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China bedarf neuer Instrumente zur sozialen und ökologischen Gestaltung der Globalisierung

Essay 2010 7 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Abstract

Vorliegendes Essay behandelt die These „ China bedarf neuer Instrumente zur sozialen und ökologischen Gestaltung der Globalisierung.“

In einer Einführung wird zunächst die Rolle der Schwellenländer, insbesondere Chinas, im Zeitalter der Globalisierung erläutert. Es wird aufgezeigt, dass die Schwellenländer durch ihre strukturellen Merkmale in den letzten Jahrzehnten nicht nur stark gewachsen sind, sondern als Wirtschaftsstandorte eine lukrative Chance für Unternehmen aus Industrieländern darstellen. Nach einer knappen Betrachtung des Wirtschaftsstandortes China, beginnt im Hauptteil die Analyse der These. Es werden aktuelle Maßnahmen chinesischer Wirtschaftspolitik aufgezeigt und ihre eventuelle Erweiterung diskutiert. Beobachtbar ist ein steigender Bedarf an Wirtschaftspolitiken zur Begegnung sozialer und ökologischer Ungleichgewichte. Im Hauptteil aufgeführte Ursachen und eventuelle Folgen der Ungleichgewichte untermalen den Bedarf nach auffangenden politischen Maßnahmen. Abschließend wird ein Fazit gezogen.

Keywords

China, Globalisierung, Schwellenländer, Wirtschaftspolitik

Einleitung

Mit der zunehmenden Liberalisierung der Güter und Kapitalmärkte profitieren seit den 90er Jahren besonders die sogenannten Schwellenländer von erheblichen Wachstums- und Modernisierungsschüben. Im Zuge der Globalisierung bildete sich für sie die Möglichkeit konkurrenzfähige Produkte außerhalb des nationalen Binnenmarktes anzubieten und den Weltmarkt durch Exporte zu bedienen. Entsprechend dieser Entwicklung nahm in den letzten Jahrzehnten die Attraktivität der Schwellenländer als Industriestandort stark zu, ausländische Niederlassungen und Direktinvestitionen resultierten in einen deutlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung. Doch neben einem Umbau der Wirtschaftsstrukturen, zeichnen sich Schwellenländer durch soziale und ökologische Ungleichgewichte aus. So sind die Gegensätze zwischen Arm und Reich stark ausgeprägt und der Umweltschutz findet keine politische Relevanz. Vorliegendes Essay diskutiert wirtschaftspolitische Gestaltungsmöglichkeiten von Schwellenländern in der Epoche der Globalisierung am Beispiel von der Volksrepublik China.

In den chinesischen Wörterbüchern taucht seit kurzem der Begriff „ quanqiuxin “ auf, der im übertragenen Sinne so viel heißt wie, die ganze Welt umspannend. Im Zuge der Reformpolitik und der Öffnung eines isolierten Landes konnte sich China zur viertgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Nach zwei Jahrzehnten von Reformen, die darauf abzielten, das Land schrittweise in eine freie Marktwirtschaft umzuwandeln, die für ausländische Investoren leichter zugänglich wurde, trat China im Dezember 2001 der WTO bei (Wen 2006). Viele Beobachter sahen den WTO-Beitritt Chinas, verbunden mit einer Verstärkung des bestehenden Reformdruckes auf allen Ebenen, als den Beginn einer weitgreifenden Reform. China besetzt in der weltweiten Arbeitsteilung derzeit die Nische der Industrieproduktion von Massen- und Elektronikprodukten. Neben dem Potential des nationalen Absatzmarktes, ist China stark exportabhängig. Wie viele Schwellenländer konnte sich China in dem Wettbewerb der Industriestandorte durchsetzen. Standortbedingungen wie geringe Löhne bei einem stetigen Anstieg des Angebots ausgebildeter Industriearbeiter haben den Industriestandort nachhaltig positiv geprägt. Darüber hinaus zeichnet sich China durch eine gut ausgebaute Infrastruktur, geringe Sozial- und Umweltstandards, zunehmend liberale Handlungsmöglichkeiten und ein hohes Bildungsniveau aus. Trotz enormer Fortschritte binnen kurzer Zeit, bestehen in China jedoch auch Probleme wie Nahrungsmittelknappheit, die demographische Entwicklung und Umweltverschmutzung. Den Problemen, die mit einer zunehmenden Globalisierung einhergehen, können durch effektive Wirtschaftspolitik begegnet werden. Im Hauptteil des Essay werden solch Politiken durchgespielt und auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft. Strukturell orientiert sich das Essay an der Klassifizierung des Begriffs Wirtschaftspolitik. Ahrns und Feser definieren Wirtschaftspolitik als „einen Teilbereich der allgemeinen Politik, der darauf ausgerichtet ist, die Rahmenbedingungen sowie den Ablauf ökonomischer Aktivitäten im Hinblick auf bestimmte Ziele zu gestalten und zu beeinflussen.“ Maßnahmen werden in wirtschaftsordnungspolitische, verteilungspolitische, konjunkturpolitische und strukturpolitische Bereiche unterschieden. Anhand der Teilaspekte von Wirtschaftspolitik soll diskutiert werden, inwiefern der Standort China langfristig konkurrenzfähig bleibt.

Hauptteil

Nach Beitzinger lässt sich Wirtschaftsordnungspolitik „als die Gestaltung der Rahmenbedingungen wirtschaftlichen, d.h. marktlichen Handels interpretieren, um eine bestimmte Form von Effizienz zu erzielen“. Rahmenbedingungen meint in diesem Zusammenhang vor allem die Setzung rechtlicher Normen für den Wirtschaftsablauf. Ordnungspolitik ist prioritär, da sie die erforderlichen Voraussetzungen für die Schaffung und den Einsatz prozesspolitischer Instrumente zur Verfügung stellt. Im Folgenden werden drei Bereiche der chinesischen Wirtschaftsordnungspolitik beleuchtet und ihr Ausbaubedarf aufgezeigt. Ausgewählt wurden die Bereiche Umweltpolitik, Korruptionsbekämpfung und Arbeitnehmerschutz.

„Wir werden nicht aus Angst vor dem Ersticken das Essen aufgeben, nicht aus Angst vor Verunreinigung der Umwelt darauf verzichten, unsere Industrie zu entwickeln,“ verkündetet 1972 der chinesische Vertreter auf der ersten UN.-Umweltkonferenz in Stockholm. Die Volksrepublik liegt auf Platz zwei des weltweiten Primärenergieverbrauchs und der CO2 Emission (Wen 2006) und zeichnet sich im internationalen Standortwettbewerb vor allem durch niedrige Umwelt- und Sicherheitsauflagen aus. Inwieweit diese Bilanz den Wirtschaftsstandort langfristig positiv oder negativ beeinflusst, soll in folgenden Teilen diskutiert werden. Zum einen bieten niedrige Umwelt- und Sicherheitsstandards für ausländische Investoren die Möglichkeit kostengünstiger zu produzieren. So war dies mitunter einer der Schlüsselfaktoren die zu einem erheblichen Anstieg an ausländischen Niederlassungen und somit zu einem höheren Wirtschaftswachstum sowie genereller Wohlstandsteigerung in China geführt haben. Nach jahrzehntelanger Nichtbeachtung des Umweltschutzes und einer stetigen globalen Relevanz der Umweltdebatte, werden die Auswirkungen jedoch immer gravierender und stellen eine eher negativ wahrgenommene Standortbedingung dar. Niedrige Umweltstandards führten in China zu einer starken Luftverschmutzung in den Städten sowie erheblichen Flussverschmutzungen auf dem Land. Auf einem Drittel des chinesischen Territoriums geht saurer Regen nieder und ein Viertel der Bürger hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Trotz Erhöhung der Investitionen im Umweltbereich, wirken sich mittlerweile durch Umweltverschmutzung entstehende Kosten negativ auf das Wirtschaftswachstum aus. Die Erkenntnis über eine stetige Zunahme der Umweltdebatte hat schließlich zu einer Einführung sogenannter grüner Technologien geführt. Doch ihr Einsatz konnte bisher nur wenig ausrichten. Einer der Gründe dafür ist, dass das chinesische Umweltministerium SEPA (State Environmental Protection Agency) über wenig Autorität verfügt. So sind zwar in den meisten Industrieanlagen Klärvorrichtungen eingebaut, diese sind jedoch nur in einem Drittel der Fälle regelmäßig aktiv. Darüber hinaus sind Sanktionen, die das SEPA in Form von Geldbußen verhängt niedriger, als die Unkosten die durch den Einsatz grüner Technologien entsteht. Mittlerweile gewinnt der Umweltschutz in China zwar an Relevanz, die feststellbaren Fortschritte in der chinesischen Umweltpolitik sind jedoch nicht weitgreifend genug. So wurden 2004 1,8 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsproduktes für Umweltschutz ausgegeben, die vom chinesischen Umweltministerium SEPA berechneten tatsächlich entstandenen Kosten lagen jedoch bei 3 Prozent (Heilmann 2004). Im Vergleich zu anderen Schwellenländer kann man von einer ausgeprägten Umweltpolitik sprechen, dennoch ist Chinas Umweltkrise als entscheidender Faktor zu sehen, der den Weg zur Welt- und Wirtschaftsmacht gefährdet.

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Details

Seiten
7
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640546374
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143753
Note
1,7
Schlagworte
China Instrumente Gestaltung Globalisierung

Autor

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Titel: China bedarf neuer Instrumente zur sozialen und ökologischen Gestaltung der Globalisierung