagement der Redakteure abhängig ist. Häufig ent- wickeln sich aus Hospitanzen und Praktika regelmäßige Beschäftigungen als freie Mitar- beiter und später zu Festanstellungen (vgl. Noelle-Neumann/Schulz/Wilke 2003: 97).

3.2.3 Zugang über die Hochschule

Mittlerweile führen viele Wege über die Hochschule in den Journalismus. Die Studiengän- ge sind vielfältig und unterschiedlich stark praxisorientiert. Einer der vielen Möglichkeiten ist ein herkömmliches Fachstudium und sich nebenbei um den Erwerb journalistischer Kenntnisse und Erfahrungen zu bemühen. Eine andere Möglichkeit ist die studienbeglei- tende Journalistenausbildung. Ebenso ist es möglich Journalistik als zweites Fach bzw. Nebenfach zu studieren oder nach abgeschlossenem Fachstudium ein viersemestriges Aufbaustudium anzuhängen. Man kann Journalistik als Hauptfach studieren, sowie andere praxisorientierte Vollstudiengänge unter dem Namen Medienwissenschaften. Weitere Möglichkeiten sind das Studium der Publizistikwissenschaften und Kommunikationswis- senschaften als Hauptfach oder Nebenfach, sowie das Studium an einer Hochschule bzw. Akademie für Fernsehen und Film (vgl. von La Roche 1999: 189).

3.2.4 Journalistenschulen

Die Journalismusschulen besitzen in Deutschland eine lange Tradition. Die erste Journalistenschule wurde im Jahre 1899 in Berlin errichtet. Ziel dieser Schule war die Lösung der Probleme des Prestigeverlustes und der fehlenden beruflichen Qualifikation der Journalisten (vgl. Kunczik/Zipfel 2001: 157).

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Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640543120
ISBN (Buch)
9783640542949
Dateigröße
971 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143577
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Publizistikwissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
Journalismus Beruf Modelle Journalismusforschung Donsbach Weischenberg

Autor

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