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Bernstorf – Eine süddeutsche Bronzezeit-Siedlung mit Beziehungen zum Mittelmeerraum

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 28 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Chronologische Einordnung Bernstorfs in die Bronzezeit
1.1 Die Charakteristika der Hügelgräber-Kultur
1.1.1 Die Grabsitten
1.1.2 Sozial-ökonomische Struktur

2. Bernstorf
2.1 Fundgeschichte/Lokalisation
2.2 Das Gelände

3. Die Grabung
3.1 Die Befunde
3.2 Funde aus Bernstorf
3.2.1 Keramikfunde
3.2.2 Kleinfunde
3.2.3 Bernstein
3.2.4 Bronzefunde
3.2.5 Goldschmuck

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Bildnachweise

Einleitung

Der Kampf um Troia zählt zu den ältesten und bedeutendsten Heldenepen des Abendlandes, die die Europäer und den Rest der Welt seit mehr als 2500 Jahren in ihren Bann zieht. Ob jene Kämpfe in Wirklichkeit passiert sind, bleibt weiterhin ein spekulativer Ansatz.

Troia ist seinerzeit ein bedeutendes Wirtschaftszentrum der frühen Bronzezeit mit internationalen Handelskontakten. Es gilt außerdem aufgrund seiner geografisch günstigen Lage, bis zu seiner Zerstörung um 1200 v. Chr., als Zwischenlager und Logistikzentrum.

In meiner Hausarbeit „Bernstorf - eine süddeutsche Bronzezeitsiedlung mit Beziehungen zum Mittelmeerraum“ soll es nicht um einen Epos gehen, sondern vielmehr um eine Sage, die Sage nach einer versunkenen Stadt.

Im ersten Teil möchte ich eine chronologische Einordnung Bernstorfs geben. Hierbei werden Charakteristika wie die Grabsitten erläutert. Der zweite Abschnitt „Bernstorf“ erklärt die Fundgeschichte, die Lokalisation sowie das Gelände Bernstorfs. Um die Befunde Bernstorfs soll es in „Die Grabung“ gehen. Hierbei wird näher auf die Bernstein- sowie Goldfunde eingegangen, die uns starke Beweise für die Existenz von Kontakten in den Mittelmeerraum liefern.

Im Schlussteil fasse ich die essentiellsten Fakten zusammen und möchte einen Diskurs über die Handelskontakte sowie die Gründe der Zerstörung Bernstorfs führen.

Da die Literaturmöglichkeiten bezüglich des Fundortes Bernstorf sehr eingeschränkt sind, bediene ich mich hierbei hauptsächlich an dem Werk von Moosauer (Die versunkene Stadt aus der Bronzezeit).

1. Chronologische Einordnung Bernstorfs in die Bronzezeit

Die Epochen der Mitteleuropäischen Bronzezeit werden in drei große Abschnitte unterteilt: in die Frühbronzezeit (2000-1600 v. Chr.), Mittelbronzezeit (1600-1300/1200 v. Chr.) und Spätbronzezeit (1300/1200-800 v. Chr.) (Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Chronologie der Bronzezeit

Bernstorf wird zeitlich (durch C14-Untersuchungen) zwischen 1675 und 1510 v. Chr. datiert. Dieser Zeitabschnitt fällt somit in die Hügelgräber-Kultur, also der Mittelbronzezeit in Mitteleuropa (1600-1300/1200 v. Chr.), die zeitgleich mit der mykenischen Zeit (1600-1150 v. Chr.) im Nahen Osten herrscht. Aufgrund des Fortschritts der Bronzetechnologie wird die Mittelbronzezeit auch als Hochbronzezeit bezeichnet. Die Mittelbronzezeit in Süddeutschland wird nach Paul Reinicke (1872-1958) in die Stufen B und C unterteilt. Galt die Stufe D, also 1300/1200 v. Chr. in der damaligen Wissenschaft als Mittelbronzezeit,

so wird sie heute der Spätbronzezeit zugeordnet. Die bereits angesprochene Hügelgräber-Kultur erstreckt sich von Ostfrankreich bis ins Karpatenbecken von Ungarn hinein.[1] Die Hügelgräber-Kultur herrscht in Deutschland in Baden-Württemberg, Bayern, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Südthüringen und Sachsen-Anhalt vor[2] und wird in verschiedene lokale Gruppen unterteilt:

- Württembergische Gruppe
- Oberbayerische Gruppe
- Oberpfälzisch-böhmische Gruppe
- Rhein-Main-Gruppe
- Werra-Fulda-Gruppe
- Lüneburger Gruppe

Diese Lokalgruppen unterscheiden sich durch ihre Keramik sowie durch Schmucktracht und Bewaffnung.

1.1 Die Charakteristika der Hügelgräber-Kultur

1.1.1 Die Grabsitten

Der Name Hügelgräber-Kultur geht auf die Grabsitte jener Zeit zurück, welche ab 1600 v. Chr. die in der Frühbronzezeit übliche Flachgräbersitte ablöst.[3] Hierbei wird der Tote in Festkleidung langgestreckt auf dem Totenbett oder in einen ca. 20 cm starken kammerartigen Sarg (Eichenbaumsarg) gebettet. Die sargartige Kammer wird auf die vorhandene Landoberfläche, vereinzelt auf eine Steinlage bzw. eine aufgeschütteten Schicht, gestellt.[4] Meistens wird Der Tote in der Rückenlage unverbrannt in den angesprochenen Sarg gelegt. Die Angaben der Fachliteratur bezüglich der Ausrichtung des Toten sind äußerst widersprüchlich. Heißt es bei Michael Schmidts Publikation „Europa und der Mittelmeerraum zu Zeiten der frühen Kelten und Germanen“, dass die Toten mit dem Kopf gen Westen und mit den Beinen Richtung Osten gelegt worden waren, so behauptet Rudolf Feustel in „Bronzezeitliche Hügelgräberkultur im Gebiet von Schwarza (Südthüringen)“, dass die Ausrichtung des Toten willkürlich bis unbedeutend ist.

Der Sarg wird entweder mit Erde oder mehreren Steinen bzw. Steinplatten bedeckt. Hierzu sei angemerkt, dass die älteren Gräber (Bz C1) keinen oder nur einen geringen Steinschutz besitzen, während die jüngeren regulär Steinkammern aufweisen. Diese Tatsache erlaubt vielerlei Fragestellungen aufzuwerfen: Nehmen die Aktivitäten der Grabräuber in der mittleren bis späten Bronzezeit zu? Werden die Gräber qualitativ aufgebessert, um für die Unendlichkeit zu stehen?

Ehe der Verstorbene beerdigt wird, sind anscheinend mehrere Tage vergangen, was die vielen Fliegenlarvenhüllen auf den erhaltenen Skelettresten beweisen. Bevor ein Hügel aufgeschüttet wird, wird entsprechend des gewünschten Umfangs ein kreisrunder oder ovaler Steinkranz errichtet. Diese Steinkränze bestehen aus gebauten Trockenmauern oder einzelnen Steinblöcken. Das Material hierfür stammt sehr häufig aus der Nachbarschaft.[5] Einige Grabhügel werden mit Anbauten erweitert, um weitere Tote beizusetzen. Die Zahl der Anordnung der Gräber innerhalb der Hügel schwankt beträchtlich. Die Nachbestattungen liegen in der Regel an der Außenseite des Steinkranzes.[6] Der Dolch ist das gebräuchlichste Ausrüstungsstück der Männer und fehlt daher in (fast) keinem Grab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Querschnitt eines bronzezeitlichen Hügelgrabes mit Nachbestattung

Fehlt er allerdings doch, wird er durch ein Messer oder Schwert ersetzt. Die Variationsbreite der Waffenbeigaben geht von Langdolchen bis hin zu Kurzschwertern.[7] Das Kurzschwert in einem solchem Grabkomplex dient weniger dem Kampf als vielmehr dem Prestige einer Person. Als Fernwaffe gebrauchen die Hügelgräberleute ausschließlich Pfeil und Bogen. In einem Männergrab bei Grub fanden sich 15 bronzene Pfeilspitzen (Abb.3). Hierbei „handelt es sich um Tüllenpfeilspitzen, deren Flügel meist in Widerhaken auslaufen.“[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: 15 Pfeilspitzen aus dem Männergrab bei Grub

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei den weiblichen Gräbern fällt auf, dass nur sie Bernstein- und Glasperlen enthalten. Aufgrund der Fülle von Schmuckbeigaben in den weiblichen Gräbern, ist davon auszugehen, dass den Frauen ihr gesamter Schmuck mit ins Grab gegeben wird.

Die Gewandnadeln, welche in den Gräbern ebenfalls auftreten, bilden den wahrscheinlich charakteristischsten Bestandteil der Tracht und damit der gesamten Hügelgräber-Kultur. Sie finden sich in fast jedem Frauengrab – seltener in Männergräbern – wieder. Zu Beginn der Hügelgräberbronzezeit ist der Typus mit dem vierkantig gewellten Schaft, kurzer durchlochter Halsschwellungund kleinem, leicht gewölbtem Scheibenkopf häufig aufzufinden. Weitere „nur“ in Frauengräbern vorkommende Schmuckelemente sind Radnadeln (Abb.4) Andere Schmuckbeigaben in Frauengräbern sind Brillennadeln, Halsringe, Armspiralen, Arm- und Beinberge sowie Ohrringe.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Radnadel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1.2 Sozial-ökonomische Struktur

Die vollkommende Rekonstruktion der Sozialstruktur der Hügelgräberleute Mitteleuropas ist sicherlich nicht en Detail zu erfassen, dennoch erlaubt die Fülle von Funden Einblicke in die Bronzezeit und lässt somit Umrisse erkennen.[10]

Die Siedlungen der Hügelgräberleute liegen in unmittelbarer Nähe zu den zeitgenössischen Gräbern. Werden die Seeufersiedlungen aufgrund der schlechter werdenden klimatischen Verhältnisse immer seltener angelegt,[11] so finden sich umso häufiger Siedlungen in topografisch exponierten Lagen vor. Um nur ein Beispiel für diese protokeltischen Fürstensitze anzubringen, sei der Ort Bliessbruck-Rheinheim (Abb.5) zu nennen. Im Mittelpunkt von Bliesbruck-Rheinhein steht ein topografisch herausragender Bergsporn, der »Homerich«. Sein Areal umfasst 20 ha. Auf diesem Areal befinden sich Grabhügel aus der „späten Bronze- (1300/1200-800 v. Chr.), Hallstatt- (800-450 v. Chr.) und Frühlatènezeit (450-280 v.Chr.) […]“.[12]

[...]


[1] Vgl. Probst, Ernst (1996): Deutschland in der Bronzezeit. Bauern, Bronzegießer und Burgherren zwischen Nordsee und Alpen: Bertelsmann, München, S.167.

[2] Vgl. Schmidt, Michael (2003): Europa und der Mittelmeerraum zu Zeiten der frühen Kelten und Germanen. (von um 900 v. Chr. bis 16 v. Chr.). Frankfurt am Main: Artaunon-Verlag, S.478.

[3] Vgl. Schmidt, Michael (2003): Europa und der Mittelmeerraum zu Zeiten der frühen Kelten und Germanen. (von um 900 v. Chr. bis 16 v. Chr.). Frankfurt am Main: Artaunon-Verlag, S.478.

[4] Vgl. Feustel, Rudolf (1958): Bronzezeitliche Hügelgräberkultur im Gebiet von Schwarza (Südthüringen). Weimar, S.1.

[5] Vgl. Ebenda.

[6] Vgl. Feustel, Rudolf (1958): Bronzezeitliche Hügelgräberkultur im Gebiet von Schwarza (Südthüringen). Weimar, S.3.

[7] Vgl. Ebenda, S.4.

[8] Ebenda, S.8.

[9] Vgl. Feustel, Rudolf (1958): Bronzezeitliche Hügelgräberkultur im Gebiet von Schwarza (Südthüringen). Weimar, S.9.

[10] Vgl. Clausing, Christof (1999): Untersuchungen zur Sozialstruktur in der Urnenfelderzeit Mitteleuropas. In: Eliten in der Bronzezeit, Bd. 43. Mainz, S.319.

[11] Vgl. Schmidt, Michael (2003): Europa und der Mittelmeerraum zu Zeiten der frühen Kelten und Germanen. (von um 900 v. Chr. bis 16 v. Chr.). Frankfurt am Main: Artaunon-Verlag, S.478.

[12] Reinhard, Walter (2008): Forschung. Frühkeltischer Fürstensitz; Machtzentrum von Bliesbruck-Reinheim. In: Archäologie in Deutschland, H. 2, S. 7.

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640547449
ISBN (Buch)
9783640551781
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143807
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Bronzezeit Mykene Troia Mittelmeerraum Bernstein Goldfunde

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Titel: Bernstorf – Eine süddeutsche Bronzezeit-Siedlung mit Beziehungen zum Mittelmeerraum